"Bildung ist wichtig, vor allem wenn es gilt, Vorurteile abzubauen.
Wenn man schon ein Gefangener seines eigenen Geistes ist, kann man wenigstens dafür sorgen, daß die Zelle anständig möbliert ist.
"
Peter Ustinov
„Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.“

Benjamin Franklin


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Dienstag, 28. Dezember 2010

Der Mythos "unpolitisch" - Der K(r)ampf mit der Distanzierung

Inspiriert von dem gleichnamigen Beitrag auch NPD-BLOG.INFO, in dem es darum geht, dass "Kamerad" Marcus Winter mal wieder einen Event geplant hat, möchte ich einmal kurz meine Gedanken zu dem Thema "Distanzierung" in Worte fassen.

Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber wenn mir jemand im Verlauf einer Konversation mit dem Spruch vom "unpolitisch" kommt, dann werde ich immer hellhörig. Klar, Ausssagen, Ansichten, Religionen, Musik, Kunst im allgemeinen, können durchaus unpolitisch sein, in dem Sinne, dass man bewusst keine politische Botschaft damit transportieren möchte.

(Natürlich spielt auch immer die politische Einstellung des Urhebers mit hinein, auch wenn er sich dessen nicht bewusst ist, weil es eben Teil seines Wertekanons darstellt, bzw. gilt dasselbe für den Konsumenten, der eben als subjektiver Betrachter, Zuhörer etc., die Deutungshoheit inne hat. Auch Menschen, die sich überhaupt nicht für Politik interessieren (soll es ja geben) verfügen trotzdem über eine durchaus politisch zu interpretierende Meinung. ) 

Dann bedarf es aber meiner Meinung nach nicht noch dieses expliziten Hinweises.

Ich habe durchaus auch Ansichten, die nicht der gängigen Auffassung von Political Correctness entsprechen. Ich lasse mir eben nicht gerne vorschreiben, was ich sagen oder gar denken darf und unterwerfe mich nicht irgendeiner, wie auch immer gearteten, Öffentlichen Meinung.

Auch ich sortiere nicht wirklich streng Musik nach "mit gutem Gewissen hörbar" und "uh,uh, böse Nazimucke". Es gibt da Stücke, die gefallen mir aufgrund des Arrangements oder auch der Texte, obwohl deren Urheber durchaus rechts eingestuft werden können. Gute Musik bleibt trotzdem für mich gute Musik.
Ich habe z.B. auch die Schriften Evolas gelesen und kann über seine Theorie sachlich diskutieren. Einige seiner Aussage finde ich zumindest nicht verkehrt. Trotzdem trennen mich und ihn, was Wertvorstellungen und politische Einstellung betrifft, Welten!
Theosophie finde ich interessant, auch wenn ich weiß, dass sie sehr schnell in Ariosophie umschlagen kann.
Was Nietzsche in seinem "Ecce Homo" über die Emanzipation schreibt,  kann ich, als Frau, nur aus vollstem Herzen bejahen, auch wenn ich damit riskiere, von "emanzipierten" Frauen geteert, gefedert und nachher gesteinigt und verbrannt zu werden. Ganz besonders von einigen "Heidinnen"...
Ich hasse das Binnen-I...

Zu alldem bedarf es von mir keinerlei Distanzierung. Das ist einfach so. Wie gesagt, die Interpretation der Inhalte liegt ja bei mir und wer sich die Mühe macht, meine Ansichten und mein Handeln in ihrer Gesamtheit zu betrachten, wird schnell merken, wie ich ticke.

Ich vertrete mittlerweile die Meinung, je mehr man sich distanziert, desto verdächtiger macht man sich.
Die Frage, die man sich stellen sollte, muss doch lauten: Wie "unverfänglich" ist die dargestellte Auffassung denn wirklich gemeint, wenn direkt im nächsten Augenblick gleich eine Abgrenzung zu ähnlichen, jedoch  "fragwürdigem" Inhalten getätigt wird?
Welche Leiche im Keller soll denn da verborgen bleiben?

Ich kann ja nichts für das Kopfkino meiner Mitmenschen, allerdings sagen mir gewisse gedanklichen Verknüpfungen meist mehr über deren Innenleben, als mir lieb ist.

Wer in einen "heidnischen" Menschen einen "Satanisten" sehen will, der wird einen sehen.
Wer jeden Christen oder Muslim als Feind der Freiheit einstufen will, wird fündig werden.
Wer in seinem Gegenüber einen Spinner sehen will, wird ihn vor sich haben und wer einen Asatru oder auch Okkultisten als einen "ewig gestrigen Nazi" abtuen möchte, wird so lange wühlen, bis er die Beweise gefunden hat.

Das darf aber nicht dazu führen, dass man sich rechtfertigt, bevor man überhaupt angeklagt wird.
Und selbst dann finde ich es noch besser, ruhigen Gewissens (soweit vorhanden) auf den Vorwurf mit einem Achselzucken und einem "Du hast Recht und ich hab' meine Ruhe!" zu antworten, als stunden- oder seitenlang an einer Plädoyer zu seiner Verteidigung zu feilen, und auf Absolution zu hoffen, obwohl offensichtlich ist, dass die Beschuldigung an den Haaren herbeigezogen wurde oder einfach auf pure Ignoranz zurückzuführen ist  ...wie arm ist das denn?


Und zu guter Letzt auch ein paar Worte an die politisch korrekte Gegenseite:
Wer ständig, wegen jedem Mist "Wölfe, Wölfe!" schreit, der muss sich nicht mehr wundern, wenn niemand mehr auf ihn hört, wenn dann tatsächlich einmal Wölfe auftauchen.
Ganz davon zu schweigen, dass diese "Wölfe" dann gerne übersehen werden, weil man zu sehr damit beschäftigt ist, jedem zahmem "Haushund" bösartige Absichten zu unterstellen

Montag, 19. Juli 2010

Wichtig! "Fest der Völker" der Nazis verhindern!

An dieser Stelle möchte ich an die Leser meines Blogs eine Webmail weiterleiten, die uns vom Paganrealm am Freitag erreichte:

10./11.September 2010
Pößneck/Thüringen
So genanntes "Fest der Völker" der Nazis verhindern!
( http://heidentum-ist-kein-faschismus.jimdo.com )

Liebe Freunde,
liebe Anhänger naturspiritueller Religionen,

im Rahmen unserer Kampagne "Heidentum ist kein Faschismus" versende ich heute E-Mail mit dem Aufruf am 10. bzw. 11. September 2010 gegen Nazis aktiv zu werden. Manche kennen den Sachverhalt bereits aus diversen heidnischen Foren oder sozialen Netzwerken im Internet. Andere haben wir noch nicht erreicht. Deshalb soll eine Rundmail - die gern auch weitergeleitet werden darf - die Online-Mobilisierung ergänzen!

Die Notwendigkeit auch als heidnische Menschen ein Mindestmaß an Engagement gegen Rechts an den Tag zu legen, bedarf im Grunde keiner weiteren Diskussion. Bundesweit wachsen die Naziaktivitäten mit Bezug auf Heidentum an. Nachdem dies bereits in den 1980ern und Anfang der 1990er der Fall war, dann jedoch der Trend umkehrte, erlebt das "rechte Heidentum" heute erneut seine Renaissance.

Im Naturpark Südheide (Niedersachsen), im Ostharz (Sachsen-Anhalt/Thüringen) und im Vogtland (Sachsen) - um nur die Hochburgen zu nennen - kamen im Sommer 2010 jeweils bis zu 300 Teilnehmer zu den Sonnwendfeiern der Nazis. Ständig kommen bundesweit neue Orte und noch viel mehr neue Anhänger der braunen Brauchtumspflege hinzu. Wie zuletzt im Landkreis Hof (Bayern), wo die Nazis erst kürzlich einen Gasthof erwarben und bereits mit einigen Dutzend Nazis die Sommersonnwende feierten. Die Drahtzieher finden sich meist in Jürgen Riegers Artgemeinschaft. Auch nach dem Ableben des Hamburger Rechtsanwalts und Finanzier der NPD, spielt die 1951 gegründete Artgemeinschaft eine nicht zu unterschätzende Rolle. Ganz ähnlich wie einst im Thule Orden, aus dem sowohl die SA als auch die NSDAP hervorgegangen waren, befinden sich die Hardliner der Freien Kameradschaften und Kader der NPD in diesem völkisch-rassistischem Verein. Hinzu gesellen sich eine Reihe weiterer "neuheidnischer" Gruppierungen. Die Grundlage ihrer Propaganda ist eine eigene, frei erfundene Version des Heidentum.

