Auf Grund von technischen Problemen hatten wir ja gut vier Wochen kein DSL mehr. Die Angaben variierten je nach "Servicemitarbeiter".
Ursache war wohl Anfangs ein erneuter Brandanschlag unserer ortseigenen Feuerteufel, auf deren Konto mittlerweile schon ein kurz vor der Eröffnung stehender Kindergartenneubau, fast ein ganzes Einkaufzentrum, diverse PKW und dergleichen mehr gehen, der irgendeinen Knotenpunkt mitgerissen hat und das, obwohl seine oder ihre Aktionen sich eigentlich nur auf Müllcontainer beschränken (!)...es erklärt allerdings nicht, warum ausgerechnet bei uns im Haus so lange immer noch nichts ging...
Egal, nachdem es dann auch noch mit dem Notbehelf Webstick zeitweilig Probleme gab, übte ich mich in zenmäßiger Geduld - auch wenn ich beruflich auf dieses verf... Internet angewiesen bin, Ärgern bringt außer Falten und Magengeschwüre ja rein gar nichts - und nahm die Gegebenheit als Anlass - neben der Entscheidung bei nächster Gelegenheit den Provider zu wechseln - für eine Art "Cleaningtime" respektive Kontemplation.
Die ersten Tage waren aber echt hart.
Mal kurz was googeln - Fehlanzeige!
Downloads - Käse!
Nachrichten oder Zeitungen online lesen - Kacke!
Kino-Programm checken - auch Essig!
Stattdessen musste ich mal wieder in meinem Buchregal herum klettern und meine diversen Bücherstapel durchwühlen oder in die Bücherei laufen, wenn ich mal schnell was nachschlagen wollte - nachdem ich mich vorher mit der Problemstellung "Verdammt, wo hab ich das noch mal gelesen?" auseinandergesetzt hatte - nur um dann festzustellen, dass ich den Vorgang nochmals auf der Suche nach Querverweisen und Sekundärliteratur wiederholen durfte, statt einfach nach der Textstellen zu googeln.
Eben wie früher in der Prä-Internet-Zeit. Es ist ja nicht so, als würde ich das nicht auch mit DSL machen und es nicht auch lieben, in einem Haufen aufgeschlagener Bücher zu hocken, um einer Frage nachzugehen, aber nur "offline" ist das alles doch mit ein wenig mehr Aufwand verbunden.
Sowieso, mir ist jetzt erst wirklich aufgefallen, wie sehr sich das Verhalten verändert, wenn man eine DSL-Flat hat bzw. nicht ständig Zugriff auf den Daten-Highway mit seiner schier unerschöpflichen Informationsvielfalt.
Aber mir hat es schon vor dieser Zwangspause missfallen, wie abhängig man sich mit diesem Zwang ständig "verbunden sein" und "auf dem Laufenden sein" zu müssen macht, und wie unruhig man dadurch wird. Man konzentriert sich nicht auf die eine Tätigkeit, der man sich gerade widmet, sei es lesen, schreiben, Filme gucken oder was auch immer, sondern das Internet ist im Hintergrund und auch im Unterbewusstsein immer irgendwie präsent.
Ich kenne dieses Phänomen noch aus der Zeit, als mein Mann noch lebte, bezüglich TV-Verhalten.
Das Erste, was er machte, wenn er nach Hause kam, war, nach der obligatorischen Begrüßung, den Fernseher einzuschalten, einerlei ob etwas interessantes kam oder nicht, und dann lief das Teil als permanente Hintergrunduntermalung, bis man ins Bett ging.
Dieses Verhalten machte mich damals schon wahnsinnig, auch wenn es mir dabei half zu lernen Störfaktoren einfach auszublenden.
Mein Vater zeigt übrigens dasselbe Verhalten, aber da meine erste Handlung, wenn ich zu ihm komme darin besteht, noch bevor ich ihn begrüße (!), ins Wohnzimmer zu schlappen und die Kiste auszumachen, und er nicht so ganz unreflektiert handelt, fragt er mittlerweile schon nach, ob jemand das augenblickliche Programm sehen will oder ob er ausschalten soll.
Bei Telefonaten mit ihm ist meine obligatorische Begrüßungsformel deshalb auch "Hi, Vatter, ich bin's! Mach' mal eben den Fernseher aus!" (abgesehen davon, dass er mittlerweile auf Grund seines Alters etwas schwerhörig geworden ist und den Ton der Kiste eben dementsprechend laut gestellt hat und ich keinerlei Lust verspüre, dagegen anzubrüllen, er ist auch ein Meister im Ausblenden. Nur er blendet eben manchmal das "andere" Störfeld aus ... womit ich ja auch leben könnte, wenn es nicht bisweilen bedeuten würde, das gewisse wichtige Infos den "Empfänger" nicht erreichen. ^^ )
Was er noch nicht ganz aufgegeben hat, ist der Versuch mit mir das Programm vom Vorabend oder Werbeinhalte diskutieren zu wollen - ein Unterfangen, was in zweierlei Hinsicht fruchtlos ist, da unsere Vorlieben und Gewohnheiten sich diesbezüglich doch sehr unterscheiden - aber er arbeitet dran. ;)
Viel anders ist es mit "dem Internet" ja auch nicht.
Apropos Fernsehen:
Da auch unser Fernsehanschluß übers Internet läuft, fiel das eben auch erstmal flach. Glücklicherweise schauen wir sowieso sehr wenig fern, bis auf zwei, drei Serien, die sich alle ohnehin auf zwei Tage in der Woche und auf zwei Sender beschränken. Da wir ohnehin mindesens 50 % davon bereits im englischen Original gesehen haben, wäre auch ein kompletter Totalausfall kein Drama gewesen, allerdings verfügen wir ja immerhin noch über einen herkömmlichen Kabelanschluss.
Also Scartanschluss vom Decoder raus, Antennenkabel rein in das TV-Gerät.
Zwar standen uns so statt 91 Programmen, die wir nicht nutzen, nun nur noch so um die 50 zur Verfügung, aber diesen Verlust kann man verschmerzen.
Blöd war einzig, dass unser DSL-Decoder auch gleichzeitig ein Festplattenrecorder ist und wir so nicht mehr, wie es sich eingebürgert hat, "unsere" Serien aufnehmen konnten und sie unmittelbar nach Beendigung als Aufzeichnung anzuschauen, wobei wir allerdings die Werbung elegant vor spulen und somit dieser Gehirnerweichung auch entgehen und auch nicht mehr im laufenden Programm mal eben anhalten konnten, um uns etwas zu essen zu holen oder auf's Klo zu gehen, ohne etwas zu verpassen.
Wenn in dieser Zeit etwas kam, was man sehen wollte, dann musste man es eben dann auch gucken. Wenn man dabei eine menschliche Regung verspürte, musste man entweder warten, oder aber riskieren, die möglicherweise unglaublich wichtige, weil alles erklärende Schlüsselszene zu verpassen.
Auch dies hat eben auch viel mit Zen bzw. Dao zu tun! *g*
Allerdings weiß ich auch jetzt wieder, wozu die Werbeunterbrechungen früher gut waren...
Aber mal ehrlich, man muss auch nicht permanent den Email-Client, Messenger oder gar "sein" Social Network im Hintergrund laufen haben, nur um über jede neue Nachricht oder jeden veränderten Status sofort informiert zu werden. Es mag ja eine Zeit lang ganz nett sein, aber wie beim Handy nervt mich diese permanente Erreichbarkeit schon eine ganze Weile. Es ist schlicht nicht mein Wille, ständig "verfügbar" zu sein und so nehme ich mir die Freiheit auch nicht immer verfügbar für alles und jeden zu sein. (siehe hierzu "Wenn ich telefonisch nicht erreichbar bin..." vom Februar dieses Jahres).
Deshalb bin ich ja kein ungeselliger Eremit und schon gar kein Soziopath, wie mir mal vorgeworfen wurde, nur weil ich nicht bei jeder neuen Tragödie in der Menschheitsgeschichte in das kollegtive Mitleiden und Wehklagen einstimme. Ich halte mich mit den dämlichen Mitleidbekundungen auch und gerade bei tragischen Vorfällen sowieso zurück, insbesondere wenn es Menschen betrifft, die mir nahe stehen. Erstrecht muss ich meine Anteilnahme nicht per Social Network in die Welt hinaus blasen. Für mein Mitgefühl brauche ich kein Publikum!
Ich bin für sie da, ich höre zu, wenn sie ihr Herz ausschütten wollen, gebe auch gerne Rat, fühle mit ihnen. Aber gerade das hält mich auch dann davon ab, ihnen mit meinem Mtleid auf den Keks zu gehen, denn das hilft in solchen Fällen den Betroffenen am allerwenigsten.
"Mitleid ist für die Schwachen!"
Aber das ist nun wirklich ein anderes Thema...
Nun gut, jedenfalls habe ich aus der Internetgeschichte etwas sehr Positives für mich mitgenommen.
Natürlich ist es eine unendliche Erleichterung, mal eben kurz was nachschauen zu können, wohingegen das Recherchieren offline sich schon etwas schwieriger gestaltet.
Auch das Kontakthalten untereinander wird erleichtert.
Aber mal ehrlich, wenn ich von jemandem nicht mehr als die Email-Adresse, den Nickname und die unterschiedlichen Internet-Plattformen, auf denen er zu finden ist, kenne, dann kann es mit der Nähe zu dieser Person auch nicht so gut bestellt sein.
Ich will die Möglichkeiten des Internet auch gar nicht schlechtreden.
Aber es hat eben, wie jedes Ding, auch Schattenseiten. Und dessen muss man sich bewusst sein!
Hinzu kommt, dass ich mittlerweile schon soweit bin, wenn wieder ein Tag zur Neige geht, ich erstaunt feststelle, dass ich nicht einmal online war und dies, ohne etwas wesentliches vermisst zu haben - ein Zustand, der für mich vor dem Ausfall, wenn schon nicht undenkbar, so doch höchst selten war.
Mein Fazit lautet daher:
Nach dem Maßstab, den ich schon bei vielen anderen Dingen seit etwa 15 Jahren anlege - "Brauche ich das wirklich?" und so eine Kosten-Nutzen-Rechnung aufmache, um dann erst zu einer Entscheidung zu kommen - werde ich meine Internetpräsens zukünftig bis auf das absolut Notwendige stark reduzieren, so wie ich mich schon in den letzten zwei Jahren aus Foren und Networks und dem damit verbundenen "Jahrmark der Eitelkeiten" weitgehend zurückgezogen habe und mich auf das für mich Wesentliche beschränken.
Ich lasse mich nicht gerne zum Sklaven machen, ob es sich nun um Normen, Konventionen oder eben auch (unendliche) Möglichkeiten handelt und obschon ich mir darüber im Klaren bin, dass wir alle gewissen äußeren Zwängen unterworfen sind, so habe ich es doch in der Hand, im Rahmen meiner Möglichkeiten zu entscheiden, welche vermeidbaren Fußfesseln ich mir zusätzlich anlegen lasse oder sie mir gar selbst anlege.
Und zur Zeit bindet mich das Internet eben mehr, als das es zu meiner Auffassung von persönlicher Freiheit beiträgt.
Das wird sich sicher auch wieder ändern, aber zu diesem Zeitpunkt fühlt sich diese Entscheidung genau richtig an.
Ich werde sporadisch immer mal wieder rein schauen, wahrscheinlich auch etwas schreiben und bin ja nicht aus der Welt, aber eben nicht mehr ständig präsent sein.
In dem Sinn bis auf weiteres: "So long and thank you for all the fish!"
Meinereiner
"Bildung ist wichtig, vor allem wenn es gilt, Vorurteile abzubauen.
Wenn man schon ein Gefangener seines eigenen Geistes ist, kann man wenigstens dafür sorgen, daß die Zelle anständig möbliert ist."
Peter Ustinov
„Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.“
Benjamin Franklin
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Montag, 23. Januar 2012
Montag, 12. Dezember 2011
Freitag, 2. Dezember 2011
Ein kleines bisschen Horrorshow! - Der Traum der letzten "Nacht"
Wohl unter dem Einfluss von zu viel Kardarka und einem intensivem Gespräch über Magick im Allgemeinen und Initiationen, Ritualen und Disziplin im Besonderen in der letzten Nacht, sowie wohl auch einer foreninternen Diskussion sowohl über die Beliebigkeit im Heidentum™, als auch des vielfach dort vorzufindenden Konsens des kuschelig-flauschigen "Nicht-Kritik-Übens" an noch so großem Unsinns - nach dem Motto "Wir sind ja soo tolerant, wir finden jetzt einfach mal alles toll, egal was andere so an Dummfug erzählen" hatte ich in den paar Stunden Schlaf danach einen Albtraum, der sich in der Schilderung eigentlich recht lustig anhört.
Kurze Zusammfassung:
Ich war Mitglied eines freien Magick-Workshops zum Thema "Eleusinische Rituale", wobei die Aufgabenstellung dahingehend lautete, dass je eine Arbeitsgruppe eins der Rituale interpretieren und aufführen sollte.
Eine Gruppe, so eine Friede-Freude-Hippie-Kuschel-Eso-Baumknutscher-Gemeinschaft, bekam das Mars-Ritual zugeteilt. (Anm.: was ja schon mal ansich ein Paradoxon darstellen dürfte)
Der Vorhang ging also auf, die "Show"ging los und in Form eines sehr surreal-psychedelischen Mixes aus belebtem Gemäldes/Film/Aufführung startete mein persönlicher Horrortrip.
Nicht nur, dass das Ganze mit lauter wonneproppig umherflatternden Putten überfrachtet war, das ganze "Bühnenbild" war auch noch hauptsächlich blau (Anm. Blau ist der Venus zugeordnet, Mars ist rot!) und spielte sich vor dem Hintergrund eines Kaufhauses ab, dessen Symbol eine Große Acht zierte (Anm. sowohl das Kaufhaus, als auch der Zahlenwert 8 deuten sehr stark auf Merkur, wie übrigens, wie mir gerade auffällt, auch das "Überangebot" von geflügelten Statisten...wohingegen Mars in Bezug zur 5 steht )
Ich möchte da nicht zu sehr ins Detail gehen, aber ich stand nur da und war...fassungslos!
Der Horror ging aber jetzt erst richtig los. Nach Beendigung des Spektakels kriegten sich die restlichen Kursteilnehmer gar nicht mehr ein vor überschwänglichen Standing Ovations und lobten die AG-Mars ob ihrer innovativen Interpretation des Stoffes.
Dabei wußte ich, dass sie alle sich durchaus im Klaren waren, dass da Null Mars geboten worden war. Aber die fanden das einfach aus Prinzip mal TOLL, was für mich eindeutig "Thema verfehlt - setzen - sechs!" war.
Es folgte daraufhin folgender Dialog, wobei man sich die Antworten bitte in beschwichtig-säuselndem Tonfall vorstellen muss:
Ich, noch recht ruhig:"Schön, aber das war nicht Mars! Das hatte nicht mal eine Hauch marsianisches! Das war eindeutig Merkur! Wie könnt ihr das so toll finden!"
Antwort: "Aber sie haben sich doch solche Mühe gegeben! Ist halt nicht ihre Materie."
Ich:"Trotzdem war alles falsch, was man falsch machen konnte!", dabei wedelte ich mit dem Marsritual in der einen Hand und dem Liber 777 in der anderen Hand, "Wenn man schon keine Ahnung hat, dann kann man sich doch wenigstens mit dem Stoff vertraut machen..."
Antwort: "Sieh das doch nicht so eng! Du bist ja sooo fanatisch, um nicht zu sagen faschistisch!"
In dem Moment sah ich nur noch rot und brüllte: "Es gibt GESETZE!!!" (Anm. Zitat aus dem neuen Programm von M.Mittermeier - ich sag' nur "Dörte!" Man sollte sich solche Shows nicht dreimal hintereinander reinziehen...)
Antwort: "Aber, wenn das nun ihre Interpretation von Mars war...lass doch der Phantasie ihren Spielraum."
Ich: "ICH HABE NICHTS GEGEN INTERPRETATIONSSPIELRAUM ODER SELBSTGEBAUTE RITUALE, ABER MAN SPIELT NICHT MIT ENERGIEN HERUM! WENN MAN MARS MEINT, MUSS AUCH MARS-ENERGIE ERZEUGT WERDEN UND NICHT WAS GANZ ANDERES! UND WENN MENSCHEN DA FEHLER BEGEHEN, MUSS MAN SIE WENIGSTENS DARAUF AUFMERKSAM MACHEN, DAMIT SIE WAS DARAUS LERNEN UND NICHT NOCH DAFÜR LOBEN! ECHT LEUTE, WENN IHR HIER DEN WELTUNTERGANG ZELEBRIEREN WOLLT, DANN SAGT'S MIR, DAMIT ICH MICH DARAUF EINSTELLEN KANN!"
Antwort: "Jetzt beruhig' dich doch erst einmal!"
Plötzlich wurde ich ganz ruhig und haute nur noch einen einzigen Satz raus:
"Unter diesen Umständen kann ich die Verantwortung für dieses Projekt nicht mehr mittragen!", drehte mich um und ging...und wachte im selben Moment auf (weswegen ich mich noch so genau an den Traum erinnern kann).
Bin dann erst einmal aufgestanden, hab' mir eine Paracetalmol reingeworfen und eine im Bett geraucht (was in den mittlerweile über 25 Jahren, in denen ich jetzt hier wohne, vielleicht fünfmal vorgekommen ist) und mich danach noch eine Stunde auf's Ohr gehauen. An Schlaf war zwar nicht mehr zu denken - ich lag eher mit aufgerissenen Augen da, aber so hatte ich Gelegenheit mir über den Traum so meine Gedanken zu machen.
Abgesehen von den Punkten, die ich schon in der Einführung erwähnte und als Anmerkungen in die Schilderung habe einfließen lassen, wurde mir plötzlich für mich klar, dass das ganze Szenario rund um Workgroup und die Eleusynischen nur Staffage gewesen ist für eine ganz andere Botschaft.
Kern des Traums, sowie der eigentliche Grund, weswegen ich mich ja so aufgeregt hatte, war, neben Tatsache, das mir eben dieses "Alles-Gut-Finden" und "Bloß-Nicht-Kritisieren" ebenso tierisch auf die Nerven geht, wie wenn man mir bei Themen, welche mir wirklich wichtig sind, mit dieser bescheuerten zuckersüßen Beschwichtigungstour kommt, waren ja fehlgeleitete Energien.
Für mich heißt das Alles also ganz pragmatisch:
"Nickel, du steckst gerade Energien in die falschen Dinge!"
Und tatsächlich gibt es da das eine oder andere Projekt, die aber allesamt überhaupt nichts mit Magick zu tun haben, von denen ich mich tatsächlich zurückziehen sollte, weil es eben zu viel Aufmerksamkeit von anderen, fruchtbareren, ergiebigeren oder wichtigeren Dingen im Leben abzieht.
So gesehen war das "kleine bisschen Horrorshow" doch im Endeffekt sehr produktiv.
Trotzdem...*grusel*
Kurze Zusammfassung:
Ich war Mitglied eines freien Magick-Workshops zum Thema "Eleusinische Rituale", wobei die Aufgabenstellung dahingehend lautete, dass je eine Arbeitsgruppe eins der Rituale interpretieren und aufführen sollte.
Eine Gruppe, so eine Friede-Freude-Hippie-Kuschel-Eso-Baumknutscher-Gemeinschaft, bekam das Mars-Ritual zugeteilt. (Anm.: was ja schon mal ansich ein Paradoxon darstellen dürfte)
Der Vorhang ging also auf, die "Show"ging los und in Form eines sehr surreal-psychedelischen Mixes aus belebtem Gemäldes/Film/Aufführung startete mein persönlicher Horrortrip.
Nicht nur, dass das Ganze mit lauter wonneproppig umherflatternden Putten überfrachtet war, das ganze "Bühnenbild" war auch noch hauptsächlich blau (Anm. Blau ist der Venus zugeordnet, Mars ist rot!) und spielte sich vor dem Hintergrund eines Kaufhauses ab, dessen Symbol eine Große Acht zierte (Anm. sowohl das Kaufhaus, als auch der Zahlenwert 8 deuten sehr stark auf Merkur, wie übrigens, wie mir gerade auffällt, auch das "Überangebot" von geflügelten Statisten...wohingegen Mars in Bezug zur 5 steht )
Ich möchte da nicht zu sehr ins Detail gehen, aber ich stand nur da und war...fassungslos!
Der Horror ging aber jetzt erst richtig los. Nach Beendigung des Spektakels kriegten sich die restlichen Kursteilnehmer gar nicht mehr ein vor überschwänglichen Standing Ovations und lobten die AG-Mars ob ihrer innovativen Interpretation des Stoffes.
Dabei wußte ich, dass sie alle sich durchaus im Klaren waren, dass da Null Mars geboten worden war. Aber die fanden das einfach aus Prinzip mal TOLL, was für mich eindeutig "Thema verfehlt - setzen - sechs!" war.
Es folgte daraufhin folgender Dialog, wobei man sich die Antworten bitte in beschwichtig-säuselndem Tonfall vorstellen muss:
Ich, noch recht ruhig:"Schön, aber das war nicht Mars! Das hatte nicht mal eine Hauch marsianisches! Das war eindeutig Merkur! Wie könnt ihr das so toll finden!"
Antwort: "Aber sie haben sich doch solche Mühe gegeben! Ist halt nicht ihre Materie."
Ich:"Trotzdem war alles falsch, was man falsch machen konnte!", dabei wedelte ich mit dem Marsritual in der einen Hand und dem Liber 777 in der anderen Hand, "Wenn man schon keine Ahnung hat, dann kann man sich doch wenigstens mit dem Stoff vertraut machen..."
Antwort: "Sieh das doch nicht so eng! Du bist ja sooo fanatisch, um nicht zu sagen faschistisch!"
In dem Moment sah ich nur noch rot und brüllte: "Es gibt GESETZE!!!" (Anm. Zitat aus dem neuen Programm von M.Mittermeier - ich sag' nur "Dörte!" Man sollte sich solche Shows nicht dreimal hintereinander reinziehen...)
Antwort: "Aber, wenn das nun ihre Interpretation von Mars war...lass doch der Phantasie ihren Spielraum."
Ich: "ICH HABE NICHTS GEGEN INTERPRETATIONSSPIELRAUM ODER SELBSTGEBAUTE RITUALE, ABER MAN SPIELT NICHT MIT ENERGIEN HERUM! WENN MAN MARS MEINT, MUSS AUCH MARS-ENERGIE ERZEUGT WERDEN UND NICHT WAS GANZ ANDERES! UND WENN MENSCHEN DA FEHLER BEGEHEN, MUSS MAN SIE WENIGSTENS DARAUF AUFMERKSAM MACHEN, DAMIT SIE WAS DARAUS LERNEN UND NICHT NOCH DAFÜR LOBEN! ECHT LEUTE, WENN IHR HIER DEN WELTUNTERGANG ZELEBRIEREN WOLLT, DANN SAGT'S MIR, DAMIT ICH MICH DARAUF EINSTELLEN KANN!"
Antwort: "Jetzt beruhig' dich doch erst einmal!"
Plötzlich wurde ich ganz ruhig und haute nur noch einen einzigen Satz raus:
"Unter diesen Umständen kann ich die Verantwortung für dieses Projekt nicht mehr mittragen!", drehte mich um und ging...und wachte im selben Moment auf (weswegen ich mich noch so genau an den Traum erinnern kann).
Bin dann erst einmal aufgestanden, hab' mir eine Paracetalmol reingeworfen und eine im Bett geraucht (was in den mittlerweile über 25 Jahren, in denen ich jetzt hier wohne, vielleicht fünfmal vorgekommen ist) und mich danach noch eine Stunde auf's Ohr gehauen. An Schlaf war zwar nicht mehr zu denken - ich lag eher mit aufgerissenen Augen da, aber so hatte ich Gelegenheit mir über den Traum so meine Gedanken zu machen.
Abgesehen von den Punkten, die ich schon in der Einführung erwähnte und als Anmerkungen in die Schilderung habe einfließen lassen, wurde mir plötzlich für mich klar, dass das ganze Szenario rund um Workgroup und die Eleusynischen nur Staffage gewesen ist für eine ganz andere Botschaft.
Kern des Traums, sowie der eigentliche Grund, weswegen ich mich ja so aufgeregt hatte, war, neben Tatsache, das mir eben dieses "Alles-Gut-Finden" und "Bloß-Nicht-Kritisieren" ebenso tierisch auf die Nerven geht, wie wenn man mir bei Themen, welche mir wirklich wichtig sind, mit dieser bescheuerten zuckersüßen Beschwichtigungstour kommt, waren ja fehlgeleitete Energien.
Für mich heißt das Alles also ganz pragmatisch:
"Nickel, du steckst gerade Energien in die falschen Dinge!"
