"Bildung ist wichtig, vor allem wenn es gilt, Vorurteile abzubauen.
Wenn man schon ein Gefangener seines eigenen Geistes ist, kann man wenigstens dafür sorgen, daß die Zelle anständig möbliert ist.
"
Peter Ustinov
„Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.“

Benjamin Franklin


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Dienstag, 1. Februar 2011

Suse, liebe Suse, was raschelt im Stroh?

Ich frage mich immer, warum die Leute aus allem ein riesen Problem machen müssen?

Im Allgemeinen und im Heidentum im Besonderen. Wenn ich das so manchmal höre oder lese, dann denke ich, man sollte mal wieder auf den Teppich kommen.

Generell:
Wenn mich etwas stört, dann meckere ich nicht bis zum Exodus, sondern versuche das für mich zu ändern. Ich warte dann auch nicht, bis jemand vorbei kommt und das für mich erledigt, sondern mache das selbst. Mit den Konsequenzen muss ich dann leben und kann sie eben nicht auf andere abwälzen.
Wenn ich das nicht will oder den Aufwand scheue, ist das ja auch in Ordnung, nur kann ich mich dann auch nicht beklagen.
So einfach ist das!

Speziell zum Heidentum™:
Einerseits wettert man gegen die Abrahamitischen Religionen der zweiten und dritten Generation (sprich Christentum und Islam), weil die ja allerorten missionieren und ihr Ding als Wahrheit™ sehen, andererseits machen die lieben Heiden das gleiche in grün.
Nicht nur, dass sie sich scheinbar mehr um die Angelegenheiten der Christen und Moslems kümmern, als um ihren eigenen Glauben, nein, sie müssen auch noch an dem Glaubensverständnis ihrer "Artgenossen" rum kritteln.
Was hat man eigentlich davon, anderen Leuten erklären zu wollen, was nun wahres Heidentum ist und was nicht?

Langsam kann ich das wirklich nicht mehr hören. Wenn interessiert das?

Mal abgesehen, dass die meisten dabei ein immer noch tief verwurzeltes dualistisches Denken offenbaren, wahr-falsch, gut-böse. Und, nein, dabei handelt es sich bei allem guten Willen, es so auszulegen nicht um eine Polarisierung, also Dualismus einer Einheit, wie zwei Seiten einer Münze, sondern eben um die gleiche Art von beinharter Schwarzweißmalerei, den man bei der monoheistischen Konkurenz immer kritisiert.

Dazu macht man sich Gedanken, wie man die breite Masse auf sich aufmerksam macht, "die Jugend" für den eigenen Glauben begeistern könnte, wie man sie mit ins Boot holt, etc.
Ja, toll, machen wir doch Jugendgruppen auf, Asatru-Sommercamps mit Wikingerboot fahren, und Trinkhorn schnitzen mit Eddalesungen und Celtoi-Filmabende mit Vertingetorix und Cuchulain oder etwas vergleichbares für andere Glaubensrichtungen.
Bin ich froh, dass mein "Verein" erst ab 18 ist, wie der der Wicca übrigens auch...

Dann immer das Gewese um den Kirchenaustritt.
Leute, wenn ich in einem Verein bin, den ich nicht unterstützen möchte, dann trete ich da aus. Und wenn mich das Geld kostet, einerlei ob nun moralisch vertretbar oder nicht, dann zahle ich und fertig ist. Beschweren würde ich mich höchstens bei den Leuten, die mir die Mitgliedschaft eingebrockt haben, also im Normalfall den Eltern. Was kann denn die Kirche dafür, dass die einfach mal so beschlossen haben, dass ihre Kinder da gut aufgehoben wären?
Und natürlich wendet sich die zuständige Gemeinde dann noch einmal an den Ausgetretenen, ob er sich das noch mal überlegen will, die müssen sich ja von Amtswegen wenigstens ansatzweise um das Seelenheil der (Ex-)Schäflein kümmern und natürlich gehen den Krichen dadurch Einnahmen flöten, aber was soll's?
Bei mir kam genau noch ein Brief von meinen zuständigen Pfarrer, den ich im Übrigen gar nicht mal kannte, der landete auch gleich im Rundordner und danach war die Sache für mich gegessen. Das mag in sehr kleinen Gemeinden oder bei bestimmten Sektionen anders aussehen, aber das sind nun mal die Konsequenzen, die zu erwarten sind. Irgendwann geben die auch auf, wenn sie merken, dass da nichts mehr zu reißen ist. So what?

Apropos Konsequenzen:
Wenn ich denn aus der Kirche ausgetreten bin oder nie drin war und dann verlange, eine Stelle bei einer Institution unter kirchlichen Trägerschaft zu bekommen, hallo, das muss ich jetzt nicht weiter ausführen, oder? Subventionen aus Steuergeldern hin oder her, aber ...öhm..
Aber auch, wenn man noch "drin" ist, und aus welchen Gründen auch immer nicht austreten will, ist doch auch okay. Einmal ganz davon abgesehen, dass es sich bei einem Austritt um einen rein rechtlich-formalen Akt handelt, die Taufe als solche aber rein theologisch, bestand hat.
Mit den Worten meines Sohnes gesprochen "Das Taufsiegel kriegt man sowieso nie wieder weg!"
Die Frage ist da ja bloß, ob man dem dann Kraft seiner eigenen Interpretation (oder seinem Willen!) noch irgendeine Bedeutung zu kommen lässt. Was bitte interessiert es die Göttter, das All-Eins, das Universum, was in irgendeinem Taufregister steht? Rituale sind für die Menschen da, nicht die Menschen für die Rituale.

Genauso wenig kann ich meine Kinder in einen kirchlichen Kindergarten oder Schule, aber auch unter staatlichen Trägerschaft laufenden Einrichtungen dieser Art, schicken, und mich dann beschweren, dass sie mit dem Christentum konfrontiert werden.
Wenn ich das nicht will, dann gibt es ja jede Menge Alternativen, Waldorf und Co. machen es möglich. Aber, dazu müsste man ja vielleicht nach so etwas suchen oder noch schlimmer ein paar Kilometer fahren.
Nebenbei, das beste Rezept, seine Kinder vor Indoktrinationen egal aus welcher Richtung zu schützen, ist, sie zu frei denkenden Menschen werden zu lassen. (ich vermeide hier bewußt die Vokabel "erziehen"!) Und dazu gehört meiner Meinung nach nicht, ihnen ständig damit zu kommen, wie Kacke doch die anderen sind und wie toll man selbst. 

Dazu kommt, dass sich einige Heiden geradezu von Christen und Moslems verfolgt fühlen. Tja, Überraschung, die sind halt mehr, da beisst die Maus keinen Faden ab, und abgesehen davon, dass die meisten dieser pösen Monos ungefähr so gläubig sind, wie mein Hund, hat mir in den 44 Jahren, in denen ich nun mehr lebe, noch nie einer davon die Bude eingerannt, um mich zu missionieren. Okay, es gab da mal eine kleine Episode, als ich noch in Düsseldorf gewohnt habe, mit zwei Zeugen Jehova, die die Meinung vertraten, ich als Frau hätte eh nicht zu bestimmen, ob ich nun ihres Heils bedarf oder nicht, aber ein "netter" Anruf hat das dann auch geklärt.
Aber sonst?

wenn man das jedoch so hört, sind wir ja geradezu umzingelt von Abrahamiten, die nichts lieber wollen, als entweder unsere Seele oder unseren Tod.
Da stellle ich mir dann wirklich die Frage, ob ich möglicherweise in einem komplett anderen Universum lebe?

Jedenfalls könnte man bisweilen fast annehmen, Unzufriedenheit an der eigenen Situation und damit verbundene destruktive Verhaltensweisen wäre im Heidentum™ systeminharänt, wenn es nicht erstens genug Gegenbeispiele gäbe und zweitens dieses Gebaren nicht auch in der übrigen Bevölkerung weite Verbreitung finden würde.

Aber gerade in letzter Zeit ist etwas im Heidentum im Gange, dass ich noch nicht recht einzuordenen verstehe. Allerdings ist das auch schon einigen Bekannten aufgefallen, also habe ich wohl doch noch alle Latten am Zaun.

Immer öfters hört man von "Mobilmachung" und "Bereitsein für den Ernstfall".
Bitte?
Ich bin ja der Letzte, der sich nicht gelegentlich Gedanken über den zunehmenden Fundamentalismus machen würde, wobei mein Hauptaugenmerk da auf den im Christentum liegt, weil der so gern bei aller forcierten Islamistenparanioa übersehen wird, aber ich habe jetzt nicht das Gefühl, dass ich nachts mit einer geladenen Waffe neben dem Kopfkissen schlafen müsste, weil meine Nachbarn schon mal einen Überfall planen.

Okay, wenn das jetzt von irgendwelchen 14- oder 15- Jährigen kommen würde, dann dächte ich, die haben zuviel Pagan-Metal gehört, aber ein paar Bekannte aus der Forn Siðr hier aus NRW erzählten mir, dass da in letzter Zeit ein paar durchaus erwachsene Gestalten aufgeschlagen wären, die so was verzapfen. Kann man das vielleicht noch getrost ignorieren und als nicht abgehandelte unterbewusste Traumata abhaken und den Leuten eine Psychotherapie empfehlen (kommt nicht von mir!) ist da wohl noch etwas anderes im Busch.

Vereinzelt tauchen neuerdings nämlich Leute auf, reden von kulturellem und religiösen Erhalt und Identität, einem Besinnen auf gemeinsame Wurzeln innerhalb Europas. Für sie ist dann auch nur das Heidentum, was sie innerhalb dieser engen Grenzen als indigen definieren. Also germanisch, keltisch, im besten Fall noch slawisch und in Ausnahmen römisch-griechisch, wobei dies meistens durch das Unterschlagen der synkretistischen Neigungen romantisiert wird.
Das erinnert mich dann schon wieder etwas an die Leitkultur-Idee unser Bundesregierung, eben nur ohne C.

Wurzeln sind wichtig, keine Frage. Wenn ich weiß, woher ich komme, dann trägt das ungemein zum Selbstfindungsprozess bei und kann sich durchaus positiv auswirken. Nur, wo wir schon bei dem schönen Bild sind, ein Baum besteht ja nicht nur aus Wurzeln, er wächst ja nach oben zum Licht, breitet seine Äste zu allen Seiten aus.

Von Zeit zur Zeit fällt dann der Begriff Pan-Bewegung und wenngleich ich da lustigerweise erst einmal an Bacchanalien und fröhliche Flötenmusik denken musste (ja, blöde Verknüpfung!), beschleicht mich dabei ein undefiniertes, so doch recht mieses Gefühl in der Bauchgegend. 

Kurze Recherche ergab, wie im obigen Wiki-Link ersehbar, dass es sich dabei, um, durchaus nicht  auf das Heidentum beschränkte, Bestrebungen handelt, die heutigen Staatsformen zu Gunsten von ethnische-definierten "Kultur-Nationen" abzuschaffen.