"Die Artgemeinschaft ist kein ‘Schönwetterverein’..." sagte Rieger vor wenigen Jahren und meinte weiter: "Die Artgemeinschaft ist gezwungen worden, ein Kampfverband zu sein, der um die Möglichkeiten einer artgemäßen Lebensführung kämpfen muss".

Michael Kühnen schrieb 1992 in den "Staatsbriefen" einen Grundsatzartikel über die „Grundlagen des Heidentums“ und wollte „das Heidentum bewusst als Religion erneuern“.

Aber auch viel weniger gewalttätig zeigt sich das Gesicht des "rechten Heidentum". In Büchern und Liedern kommt es daher, beinahe unbemerkt und weit verbreitet in der Heidenszene im weiteren Sinne. Besonders "Menschen auf der Suche" sind gefährdet auf die falschen Leuten hereinzufallen. Skurrile Ansichten wie "Frauen an den Herd" oder die "Blut und Boden" Ideologie halten so Einzug in die Definition des Neuheidentum.

Trotz einiger Kampagnen und der klaren Abgrenzung von Nazis in vielen Foren und Gruppen, bleibt die Heidenszene von außen betrachtet nach wie vor nach rechts offen. Obwohl "wahre Heiden" den Nazis zahlenmäßig überlegen sind, hält die Rechte die Deutungshoheit inne. Dass noch immer naturspirituelle Menschen mit Nazis in den gleichen Topf geworfen werden, liegt nicht nur an den Nazis oder den Leuten die uns eine inhaltliche Nähe zu Nazis vorwerfen. Es liegt auch an den Anhängern von Asatru, Celtoi, Wicca und co. selbst! Gerade wir tragen die Verantwortung dafür, dass sich Nazis des Heidentum bemächtigen können!

Am 10. bzw. 11.September haben wir die Gelegenheit mit Vorurteilen aufzuräumen und naturspirituelle Religionen positiv zu besetzen (Aufruf auf unserer Webseite):

Auch 2010 planen die Nazis ihr so genanntes "Fest der Völker" im thüringischen Pößneck durchzuführen. Die Kampagne "Heidentum ist kein Faschismus" beteiligt sich am Bürgerbündnis und organisiert eigene Gegena(tra)ktivitäten!

Mit kulturellen und aufklärenden Veranstaltungen, wenden wir uns an die Heidenei ebenso wie an alle Nicht-Heiden. Für jeden Geschmack dürfte etwas dabei sein. Damit wollen wir dazu beitragen Vorurteile abzubauen bzw. naturspirituelle Religionen positiv zu besetzen. Aber wir wollen auch erreichen, dass sich Heiden etwas stärker gegen Rechts engagieren!

- Geplant ist die Aufführung der Dokumentation "roots germania" von Mo Asumag im Vorfeld des FdV.

- Am Tag vor dem Nazifest (Freitag, 10.September) wird von Wicca ein "Kreis der Harmonie" auf dem Marktplatz in Pößneck gezogen. Damit möchten wir "ein gutes Gefühl" verbreiten um die Stadt und ihre Menschen zu "schützen". Alle sollen einen friedlichen Tag erleben und sich nicht provozieren lassen.
Zur Verstärkung des Effekts sollen zeitgleich auch andernorts entsprechende Zeremonien stattfinden, um ein Angebot für alle zu schaffen, die nicht nach Pößneck kommen können. Wer sich dafür interessiert oder auch selbst etwas organisieren möchte, bitte melden!

- Im Anschluss daran gibt es ein Konzert mit den Singvøgeln aus Franken! Folkiger Pagan Rock/Pop mit deutschen Texten, einer gehörigen Portion Gesellschaftskritik und der klaren Absage an Nazis, versprechen einen geselligen Abend mit ernstem Hintergrund.

- Und schließlich sind alle aufgerufen am Samstag den 11.September an der bürgerlichen Demonstration und den Blockaden teilzunehmen!

Wir meinen mit diesem Programm Angebote geschaffen zu haben, an denen sich jeder beteiligen kann. Und wir steigern den Aktionsgrad von Veranstaltung zu Veranstaltung. Jeder kann frei entscheiden wann es zu viel wird. Auf diese Weise werden wir den Diskussionen in der Heidenszene gerecht, in denen bisweilen nichts von "Anti"-Veranstaltungen gehalten wird. Um erfolgreich zu sein und unsere naturspirituellen Religionen nicht erneut an die Nazis zu verschenken, brauchen wir auch die Asatru, Celtoi und Wicca, die sich bislang lieber herausgehalten haben!

Helft uns diese Angelegenheit zu verbreiten! Leitet diese E-Mail weiter und postet den Text ggf. in Foren! Verlinkt Eure Webseiten auf unsere Kampagnenseite! Später soll es auch gedruckte Flugblätter geben, die wir Euch zur weiteren Verbreitung gern zusenden! Und kommt am 10.09. schließlich selbst zu uns!

Für Fragen und Anregungen stehe ich selbstverständlich zur Verfügung!

Ihr benötigt Schlafplätze? Einfach anfragen!

Herzliche Grüße, Marco für H.i.k.F.


Weiterführende Links zum FdV 2010:
http://www.poessneck-nazifrei.de
http://keinfdvinpn.blogspot.com
http://heidentum-ist-kein-faschismus.jimdo.com/aktuell/fdv-2010




Bei der Aktion von "Heidentum ist kein Faschismus" handelt es sich nicht um eine herkömmliche "Gegendemonstration" (schwarze Blöcke von "hüben, wie drüben" dürfen also getrost zu Hause bleiben), sondern darum einen Gegenpol zu den rechten Strömungen innerhalb des Heidentums, welche den Glauben für ihre fragwürdigen politischen und ideologischen Zielen missbrauchen, zu schaffen und, auch der Öffentlichkeit, zu zeigen, dass ein Großteil der heidnischen Gruppen und Einzelpersonen solcherlei weder praktizieren noch unterstützen oder gar gutheißen.
Es geht schlicht darum präsent zu sein!

Viele heidnisch orientierte Menschen räummen disbezüglich ja immer ein, Politik habe in ihrem Glauben nichts verloren und sie wären der Abgrenzung nach rechts auch langsam müde.
Allerdings möchte ich dagegenhalten, dass man nur so lange einen neutralen Standpunkt aufrecht erhalten kann, wie der eigene Glaube eben nicht von Leuten, wie der Artgemeinschaft, instrumentalisiert wird.
"Wer schweigt, stimmt zu!" lautet ein viel zitiertes Schlagwort. So ist es, meiner Meinung nach auch.

Man kann sich nicht ständig beschweren, dass man, ob seines Glaubens mit Rechtsradikalen in einen Topf geworfen wird und andererseits die Hände in den Schoß legen, wenn wieder einmal Sonnenwendfeiern oder ähnliches zum Zwecke der Verbreitung ideologisch fragwürdiger Inhalte herhalten müssen.  

Die Artgemeinschaft, zum Beispiel propagiert unter der Flagge des nordisch-germanischen Heidentums, für mich, ein zu tiefst xenophobisches, rassistisches und sozialdarwinistische Weltbild, das seine Wurzeln in Ariosophie und Sozialdarwinismus hat.
Wer es nicht glaubt, darf sich gerne einmal mit dem berüchtigten "Sittengesetz unserer Art" der Artgemeinschaft, aber auch anderen Publikationen, beschäftigen.
Man wird dort Auffassungen finden, die mich zumindest, stark an den berüchtigten "Lebensborn" erinnern.

Die Frage ist nun, ob man solchen und ähnlichen, vordergründig heidnischen Gruppierungen gestatten möchte, das Bild vom (neu-)heidnischen Menschen weiterhin zu prägen.