Und tatsächlich gibt es da das eine oder andere Projekt, die aber allesamt überhaupt nichts mit Magick zu tun haben, von denen ich mich tatsächlich zurückziehen sollte, weil es eben zu viel Aufmerksamkeit von anderen, fruchtbareren, ergiebigeren oder wichtigeren Dingen im Leben abzieht.
So gesehen war das "kleine bisschen Horrorshow" doch im Endeffekt sehr produktiv.
Trotzdem...*grusel*
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Mittwoch, 21. September 2011
Wissen ist Macht!...?
"Wissen ist Macht! Nichts wissen macht auch nichts!"Ein Sponti-Spruch aus meiner Jugend, der in letzter Zeit wieder einmal seine, wenn auch eingeschränkt gültige, Berechtigung für mich bewiesen hat.
Natürlich empfinde ich eine umfassende Bildung und eigene, stete Weiterbildung für ausgesprochen wichtig. Nicht umsonst steht oben in meinem Blog dieses Zitat von Sir Peter Ustinov!
Aber was nützt es, wenn man über ein enormes Wissen verfügt, aber nichts davon wirklich in der Praxis umzusetzen vermag?
Wenn das Wissen selbst zum Gefängnis wird?
Nur noch das geschriebene Wort Bedeutung hat und man eigene Erfahrung und die Emotionen, die damit eng verbunden sind, darüber vernachlässigt?
Ich selbst weiß, wie sich die Bedeutung von Texten, die ich vor Jahren gelesen habe und heute wieder zur Hand nehme, über die Jahre durch die Veränderung in meiner Person selbst, gewandelt haben.
Ich lese sie heute bisweilen gänzlich anders, ziehe andere Schlüsse aus ihrem Sinn oder erkenne erst jetzt deren wahre Bedeutung oder eine andere Tiefe.
Egal ob historische Aufzeichnungen, Schriften von Philosophen oder banale Geschichten, ohne Kenntnis der Zusammenhänge, des kulturellen und sozialen Kontextes, aber auch der Gefühlswelt der Protagonisten oder der Autoren bleibt dem Leser meist ein Gutteil des Sinns dahinter verborgen.
Wenn es nicht möglich ist, sich auch in diese Personen einzufühlen, versteht man meist nicht, wieso sie auf diese Art handelten oder warum sie diese Meinung vertraten.
Reines Wissen genügt da meiner Meinung nach nicht.
Dann bleibt es bei einem reinen Abfragen von Daten und Fakten. Dazu gehört auch eine Fähigkeit zu einer gewissen Art von Empathie.
Was nützt es denn, wenn ich z.B. sämtliche Philosophen seit Anbeginn der Zeit bis zur Gegenwart rezitieren kann, ihre unterschiedlichsten Theorien kenne, sie sogar verstehe, aber nicht be-greife, dass nur ihre eigene physische Existenz und ihre Realität, die sie mit ihren Sinnen und eben auch nur durch diese, ihre höchst eigene, somit begrenzten, subjektiven Sichtweise wahr-nahmen sie zu ihren Schlussfolgerungen führte?
Wie lange diese nun für sie auch selbst Bestand hatten, verschließt sich mir ebenso, wie ihre Gedankewelt.
Mehr noch:
Ich deute ihre Worte doch ebenso subjektiv aus meiner begrenzten Wahrnehmung heraus. Und weil Worte eben nur ein unzureichendes "Transportmittel" darstellen, kann ich mich dem wahren Sinn dahinter nur genauso annähern, wie schon der Verfasser nur versuchen konnte, seine Gedanken und Erkenntnisse annähern in Worte zu fassen.
Zu der Beschränkung auf das Wort, also dem reinen Wissen aus zweiter Hand um das, was jemand völlig fremdes, in uns fremden Zeiten, aus uns unbekannten Gründen einmal niedergeschrieben oder gesagt hat (vielmehr haben soll, denn die Belege beruhen dann ja auch lediglich auf Aussagen oder Niederschriften von Zeitgenossen), gesellt sich oftmals auch die Beschränkung auf den Verstand.
Nur was mit diesem erklärbar und fassbar ist, ist dann wahr. Aber was nützt jede Logik, wenn sie kalt und unpersönlich ist?
Was ist denn der Kopf ohne Herz, der Verstand ohne Gefühl?
Fragt ein Ex-Agnostiker, wohlgemerkt!
Ich habe schon in anderen Zusammenhängen mehrfach darauf hingewiesen, dass es sich für mich eben so darstellt, wann immer ich zu neuen Erkenntnissen und dem Erfassen von mir bisher verborgenen Zusammenhängen gelange, es sich sich eben nicht nur im Kopf abspielt oder manifestiert, als Resultat eines rein intellektuellen, verstandesmäßigen Denkvorganges, sondern ganzheitlich im Körper spürbar ist, hauptsächlich im Herz- und Magenbereich. Und der Ursprung dieser Eingebung eben nicht meinem Kopf, also dem reinen Intellekt, dem Verstand und Denken entspringt, sondern ich das Gefühl habe, als nähme sie ihren Ursprung eine Stufe darüber.
Ich will jetzt hier nicht vom Chakrensystem anfangen - das führe jetzt wirklich zu weit - aber es ist in der Tat so, dass in jenen Augenblicken "dort oben" etwas einzurasten scheint und eine Art Energie meine Wirbelsäule herabschießt und dabei eine echte ganzkörperliche Reaktion hervorruft, inklusive "Schlag auf den Solar Plexus"!
Da dieses Gefühl doch dem eines Stromschlags sehr ähnlich ist - und glaubt es mir, als Tochter eines (Auto-)Elektrikers, der mich in diese "Wissenschaft" einführte, weiß ich, wie sich so etwas anfühlt - ist die Bezeichnung "Geistesblitz" durchaus zutreffend.
Natürlich basieren solche Vorgänge auch auf angeeigneten Wissen, aber der Vorgang selbst, wie das Ergebnis, ist doch, jedenfalls nach meinen persönlichen Beobachtungen, nicht nur darauf zurückzuführen. Man muss sich, so denke ich, auch wieder ein Stück weit vom Erlernten, Erlesenem und auch Erfahrenem lösen, um es neu verknüpfen zu können. Stures Festhalten an Altbewertem behindert diesen Vorgang nur.
Das wäre so, wie wenn man tagtäglich durch denselben Ort läuft und nur die immer gleichen Wege benutzt. Man kommt ziemlich sicher von A nach B ohne Gefahr sich zu verlaufen, aber man lernt auch den Ort selbst nie wirklich kennen. Weder neue Plätze, noch etwaige Abkürzungen oder durchaus beachtenswerte Stätten. So kann man ein Leben an diesem Ort verbringen und doch bleibt er einem weitgehend unbekannt und seine wirkliche Schönheit und Komplexität verborgen.
So ist es eben auch, wenn man sich an einmal festgelegtes Wissen und damit verbundene Strukturen klammert und/oder sie lediglich weiter anhäuft oder verfestigt ohne sie zur Weiterentwicklung zu nutzen und gegebenenfalls bereit ist, sie auch wieder zu verwerfen, wenn man bemerkt, das sie mehr behindern als nützen. Man lernt nichts neues hinzu.
Es gibt in diesem Zusammenhang für mich zwei sehr zutreffende Zitate:
"Was schert mich mein Geschwätz von gestern!" von Konrad Adenauer
und
"Ich habe eiserne Prinzipien! Wenn sie ihnen nicht gefallen, ich habe auch andere!" von Groucho Marx.Panta Rhei! Alles fließt! Nichts hat ewig Bestand, sondern ist einem steten Wandel unterworfen. Was auf das Sein zutrifft, sollte dann erst recht auch auf das Wissen zutreffen. Manchmal denkt man eben nur, zu wissen, aber in Wirklichkeit, glaubt man doch bloß zu wissen und weiß eigentlich gar nichts sicher...
In diesem Kontext kommt mir persönlich immer das Prinzip der Sandmandalas in den Sinn.
In stunden-, meist sogar tage- oder wochenlanger akribischer Kleinstarbeit und auch unter zu Hilfenahme verschiedenfarbigen Sandes werden zum Teil sehr datailverliebte Kunstwerke anfertigt, nur um sie danach wieder willentlich zu zerstören oder sie den Naturgewalten zu überlassen.
Ich denke, das trifft den Kern dessen, was hier mit vielen Worten auszudrücken versuchte, am besten.
So sollte man den Sponti-Satz am Anfang des Artikels vielleicht dahingehend ändern, dass Wissen zwar Macht ist, aber um diese Macht auch für sich selbst gewinnbringend und bereichernd nutzen zu können, es von größter Wichtigkeit ist, abzuwägen, wie und wann man dieses Wissen einsetzt. Nicht um "vor Anker zu gehen", sondern mit seiner Hilfe unter "vollen Segeln auf große Fahrt" zu gehen, um zu neuen Horizonten zu gelangen!
"Das Wissen, wo es als höchstes Prinzip auftritt, tötet notwendig den Enthusiasmus, den Geist und jenen aus irrationalen Quellen fließenden menschlichen Instinkt, der für die Konflikte die einfachste Lösung findet." Hugo BallEin weitaus besseres Zitat in diesem Zusammenhang, wie ich finde!
Freitag, 29. April 2011
Der "Sack Reis" und die Geheimwaffe "AG"
Viele kennen das wohl nur zu gut:
Es gibt Themen, die kommen immer wieder, auch wenn man denkt, sie wären längst ausdiskutiert, durchgesprochen, schlicht überholt oder einfach nur so trivial, dass sich eine Diskussion ohnehin erübrigt. Kurz, sie sind so nützlich und interessant wie der sprichwörtliche Sack Reis.
Gerade letztere beweisen aber meist eine erhebliche Halbwertszeit, die sogar die von Plutonium oder Uran locker in den Schatten stellt.
Diesem Phänomen begegnet man allerorten, egal ob in der Firma, dem Verein, dem Parteitreffen, einer beliebigen Initiative oder Infoveranstaltung, dem Elternabend in Schule oder Kindergarten, überall da, wo Menschen sich zusammenfinden um gemeinsam etwas zu bereden, zu beschließen oder sonst wie auf die Beine zu stellen.
Selbst eine verbindliche Agenda mit sehr stringent gehaltenen Tagesordnungspunkten bietet hier keine absolute Sicherheit vor besagten Endlos- oder Bumerang-Sachverhalten oder zum Grundsatzproblem aufgebauschten Banalitäten.
Mehr noch, je enger der zeitliche Rahmen oder der Themenkomplex, je dringender das Bedürfnis das Treffen so kurz und knapp wie möglich zu halten, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass irgendjemand so einen Alten Hut oder Plattitüde, deren Relevanz gegen null geht, auf den Tisch bringt. Sowohl Mordgier in den Augen, als auch mehr oder eher weniger vorgetäuschte Nervenzusammenbrüche seitens der gebeutelten Mitdiskutianten, werden dabei ebenso ignoriert, wie Gähnen, Hinweise auf die vorgerückte Stunde oder sonstige Zeichen ostentativ geäußerten Desinteresses.
Frau "Kleinigkeitskrämer" oder Herr "Prinzipienreiter" - es ist nämlich, meiner Erfahrung nach, immer der gleiche Menschentyp - sind gegen solcherlei unterschwellige Botschaften schlicht immun.
Nun könnte man sagen, das einfachste wäre, von vornherein bekannte Triggerthemen sofort im Keim zu ersticken.
Guter Plan!
Funktioniert aber nicht!
Denn dann wird eben eine beliebige, gedankenlos hingeworfene Randbemerkung zu einer Staatsaffäre von geradezu globaler Wichtigkeit hoch stilisiert.
Neben vielen anderen solcher Vorfälle, denen ich im Laufe meines Lebens ausgeliefert war, ist mir "Die Wasserkasten-Affäre" am besten im Gedächtnis haften geblieben. Sie bietet auch ein hervorragendes Beispiel für oben beschriebene (Un-)Themen:
Ich war damals noch "junge" Mutter und als solche eine von eben dem einen unermüdlichen Drittel Elternschaft, welche die Teilnahme an Elternabenden quasi als Pflicht ansahen.
Als meine Große so im zweiten Schuljahr war, stand wieder so ein Elternabend an und die Klassenlehrerin wagte zu Beginn zu bemerken, dass der zeitliche Rahmen an diesem Abend sehr eng gesteckt wäre, da der Raum nur zwei Stunden zur Verfügung stünde und wir ja noch das Hauptthema "Erster mehrtägiger Jugendherbergsausflug" durch zusprechen hätten.
Alle nickten. Ja natürlich, also frisch ans Werk und die einzelnen Themenpunkte so schnell und effizient wie möglich abarbeiten.
Kein Problem!
Zuerst lief der Abend auch ganz gut an und wir lagen in der Zeit. Wir waren auch fast durch, als Frau Z., die Lehrerin, so nebenbei fragte, ob es für einen der Anwesenden Elternteile ein Problem darstellte, dass die Kinder aufgrund der großen Hitze - es war ja knapp nach den Sommerferien - ihren Durst am Wasserhahn des Klassenraumes löschten?
Große Stille - die Ruhe vor dem Sturm, wie sich herausstellte - dann allgemeines Abwinken, schließlich haben wir hier eine sehr gute Wasserqualität und es macht ja keinen Unterschied, ob der Nachwuchs nun zu Hause oder in der Schule am Wasserkran hängt.
So wollte sich Frau Z. endlich dem anstehenden Ausflug im Herbst, immerhin Hauptthema des Abends, zuwenden, als Frau und Herr S., ihres Zeichens hoch ambitionierte Eltern einer "Einzelkind-Prinzessin", gewählte Repräsentanten der Klasse in der Elternpflegschaft, erklärten, in der Klasse von XY in Pusemuckel wäre es üblich den Kindern jeden Woche von den Eltern reihum einen Wasserkasten zu sponsern.
...und das Verhängnis nahm seinen Lauf.
Frau Z. entgleisten die Gesichtszüge, war sie doch schon ein paar Jährchen im Job und wusste wohl nun nur zu gut, was da jetzt käme.
Was soll ich groß erzählen, man diskutierte dann fast eine geschlagene Stunde Wasser-Marken, still, medium oder classic, Vorgehensweise und Rotationsintervalle beim Austausch, Kunststoff- oder Glasflasche, ob es nun besser sei, wenn jedes Kind einen eigenen Becher mitbrächte, oder man auch an Plastikbecher denken müsse, blasülzsabbel.
Ich saß da und dachte ich wäre im falschen Film, derweil Frau Z. immer öfter auf die Uhr schielte.
Als es mir dann zu viel wurde - ich wollte ja mal irgendwann wieder nach Hause, außerdem interessierte mich die Klassenfahrt auch viel mehr, als Geschmacksrichtungen der unterschiedlichen Mineralwassermarken - unterbrach ich die Runde mit dem Vorschlag, bevor man weiter diskutierte, sollten doch einfach einmal alle Anwesenden, die überhaupt Mineralwasser für den Nachwuchs dem Leitungswasser vorzögen, die Hand heben.
Zuerst sahen mich alle entgeistert an. Als sich dann niemand meldete, wandte ich ein, damit wäre die Diskussion ja hinfällig und wir könnten weiter machen. Auch wären wir ja sowieso nicht "beschlussfähig", da ja immerhin zwei Drittel der Eltern durch Abwesenheit glänzten und man so eine Entscheidung, die ja auch für die Abwesenden immerhin von finanzieller und organisatorischer Tragweite sei, nicht einfach mal über ihren Kopf treffen könnte.
Den giftigen Blick von Frau und Herrn "Wichtig" werde ich im Leben nicht vergessen, genauso wenig wie den dankbaren von Frau Z.
Der Fall "Wasserkasten" ist mir deshalb so im Gedächtnis geblieben, weil er mir das erste Mal bewusst die Funktionsweise und fatale Eigendynamik solcher im Prinzip so irrelevanter wie gegenstandsloser, dafür aber Zeit fressenden Problemstellungen vor Augen geführt hat.
Heute weiß ich jedoch, dass ich die Sache völlig falsch angegangen bin. Es gibt nämlich in solche Fällen ein Generalrezept, dass einen auch davor bewahrt, sich die lebenslange Feindschaft von Seiten der "Aufbausch-Fraktion" zu zuziehen.
Heute, gestärkt durch unendlich viele ähnliche Vorfälle, weiß ich, dass der einfachste Weg, solchen Themen und deren Urheber das Wasser abzugraben und somit die Diskussion zu retten, darin besteht, sofort (!), beim ersten Aufflammen solcher Pseudo-Inhalte, den Vorschlag zu unterbreiten, dazu gleich eine Arbeitsgemeinschaft zu gründen. Und wer böte sich für die Leitung einer solchen AG eher an, als der- oder diejenige, welche(r) das Thema angesprochen hätte?
Der Vorteil liegt auf der Hand:
Man gewinnt Zeit und Energie für die wirklich relevanten Aufgaben, wer sich tatsächlich mit solchen Marginalien beschäftigen möchte, kann das, im kleinen Kreis, zu einem anderen Zeitpunkt und einem anderen Ort, gerne tun und dann "Bericht erstatten" und zu guter Letzt, dem Menschentypus, der sich gerne über das Anzetteln solcher Angelegenheiten profilieren und in den Fokus der Aufmerksamkeit spielen will, gibt man, wonach er so sehnlich trachtet und lässt ihn doch geschickt ins Leere laufen!
Erfahrungsgemäß sterben solche AG dann auch so plötzlich, wie sie ins Leben gerufen wurden.
Denn, und das ist fast allen dieser Debatten um Pseudo-Probleme gemein, außer den Initiatoren interessiert sich im Grunde niemand wahrhaftig für deren Inhalt. Viele werden einfach nur mitgerissen und geraten dann in eine Art "Trance", in der sie dann fast willenlos agieren und reagieren bis jemand im übertragenen Sinne mit dem Finger schnippt und so den Bann bricht.
Da aber eben diese Leute, wenn sie erst einmal wieder bei klarem Verstand sind, kaum ernsthaft in Erwägung ziehen, für solch einen Bullshit ihre Freizeit zu opfern, trifft die "Geheimwaffe Arbeitsgemeinschaft" auch nur diejenigen, die es treffen soll und die es wirklich verdient haben... *muharharhar*
Es gibt Themen, die kommen immer wieder, auch wenn man denkt, sie wären längst ausdiskutiert, durchgesprochen, schlicht überholt oder einfach nur so trivial, dass sich eine Diskussion ohnehin erübrigt. Kurz, sie sind so nützlich und interessant wie der sprichwörtliche Sack Reis.
Gerade letztere beweisen aber meist eine erhebliche Halbwertszeit, die sogar die von Plutonium oder Uran locker in den Schatten stellt.
Diesem Phänomen begegnet man allerorten, egal ob in der Firma, dem Verein, dem Parteitreffen, einer beliebigen Initiative oder Infoveranstaltung, dem Elternabend in Schule oder Kindergarten, überall da, wo Menschen sich zusammenfinden um gemeinsam etwas zu bereden, zu beschließen oder sonst wie auf die Beine zu stellen.
Selbst eine verbindliche Agenda mit sehr stringent gehaltenen Tagesordnungspunkten bietet hier keine absolute Sicherheit vor besagten Endlos- oder Bumerang-Sachverhalten oder zum Grundsatzproblem aufgebauschten Banalitäten.
Mehr noch, je enger der zeitliche Rahmen oder der Themenkomplex, je dringender das Bedürfnis das Treffen so kurz und knapp wie möglich zu halten, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass irgendjemand so einen Alten Hut oder Plattitüde, deren Relevanz gegen null geht, auf den Tisch bringt. Sowohl Mordgier in den Augen, als auch mehr oder eher weniger vorgetäuschte Nervenzusammenbrüche seitens der gebeutelten Mitdiskutianten, werden dabei ebenso ignoriert, wie Gähnen, Hinweise auf die vorgerückte Stunde oder sonstige Zeichen ostentativ geäußerten Desinteresses.
Frau "Kleinigkeitskrämer" oder Herr "Prinzipienreiter" - es ist nämlich, meiner Erfahrung nach, immer der gleiche Menschentyp - sind gegen solcherlei unterschwellige Botschaften schlicht immun.
Nun könnte man sagen, das einfachste wäre, von vornherein bekannte Triggerthemen sofort im Keim zu ersticken.
Guter Plan!
Funktioniert aber nicht!
Denn dann wird eben eine beliebige, gedankenlos hingeworfene Randbemerkung zu einer Staatsaffäre von geradezu globaler Wichtigkeit hoch stilisiert.
Neben vielen anderen solcher Vorfälle, denen ich im Laufe meines Lebens ausgeliefert war, ist mir "Die Wasserkasten-Affäre" am besten im Gedächtnis haften geblieben. Sie bietet auch ein hervorragendes Beispiel für oben beschriebene (Un-)Themen:
Ich war damals noch "junge" Mutter und als solche eine von eben dem einen unermüdlichen Drittel Elternschaft, welche die Teilnahme an Elternabenden quasi als Pflicht ansahen.
Als meine Große so im zweiten Schuljahr war, stand wieder so ein Elternabend an und die Klassenlehrerin wagte zu Beginn zu bemerken, dass der zeitliche Rahmen an diesem Abend sehr eng gesteckt wäre, da der Raum nur zwei Stunden zur Verfügung stünde und wir ja noch das Hauptthema "Erster mehrtägiger Jugendherbergsausflug" durch zusprechen hätten.
Alle nickten. Ja natürlich, also frisch ans Werk und die einzelnen Themenpunkte so schnell und effizient wie möglich abarbeiten.
Kein Problem!
Zuerst lief der Abend auch ganz gut an und wir lagen in der Zeit. Wir waren auch fast durch, als Frau Z., die Lehrerin, so nebenbei fragte, ob es für einen der Anwesenden Elternteile ein Problem darstellte, dass die Kinder aufgrund der großen Hitze - es war ja knapp nach den Sommerferien - ihren Durst am Wasserhahn des Klassenraumes löschten?
Große Stille - die Ruhe vor dem Sturm, wie sich herausstellte - dann allgemeines Abwinken, schließlich haben wir hier eine sehr gute Wasserqualität und es macht ja keinen Unterschied, ob der Nachwuchs nun zu Hause oder in der Schule am Wasserkran hängt.
So wollte sich Frau Z. endlich dem anstehenden Ausflug im Herbst, immerhin Hauptthema des Abends, zuwenden, als Frau und Herr S., ihres Zeichens hoch ambitionierte Eltern einer "Einzelkind-Prinzessin", gewählte Repräsentanten der Klasse in der Elternpflegschaft, erklärten, in der Klasse von XY in Pusemuckel wäre es üblich den Kindern jeden Woche von den Eltern reihum einen Wasserkasten zu sponsern.
...und das Verhängnis nahm seinen Lauf.
Frau Z. entgleisten die Gesichtszüge, war sie doch schon ein paar Jährchen im Job und wusste wohl nun nur zu gut, was da jetzt käme.
Was soll ich groß erzählen, man diskutierte dann fast eine geschlagene Stunde Wasser-Marken, still, medium oder classic, Vorgehensweise und Rotationsintervalle beim Austausch, Kunststoff- oder Glasflasche, ob es nun besser sei, wenn jedes Kind einen eigenen Becher mitbrächte, oder man auch an Plastikbecher denken müsse, blasülzsabbel.
Ich saß da und dachte ich wäre im falschen Film, derweil Frau Z. immer öfter auf die Uhr schielte.
Als es mir dann zu viel wurde - ich wollte ja mal irgendwann wieder nach Hause, außerdem interessierte mich die Klassenfahrt auch viel mehr, als Geschmacksrichtungen der unterschiedlichen Mineralwassermarken - unterbrach ich die Runde mit dem Vorschlag, bevor man weiter diskutierte, sollten doch einfach einmal alle Anwesenden, die überhaupt Mineralwasser für den Nachwuchs dem Leitungswasser vorzögen, die Hand heben.
Zuerst sahen mich alle entgeistert an. Als sich dann niemand meldete, wandte ich ein, damit wäre die Diskussion ja hinfällig und wir könnten weiter machen. Auch wären wir ja sowieso nicht "beschlussfähig", da ja immerhin zwei Drittel der Eltern durch Abwesenheit glänzten und man so eine Entscheidung, die ja auch für die Abwesenden immerhin von finanzieller und organisatorischer Tragweite sei, nicht einfach mal über ihren Kopf treffen könnte.
Den giftigen Blick von Frau und Herrn "Wichtig" werde ich im Leben nicht vergessen, genauso wenig wie den dankbaren von Frau Z.
Der Fall "Wasserkasten" ist mir deshalb so im Gedächtnis geblieben, weil er mir das erste Mal bewusst die Funktionsweise und fatale Eigendynamik solcher im Prinzip so irrelevanter wie gegenstandsloser, dafür aber Zeit fressenden Problemstellungen vor Augen geführt hat.