Also, im Klartext, jede Ethnie bekommt ein Stück vom Kuchen, wo sie sich frei und autonom entfalten kann.
Voraussetzung wäre da aber eines Erachtens, dass man die Leute erst einmal ethnisch sortiert. Wohl dem, der seinen Stammbaum reinerhalten hat oder noch den Ahnenpass von Opa in der Schublade liegen hat. Den müsste man dann auch gleich wieder einführen, denn dank Völkerwanderung, Hunnen- und Mongolensturm und sonstigen Heeresaktivitäten und Besatzungszeiten und den dadurch bedingten Produkten notgeiler Krieger und Soldaten, und in Friedenszeiten, Händler oder Matrosen, dürfte das zweifelsfreie Einordnen nach Ethnie doch schon etwas schwer fallen, auch ohne all die anderen Möglichkeiten, wie man zu "fremden" Genen kommen kann.
Aber so eng sehen die Beführworter dieser Bewegung es sicher nicht, denn Ethnie bezieht sich ja nicht nur auf die Abstammung, sondern eben auch auf eine gemeinsame Kultur, Sprache, Kleidung  und Religion. Ich sagte ja, es erinnert mich ein wenig an das, was Merkel, Seehofer und Co. allein in letzter Zeit rausgehauen haben.

Und da liegt eben für mich der Hase im Pfeffer.
Es klingt ja für den naiven oberflächlichen Betrachter doch recht unverfänglich, um nicht zu sagen (vordergründig) tolerant, wenn jemand davon spricht, man wolle jeder kulturell definierten Volksgruppe einen eigenen Lebensraum verschaffen.

Hurra, Freiheit für die Basken, Kurden und all die anderen ethnische Minderheiten!
Nach erfolgter, für dieses Konzept unbedingt erforderliche Ethnischen Säuberung Umsiedlung könnten sie endlich ihre Identität frei ausleben, ohne etwaige Repressalien durch vorherrschende Völker befürchten zu müssen, sie würden sicher auch noch neue Bekanntschaften schließen mit ihnen abstammungstechnisch verwandten Völkern, denn, seien wir ehrlich, für jedes kleinste Volk einen eigenen Staat, das dürfte allein schon aus Gründen der Notwendigkeit autonomer Funktionalität schwierig werden.

Aber soweit denkt derjenige, der mit der Idee dieses Konzeptes zum ersten Mal konfrontiert wird wahrscheinlich gar nicht, besonders dann nicht, wenn er sich sowieso im eigenen Land aufgrund seines trve-authentisch-indigenen Glaubens und der Hinwendung auf seine Ahnen deplaziert oder diskriminiert fühlt, erstickt von der Übermacht der christlichen Mehrheit, deren Glauben man als fremdes Kulturgut betrachtet, und so mal eben sowohl schlappe 1500 Jahre Prägung unserer Kultur und Geschichte durch diesen Fremdglauben als auch die winzige Tatsache, dass die eigenen, hoch verehrten Ahnen eben auch Christen waren, ignoriert, und sich angesichts der "Islamischen Gefahr" in seinem Lebensraum bedroht fühlt, eben selten.
Er übersieht dann auch möglicherweise, dass es sich dabei neben einer rein religiös motivierten, vielmehr um eine im Kern politischen Bewegung handelt.

Und da haben die Anhänger des Pan-Nationalismus ihn dann auch an den Eiern.
Deshalb die weitschweifige Einleitung!

Denn im Gegensatz zu den braunen Spacken mit ihrer Holzhammer-Taktik, greifen sie diese in der Bevölkerung weit verbreiteten Ängste nämlich latent und mit wesentlich defizileren intellektuellen Mittel auf. Man gibt sich schöngeistig bis philosophisch, schmückt das alles mit Zitaten von Sokrates, Aristotheles, der nordischen Mythologie, über Goethe und Levi, bis hin zu Nitzsche. Man preist einerseits den Freigeist, verteufelt jedoch den Individualismus als Egoismus, den man schlicht mit Hedonismus gleichsetzt und die Gemeinschaft gefährdet.
Und, man glaubt es kaum, sogar Zen zieht man heran, als Zitat:
[...] "eine äußerst attraktive Doktrin, da er das endlose Studieren alter Schriften, das Sich Zurückziehen von der Welt und heuchlerische Moralismen und Humanismen strikt ablehnt, um sich stattdessen völlig auf klare, im alltäglichen Leben realisierbare Techniken zu beschränken."
Wie war das noch mal mit ethnisch-kulturellen Grenzen?

Überhaupt, man wird gerade auf dieser speziellen Webpresenz erschlagen von Text, teilweise in sehr schöner, gehobener Sprache, nicht wirklich offensichtlich zweifelhafter Inhalte, sondern Theorien und Axiomen, die durchaus ihre Gültigkeit haben, dazwischen jedoch immer wieder eine Wendung, Formulierungen oder einige Sätze eingestreut, ganz abgesehen von zum Teil eklatanten Widersprüchen, die beim flüchtigen Lesen nicht sofort auffallen, aber doch ins Bewusstsein gehen.
Legt man das Augemerk jedoch eben darauf, dann streuben sich jedenfalls mir die Nackenhaare, weil mir da unterschwellig Botschaften und ein dezentes Drängen in eine bestimmte Richtung des Denkens ins Auge springen, die mir nicht behagen, gerade weil es so unterschwellig und wie süßes Gift in kleinen Dosen verabreicht wird. 
Das alles ausgeschmückt durch ästhetisch schöne Bilder zwischen Antike und Neoklassizismus, irgendwie so klinisch rein, dass mir unwillkürlich der Spruch "Mens sana in corpore sano" in den Sinn kommt. Und genauso, wie dieser Satz sinnentfremdet wird, da er aus dem Zusammenhang gerissen ist, so deuchen mich dort die Bezüge zu den Philosophen sinnentfremdet und instrumentalisiert zu werden.

Hier geht es nicht um plumpen Rassismus, sondern meines Erachtens, neben besagter Etablierung von ethnischen Kulturnationen,  um die Installation einer Elite und durch die vehemente Ablehnung von Materialismus und Individualität duldsam gemachte Volksgemeinschaft.
Kraft durch Freude...

Meiner Meinung nach eine sehr gefährliche Strömung. Nicht zuletzt weil sie den Interessierten suggeriert, ebenfalls zu dieser Elite zu gehören.
Und wer will sich das nicht gerne einreden lassen?
Mal ehrlich?
Bis sie aus dem schönen Traum erwachen, und einsehen müssen, dass eine Elite immer einer durchschnittlichen Gefolgschaft, der Masse, bedarf, von der sie sich abheben und welche sie beherrschen kann, dürfte es dann für eine mögliche Umkehr zu spät sein.


Aber da sollte sich jeder selbst ein Urteil bilden.


Interessant dürfte auch in diesem Bezug der Begriff des Pangermanismus sein, den man, wie ich denke, nicht ohne Grund auf Seiten, wie der als Beispiel von mir herangezogenen, vermeidet.

Donnerstag, 30. Dezember 2010

Wenn die Angst vor Terror zum ERROR führt...

Ich wollte ja eigentlich längst im Bett sein, aber dann erinnerte ich mich wieder daran, dass vorgestern eine Meldung bei der Chaos Inc. (also meinen Kindern und mir) einschlug wie eine Bombe.

Fluggäste sollen in Risikogruppen eingeteilt werden

"Deutsche Flughäfen schlagen vor, Reisende nach ihrer ethnischen Herkunft zu kontrollieren. Israel versucht bereits, so Terroranschlägen vorzubeugen."
Quelle: Die Zeit-Online

Ich zitiere aus dem Artikel:
"Die deutschen Flughäfen schlagen im Anti-Terror-Kampf ein "Profiling" nach israelischem Vorbild vor. Auf israelischen Flughäfen werden Passagiere in "Risikogruppen" unterteilt und unterschiedlich streng kontrolliert. Die Kriterien sind ethnische Herkunft, Religion, Alter und Lebenssituation des Passagiers. Offenbar sind auch Reiseroute, die Zahlungsweise, und der Ort, an dem das Ticket gekauft wurde, relevant.
"Auf diese Weise können die Kontrollsysteme zum Wohle aller Beteiligten effektiver eingesetzt werden", sagte der designierte Präsident des Deutschen Flughafenverbandes (ADV), Christoph Blume, der Rheinischen Post. "

Bei allem Verständnis für Sicherheit, aber das ist Rassismus und Diskriminierung erster Güte, mit keinem Argument zu rechtfertigen, sondern verstößt nicht nur gegen Art. 3, Abs. 3 unseres Grundgesetzes, sondern auch gegen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der UN.

Mittlerweile ruderte Blume zwar wieder zurück, und nennt es nun, nur noch "eine von vielen Möglichkeiten" zum Schutz vor Terror, aber allein, dass man schon auf so eine Idee kommt, ist dermaßen von abwegig, dass ich mir einen Kommentar nicht verkneifen kann.

Wie darf ich mir das überhaupt vorstellen?
Müsste man dann direkt beim Betreten eines Flughafens den Pass vorzeigen, oder würden die dann mit der Leibesvisitation und dem Filzen des gesamten Gepäcks, inklusive Peinlicher Befragung des Reisenden bis zum Check in warten?
Überhaupt, wie sollte man aus einem Passport etwas über die Religion oder die Lebenssituation in Erfahrung bringen?
Es liefe also zuerst einmal auf den bloßen Augenschein heraus. Ähm, ja, nur mal so als Gedankenstütze, es gibt auch Deutsche, die so aussehen.

Allerdings soll es ja  auch Menschen geben, die "verdächtig" aussehen und "verdächtigen" Nationen angehören, aber keiner "verdächtigen" Religion angehören, Aleviten oder Kopten zum Beispiel.
Und selbst, wenn alles passt, heißt dass noch lange nicht, dass man ein potentieller Terrorist ist. Millionen Leute verreisen tagtäglich mit dem Flugzeug in aller Herren Länder.Und sicher sind da auch ein paar hunderttausende Moslems drunter, denn darum dreht sich die ganze Sache doch.

Andersherum gibt es auch eine Menge deutscher Konvertiten, Marke Pierre Vogel, denen man es nie im Leben ansehen würde, dass sie 'ne Schraube locker haben.

Man kann weder an Äußerlichkeiten, noch an irgendwelchen Risiko-Markern feststellen, ob da einer was im Schilde führt oder nicht. Es gibt schlicht keine Kontrolle des Unkontrollierbaren. 
Wann hören endlich diese bescheuerten Pauschalisierungen und Vorverurteilungen auf?

Ansonsten könnte man ja bald wirklich eine öffentliche Kennzeichnungspflicht für diese Risikogruppe einführen. Diesmal eben den Roten Halbmond, statt des Gelben Sterns.

