Ich habe mich nur gerade massivst weggeworfen:
Wer es noch nicht wusste oder es nie wissen wollte, gestern jährte sich mal wieder der Todestag des Führer-Stellvertreters Rudolf Heß, dem Märtyrer der Neo-Nazi-Szene , die diesen Anlass auf Grund ihrer Vorliebe für Opferhaltung immer gerne zu Gedenkmärschen nutzte. Das ging sogar soweit, dass Udo Voigt ihn mal während einer Kundgebung für den Friedensnobelpreis vorschlug. Starkes Stück, wie ich finde.
Dieses Jahr sollte es mal etwas neues, innovatives und nicht so vorhersehbares sein, wohl auch, weil diese Gedenkmärsche im Regelfall frühzeitig verboten werden.
Also rief man zu sogenannten Flashmobs an unterschiedlichsten Orten auf.
Das hatte aber wohl nicht den erhofften, durchschlagenden Erfolg, wie man dem, zugegeben, nicht ganz unvoreingenommenen Artikel auf NPD-Blog.Info entnehmen kann.
Mein persönliches Waterloo war folgender Satz:
"Auch in der österreichischen Hauptstadt Wien sollte am Westbahnhof ein “Hessmob” auftreten, doch angesichts der bereits anwesenden Menschenmenge verlegten die fünf eintreffenden Neonazis stattdessen ihren Aufenthalt in eine nahe gelegene Gaststätte."Sorry, aber das ist so drollig, ich kann einfach nicht anders, ich lach' immer noch Tränen.
Bezeichnend finde ich aber bei dem Gesamtresümee der Hessmob-Aktion, dass sie anscheinend zwar die Flexibilität und Koordinationsfähigkeit der braunen Flasher überforderte, nicht aber die der Gegendemonstranten.
Mag auch daran gelegen haben, dass solche Flashmobs eben auch, im Gegensatz zu angemeldeten Demonstrationen zwar nicht im Vorfeld verboten werden können, dafür aber auch auf Polizeischutz verzichten müssen.
Apropos Schutz:
Am Montag hat bei uns in NRW ja die Schule wieder begonnen, mit all den alljährlichen wiederkehrenden Formalitäten und nervigen Kleinigkeiten, die zu Beginn des Schuljahres erledigt werden müssen.
Wie jedes Jahr, durfte ich auch dieses Jahr wieder mit meiner Unterschrift bestätigen, dass mein Sohn in der Mittagspause den Schulhof verlassen darf, wie jedes Jahr, so auch dieses Jahr durfte ich the one and only Hausaufgabenheft, dass die Schüler dieser Schule ausschließlich benutzen dürfen, bezahlen, zusätzlich natürlich zu dem Anteil an Schulbüchern und dem anderen Material, welches wir ja vorher schon bestellen bzw. besorgen mussten, wie jedes Jahr, so auch dieses Jahr musste ich als Erziehungsberechtigter die Schulordnung und -Ethik (sind da zweierlei) mit unterschreiben, sowie darüber entscheiden, ob ich die Persönlichkeitsrechte meines Sohnes an gegebenenfalls von ihm gemachten Bildmaterial abtrete oder nicht (er hatte netter weise schon mal "nicht einverstanden" angekreuzt) und bla und sülz...
Mal ehrlich, bei all den Blättern, die ich heute und gestern unterschreiben musste, könnte ich eine Lebensversicherung abgeschlossen oder ein Auto geleast haben, ohne es zu merken.
Besonders freue ich mich schon wieder auf die Sonderwünsche der einzelnen Lehrer. Da muss es dann unbedingt dieses eine bestimmte Wörterbuch sein, oder dieser eine bestimmte Taschenrechner oder für den Unterricht wird noch dringend dieses eine, total wichtige, Fachbuch benötigt.
Ich habe manchmal das Gefühl, die Lehrer haben Werbeverträge bei den verschiedenen Firmen...
Witzig ist jedoch diese Jahr, dass das Thema Hygiene ganz groß aufgelegt wird.
Erst gab' es erste Einweihungen in die Thematik, "Wie niese ich richtig?" (bloß nicht in die Hand!) und "Wie oft und auf welche Weise wasche ich mir korrekt die Hände?" (am besten ständig!) im Klassenverband und dann nochmals in der Mensa als "Schuluraufführung". Auch war irgendwo in dem Papierstapel, den ich abzeichnen sollte, noch ein Schrieb, in dem ich mich verpflichtete, glaube ich jedenfalls, mein Kind nie nicht mit Fieber, Husten oder sonstigen unklaren Krankheitsbildern zur Schule zu lassen.
Immerhin wusste mein Sohn zu vermelden, dass dieses Jahr das erste Mal seit er die Schule besucht, so komische weiße Steine auf den Waschbecken der Klassenzimmer zu finden waren. Die Schule hat sich in Unkosten gestürzt und 'ne Runde Seife für alle spendiert. Na, wenn das kein Grund zum Feiern ist...
Mit anderen Worten, die SCHWEINEGRIPPE hat uns eingeholt, oder vielmehr die Panik vor derselben. Dabei wähnten wir uns bisher auf so einer ruhigen Insel der Rationalität.
Während andere über Zwangsimpfungen, Schutzimpfungen generell und den existentiellen Fragen "Wird der Impfstoff auch für alle reichen?", "Muss ich dass selber zahlen, oder übernimmt das die Krankenkasse?" und "Wird sie deshalb die Beiträge erhöhen?", nachdachten (nebenbei, ich verpasse regelmäßig jedes Jahr schon die aktuelle Grippeimpfung und das schon seit Jahrzehnten, und habe bis auf die üblichen Infekte immer auch so überlebt...), war bei uns die Devise: Keine Panik auf der Titanic...
Es gibt zwar Gerüchte, dass es hier bei uns in der Stadt zwei Fälle gegeben haben soll, aber erstaunlicherweise, steht davon nix in den regionalen Gazetten, noch kennt irgendwer, den wir kennen, irgend wen, der einen kennt, der auch nur eine Grippe hatte, hat oder vor hat, eine zu kriegen. Und so groß ist unsere Stadt ja nun nicht...
Aber die Schule macht auf Panik.
Wobei ich mich vor ein paar Tagen noch sehr ausführlich darüber unterhalten habe, wie sich Panik auf das Immunsystem auswirkt, davon, das man damit hysterischer-hypochondrische Schübe herbei reden könnte, mal ganz zu schweigen.
Was mich jedoch etwas beunruhigt, ist die Tatsache, dass die heute in der Berufsschule bei meiner Tochter den gleichen Terz veranstaltet haben.
Immerhin sind das durchwegs Bäcker und Bäckerei-Fachverkäufer, die jeden Tag mit Lebensmitteln hantieren und auch, wenn mich gewisse Interna über die Gepflogenheiten in Backstuben und Ladenlokalen einiger Bäckereien, doch fast dazu veranlassen, nur noch dort mein Brot zu holen, wo es nicht mit der nackten Hand angepackt wird, finde ich es schon beunruhigend, wenn man da den Leuten noch die elementarsten Hygieneregeln erklären muss.