Heute weiß ich jedoch, dass ich die Sache völlig falsch angegangen bin. Es gibt nämlich in solche Fällen ein Generalrezept, dass einen auch davor bewahrt, sich die lebenslange Feindschaft von Seiten der "Aufbausch-Fraktion" zu zuziehen.
Heute, gestärkt durch unendlich viele ähnliche Vorfälle, weiß ich, dass der einfachste Weg, solchen Themen und deren Urheber das Wasser abzugraben und somit die Diskussion zu retten, darin besteht, sofort (!), beim ersten Aufflammen solcher Pseudo-Inhalte, den Vorschlag zu unterbreiten, dazu gleich eine Arbeitsgemeinschaft zu gründen. Und wer böte sich für die Leitung einer solchen AG eher an, als der- oder diejenige, welche(r) das Thema angesprochen hätte?
Der Vorteil liegt auf der Hand:
Man gewinnt Zeit und Energie für die wirklich relevanten Aufgaben, wer sich tatsächlich mit solchen Marginalien beschäftigen möchte, kann das, im kleinen Kreis, zu einem anderen Zeitpunkt und einem anderen Ort, gerne tun und dann "Bericht erstatten" und zu guter Letzt, dem Menschentypus, der sich gerne über das Anzetteln solcher Angelegenheiten profilieren und in den Fokus der Aufmerksamkeit spielen will, gibt man, wonach er so sehnlich trachtet und lässt ihn doch geschickt ins Leere laufen!
Erfahrungsgemäß sterben solche AG dann auch so plötzlich, wie sie ins Leben gerufen wurden.
Denn, und das ist fast allen dieser Debatten um Pseudo-Probleme gemein, außer den Initiatoren interessiert sich im Grunde niemand wahrhaftig für deren Inhalt. Viele werden einfach nur mitgerissen und geraten dann in eine Art "Trance", in der sie dann fast willenlos agieren und reagieren bis jemand im übertragenen Sinne mit dem Finger schnippt und so den Bann bricht.
Da aber eben diese Leute, wenn sie erst einmal wieder bei klarem Verstand sind, kaum ernsthaft in Erwägung ziehen, für solch einen Bullshit ihre Freizeit zu opfern, trifft die "Geheimwaffe Arbeitsgemeinschaft" auch nur diejenigen, die es treffen soll und die es wirklich verdient haben... *muharharhar*
Donnerstag, 28. Oktober 2010
Catch him and keep him!
Dieser Satz sprang mich im Laufe der Woche auf Facebook als Teil einer schweizer URL einer Werbung mit dem Untertitel "Warum er Dich nicht liebt - Enthüllt: Was fast keine Frau darüber weiß: warum Männer sich nicht binden wollen" an
Klingt wie eine Schlagzeile in Bild der Frau, Bella, Petra und wie die einschlägigen "Frauenzeitschriften" so heißen mögen.
Ich persönlich finde es als Frau immer nett, wenn mir als sogenannte Zielgruppe durch Werbung oder auch Medien mal gezeigt wird, wie frau so tickt/zu ticken hat.
Irgendwas mache ich da ohnehin grundlegend falsch, denn weder renne ich wie besessen mit irgendwelchen Desinfektionsmitteln durch die Gegend um meine Lieben vor pösen Bakterien zu schützen, noch interessiere ich mich großartig für die Klarsicht meiner Fenster, irgendwelche Adelsdramen (außer einer ganz aktuellen *fg* ) oder muss meiner, durch irgendwelche Bikinidiäten oder falscher Ernährung ruinierten Verdauung mit speziellen, so überteuerten wie nutzlosen Milchprodukten auf die Sprünge helfen. Ich weiß auch mit meiner Zeit sinnvolleres anzustellen, als ständig Teppiche und Polster porentief zu reinigen und danach mit Febreze anzuspritzen oder aus Trockenblumen lustige Tischgedecke zu zaubern, die dann sowieso von den göttlichen Geschöpfen hier zum Nachtisch vernascht würden (2 Minuten! Höchstens!). Und mein Interesse an Damenhygieneartikeln beschränkt sich eigentlich auch darauf, ob ich noch welche da habe, wenn ich sie brauche.
Aber dieser Satz "Fang ihn und behalte ihn!" wäre allein schon sowas von bescheuert und dabei leider aber auch signifikant für eine bestimme Einstellung einer Beziehung gegenüber, dass ich mir eine spitze Bemerkung dazu kaum verkneifen könnte, aber zusammen mit diesem "Warum er mich nicht liebt!" ist das quasi ein Gourmet-Essen für die olle Krähe.
Erste Assoziation meinerseits war, wie so ein Gisi-Verschnitt, sich einen Kerl über die Schultern wirft, ihn nach Hause schleppt, an Händen und Füßen gefesselt auf die Couch setzt und ihm dann ihre Liebe dadurch beweist, dass sie dem armen Mann mit selbstgemachten Speisen und Gebäck foltert, bis er um Gnade winselt. Wenn dies vielleicht witzig klingt und Stoff für eine Komödie wäre, meine zweite Assoziation, die Erinnerung an den King-Roman "Misery" entbehrt jeder Komik. Auch da verlangt und erzwingt eine Frau von einem Mann die Erfüllung ihres innigsten Wunsches (auch, wenn der etwas anders gelagert ist), mit fatalen Folgen.
Und komisch, im Sinne von lustig, empfinde ich die Kernaussage des Satzes nun wirklich nicht, spricht sie doch für eine Einstellung, von der man denken sollte, dass man sie Beginn des 21. Jh. endlich abgelegt haben sollte, nämlich, dass frau ohne eigenen Mann einfach nicht sein kann, dass die Suche nach MR. Right immer noch die Priorität sein müsse.
Entschuldigung, aber das klingt ja fast so, als wäre man im Dschungel und jeder Mann, und Frau natürlich auch, wäre eine Beute, die es zu jagen und zu stellen gälte.
Aber warum muss denn alles im Leben darauf hinaus laufen, die eine und wahre Liebe zu finden? Und gibt es wirklich nur die eine wahre Liebe, den einen Traumprinzen? Und wieso empfinden Menschen sich erst komplett, wenn sie den Partner für's Leben gefunden haben? Oder vielmehr, warum wird das suggeriert?
Denn darum geht es auf der Seite, zu der mich der Link geführt hat. Unter dem Titel "Wie du deinen Traumprinzen findest und für immer an dich bindest" komplettiert mit einem Potrait eines, für manche vielleicht, als sehr markant-attraktiv zu bezeichnenden, Herrn, gibt eine wohl mit ebenso viel Kalkül ausgewählte männliche Stimme angeblich Tipps wie Frau das bewerkstelligen kann.
Naja, Tipps kann man die Aneinanderreihung von Suggestivfragen und Allgemeinplätzen jetzt nicht nennen, Antworten vermisst man völlig. Eigentlich drängte sich mir beim anhören der 25 Minuten dauernden Litanei eher die Frage auf, ob die Zielgruppe weniger erwachsene Frauen, als vielleicht eher 14-jährige Mädchen sein könnten.
Darunter steht dann zu lesen:
Die Überraschng besteht darin, dass man nicht nur, wenn man jetzt gleich bestellt, etwas was angeblich 80 Euronen kosten soll, für knappe dreißig bekommt, sondern das erste Interview gratis dazu.
Über die Qualität des EBooks, wie den eigentlichen Inhalt, erfährt man nicht wirklich etwas, außer der Versicherung des Autors, er wüßte, was Frauen bei der Jagd nach einer festen Beziehung zu einem Mann falsch machen, weil er ersten ja ein Mann sei und zweitens anhand von hunderte von Interview das Dating-Verhalten von Frauen und Männern analysiert habe.
Man kauft trotzdem die Katze im Sack. Ich sagte ja, war eben Werbung (und nebenbei ziemlich schlechte, weil leicht durchschaubar).
In dem Video, was eigentlich keines ist, sondern nur eine Lesung bzw. eine Erläuterung der Textfrakmente, die man auf dem Bildschirm sieht, kriegt man dann auch solche Weisheiten präsentiert, wie
Allerdings frage ich mich dann, was dieser ultimative Ratgeber, für den da geworben wird, soll?
Okay, verliebt sein ist wundervoll, Liebe erst Recht, Zweisamkeit kann wunderschön sein, Sex natürlich sowieso, aber, warum um alles in der Welt suchen erwachsene Frauen eigentlich nach "dem Traumprinzen", oder vielmehr, warum lassen sie sich einreden, dass dies das Lebensziel sein muss. Warum sollte eine Frau erst glücklich sein, wenn sie in einer festen Beziehung mit dem Mann für's Leben ist, am besten noch mit 'nem "Sklavenring" und urkundlich bescheinigt?
Nicht falsch verstehen, es kann toll sein, sich aus tief empfundener Liebe zu binden und dies, mit oder ohne amtlichen oder religiösen Segen, zu besiegeln! Das habe ich ja auch schon hinter mir, spreche also aus Erfahrung, aber die gleiche Erfahrung sagt mir auch, dass ich mich nach der Trauung immer noch genauso gefühlt habe wie vorher. Da tat sich kein Licht auf und kein Engelschor sang haleluja.
Ich war immer noch ich, nur der Nachname war ein anderer.
Alles andere, das Gefühl, die Verbundenheit, blieben gleich.
Das hat mich damals schon, auf der Rückfahrt vom Standesamt hin zur Feier zu der Frage gebracht, warum eigentlich der ganze Aufwand. (Was ich da natürlich nicht gesagt habe. Als ich ein paar Jahre später mal in einem Gespräch meinem Mann gegenüber erwähnte, dass ich ihn zu dem Zeitpunkt nicht mehr heiraten würde, war er tief getroffen, obwohl ich ihm zu vermitteln versuchte, dass das weder hieß, dass ich die Entscheidung bereue oder es etwas am Status quo, der Beziehung als solcher, geändert hätte. Er hat es einfach nicht verstanden. Es sind also mitnichten immer nur die Frauen, die "Heirat" als ultimativen Liebesbeweis verstehen.)
Was jetzt speziell an diesem "Catch him and keep him" stört, ist nicht nur diese Jäger-Beute-Assoziation, sondern auch die Erwartungshaltung.
Sorry, hier mal Lebensberatung à la Krähe, kostenlos:
Wer als Frau dem Traumprinzen hinterher jagt, sollte sich einmal fragen, warum gerade auch in Märchen, aber eigentlich in allen großen Liebesgeschichten, die Story immer dann endet, wenn sich Prinz und Prinzessin gekriegt haben. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute...
Weil, nachdem die beiden sich vor großem Publikum das Ja-Wort gegeben haben und die "Bösen", die ihrem Glück im Wege standen, bestraft wurden, der Alltag in die Beziehung einkehrt.
Der dürfte aber viel weniger romantisch sein, wie die eigentliche Geschichte.
Wer will schon wissen, wie Aschenputtel und ihr Prinz nach zehn Jahren leben?
Oder wie das bei Romeo und Julia ausgesehen hätte, wenn es da nicht dieses Missverständnis gegeben hätte und sie weitergelebt hätten, als Ehepaar?
Wahrscheinlich wäre "Prinz" dann ständig auf "Geschäftsreise", derweil Ex-Aschenputtel zu Hause im Kreis ihrer unzähligen Kinder wieder zu dem mutierte, was sie zu Anfang war.
Und Romeo?
Entschuldigung, er, der ja kurz bevor er Julia begegnete noch Kraft der Libido eines 15-jährigen Jüngelchens unsterblich in eine gewisse Rosalinde verliebt war, wird sich wahrscheinlich auch nach der ersten Verliebtheit, spätestens aber nach dem dritten, vierten Kind, mal umbeschaut haben, besonders, wenn Julia ihrer Mutter nachschlug.
Klar, diese Paare in Märchen, Theaterstücken und historischen Liebensromanen, die frau ja gern liest (ich bekenne mich des Vergehens ebenfalls "Schuldig!") hatten sich gefangen und "durften" sich auch behalten, weil es zu den Zeiten in denen diese Geschichten spielen, wirklich "bis das der Tod sie scheidet" hieß.
Aber wie gesagt, Kern der Geschichten und ihr Reiz liegen im "Sich-kriegen" und nicht darin, den schnöden Alltag einer Zweierbeziehung zu erleben.
Das ist aber die Realität!
Wenn man aber davon ausgeht, dass er "der Traumprinz" ist und es auch zeitlebens bleibt, dann darf man sich nicht wundern, wenn man eines Tages neben einem Frosch aufwacht.
Mein Tipp: Nehmt es mit Humor!
Ich habe irgendwann mal im Bett meinen Mann gefragt, ob er zu einem wunderschönen Frosch würde, wenn ich ihn gegen die Wand werfe. Danach wurde ich von ihm lange Zeit mit Fröschen in allen erdenklichen Variationen bedacht. So kann man das auch handhaben. ^^
Dem ersten Satzes kann ich ja noch zu stimmen, aber der Rest klingt doch irgendwie nach Wettbewerb gegen die tickende Uhr (hier bitte die lustige Melodie von Jeopardy vorstellen). Und schon wieder diese Erwartungshaltung.
Himmel, wenn ich einen Mann kennenlerne, der mir sympathisch ist, dann bedeutet das ja nicht zwangsläufig, dass ich ihn als potentiellen Partner sehe. Meine Güte, es gibt da noch eine Menge andere Arten von Sozialkontakten, zum Beispiel, Freundschaften. (Ja, ich gehöre zu den Menschen, die der Meinung sind, Männer und Frauen können auch "nur" gute Freunde sein! So ganz ohne Hintergedanken!) und natürlich investiert man in eine Beziehung oder deren Aufbau immer Zeit und Energie, aber, wenn man mal alle romantischen Jungmädchen-Phantasien außer Acht lässt, dann ist doch so, dass sich erst mit der Zeit herausstellt, ob man wirklich zusammenpasst, oder nicht. Mir kann keiner erzählen, dass man zu den ersten Verabredungen mit einer Checkliste oder einem Fragenkatalog geht, den dann im Gespräch durchgeht und abhakt: Kinderwunsch? Checked! Hobbies? Checked! Persönliche Vorlieben und Abneigungen? Checked!
Blödsinn.
Selbst wenn ich auf einen Kerl treffe, der in mein "Beuteschema" passt, dann heißt das ja noch lange nicht, dass ich auch seinem entspreche.
Auch wenn man sich auf Anhieb gut versteht und sich anscheinend in allen wichtigen Belangen einig ist oder sich ergänzt, heißt das noch lange nicht, dass er was von mir will, und selbst wenn doch, man auch in der Praxis kompatibel zueinander sein muss.
Mal ganz davon abgesehen, dass manche Menschen bisweilen auch einfach nur das sagen, was sie denken, dass der andere hören will. Eben gerade um den anderen nicht vorschnell zu verscheuchen und sich dann wundern, warum der dann "plötzlich", "wie aus heiterem Himmel", auf Distanz geht, wenn er merkt, dass die Bekundungen nichts weiter als Lippenbekenntnisse waren.
Und genau dazu rät unser "Experte" doch, wenn ich das "bestimmte Situation meistern" oder aber auch den in der Fußnote zu dem "Video" zu findenden Satz "Du kannst das auch - einfach, indem Du diese Strategie kopierst! " richtig interpretiere.
Geht es eigentlich nur mir so, dass ich bisher immer dem "Irrglauben" aufgesessen bin, dass Ehrlichkeit eine der wichtigsten Grundlagen für eine Beziehung darstellt?
So kann man sich irren!
Auch spricht daraus wieder die Auffassung, dass jede Beziehung, die nicht zu einer (lebenslangen) Bindung führt, vertane Zeit wäre.
Okay, diese Angebote der "Dating-Advises" und der Autor/Liebesberater stammen ursprüngliche aus den USA und da ticken die Uhren und die Menschen ja bekanntlich ein wenig anders, oder wenigstens wird das dort als Mainstream verkauft.
Aber, ich kann mir nicht vorstellen, dass dort nicht auch, wie auch bei uns in Europa Leute gibt, die sich schlicht in einer Beziehung eine schöne Zeit machen wollen, ohne Druck, dass es nun wirklich für immer sein muss.
Nochmal kostenlose Lebensberatung:
Vielleicht ist es ja gerade dieser Druck, den man sich selber macht, und der dann auch in allem was man tut und sagt unterschwellig in der (potentiellen) Beziehung mischwingt, der eben am Ende zum "plötzlichen Beziehungstod" führt oder gar verhindert, dass es überhaupt zu einer irgendwie gearteten Beziehung kommt.
Außerdem, eine Verbindung, die nur eine bestimmte Zeit dauert, sei es, dass man erst spät erkennt, dass man nicht zusammen passt, oder auch nur, weil man sich mit der Zeit auseinandergelebt oder vielmehr in unterschiedliche Richtungen weiter entwickelt hat, ist doch keine verschwendete Zeit! Es war schön, so lange es gedauert hat, oder etwas nicht?
Apropos, Ehrlichkeit:
Da offeriert der Dating-Experte als Anreizer für sein EBook solche Sätze wie:
Frau soll die "Strategie kopieren", "emotionale Hebel ansetzen", "ihn" dazu zu bringen, sich in sie zu verlieben und sich als "nicht leicht zu haben" darstellen (obwohl sie ja anscheinend alles für "den Traumprinzen" geben würde, nur eben laut Mr. Date-Doctor, nicht das richtige), um so einen (den!) Mann "für immer an sich zu binden", und das ist natürlich keine Manipulation.
Sorry, aber wen will der da verarschen?
Mal davon abgesehen, dass es keine
Wenn ich eins nicht leiden kann, dann wenn man Menschen manipuliert oder sie auch nur dazu anhält andere Menschen zu manipulieren.
Ich kenne solche Beziehungen, wo genau das geschieht, und warte darauf, wann (nicht dass!) es da knallt.
Ich kenne auch Menschen, die ihre Vorstellung von Erfüllung und Partnerschaft auf diesem Endziel "Meins!" aufgebaut haben, und da auch welche, die dazu über Leichen gegangen sind und um die Beziehung auch aufrecht zu erhalten, immer noch über Leichen gehen ( zerstörten Freundschaften und Arbeitsverhältnisse, Kontrolle aller Sozialkontakte des Liebsten, manipulativ gestreute Lügen bis hin zu fingierten Stalker-Übergriffen zum Zwecke der Isolierung des "Traumprinzen", Münchhausen-Syndrom um sich seine Liebe und Aufmerksamkeit zu sichern und Kindern, die nur gezeugt wurden, damit der Kerl nicht doch noch abhaut) und kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass unter solchen Umständen irgendeiner der Beteiligten wirklich glücklich ist.
Das ist keine Liebe, das grenzt an Freiheitsberaubung! Zumindest spricht daraus eine gehörige Portion Besitzdenken und die gehört, meiner Meinung nach, nicht zu einer ehrlichen und aufrichtigen Beziehung, ob nun für immer, oder nur auf Zeit, ob nun monogam oder offen.
Aber anscheinend existiert ja ein Bedürfnis nach Anleitung, dass befriedig werden will und ich will gar nicht wissen, wie viele Frauen das "Supersonderangebot" ( knapp 30.- € + monatlich 10.- € für das Interview-Abo) in Anspruch genommen haben.
Lebensberatung boomt ja generell. Jeder will schön, erfolgreich und glücklich sein, kurz, sein Leben von Grund auf ändern und da die Erwartungen so hoch gesteckt sind, dass man denkt, sie aus eigener Kraft nie erreichen zu können (wie war das, Druck blockiert?) braucht man eben Anleitung.
Literatur zu dem Thema verkauft sich wie geschnittenens Brot, Seminare, Kurse und Vorträge sind meist ausgebucht. Dabei wird von Seiten der Konsumenten leider viel zu wenig Wert darauf gelegt, wer denn da als Autor, Referent oder Seminarleiter fungiert und ob derjenige auch über die nötigen Referenzen verfügt. Ob nun Bäckermeister oder ehemaliger Sportreporter, jeder, der sich berufen fühlt und über minimalste Kenntnisse in Marketing- und Psycho-Strategien verfügt, kann zum Lebensberater avancieren und findet bestimmt ein geneigtes Publikum.
Wenn die Strategie greift,weil der Advisor seine Hausaufgaben gemacht hat, wird dann auch kaum noch hinfragt, dann kleben die Kunden nur an den Lippen ihres "Retters" und wollen von Kritik meistens nichts mehr wissen. Es handelt sich also um einen sehr lukrativen Markt.
Schakka du schaffst es!
Hier also mal Liebesberatung made in USA.
Wem beim Lesen dieses Beitrages übrigens der Film "Hitch"in den Sinn gekommen ist, der liegt gar nicht so falsch.
Das Angebot, welches ich hier auseinander nehme, stammt nämlich, wie meine Recherche ergab, genau aus diesem Bereich der Lebensberatung, im Fachjargon auch PUA-Training (PUA kurz für Pickup), Dating-Advisory oder ähnlich genannt und entstammt der sogenanten Pickup- bzw. Seduction-Szene.
Dabei geht es darum, durch Anwendung verschiedenster Techniken und Erkenntnisse, unter anderem aus Soziologie, Psychologie, Neurolingualer Programmierung (NLP) und nicht zuletzt Persuasive Kommunikation zu einem möglichst erfolgreich Pickup-Artist, einem Aufreizer, Abschlepper zu werden.
Ganz wie in Hitch, der Date-Doktor Alex „Hitch“ Hitchens alias Will Smith sagt:
Mein Tipp:
Guckt euch lieber "Hitch" an. Die Ratschläge sind in etwa qualitativ gleichwertig, im Gegensatz zu dieser Werbeseite, liefert er auch gleich praktische Lösungen an, es gibt noch was zum Lachen und der Genuss des Films ist auch um einiges preiswerter als das offerierte EBook + Abo.
Und das Happy-End wird auch gleich mitgeliefert.
Achso, bevor ich das vergesse:
Noch ein Zitat aus besagtem Film "Hitch":
Liebe Leute, Männer, wie auch Frauen!
Wenn jemand sagt, er hat keinen Bock, keine Zeit oder keine Lust auf euch oder eine Beziehung, dann geht davon aus, dass er es auch so meint, auch wenn euer Trainer, Lebensberater oder Guru etwas anderes sagt oder schreibt.
Ein "Nein!" egal von einer Frau oder einem Mann ist immer als solches zu verstehen und zu respektieren!
Und an die Damen und auch wenigen Herren, die gern das eine sagen und das andere meinen, mein Rat:
Hört auf mit dem Mist und hört bloß nicht auf Ratgeber, die euch den Tip geben, so zu handeln.
Ihr begünstigt damit eine eine fatale Art von Fehl-Interpretation, die leider ohnehin schon zu verbreitet ist und mitunter böse Folgen haben kann!
Klingt wie eine Schlagzeile in Bild der Frau, Bella, Petra und wie die einschlägigen "Frauenzeitschriften" so heißen mögen.
Ich persönlich finde es als Frau immer nett, wenn mir als sogenannte Zielgruppe durch Werbung oder auch Medien mal gezeigt wird, wie frau so tickt/zu ticken hat.
Irgendwas mache ich da ohnehin grundlegend falsch, denn weder renne ich wie besessen mit irgendwelchen Desinfektionsmitteln durch die Gegend um meine Lieben vor pösen Bakterien zu schützen, noch interessiere ich mich großartig für die Klarsicht meiner Fenster, irgendwelche Adelsdramen (außer einer ganz aktuellen *fg* ) oder muss meiner, durch irgendwelche Bikinidiäten oder falscher Ernährung ruinierten Verdauung mit speziellen, so überteuerten wie nutzlosen Milchprodukten auf die Sprünge helfen. Ich weiß auch mit meiner Zeit sinnvolleres anzustellen, als ständig Teppiche und Polster porentief zu reinigen und danach mit Febreze anzuspritzen oder aus Trockenblumen lustige Tischgedecke zu zaubern, die dann sowieso von den göttlichen Geschöpfen hier zum Nachtisch vernascht würden (2 Minuten! Höchstens!). Und mein Interesse an Damenhygieneartikeln beschränkt sich eigentlich auch darauf, ob ich noch welche da habe, wenn ich sie brauche.
Aber dieser Satz "Fang ihn und behalte ihn!" wäre allein schon sowas von bescheuert und dabei leider aber auch signifikant für eine bestimme Einstellung einer Beziehung gegenüber, dass ich mir eine spitze Bemerkung dazu kaum verkneifen könnte, aber zusammen mit diesem "Warum er mich nicht liebt!" ist das quasi ein Gourmet-Essen für die olle Krähe.
Erste Assoziation meinerseits war, wie so ein Gisi-Verschnitt, sich einen Kerl über die Schultern wirft, ihn nach Hause schleppt, an Händen und Füßen gefesselt auf die Couch setzt und ihm dann ihre Liebe dadurch beweist, dass sie dem armen Mann mit selbstgemachten Speisen und Gebäck foltert, bis er um Gnade winselt. Wenn dies vielleicht witzig klingt und Stoff für eine Komödie wäre, meine zweite Assoziation, die Erinnerung an den King-Roman "Misery" entbehrt jeder Komik. Auch da verlangt und erzwingt eine Frau von einem Mann die Erfüllung ihres innigsten Wunsches (auch, wenn der etwas anders gelagert ist), mit fatalen Folgen.