Israel als Beispiel ist ja wohl der reinste Hohn. Jeder müsste mittlerweile wissen, wie die mit ihrer "ethnischen" Problemgruppe, sprich Palästinensern, umgehen, Die haben nämlich bei den Besten gelernt.
Und nein, das ist nicht antisemitisch von mir, sondern realistisch, etwas, dass in diesem Lande so langsam aber sicher flöten geht.
Dass England die Idee ebenfalls aufgreift, wundert mich übrigens überhaupt nicht. Ich weiß noch, wie die mit ihren irischen "Gastarbeitern" in den siebziger Jahren umgegangen sind, als die IRA noch richtig aktiv war. Hat das Verhältnis zu einander ungemein gestärkt, muss man sagen.



Man kann echt kaum noch so viel essen, wie man kotzen möchte...


Weiter Links:

Radio Hamburg: Profiling am Flughafen?

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Nochmal Minarette - Definitiv letztes Statement!

Ich muss doch nochmal auf die Minarett-Affäre zurückkommen. Ist ja auch schwer daran im Moment vorbeizukommen, so wie das mittlerweile zum Thema Nummer Eins avanciert.

Auch, wenn ich die Angelegenheit als Chance sehe, einfach einmal speziell die Ängste bezüglich des Islams interreligiös zu diskutieren und generell der Frage nach zu gehen, wie weit die Freiheit der religiösen Entfaltung denn gehen sollte, entlockt das Feedback der Schweizer Entscheidung , das von "Hurra, jetzt haben die Islamisten eins auf den Deckel bekommen! Europa den Ureinwohnern!" bis hin zu "Ja, aber so geht das nicht. Das verstößt gegen die Menschenrechte!" eigentlich alle Meinungen verkörpert, die man zu dem Thema einmal haben kann, bei mir eigentlich nur ein Schulterzucken.

Man hat den Muslimen in der Schweiz ja nicht verboten, weitere Moscheen zu bauen und schon gar nicht ihren Glauben auszuüben.
Ich meine, es gibt genug Leute, die ihre Gottesdienste und Messen in irgendwelchen Gemeindehäusern, Hinterhofbaracken, teilweise sogar im Wohnzimmer oder sogar auf dem Dachboden abhalten, von denen die dies bei Wind und Wetter unter freiem Himmel zelebrieren mal ganz abgesehen. Das tut dem Glauben doch eigentlich keinen Abbruch.
Klar, ich hätte auch gerne einen festen Tempel. Aber brauche ich den persönlich? Eigentlich ist da der Tempel, wo der Altar aufgebaut ist und die Kerzen brennen.

Der Volksentscheid bestimmt also lediglich, dass an einer neu erbauten Moschee kein Minarett dran sein darf. Das kann man nun kritisieren oder auch nicht, allerdings befremdet mich, dass nun die Direkte Demokratie generell ins Kreuzfeuer geraten ist.
Das Problem dürfte allerdings weniger dort zu suchen sein, als in der Tatsache, dass man, egal um was es geht, merkwürdigerweise immer eher die Gegner mobilisieren kann als die Befürworter. Da sollt man also zuerst einmal ansetzen.

Jetzt weiß ich nicht, in wie weit das Vorhandensein eines Minaretts auf einer Moschee dem Durchschnittsmoslem wichtig ist. Unsere hier sieht wie jedes x-beliebige Gemeindehaus aus. In Hilden jedoch steht eine, die zwar klein aber fein, moderne und orientalische Baukunst wirklich sehr ansprechend vereint (einfach nur schön!) und die hat ein Minarett.
Für mich persönlich gehört an eine Moschee auch ein Minarett, schon wegen der Optik.
Okay, ich bin auch ein großer Fan des orientalischen Stils, alles so licht und hell.
Ich mag aber auch romanische Kirchen, karg und erdig. Den Kölner Dom, Meisterwerk des gotischen Stils finde ich hingegen potthässlich und beängstigend in seinen Ausmaßen, wenn man davor steht. Ich mag es nicht, wenn mich ein Gebäude erschlägt. Wenn es jedoch um die gotische Detailverliebtheit geht ist er natürlich wieder wunderschön.
Von der Gotik weiß ich jedoch, dass man da eben solche Bauwerke bevorzugte um sich dem Herren und dem Himmel näher zu fühlen. Keine Ahnung, ob das bei einem Minarett ähnlich aussieht.

Soll aber auch nicht Thema sein.
Ich weiß aber immer noch nicht, wo generell an Moscheen, und Minaretts im besonderen, im Stadtbild das Problem liegen soll. Kirchen, nebst dazugehöriger Türme, stören mich ja auch nicht. Warum in Teufels Namen, soll denn nicht zwischen all den Türmen romanischen, gotischen und postmodernen Stils (die ich nun echt nicht immer besonders ästhetisch finde) Platz sein für Minarette.
Weil die nicht in unsere europäische Kultur gehören?
Bitte, also wenn es danach geht, dann bin ich aber schwer dafür, dass diese doofen Mäckes nebst von weitem sichtbarer, weil hoch hinauf ragenden, Leuchtreklamenturm aus dem Stadtbild verschwinden.
Das kann man nicht vergleichen, weil der Islam ja eine Ideologie verkörpert? Tut der McDonalds auch, merkt bloß keiner, weil da der Kopf abgeschaltet und dem Magen das Denken überlassen wird.

Was mir an der, auf das Minarett-Verbot folgenden, Diskussion am meisten auf den Wecker geht, ist, dass es eben längst nicht mehr um Minarett oder nicht Minarett geht. Es geht um die Verurteilung einer ganzen Religion. Da  wird munter über einem Kamm geschoren, was man so unter Islam zu verstehen glaubt. Kopftücher (deren Tragen unter Moslems ebenfalls nicht unumstritten ist und zum Teil heiß diskutiert wird), Zwangsehe (oder was der Mitteleuropäer dafür hält) Genitalverstümmlung (welche keine muslimische, sondern eine kulturelle Problematik darstellt, der Islam in der Tat sogar verbietet!) oder Ehrenmorde (jaja, wenn ein Moslem seine Familie auslöscht, ist es ein Ehrenmord, wenn das ein Nicht-Moslem macht, eine Familientragödie...)

Denn wenn es um angedrohten Mord und Totschlag gegenüber Andersgläubiger geht, um Gewalt und Krieg, steht die Bibel und somit auch der Tanach dem Koran in nichts nach. Auch was die Rolle der Frau angeht. Und auch in nicht abrahamitischen Religionen findet man so einiges an Menschenverachtenden Lehren.
Hinduismus, zum Beispiel, mag ja für einige eine sehr kuschelige Religion sein, da dort ja viele Götter Platz finden und man an Samsara glaubt ud alles so schön transzendent ist, aber was ist mit dem Kastensystem und den damit verbundenen Reinheitsregeln? Möchte man sich wirklich als Mitteleuropäer vorstellen, dort in die 4.Kaste geboren worden zu sein? Möchte man als Paria leben?  Und streng genommen, und von Extremfällen reden wir ja auch bezüglich des Islams, auch, sind alle nicht Hindus Kastenlose, und stehen damit sogar noch unter diesen Paria.
Theoretisch heißt das, das ein streng gläubiger Hindu noch nicht einmal mit euch an einem Tisch, geschweige denn zusammen essen würde. Toll, super Religion! Sehr tolerant.
Und dass die Frauenfeindlichkeit in Indien ebenfalls in der Auslegung der Veden zu suchen ist, vergisst man dabei wohl ebenfalls gern.

Man sollte also immer zwischen den einzelnen Schulen eines Systems unterscheiden lernen. Man wird dabei häufig eine große Diskrepanz zwischen reiner Lehre einerseits, der Auslegung der jeweiligen Glaubensrichtung und der persönlichen Interpretation andererseits feststellen.
Beim Islam, wie im übrigen bei allen abrahamitischen Religionen, ist dies besonders wichtig.
Mir fallen da die Aleviten ein. Für den normalen Europäer scheinen das Muslime, wie Schiiten und Sunniten. In der Tat aber ist das eben nicht so. Es gibt zum "normalen" Islam sogar teilweise so große Unterschiede, dass sich einige Aleviten selbst nicht als Moslems verstehen und da sie sich gegen jede dogmatische Auslegung wehren und die Entscheidungs-- und Glaubensfreiheit jedes Menschen sehr hoch bewerten, sehen das auch die meisten anderen muslimischen Glaubensrichtungen so.
Wenn man die Aleviten jedoch zum Islam hinzuzählt, so befinden sie sich an dem einen Ende einer gedachten Linie und an dem anderen Ende die Wahabiten, welche ja, weil Staatsreligion in Saudi Arabien immer gerne als "Der Islam" gehandelt werden,  und zwischen diesen beiden Gruppen wäre mehr Entfernung als zwischen Sonne und Mond und somit sehr viel Raum für viele andere Richtungen.

Ich frage mich, wie kann man also einerseits von "dem Islam" reden, gerade wenn man doch für sich sonst immer bekundet, es gäbe kein generalisiertes "Heidentum", "Christentum" oder sonst wie geartetes "-tum". Da kann man differenzieren, aber beim Islam versagt diese Einstellung plötzlich kläglich. Da blättert dann plötzlich der Lack des zivilisierten, humanistischen Homo sapiens ab.

Besonders betroffen macht mich, wenn genau jene jetzt laut gegen den Islam wettern, die selbst auf ihrer Religionsfreiheit beharren, sich ständig irgendwie religiös diskriminiert fühlen, Kultplätze für sich einfordern und um Anerkennung als Religionsgemeinschaft streiten,  eben jene, die sich gegen Vorverurteilung und Verallgemeinerung durch Außenstehende auf's Schärfste verwehren, in dasselbe Horn stoßen.
Da frage ich mich in der Argumentation bisweilen, warum jemand z.B. ein generelles Kopftuchverbot fordert, derweil er selber nicht den Arsch in der Hose hat, öffentlich die Zeichen seines religiösen Glaubens zu tragen, weil ein paar Deppen sie missverstehen könnten?
 
Man hört dann auch gerne die Rechtfertigung, diese Religion (Islam) wäre eben kulturfremd, was die eigene Religion natürlich nicht ist. Leute, bei mir spielen eine Reihe von ägyptischen Gottheiten eine entscheidende Rolle, muss ich dann auch in den Untergrund? Oder soll ich lieber das Land auf dem direkten Weg verlassen? Gehe nicht über Los, ziehe nicht 2000 € ein...

Aber vielleicht sehe ich die Problematik auch deshalb anders, weil mein Glauben sich aus vielen Systemen zusammensetzt, eine sogenannte Meta-Philosophie darstellt.
Ich bin auch nicht halb so ein toleranter Mensch, wie das hier erscheinen mag. In der Tat halte ich von Toleranz eigentlich recht wenig, weil das bedeutet, dass ich etwas "erdulden" müsste, was eine Art Leiden für mich impliziert. Doch im Kern bin ich eben ein sehr unduldsamer Mensch und Masochismus liegt mir so gar nicht.