Hinzu kommt für mich, dass solcherlei ideologischer Müll all dem widerspricht, was das Neuheidentum, egal welcher Richtung, so wie ich es kennengelernt habe, ausmacht.

Deshalb denkt darüber nach, ob ihr nicht an den Aktionstagen in Pößneck teilnehmen wollt.
Ich denke es würde sich lohnen!

Wie auch immer, wenn ihr die Aktion unterstützen wollt, dann schreibt darüber auf euren Internetpräsenzen oder leitet die Rundmail einfach an eure Freunde und Bekannten weiter!

Sonntag, 7. Februar 2010

Gedanken zum gescheiterten Indizierungsantrag der neue NPD-Schulhof-CD

Manchmal denke ich mir wirklich, ich bin im falschen Film.
Einerseits möchte man das Internet für Kinder und Jugendliche am besten ganz wegsperren (s. Vorbeugende Maßnahmen), weil die Inhalte ja ganz böse Folgen auf die die Entwicklung von Kindern oder Jugendlichen zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit haben könnten und die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert jeden Mist, wie das neue Rammstein-Album "Liebe ist für alle da" (ratet mal auch wessen Antrag *fg* Sie war es auch, die versucht hat, auf diesem Weg "Das Kleine Ferkel" aus dem Verkehr zu ziehen, leider vergeblich. *g*), Andererseits sieht genau diese Bundesprüfstelle keine Handhabe gegen die neue Schulhof-CD, die die NPD so gern an Jugendliche verteilt, um sie ideologisch zu aufrechten Deutschen zu polen, wie gestern N-TV in ihrem Artikel "Indizierungsantrag scheitert: Nazimusik auf Schulhöfen legal" berichtete.
"Die Leiterin der Bundesprüfstelle, Elke Monssen-Engberding, sagte der Zeitung, dies sei die erste Entscheidung der Prüfstelle über eine Musik-CD der NPD. Die Begründung liege allerdings erst in der nächsten Woche vor."
Auf die Begründung bin ich aber mal gespannt.

Klar, Indizierung heißt ja nicht, dass die indizierten Medien dann verboten sind, sondern lediglich nur nicht mehr öffentlich beworben und nur an volljährige Personen nach Altersverifikation abgegeben werden dürfen.
Aber im Falle eben dieser bescheuerten CDs wäre das ja mal ein entscheidender Vorteil, da sie ja von den Rechtsextremen, und dazu zähle ich die NPD, eben zum Zwecke der Mitgliederakquise an Minderjährige kostenlos verteilt werden.

Gut, man könnte jetzt einräumen, dass so eine Indizierung einerseits eine super Werbung ist und zudem die Antihaltung gegen diese Schulhof-CDs ihr eine überzogene Bedeutung beimisst und sie somit für pubertierende Jugendliche in ihrer entwicklungsbedingten Renitenz gegen noch so gute Argumente erst richtig interessant macht.

Dem muss ich sogar zustimmen.
Allerdings habe ich mir zwei dieser Machwerke mal gegeben, sprich, ich habe sie mir besorgt und angehört, weil ich mir selbst ein Bild machen wollte.
Ehrlich gesagt, ich konnte gar nicht so viel essen, wie ich nach dem "Genuss" der Schulhof-CDs 2004 und 2006 kotzen musste.
In einer Mischung aus (Rechts-)Rock und getragenen Balladen wird den Kids klar zum Ausdruck gebracht, wie schlecht es doch um Deutschland steht und wie beschissen(sorry!) und intolerant doch der "Rechtsstaat" ist.
Es wird auch viel vom Kampf um die Freiheit gesungen.
(Liebe Leute, bitte mal nachdenken: Wer glaubt, das es der NPD oder sonst einer Rechtsextremen Gruppierung um Werte wie Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit  Kameradschaft ginge, der darf mal ganz intensiv darüber nachdenken, wie das Herausgeben von Namen und Adressen sogenannter "politischer Feinde", also Leuten, die sich offen gegen rechts aussprechen, auf Blacklists, inklusive unterschwelliger "Lösungsansätzen", dazu passt. Kann sich jeder selber ausrechnen, was erst passieren würde, sollten die "Rechtskonservativen" mal wieder an die Macht kommen. Die Frage, ob dann auch noch dieselben Politischen Gegner offen ihre Meinung kundtun dürften, mit Demonstrationen oder Kundgebungen, wie es heute ja auch die Rechten dürfen, erübrigt sich da ja wohl ebenfalls.  Aber das ist ja auch wieder nur blödes "Gutmenschengelaber", "politicle correctness" und "Systempropaganda".)

Besonders ätzend empfinde ich jedoch die Balladen.
Eingängig mit leicht weinerlichem, anrührendem oder pathetischem Unterton. Am ärgerlichsten sind, meiner Meinung nach, die Lieder, in denen irgendwelche deutschen "Muttis", in einem Fall Anette, die "für Deutschland einen Sohn geboren" hat,  mit getragenen Stimme von ihrem "harten Überlebenskampf" mit ihren "blonden Kindern" singen, natürlich gegen irgendwelche Anderen, die vom Staat alles hinten rein geschoben bekommen, natürlich ohne Eigenleistung und deren Kinder offenkundig bevorzugt werden. Zwar wird es nicht näher beschriebenen, aber es wird doch recht offenkundig, dass es sich dabei um Mitmenschen mit Migrationshintergrund handelt.
Diese Lieder gehen, völlig beabsichtigt, bei so manchem, besonders wohl  "deutschen Müttern" oder aber "deutschen Söhnen", von den Ohren direkt ins Herz, ohne überflüssige Umwege über das Gehirn (sofern vorhanden). 


Der Oberhammer war eine deutschnationale Interpretation von "White, Orange und Green", "Das Mädel mit der Fahne"...Schauplatz 1945 in Hamburg, "im Mai '45, als der Feind im Reich stand", Protagonisten diesmal ein "Mädel mit der Fahne vom deutschen Reich". Den englischen Soldaten, haben sie vom Original übernommen.
Mal ganz ehrlich, wer den Freiheitskampf der Iren gegen die Engländer mit der Besatzungszeit in Deutschland nach Ende des Zweiten Weltkrieges vergleicht, sollte sich mal untersuchen lassen. Oder sich über die   Geschichte der englischen Besetzung Irlands wenigsten ansatzweise informieren und dabei gleich mal solche Begriffe wie "Black and Tans" oder "Bloody Sunday" nachschlagen. (es gibt für diejenigen, die es mit dem Lesen nicht so haben, auch sehr gute Dokumentationen dazu.)


Das Problem sind aber nicht wirklich die Lieder, sondern eben, dass darin unterschwellig eine Botschaft an die Jugendlichen gebracht wird, nämlich, dass der Deutsche an sich (wer immer das sein soll) im eigenen Staat als rechtlos und unterdrückt gilt, von "Den Linken", "den Ausländern", "den Gutmenschen", "dem System".
Was ein Erwachsener mit einem Mindestmaß an Bildung und somit Kenntnis der geschichtlichen Zusammenhänge schnell als das entlarvt, was es ist, eben kaum verschleierte Manipulation, wird ein Jugendlicher, der ja entwicklungsbedingt sowieso schon eine konträre Einstellung gegen hergebrachte Konventionen einnimmt, sich ohnehin unverstanden, ungeliebt und verfolgt fühlt, nicht so leicht durchschauen. Ihm bietet die NPD mit ihren ideologischen Winkelzügen einfache Gründe und ebenso einfache Lösungsansätze. "Die sind Schuld, also komm zu uns."
Hinzu kommt, dass kaum jemand aus der heutigen Generation der Jugendlichen und jungen Erwachsenen noch jemand im Familien- oder Bekanntenkreis hat, der Drittes Reich und den Zweiten Weltkrieg noch selbst erlebt hat. Diese Generation stirbt langsam aus. Also kann den Jungen auch kaum noch jemand sagen, wie es wirklich war. Sie sind auf Quellen aus zweiter und dritter Hand angewiesen. Es ist aber ein himmelweiter Unterschied, ob einem Eltern oder Großeltern von der Euphorie und der späteren Ernüchterung berichten, als sie begriffen, dass sie nur benutzt und ihrer Jugend beraubt wurden, mit den gleichen Phrasen, die auch heute noch vom rechten Spektrum verwendet werden, oder ob man das von einem Unbekannten hört oder in irgendeinem Buch liest.
Außerdem lässt der Mangel an Augenzeugen einen großen Spielraum für Legendenbildung und Lügengebilde.