Und komisch, im Sinne von lustig, empfinde ich die Kernaussage des Satzes nun wirklich nicht, spricht sie doch für eine Einstellung, von der man denken sollte, dass man sie Beginn des 21. Jh. endlich abgelegt haben sollte, nämlich, dass frau ohne eigenen Mann einfach nicht sein kann, dass die Suche nach MR. Right immer noch die Priorität sein müsse.
Entschuldigung, aber das klingt ja fast so, als wäre man im Dschungel und jeder Mann, und Frau natürlich auch, wäre eine Beute, die es zu jagen und zu stellen gälte.
Aber warum muss denn alles im Leben darauf hinaus laufen, die eine und wahre Liebe zu finden? Und gibt es wirklich nur die eine wahre Liebe, den einen Traumprinzen? Und wieso empfinden Menschen sich erst komplett, wenn sie den Partner für's Leben gefunden haben? Oder vielmehr, warum wird das suggeriert?
Denn darum geht es auf der Seite, zu der mich der Link geführt hat. Unter dem Titel "Wie du deinen Traumprinzen findest und für immer an dich bindest" komplettiert mit einem Potrait eines, für manche vielleicht, als sehr markant-attraktiv zu bezeichnenden, Herrn, gibt eine wohl mit ebenso viel Kalkül ausgewählte männliche Stimme angeblich Tipps wie Frau das bewerkstelligen kann.
Naja, Tipps kann man die Aneinanderreihung von Suggestivfragen und Allgemeinplätzen jetzt nicht nennen, Antworten vermisst man völlig. Eigentlich drängte sich mir beim anhören der 25 Minuten dauernden Litanei eher die Frage auf, ob die Zielgruppe weniger erwachsene Frauen, als vielleicht eher 14-jährige Mädchen sein könnten.
Darunter steht dann zu lesen:
"Hier ist Deine Schritt-für-Schritt Anleitung, um Deinen Traumprinzen an Deine Seite zu holen, ohne jeden Frosch küssen zu müssen... schau Dir das Video bis zum Ende an... und ich zeige Dir im Detail, wie Du Dein Beziehungs- und Liebesglück zum Positiven verändern kannst und wie es mittlerweile tausende Frauen vor Dir geschafft haben - Du kannst das auch - einfach, indem Du diese Strategie kopierst! Denk dran! Schau Dir das Video bis zum Ende an, denn es wird Dich noch überraschen!"Das sich das weniger auf besagtes Video, als vielmehr auf den darunter befindlichen Button bezieht, welcher zum Ebook from Mr. Frauenaufklärer himself, respektive dem Bestellformular desselben nebst, als netter Beigabe, einem Monatsabo von irgendwelchen Interviews führt. Natürlich gegen Bares.
Die Überraschng besteht darin, dass man nicht nur, wenn man jetzt gleich bestellt, etwas was angeblich 80 Euronen kosten soll, für knappe dreißig bekommt, sondern das erste Interview gratis dazu.
Über die Qualität des EBooks, wie den eigentlichen Inhalt, erfährt man nicht wirklich etwas, außer der Versicherung des Autors, er wüßte, was Frauen bei der Jagd nach einer festen Beziehung zu einem Mann falsch machen, weil er ersten ja ein Mann sei und zweitens anhand von hunderte von Interview das Dating-Verhalten von Frauen und Männern analysiert habe.
Man kauft trotzdem die Katze im Sack. Ich sagte ja, war eben Werbung (und nebenbei ziemlich schlechte, weil leicht durchschaubar).
In dem Video, was eigentlich keines ist, sondern nur eine Lesung bzw. eine Erläuterung der Textfrakmente, die man auf dem Bildschirm sieht, kriegt man dann auch solche Weisheiten präsentiert, wie
"Das Geheimnis der Anziehungs und der innigen Verbindung zu einem Mann": "Männer sind nicht leicht zu verstehen! Das ist das Hauptproblem und auch das, was Dir bisher im Weg stand. Wenn du einen tollen Mann findest, bekommst du ihn nicht mit einer "Bedienungsanleitung" geliefert."Wow, tolle Erkenntnis.
Allerdings frage ich mich dann, was dieser ultimative Ratgeber, für den da geworben wird, soll?
Okay, verliebt sein ist wundervoll, Liebe erst Recht, Zweisamkeit kann wunderschön sein, Sex natürlich sowieso, aber, warum um alles in der Welt suchen erwachsene Frauen eigentlich nach "dem Traumprinzen", oder vielmehr, warum lassen sie sich einreden, dass dies das Lebensziel sein muss. Warum sollte eine Frau erst glücklich sein, wenn sie in einer festen Beziehung mit dem Mann für's Leben ist, am besten noch mit 'nem "Sklavenring" und urkundlich bescheinigt?
Nicht falsch verstehen, es kann toll sein, sich aus tief empfundener Liebe zu binden und dies, mit oder ohne amtlichen oder religiösen Segen, zu besiegeln! Das habe ich ja auch schon hinter mir, spreche also aus Erfahrung, aber die gleiche Erfahrung sagt mir auch, dass ich mich nach der Trauung immer noch genauso gefühlt habe wie vorher. Da tat sich kein Licht auf und kein Engelschor sang haleluja.
Ich war immer noch ich, nur der Nachname war ein anderer.
Alles andere, das Gefühl, die Verbundenheit, blieben gleich.
Das hat mich damals schon, auf der Rückfahrt vom Standesamt hin zur Feier zu der Frage gebracht, warum eigentlich der ganze Aufwand. (Was ich da natürlich nicht gesagt habe. Als ich ein paar Jahre später mal in einem Gespräch meinem Mann gegenüber erwähnte, dass ich ihn zu dem Zeitpunkt nicht mehr heiraten würde, war er tief getroffen, obwohl ich ihm zu vermitteln versuchte, dass das weder hieß, dass ich die Entscheidung bereue oder es etwas am Status quo, der Beziehung als solcher, geändert hätte. Er hat es einfach nicht verstanden. Es sind also mitnichten immer nur die Frauen, die "Heirat" als ultimativen Liebesbeweis verstehen.)
Was jetzt speziell an diesem "Catch him and keep him" stört, ist nicht nur diese Jäger-Beute-Assoziation, sondern auch die Erwartungshaltung.
Sorry, hier mal Lebensberatung à la Krähe, kostenlos:
Wer als Frau dem Traumprinzen hinterher jagt, sollte sich einmal fragen, warum gerade auch in Märchen, aber eigentlich in allen großen Liebesgeschichten, die Story immer dann endet, wenn sich Prinz und Prinzessin gekriegt haben. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute...
Weil, nachdem die beiden sich vor großem Publikum das Ja-Wort gegeben haben und die "Bösen", die ihrem Glück im Wege standen, bestraft wurden, der Alltag in die Beziehung einkehrt.
Der dürfte aber viel weniger romantisch sein, wie die eigentliche Geschichte.
Wer will schon wissen, wie Aschenputtel und ihr Prinz nach zehn Jahren leben?
Oder wie das bei Romeo und Julia ausgesehen hätte, wenn es da nicht dieses Missverständnis gegeben hätte und sie weitergelebt hätten, als Ehepaar?
Wahrscheinlich wäre "Prinz" dann ständig auf "Geschäftsreise", derweil Ex-Aschenputtel zu Hause im Kreis ihrer unzähligen Kinder wieder zu dem mutierte, was sie zu Anfang war.
Und Romeo?
Entschuldigung, er, der ja kurz bevor er Julia begegnete noch Kraft der Libido eines 15-jährigen Jüngelchens unsterblich in eine gewisse Rosalinde verliebt war, wird sich wahrscheinlich auch nach der ersten Verliebtheit, spätestens aber nach dem dritten, vierten Kind, mal umbeschaut haben, besonders, wenn Julia ihrer Mutter nachschlug.
Klar, diese Paare in Märchen, Theaterstücken und historischen Liebensromanen, die frau ja gern liest (ich bekenne mich des Vergehens ebenfalls "Schuldig!") hatten sich gefangen und "durften" sich auch behalten, weil es zu den Zeiten in denen diese Geschichten spielen, wirklich "bis das der Tod sie scheidet" hieß.
Aber wie gesagt, Kern der Geschichten und ihr Reiz liegen im "Sich-kriegen" und nicht darin, den schnöden Alltag einer Zweierbeziehung zu erleben.
Das ist aber die Realität!
Wenn man aber davon ausgeht, dass er "der Traumprinz" ist und es auch zeitlebens bleibt, dann darf man sich nicht wundern, wenn man eines Tages neben einem Frosch aufwacht.
Mein Tipp: Nehmt es mit Humor!
Ich habe irgendwann mal im Bett meinen Mann gefragt, ob er zu einem wunderschönen Frosch würde, wenn ich ihn gegen die Wand werfe. Danach wurde ich von ihm lange Zeit mit Fröschen in allen erdenklichen Variationen bedacht. So kann man das auch handhaben. ^^
"Aber mal ehrlich, richtig gute Männer sind schwer zu finden! Wenn du einen findest, kannst du es dir nicht leisten, ihn durch einen unnötigen Fehler zu verlieren!Auch so ein Spruch vom "Liebesberater" aus dem "Video".
Du kannst es dir nicht leisten, sechs Monate, ein Jahr oder noch mehr an investierter Zeit zu verlieren - in dieser Zeit hätte sich eine wetrvolle Beziehung entwickeln können - es könnte nur daran scheitern, wie du eine bestimmte Situation meisterst!"
Dem ersten Satzes kann ich ja noch zu stimmen, aber der Rest klingt doch irgendwie nach Wettbewerb gegen die tickende Uhr (hier bitte die lustige Melodie von Jeopardy vorstellen). Und schon wieder diese Erwartungshaltung.
Himmel, wenn ich einen Mann kennenlerne, der mir sympathisch ist, dann bedeutet das ja nicht zwangsläufig, dass ich ihn als potentiellen Partner sehe. Meine Güte, es gibt da noch eine Menge andere Arten von Sozialkontakten, zum Beispiel, Freundschaften. (Ja, ich gehöre zu den Menschen, die der Meinung sind, Männer und Frauen können auch "nur" gute Freunde sein! So ganz ohne Hintergedanken!) und natürlich investiert man in eine Beziehung oder deren Aufbau immer Zeit und Energie, aber, wenn man mal alle romantischen Jungmädchen-Phantasien außer Acht lässt, dann ist doch so, dass sich erst mit der Zeit herausstellt, ob man wirklich zusammenpasst, oder nicht. Mir kann keiner erzählen, dass man zu den ersten Verabredungen mit einer Checkliste oder einem Fragenkatalog geht, den dann im Gespräch durchgeht und abhakt: Kinderwunsch? Checked! Hobbies? Checked! Persönliche Vorlieben und Abneigungen? Checked!
Blödsinn.
Selbst wenn ich auf einen Kerl treffe, der in mein "Beuteschema" passt, dann heißt das ja noch lange nicht, dass ich auch seinem entspreche.
Auch wenn man sich auf Anhieb gut versteht und sich anscheinend in allen wichtigen Belangen einig ist oder sich ergänzt, heißt das noch lange nicht, dass er was von mir will, und selbst wenn doch, man auch in der Praxis kompatibel zueinander sein muss.
Mal ganz davon abgesehen, dass manche Menschen bisweilen auch einfach nur das sagen, was sie denken, dass der andere hören will. Eben gerade um den anderen nicht vorschnell zu verscheuchen und sich dann wundern, warum der dann "plötzlich", "wie aus heiterem Himmel", auf Distanz geht, wenn er merkt, dass die Bekundungen nichts weiter als Lippenbekenntnisse waren.
Und genau dazu rät unser "Experte" doch, wenn ich das "bestimmte Situation meistern" oder aber auch den in der Fußnote zu dem "Video" zu findenden Satz "Du kannst das auch - einfach, indem Du diese Strategie kopierst! " richtig interpretiere.
Geht es eigentlich nur mir so, dass ich bisher immer dem "Irrglauben" aufgesessen bin, dass Ehrlichkeit eine der wichtigsten Grundlagen für eine Beziehung darstellt?
So kann man sich irren!
Auch spricht daraus wieder die Auffassung, dass jede Beziehung, die nicht zu einer (lebenslangen) Bindung führt, vertane Zeit wäre.
Okay, diese Angebote der "Dating-Advises" und der Autor/Liebesberater stammen ursprüngliche aus den USA und da ticken die Uhren und die Menschen ja bekanntlich ein wenig anders, oder wenigstens wird das dort als Mainstream verkauft.
Aber, ich kann mir nicht vorstellen, dass dort nicht auch, wie auch bei uns in Europa Leute gibt, die sich schlicht in einer Beziehung eine schöne Zeit machen wollen, ohne Druck, dass es nun wirklich für immer sein muss.
Nochmal kostenlose Lebensberatung:
Vielleicht ist es ja gerade dieser Druck, den man sich selber macht, und der dann auch in allem was man tut und sagt unterschwellig in der (potentiellen) Beziehung mischwingt, der eben am Ende zum "plötzlichen Beziehungstod" führt oder gar verhindert, dass es überhaupt zu einer irgendwie gearteten Beziehung kommt.
Außerdem, eine Verbindung, die nur eine bestimmte Zeit dauert, sei es, dass man erst spät erkennt, dass man nicht zusammen passt, oder auch nur, weil man sich mit der Zeit auseinandergelebt oder vielmehr in unterschiedliche Richtungen weiter entwickelt hat, ist doch keine verschwendete Zeit! Es war schön, so lange es gedauert hat, oder etwas nicht?
Apropos, Ehrlichkeit:
Da offeriert der Dating-Experte als Anreizer für sein EBook solche Sätze wie:
"Wie du emotionale "Hebel" benutzt, die einen Mann dazu bringen, sich in die zu Verlieben"und
"Ein Weg, einen Mann wissen zu lassen, dass du "Wählerisch" bist und er dadurch doppelt soviel tun wird, um Deine Aufmerksamkeit zu bekommen"Schiebt aber genau nach diesem letzten Zitat noch in Klammern hinterher:
"(das ist das wirkliche Geheimnis, einen Mann dazu zu bringen, auf Dauer für Dich Liebe zu empfinden - ohne jegliche Manipulation oder "Psychotricks"). S.51"Halten wir mal fest:
(Hervorhebung durch mich).
Frau soll die "Strategie kopieren", "emotionale Hebel ansetzen", "ihn" dazu zu bringen, sich in sie zu verlieben und sich als "nicht leicht zu haben" darstellen (obwohl sie ja anscheinend alles für "den Traumprinzen" geben würde, nur eben laut Mr. Date-Doctor, nicht das richtige), um so einen (den!) Mann "für immer an sich zu binden", und das ist natürlich keine Manipulation.
Sorry, aber wen will der da verarschen?
Mal davon abgesehen, dass es keine
"simple 3-Schritte Methode, um zu verstehen, wie sich der Mann fühlt und was ihn dazu bringt, sich mit jedem Schritt des Zusammenkommens Dir näher zu fühlen."geben kann, weil Männer, genauso wie Frauen, individuell so verschieden sind, dass kein Patentrezept existieren kann, sehe ich hier eher eine simple Methode, den Partner, einerlei ob Mann oder Frau, dermaßen zu verärgern, wenn er nämlich dahinter kommt, dass er manipuliert und in die Falle gelockt wurde, dass ich zumindest eine solche Beziehung sofort beenden würde. Dankbar wäre ich auf jedenfall nicht!
Wenn ich eins nicht leiden kann, dann wenn man Menschen manipuliert oder sie auch nur dazu anhält andere Menschen zu manipulieren.
Ich kenne solche Beziehungen, wo genau das geschieht, und warte darauf, wann (nicht dass!) es da knallt.
Ich kenne auch Menschen, die ihre Vorstellung von Erfüllung und Partnerschaft auf diesem Endziel "Meins!" aufgebaut haben, und da auch welche, die dazu über Leichen gegangen sind und um die Beziehung auch aufrecht zu erhalten, immer noch über Leichen gehen ( zerstörten Freundschaften und Arbeitsverhältnisse, Kontrolle aller Sozialkontakte des Liebsten, manipulativ gestreute Lügen bis hin zu fingierten Stalker-Übergriffen zum Zwecke der Isolierung des "Traumprinzen", Münchhausen-Syndrom um sich seine Liebe und Aufmerksamkeit zu sichern und Kindern, die nur gezeugt wurden, damit der Kerl nicht doch noch abhaut) und kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass unter solchen Umständen irgendeiner der Beteiligten wirklich glücklich ist.
Das ist keine Liebe, das grenzt an Freiheitsberaubung! Zumindest spricht daraus eine gehörige Portion Besitzdenken und die gehört, meiner Meinung nach, nicht zu einer ehrlichen und aufrichtigen Beziehung, ob nun für immer, oder nur auf Zeit, ob nun monogam oder offen.
Aber anscheinend existiert ja ein Bedürfnis nach Anleitung, dass befriedig werden will und ich will gar nicht wissen, wie viele Frauen das "Supersonderangebot" ( knapp 30.- € + monatlich 10.- € für das Interview-Abo) in Anspruch genommen haben.
Lebensberatung boomt ja generell. Jeder will schön, erfolgreich und glücklich sein, kurz, sein Leben von Grund auf ändern und da die Erwartungen so hoch gesteckt sind, dass man denkt, sie aus eigener Kraft nie erreichen zu können (wie war das, Druck blockiert?) braucht man eben Anleitung.
Literatur zu dem Thema verkauft sich wie geschnittenens Brot, Seminare, Kurse und Vorträge sind meist ausgebucht. Dabei wird von Seiten der Konsumenten leider viel zu wenig Wert darauf gelegt, wer denn da als Autor, Referent oder Seminarleiter fungiert und ob derjenige auch über die nötigen Referenzen verfügt. Ob nun Bäckermeister oder ehemaliger Sportreporter, jeder, der sich berufen fühlt und über minimalste Kenntnisse in Marketing- und Psycho-Strategien verfügt, kann zum Lebensberater avancieren und findet bestimmt ein geneigtes Publikum.
Wenn die Strategie greift,weil der Advisor seine Hausaufgaben gemacht hat, wird dann auch kaum noch hinfragt, dann kleben die Kunden nur an den Lippen ihres "Retters" und wollen von Kritik meistens nichts mehr wissen. Es handelt sich also um einen sehr lukrativen Markt.
Schakka du schaffst es!
Hier also mal Liebesberatung made in USA.
Wem beim Lesen dieses Beitrages übrigens der Film "Hitch"in den Sinn gekommen ist, der liegt gar nicht so falsch.
Das Angebot, welches ich hier auseinander nehme, stammt nämlich, wie meine Recherche ergab, genau aus diesem Bereich der Lebensberatung, im Fachjargon auch PUA-Training (PUA kurz für Pickup), Dating-Advisory oder ähnlich genannt und entstammt der sogenanten Pickup- bzw. Seduction-Szene.
Dabei geht es darum, durch Anwendung verschiedenster Techniken und Erkenntnisse, unter anderem aus Soziologie, Psychologie, Neurolingualer Programmierung (NLP) und nicht zuletzt Persuasive Kommunikation zu einem möglichst erfolgreich Pickup-Artist, einem Aufreizer, Abschlepper zu werden.
Ganz wie in Hitch, der Date-Doktor Alex „Hitch“ Hitchens alias Will Smith sagt:
"Egal wie, egal wann, egal wer: Jeder Mann hat die Chance, eine Frau von den Füßen zu fegen - vorausgesetzt, er hat den richtigen Besen."Und da man anscheinend aufgrund von Rollenklischees von der Auffassung ausgeht, dass Frauen im Gegensatz zu Männern weniger Wert auf eine möglichst hohe "Abschussrate" legen, als vielmehr auf eine langfristige Bindung, tauchen eben in diesem, auf das weibliche Geschlecht ausgelegten, Angebot so oft Termini wie "Traumprinz", "gute Männer" und dergleichen unter dem besonderen Aspekt des "Keep him!" auf. Mit bedeutendem Schwerpunkt auf ein unterschwelliges "Jetzt oder nie!" um den Kaufdruck zu erhöhen.
Mein Tipp:
Guckt euch lieber "Hitch" an. Die Ratschläge sind in etwa qualitativ gleichwertig, im Gegensatz zu dieser Werbeseite, liefert er auch gleich praktische Lösungen an, es gibt noch was zum Lachen und der Genuss des Films ist auch um einiges preiswerter als das offerierte EBook + Abo.
Und das Happy-End wird auch gleich mitgeliefert.
Achso, bevor ich das vergesse:
Noch ein Zitat aus besagtem Film "Hitch":
"Das ist kein schlechter Zeitpunkt für sie, sie braucht keinen Freiraum, sie mag sich auf ihre Karriere konzentrieren. Aber was sie damit sagen will ist: 'Rück mir von der Pelle - sofort' oder möglicherweise 'Streng dich etwas mehr an, du Mäuschen'."Da ist mir echt die Spucke weggeblieben und das Lachen vergangen, obwohl es sich ja bloß um eine Kino-Komödie made in Hollywood handelte.
Liebe Leute, Männer, wie auch Frauen!
Wenn jemand sagt, er hat keinen Bock, keine Zeit oder keine Lust auf euch oder eine Beziehung, dann geht davon aus, dass er es auch so meint, auch wenn euer Trainer, Lebensberater oder Guru etwas anderes sagt oder schreibt.
Ein "Nein!" egal von einer Frau oder einem Mann ist immer als solches zu verstehen und zu respektieren!
Und an die Damen und auch wenigen Herren, die gern das eine sagen und das andere meinen, mein Rat:
Hört auf mit dem Mist und hört bloß nicht auf Ratgeber, die euch den Tip geben, so zu handeln.
Ihr begünstigt damit eine eine fatale Art von Fehl-Interpretation, die leider ohnehin schon zu verbreitet ist und mitunter böse Folgen haben kann!
Mittwoch, 13. Oktober 2010
Leben Heiden anders?
Wie lebt man eigentlich als (echter) Heide?
Was unterscheidet dessen Einstellung von dem eines 08/15-Christen oder Teilzeit-Muslim (dieser Ausdruck stammt von einem muslimischen Freund meines Sohnes, ist quasi eine Eigenbezeichnung)?
Auch so eine Frage, der man ständig in heidnisch orientierten Foren begegnet. Möglicherweise auch eine Frage, welche man sich als frisch Konvertierter selbst stellt.
Wohl dem, der sich dem Polytheismus verbunden fühlt. Der kann wenigstens die Anzahl der Götter als markantes Unterscheidungsmerkmal angeben. Obwohl, wenn man sich mal die Heiligenverehrung in der Katholischen Kirche ansieht, sticht der Trumpf auch nicht immer.
Aber lassen wir einmal die abrahamitischen Religionen beiseite. Natürlich könnte ich jetzt hier anhand von religions-philosophischem Quellen-Geschubse die ausschlaggebenden Unterschiede zwischen monotheistischen Weltrelgionen und heidnischen Weltanschauungen theoretisch herausarbeiten, aber einerseits geht es mir hier nicht um eine Abgrenzung des Heidentums gegenüber den "Monos", andererseits würde dieses Unterfangen in Anbetracht der individuellen Vielschichtigkeit beider Konzepte nicht nur ein Buch füllen.
Wo will man auch mit der Trennung anfangen?
Personen, welche sich mit Divination, Mystik und Astrologie, Esoterik im Allgemeinen beschäftigen findet man in jeder Religion.
Ich sag's ja immer wieder gerne, einige der größten Okkultisten, Mystiker und Magier der Geschichte, gehörten abrahamitischen Religionen an.
John Dee, zum Beispiel, immerhin unter anderem königlicher Astrologe am englischen Hof Elisabeth der Ersten, dem wir auch die Enochische Magick verdanken, war mit Sicherheit christlich getauft und auch geprägt.
Eliphas Levi, einer der Wegbereiter des heutigen Okkultismus, war Diakon, wollte ursprünglich sogar Priester werden.
Sufismus ist islamisch geprägter Mystizismus und Gnosis.
Und Tante Anna (jeder hat irgendwo eine Tante Anna! *g*) legt Karten oder liest aus dem Kaffeesatz, bepflanzt ihren Garten nach dem Mondkalender und kennt sich mit Heikräutern aus, wie keine andere, geht aber auch jeden Sonntag zur Frühmesse und ist ein hochgeschätztes Gemeindemitglied.
Und selbst Atheisten, eine Bezeichnung, die sowohl bei den Abrahamiten als auch bei Heiden schon fast als Schimpfwort gilt, können ein spirituelles Leben führen, eben nur ohne Gott.
Allein die Tatsache also, dass die Grenzen zwischen heidnisch und nicht-heidnisch teilweise sehr schwimmend sind, wenn man es nicht gerade mit Fundies zu tun hat, macht eine konsequente Trennung in der Praxis, meines Erachtens sehr schwierig.