Aber ich stehe eben hinter dem Liber OZ  und das beinhaltet für mich, dass jeder Mann und jede Frau dieselben Rechte und Freiheiten in Anspruch nehmen dürfen.
Dazu gehört auch das Recht, darauf, seine Religion auszuüben. Und wenn er dazu ein Türmchen auf seinem Tempel benötigt, darf er das auch haben. Genauso haben Leute die sich daran stören, das Recht, dies zu sagen. Aber bitte dann in der Diskussion miteinander und nicht irgendwo aus sicherer Entfernung.
Ich hätte noch nicht einmal was dagegen, wenn da zu festgesetzter Stunde ein Muezzin runterbrüllen würde, was man ja auch oft als Argument gegen Moscheen und Minarette zu hören bekommt, obwohl mir bisher keine Moschee bekannt ist, wo solches praktiziert wird. Selbst wenn, bei uns in Deutschland werden Moscheen ja gerne in irgendwelche Industrieviertel und nur höchst selten in reinen Wohngebieten angesiedelt. Da dürfte sich die Belästigung der Bevölkerung ja wohl in Grenzen halten.
Aber so die Kritiker, ist da erst ein Turm, schreit auch bald einer runter. Dabei hört man, neben der möglichen Lärmbelästigung, oft die Befürchtung, da man nicht verstünde, was da gerufen wird, könne man ja auch nie wissen, ob da nicht gerade zu Völkermord aufgerufen wird. Erstens, ist der Adlan festgelegt und somit bekannt, zweitens verstehen die meisten Moslems die Sprache selbst nicht, obwohl sie die Bedeutung der Rufe kennen. Die erfolgen nämlich in Arabisch. Und, nein, nicht jeder Moslem ist dieser Sprache mächtig. Nebenbei, der Ruf erfolgt auch oft, bei kleinen Moscheen von der Tür aus. Kein Minarett bedeutet also nicht zwangsläufig keine "Lärmbelästigung".

Kirchenglocken stören mich im Übrigen ja auch nicht. Ich bin da allerdings auch recht schmerzfrei, da ich genau gegenüber einer Feuerwache, nebst auf dem Turm installierter Sirene auf Ohrenhöhe, wohne. Die höre ich mittlerweile genauso wenig, wie die mit Martinshorn abfahrenden Feuerwehrfahrzeuge und Rettungswagen. Und die halten sich nicht mal an festgesetzte Uhrzeiten!

Aber wie bereits gesagt, all diese Argumente sind scheinbar nur vorgeschoben.
So, wie vor dem Zusammenbruch des Ostblockes "jeder Russe ein Gewehr hatte", so ist nun eben jeder Moslem ein Islamist und somit ein Terrorist.

Wenn es aber um die Angst vor Islamisten geht, vor Einführung der Schari'a und Fiqh, der Furcht davor, dass wir alle irgendwann einmal unter der Dhimma bewertet werden könnten, oder ein Opfer des Dschihad werden, liebe Leute, meint ihr echt, Hassprediger und fundamentalistische Fanatiker brauchen dafür ein Minarett oder überhaupt eine Moschee?
Verbietet die Minarette, verbietet die Moscheen, verbietet meinetwegen, gegen geltendes nationales und internationales Recht die Religion. Das wird Irre nicht abhalten.
Genauso könnte ich jetzt fordern, dass keine Kirchen mehr gebaut werden (schon gar keine mit Glockenturm).

Natürlich sind auch im Islam seit einigen Jahren Fundamentalisten und Erzkonservative Kreise auf dem Vormarsch und das stellt das eigentliche und nicht zu unterschätzende Problem da. Man vergisst dabei aber gerne, dass unter diesen Fanatikern und ewig Gestrigen eben auch Moslems selbst leiden, so wie in Europa und Amerika eben Menschen unter den entsprechenden, christlichen Fundamentalisten.
Ich empfinde beides als gleichermaßen beunruhigend.
Nur, so scheint es mir, unterschätzt man die Gefahr aus den "eigenen Reihen" immer gern ein wenig. Wer käme denn auch auf die Idee, in der heimischen Freikirchlichen Gemeinde könnte jemand Hasspredigten gegen Schwule, Andersgläubige (was auch gemäßigte christliche Richtungen einschließt) und generell allem was mit der eigenen wörtlichen Auslegung der Bibel nicht konform geht, abgehalten?
Die Leute, die da ein- und ausgehen, sehen doch aus wie wir. Nette, anständige Familien mit, zum Teil überdurchschnittlich vielen, Kindern, die sich augenscheinlich so wenig von uns unterscheiden. Kaufen in denselben Geschäften, essen die gleichen Speisen.
Dagegen die Moslems, die sehen schon fremd aus, sprechen, wenn sie unter sich sind, nicht einmal unsere Sprache und haben komische Sitten, die wir nicht kennen. Sie fallen auf...passen für viele nicht ins (kleinbürgerliche) Weltbild, wohingegen die christliche Fundamentalisten ja systeminhärent sind.

Apropos, Islamisten und Bibelnazis: Ratet mal aus welcher Ecke der bescheuerte Pierre Vogel aka Abu Hamza, also der Konvertiten-Spinner, der gern gerade die jungen Moslems hauptsächlich via Internet und Videobotschaften aufhetzt, und der immer als Paradebeispiel für "Die Gefahr aus dem Islam" präsentiert wird kommt...^^

Ein weiteres Argument, welches man gerne anbringt, ist, es gäbe mittlerweile zu viele Moslems in Deutschland.
Wir haben hier eine Bevölkerung von knapp 82 Millionen Menschen. Laut REMID lebten 2008 3.5 Millionen Moslems in Deutschland, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) kommt bei seiner Hochrechnung auf 3,8 und 4,3 Millionen Muslime. Das würde gerade einmal etwas über 5% der Gesamtbevölkerung ausmachen. Hinzu kämen dann noch einmal geschätzte 100000 deutsche Konvertiten, welche allerdings aufgerechnet werden müssten, da zum Beispiel eben die BAMF-Hochrechnung auch jene Menschen einbezieht, die sich von ihrem Glauben abgewandt haben ( Papiermuslime) oder solche, die man als "Teilzeitmoslems" bezeichnen könnte. Kann man da schon von einer Übermacht, einer "Überfremdung" sprechen?
Nun könnte man ja den ollen Churchill zitieren, in dem man anführt, man solle nie einer Statistik glauben, die man nicht selbst gefälscht hat.
Allerdings muss das dann auch in jeder Richtung gelten. Verblüffender Weise habe ich nämlich schon von Zahlen um die oder sogar über 10 Millionen gelesen. Hauptsächlich in Quellen, denen man eine gewisse Zielsetzung, auch bei noch so objektiver Beurteilung, nicht wirklich absprechen kann. Hellhörig sollte man werden, wenn die hohen Zahlen einfach so in den Raum geworfen werden, ohne zu erklären, woher man sie bezieht.
Aber ja, klar, die "Islamisten" vermehren sich ja wie die Karnickel und wollen uns Deutsche so durch Überpopulation "erledigen". Hm, tun die christlichen Fundis auch, aber, wie bereits gesagt, das fällt nicht auf...

Natürlich wird sich in dieser unüberschaubaren Masse der Muslime auch ein nicht geringer Anteil an Fundamentalisten finden lassen. Man kann den Menschen eben nur vor den Kopf gucken.
Aber alle Moslems?

Hinzu kommt, dass kaum eine Schrift, auf die sich die unterschiedlichsten Religionen und Glaubensrichtungen beziehen,  frei ist von der einen oder anderen als gewalttätig einzustufenden Formulierung und da nehme ich meine eigenen wahrlich nicht aus. Wer da das Liber al vel Legis und im Liber Oz, speziell die letzte Zeile, ohne Vorkenntnisse liest, muss auch den Eindruck bekommen, Thelemiten laufen alle mordend durch die Gegend. Tun aber die wenigsten. *g*

Laut einigen Berichten staatlicher oder aber kirchlicher Sektenbeauftragten sind nicht nur wir, sondern der größte Teil der heidnischen Szene ja sowieso die meiste Zeit des Jahres damit beschäftigt, Jungfrauen und Erstgeborenen als Opfer für irgendwelche Rituale auf Friedhöfen oder abgelegenen Plätzen zu besorgen, wenn man nicht gerade eine Orgie abhält oder zeigt, wie hoch das Gras wächst...
Nähme diesen Generalverdacht einer wirklich Ernst, wäre es um das Neuheidentum geschehen.

Fanatiker und Fundamentalisten, die aus ihren religiösen Schriften oder auch verbaler Lehren die Rechtfertigung für Gewalt, Krieg und Völkermord ableiten, gibt es, solange es Glauben gibt. Was ist zum Beispiel eben mit jenen christlichen Fundis, die Bombenanschläge auf Abtreibungskliniken begehen? Das Christentum abschaffen?

Messe man also alle mit dem gleichen Maß, wie den Islam, müsste man Religionen grundsätzlich verbieten.
Darum soll man sich ja mit den Menschen direkt auseinandersetzen. Dann kriegt man ziemlich schnell mit, wie weit es um dessen religiös motivierter Gewaltbereitschaft wirklich bestellt ist.

Wie man jedoch den Vormarsch des religiösen Fundamantalismus aufhalten und somit der Gefahr, die daraus resultiert, entgegenwirken kann, braucht konstruktive Lösungsansätze. Verbote oder generalisierte Verdächtigungen bringen rein gar nichts.

Es hülfe nur ein Schulterschluss mit allen Menschen, die sich gegen solch einen Fanatismus einsetzen wollen. Aber dazu muss man erst einmal ins Gespräch kommen und das geht nicht, so lange im Kopf noch diese Mauer ist, dass die eigene Religion oder die eigene Kultur doch um so vieles freiheitlicher, besser, wahrer ist, als die des Anderen, den ich noch nicht einmal kenne. Klar, kann ich mir z.B. den Koran schnappen und zu lesen beginnen. Aber dann muss ich hingehen und die Leute fragen: "Sag' mal wie stehst du zu dem Vers, jenem Absatz oder der Sure? Und wie meinst du das jetzt? Wie wendest du das im Alltag an?" Und meinetwegen auch die alles entscheide Frage stellen: "Du, willst du mich killen, weil das steht doch in deinem Buch?"

Da dürfte jedoch das größte Problem liegen. Man hängt ja an seinen Vorurteilen.