Dennach erfüllten zumindest die Schulhof-CDs 2004 und 2006, und nur für die kann ich sprechen, da ich die aktuelle Ausgabe nicht kenne, für mich durchaus die Voraussetzungen für eine Indizierung durch die Bundesprüfstelle, wenn man sich nach deren "Wegweiser Jugendmedienschutz" richtet.
"Jugendmedienschuzt hat die Aufgabe, Einflüsse der Erwachsenenwelt, die dem Entwicklungsstand der Heranwachsenden noch nicht entsprechen, von Kindern und Jugendlichen fern zu halten und diese so bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen. Die Jugendmedienschutzinstitutionen beurteilen Medieninhalte dahingehend, ob sie jugendgefährdend oder jugendbeeinträchtigend sind. Die Entscheidungen haben zur Folge, dass bestimmte Medien Kindern und Jugendlichen nicht zugänglich gemacht oder nur unter bestimmten Altersgruppen verbreitet bzw. zu einer bestimmten Sendezeit ausgestrahlt werden dürfen."
Aber, dass es sich dabei ja einerseits um ein zweischneidiges Schwert handelt, andererseits die Vermutung nahe liegend ist, dass die Entscheidung über eine Indizierung auch immer etwas mit der Tatsache zu tun haben könnte, wer da den Antrag stellt und unter welcher Prämisse (ja, ich bin böse!), wälzt man die Verantwortung also in diesem Fall an die Schulen ab.
Nur so nebenbei, auf Schulhöfen ist die Verteilung der NPD-Schulhof-CD sowieso schon untersagt. Darüber, was außerhalb der Schulhofgrenzen passiert, hat keine Schule eine Handhabe.
Ähnlich dürfte es mit Jugendclubs aussehen.

Was könnte man also tun?

Eine mir sehr wirksam erscheinende Maßnahme wäre, sich einer solchen CD einmal im Rahmen des Unterrichts anzunehmen, sie sich anzuhören und die Texte inhaltlich und auch hinsichtlich der emotionalen und psychologischen Wirkung zu analysieren.
Kinder und Jugendlich müssen einfach lernen, auf was man achten sollte, und wie unterschwelige Manipulation und somit jede Art von Propaganda funktioniert.

Aber das ist fast schon illusorisch. Wenn bekannt würde, dass man eine Rechte CD bespricht, kämen bestimmt aus allen Ecken Lehrer, Eltern und  sich berufen fühlende "Anti"-Menschen und blümchenwerfende Sozialpädagogen gerannt und würden Zeter und Mordio schreien.

Das ist nämlich das eigentlich Problem.
Man kann Themen wie Rechte Ideologien und die Funktionsweisen des Nationalsozialismus einfach nicht sachlich und emotionslos diskutieren.
Das ist aber, meiner Meinung nach, der Hauptgrund, warum die Rechten mit ihrer Ideologie immer noch so großen Erfolg haben und teilweise offene Türen einrennen.

Einerseits, weil  Nationalsozialismus und Neonazitum nicht ausreichend oder auf die falsche Weise  thematisiert werden, nämlich entweder so, als als spräche man über - sorry - Masturbation (über sowas redet man nicht und wenn dann hechelt man das Thema durch und ist froh, wenn man es hinter sich hat) oder es werden bis zum Erbrechen nur Namen, Zahlen und Daten runtergerasselt.
Aber darüber, was die damalige Bevölkerung  empfand, als nach einem verlorenen Weltkrieg (die "Schmach von Versailles"), Weltwirtschaftskrise und Depression plötzlich eine Partei mit einfachen Lösungen für alle Probleme und einem einzigen Ziel, Deutschland wieder "zu seinem Recht" zu verhelfen, auftauchte, darüber wird nicht gesprochen.
Es werden nie Texte und Reden, wie zum Beispiel die Legenden umwobene "Sportpalastrede" angehört und analysiert und somit entmystifiziert, und über "Mein Kampf" wird viel geredet, aber kaum einer kennt diese Machwerk und somit seinen Inhalt wirklich.
Allen Gerüchten zum Trotz, lediglich der Verkauf bzw. der Erwerb. der Originalausgabe ist in Deutschland  verboten, nicht der Besitz und schon gar nicht das Lesen (wie ein besonders sinniger Lehrer meines Sohnes meinte).
Bei den erhältlichen Ausgaben handelt es sich um dokumentierte Exemplare, wobei die Dokumentationen zwar hilfreich sind, aber eben den Fluss des eigentliche Inhaltes, ohnehin nur in Auszügen enthalten , zu oft unterbrechen, sodass  der Zusammenhang und somit das ganze Ausmaß der Gedankenwelt des Mannes, der Jahre später Deutschland in den moralischen und finanziellen Ruin stürzte, nicht wirklich so erfasst und begriffen werden kann, wie in dem Original.

Und die beste Methode, um die Verbreitung nationalsozialistischen Gedankengutes zu verhindern, ist und bleibt die reichliche Lektüre von "Mein Kampf", da muss ich Theodor Heuss unbeschränkt recht geben..

Aber so lange man immer noch denkt, durch die Lektüre allein würde man automatisch zum Nazi, so lange man der Meinung ist, man sollte besonders der Jugend vermitteln, dass das, was damals in Deutschland passierte nur auf die Kosten einiger weniger verirrter Seelen oder gar Verbrecher geht, so lange man die Suche nach den Ursachen immer noch nur auf die Schuldfrage reduziert, so lange arbeitet man den Rechten Kohorten in die Hand.
Dinge, über die man nicht spricht, schwindet ja nicht einfach. Vielmehr entwickeln sie oft ein unerwünschtes Eigenleben.
Tabu und Verbote fördern nicht nur in unerheblichem Maße die, bereits erwähnte, Legendenbildung, sie begünstigen auch Opferhaltung und Märtyrertum, wie man es immer wieder in der Argumentation und Propaganda der Rechtsradikalen findet.

Es ist bei der Vermeidung, dass immer mehr Jugendliche und junge Erwachsene sich der Rechten Szene anschließen, auch nicht besonders hilfreich, gleich jedesmal "Nazi, Nazi!" zu schreien, wenn sie ihre Gedankengänge von "Nationalstolz" und "Patriotismus" zum Ausdruck bringen oder sich eine Zeit lang Nazi-Mucke anhören.
Tut man das ständig, treibt man sie den Rattenfängern ja fast in die Arme, denn sie werden sich natürlich dann dort ihre "Freunde" suchen, wo sie nicht ständig angegangen fühlen, wo sie Bestätigung finden und ihre Meinung dem Standard entspricht. Und dort werden sie dann weitere Indoktrination erfahren.

Besser wäre es, das Gespräch zu suchen, sie zu fragen, wieso sie so denken und sachlich und ohne moralischen Zeigefinger mal über die ganzen Fehlinformationen und Gerüchte, die in Bezug auf die jüngere deutsche Geschichte und die ganzen Begrifflichkeiten, die man gemeinhin mit Nazitum in Verbindung bringt, zu reden.
Wenn man ihnen nämlich vermitteln würde, dass man ihnen wegen ihrer Gedanken nicht gleich die Rübe abreißt, dann würden sie vielleicht eher etwas von den Gegenargumenten annehmen, als wenn man sie gleich in die Rechte Ecke stellt und davon jagt.

Just my 50 cent...

Montag, 12. Oktober 2009

Berlin 10. Oktober 2009 - Die Bestie zeigt ihr wahres Gesicht

Wie NPD-BLOG.INFO ausführlich berichtet, trafen sich am 10. Oktober ca. 750 Anhänger des Rechtsradikalen Spektrums aus ganz Deutschland in Berlin zu einem Demonstrationsmarsch unter dem vielsagenden Motto “Vom nationalen Widerstand zum nationalen Angriff”. Unter starken Sicherheitsmaßnahmen der Polizei marschierten sie vom Alex zu S-Bahnhof Landsberger Allee.