Natürlich ist diese Verhaltensweise der Abgrenzung in der pubertären Entwicklungsphase des heidnischen Lebens fast existenziell, und darum oft zu beobachten, allerdings muss ich für mich sagen, dass eine solche auch immer eine Beschränkung, eine Einschränkung, darstellt, die ich für meine Spiritualität weder brauche noch möchte.
Aber was unterscheidet nun (m)eine heidnische Lebensweise von der anderer Religionsangehöriger?
Und wie lebt man nun als Heide?
Ich kann da nur für mich sprechen, auch wenn ich weiß, dass es bei anderen ähnlich aussieht.
Ich führe recht regelmäßig Rituale durch, wie viele andere Heiden auch, wer dies jedoch als besonderes Merkmal betrachtet, der war wahrscheinlich noch nie in einer katholischen Messe (oder hat die Zeit genutzt und eine Runde geschlafen).
Ich habe einen Altar im Wohnzimmer, aber gerade in südlichen Gefilden dürfte dem einen ooder anderen schon einmal der Herrgottwinkel in den Wohnstuben aufgefallen sein.
Ich bemühe mich, nicht im übertriebenen Maße in die Natur einzugreifen, allerdings wäre es echt dreist, sollte ich behaupten, dass Umweltschutz nun eine exklusiv Domäne des Heidentums darstelle. In Anbetracht der aktuell zu beobachtenden globalen ökölogischen "Unpässlichkeiten" müsste man schon ziemlich gedankenlos oder fatalistisch eingestellt sein, wenn einem die Umwelt am Hintern vorbei ginge.
Ich sehe in allem was existiert, Belebtem und auch Unbelebtem, das Göttliche, aber auch das findet man nicht nur in heidnischen Religionen.
Man könnte mich als Altruist bezeichnen, aber anders wie in der Definition, bin ich eben nicht der Auffassung, dass mir dies mehr Kosten als Nutzen ein bringt. Ich definiere Altruismus auch nicht mit "Selbstlosigkeit", sondern da, meiner Überzeugung nach, alles im Universum miteinander in Verbindung steht, als für mich lebenswichtig. Schlage ich jemanden oder bin ich beleidigend, so schlage oder beleidige ich mich damit selbst. Bin ich aber freundlich und höflich, dann bin ich auch freundlich mir gegenüber.
Toleranz?
Och nö, nicht schon wieder!
Klar versuche ich in meinem Umfeld mit liebevoller Hingabe, Agape, zu agieren und mein persönlicher Codex lässt meinen Mitmenschen auch ziemlich viel Raum zur freien Entfaltung, aber auch das hat bei mir Grenzen.
Auch hier gilt, tolerante Einstellung ist nicht explizit heidnisch.
Ganz im Gegenteil, gerade im Heidentum, wo gerne mal jede noch so konstruktive Kritik gleich als Intoleranz gebrandmarkt wird, findet man massenhaft Beispiele dafür, dass dort der Anteil an Toleranz und Intoleranz sich ebenso die Waagschale hält, wie in der Gesamtbevölkerung auch.
Ich denke persönlich, dass der Ursprung der angeblich so großen Zerstrittenheit des Heidentums™ genau in dieser Diskrepanz, krampfhafter Toleranzidee auf der einen Seiten und der Einsicht zu der Notwendigkeit von konstruktivem Austausch auf der anderen Seite, seinen Ursprung hat.
Aber auch sonst:
Es gibt da zum Beispiel einen kleinen, unwichtigen Haufen germanischer Fundamentalisten, deren (hauptamtliches!) Oberhaupt gerne jede andere heidnische Gruppierung als drogen- und alkoholabhängige Wannabes herabwürdigt, die eh keine Ahnung vom wahren Willen der Götter haben.
Aber auch im "normalen Heidentum" wird man da fündig, sei es, dass der eigene Glauben oft über den des anderen gestellt wird oder man aufgrund seiner, durchaus nach eigener Interpretation heidnischen, Lebenseinstellung oder seiner Meinung als unheidnisch diskreditiert wird, nur weil da einer genau zu wissen meint, die korrekte Frage auf die Antwort "42!" zu kennen. Es werden unliebsame Meinungen unterdrückt, zensiert, geschasst, gibt es Alleinherrscher, Heuchler, Einzelkämpfer und Gutmenschen und Leute, die ihr Heidentum als Freifahrtschein für jede Art von sozialer Dysfunktion betrachten.
Das ist ja auch gar nicht verwerflich. Es zeigt, wie oben schon angemerkt lediglich, dass das Heidentum™ eben auch nur ein Spiegel der ganz normalen Gesellschaft darstellt.
Ja, was auch sonst?
Weiter in meiner Aufzählung:
Ich lebe mein Leben, mache meinen Job, liebe meine Familie (Zweibeiner und Vierbeiner) und meine Freunde, gehe meinen Neigungen und Vorlieben nach, habe meine Träume und Sehnsüchte, obwohl die sich, seit ich mich entschlossen habe, im Augenblick zu leben, mir nichts mehr zu verkneifen und nichts auf die Zukunft zu verschieben, wirklich in Grenzen halten.
Ich lebe nicht viel anders als jeder andere.
Vielleicht etwas bewußter, aber wenn dann nicht, weil ich nach gewissen Auslegungen Heide bin, sondern, weil ich aus eigener Erfahrung weiß, wie verdammt kurz das Leben sein kann.
Außerdem bekommt man vom andauernden Verkneifen Falten, Magengeschwüre und Verstopfung!
Ich halte nicht viel von Konsumdenken, reiner Besitz bedeutet mir herzlich wenig, allerdings kann ich auch, bei Dingen, die mir wichtig sind geradezu in einen Kaufrausch verfallen. Ich sage nur Bücher und Musik!
Luxus ist für mich dann auch, mir meine "Spinnereien" zu leisten.
Ich finde McDonald doof, esse aber gerne mal bei BurgerKing, überhaupt esse ich gerne gut und koche, wenn, dann mit Leidenschaft. Lege dabei Wert auf eine gesunde Ernährung, aber nicht um jeden Preis, sondern fröhne auch meinen Begierden. Die Menge macht das Gift *g*.
Ich besitze schon lange kein eigenes Auto mehr, und benutze stattdessen die Öffis, weil ich es einfach unökologisch und unökonomisch finde, wenn ich hier die Blechkarawanen zur Rushhour sehe, wobei in jedem Wagen nur einer, höchstens aber mal zwei Personen sitzen.
Dementsprechend bin ich starker Befürworter von Carsharing und Fahrgemeinschaften.
Allerdings liegt mein Heimatort auch sehr zentral mit guter Verkehrsanbindung zu den Großstädten. Wenn ich irgendwo auf dem Dorf wohnen würde, wo nur jede Stunde mal ein Bus kommt, oder ich dort arbeiten müsste, würde ich bestimmt nicht auf ein Auto verzichten, nur weil es die Umwelt verpestet!
Ich begehe meine Feiertage, nehme aber auch gerne die der Mehrzahl der Bevölkerung mit, wobei bei mir Karfreitag eben kein Trauertag ist, weil ich meine eigene Interpretation zum Kreuzigungstod YSHVHs habe, überhaupt mag ich den Rabbe und seine reine Lehre.
Ich bin gerne draußen unterwegs, bekomme Beklemmungen, wenn ich nicht raus kann, sitze gerne unter freiem Himmel und lasse meinen Gedanken freien Lauf und das bei Wind und Wetter, was gewisse Begleiter manchmal etwas auf den Senkel geht. Gut, nasser Hintern und abgefrorene Finger sind eben nicht jedermanns Sache. ^^
Allerdings schätze ich auch die Annehmlichkeiten der modernen Welt, könnte kaum auf Elektrizität, PC, Internet und Telefon verzichten.
Ich sehne mich nicht nach den guten alten Zeiten, wo die Leute an einem Husten oder wegen schlechter Ernten drauf gingen.
Ich gehe in vielem mit der Zeit, in anderen Dingen bin ich eher konservativ.
Statussymbole sind für mich überflüssig.
Und dabei meine ich nicht eben nur jene, die als Indikatoren allgemeiner gesellschaftlicher Anerkennung dienen (mein Auto, mein Haus, meine Jacht), sondern eben auch jene, welche allgemein als heidnische Prestigeobjekte gelten (mein Krafttier, mein Kraftort, meine Liste der besonderen Fähigkeiten etc.).
Meine Bücher besitze ich, weil ich sie brauche und sie mich interessieren, nicht, weil sie mich als besonders gebildet ausweisen, meine Kleidung, weil sie mir gefällt und bequem ist, nicht weil sie mich als Angehöriger einer bestimmten sozialen Schicht ausweisen oder ich damit etwas aussagen möchte.
Mein Streben nach (Weiter-)Bildung, meine Ausdrucksform, mein Auftreten, meine Umgangsformen sind Teil meiner Selbst und dienen nicht dazu mich gegenüber anderen abzugrenzen oder gar hervorzuheben.
Ich lebe eben mein Leben für mich und mir ist meine Außenwirkung auf andere zwar nicht völlig egal, aber doch sehr weit unten in meiner Liste der für mich wichtigsten Dinge.
Überhaupt, Außenwirkung, allein der Ausdruck erinnert mich schon zu sehr an Marketing und Business-Seminar.
Darum lehne ich es auch ab, wenn man mir erzählen möchte, wie man als "Vertreter des Heidentums" in der Öffentlichkeit aufzutreten hat.
Sorry, dieses "Wir als Heiden sollten...bla!" ist genauso ein Käse, wie dieses "Wir als Deutsche haben die Pflicht..." oder "Wir als Krone der Schöpfung..."
Bin ich Teil eines Unternehmens, wo Corporate Identity und Corporate Behaviour Pflicht sind?
Was käme denn dann als nächstes? Corporate Philosophy und Corporate Culture?
Wer sowas gut findet, hat zu viele Managerseminare mitgemacht oder sollte vielleicht besser eine Firma gründen...
Ich habe nur mir gegenüber eine Pflicht, nämlich authentisch,wahrhaftig, zu sein. Ich muss mit dem, was ich denke, sage und tue klar kommen, es für mich vertreten können und gegebenenfalls die Konsequenzen tragen. Ich muss damit leben können.
Zu trennen zwischen meinem privaten Glauben und dem Auftreten in der Öffentlichkeit würde für mich bedeuten, unaufrichtig zu sein, mir selbst gegenüber und meiner Umwelt.
Man kann nicht Wasser predigen, aber heimlich im Stillen Kämmerlein Wein saufen.
Da gebe ich mir doch lieber, im übertragenen Sinne, ganz Öffentlich die Kante und überlasse die Abstinenz, denen, die es bevorzugen oder nötig haben.
Heucheln liegt mir nicht!
So könnte ich nun fortfahren, meine An- und Einsichten, mein Leben, hier auszubreiten, wie zum Beispiel, dass ich zwar Verfechter der Säkularisierung in der Politik bin, aber da eben auch politisch engagiert, dort natürlich auch mein Glauben und meine Philosphie mit hineinspielen, da ich eben das eine nicht nach Belieben an- und ausknipsen kann, wenn ich das andere tue.
Nur, und das ist wichtig, sollte, meines Erachtens, eine politisches Verpflichtung nicht nur der Verbesserung der Lebensumstände der Angehörigen der eigenen religösen Richtung, auch nur im weitesten Sinne, dienen, sondern der aller Menschen.
Tja, mein Heidentum ist eben manchmal auch politisch, aber nicht die Politik, für die ich eintrete! ^^
So, das sollte aber nun genügen zum Thema "Mein heidnisches Leben".
Unterscheidet sich eigentlich, wie schon gesagt, nicht sehr von dem anderer, ähnlich strukturierter Menschen. Jedenfalls nicht, dass es mir auffallen würde.
Ich kann nicht sagen, was da jetzt tatsächlich so besonders sein sollte, dass es eine Abgrenzung nötig machen müsste.
Obwohl ich da vielleicht auch nicht representativ bin...
Laut diverser kompetenter Stellen müsste man mir mein Heidentum ja eh absprechen.
Da wäre ich ja nur ein bekiffter, okkulter Schwarzmagier und Pseudoheide, Selbstdarsteller oder aber, weil zu allem anderen Übel auch noch Gnostiker und dabei weder islamophob noch grundsätzlich christenfeindlich, schlimmstenfalls ein christliches U-Boot, vielleicht ohne es selbst zu merken, oh Schreck, oh Graus! (sorry, aber die Breitseite konnte ich mir nun wirklich nicht verkneifen. Haben sich gewisse Personen aber auch hart erarbeitet.*fg* ).
Aber repräsentieren will ich auch gar nicht.
Ich bin kein Vorbild für irgend wen und möchte auch keines sein.
Vorbilder sollten eh nur ein begrenzte Haltbarkeit haben. Sie können als Orientierungspunkt für eine gewisse Zeit ganz nützlich sein, aber nur bis man seine eigene Linie gefunden hat. Gleiches gilt im Übrigen für schriftliche Anleitungen.
So wie die Hand der Eltern einem beim Laufen lernen unterstützt, bis man ohne Stütze laufen kann, so können Personen, Ideen und Ideale von anderen eine zeitweilige Richtlinie darstellen, sollten dann aber von eigenen Ideen und Inspirationen abgelöst werden.
Dauerhafte Nachahmung ist nicht empfehlenswert, weil man dann gefährlich schnell zur billigen Kopie, einer Imitation eines anderen als man selbst würde.
Darum finde ich es auch wichtig zu begreifen, dass bei einer Diskussion mit und dem Umgang von Heiden untereinander, wenn es um die religiöse und spirituelle Themen geht immer die gleichen Maßstäbe angelegt werden, wie bei jedem anderen interreligösen Austausch auch.
Was unterscheidet dessen Einstellung von dem eines 08/15-Christen oder Teilzeit-Muslim (dieser Ausdruck stammt von einem muslimischen Freund meines Sohnes, ist quasi eine Eigenbezeichnung)?
Auch so eine Frage, der man ständig in heidnisch orientierten Foren begegnet. Möglicherweise auch eine Frage, welche man sich als frisch Konvertierter selbst stellt.
Wohl dem, der sich dem Polytheismus verbunden fühlt. Der kann wenigstens die Anzahl der Götter als markantes Unterscheidungsmerkmal angeben. Obwohl, wenn man sich mal die Heiligenverehrung in der Katholischen Kirche ansieht, sticht der Trumpf auch nicht immer.
Aber lassen wir einmal die abrahamitischen Religionen beiseite. Natürlich könnte ich jetzt hier anhand von religions-philosophischem Quellen-Geschubse die ausschlaggebenden Unterschiede zwischen monotheistischen Weltrelgionen und heidnischen Weltanschauungen theoretisch herausarbeiten, aber einerseits geht es mir hier nicht um eine Abgrenzung des Heidentums gegenüber den "Monos", andererseits würde dieses Unterfangen in Anbetracht der individuellen Vielschichtigkeit beider Konzepte nicht nur ein Buch füllen.
Wo will man auch mit der Trennung anfangen?
Personen, welche sich mit Divination, Mystik und Astrologie, Esoterik im Allgemeinen beschäftigen findet man in jeder Religion.
Ich sag's ja immer wieder gerne, einige der größten Okkultisten, Mystiker und Magier der Geschichte, gehörten abrahamitischen Religionen an.
John Dee, zum Beispiel, immerhin unter anderem königlicher Astrologe am englischen Hof Elisabeth der Ersten, dem wir auch die Enochische Magick verdanken, war mit Sicherheit christlich getauft und auch geprägt.
Eliphas Levi, einer der Wegbereiter des heutigen Okkultismus, war Diakon, wollte ursprünglich sogar Priester werden.
Sufismus ist islamisch geprägter Mystizismus und Gnosis.
Und Tante Anna (jeder hat irgendwo eine Tante Anna! *g*) legt Karten oder liest aus dem Kaffeesatz, bepflanzt ihren Garten nach dem Mondkalender und kennt sich mit Heikräutern aus, wie keine andere, geht aber auch jeden Sonntag zur Frühmesse und ist ein hochgeschätztes Gemeindemitglied.
Und selbst Atheisten, eine Bezeichnung, die sowohl bei den Abrahamiten als auch bei Heiden schon fast als Schimpfwort gilt, können ein spirituelles Leben führen, eben nur ohne Gott.
Allein die Tatsache also, dass die Grenzen zwischen heidnisch und nicht-heidnisch teilweise sehr schwimmend sind, wenn man es nicht gerade mit Fundies zu tun hat, macht eine konsequente Trennung in der Praxis, meines Erachtens sehr schwierig.
Natürlich ist diese Verhaltensweise der Abgrenzung in der pubertären Entwicklungsphase des heidnischen Lebens fast existenziell, und darum oft zu beobachten, allerdings muss ich für mich sagen, dass eine solche auch immer eine Beschränkung, eine Einschränkung, darstellt, die ich für meine Spiritualität weder brauche noch möchte.
Aber was unterscheidet nun (m)eine heidnische Lebensweise von der anderer Religionsangehöriger?
Und wie lebt man nun als Heide?
Ich kann da nur für mich sprechen, auch wenn ich weiß, dass es bei anderen ähnlich aussieht.
Ich führe recht regelmäßig Rituale durch, wie viele andere Heiden auch, wer dies jedoch als besonderes Merkmal betrachtet, der war wahrscheinlich noch nie in einer katholischen Messe (oder hat die Zeit genutzt und eine Runde geschlafen).
Ich habe einen Altar im Wohnzimmer, aber gerade in südlichen Gefilden dürfte dem einen ooder anderen schon einmal der Herrgottwinkel in den Wohnstuben aufgefallen sein.
Ich bemühe mich, nicht im übertriebenen Maße in die Natur einzugreifen, allerdings wäre es echt dreist, sollte ich behaupten, dass Umweltschutz nun eine exklusiv Domäne des Heidentums darstelle. In Anbetracht der aktuell zu beobachtenden globalen ökölogischen "Unpässlichkeiten" müsste man schon ziemlich gedankenlos oder fatalistisch eingestellt sein, wenn einem die Umwelt am Hintern vorbei ginge.
Ich sehe in allem was existiert, Belebtem und auch Unbelebtem, das Göttliche, aber auch das findet man nicht nur in heidnischen Religionen.
Man könnte mich als Altruist bezeichnen, aber anders wie in der Definition, bin ich eben nicht der Auffassung, dass mir dies mehr Kosten als Nutzen ein bringt. Ich definiere Altruismus auch nicht mit "Selbstlosigkeit", sondern da, meiner Überzeugung nach, alles im Universum miteinander in Verbindung steht, als für mich lebenswichtig. Schlage ich jemanden oder bin ich beleidigend, so schlage oder beleidige ich mich damit selbst. Bin ich aber freundlich und höflich, dann bin ich auch freundlich mir gegenüber.
Toleranz?
Och nö, nicht schon wieder!
Klar versuche ich in meinem Umfeld mit liebevoller Hingabe, Agape, zu agieren und mein persönlicher Codex lässt meinen Mitmenschen auch ziemlich viel Raum zur freien Entfaltung, aber auch das hat bei mir Grenzen.
Auch hier gilt, tolerante Einstellung ist nicht explizit heidnisch.
Ganz im Gegenteil, gerade im Heidentum, wo gerne mal jede noch so konstruktive Kritik gleich als Intoleranz gebrandmarkt wird, findet man massenhaft Beispiele dafür, dass dort der Anteil an Toleranz und Intoleranz sich ebenso die Waagschale hält, wie in der Gesamtbevölkerung auch.
Ich denke persönlich, dass der Ursprung der angeblich so großen Zerstrittenheit des Heidentums™ genau in dieser Diskrepanz, krampfhafter Toleranzidee auf der einen Seiten und der Einsicht zu der Notwendigkeit von konstruktivem Austausch auf der anderen Seite, seinen Ursprung hat.
Aber auch sonst:
Es gibt da zum Beispiel einen kleinen, unwichtigen Haufen germanischer Fundamentalisten, deren (hauptamtliches!) Oberhaupt gerne jede andere heidnische Gruppierung als drogen- und alkoholabhängige Wannabes herabwürdigt, die eh keine Ahnung vom wahren Willen der Götter haben.
Aber auch im "normalen Heidentum" wird man da fündig, sei es, dass der eigene Glauben oft über den des anderen gestellt wird oder man aufgrund seiner, durchaus nach eigener Interpretation heidnischen, Lebenseinstellung oder seiner Meinung als unheidnisch diskreditiert wird, nur weil da einer genau zu wissen meint, die korrekte Frage auf die Antwort "42!" zu kennen. Es werden unliebsame Meinungen unterdrückt, zensiert, geschasst, gibt es Alleinherrscher, Heuchler, Einzelkämpfer und Gutmenschen und Leute, die ihr Heidentum als Freifahrtschein für jede Art von sozialer Dysfunktion betrachten.
Das ist ja auch gar nicht verwerflich. Es zeigt, wie oben schon angemerkt lediglich, dass das Heidentum™ eben auch nur ein Spiegel der ganz normalen Gesellschaft darstellt.
Ja, was auch sonst?
Weiter in meiner Aufzählung:
Ich lebe mein Leben, mache meinen Job, liebe meine Familie (Zweibeiner und Vierbeiner) und meine Freunde, gehe meinen Neigungen und Vorlieben nach, habe meine Träume und Sehnsüchte, obwohl die sich, seit ich mich entschlossen habe, im Augenblick zu leben, mir nichts mehr zu verkneifen und nichts auf die Zukunft zu verschieben, wirklich in Grenzen halten.
Ich lebe nicht viel anders als jeder andere.
Vielleicht etwas bewußter, aber wenn dann nicht, weil ich nach gewissen Auslegungen Heide bin, sondern, weil ich aus eigener Erfahrung weiß, wie verdammt kurz das Leben sein kann.
Außerdem bekommt man vom andauernden Verkneifen Falten, Magengeschwüre und Verstopfung!
Ich halte nicht viel von Konsumdenken, reiner Besitz bedeutet mir herzlich wenig, allerdings kann ich auch, bei Dingen, die mir wichtig sind geradezu in einen Kaufrausch verfallen. Ich sage nur Bücher und Musik!
Luxus ist für mich dann auch, mir meine "Spinnereien" zu leisten.
Ich finde McDonald doof, esse aber gerne mal bei BurgerKing, überhaupt esse ich gerne gut und koche, wenn, dann mit Leidenschaft. Lege dabei Wert auf eine gesunde Ernährung, aber nicht um jeden Preis, sondern fröhne auch meinen Begierden. Die Menge macht das Gift *g*.
Ich besitze schon lange kein eigenes Auto mehr, und benutze stattdessen die Öffis, weil ich es einfach unökologisch und unökonomisch finde, wenn ich hier die Blechkarawanen zur Rushhour sehe, wobei in jedem Wagen nur einer, höchstens aber mal zwei Personen sitzen.
Dementsprechend bin ich starker Befürworter von Carsharing und Fahrgemeinschaften.
Allerdings liegt mein Heimatort auch sehr zentral mit guter Verkehrsanbindung zu den Großstädten. Wenn ich irgendwo auf dem Dorf wohnen würde, wo nur jede Stunde mal ein Bus kommt, oder ich dort arbeiten müsste, würde ich bestimmt nicht auf ein Auto verzichten, nur weil es die Umwelt verpestet!
Ich begehe meine Feiertage, nehme aber auch gerne die der Mehrzahl der Bevölkerung mit, wobei bei mir Karfreitag eben kein Trauertag ist, weil ich meine eigene Interpretation zum Kreuzigungstod YSHVHs habe, überhaupt mag ich den Rabbe und seine reine Lehre.
Ich bin gerne draußen unterwegs, bekomme Beklemmungen, wenn ich nicht raus kann, sitze gerne unter freiem Himmel und lasse meinen Gedanken freien Lauf und das bei Wind und Wetter, was gewisse Begleiter manchmal etwas auf den Senkel geht. Gut, nasser Hintern und abgefrorene Finger sind eben nicht jedermanns Sache. ^^
Allerdings schätze ich auch die Annehmlichkeiten der modernen Welt, könnte kaum auf Elektrizität, PC, Internet und Telefon verzichten.
Ich sehne mich nicht nach den guten alten Zeiten, wo die Leute an einem Husten oder wegen schlechter Ernten drauf gingen.
Ich gehe in vielem mit der Zeit, in anderen Dingen bin ich eher konservativ.
Statussymbole sind für mich überflüssig.
Und dabei meine ich nicht eben nur jene, die als Indikatoren allgemeiner gesellschaftlicher Anerkennung dienen (mein Auto, mein Haus, meine Jacht), sondern eben auch jene, welche allgemein als heidnische Prestigeobjekte gelten (mein Krafttier, mein Kraftort, meine Liste der besonderen Fähigkeiten etc.).