Da wird schon einmal ein, nicht einmal von allen Muslimen unterstützten, Vorschlag, einen muslimischen Feiertag, zum Zwecke der Interkulturellen und Interreligiösen Verständigung, für alle in Deutschland einzuführen oder das gerichtliche Erkämpfen eines Schülers für sein Recht, einmal am Tag in der Schule beten zu dürfen, bis zur Unkenntlichkeit verzerrt, bis man den Beweis für eine schleichende Infiltrierung der deutschen Kultur durch "den Islam" führen kann.
Man darf natürlich über solche Dinge geteilter Meinung sein, nur, und das ist der Knackpunkt, man sollte bei der Sache bleiben und nicht rumpolemisieren.
Erstaunlicherweise plädiert auch der Zentralrat der Juden für die Einführung eines jüdischen Feiertages (und eines muslimische!) "für alle", nur, von dem Thema lassen "wir" und die Medien tunlichst die Finger, weil man keine Lust hat, sich selbige zu verbrennen.
(Meine Meinung hierzu: Prinzipiell könnte man ruhig alle gesetzlichen Feiertage abschaffen. Andererseits, och, mir würde es nichts ausmachen, wenn Jom Kippur oder Beiram als Feiertag im Kalender vermerkt wäre. Ich würde dabei nicht in Flammen aufgehen und es würde mich auch nicht, auf Grund meiner "ur-deutschen" Wurzeln zerreißen.)

Genauso wenig empfinde ich es besonders ehrverletztend, wenn strenggläubige Moslems mir, dem Schweinefleischfresser, nicht die Hand geben und schon gar nicht bei mir essen wollen. Oder sich vor mich und meinem Hund fast in die Büsche werfen, weil Hund ist ja unrein ist. Oder die an einer Kette um den Hals hängende Fatimas Hand umklammern, wenn sie meinen religiösen Schmuck erblicken. Öhm, ist doch ihr Problem, oder?
Falls die mir deshalb ans Leben wollen, werde ich schon reagieren. Bis dahin...

Und hier komme ich zu einem anderen Punkt, der Ursache für die (gar nicht mal so) latenten Islamphobie sein dürfte.
Einerseits will man ja, als moderner, humanistisch gebildeter Mensch, so tolerant und politisch korrekt erscheinen, es jedem Recht zu machen, bis zur Selbstverleugnung, dass man teilweise in öffentlichen Einrichtungen, wie Kindergärten und Schulen ernsthaft halal und haram für alle Kinder diskutiert, weil sich einige Eltern eben deswegen aufregen
(Der Mensch hat das Recht, zu essen was er will. Niemand braucht sich den Essensvorschriften eines anderen zu beugen. Fertig. Diskussion in weniger als einer Minute erledigt.).
Andererseits aber, geht ihr eigener Anspruch von Toleranz auch den PC-Leuten irgendwann dermaßen auf den Nerv, das sie eben dann, bei passender Gelegenheit, an anderer Stelle "zubeißen".
Ich sagte ja, Toleranz hat etwas mit "Erdulden" und somit mit Leiden zu tun...und der Mensch hat eben nur eine beschränkte Leidensfähigkeit.
Schuld sind da aber nicht die Muslime, sondern diejenigen, die sich eben diese, oft falsch verstandene,  angeblich ja zwingend erwartete, Toleranz auferlegen.

Wobei mir bei dieser Halal-Problematik immer die Moslems in Auge springen, die munter Gummibärchen kauen, Bratwürste aus der deutschen Pommesbude essen oder mit 'ner Schnapsfahne durch die Gegend ziehen. (Im Koran wird der Weinbau übrigens als edler Beruf bezeichnet *g*)

Im Prinzip könnte die Welt recht einfach sein:
Jedes Recht, welches ich für mich in Anspruch nehme, muss ich auch zwangsläufig meinem Gegenüber gewähren.
Und sie lebten glücklich bis an ihr Ende....

Soweit sind wir aber leider noch nicht.
Aber man könnte dort einmal ansetzen. Sich langsam dem eigenen Tellerrand nähern und, wenn man genug Mut gesammelt und seine "Höhenangst" überwunden hat,  einfach mit beiden Händen zugreifen, sich über den Rand ziehen und einen Blick riskieren.


"Wir müssen Brücken zueinander bauen,
wenn wir in dieser wahnsinnigen Welt
Aussicht auf Rettung haben wollen..."
"Die Akzeptanz der Unterschiede
ist Voraussetzung für
die Überraschung von Gemeinsamkeiten..."
Sir Peter Ustinov


Donnerstag, 7. Mai 2009

Wirklich zum Erbarmen...

Einen hab' ich noch, einen hab' ich noch...

...gerade auf NPD-BLOG.INFO gefunden.



Ich dachte mir, das darf ich euch nicht vorenthalten.

Ich habe jetzt noch Tränen in den Augen. Smilie by GreenSmilies.com






...nu ist aber hier endgültig Schluss!

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Eine Frage drängt sich mir allerdings noch auf: Wenn Sie schon das Klo und die Küche nur mit Mühe alleine finden, wie wollen die regieren? Smilie by GreenSmilies.com

Dienstag, 21. April 2009

Des Pudels Kern - Was ein paar gefakte Protokolle anrichten können!

Für mich ist es eigentlich nichts neues, mich teilweise bei meinen Recherchen früher oder später in sehr merkwürdigen Ecken wieder zu finden.
Da reichen meine Emotionen dann je nach Rubrik von Kopfschütteln über Fassungslosigkeit bis hin zu kaltem Grausen.

Was mich bisweilen erstaunt, ist wie nah manche Bereiche, die scheinbar nur marginal Ähnlichkeiten aufweisen, dann doch bei näherem Hinsehen zusammenhängen.
Ich hatte ja schon bei meinem früheren Blogbeitrag "Medienkompetenz, Aufklärung und Weltverschwörer" bemerkt, dass zumindest in Aufbau und Inszenierung eine augenfällige Parallele zwischen der Propadanda, wie sie auch im Dritten Reich üblich war, und der, welcher sich die Weltverschwörungstheoretiker bedienen, besteht.

Heute musste ich mich dann einmal näher mit den unseeligen "Protokolle der Weisen von Zion" auseinandersetzen.
Dabei handelt sich um ein antisemitisches Pamplet der übelsten Sorte ungeklärter Urheberschaft, das Anfang des 20. Jahrhundert, ausgehend von Russland seine Verbreitung über Europa und die britischen Inseln bis in die USA fand und das, obschon seit 1920 unzweifelhaft als als Fälschung entlarvt, den Anstoß zu so mancher, in der Folgezeit entstandenen, antisemitischer Ideologien gab.

Auch Hitler kam in seiner Jugend damit in Berührung, denn in seinem "Mein Kampf" nimmt er teilweise wortwörtlich darauf Bezug und man wird auffällig oft in beiden Machwerken eben mit dem paradoxen Konstrukt der jüdisch-bolschewistischen Weltverschwörung mehr als ausreichend konfrontiert.
Übrigens, zieht uns Adolf in seinem geistigen Erguss den Beweis für die Authentizität der Protokolle schon allein aus der Tatsache, dass die, in seiner Weltsicht ja auch zionistische, Frankfurter Allgemeine, diese eben anzweifelte.
Ne, Leute, wenn das nicht ein so trauriges Kapitel der Geschichte wäre, mit so weitreichende Folgen für die Welt, man könnte über diese Art "Logik" wirklich lauthals lachen.

Aber das Lachen bliebe einem dann so oder so im Halse stecken, weil, wie gesagt, nicht nur Hitler fühlte sich von den Protokollen in seine Glauben bestätigt, sondern auch viele Antisemiten weltweit und kostete wahrscheinlich so manchen jüdischen Mitbürger sein Leben, auch ohne die spätere Vernichtungsmaschinerie des Nazi-Regimes.
Wen wundert es da noch, dass auch einer der späteren Chefideologen des, zum Führers aufgestiegenen Schickelhubers Adolf, Alfred Rosenberg, die Protokolle zur Basis seines Rassenwahns machte, nachdem er sie aus seiner Heimat sozusagen importierte?

Antisemitismus ist sehr alt. Den hat es auch schon vor den Protokollen gegeben.
Nur, bis zu deren Veröffentlichung gab es noch nie eine so detailierte, zusammenfassende Schrift, mit einer so "fundierten" Rechtfertigung zur Judenfeindlichkeit.
Viel besser, als "Sie haben Jesus ermordet!" oder "Sie schlachten kleine Kinder!"


Zweierlei Dinge finde ich bei der Thematik der "Protokolle der Weisen von Zion" außerordentlich bemerkenswert:

  • Lügen und Fälschungen, auch wenn sie schon lange als solche entlarvt wurden, haben ein beträchtliches Stehvermögen. Es ist vollkommen egal, mit wie stichhaltigen Gegenbeweisen man dagegen ankämpft, die Logik derer, die so etwas glauben wollen, ist dermaßen verquere, dass auch die besten Argumente sie nicht mehr erreichen. Besonders wirr wird es, wenn man dem "Kind" dann einen sehr mystisch anmutenden Namen gibt und die (nicht vorhandenen) Quellen sehr weit nach hinten datiert. Dann muss ja etwas dran sein, besonders wenn so viele behaupten, dass dem eben nicht der Fall ist.
  • In den Protokollen findet sich sämtliche Verschwörungszenarien, die man auch heute noch, oder wieder, in den Kreisen der Weltverschwörungstheoretikern findet. Vom 11. September, über die Finanzverschwörung, aktuell besonders die Pleite derHypo-Real-Estate Holding und da die Tatsache, dass deren Vorstand Bernd Knobloch der Sohn der Vorsitzenden des Zentralrates der Juden, Charlotte Knobloch, ist, sowie auch gewisse Theorien die FED- Federal Reserve System, die Amerikanische Zentralbank, betreffend, wegen der Kontrolle des Gold - und Geldwesens, sowie generell die amerikanischen und internationalen Banken überhaupt, hinzu strategisch durchgeführten Massenvergiftungen, z.B. durch Impfungen oder überhaupt die klassische Medizin, weiter zur Kontrolle der Energie- Nahrungs- und Wasserreserven, bis hin zum Nahostkonflikt und der Theorie, dass der Staat Israel eben nur geschaffen wurde, um als Stützpunkt der Illuminaten, Freimaurer, Weltfinanz, dem Weltjudentum und weiß der Geier, wem noch da, hinter dem Vorhang, zu dienen, um den Islam auszumerzen und die Weltherrschaft an sich zu reißen.

All diese Themen findet man dann auch, wen wunderts, in den WVT-Foren und Plattformen, vom popeligsten Forum bis hin zu Infokrieg.tv und SekretSecret.tv, das übrigens Johann G. Holey gehört, dem Vater von Jan Udo Holey, besser bekannt unter dem Pseudonym, Jan van Helsing, bekannter Demagoge, Antisemit, Verschwörungstheoretiker und (leider) Buchautor, der ebenfalls die Protokolle nutzte, um seine Ideologie zu verkaufen (Er brauchte dann wohl auch noch die Außerirdischen mit ins heitere Verschwörungskarussell...) und sich natürlich auch bei Papa kräftig austoben darf.
Nicht zu vergessen, Peter Josephs Zeitgeist-"Doku", denn dort wird in geballter Form alles, was die VT hergibt, rausgehauen, und somit auch erneut die Inhalte der Protokolle widergekäut, mundgerecht für den geneigten Zuschauer, all inclusive, sozusagen.