Wie berichtet, beschimpften und bedrohten sie dabei lautstark friedlichen Gegendemonstranten, warfen mit Steinen auf augenscheinlich "Un-Teutsche" und verlasen  Listen mit den Namen ihrer "Gegner", derweil die Polizei zusah.
Zitat:
"Mit Aufrufen zu Straftaten wurde auf dem Demonstrationszug beispielsweise eine Liste der Namen der so genannten Gegner vorgelesen, ohne dass die Polizei eingegriffen hätte. In anderen Redebeitrag wurde vehement zur „Rache“ gegen Gegner aufgerufen und die Parole „Linke haben Namen und Adressen – kein Vergeben, kein Vergessen“ angestimmt. Auch Flaschenwürfe und eine faustgroße Eisenplatte, die auf einen Schwarzen geworfen wurde, blieben von der Polizei ungeahndet. Von der Volksverhetzung bis zur antisemitischen Hetze war von den Neonazis alles zu hören. So wurde einem Gegendemonstrant geraten, er solle doch „zurück in den Urwald gehen“ und beim Anblick einer Israelfahne skandierten Autonome Nationalisten „Kindermörder Israel“."

Warum die Polizei tatenlos blieb, weiß ich nicht.
Vielleicht bestand ihre Order für diesen Tag darin, ob der offensichtlichen und durchaus gewollten Gewaltbereitschaft ihrer Klientel, durch Passivität eine Eskalation zu vermeiden. Wahrscheinlich haben sie auch, wie bei anderen Demos auch, munter mitgefilmt und nun sitzen irgendwo ein paar Fachleute und werten das Filmamaterial nach bekannten Gesichtern aus und schreiben munter Anzeigen, wegen Volksverhetzung, Aufruf zu Strafbaren Handlungen und dergleichen mehr.. Hier bleibt viel Raum für Spekulationen.

Seltsamerweise kann ich über das Nicht-Eingreifen der Ordnungskräfte keine Empörung empfinden.
Und dabei geht es mir weniger um eine mögliche De-Eskalations-Strategie, die schlimmeres vermeiden wollte, sondern vielmehr darum, dass man unter dem Schutz der Meinungs- und Versammlungsfreiheit (Artikel 5 und Artikel 8 GG), die ja für alle gelten, endlich einen Blick hinter die Maske des patriotisch gesinnten Deutschen werfen konnte.
Natürlich, könnte man einräumen, das diese beiden Grundrechte da enden, wo man damit gegen geltendes Recht verstößt, natürlich könnte man sich wundern, dass nach dem Versammlungsgesetz, und dort insbesondere den Paragrafen 14 bis 20,  diese Demo unter genau diesem Motto, nationaler Angriff, überhaupt erlaubt wurde, aber man weiß doch, dass es in der Szene reichlich Leute gibt, welche gewieft genug sind, unser Gesetzgebung ganz legal zu unterlaufen.

Hinzu kommt, dass es ja gerade diese Klientel ist, welche, nun öffentlich und somit gut erkennbar für jedermann, genau conträr zu unserer freiheitliche Grundordnung stehende Ziele verfolgt, eben jene, für die Erreichung eben dieser Ziele nutzt, um nicht zu sagen, bis zum zerreißen überstrapaziert.

Ich denke, von dem Standpunkt aus gesehen, konnte an dem Tag in Berlin nichts besseres passieren, als das die Polizei eben weitgehend tatenlos blieb.

So konnte die Bestie ihr wahres Gesicht offenbaren.

Nun dürfte auch dem letzten Schönredner rechter Aktivitäten die Gefahr bewußt werden, die da auf uns zu kommt, jetzt müsste auch denjenigen, welche die "Nationale Szene" gerne bagatelisieren  und jedem Mahner immer unterstellen, viel Lärm um so gut wie nichts zu machen oder jene, die so tun, als könnte man rein argumetativ etwas gegen NeoNazis oder Rechtsextremisten unternehmen, oder sie gar als Teil der politschen Vielfalt im Land tolerieren, deutlich werden, zu welchen Mitteln die Rechte Szene organisiert bereit ist, die Macht zu ergreifen.

Die wollen eben nicht nur spielen, das ist deren blutiger Ernst!

Natürlich kann der politisch Korrekte nun anführen, dass es sich bei den Demonstranten ja nur um eine besonders gewaltbereite Splittergruppe der Rechten Szene, Autonome Nationalisten, dem Black Block, handelt,  aber so blauäugig kann man gar nicht sein, um nicht zu wissen, dass die Vernetzung zwischen eben jenen "Autonomen", verschiedenen anderen "gemäßigten Kameradschaften" und den unterschiedlichen rechtspopulistischen Parteien bis hin zu "Mutter NPD" ausgesprochen gut ist.
(Ich will gar nicht wissen, wie viele der "Autonomen Nationalisten" gleichzeitig im NPD-eigenen, ebenfalls schwarzgewandeten, O.D. (Ordnungsdienst) bei deren Parteikundgebungen wieder zu finden sind.)

Allerdings gibt so eine "Spaltung" der, sich gern konservativen-demokratischen, quasi als neue bürgerliche Mitte ( ich lach mich tot!) gebenden, NPD aber auch genug Raum, sich offensichtlich von solchen Gewaltaktionen zu distanzieren, derweil sie sie doch insgeheim toleriert, wenn nicht gar unterstützt und forciert.
So konnten die Rechten an diesem Tag und bei einer solchen Demonstration nur gewinnen:

  • Hätte man die Demonstration auf Grund der, in ihrem Rahmen stattfindenden Straftatbestände, wie Volksverhetzung und Aufruf zur Gewalt gegen Andersdenkende, aufgelöst, hätte der Rechte Rand sich wie ein Mann erheben und gegen die Beschneidung ihrer freiheitlich-demokratischen Grundrechte lautstark protestieren können, einschließlich aller semantischen Kunstgriffe, bis hin zu dem Vorwurf, der Staat ließe sich von den Linksextremischtrischen Gutmenschen und ihrer Medienmacht gängeln.

  • Wäre die Stimmung der rechten Demonstranten doch umgeschlagen und wären mehr als nur Beleidigungen und ein paar Steine geflogen, hätten die "seriösen" Rechtspopulisten sich elegant aus der Affaire ziehen können, indem sie laut kundgetan hätten, dass sie mit "denen" ja nichts gemein habe, hätten die Taten wahrscheinlich auch öffentlich verurteilt und jede Verantwortung abgelehnt.

  • Wären die Gegendemonstranten, ob der Provokation in großer Masse ihrerseits allerdings gewalttätig geworden, hätten die Spacken wieder auf die bösen Antifa-Schläger und Linksextremisten (verbal) schießen können.


Als aktuellen Auslöser für die Demonstration rechter Rache, gaben die Braunen übrigens einen vermeintliche Linksextremistischen Anschlag auf eine ihre Szenekneipen "Zum Henker" an.
Bullshit und Wahrnehmungsverschiebung wie sich herausstellte. Nichts Linker Anschlag, laut polizeilicher Ermittlung ganz unpolitischer "Kneipenzoff".
Allerdings bot sich so den sogenannten Deutsch-Nationalen ein willkommenes Alibi für die Selbstdarstellung ihrer militanten Gewaltbereitschaft und war mit Sicherheit genauso gemeint, wie es hoffentlich nicht nur bei mir ankam:
Als Drohung und Einschüchterung für all jene, die eben nicht mit den Auffassungen und Zielen der braunen Kohorten konform gehen.

Die Frage muss nun sein, wie man auf die Botschaft antwortet?
Indem man aus Angst oder Gleichgültigkeit den Kopf in den Sand steckt und ihnen damit das Feld überlässt oder ob man endlich aufwacht und sich offen und geschlossen gegen solche, die Demokratie aushölenden, Bestrebungen stellt und sich, natürlich im Rahmen der Freiheitlichen Grundrechte, wehrt?