Meine Bücher besitze ich, weil ich sie brauche und sie mich interessieren, nicht, weil sie mich als besonders gebildet ausweisen, meine Kleidung, weil sie mir gefällt und bequem ist, nicht weil sie mich als Angehöriger einer bestimmten sozialen Schicht ausweisen oder ich damit etwas aussagen möchte.
Mein Streben nach (Weiter-)Bildung, meine Ausdrucksform, mein Auftreten, meine Umgangsformen sind Teil meiner Selbst und dienen nicht dazu mich gegenüber anderen abzugrenzen oder gar hervorzuheben.
Ich lebe eben mein Leben für mich und mir ist meine Außenwirkung auf andere zwar nicht völlig egal, aber doch sehr weit unten in meiner Liste der für mich wichtigsten Dinge.
Überhaupt, Außenwirkung, allein der Ausdruck erinnert mich schon zu sehr an Marketing und Business-Seminar.
Darum lehne ich es auch ab, wenn man mir erzählen möchte, wie man als "Vertreter des Heidentums" in der Öffentlichkeit aufzutreten hat.
Sorry, dieses "Wir als Heiden sollten...bla!" ist genauso ein Käse, wie dieses "Wir als Deutsche haben die Pflicht..." oder "Wir als Krone der Schöpfung..."
Bin ich Teil eines Unternehmens, wo Corporate Identity und Corporate Behaviour Pflicht sind?
Was käme denn dann als nächstes? Corporate Philosophy und Corporate Culture?
Wer sowas gut findet, hat zu viele Managerseminare mitgemacht oder sollte vielleicht besser eine Firma gründen...
Ich habe nur mir gegenüber eine Pflicht, nämlich authentisch,wahrhaftig, zu sein. Ich muss mit dem, was ich denke, sage und tue klar kommen, es für mich vertreten können und gegebenenfalls die Konsequenzen tragen. Ich muss damit leben können.
Zu trennen zwischen meinem privaten Glauben und dem Auftreten in der Öffentlichkeit würde für mich bedeuten, unaufrichtig zu sein, mir selbst gegenüber und meiner Umwelt.
Man kann nicht Wasser predigen, aber heimlich im Stillen Kämmerlein Wein saufen.
Da gebe ich mir doch lieber, im übertragenen Sinne, ganz Öffentlich die Kante und überlasse die Abstinenz, denen, die es bevorzugen oder nötig haben.
Heucheln liegt mir nicht!
So könnte ich nun fortfahren, meine An- und Einsichten, mein Leben, hier auszubreiten, wie zum Beispiel, dass ich zwar Verfechter der Säkularisierung in der Politik bin, aber da eben auch politisch engagiert, dort natürlich auch mein Glauben und meine Philosphie mit hineinspielen, da ich eben das eine nicht nach Belieben an- und ausknipsen kann, wenn ich das andere tue.
Nur, und das ist wichtig, sollte, meines Erachtens, eine politisches Verpflichtung nicht nur der Verbesserung der Lebensumstände der Angehörigen der eigenen religösen Richtung, auch nur im weitesten Sinne, dienen, sondern der aller Menschen.
Tja, mein Heidentum ist eben manchmal auch politisch, aber nicht die Politik, für die ich eintrete! ^^
So, das sollte aber nun genügen zum Thema "Mein heidnisches Leben".
Unterscheidet sich eigentlich, wie schon gesagt, nicht sehr von dem anderer, ähnlich strukturierter Menschen. Jedenfalls nicht, dass es mir auffallen würde.
Ich kann nicht sagen, was da jetzt tatsächlich so besonders sein sollte, dass es eine Abgrenzung nötig machen müsste.
Obwohl ich da vielleicht auch nicht representativ bin...
Laut diverser kompetenter Stellen müsste man mir mein Heidentum ja eh absprechen.
Da wäre ich ja nur ein bekiffter, okkulter Schwarzmagier und Pseudoheide, Selbstdarsteller oder aber, weil zu allem anderen Übel auch noch Gnostiker und dabei weder islamophob noch grundsätzlich christenfeindlich, schlimmstenfalls ein christliches U-Boot, vielleicht ohne es selbst zu merken, oh Schreck, oh Graus! (sorry, aber die Breitseite konnte ich mir nun wirklich nicht verkneifen. Haben sich gewisse Personen aber auch hart erarbeitet.*fg* ).
Aber repräsentieren will ich auch gar nicht.
Ich bin kein Vorbild für irgend wen und möchte auch keines sein.
Vorbilder sollten eh nur ein begrenzte Haltbarkeit haben. Sie können als Orientierungspunkt für eine gewisse Zeit ganz nützlich sein, aber nur bis man seine eigene Linie gefunden hat. Gleiches gilt im Übrigen für schriftliche Anleitungen.
So wie die Hand der Eltern einem beim Laufen lernen unterstützt, bis man ohne Stütze laufen kann, so können Personen, Ideen und Ideale von anderen eine zeitweilige Richtlinie darstellen, sollten dann aber von eigenen Ideen und Inspirationen abgelöst werden.
Dauerhafte Nachahmung ist nicht empfehlenswert, weil man dann gefährlich schnell zur billigen Kopie, einer Imitation eines anderen als man selbst würde.
Darum finde ich es auch wichtig zu begreifen, dass bei einer Diskussion mit und dem Umgang von Heiden untereinander, wenn es um die religiöse und spirituelle Themen geht immer die gleichen Maßstäbe angelegt werden, wie bei jedem anderen interreligösen Austausch auch.
"Es kommt für jeden der Augenblick der Wahl und der Entscheidung:
Ob er sein eigenes Leben führen will, ein höchst persönliches Leben in tiefster Fülle, oder ob er sich zu jenem falschen, seichten, erniedrigenden Dasein entschließen soll, dass die Heuchelei der Welt von ihm begehrt."
Oscar Wilde
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Meine Gedanken
Montag, 27. September 2010
Licht und Liebe, Leute!
Ich muss dringend mal was loswerden.
Mich nervt dieses Licht-und-Liebe-Gesülze in der Neopaganen Szene gewaltig und damit bin ich, wie ich weiß, wirklich nicht allein. Und nicht nur, weil ich es mit konfliktunwilligen oder soll man besser sagen -unfähigen Menschen, die auf Teufel komm heraus jeder Kontroverse aus dem Weg gehen und immer nur heile Welt spielen wollen, nicht so habe.
Ernsthaft, Kontroverse ist für mich, Leben, ist Bewegung, ist Inspiration und Nahrung für den Geist.
Dazu kommt, dass ich es schon erheblich komisch finde, wenn jemand innerhalb eines Gespräches ständig seine Meinung wechselt, ständig zurückrudert und relativiert. Schon klar, manchmal schießt der Mund schneller als das Gehirn, passiert mir auch mal, aber Übung macht den Meister und irgendwie möchte man ja auch verstanden werden und drückt sich dementsprechend überlegt aus.
Hinzu kommt, dass bisweilen auch der Begriff Toleranz erheblich überstrapaziert wird. Dazu hatte ich mich ja hier schon einmal sehr ausführlich geäußert.
Und weil der "Heide an sich" ja so viel besser ist, als Otto-Normal-Mensch (was für eine elitäreKacke Wahrnehmung!), hängt er sich selbst einen Orden um und deklariert sein Wolkenkuckucksheimkonstrukt von (Zwangs-)Licht-und-Liebe-Mentalität als Maß aller Dinge und Lösung für alle bestehenden Probleme der Menschheit.
Tja, und wer das nicht so sieht, ist eben kein rechter Heide, sondern ein Egozentriker, oder Selbstdarsteller, oder aber, der Oberhammer, er gibt seine Heidnischen Ideale zu Gunsten einer Gesellschaftskonformen Lebenstrategie eben auf.
Ja, schon klar...
Okay, kann mir natürlich vollkommen egal sein, was andere Leute sich für Traumblasen basteln - tu was du willst, soll sein das ganze des Gesetzes.
Und genau darin liegt auch das einzige Problem, welches ich mit den LuL-Heinis habe.
Licht und Liebe kommt nämlich von uns!
Wir haben da quasi das Copyright drauf!
Licht, Liebe, Leben und Freiheit sind die Vier Säulen auf denen Thelema ruht, oder, wie To Mega Therion es selbst ausdrückt, die vier Strahlen oder Emanationen, die dem Gesetzt entspringen
Aber eben nicht in dieser klebrigsüßen, rosa Zuckerwatte Art und Weise, wie das hier einige gründlich missverstanden zu haben scheinen. Guckt ihr Liber CL - De lege Libellum, werdet ihr verstehen.
Die Idee, die er hier beschreibt ist natürlich auch nicht neu und entspricht im Prinzip dem, was man in vielen östlichen Philosophien wie z.B. dem Buddhismus und Daoismus, aber auch der Antiken Gnosis findet.
Es geht schlicht nicht darum, alle Leute wahnsinnig lieb zu haben und jeden mit 'ner Flutlichtanlage ins Gesicht zu strahlen, sondern sein eigenes Licht, sprich zu tieferer Erkenntnis und dadurch zu innerem Frieden, Liebe, zu finden, um so zu begreifen, dass in einem unendlichen, ständig in Bewegung befindlichem Universum, in besonderem Maße bezogen auf die geistige Ebene, genug Raum für alle Daseinsformen ist und das im Leben umzusetzen.
Mal platt ausgedrückt, so lange der eigene "Keller" nicht entrümpelt ist, kann man schlecht den anderen erklären, dass ihrer ein Saustall ist. Hat man aber die Ärmel aufgekrempelt und bei sich aufgeräumt, dann ist einem der Nachbarkeller völlig egal.
Mit krankhafter Harmoniesucht, Toleranzgefasel, und Wattebausch-Mentalität hat das überhaupt nichts zu tun.
Ganz im Gegenteil!
Wer meiner Meinung nach anderen die Wattebäusche so tief in den Hals schiebt, dass sie daran ersticken, der drückt allenfalls damit unterdrückte Frustration aus. Der liebt nicht, der will seine Ohnmacht der Realität gegenüber überspielen.
Überhaupt, Visionen von einem Leben in absoluter Harmonie, wo alle Menschen Freunde sind und es keinerlei gesellschaftliche Ungerechtigkeiten mehr gibt, erinnern mich immer ein wenig an die Eloi in H.G. Wells "The Time Machine". Völlig sorgenfrei und fröhlich, aber im Grunde absolut naiv, lebensunfähig und degeneriert hüpfen die durch den Tag. Aber wehe wenn die Nacht heraufzieht...
In diesem Sinne
Licht und Liebe, Leute!
Mich nervt dieses Licht-und-Liebe-Gesülze in der Neopaganen Szene gewaltig und damit bin ich, wie ich weiß, wirklich nicht allein. Und nicht nur, weil ich es mit konfliktunwilligen oder soll man besser sagen -unfähigen Menschen, die auf Teufel komm heraus jeder Kontroverse aus dem Weg gehen und immer nur heile Welt spielen wollen, nicht so habe.
Ernsthaft, Kontroverse ist für mich, Leben, ist Bewegung, ist Inspiration und Nahrung für den Geist.
Dazu kommt, dass ich es schon erheblich komisch finde, wenn jemand innerhalb eines Gespräches ständig seine Meinung wechselt, ständig zurückrudert und relativiert. Schon klar, manchmal schießt der Mund schneller als das Gehirn, passiert mir auch mal, aber Übung macht den Meister und irgendwie möchte man ja auch verstanden werden und drückt sich dementsprechend überlegt aus.
Hinzu kommt, dass bisweilen auch der Begriff Toleranz erheblich überstrapaziert wird. Dazu hatte ich mich ja hier schon einmal sehr ausführlich geäußert.
Und weil der "Heide an sich" ja so viel besser ist, als Otto-Normal-Mensch (was für eine elitäre
Tja, und wer das nicht so sieht, ist eben kein rechter Heide, sondern ein Egozentriker, oder Selbstdarsteller, oder aber, der Oberhammer, er gibt seine Heidnischen Ideale zu Gunsten einer Gesellschaftskonformen Lebenstrategie eben auf.
Ja, schon klar...
Okay, kann mir natürlich vollkommen egal sein, was andere Leute sich für Traumblasen basteln - tu was du willst, soll sein das ganze des Gesetzes.
Und genau darin liegt auch das einzige Problem, welches ich mit den LuL-Heinis habe.
Licht und Liebe kommt nämlich von uns!
Wir haben da quasi das Copyright drauf!
Licht, Liebe, Leben und Freiheit sind die Vier Säulen auf denen Thelema ruht, oder, wie To Mega Therion es selbst ausdrückt, die vier Strahlen oder Emanationen, die dem Gesetzt entspringen
Aber eben nicht in dieser klebrigsüßen, rosa Zuckerwatte Art und Weise, wie das hier einige gründlich missverstanden zu haben scheinen. Guckt ihr Liber CL - De lege Libellum, werdet ihr verstehen.
"Durch das Licht sollt ihr auf euch selbst blicken und alle Dinge
gewähren, die in Wahrheit nur ein Ding sind, dessen Name Kein Ding
genannt worden ist, aus einem Grunde, welcher euch später erklärt
werden wird. Aber die Substanz des Lichtes ist Leben, da es ohne
Dasein und Kraft nichts wäre. Durch das Leben seid ihr daher zu euch
selbst gemacht, ewig und unzerstörbar, strahlend wie Sonnen, selbst-
erschaffen und selbst-erhalten, jeder das einzige Zentrum des
Universums.
Wie ihr nun durch das Licht wahrnehmt, so fühlt ihr durch die Liebe. Es
gibt eine Ekstase reinen Wissens, und eine andere reiner Liebe, und
diese Liebe ist die Kraft, welche verschiedene Dinge vereinigt, damit
man sie im Lichte ihrer Einheit betrachte. Wisse, daß das Universum
nicht in Ruhe ist, sondern in äußerster Bewegung, deren Summe Ruhe
ist. Und diese Erkenntnis, daß Stabilität Wechsel und Wechsel Stabilität
ist, daß Sein Werden und Werden Sein ist, ist der Schlüssel zum
goldenen Palaste dieses Gesetzes.
Aus der Freiheit schließlich kommt die Kraft, deine Bahn deinem Willen
gemäß zu lenken. Denn der Umfang des Universums ist ohne Grenzen,
und ihr seid frei, euch nach eurem Willen Freude zu machen, da doch
die Mannigfaltigkeit des Daseins auch unendlich ist. Denn darin liegt
ebenfalls die Freude des Gesetzes, daß nicht zwei Sterne gleich sind,
und ihr müsset auch begreifen, daß diese Vielfältigkeit selbst Einheit ist,
und ohne sie könnte Einheit nicht sein. Und dies ist ein harter Spruch für
den Verstand: ihr sollt begreifen, daß, wenn ihr euch über den Verstand
erhebt, welcher nur eine Tätigkeit des Gemütes darstellt, ihr zum reinen
Wissen durch unmittelbare Wahrnehmung der Wahrheit gelangt.
Wisset auch, daß diese vier Emanationen des Gesetzes auf allen
Pfaden leuchten: ihr sollt sie nicht nur auf den Hauptstraßen des
Universums anwenden, von denen ich geschrieben habe, sondern auch
auf jedem Nebenpfade eures täglichen Lebens. "
Die Idee, die er hier beschreibt ist natürlich auch nicht neu und entspricht im Prinzip dem, was man in vielen östlichen Philosophien wie z.B. dem Buddhismus und Daoismus, aber auch der Antiken Gnosis findet.
Es geht schlicht nicht darum, alle Leute wahnsinnig lieb zu haben und jeden mit 'ner Flutlichtanlage ins Gesicht zu strahlen, sondern sein eigenes Licht, sprich zu tieferer Erkenntnis und dadurch zu innerem Frieden, Liebe, zu finden, um so zu begreifen, dass in einem unendlichen, ständig in Bewegung befindlichem Universum, in besonderem Maße bezogen auf die geistige Ebene, genug Raum für alle Daseinsformen ist und das im Leben umzusetzen.
Mal platt ausgedrückt, so lange der eigene "Keller" nicht entrümpelt ist, kann man schlecht den anderen erklären, dass ihrer ein Saustall ist. Hat man aber die Ärmel aufgekrempelt und bei sich aufgeräumt, dann ist einem der Nachbarkeller völlig egal.
Mit krankhafter Harmoniesucht, Toleranzgefasel, und Wattebausch-Mentalität hat das überhaupt nichts zu tun.
Ganz im Gegenteil!
Wer meiner Meinung nach anderen die Wattebäusche so tief in den Hals schiebt, dass sie daran ersticken, der drückt allenfalls damit unterdrückte Frustration aus. Der liebt nicht, der will seine Ohnmacht der Realität gegenüber überspielen.
Überhaupt, Visionen von einem Leben in absoluter Harmonie, wo alle Menschen Freunde sind und es keinerlei gesellschaftliche Ungerechtigkeiten mehr gibt, erinnern mich immer ein wenig an die Eloi in H.G. Wells "The Time Machine". Völlig sorgenfrei und fröhlich, aber im Grunde absolut naiv, lebensunfähig und degeneriert hüpfen die durch den Tag. Aber wehe wenn die Nacht heraufzieht...
In diesem Sinne
Licht und Liebe, Leute!
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Sonntag, 26. September 2010
Wake up!
Weil's irgendwie auch sehr schön zu dem passt, was ich vorangegangenen Beitrag ausdrücken wollte:
Einfachste Magick:
Wenn man dieser Welt lächelnd entgegen tritt, lächelt sie zurück!
Einfachste Magick:
Wenn man dieser Welt lächelnd entgegen tritt, lächelt sie zurück!
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Montag, 10. Mai 2010
Gedankenchaos und körperliche Interferenzen
Im Moment geht mir soviel im Kopf herum, dass ich es kaum in allgemein verständliche Worte fassen kann. Besonders, weil es für mich den Anschein hat, das da das eine ins andere greift und auch Sachverhalte, welche augenscheinlich in keiner näheren Beziehung zueinander stehen, doch zusammen gehören, sich gegenseitig bedingen.
Das mag sich jetzt sehr kryptisch anhören, findet aber eben seine Ursache darin, das, kaum, dass ich versuche, mich mit einer Thematik, einerlei, ob es das momentanen Zeitgeschehen betrifft oder etwas anderem, zu befassen und meine Eindrücke und meine Meinung dazu nieder zuschreiben, oder auch nur schlicht zu überdenken, mich plötzlich bei einer ganz anderen Thematik wiederfinde. So hänge ich bei einem Buch, das sich mit der Dunklen Seite des Baum des Lebens befasst, nun schon seit Wochen noch im ersten Drittel (was für mich, der ich im allgemeinen Bücher inhaliere, schon fast blamabel zu nennen ist), weil mich fast jeder Satz zum nachdenken anregt oder vielmehr dazu bringt, plötzlich meine Gedanken in eine, vermeintlich, ganz andere Richtung drängt und von dort weiter und weiter vom eigentlichen Thema fort zu sehr fernen Gefilden, bis ich selbst verwundert aufblicke, wo ich gelandet bin. Und so geht es mir zur Zeit mit allem was ich lese, sehe, aufnehme! Der banalste Groschenroman oder die seichteste Seifenoper (nicht das ich sowas lese oder sehe) würden mich wahrscheinlich im Moment in kürzester Zeit zu einer sehr philosophischen Betrachtung animieren...
Wenn sich das Verfolgen meiner eigenen Gedankengänge für mich schon teilweise anstrengend und verwirrend gestaltet, vom Ausformulieren derselben in Worte ganz zu schweigen, so denke ich, kann ich Außenstehenden das Lesen dieser Ergüsse mit Sicherheit kaum zu muten.
Darum stapeln sich hier bei mir eine ganze Reihe von Artikeln in unterschiedlichem Grade der Ausarbeitung, ohne dass ich mich dazu entschließen kann, irgendetwas zu veröffentlichen. Nicht, dass ich jetzt denke, dass es sich dabei um einen großen Verlust der Blogosphäre handelt, aber doch dahingehend problematisch, weil es sich dabei auch um einige Auftragsarbeiten handelt. Noch ist es ja nicht mehr als ein Taschengeld, nichtsdestotrotz nehme ich meine Nebenbeschäftigung ernst und weiß, dass mich nur Kontinuität und Verlässlichkeit zu meinem Ziel, in ferner Zukunft einmal meinen Lebensunterhalt damit ausschließlich bestreiten zu können, führen werden.
Aber, was soll ich machen, wenn mich in meinem augenblicklichen Zustand ein Artikel über das Wahlverhalten von Erstwählern zum Bildungsnotstand in Deutschland und darüber über eine Studie stolpern lässt, die besagt, dass durchschnittliche Jugendliche kaum mehr in der Lage sind, längeren Texten und Ausführungen zu folgen, sodass sie am Ende eben fähig wären, diese in eigenen Worten zusammen zu fassen? Generation SMS&Chat lassen grüßen!
Der Artikel ist fertig, allerdings, mit der Aufgabenstellung haben vielleicht ganze fünf Zeilen von knapp einer DinA4-Seite Text etwas zu tun. Die zeigen mir doch eine Vogel, wenn ich das so abgebe und das mit Recht. Auch wenn der Zusammenhang ersichtlich ist, das Thema habe ich trotzdem verfehlt, glatte Sechs, setzen!
Der Versuch einer Bearbeitung des Artikels hat aber bisher nur dazu geführt, dass etwas substanziell und stilistisch dermaßen totes Stück "Blub" herauskam, dass es glatt von einem Roboter stammen könnte.
Es ist zum Kotzen...
Ich fühle mich derzeit irgendwie außerhalb der Phase und komme mir vor, wie Schrödingers Katze, im Zustand der Überlagerung, zwar nicht tot und lebendig, vielmehr, hier und gleichzeitig woanders oder wach und schlafend. Oh, Mann, wenn ich es benennen könnte, dann wäre ich ja schon mal einen entscheidenden Schritt weiter!
Ehrlich gesagt, mir wäre es sogar recht, wenn ich ein handfestes Drogenproblem hätte, dann könnte ich mir wenigstens einen Reim auf meinen Zustand machen. Hab ich aber nicht, ich bin so clean, wie ein Mensch nur sein kann (abgesehen von meiner Raucherei). Selbst Kaffee habe ich bis auf zwei Tassen am Tag reduziert und trinke stattdessen Kräutertee! Ich, die sonst pures Koffein in den Adern hatte! Ich bin sogar, trotz mangelndem "Dope", noch quicklebendig und des klaren Denkens fähig und vermisse da auch nichts, was mich auch schon wieder zu sehr intensiven Betrachtungen meiner Selbst führt. Ächzt...
Apropos zum Kotzen:
Meinen Kaffeekonsum habe ich nicht aus purem "Mir war so danach" drastisch heruntergeschraubt, sondern weil ich seit November letzten Jahres mit einer gewissen Regelmäßigkeit an Anfällen von Übelkeit leide.
Auch so was Komisches.
Zuerst, von hier auf jetzt ohne große Vorankündigung und ohne augenscheinlichen Auslöser geht das Erbrechen los. Anfangs im Minutentakt, dann im weiteren Verlauf, so alle Stunde mit immer größer werdendem Abstand. Das Vermeiden von Nahrung ändert da nichts, es macht den Prozess des "Von-sich-gebens" nur unangenehmer. Allerdings kann ich jetzt, beim dritten Auftreten meiner Kotzeritis, innerhalb von vier Monaten, mittlerweile abschätzen, was angenehmer zu retournieren ist und was eben nicht. Ich habe mir sogar angewöhnt, mein Essen wirklich gründlich zu kauen, was ja auch wieder vom ernährungswissenschaftlichen Aspekt positiv zu sehen ist.
Das geht dann etwas eine Woche so, bis das Übergeben von der Phase der Diarrhoe abgelöst wird. Nicht so das es besorgniserregend wäre, aber wenn ich muss, dann muss ich sofort. Verschieben ist nicht. Das geht dann auch so ein paar Tage, und dann ist alles wieder völlig normal.
Beim ersten Mal dachte ich noch, ich hätte eine Virusinfektion oder eine Lebensmittelvergiftung oder -unverträglichkeit, da Fieber und ein starkes Krankheitsgefühl dazu kamen, aber das scheint wohl ein Grippaler Infekt unabhängig gewesen zu sein.
Mittlerweile kann ich sagen, dass das aber nicht zu den spezifischen Symptomen meiner Q.K. (quartalsmäßige Kotzeritis) gehört. Selbst die damit einhergehenden "Magenschmerzen" entpuppten sich mittlerweile schlechthin als Muskelkater aufgrund der reflexartigen Kontraktionen beim Vorgang selbst und die Kreislaufprobleme eben als Folge des Flüssigkeitsverlustes. Bisher verliefen alle medizinischen Befunde im Sande, sowie alle Versuche der medikamentösen Behandlung als kontraproduktiv, weil mein Körper die Tabletten oder Pasten gar nicht so lange bei sich behalten will, dass sie eine Wirkung erziehen könnten. Also kann ich den pharmakologischen Mist auch gleich in der Apotheke lassen.