Ich will damit nicht sagen, dass jeder Anhänger der WVT Antisemit ist, oder gar dem rechtsextremistischen Spektrum zuzuordnen ist.
Aber, wie man sieht, die Schnittmenge zwischen rechtem Gedankengut und WVT ist sehr groß. Beide Gruppen, unabhängig von einander fallen, auf die gleichen Märchen herein, bedienen sich ihrer oder wollen einfach daran glauben, weil sie so die Welt besser für sich sortieren können.

Und alle gemeinsam heulen sie denselben Mond an, beten zum demselben Götzen!



Natürlich gibt es mit Sicherheit eine Personengruppe, die ihre Position in der Welt ausnutzen. Sicher wird da auch in Kreisen der Hochfinanz gekungelt.
Und was 911 betrifft, wir werden nie mit Sicherheit sagen können, ob da jemand etwas im Voraus gewußt hat und ob, und wenn, wer da nun wen deckt oder benutzt hat.
Es gibt viele Ungereimtheiten.
(Erinnert irgendwie an die Ermordung von J.F. Kennedy und seinem Bruder Robert.)

Und klar macht das auch ein wenig Angst oder besser, es macht Angst, sich machtlos zu fühlen.

Aber sich daraus dann eine krude Theorie zu schustern, um erstens, alle, seiner persönlichen Kontrolle entziehenden Geschehnisse in der Welt, auf einen gemeinsamen Ursprung zurückzuführen und dann, zweitens, auch noch ein und derselben Gruppe zuzuschreiben, ist mehr als nur etwas verdreht, dass ist schon in höchstem Maße psychotisch.

Interessant wird es jedoch, wenn man sich eben ansieht, wer an dem ganzen verschwörungstheoretischem Kram dann wirklich gewinnt.

Einerseits eben die Anhänger selber, denn, wie gesagt, einerseits haben sie eine Erklärung für ihr persönliches Ohnmachtsgefühl, andererseits poliert es auch ein wenig das Selbstwertgefühl auf, wenn man sich vorstellt, dass da eine sehr mächtige Personengruppe ihre gesamte Energie darauf verschwendet, Otto-Normal-Mensch das Leben schwer zu machen.

Andererseits natürlich diejenigen, die den Mist widerkäuen oder weiterspinnen und dann gegen cash, sei es in Form von Videoportalen, Filmen oder Sachbüchern unter das, nach neuem Input lechzende, Volk bringen.

Ja, und dann gibt es da ja noch diejenigen, welche die, durch die VT resultiernde Verunsicherung für die Vermarktung ihrer Ideologien und Heilsbotschaft ausnutzen.
Und da dann besonders jene, die den Leuten erzählen, dass sie alles ändern werden, dass sie die Herrschaft der illuminativen, freimaurerischen, jüdischen, zionistsch-bolschewistisch-kapitalistischen, fremdstämmigen, mächtigen Männer hinter dem Vorhang, entmachten und beseitigen werden und das Volk von dieser Plage befreien werden.

Und da könnten sich neben der Schnittmenge aus WVT und Rechtsradikalen auch die beiden Hauptgruppen als Verbündete zusammenfinden, wenn der Feind, scheinbar derselbe ist, getreu dem Motto "Der Feind meine Feindes ist mein Freund!"

Man sollte deshalb dabei nie den Ursprung der Weltverschwörungstheorie vergessen...







Und da sagt man, Lügen haben kurze Beine....
...von wegen!

Mittwoch, 11. März 2009

AZK - Nachtrag zum vorhergehenden Artikel

Was ich noch vergessen, oder eher verdrängt, habe zu erwähnen:

Die AZK, Anti-Zensur-Koalition, warnt nicht nur vor dem Schreckgespenst "Genderismus" und der Erschaffung irgendwelcher, neuer Menschen, sondern die von Ivo Sadek gegründete Organisation bietet eigentlich allem und jedem eine Plattform für die zum Teil abstrusesten Theorien der WV.

So trat dort z.B. auch Frau Anita Petek-Dimmer, eine, wie Sadek so schön meinte medizinische Autodidaktin, die z.B. über mögliche Tollwutinfektionen, so "kluge" Sachen sagt, wie:
"Wunden müssen sofort zum Bluten gebracht werden, mit viel Wasser und Beigabe von desinfizierendem, wundheilendem Mittel ausgespült oder ausgeschwemmt werden. Falls nicht vorhanden, Essig oder Zitronensaft auf die Wunde träufeln. Sofort einen Homöopathie arbeitenden Arzt aufsuchen. Tollwut ist eine sehr, sehr seltene Erkrankung..."

Aber lassen wir auch sie, wie schon die Schauspielerin und wohl auch Autodidaktin Inge Türkhauf im vorherigen Artikel, selber zu Wort kommen:



Naja, also, sie sagt ja selbst Eingangs, zu ihrer nicht vorhandenen medizinischen Ausbildung, Pasteur war ja auch nur Chemiker...weshalb er ja, laut ihrer Aussage gar keine Kompentenz hatte, Tollwut zu diagnostizieren. Merkt jemand etwas?

Laut der Grundaussage von Frau Petek-Dimmer sind ja generell alle Impfungen unnötig.

Ich habe im Übrigen auch bei meinen Kindern mit der Kinderärztin sehr genau überlegt, welche Impfungen notwendig sind, und welche weggelassen werden können. So hatte meine Tochter nie eine Keuchhusten-Impfung erhalten, weil sie damals nicht gefährdet war, mein Sohn jedoch schon, da er sich eben bei seiner Schwester im kritischen Alter hätte anstecken können.

Er wiederum ist nicht gegen Tuberkulose geimpft, diese Krankheit in Europa als eingedämmt galt.
Ich könnte mir heute noch wegen dieser Entscheidung in den Hintern beißen, denn durch die Öffnung nach Osten kam Tuberkulose in Verstärkten Maße zurück. Scheiße!

Man kann also durchaus in Zusammenarbeit mit dem Kinderarzt abwägen, ob eine Impfung nun unbedingt sein muss oder nicht.
Aber generell zu sagen, alles Lüge, alles nur eine Verschwörung von Pharma- und Chemieindustrie, das ist schon in höchstem Maße unverantwortlich, um nicht zu sagen kriminell!


Wen wundert es da noch, dass auch die "Germanische neue Medizin" des Ex-Arzt Ryke Geerd Hamer vertreten durch Gerhard Buchwald bei der AZK eine Plattform findet.



Der meint das ernst! Der behandelt so Leute! Der Mann ist Übersetzer!
Aber, wie sagte Ivo Sadek vor dem Vortrag von Anita Petek-Dimmer so enthusiathisch?
"Die Autodiakten sind überall in der Welt die Besten. Das können wir vom Film her sagen. Es gibt heute die Meinung, dass das wirklich Gute nur von den Autodidakten kommen kann!"

Ich bin ja auch 'ne Kräuterhexe, also verabreiche und nehme gegen kleine Wehwehchen Kräutertees, Halswickel oder ähnliches, aber wie gesagt, der Mann redet hier nicht von Husten, sondern von Krebserkrankungen oder HIV....

Ne, mal ehrlich, ich gönne den Weltverschwörungsfreaks ja ihren Spaß, wenn es um Fernsehen, 911, Wirtschaftskrise geht und meinetwegen dürfen die sich gerne auch Aluhütchen gegen Elektro-Smog auf den Kopf setzen.

Aber wenn sie durch ihren Quatsch, den sie verzapfen, Menschen ernsthaften Erkrankungen aussetzen, oder sie aber von der nötigen Behandlung derselben abhalten, dann hört bei mir der Spaß auf.

Zumal sich die AZK ja auch bei der HIV-AIDS-Leugnung einen Namen gemacht hat.
Wer es nicht glaubt, sollte sich mal diese, auf der Homepage herunterladbare Broschüre ansehen.





DAS ist ein Schlag in das Gesicht eines jeden mit HIV Infizierten und an jeden an AIDS Erkrankten, und eine absolute Frechheit den Hinterbliebenen gegenüber, die Angehörige oder Freunde an dieser scheiß Krankheit haben elend verrecken sehen müssen!

Schlimmer noch, diese ganzen lieben Anti-Zensur-Menschen und ihre redseeligen Gäste tragen mitunter dazu bei, dass sich an HIV Infizierte eben nicht behandeln lassen, und auch möglicherweise weiterhin ungeschützten Geschlechtsverkehr haben, weil Stoffwechselerkrankungen ja nicht ansteckend sind!!!!
Und wenn doch, dann kann man ja mit der Germanischen Neuen Medizin kurz drüberpusten und alles ist wieder gut!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Sagt mal, geht's noch??????

Dienstag, 10. März 2009

Schreckgespenst "Genderismus "

Ich muss zu Beginn einfach noch mal auf die, bereits im Beitrag "Medienkompetenz, Aufklärung und Weltverschwörung" angesprochenen Thematik eben des letzteren, der Weltverschwörungstheorie zurück kommen.

Nicht, weil ich nun unbedingt an dem Thema klebe (ganz im Gegenteil!), sondern, weil mir bei der Auseinandersetzung mit ganz anderen Bereichen in letzter Zeit immer öfter über den Weg läuft.
Egal, worum es sich handelt, bei der Recherche stolpert man früher oder später immer über Sätze oder Thesen, die die Ursachen in einer globalen Verschwörung sehen.

Nehmen wir nur mal, wie schon im vorherigen Beispiel, das miese Fernsehprogramm. WVT-Anhänger sehen darin den Versuch einer Art planmäßigen Massensuggestion oder Massenverdummung. Von wem, sei einmal dahin gestellt. Da gehen die Meinungen teilweise sehr auseinander. Sagen wir der Einfachheit halber mal, es wären die "Männer hinter dem Vorhang".



Anderes Thema, ähnliche Thematik:

Mein augenblickliches Schwerpunktthema Genderismus.

Grob gesagt handelt sich sich dabei um ein plakatives Schlagwort, dass von verschiedenen, zum Teil religiös, zum Teil aber auch politisch oder sozial orientierten Gruppierungen benutzt wird, um die Tatsache zu beschreiben, dass wir an den Punkt angelangt sind, wo, ganz langsam, akzeptiert wird, dass Mann oder Frau, ob nun Hetero-, Homo- oder Transsexualität als gleichwertig anerkannt wird.
Für mich das normalste der Welt, ich habe mir noch nie viel Gedanken darüber gemacht, welche Geschlecht mein Gegenüber nun hat oder mit wem jemand ins Bett geht, geschweige denn, dass dies für mich ein Bewertungskriterium war (mal von der Partnerwahl abgesehen...).