Dienstag, 18. August 2009

Nicht flashende Mobs, Schulbeginn und die Schweinegrippe

Um es vorweg zu nehmen, es besteht zwischen dem verunglückten Flashmob und Schulbeginn und Schweinegrippe keinerlei Verbindung, es sind lediglich die beiden Themen, die ich hier nacheinander abhandeln möchte.


Ich habe mich nur gerade massivst weggeworfen:

Wer es noch nicht wusste oder es nie wissen wollte, gestern jährte sich mal wieder der Todestag des Führer-Stellvertreters Rudolf Heß, dem Märtyrer der Neo-Nazi-Szene , die diesen Anlass auf Grund ihrer Vorliebe für Opferhaltung immer gerne zu Gedenkmärschen nutzte. Das ging sogar soweit, dass Udo Voigt ihn mal während einer Kundgebung für den Friedensnobelpreis vorschlug. Starkes Stück, wie ich finde.

Dieses Jahr sollte es mal etwas neues, innovatives und nicht so vorhersehbares sein, wohl auch, weil diese Gedenkmärsche im Regelfall frühzeitig verboten werden.
Also rief man zu sogenannten Flashmobs an unterschiedlichsten Orten auf.

Das hatte aber wohl nicht den erhofften, durchschlagenden Erfolg, wie man dem, zugegeben, nicht ganz unvoreingenommenen Artikel auf NPD-Blog.Info entnehmen kann.

Mein persönliches Waterloo war folgender Satz:
"Auch in der österreichischen Hauptstadt Wien sollte am Westbahnhof ein “Hessmob” auftreten, doch angesichts der bereits anwesenden Menschenmenge verlegten die fünf eintreffenden Neonazis stattdessen ihren Aufenthalt in eine nahe gelegene Gaststätte."
Sorry, aber das ist so drollig, ich kann einfach nicht anders, ich lach' immer noch Tränen.
Bezeichnend finde ich aber bei dem Gesamtresümee der Hessmob-Aktion, dass sie anscheinend zwar die Flexibilität und Koordinationsfähigkeit der braunen Flasher überforderte, nicht aber die der Gegendemonstranten.

Mag auch daran gelegen haben, dass solche Flashmobs eben auch, im Gegensatz zu angemeldeten Demonstrationen zwar nicht im Vorfeld verboten werden können, dafür aber auch auf Polizeischutz verzichten müssen. Smilie by GreenSmilies.com


Apropos Schutz:
Am Montag hat bei uns in NRW ja die Schule wieder begonnen, mit all den alljährlichen wiederkehrenden Formalitäten und nervigen Kleinigkeiten, die zu Beginn des Schuljahres erledigt werden müssen.
Wie jedes Jahr, durfte ich auch dieses Jahr wieder mit meiner Unterschrift bestätigen, dass mein Sohn in der Mittagspause den Schulhof verlassen darf, wie jedes Jahr, so auch dieses Jahr durfte ich the one and only Hausaufgabenheft, dass die Schüler dieser Schule ausschließlich benutzen dürfen, bezahlen, zusätzlich natürlich zu dem Anteil an Schulbüchern und dem anderen Material, welches wir ja vorher schon bestellen bzw. besorgen mussten, wie jedes Jahr, so auch dieses Jahr musste ich als Erziehungsberechtigter die Schulordnung und -Ethik (sind da zweierlei) mit unterschreiben, sowie darüber entscheiden, ob ich die Persönlichkeitsrechte meines Sohnes an gegebenenfalls von ihm gemachten Bildmaterial abtrete oder nicht (er hatte netter weise schon mal "nicht einverstanden" angekreuzt) und bla und sülz...

Mal ehrlich, bei all den Blättern, die ich heute und gestern unterschreiben musste, könnte ich eine Lebensversicherung abgeschlossen oder ein Auto geleast haben, ohne es zu merken.

Besonders freue ich mich schon wieder auf die Sonderwünsche der einzelnen Lehrer. Da muss es dann unbedingt dieses eine bestimmte Wörterbuch sein, oder dieser eine bestimmte Taschenrechner oder für den Unterricht wird noch dringend dieses eine, total wichtige, Fachbuch benötigt.
Ich habe manchmal das Gefühl, die Lehrer haben Werbeverträge bei den verschiedenen Firmen...

Witzig ist jedoch diese Jahr, dass das Thema Hygiene ganz groß aufgelegt wird.
Erst gab' es erste Einweihungen in die Thematik, "Wie niese ich richtig?" (bloß nicht in die Hand!) und "Wie oft und auf welche Weise wasche ich mir korrekt die Hände?" (am besten ständig!) im Klassenverband und dann nochmals in der Mensa als "Schuluraufführung". Auch war irgendwo in dem Papierstapel, den ich abzeichnen sollte, noch ein Schrieb, in dem ich mich verpflichtete, glaube ich jedenfalls, mein Kind nie nicht mit Fieber, Husten oder sonstigen unklaren Krankheitsbildern zur Schule zu lassen.
Immerhin wusste mein Sohn zu vermelden, dass dieses Jahr das erste Mal seit er die Schule besucht, so komische weiße Steine auf den Waschbecken der Klassenzimmer zu finden waren. Die Schule hat sich in Unkosten gestürzt und 'ne Runde Seife für alle spendiert. Na, wenn das kein Grund zum Feiern ist...

Mit anderen Worten, die SCHWEINEGRIPPE hat uns eingeholt, oder vielmehr die Panik vor derselben. Dabei wähnten wir uns bisher auf so einer ruhigen Insel der Rationalität.

Während andere über Zwangsimpfungen, Schutzimpfungen generell und den existentiellen Fragen "Wird der Impfstoff auch für alle reichen?", "Muss ich dass selber zahlen, oder übernimmt das die Krankenkasse?" und "Wird sie deshalb die Beiträge erhöhen?", nachdachten (nebenbei, ich verpasse regelmäßig jedes Jahr schon die aktuelle Grippeimpfung und das schon seit Jahrzehnten, und habe bis auf die üblichen Infekte immer auch so überlebt...), war bei uns die Devise: Keine Panik auf der Titanic...
Es gibt zwar Gerüchte, dass es hier bei uns in der Stadt zwei Fälle gegeben haben soll, aber erstaunlicherweise, steht davon nix in den regionalen Gazetten, noch kennt irgendwer, den wir kennen, irgend wen, der einen kennt, der auch nur eine Grippe hatte, hat oder vor hat, eine zu kriegen. Und so groß ist unsere Stadt ja nun nicht...

Aber die Schule macht auf Panik. Smilie by GreenSmilies.com
Wobei ich mich vor ein paar Tagen noch sehr ausführlich darüber unterhalten habe, wie sich Panik auf das Immunsystem auswirkt, davon, das man damit hysterischer-hypochondrische Schübe herbei reden könnte, mal ganz zu schweigen.

Was mich jedoch etwas beunruhigt, ist die Tatsache, dass die heute in der Berufsschule bei meiner Tochter den gleichen Terz veranstaltet haben.
Immerhin sind das durchwegs Bäcker und Bäckerei-Fachverkäufer, die jeden Tag mit Lebensmitteln hantieren und auch, wenn mich gewisse Interna über die Gepflogenheiten in Backstuben und Ladenlokalen einiger Bäckereien, doch fast dazu veranlassen, nur noch dort mein Brot zu holen, wo es nicht mit der nackten Hand angepackt wird, finde ich es schon beunruhigend, wenn man da den Leuten noch die elementarsten Hygieneregeln erklären muss.

Montag, 10. August 2009

Einsatz gegen Neonazis: "Bitte lesen"

Auf NPD-BLOG.INFO habe ich gerade den Artikel Einsatz gegen Neonazis: “Bitte lesen” gefunden. Die darin verlinkte Broschüre finde ich persönlich sehr gut gestaltet.

Aufklärend, ohne polemisch zu werden, vermittelt sie Einblicke in die Dress- und Zahlen-Codes der Szene, weist auf deren Wandelbarkeit und Anpassungsfähigkeit hin und gibt viele Tipps, wie Argumentationshilfen und Verhaltensregeln im Umgang mit rechten Tendenzen.