Was mache ich also?
Das beste daraus, wie immer.
Ich trinke soviel wie möglich, damit mein Magen nicht leer läuft, schaue, dass ich meinen Elektrolythaushalt im Gleichgewicht halte, sehe zu dass der Weg ins Bad in der heißen Phase meiner Q.K. nicht von irgendeinem belebten oder unbelebten Objekt verstellt wird und das Herausstellen eines Eimers gehört spätestens seit diesem Mal zu einer gewohnten Geste meiner lieben Mitmenschen, wenn sie denn den Lokus selber für eine Zeit belegen.
Natürlich macht mich mein "Leiden" im akuten Stadium körperlich fertig, aber ich fühle mich nicht "krank" und natürlich mache ich mir so meine Gedanken, woher diese wiederholt auftretende Symptomatik kommt.
Je länger ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir, dass mein Körper mir eine Botschaft übermittelt. Surprise, surprise!
Nicht, dass ich mein Leben ändern soll, jedenfalls nicht so theatralisch und extrem, wie das immer klingt. Aber doch vielleicht in die Richtung, dass er im wahrsten Sinne des Wortes etwas an den augenblicklichen Umständen zum Kotzen findet.
Stress?
Den versuche ich nach Möglichkeit eh zu vermeiden.Ich kenne mittlerweile mein Tempo und meine Belastbarkeit und richte mich danach. Außerdem ist es ein himmelweiter Unterschied, ob ich Stress habe, oder mich der Stress im Griff hat.
Irgendwelche verborgenen Frustrationen und Konflikte?
Hm, nö, kann ich nicht sagen, dass es da etwas gäbe. Jedenfalls nicht, seit ich mich dazu entschlossen habe, so etwas gleich aufs Tapet zu bringen und aus der Welt zu räumen. Das bringt mir zwar nicht immer Sympathien ein, aber ich brauche nicht die uneingeschränkte Liebe all meiner Mitmenschen. Klare Verhältnisse ziehe ich da vor.
Tja, bliebe noch die globale Gesamtsituation...
Öhm, okay, das ist ein Argument. Allerdings bin ich jetzt auch nicht der Mensch, der sich jeden Pillefitz zu Herzen nimmt. Eher schon der Pragmatiker...Außerdem müsste es da ja dann ein geradezu pandemieartiges Auftreten von Q.K. weltweit geben...ich bin ja wohl nicht der Einzige, dem aufgefallen sein dürfte, dass wir auf dem besten Wege in den Orkus sind, wenn nicht bald etwas geschieht.
Allerdings stelle ich mir gerade vor, dass es doch ganz treffend wäre, wenn man irgendeinen Würdenträger die beliebte Frage zur Lage der Nation stellte und er antwortete darauf hin: "Boooaaaahhhrrr..." ^^
Naja, jedenfalls muss es da ja irgendetwas geben, was mein Körper loswerden will. Ich muss nur noch herauskriegen, was das ist.
Das mag sich jetzt sehr kryptisch anhören, findet aber eben seine Ursache darin, das, kaum, dass ich versuche, mich mit einer Thematik, einerlei, ob es das momentanen Zeitgeschehen betrifft oder etwas anderem, zu befassen und meine Eindrücke und meine Meinung dazu nieder zuschreiben, oder auch nur schlicht zu überdenken, mich plötzlich bei einer ganz anderen Thematik wiederfinde. So hänge ich bei einem Buch, das sich mit der Dunklen Seite des Baum des Lebens befasst, nun schon seit Wochen noch im ersten Drittel (was für mich, der ich im allgemeinen Bücher inhaliere, schon fast blamabel zu nennen ist), weil mich fast jeder Satz zum nachdenken anregt oder vielmehr dazu bringt, plötzlich meine Gedanken in eine, vermeintlich, ganz andere Richtung drängt und von dort weiter und weiter vom eigentlichen Thema fort zu sehr fernen Gefilden, bis ich selbst verwundert aufblicke, wo ich gelandet bin. Und so geht es mir zur Zeit mit allem was ich lese, sehe, aufnehme! Der banalste Groschenroman oder die seichteste Seifenoper (nicht das ich sowas lese oder sehe) würden mich wahrscheinlich im Moment in kürzester Zeit zu einer sehr philosophischen Betrachtung animieren...
Wenn sich das Verfolgen meiner eigenen Gedankengänge für mich schon teilweise anstrengend und verwirrend gestaltet, vom Ausformulieren derselben in Worte ganz zu schweigen, so denke ich, kann ich Außenstehenden das Lesen dieser Ergüsse mit Sicherheit kaum zu muten.
Darum stapeln sich hier bei mir eine ganze Reihe von Artikeln in unterschiedlichem Grade der Ausarbeitung, ohne dass ich mich dazu entschließen kann, irgendetwas zu veröffentlichen. Nicht, dass ich jetzt denke, dass es sich dabei um einen großen Verlust der Blogosphäre handelt, aber doch dahingehend problematisch, weil es sich dabei auch um einige Auftragsarbeiten handelt. Noch ist es ja nicht mehr als ein Taschengeld, nichtsdestotrotz nehme ich meine Nebenbeschäftigung ernst und weiß, dass mich nur Kontinuität und Verlässlichkeit zu meinem Ziel, in ferner Zukunft einmal meinen Lebensunterhalt damit ausschließlich bestreiten zu können, führen werden.
Aber, was soll ich machen, wenn mich in meinem augenblicklichen Zustand ein Artikel über das Wahlverhalten von Erstwählern zum Bildungsnotstand in Deutschland und darüber über eine Studie stolpern lässt, die besagt, dass durchschnittliche Jugendliche kaum mehr in der Lage sind, längeren Texten und Ausführungen zu folgen, sodass sie am Ende eben fähig wären, diese in eigenen Worten zusammen zu fassen? Generation SMS&Chat lassen grüßen!
Der Artikel ist fertig, allerdings, mit der Aufgabenstellung haben vielleicht ganze fünf Zeilen von knapp einer DinA4-Seite Text etwas zu tun. Die zeigen mir doch eine Vogel, wenn ich das so abgebe und das mit Recht. Auch wenn der Zusammenhang ersichtlich ist, das Thema habe ich trotzdem verfehlt, glatte Sechs, setzen!
Der Versuch einer Bearbeitung des Artikels hat aber bisher nur dazu geführt, dass etwas substanziell und stilistisch dermaßen totes Stück "Blub" herauskam, dass es glatt von einem Roboter stammen könnte.
Es ist zum Kotzen...
Ich fühle mich derzeit irgendwie außerhalb der Phase und komme mir vor, wie Schrödingers Katze, im Zustand der Überlagerung, zwar nicht tot und lebendig, vielmehr, hier und gleichzeitig woanders oder wach und schlafend. Oh, Mann, wenn ich es benennen könnte, dann wäre ich ja schon mal einen entscheidenden Schritt weiter!
Ehrlich gesagt, mir wäre es sogar recht, wenn ich ein handfestes Drogenproblem hätte, dann könnte ich mir wenigstens einen Reim auf meinen Zustand machen. Hab ich aber nicht, ich bin so clean, wie ein Mensch nur sein kann (abgesehen von meiner Raucherei). Selbst Kaffee habe ich bis auf zwei Tassen am Tag reduziert und trinke stattdessen Kräutertee! Ich, die sonst pures Koffein in den Adern hatte! Ich bin sogar, trotz mangelndem "Dope", noch quicklebendig und des klaren Denkens fähig und vermisse da auch nichts, was mich auch schon wieder zu sehr intensiven Betrachtungen meiner Selbst führt. Ächzt...
Apropos zum Kotzen:
Meinen Kaffeekonsum habe ich nicht aus purem "Mir war so danach" drastisch heruntergeschraubt, sondern weil ich seit November letzten Jahres mit einer gewissen Regelmäßigkeit an Anfällen von Übelkeit leide.
Auch so was Komisches.
Zuerst, von hier auf jetzt ohne große Vorankündigung und ohne augenscheinlichen Auslöser geht das Erbrechen los. Anfangs im Minutentakt, dann im weiteren Verlauf, so alle Stunde mit immer größer werdendem Abstand. Das Vermeiden von Nahrung ändert da nichts, es macht den Prozess des "Von-sich-gebens" nur unangenehmer. Allerdings kann ich jetzt, beim dritten Auftreten meiner Kotzeritis, innerhalb von vier Monaten, mittlerweile abschätzen, was angenehmer zu retournieren ist und was eben nicht. Ich habe mir sogar angewöhnt, mein Essen wirklich gründlich zu kauen, was ja auch wieder vom ernährungswissenschaftlichen Aspekt positiv zu sehen ist.
Das geht dann etwas eine Woche so, bis das Übergeben von der Phase der Diarrhoe abgelöst wird. Nicht so das es besorgniserregend wäre, aber wenn ich muss, dann muss ich sofort. Verschieben ist nicht. Das geht dann auch so ein paar Tage, und dann ist alles wieder völlig normal.
Beim ersten Mal dachte ich noch, ich hätte eine Virusinfektion oder eine Lebensmittelvergiftung oder -unverträglichkeit, da Fieber und ein starkes Krankheitsgefühl dazu kamen, aber das scheint wohl ein Grippaler Infekt unabhängig gewesen zu sein.
Mittlerweile kann ich sagen, dass das aber nicht zu den spezifischen Symptomen meiner Q.K. (quartalsmäßige Kotzeritis) gehört. Selbst die damit einhergehenden "Magenschmerzen" entpuppten sich mittlerweile schlechthin als Muskelkater aufgrund der reflexartigen Kontraktionen beim Vorgang selbst und die Kreislaufprobleme eben als Folge des Flüssigkeitsverlustes. Bisher verliefen alle medizinischen Befunde im Sande, sowie alle Versuche der medikamentösen Behandlung als kontraproduktiv, weil mein Körper die Tabletten oder Pasten gar nicht so lange bei sich behalten will, dass sie eine Wirkung erziehen könnten. Also kann ich den pharmakologischen Mist auch gleich in der Apotheke lassen.
Was mache ich also?
Das beste daraus, wie immer.
Ich trinke soviel wie möglich, damit mein Magen nicht leer läuft, schaue, dass ich meinen Elektrolythaushalt im Gleichgewicht halte, sehe zu dass der Weg ins Bad in der heißen Phase meiner Q.K. nicht von irgendeinem belebten oder unbelebten Objekt verstellt wird und das Herausstellen eines Eimers gehört spätestens seit diesem Mal zu einer gewohnten Geste meiner lieben Mitmenschen, wenn sie denn den Lokus selber für eine Zeit belegen.
Natürlich macht mich mein "Leiden" im akuten Stadium körperlich fertig, aber ich fühle mich nicht "krank" und natürlich mache ich mir so meine Gedanken, woher diese wiederholt auftretende Symptomatik kommt.
Je länger ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir, dass mein Körper mir eine Botschaft übermittelt. Surprise, surprise!
Nicht, dass ich mein Leben ändern soll, jedenfalls nicht so theatralisch und extrem, wie das immer klingt. Aber doch vielleicht in die Richtung, dass er im wahrsten Sinne des Wortes etwas an den augenblicklichen Umständen zum Kotzen findet.
Stress?
Den versuche ich nach Möglichkeit eh zu vermeiden.Ich kenne mittlerweile mein Tempo und meine Belastbarkeit und richte mich danach. Außerdem ist es ein himmelweiter Unterschied, ob ich Stress habe, oder mich der Stress im Griff hat.
Irgendwelche verborgenen Frustrationen und Konflikte?
Hm, nö, kann ich nicht sagen, dass es da etwas gäbe. Jedenfalls nicht, seit ich mich dazu entschlossen habe, so etwas gleich aufs Tapet zu bringen und aus der Welt zu räumen. Das bringt mir zwar nicht immer Sympathien ein, aber ich brauche nicht die uneingeschränkte Liebe all meiner Mitmenschen. Klare Verhältnisse ziehe ich da vor.
Tja, bliebe noch die globale Gesamtsituation...
Öhm, okay, das ist ein Argument. Allerdings bin ich jetzt auch nicht der Mensch, der sich jeden Pillefitz zu Herzen nimmt. Eher schon der Pragmatiker...Außerdem müsste es da ja dann ein geradezu pandemieartiges Auftreten von Q.K. weltweit geben...ich bin ja wohl nicht der Einzige, dem aufgefallen sein dürfte, dass wir auf dem besten Wege in den Orkus sind, wenn nicht bald etwas geschieht.
Allerdings stelle ich mir gerade vor, dass es doch ganz treffend wäre, wenn man irgendeinen Würdenträger die beliebte Frage zur Lage der Nation stellte und er antwortete darauf hin: "Boooaaaahhhrrr..." ^^
Naja, jedenfalls muss es da ja irgendetwas geben, was mein Körper loswerden will. Ich muss nur noch herauskriegen, was das ist.
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Gedankensschnipsel,
Ich wieder
Dienstag, 16. März 2010
Ich glaub, mich streift ein Bus!
Wo ich eben noch über Eltern mit Stasi-Allüren gebloggt habe, durfte ich gerade, als ich an der Kasse bei uns im Kaufland (man erinnere sich, die "Twilight Zone") wartete, das andere Extrem in Sachen "Missachtung der Persönlichkeitsrechte des Kindes durch die Eltern" erleben.
Direkt vor mir an der Kasse stand eine Frau mit höchstens acht- oder neun-jährigem Sohn, in der Hand einen Gemüsekarton oder ähnliches, stabiles, in dem sie wohl ihre Einkäufe, die sich bereits auf dem Kassenband befanden, transportiert hatte. Ganz normal, die sprachen nicht mal miteinander. Dann war die "Dame" dran und während die Kassiererin die Waren über den Scanner zog, sagt die Mutter plötzlich was (was habe ich nicht verstanden), und haut ihrem Sohn im nächsten Augenblick mit dem Boden des Kartons so heftig gegen die Stirn, dass es wirklich laut knallte. Ich habe mich dermaßen erschreckt, ebenso die Kassierin, dass wir beide echt hochfuhren und wenigsten mein Herz kurz aussetzte.
Der Kleine trollte sich, leise schniefend (so habe ich noch kein Kind weinen sehen, als hätte er schiss, dadurch noch mehr Ärger zu bekommen) die Schlange nach hinten wieder in den Laden, wohin genau, kann ich nicht sagen, weil ich immer noch fassungslos die Alte anstarrte, dann rief die ihren Sohn aber doch wieder zurück, riss ihm irgendein Comic mit Gimmik, das ich vorher nicht bemerkt hatte, aus der Hand, knallt das der Verkäuferin vor die Nase
"Was kostet?"
Die Kassiererin guckt auf das Heft: "2,50!"
Die Olle überlegt kurz, nickt dann, aber als es dann über den Scanner war, nimmt sie es und wirft(!) es dann dem Kleinen vor die Füße.
Die ganze Aktion vom Schlag bis zu dem Zeitpunkt, wo das Comic auf dem Boden landete, hat nicht länger als ein, höchstens zwei Minuten gedauert.
Erst war ich erschrocken, dann war ich kurz sprachlos, starrte die Alte allerdings die ganze Zeit finster an, derweil sie dumm-dreist zurück grinste, aber als das Comic auf dem Boden landete, war ich wieder fit.
Ich habe diese doofe Kuh ziemlich laut gefragt, ob sie spinne, so mit ihrem Kind umzugehen.
Was von der Kackbratze zurück kam, war echt der Oberhammer: "Mein Geld, mein Kind!" Dabei grinste sie noch breiter.
Okay, ich habe dann noch ein wenig lauter erwidert, ob ich dann ihr auch mal den Karton auf den Kopf hauen soll.
Sie grinst weiter dämlich (und die hat mich verstanden!) und weg war sie. Und ich musste blöder weise ja noch bezahlen.
Die Kassiererin, die sich die ganze Zeit über intensivst mit meinen Einkäufen und ihrem Kassensystem beschäftigt hatte, tauchte wieder aus der Versenkung auf und gucke mich dermaßen verständnisvoll an, dass ich nicht mal auf sie sauer sein konnte, dass sie sich mental verpisst hatte.
Als ich zu ihr meinte, so was, wie von der Mutter ginge doch wohl gar nicht, erwiderte sie nur resigniert: "Ach, wissen sie, was ich hier den ganzen Tag zu sehen bekomme!"
Gut, wo sie recht hat...man kann ja nicht jeden retten, außerdem ist man als Angestellte in so einem Supermarkt auch immer in der Zwickmühle, weil der Kunde ist ja König, aber was war denn mit den andern Leuten an der Kasse?
Das Dingen war immer hin voll. Auch im Bereich dahinter, waren genug Leute, die den Vorfall gesehen haben müssen. (ich kann nicht genau sagen, ob davon wirklich einer unmittelbar hin geschaut hat, ich hatte ab dem Knall durch den Schlag 'nen Tunnelblick)
Da werden doch hoffentlich auch ein paar Leute dabei gewesen sein, die einen anderen Erziehungsstil pflegen.
Wieso war ich der einzige, der den Mund aufgemacht hat?
Ist es echt schon so normal, dass Kinder in der Öffentlichkeit von ihren Eltern auf eine solche Art behandelt werden?
Für mich nicht!
Ich meine, wenn Mutter und Sohn vorher schon gestritten hätten, dann wäre die Sache mit dem Karton und was darauf noch folgte, zwar immer noch ziemlich hart an der Grenze gewesen aber noch irgendwie erklärlich! Im Affekt eben! Was nicht heißt, dass ich das dann toll gefunden oder nichts gesagt hätte.
Aber da war nichts!
Kein Streit, keine Aggression, nichts.
Auch die Mutter machte weder bei dem Schlag noch bei dem Comic-Wurf einen besonders aggressiven Eindruck.
Das alles erschien so...völlig normal und alltäglich.
Ich glaube, das hat mich auch so tierisch aufgebracht. Diese nonchalante Art, wie diese Frau ihren Sohn, iich kann es nicht anders sagen, entmenschlicht hat. Und diese schon fast nach Resignation schreiende Art, wie der Kleine auf diese entwürdigende Behandlung reagierte.
Und da wundern sich die Leute, wieso Kinder aggressiv werden und andere Kinder halb tot prügeln?
Ey, wenn ich so behandelt würde, wie der Junge von seiner Mutter, dann wäre ich auch irgendwann ein emotionales Wrack, dass keine andere Möglichkeit mehr finden könnte, mir "Erleichterung" zu verschaffen, als anderen Gewalt anzutun.
Ich schreib das heute bereits zum zweiten mal und diesmal mit ganzem Herzen und vollster Überzeugung:
Wir brauchen einen Wesenstest für angehende Eltern!
Wer den nicht besteht, soll sich einen Stoffhund oder eine Puppe kaufen, aber mit Sicherheit keine Kinder in die Welt setzen!
Und ich verlange Nummernschilder für alle, die sich in der Öffentlichkeit aufhalten oder bewegen.
Hätte die Olle nämlich eins gehabt, hätte ich direkt gegenüber vom Kaufland zur Polizei gehen und die Pissnelke anzeigen können.
So war sie natürlich längst verschwunden, als ich durch die Kasse war.
Und bei der Beschreibung "Klein, dunkelhaarig, osteuropäischer(?) Akzent, dunkle Kleidung" hätte die Polizei mir 'nen Vogel gezeigt...
Ich könnte im Moment echt kotzen, dass ich der Frau nicht gleich den Karton aus der Hand gerissen habe, und ihr den so oft auf den Kopf gehauen habe, bis mich einer von ihr wieder runter geholt hätte.
Aber Gewalt ist eben keine Lösung,. Leider, wie ich in dem Fall zugeben muss...
Direkt vor mir an der Kasse stand eine Frau mit höchstens acht- oder neun-jährigem Sohn, in der Hand einen Gemüsekarton oder ähnliches, stabiles, in dem sie wohl ihre Einkäufe, die sich bereits auf dem Kassenband befanden, transportiert hatte. Ganz normal, die sprachen nicht mal miteinander. Dann war die "Dame" dran und während die Kassiererin die Waren über den Scanner zog, sagt die Mutter plötzlich was (was habe ich nicht verstanden), und haut ihrem Sohn im nächsten Augenblick mit dem Boden des Kartons so heftig gegen die Stirn, dass es wirklich laut knallte. Ich habe mich dermaßen erschreckt, ebenso die Kassierin, dass wir beide echt hochfuhren und wenigsten mein Herz kurz aussetzte.
Der Kleine trollte sich, leise schniefend (so habe ich noch kein Kind weinen sehen, als hätte er schiss, dadurch noch mehr Ärger zu bekommen) die Schlange nach hinten wieder in den Laden, wohin genau, kann ich nicht sagen, weil ich immer noch fassungslos die Alte anstarrte, dann rief die ihren Sohn aber doch wieder zurück, riss ihm irgendein Comic mit Gimmik, das ich vorher nicht bemerkt hatte, aus der Hand, knallt das der Verkäuferin vor die Nase
"Was kostet?"
Die Kassiererin guckt auf das Heft: "2,50!"
Die Olle überlegt kurz, nickt dann, aber als es dann über den Scanner war, nimmt sie es und wirft(!) es dann dem Kleinen vor die Füße.
Die ganze Aktion vom Schlag bis zu dem Zeitpunkt, wo das Comic auf dem Boden landete, hat nicht länger als ein, höchstens zwei Minuten gedauert.
Erst war ich erschrocken, dann war ich kurz sprachlos, starrte die Alte allerdings die ganze Zeit finster an, derweil sie dumm-dreist zurück grinste, aber als das Comic auf dem Boden landete, war ich wieder fit.
Ich habe diese doofe Kuh ziemlich laut gefragt, ob sie spinne, so mit ihrem Kind umzugehen.
Was von der Kackbratze zurück kam, war echt der Oberhammer: "Mein Geld, mein Kind!" Dabei grinste sie noch breiter.
Okay, ich habe dann noch ein wenig lauter erwidert, ob ich dann ihr auch mal den Karton auf den Kopf hauen soll.
Sie grinst weiter dämlich (und die hat mich verstanden!) und weg war sie. Und ich musste blöder weise ja noch bezahlen.
Die Kassiererin, die sich die ganze Zeit über intensivst mit meinen Einkäufen und ihrem Kassensystem beschäftigt hatte, tauchte wieder aus der Versenkung auf und gucke mich dermaßen verständnisvoll an, dass ich nicht mal auf sie sauer sein konnte, dass sie sich mental verpisst hatte.
Als ich zu ihr meinte, so was, wie von der Mutter ginge doch wohl gar nicht, erwiderte sie nur resigniert: "Ach, wissen sie, was ich hier den ganzen Tag zu sehen bekomme!"
Gut, wo sie recht hat...man kann ja nicht jeden retten, außerdem ist man als Angestellte in so einem Supermarkt auch immer in der Zwickmühle, weil der Kunde ist ja König, aber was war denn mit den andern Leuten an der Kasse?
Das Dingen war immer hin voll. Auch im Bereich dahinter, waren genug Leute, die den Vorfall gesehen haben müssen. (ich kann nicht genau sagen, ob davon wirklich einer unmittelbar hin geschaut hat, ich hatte ab dem Knall durch den Schlag 'nen Tunnelblick)
Da werden doch hoffentlich auch ein paar Leute dabei gewesen sein, die einen anderen Erziehungsstil pflegen.
Wieso war ich der einzige, der den Mund aufgemacht hat?
Ist es echt schon so normal, dass Kinder in der Öffentlichkeit von ihren Eltern auf eine solche Art behandelt werden?
Für mich nicht!
Ich meine, wenn Mutter und Sohn vorher schon gestritten hätten, dann wäre die Sache mit dem Karton und was darauf noch folgte, zwar immer noch ziemlich hart an der Grenze gewesen aber noch irgendwie erklärlich! Im Affekt eben! Was nicht heißt, dass ich das dann toll gefunden oder nichts gesagt hätte.
Aber da war nichts!
Kein Streit, keine Aggression, nichts.
Auch die Mutter machte weder bei dem Schlag noch bei dem Comic-Wurf einen besonders aggressiven Eindruck.
Das alles erschien so...völlig normal und alltäglich.
Ich glaube, das hat mich auch so tierisch aufgebracht. Diese nonchalante Art, wie diese Frau ihren Sohn, iich kann es nicht anders sagen, entmenschlicht hat. Und diese schon fast nach Resignation schreiende Art, wie der Kleine auf diese entwürdigende Behandlung reagierte.
Und da wundern sich die Leute, wieso Kinder aggressiv werden und andere Kinder halb tot prügeln?
Ey, wenn ich so behandelt würde, wie der Junge von seiner Mutter, dann wäre ich auch irgendwann ein emotionales Wrack, dass keine andere Möglichkeit mehr finden könnte, mir "Erleichterung" zu verschaffen, als anderen Gewalt anzutun.
Ich schreib das heute bereits zum zweiten mal und diesmal mit ganzem Herzen und vollster Überzeugung:
Wir brauchen einen Wesenstest für angehende Eltern!