Allerdings, ist das Schlagwort Genderismus dabei ja schon einmal völlig falsch gewählt, da der englische Ausdruck gender ja nur das soziale, bzw. das psychologische Geschlecht beschreibt.

Durch die Transgenderthematik dürfte klar sein, dass man nicht immer bei der Geburt das körperliche Geschlecht bekommt, welches auch der Seele entspricht. Die Diskrepanz kann dann bis zur Transsexualität führen.

Aber von diesem Extrembeispiel von "Fehlbesetzung" mal abgesehen, es gibt ja auch noch Männer, die eher weibliche Charaktereigenschaften haben, Frauen, die wiederum eher männliche Verhaltensweisen an den Tag legen, und das in den unterschiedlichsten Abstufungen, ohne dass sie alle gleich zu Drag Queens und Kings mutieren und ohne dass es Einfluss hätte, ob man nun schwul/lesbisch oder hetero wäre.
Sehen wir es mal realistisch, das biologische Geschlecht (engl. sex) beschreibt lediglich, über welche primären oder sekundären Geschlechtsmerkmale ein Mensch verfügt. Wie er sich verhält, über welche Stärken und Schwächen er verfügt, sagt es nicht.

Aber überhaupt daran zu denken, dass gender nicht gleich sex ist, und dass beides eigentlich überhaupt nichts über die Fähigkeiten und Eigenschaften eines Menschen aussagt, rüttelt bei so manchem schon, wie es scheint, an dem Rollenverständnis der Geschlechter. Aber wie das Wort schon sagt, es handelt sich dabei lediglich um Rollen und nicht um biologisch festgefügte Verhaltensweisen.

So findet man zum Thema Genderismus auch allerlei, wenn man mal wühlt. Und natürlich auch wieder Aufdecker und Mahner, die auch gleich ein paar Schuldige aus dem Hut zaubern, na, ihr ahnt es schon, die "Herren hinter dem Vorhang", dieses Mal in heiterer Verschwörungsrunde mit militanten Kampffeministinnen, wohl in Union mit den Kommunisten und, neu im Team, Killerschwuchtelgeschwadern (obwohl, da wir schon bei Klischees sind, da kämen wohl eher die Lederschnullis und die Bears in die engere Auswahl...machen als Sturmtruppen irgendwie mehr her).

Der Hammer schlechthin war, als ich bei meinen Recherchen auf einen Videobeitrag einer Konferenz der AZK zum Thema "Genderismus" stieß, in dem die Gastrednerin, Inge Türkhauf Simone de Beauvoirs Zitat aus ihrem Hauptwerk "Das andere Geschlecht " "Man kommt nicht als Frau zur Welt, sondern wird dazu gemacht." sinnentfremdet als Beweis dafür heranzieht, dass es den, diesmal wohl "Frauen hinter dem Vorhang" darum geht, eine Art neuen, geschlechtslosen Menschen zum Standard zu erheben.
Sie spricht auch viel davon, dass klassische Werte, auch in der Familie vom Genderismusbestreben bedroht seien.

Am besten, man sieht es sich selber an:



Tatsächlich aber will niemand die Männer feminisieren und die Frauen ihrer Weiblichkeit berauben. Richtig ist jedoch, dass von seiten der UN seit 1985 das Konzept Gender Mainstreaming diskutiert wird, 1995 auf der 4. Weltfrauenkonferenz in Peking, auch thematisiert, und nicht, wie Frau Türkhauf erklärte, subversiv untergeschoben, wurde, und es seit Ende der 90er Jahre auch durch den Amsterdamer Vertrag bindendes Ziel der EU ist.
Nur und da kommen wir zum springenden Punkt, die englische Bezeichnung ist für einige leicht irreführend, denn bei Gender Mainstreaming handelt es sich lediglich um die Gleichstellung der Geschlechter auf Gesellschaftlicher, wirtschaftliche und auch politischer Basis.
Haben wir in Deutschland, zumindest auf dem Papier schon eine ganze Weile:


Artikel 3 GG
  1. Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
  2. Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.
  3. Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Es ist nämlich immer noch keine Selbstverständlichkeit, dass Frauen und Männern überall und in jedem Fall die gleichen Rechte und auch Fähigkeiten zugestanden werden.
In einigen Ländern ist es noch nicht einmal selbstverständlich, dass Frauen eine Ausbildung erhalten, von weiblicher Beschneidung und Tötung von Föten und Neugeborener, weil sie keine Jungen sind, mal ganz abgesehen.

Und selbst hier bei uns müssen Frauen, die in einer Männerdomäne arbeiten, ein ziemlich dickes Fell haben.
"Was willst du denn? Du bist doch eine Frau, von Technik habt ihr doch keine Ahnung!"
Oder aber man wirft Frauen in leitenden Positionen immer noch sehr leicht vor, entweder ein eiskaltes Biest zu sein, oder sich "hochgeschlafen" zu haben.
Macht es wirklich vom Kopf her keinen Unterschied, welches Geschlecht der leitende Chirug bei einer OP hat?
Aber auch:
Wieviele Leute gucken misstrauisch, wenn der Sohnemann oder das Töchterchen stolz erzählt, dass die neue Kindergärtnerin Dustin oder Michael heißt?
Wer hat noch nicht insgeheim beim Anblick eines Damenfriseurs oder eines Flugbegleiters "schwul" gedacht ?

Ich hoffe es wird klar, worauf ich hinaus will.

Nicht das Geschlecht sollte eine Rolle spielen, sondern allein die Fähigkeit. Gleiches Recht für alle. Niemand ist besser oder schlechter.
Natürlich unterscheiden sich Frauen von Männer, auch im Wesen, aber gerade da eigentlich auch nicht mehr als sich Frauen und Männer von ihren Geschlechtsgenossen unterscheiden.
Es gibt schlicht "den Mann" und "die Frau" nicht.

Was also spräche dagegen, wenn die Frau nach dem Mutterschaftsurlaub weiter arbeitet und der Mann Haushalt und Kinder für die ersten Jahre übernimmt, so sie das in gegenseitigem Einvernehmen beschlossen haben?
Aber wie vielen Frauen wird man da dann Egoismus vorwerfen und den Männern dann mitleidig auf die Schulter klopfen oder sie belächeln?

Und was die Werte, speziell in der Familie und in der Partnerschaft betrifft, um die sich Frau Türkhauf solche Sorgen macht, nun, natürlich ist es z.B. für Menschen, die in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft leben, nicht so einfach ein Kind zu bekommen. Aber es ist, mit einigem Engagement möglich, wenn sie nicht sogar, aus einer früheren, heterosexuellen Beziehung, Kinder mitbringen.

Auch das ist dann eine Familie! Was denn sonst?
Spielt es wirklich eine Rolle, ob nun ein Kind Papa und Mama oder vielleicht zwei Papas oder aber zwei Mamas hat?
Heutzutage gibt es doch auch so genug Alleinerziehende, ob Mann oder Frau, und da suchen die Kinder sich dann auch die fehlende Bezugsperson, was das Geschlecht betrifft, im übrigen Familien oder Freundeskreis.

Seien wir ehrlich, die heile Welt, in der eine Familie aus Papa, Mama, Kind bestand, ist lange vorbei, wenn es sie überhaupt je so gegeben hat, wie uns manchen Zeitgenossen glauben machen wollen.

Kinder sind jedenfalls sehr flexibel, wenn es darum geht, etwas als normal zu betrachten. Das größte Problem dürften dabei eher dann die Kinder in Kindergarten oder Schule sein, die von zu Hause dann gewisse Vorurteile und Klischees als Werte vermittelt bekommen haben.

Die Zeit ändert sich, also was spricht dagegen, wenn auch Begriffe wie Familie und Werte neu definiert werden?
Niemand hat die Absicht, das Patriachat gegen ein Matriachat auszuwechseln. Wäre ja auch Quatsch! Da kann man ja genauso gut den Teufel mit dem Beelzebub austreiben.
Gleichberechtigung bedeutet, dass alle gleiche Rechte und Pflichten haben. So sollte es auch sein!


Was mir jedoch auch bei diesem Thema wieder auffällt, sobald Veränderungen auftreten, die gewissen Menschen nicht behagen oder gar Angst machen, sucht man sich auch hier wieder nach Schuldigen oder Drahtziehern.

Ich denke, daher rührt auch das ganze WV-Spektakel. Es kann ja nicht sein, dass all das Chaos im uns herum einfach nur so passiert. Da muss doch irgendeine Macht dahinter stecken. (ich weiß, was dahinter steckt, aber das ist leider nur für Eingeweihte.Smilie by GreenSmilies.com)

Ohne jetzt wie die letzte Esotante zu klingen, aber wir befinden uns nun mal im Zeitalter des Wassermanns. Da sind Umbrüche und Veränderung an der Tagesordnung. (ich verkneife mir mal zu erwähnen, dass es gleichzeitig das Neue Äon ist, das Zeitalter des Horus, weil der Artikel schon lang genug ist. Nur soviel, in knapp 2000 Jahren treten wie in das nächste Äon, dem der Maat, da wird es dann wieder ruhiger!)
Also gewöhnt man sich am besten mal daran, dass noch viel mehr Veränderungen auf uns, unsere Kinder und unsere Kindeskinder zukommen werden, denn sonst gehen noch die Sündenböcke aus.

Samstag, 28. Februar 2009

Medienkompetenz, Aufklärung und Weltverschwörer

Es steht dieses Wochenende noch einiges bei mir an. Ich arbeite gerade an einem kritischen Artikel über Feminismus (im Gegensatz zur Frauenbewegung!), den ich noch bis Montag fertig machen muss. (Wahrscheinlich fällt dann auch für meinen Blog etwas ab.)
Außerdem bin ich bei der Recherche dazu noch über eine sehr interessante Stilblüte in Sachen "Weltverschwörungstheorie" gestoßen.

Nach dem Islam, den Zionisten, irgendwelchen, ehemals zufällig der gleichen Studentenverbindung angehörender Menschen des Öffentlichen Lebens und angeblicher Medien-Manipulation (ich lach mich scheckig. Gerade auf Herrn Benesch' berühmt-berüchtigtem Infokrieg.tv wird diese These sehr laut postuliert, dabei hat man es da mit Quellenangaben und Verifikation der weitergegebenen Informationen so überhaupt nicht. Da kann man gleich BILD lesen. Investigativer Journalismus, als "Vierte Macht" wird bei beiden Medien jedenfalls gründlich missverstanden und seriös ist eh was anderes) wird die Freiheit des Menschen, wohlgemerkt nach Meinung der illusteren Weltverschwörungs-Gemeinde, nun auch noch durch die Macht der organisierten Kampf-Feministinnen bedroht. Stichwort Genderismus. (Artikel ist schon in Planung!) Smilie by GreenSmilies.com

Ähm, ich weiß ja, dass auch diese Weltverschwörungskiste eine Art von Religion darstellt, und dass nun mal jeder Mensch das Recht hat, seinen Glauben ungestört auszuüben. Aber, Leute, ich frage mich da mittlerweile wirklich, wo bei diesem Konzept der Glaube aufhört und die Paranoia beginnt.