Und, was ich als sehr wichtig erachte, sie stärkt den Mut zur Zivilcourage und zeigt auf, wie jeder einzelne, mit seinen beschränkten Möglichkeiten und in seinem eigenen Umfeld, etwas gegen rassistische, neo-nationale Auswüchse tun kann.

Zitat:
"Die lesenswerte Broschüre “Bitte lesen” bietet kompakte Informationen über den Umgang mit Rechtsextremismus und Rassismus. Das kleine Heft erhebt nicht den Anspruch allumfassend zu sein, sondern will einen ersten Zugang bieten. “Bitte lesen” steht zum freien Download bereit und kann weiterverschickt werden. Außerdem ist das Heft als Druckvorlage (für beidseitigen Druck) angelegt und kann von jedem selbst gedruckt, geheftet und vertrieben werden."

Wie gesagt, die Broschüre darf frei weitergeben werden.
Ich fände es klasse, wenn ihr den Link an Freunde und Bekannte weiterleiten würdet.

Freitag, 29. Mai 2009

Nachträglich zum 8. Mai - Lehrstück in Sachen Propaganda

"Nur feige Seelen rächen sich an verwundeten Feinden"
Friedrich der Große


Mit diesem Zitat beginnt ein Kurz-Film, der unter dem Titel "8. Mai - warum wir nicht feiern!" untermalt von Mozart Requiem, in schwülstig-kitschigen-agitatorischen Bildern Herbert Smagons, (dessen Werke, auf Neonazi-Homepages als "Neue nationalistische Kunst" gelobt werden) kleine blonde Jungs und Mädchen zeigt, die entweder von feindlichen Tieffliegern erschossen, oder von, schon an die überzeichnete Jud-Süß-Manier eines Veit Harlan erinnernde, Feindsoldaten hingemetzelt, verbrannt oder vergewaltigt werden.
Gewürzt wird das ganze dann mit Zitaten aus Ilja Ehrenburgs Kriegspropaganda, die zwar in ihrer Brutalität schockieren, aber doch von ihm absichtlich als Antwort auf ebensolche Parolen von Seiten des nationalsozialistischen Regimes gedacht waren. Auch ein Zitat von Churchill darf nicht fehlen.

Nach den grauslig-anrührenden Poesiealbumbildern von dahingeschlachteten Kindern, folgt eine Auflistung der Opfer:

- 17 Millionen Heimatvertriebene
- 10 Millionen deutsche Opfer nach der Kapitulation
- 2 Millionen verschleppte Frauen in sowl. Gullags
- 4 Millionen vergewaltigte deutsche Frauen und Mädchen
-Völkerrechtswidrige Abtrennung der deutschen Ostgebiete
-Umerziehung eines ganzen Volkes nach westlichen, dekadenten Werten
- Fremdbestimmtes Restdeutschland durch die ehem. allierten Mächte
... und das bis heute!

Abschließend dann noch einmal die Parole:
Darum: 8. Mai wir feiern nicht!


Zum Schluss quält man dann noch den armen Abe Lincoln mit dem Zitat "Nichts ist entgültig geregelt, was nicht gerecht geregelt ist." (ich mag mich ja täuschen, aber war Lincoln nicht Amerikaner, also einer der Vorväter derjenigen, die doch, laut der Aussage des Filmchens Deutschland haben bluten lassen und bis heute fremdbestimmen und auch ein Vertreter der so verabscheuungswürdigen westlich-dekadenten Werte?

Naja, der Alte Fritz musste ja auch herhalten, obschon er, so schöne Zitate, wie "In meinem Staat soll ein jeder nach seiner Facon selig werden." und "Man müsste es dahin bringen, dass sich alle Menschen der Intoleranz und des Fanatismus schämen." hinterlassen hat, die ziemlich deutlich werden lassen, was er von jenen, die sich seiner Worte in einem solchen Kontext wie diesem Film bedienen, gehalten hätte. (Der Olle Fritz war zu dem auch noch Freimaurer, also, von der Warte dieser Herrschaften aus gesehen, eigentlich einer von den "Bösen".)

Auch Ilja Ehrenburg erweist sich bei näherer Beschäftigung mit seiner Person eben nicht als der blutrünstige Mordbube, wie ihn sich die Erschaffer dieses "Kurzfilms" gerne einreden wollen. Immerhin proklamierte er Gerechtigkeit statt Rache. Ihn also auf seine, durchaus mit Kalkül formulierten Hass-Parolen zu reduzieren, wie es dieser Film mit eben solchem Kalkül tut, täte dem Menschen Ilja Grigorjewitsch Ehrenburg Unrecht.

Aber so sind sie halt, sie nehmen es sich, wie sie es gerade brauchen, unreflektiert und wahllos, um Propaganda zu betreiben, die schlichten Gemütern ohne Grundkenntnisse in Geschichte und unfähig Sachverhalte außerhalb des Gesamtkontextes differenziert zu betrachten, mitten ins Herz trifft, ohne lästige Umwege über das Gehirn. So funktioniert Propaganda.

Zum Schluss findet man eine Widmung "Den wehr- und waffenlosen Opfern des deutschen Volkes in Trauer und Liebe" unterzeichnet mit der URL eines Vereins Gedächtnisstätte e.V.

Gräbt man nun etwas, stößt man zuerst einmal auf die Homepage des 1992 gegründeten Vereins, der sich zum Ziel gesetzt hat, eine "würdige Gedächtnisstätte für die (deutschen!) Opfer des zweiten Weltkrieges durch Bomben, Verschleppung, Vertreibung und Gefangenenlager" ins Leben zu rufen, und zu dem Zwecke auch schon ein Objekt in Borna bei Leipzig erworben hat.
Ist soweit ja nicht gerade verwerflich oder unbedingt verdächtig, wenn man sich nicht gerade diesen Film angesehen hat.

Allerdings stolpert man bei näherem Hinsehen über Namen wie Ursula Haverbeck-Wetzel, die als Vorsitzende des Vereins bis 2003 aktiv war, welche 1963 zusammen mit ihrem Mann, Werner Georg Haverbeck das, inzwischen, weil Sammelbecken der Holocaust-Leugner, verbotene, Collegium Humanum gegründet hat und anlässlich eines Rudolf-Hess-Gedächtnis-Marsches 2004 in Wunsiedel, in ihrer Rede Hitler als Friedenspolitiker darstellte.
Aber es gibt seitens der Gründungsmitglieder auch Querverbindungen zur Bauernhilfe e.V. und zum VRBHV.
Da alle diese Organisationen mittlerweile verboten sind, dürfte es kaum Zweifel darüber geben, wo die Vereinsmitglieder nun eine neue Heimat gefunden haben, zumal es sich bei dem derzeitigen stellvertretende Vorsitzende, Prof. Dr. Theodor Schmidt-Kaler, um einen der beiden Hauptinitiatoren des Heidelberger Manifestes handelt.
Nun, klarer geht es eigentlich nicht mehr, wenn man nach der Antwort zu der Frage "Wer steckt hinter dem Verein Gedächtnisstätte e.V. und wo liegt seine Motivation?" sucht. Auch dürfte es klar sein, wer solch einen Verein unterstützen würde.


Nun möchte ich noch einmal auf die zivilen Opfer des Zweiten Weltkrieges zurückkommen, ohne jetzt weiter darauf herumzureiten, wem gerade auch die deutschen Zivilopfer denn nun tatsächlich ihr Schicksal zu verdanken haben.

Natürlich geschenen im jedem Krieg schreckliche Dinge. Es liegt in der Natur eines Krieges , dass er eben nicht die guten Seiten der Menschen hervorholt, sondern ganz im Gegenteil, er nimmt den Menschen ihre Menschlichkeit, verroht sie, macht sie zu Bestien und raubt ihnen die Fähigkeit, den anderen, den Feind, als Mitmensch wahr zu nehmen. Dieser verkommt zu einem bloßen, selenlosen Objekt, dass man Hassen und töten kann.
Das war bisher in jedem Krieg so, und ich denke, das wird sich nie ändern. Kriegsgreuel, besonders an Wehrlosen sind schrecklich und verabscheuungswürdig. Man darf sich aber auch nie dazu hinreißen lassen, nur die eigenen Opfer zu betrauern. Und ein gegenseitiges Aufrechnen der Opfer ist fast noch schlimmer.
Alle Seiten haben ihr Quantum an Blutzoll nach Beendigung kriegerischer Auseinandersetzungen gezahlt. Danach sollte man soviel Menschlichkeit wieder gewonnen haben, dass man nicht nur die eigenen, sondern alle Opfer betrauert.