Wer den nicht besteht, soll sich einen Stoffhund oder eine Puppe kaufen, aber mit Sicherheit keine Kinder in die Welt setzen!
Und ich verlange Nummernschilder für alle, die sich in der Öffentlichkeit aufhalten oder bewegen.
Hätte die Olle nämlich eins gehabt, hätte ich direkt gegenüber vom Kaufland zur Polizei gehen und die Pissnelke anzeigen können.
So war sie natürlich längst verschwunden, als ich durch die Kasse war.
Und bei der Beschreibung "Klein, dunkelhaarig, osteuropäischer(?) Akzent, dunkle Kleidung" hätte die Polizei mir 'nen Vogel gezeigt...
Ich könnte im Moment echt kotzen, dass ich der Frau nicht gleich den Karton aus der Hand gerissen habe, und ihr den so oft auf den Kopf gehauen habe, bis mich einer von ihr wieder runter geholt hätte.
Aber Gewalt ist eben keine Lösung,. Leider, wie ich in dem Fall zugeben muss...
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Menschliche Wirrungen
Montag, 22. Februar 2010
"Deutsch for Runaways" - Einleitung und Lektion 1 - Begriff "Toleranz"
Auch, wenn ich gemeinhin rede, wie ein Wasserfall, lege ich besonderen Wert auf das Sprachgefühl.
Obwohl ich im normalen Umgang nicht jedes Wort auf die Goldwaage lege, ist es mir wichtig Worte nach ihrer korrekten Bedeutung zu nutzen. Der Verfall der Deutschen Sprache liegt für mich eben nicht in der Benutzung nicht-deutscher Worte, sondern vielmehr an dem gedankenlosen Umgang mit der Sprache selbst. Das klingt jetzt wieder so hochgestochen und klugscheißend. Okay, in der Beziehung Sprachgebrauch stehe ich dazu, ein Korinthenkacker zu sein.
Das liegt zu einem nicht geringen Teil daran, dass ich Sprache, ihre Ausdruckskraft, ihren Symbolgehalt und Vielsichtigkeit wirklich liebe.
Sprache ist auch eine Art Magick, und so sorgfältig man dort arbeitet, so sorgsam sollte man auch Sprache nutzen.
Darum bekomme ich, zum Beispiel, jedesmal einen blutunterlaufenen Blick und Schaum vor dem Mund, wenn ich höre, wie jemand "wo" statt "als" als Konjunktion zur Einleitung einer adverbialen Bestimmung der Zeit (Temporaladverbial) nutzt.
Ein Satz wie "Weißt du noch, wo wir den Mann gesehen haben?" ergibt einen völlig anderen Sinn als "Weißt du noch, als wir den Mann gesehen haben!"
Im ersten Fall geht es um den Ort, im zweiten um den Zeitpunkt.
Argh, hört das denn keiner? Anscheinend nicht, denn das gut alte "als" kommt langsam aus der Mode. Immer häufiger hört man "Wo wir gegangen sind...", "Wo ich was gegessen habe...", "Wo ich xyz gemacht habe...", wenn eigentlich "als" gemeint ist.
Meine Güte, bemerkt denn keiner dieser Sprachartisten, dass man dem Satz dadurch eine völlig andere Bedeutung gibt?
Ich werde deshalb irgendwann noch zum Mörder! Jedenfalls kann ich mich irgendwann nicht mehr zusammenreißen und sehe mich schon aufspringen und den "Wo-Fetischisten" anbrüllen "Als...als...ALS...AAAAALLLLLSSSSSSSSSS!"
Dabei schlafe ich weder auf einem Wörterbuch, noch einer Deutsch-Grammatik.
Ehrlich gesagt, wenn ich mit Leuten im normalen privaten Umfeld rede, nutze ich noch die rudimentären Anteile des Rheinischen Platt, die mir verblieben sind (und höre mich manchmal ein wenig an, wie meine Tante Anna, die älteste Schwester meines Vaters, die nur Düsseldorfer Platt ( mit einem Anteil Ripuarisch, weil minge Omma kam us Aischwiile) und davon das sehr "spezielle" Oberbilker Platt jesproche hätt, da verstündste koom wat von, wennde det net mit der Muttermilsch einjesoojen hääst. Very dirty, wenn ihr versteht, was ich meine. *g* ) und verschleife auch gerne Worte ("haste" statt "hast du", "hamma" statt "haben wir", "komma" statt "komm einmal (bitte) her", "dat" statt "das" etc.). Ich "singe" auch, das heisst, ich senke meine Stimme nicht zum Satzende, sonderen hebe sie und ziehe die letzte Silbe lang. Gehört eben zum Dialekt und Lokalkolorit. Auch eine Art Patriotismus.*g*
Sprache ist ja mehr als bloße Übermittlung von Information, sondern auch etwas, dass Charakter haben soll.
Das heisst ja weder, dass ich nicht auch Hochdeutsch sprechen könnte, auch wenn gewisse Eigenheiten trotzdem verbleiben, noch, dass ich jegliche Grammatik und Wortbedeutung außer Acht lasse.
Was mich eben nervt, ist die Gedankenlosigkeit, mit der manche Leute ihre Sprache benutzen.
Ich finde es eminent wichtig, dass man Worte eben nicht verwendet, weil sie von anderen in ähnlichem Zusammenhang auch angewendet werden, sondern sich selbst Gedanken macht, ob man auch wirklich meint, was das Wort nun aussagt.
Wie gesagt, man transportiert mit Worten ja nicht nur Inhalte, sondern unterstreicht und betont diese auch durch möglichst passende Vokabeln.
Ich muss in diesem Zusammenhang noch einmal auf mein "Lieblingswort" Toleranz zurückkommen.
Jeder benutzt dieses Wort, gerade schon inflationär, aber ich werde das Gefühl nicht los, dass sich kaum einer damit einmal gedanklich auseinandergesetzt hat. Abgesehen davon, dass es sich hierbei lediglich um ein ideele "Krücke" handelt, um bei unterschiedlichsten religiösen Belangen Dispute und kriegerischen Auseinandersetzungen (Dreißigjähriger Krieg, um nur mal die längste europaweite zu erwähnen) bei zu legen bzw. zu vermeiden, sollte man nicht nur wissen, was es bedeutet, sondern auch überlegen, ob man, wenn man es schon gebraucht, auch wirklich meint, was es aussagt, jenseits der bloßen, gemeinhin als gültig angenommenen Bedeutung.
Ich will hier nicht großartig rumphilosophieren, aber mal abgesehen davon, dass, für mein Gefühl, das "erdulden", aber auch "Duldsamkeit", so einen negativen Beigeschmack hat, muss man sich vor Augen führen, dass man, wenn man sagt, man toleriert etwas, damit im Grunde bloß ausdrückt, dass man etwas duldet. Von daher ist Toleranz ein klasse Wort. Kann man wunderbar verwenden, wenn man damit meint, ich mag dich nicht, ich würde dir am liebsten auch den Schädel einschlagen, aber ich lass dich mal am Leben, so lange du dich nicht rührst.
In einem Rudel Wölfe herrscht auch Toleranz, solange jeder auf seinem Platz, Rang, verbleibt, aber wehe, wenn ein niederrangiges Tier sich beim Fressen vordrängt, weil es so großen Hunger hat oder sich zum Schlafen an Alpha oder Beta kuschelt, weil es so kalt ist.
Klarer wird die Wortbedeutung noch, wenn man mal in dem Wiki-Beitrag "Toleranz (Technik)" schaut. Dort findet man folgende Erklärung:
Was ich damit sagen möchte, ist, Toleranz hat nichts mit Gleichwertigkeit zu tun. Es bedeutet vielmehr eine Abwertung des zu Tolerierenden. Dies setzt aber zumindest bei dem Toleranz Gewährenden ein gewisses Maß an hierarchischem Denken voraus. Er oder seine Gruppe steht an der Spitze einer Pyramide und die, welchen Toleranz entgegen gebracht wird, gruppieren sich (weit? wie weit?) darunter.
Selbst, wenn man statt "Dulden" "Nachsicht" als Synonym für "Toleranz" her nimmt, ändert sich nichts an diesem Ergebnis, da man nur nachsichtig gegenüber jemandem sein kann, der sich subjektiv gesehen, "daneben benimmt", also ein Fehlverhalten an den Tag legt. Bei uns gibt es für den Fall eine Redewendung: "Ich sag' ja nichts, aber der Herrgott hört mich knurren!" Das sagt nichts anderes aus, als dass ich etwas nicht gut finde, aber ich gebe es eben nicht offen zu.
Wer's nicht glaubt, kann ja einmal die Probe auf's Exempel machen und jedesmal, wenn er eigentlich "tolerieren" sagen möchte, es gegen "dulden" oder "Nachsicht üben" ersetzt. Wenn der Sinngehalt des Satzes dann immer noch aussagt, was man eigentlich meint, gut.
Wenn man dann aber das Gefühl hat, der Satz hört sich irgendwie komisch, doch so unverschämt und abwertend, an, dann sollte man lieber nach einer anderen Vokabel suchen, die besser ausdrückt, was man eigentlich sagen möchte.
Die meisten Menschen, so meine Beobachtung, sagen nämlich "Toleranz" und meinen "Ich nehme dich so, wie du bist!". Das sagt das Wort aber eben nicht aus. Was sie meinen, ist Akzeptanz, das Anerkennen eines anderen Menschen oder einer anderen Meinung als gleichwertig oder vielleicht auch Achtung, im Sinne von respektieren.
Abgesehen davon, für mein Sprachgefühl, hat Toleranz auch immer etwas mit Gleichgültigkeit, Passivität, sich nicht auseinandersetzen (wollen) zu tun, wogegen Akzeptanz voraussetzt, dass ich mich mit dem Gegenstand oder der Person aktiv auseinandersetzten muss.
Mag ja ziemlich arrogant klingen, aber ich denke, Leute die (bloß) tolerieren, sind zu faul, sich mit einer Thematik eingehend zu befassen. Dann könnte man nämlich ziemlich genau definieren, was man an anderen Auffassungen oder Personen anerkennt, was man (noch) dulden kann und was man rigoros ablehnt.
Gibt jedoch Menschen, die per se alles tolerieren, aus der allumfassenden Toleranz eine Art Kult zelebrieren und schon die leiseste Kritik als Angriff auf die Menschenrechte werten. Sie sehen dieses Verhalten als altruistisch und philanthropisch. Abgesehen davon, dass ich es eben für sehr fraglich halte, ob sie wirklich wissen, was Toleranz sprachlich alles beinhaltet, nenne ich das vielmehr gleichgültig und verantwortungslos. Wenn ich alles dulde, dann drücke ich mich nämlich auch davor, Entscheidungen treffen zu müssen, hinsichtlich einer persönlichen Positionierung gegenüber, oder auch im Konsens mit, meiner Umwelt. Anstatt aktiv am Leben teilzuhaben, sitzt man quasi teilnahmslos in der Welt und lässt, passiv, geschehen, nimmt sich selbst aber gleichzeitig die Möglichkeit, etwas von außen anzunehmen.
(Interessanterweise reicht die Duldsamkeit der Toleranz-Kultisten allerdings nie so weit, dass sie auch tolerieren könnten, wenn man bezüglich der angemessenen Anwendung von Toleranz anderer Auffassung ist. Da schlagen sie eben sehr schnell mit der Keule "Intoleranz" zu. Von daher bewegt sich ihr Verhalten da schon innerhalb der Parameter, welche laut Herkunft, Bedeutung und Sprachgefühl das Wortes "Toleranz" tatsächlich definieren.)
Als kleine Gedankenstütze hilft:
Obwohl ich im normalen Umgang nicht jedes Wort auf die Goldwaage lege, ist es mir wichtig Worte nach ihrer korrekten Bedeutung zu nutzen. Der Verfall der Deutschen Sprache liegt für mich eben nicht in der Benutzung nicht-deutscher Worte, sondern vielmehr an dem gedankenlosen Umgang mit der Sprache selbst. Das klingt jetzt wieder so hochgestochen und klugscheißend. Okay, in der Beziehung Sprachgebrauch stehe ich dazu, ein Korinthenkacker zu sein.
Das liegt zu einem nicht geringen Teil daran, dass ich Sprache, ihre Ausdruckskraft, ihren Symbolgehalt und Vielsichtigkeit wirklich liebe.
Sprache ist auch eine Art Magick, und so sorgfältig man dort arbeitet, so sorgsam sollte man auch Sprache nutzen.
Darum bekomme ich, zum Beispiel, jedesmal einen blutunterlaufenen Blick und Schaum vor dem Mund, wenn ich höre, wie jemand "wo" statt "als" als Konjunktion zur Einleitung einer adverbialen Bestimmung der Zeit (Temporaladverbial) nutzt.
Ein Satz wie "Weißt du noch, wo wir den Mann gesehen haben?" ergibt einen völlig anderen Sinn als "Weißt du noch, als wir den Mann gesehen haben!"
Im ersten Fall geht es um den Ort, im zweiten um den Zeitpunkt.
Argh, hört das denn keiner? Anscheinend nicht, denn das gut alte "als" kommt langsam aus der Mode. Immer häufiger hört man "Wo wir gegangen sind...", "Wo ich was gegessen habe...", "Wo ich xyz gemacht habe...", wenn eigentlich "als" gemeint ist.
Meine Güte, bemerkt denn keiner dieser Sprachartisten, dass man dem Satz dadurch eine völlig andere Bedeutung gibt?
Ich werde deshalb irgendwann noch zum Mörder! Jedenfalls kann ich mich irgendwann nicht mehr zusammenreißen und sehe mich schon aufspringen und den "Wo-Fetischisten" anbrüllen "Als...als...ALS...AAAAALLLLLSSSSSSSSSS!"
Dabei schlafe ich weder auf einem Wörterbuch, noch einer Deutsch-Grammatik.
Ehrlich gesagt, wenn ich mit Leuten im normalen privaten Umfeld rede, nutze ich noch die rudimentären Anteile des Rheinischen Platt, die mir verblieben sind (und höre mich manchmal ein wenig an, wie meine Tante Anna, die älteste Schwester meines Vaters, die nur Düsseldorfer Platt ( mit einem Anteil Ripuarisch, weil minge Omma kam us Aischwiile) und davon das sehr "spezielle" Oberbilker Platt jesproche hätt, da verstündste koom wat von, wennde det net mit der Muttermilsch einjesoojen hääst. Very dirty, wenn ihr versteht, was ich meine. *g* ) und verschleife auch gerne Worte ("haste" statt "hast du", "hamma" statt "haben wir", "komma" statt "komm einmal (bitte) her", "dat" statt "das" etc.). Ich "singe" auch, das heisst, ich senke meine Stimme nicht zum Satzende, sonderen hebe sie und ziehe die letzte Silbe lang. Gehört eben zum Dialekt und Lokalkolorit. Auch eine Art Patriotismus.*g*
Sprache ist ja mehr als bloße Übermittlung von Information, sondern auch etwas, dass Charakter haben soll.
Das heisst ja weder, dass ich nicht auch Hochdeutsch sprechen könnte, auch wenn gewisse Eigenheiten trotzdem verbleiben, noch, dass ich jegliche Grammatik und Wortbedeutung außer Acht lasse.
Was mich eben nervt, ist die Gedankenlosigkeit, mit der manche Leute ihre Sprache benutzen.
Ich finde es eminent wichtig, dass man Worte eben nicht verwendet, weil sie von anderen in ähnlichem Zusammenhang auch angewendet werden, sondern sich selbst Gedanken macht, ob man auch wirklich meint, was das Wort nun aussagt.
Wie gesagt, man transportiert mit Worten ja nicht nur Inhalte, sondern unterstreicht und betont diese auch durch möglichst passende Vokabeln.
Ich muss in diesem Zusammenhang noch einmal auf mein "Lieblingswort" Toleranz zurückkommen.
Jeder benutzt dieses Wort, gerade schon inflationär, aber ich werde das Gefühl nicht los, dass sich kaum einer damit einmal gedanklich auseinandergesetzt hat. Abgesehen davon, dass es sich hierbei lediglich um ein ideele "Krücke" handelt, um bei unterschiedlichsten religiösen Belangen Dispute und kriegerischen Auseinandersetzungen (Dreißigjähriger Krieg, um nur mal die längste europaweite zu erwähnen) bei zu legen bzw. zu vermeiden, sollte man nicht nur wissen, was es bedeutet, sondern auch überlegen, ob man, wenn man es schon gebraucht, auch wirklich meint, was es aussagt, jenseits der bloßen, gemeinhin als gültig angenommenen Bedeutung.
"Das zugrundeliegende Verb tolerieren wurde im 16. Jahrhundert aus dem lateinischen tolerare („erdulden“) entlehnt. Das Adjektiv tolerant in der Bedeutung „duldsam, nachsichtig, großzügig, weitherzig“ ist seit dem 18. Jahrhundert belegt. Ebenso die Gegenbildung intolerant, als „unduldsam, keine andere Meinung oder Weltanschauung gelten lassend als die eigene“. Der Gegenbegriff zu Toleranz ist die Intoleranz, in der Bedeutung „Unduldsamkeit“ im 18. Jahrhundert aus dem französischen intolérance entlehnt."
Quelle: Wikipedia-Artikel "Toleranz"
Ich will hier nicht großartig rumphilosophieren, aber mal abgesehen davon, dass, für mein Gefühl, das "erdulden", aber auch "Duldsamkeit", so einen negativen Beigeschmack hat, muss man sich vor Augen führen, dass man, wenn man sagt, man toleriert etwas, damit im Grunde bloß ausdrückt, dass man etwas duldet. Von daher ist Toleranz ein klasse Wort. Kann man wunderbar verwenden, wenn man damit meint, ich mag dich nicht, ich würde dir am liebsten auch den Schädel einschlagen, aber ich lass dich mal am Leben, so lange du dich nicht rührst.
In einem Rudel Wölfe herrscht auch Toleranz, solange jeder auf seinem Platz, Rang, verbleibt, aber wehe, wenn ein niederrangiges Tier sich beim Fressen vordrängt, weil es so großen Hunger hat oder sich zum Schlafen an Alpha oder Beta kuschelt, weil es so kalt ist.
Klarer wird die Wortbedeutung noch, wenn man mal in dem Wiki-Beitrag "Toleranz (Technik)" schaut. Dort findet man folgende Erklärung:
"Die Toleranz bezeichnet den Zustand eines Systems, in dem eine von einer störenden Einwirkung verursachte Abweichung vom Normalzustand (noch) keine Gegenregulierung oder Gegenmaßnahme notwendig macht oder zur Folge hat. Im engeren Sinn ist Toleranz das Ausmaß der Abweichung einer Größe vom Normzustand oder Normmaß, das die Funktion eines Systems eben noch nicht gefährdet."
Was ich damit sagen möchte, ist, Toleranz hat nichts mit Gleichwertigkeit zu tun. Es bedeutet vielmehr eine Abwertung des zu Tolerierenden. Dies setzt aber zumindest bei dem Toleranz Gewährenden ein gewisses Maß an hierarchischem Denken voraus. Er oder seine Gruppe steht an der Spitze einer Pyramide und die, welchen Toleranz entgegen gebracht wird, gruppieren sich (weit? wie weit?) darunter.
Selbst, wenn man statt "Dulden" "Nachsicht" als Synonym für "Toleranz" her nimmt, ändert sich nichts an diesem Ergebnis, da man nur nachsichtig gegenüber jemandem sein kann, der sich subjektiv gesehen, "daneben benimmt", also ein Fehlverhalten an den Tag legt. Bei uns gibt es für den Fall eine Redewendung: "Ich sag' ja nichts, aber der Herrgott hört mich knurren!" Das sagt nichts anderes aus, als dass ich etwas nicht gut finde, aber ich gebe es eben nicht offen zu.
Wer's nicht glaubt, kann ja einmal die Probe auf's Exempel machen und jedesmal, wenn er eigentlich "tolerieren" sagen möchte, es gegen "dulden" oder "Nachsicht üben" ersetzt. Wenn der Sinngehalt des Satzes dann immer noch aussagt, was man eigentlich meint, gut.
Wenn man dann aber das Gefühl hat, der Satz hört sich irgendwie komisch, doch so unverschämt und abwertend, an, dann sollte man lieber nach einer anderen Vokabel suchen, die besser ausdrückt, was man eigentlich sagen möchte.
Die meisten Menschen, so meine Beobachtung, sagen nämlich "Toleranz" und meinen "Ich nehme dich so, wie du bist!". Das sagt das Wort aber eben nicht aus. Was sie meinen, ist Akzeptanz, das Anerkennen eines anderen Menschen oder einer anderen Meinung als gleichwertig oder vielleicht auch Achtung, im Sinne von respektieren.
Abgesehen davon, für mein Sprachgefühl, hat Toleranz auch immer etwas mit Gleichgültigkeit, Passivität, sich nicht auseinandersetzen (wollen) zu tun, wogegen Akzeptanz voraussetzt, dass ich mich mit dem Gegenstand oder der Person aktiv auseinandersetzten muss.
Mag ja ziemlich arrogant klingen, aber ich denke, Leute die (bloß) tolerieren, sind zu faul, sich mit einer Thematik eingehend zu befassen. Dann könnte man nämlich ziemlich genau definieren, was man an anderen Auffassungen oder Personen anerkennt, was man (noch) dulden kann und was man rigoros ablehnt.
Gibt jedoch Menschen, die per se alles tolerieren, aus der allumfassenden Toleranz eine Art Kult zelebrieren und schon die leiseste Kritik als Angriff auf die Menschenrechte werten. Sie sehen dieses Verhalten als altruistisch und philanthropisch. Abgesehen davon, dass ich es eben für sehr fraglich halte, ob sie wirklich wissen, was Toleranz sprachlich alles beinhaltet, nenne ich das vielmehr gleichgültig und verantwortungslos. Wenn ich alles dulde, dann drücke ich mich nämlich auch davor, Entscheidungen treffen zu müssen, hinsichtlich einer persönlichen Positionierung gegenüber, oder auch im Konsens mit, meiner Umwelt. Anstatt aktiv am Leben teilzuhaben, sitzt man quasi teilnahmslos in der Welt und lässt, passiv, geschehen, nimmt sich selbst aber gleichzeitig die Möglichkeit, etwas von außen anzunehmen.
(Interessanterweise reicht die Duldsamkeit der Toleranz-Kultisten allerdings nie so weit, dass sie auch tolerieren könnten, wenn man bezüglich der angemessenen Anwendung von Toleranz anderer Auffassung ist. Da schlagen sie eben sehr schnell mit der Keule "Intoleranz" zu. Von daher bewegt sich ihr Verhalten da schon innerhalb der Parameter, welche laut Herkunft, Bedeutung und Sprachgefühl das Wortes "Toleranz" tatsächlich definieren.)
Als kleine Gedankenstütze hilft:
- Toleranz (Dulden) - von oben herab, hierarchisch, abgrenzend, passiv
- Akzeptanz (Anerkennen) - nebeneinander, gleichwertig, offen, aktiv
"Toleranz ist Liebe, belastet mit der Krankheit des Hochmuts."Khalil Gibran
"Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein: sie muß zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen."Johann Wolfgang von Goethe
Anmerkung:
Eigentlich wollte ich hier nur kurz anhand von wenigen Beispielen erläutern, wieso Wissen um die korrekte Bedeutung eines Wortes, wie auch um dessen ursprüngliche Herkunft und Ableitung, Berücksichtigung des Sprachgefühl und generell Sorgfalt im Gebrauch der Sprache so wichtig ist, besonders auch in Hinblick darauf, was man eben verbal transportieren möchte.
Ich denke einfach, dass 90% aller zwischenmenschlicher Missverständnisse darauf beruhen, dass man zwar die gleiche Muttersprache spricht, das aber nicht zwangsläufig bedeuten muss, dass man auch dieselbe Sprache spricht. Manchmal hat das mit Gedankenlosigkeit zu tun, manchmal auch mit Unkenntnis.
Leider musste ich zu meiner Schande feststellen, dass allein die Abhandlung des Wortes "Toleranz" hier fast die Grenzen des Beitrags gesprengt hat, die man als noch vertretbar ansehen kann.
Da aber, nach meinen Beobachtungen, noch viele Worte im Umlauf sind, welche teilweise sinnentfremdet Anwendung finden, führe ich einfach eine neue Kategorie ein, "Deutsch for Runaways" - quasi "Die Krähe kackt ihre Korinthen über die deutsche Sprache und deren "Missbrauch"" *g*
Dort greife ich in meiner bekannten wie berüchtigten Weitschweifigkeit immer mal wieder ein oder zwei Worte auf, deren Gebrauch mir besonders negativ aufgefallen sind. So ein, zwei habe ich da eh noch in petto, die ich hier heute nicht mehr anbringen wollte/konnte/durfte.
Ich quäle euch also weiter mit meinen Klugscheißereien in Sachen deutsche Sprache. Freut euch drauf. *fg*
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