Wie sagte Dieter Nuhr so treffend:
"Informations-Gesellschaft:
Wenn man soviel erfährt, daß man nichts mehr begreift..."


Ich habe wirklich manchmal das Gefühl, dass genau da das Problem liegt.
Im Medien-Zeitalter dringen so viele Informationen auf den Menschen ein. Die Möglichkeit sich Informationen zugänglich zu machen und diese unterschiedlichsten Quellen dann miteinander abzugleichen, um sich selbst am Ende ein möglichst realistisches Bild der Lage zu verschaffen, war noch nie in so großem Umfang möglich, wie heute.

Sollte man denken...

Allerdings scheint es jedoch so zu sein, dass der Mensch nur in begrenztem Maße fähig ist, Informationen zu verarbeiten.
Ein zuviel an Input, wie wir es heute vielfach vorfinden, scheint dahin zu führen, dass der Konsument am Ende überfordert ist.
Was leider anscheinend nur noch an Informationsgehalt in dem Durcheinander im Kopf übrig bleibt, sind wohl zumeist nur die plakativsten Eindrücke. Der Mensch kann eben Bilder leichter erfassen, als bloße Worte.

Nicht umsonst bedienen sich ja die eher zweifelhaften Medien, sei es Printmedien, Fernsehmagazine oder auch Info-Sites im Web eben darum besonders aufdringlicher Aufmacher, wie Schlagzeilen und Bilder, aber eben auch einer sehr grell und bildhaft anmutender Sprache.
Diese sind eben für manche eingängiger und bleiben nachhaltiger im Gedächtnis, als die meist doch eher sachlich-trockenen Berichte seriöser Medien.

Leider ist es immer noch nicht soweit, das der Zugang zu den neuen Medien auch mit einer Medienmündigkeit oder, besser, Medienkompetenz der Nutzer einhergeht .
Die meisten Menschen haben eben nie wirklich gelernt, wie man mit den Möglichkeiten der Informationsgesellschaft vernünftig umgeht.

Erstaunlicherweise fällt mir dieses meist gerade bei den Verfechtern der "Brot-und-Spiele"-Konspirationsteorie auf.
Natürlich haben sie dahingehend Recht, wenn sie sagen, dass der Mensch z.B. durch Hohl-Fernsehen vom Akteur zum passiven Konsumenten verkommt. Allerdings wird niemand gezwungen, sich "BigBrother", "Deutschland sucht den Super-Dödel" oder die x-te Dokusoap rein zu ziehen, erst recht nicht von staatlichen Stellen, wie sie es bisweilen gerne darstellen. (Und selbst, wenn man sich sowas, wie gesagt, völlig freiwillig, gibt, muss man das Gehirn nicht in dem Moment abschalten, in dem man den Fernseher einschaltet.)

Sie selber jedoch, und das ist auffällig, fallen gerne ebenso kritiklos auf die Meinungsmacher herein, die mit angeblich unabhängiger (in der Tat wohl eher, wie bei Infokrieg, unveriferzierter!) Berichterstattung um die Gunst gerade dieser Zielgruppe buhlen und diese dann auch brav mit genau dem füttern, nach dem es diesen Menschen verlangt, nämlich der Bestätigung all ihrer geheimen, eben durch diese Unfähigkeit im Umgang mit der Fülle an Information hervorgerufenen, Ängste.

Das ist aber sicher nicht das, was Immanuel Kant und im Übrigen auch Theodor Adorno mit dem "Mut zur Mündigkeit" gemeint haben.

Letzterer übrigens, Adorno, war es, der schon lange vor der Einführung der Gesamtschule in Deutschland, immer wieder darauf hinwies, dass zur Erziehung der Bevölkerung zum Mündigen Menschen eine weitgehende Reform des Bildungssystems, weg von dem dreigliedrigen Schulsystem, nötig wäre.
Schon er wußte nämlich, dass der Weg zum mündigen, nicht so ohne weiteres zu manipulierenden Bürger nur über eine möglichst fundierte Bildung zu erreichen ist!

Nebenbei drängt sich mir persönlich auch bei meiner augenblicklichen Lektüre, der, von Adorno und Max Horkheimer verfassten, "Dialektik der Aufklärung" der Gedanke auf, dass man diese auch gleichermaßen auf die Weltverschwörungstheorie übertragen könnte:

Einerseits die Theorie, dass eine krampfhafte Hinwendung zur vernunftmäßigen Aufgeklärtheit, weg vom Mystizismus, die Menschen eben ihrem natürlichen Bedürfnis gerade nach "unvernünftig" anmutenden Empfindungen, wie Spiritualität und auch reinem Glauben, beraubt, schadet und sie quasi "kastriert".

Nicht umsonst, so deucht es mich, ist nach einer gewissen Zeit der Rationalität, in den letzten Jahren die Rückbesinnung der Menschen zu Spiritualität und Glauben, auch mit allen eher negativen Auswüchsen, wie zwanghaften Feng Shui, irgendwelchen Menschen, die felsenfest davon überzeugt sind, dass hier 2012 das Licht ausgeht und Eso-Mainstream der übelsten Sorte oder fanatischen Gotteskrieger-Evangelikalen, zu beobachten. Ich denke, auch die neo-heidnischen Gruppen verdanken diesem Bedürfnis nach "Unvernunft" einen nicht zu unterschätzenden Zulauf.
Der Mensch ist eben nicht nur Kopf, sondern auch Herz und Seele.

Allerdings, wie ich bereits sagte, kann man auch die Weltverschwörungstheorie als Glaubenskonzept im Sinne einer Religion betrachten.
Und, in Hinblick auf die Aufklärung und der, dieser scheinbar konträr zuzuordnenden Spiritualität, schlagen die Angehörigen dieser Glaubensrichtung zwei Fliegen mit einer Klappe, denn sie nehmen wohl an, dass ihre als Tatsachen dargestellten Urban Legends nicht unter dem, für den modernen aufgeklärten Menschen, mit Makel behafteten Etikett der Mythen fallen würde.
Sie bedienen also ihren Anspruch als Aufgekläre Menschen, ohne jedoch auf ihre Mythen verzichten zu müssen, da sie diese als, zum Teil sogar wissenschaftliche, Tatsachen darstellen, müssen sie sich jedoch nicht in die gleiche Ecke stellen, wie diese "unaufgeklärte Bande" von ewig gestrigen Gläubigen, Spiritualisten, Hexen, Zauberstabschwingern und Besenreitern.

Bitte, als Beispiel, nur wahre Gläubige dürften bei einer, mit einem lateinischen Begriff betitelten Lebensmittelnorm der UN, Codex Alimentarius, auf die Idee kommen, dass da irgendwelche grauen Herren mit Freimaurerhintergrund die Menschheit vergiften, drogenmäßig ruhigstellen oder gar unfruchtbar machen möchten, besonders da dieser Codex hier für jeden frei zugänglich herunterladbar und somit nachprüfbar ist. (aber klar: Lateinisch Titel= mystisch = Freimaurer oder andere Geheimgesellschaften!)
Dass eine Lebensmittelnorm durchaus dahingehend Sinn macht, dass nicht jeder irgendwas wild in Nahrungsmittel hineinpanschen kann, wäre ja auch zu einfach.
Genauso gut könnte ich behaupten, das deutsche Reinheitsgebot beim Bier diene den, natürlich in einer Geheimloge organisierten deutschen Bierbrauern einzig und allein dazu, ausländische Konkurenten zu boykottieren und den Weltmarkt monopolistisch an sich zu reißen. (Vorsicht, Ironie! Nicht, dass ich diese Aussage demnächst auf entsprechenden WV-Foren als Tatsache wiederfinde!)

Zurück zur "Dialektik der Aufklärung".
Noch ein Aspekt dieses Werkes erinnert mich unangenehm an das, was man zum Teil aus den Kreisen der WVT (Weltverschwörungstheoretikern) zu hören und lesen bekommt, bzw. an die Mechanismen der Medien, die diese Zielgruppe bedienen.

Im fünften Kapitel "Elemente des Antisemitismus" beschäftigen sich Adorno und Horkheimer mit der Funktionsweise faschistische Propaganda.
Gib den Zuhörern oder Lesern das Gefühl, einer von ihnen zu sein, biete den Leuten eine, möglichst fesselnde, unterhaltsame Show, spiele mit Assoziationen und psychologischen Tricks, brich Tabus, schockiere sie mit deiner scheinbaren Offenheit, bleibe dabei aber wage in deinen Andeutungen, nenn die Dinge nie beim Namen, sondern deute sie nur an, sprich nicht ihren Intelekt, sondern ihre Gefühle an, und besonders, ziehe strickte Grenzen zwischen Gut und Böse und Weiß und Schwarz, zwischen "Wir" und "Ihnen".

Auffällig ist dabei immer die Verwendung eines, wie auch gearteten, aber stets nebulösen Feindbildes!
Bei den rechten Faschisten, heute wie damals, ist es die ebenso antisemitische, wie auch absolut paradoxe "Jüdisch-Bolschewistische Weltverschwörung", bei den Linksfaschisten sind es "Das Kapital", bei wieder anderen sind es "Die Fädenzieher" oder "Die Dunklen Mächte".
Dies alles dient einerseits dazu, dass sich die Zielgruppe einer elitären, eingeschworenen Gemeinschaft zugehörig fühlt, andererseits wird das Überansprechen des gefühlsmäßigen Empfindens dahin führen, dass angeführte Klischees nicht mehr hinterfragt werden.

Man ist einfach nur noch beseelt von der Botschaft. Gerade zu frenetisch...

Dergleichen findet man eben nicht nur im politisch motivierten Faschismus, sondern ebenso auch bei ähnlichen gearteten, religösen Bewegungen.

Und, da ich ja die WVT als eine Art religiöse Bewegung bewerte, auch dort.

Wer es nicht glaubt, darf sich gerne mal daran wagen, mit einem Anhänger dieser Richtung vernünfig und sachlich über seine Theorien auszutauschen.

Im besten Fall, wird man feststellen, dass man entweder als eben nicht eingeweiht und darum als nicht fähig, die Zusammenhänge zu erkennen, abgeschrieben wird, im schlechtesten Fall ist man eben einer von ihnen.

Und fragt bloß nicht nach seriösen Quellen jenseits des WVT-Kosmos!
Weil...eben...die Medien sind ja fest in der Hand von IHNEN!