Ich habe übrigens auch nicht am 8. Mai gefeiert, aber ich habe der Toten gedacht und der Tatsache, dass es das Ende eines Systems hier in Deutschland war, in dem ich nicht hätte leben wollen.
Ich habe derjenigen Frauen gedacht, die, wie einige meiner Tanten, in diesem bescheuerten Krieg ihre Männer verloren haben, egal auf welcher Seite sie nun standen, und denjenigen Männer, die zwar heil aus diesem Irrsinn nach Hause kamen, aber verwundet an ihren Seelen, oder erst an den Spätfolgen gestorben sind. Und an Frauen wie meine Oma, die zweimal ausgebombt wurde und jedesmal nicht viel mehr als das, was sie in den Koffern in den Luftschutzkeller mitgenommen hatte, retten konnte.

Für diese Leute war der 8. Mai. 1945 ein Anlass zur Freude, egal ob man nun als Sieger oder Verlierer daraus hervorging. Weil es endlich vorbei war! Weil die Soldaten heimkehren durften, und weil man nicht mehr jede Nacht, halb bekleidet im Halbschlaf auf die Sirenen hören musste, damit man auch ja mitbekam, wann es wieder Zeit war, in den Luftschutzkeller zu rennen.
Natürlich haben diese Leute gefeiert (außer, sie waren damit beschäftigt, Zeugnisse ihrer, in 12 glorreiche Jahre angeeigneten, Karrieren im Garten zu verbuddeln oder im Ofen zu verbrennen.)

Was ich aber auf keinen Fall an einem 8. Mai sehen möchte, sind irgendwelche Spasten in Pseudo-Uniformen, mit Pseudo-Flaggen, die an irgendwelchen Gedenkstätten Mahnwache halten, für die deutschen Helden, die bei der Verteidigung ihres Vaterlandes heroisch ihr Leben ließen.
Drauf geschissen!
Die meisten deutschen Soldaten (und auch nicht wenige der allierten) zogen nicht aus eigenen Antrieb in den Krieg, sondern weil sie mussten! Und sie dachten mit Sicherheit, als sie starben nicht zu erst an "Führer, Volk und Vaterland!" sondern an ihr zu Hause und an die Menschen, die sie nun nie wieder sehen würden. Und diejenigen, die überlebten, dachten auch nicht mehr übermäßig oft an ihre Vaterlandspflicht, sondern wohl eher daran, heil aus diesem Scheiß rauszukommen.

Also hört auf mit diesem romantischen Mist, der nur dazu dient eure Unbelehrbarkeit zu demonstrieren!


Da packt mich einfach nur die kalte Wut, bei soviel Hirnerweichung!
Und da macht mich auch dieser propagandistische Kurzfilm wirklich wütend, wenn ich bedenke, dass genau die Ideologie, die von Vereinen, wie den für dieses Machwerk verantwortlichen, immer noch vertreten wird, eigentlich überhaupt dazu führte, dass es überhaupt Opfer zu beklagen gab.

Dienstag, 28. April 2009

Antisemitismus - Ursprung und Definitionsversuch

Was ist Antisemitismus und wo beginnt er?

Ich denke, schon dort, wo man von "Den Juden" oder "Dem Jüdischen Volk" außerhalb des religiösem Kontextes spricht.

Damit beraubt man diese Menschen nämlich schon ihrem Status als Staatsbürger ihres jeweiligen Heimatlandes und reduziert sie auf die wahrscheinlich einzige Gemeinsamkeit, nämliche ihre Religion.

Natürlich hat eine gemeinsame Religion auch immer etwas mit kulturellem Hintergrund zu tun, allerdings ist die Frage, in wie weit sie denn wirklich von dem des Heimatlandes zu trennen ist?
Kann man die Kultur eines Landes oder einer Region überhaupt unabhängig von dessen Einwohnerschaft sehen?
Kultur kommt immer von den Menschen, die diese tragen und wächst nicht an Bäumen oder quillt aus dem Boden.



Beispiel Holocaust:
Die Nazis ermordeten aus ideologischem und politischem Kalkül heraus, neben vielen anderen missliebigen Menschen, sei dies nun in deren religiöser, kultureller, politischer und auch sozialer (asozial kann jeder sein, der sich nicht dem herrschenden sozialen Standard entsprechend verhielt) Ausrichtung begründet, nicht 6. Mio. Juden, sie brachten in erster Linie zusätzlich* 6. Mio. Staatsbürger des eigenen Landes und aller angeschlossenen, besetzten und eroberten Gebiete auf Grund ihres jüdischen Glaubens um.
(Übrigens zählt man auch die ermordeten Sinti und Roma zu den Holocaustopfern, allerdings werden sie meist einfach vergessen...)

Es macht, meines Erachtens, einen gehöriger Unterschied, denn wenn man es in dieser Form ausdrückt, wird doch dadurch vielleicht einmal wirklich klar, dass die "Endlösung der Judenfrage" zwar ein Völkermord war, aber in erster Linie auch am eigenen, deutschen Volk!
Die Distanz, der Sicherheitsabstand, fällt bei dieser Formulierung unter den Tisch.


Wichtig, so denke ich, ist zu wissen, dass der Begriff "Antisemitismus", wie er damals und heute noch praktiziert wird, seine Wurzeln in der zweiten Hälfte des 19. Jh findet, als im Rahmen der aufkommenden, pseudowissenschaftlichen Begründbarkeit der Rassenideologie dieser Begriff für den häufig anzutreffenden Judenhass geprägt wurde und die Bezeichnung "Semiten" zu einem Rassenbegriff verkam.

Nur, der Semitismus selber wurde schon im 18. Jh. lediglich als Kategorisierung für alle Angehörigender semitischen Sprachfamilie kreiert, nicht zuletzt, um sie von der indogermanischen Sprachfamilie abzugrenzen und schließt, wenn er sich auch von Noahs Sohn Sem ableitet, alle Völker der Bibel, also alle im früheren Mesopotanien und darüberhinaus ansässigen Völkergruppen ein.
Die größte noch heute existierende semitische Sprachegruppe ist übrigens Arabisch!

So müsste sich, erstens, strenggenommen, Anti-semitismus gegen alle Angehörigen dieser Sprachgruppe wenden, auch und nicht zuletzt gegen viele, heute moslemischen Menschen, die, paradox, zum Teil ihrerseits nur zu gern dem Antisemitismus fröhnen, zweitens, dürfte es sich bei einer Vielzahl von Angehörigen des jüdischen Glaubens nicht einmal mehr ansatzweise um Semiten handeln.
Bei Semitismus handelt sich also um eine Sprachzugehörigkeit und keinesfalls eine Rassenklassifizierung (muss ich noch ausdrücklich erwähnen, dass es keine Menschenrassen gibt?) Diese wurde ihm eben erst nachträglich angedichtet.
Soviel zur Begriffserklärung.

Da sich aber nun der Begriff Antisemitismus für Antijudaismus und Judenhass eingebürgert hat, unterteilt man ihn zur weiteren Spezifizierung dann in historischen, religiösen, politischen oder psycho-sozialen Erscheinungsformen, jeweils unter zusätzlicher Adjektivierungen, wie christlich, völkisch, rassistisch, sekundär, latent, islamisch oder antizionistisch, je nach dem zeitlichen oder ideologisch begründeten Kontext und der diesbezüglichen Motivation.

Und das ist auch wichtig, denn täte man dies nicht, so liefe man Gefahr, genau die angeblich historische Begründbarkeit des Antisemitismus herbeizureden, welche zum Beispiel die Nationalsozialisten als Alibi nutzten und Antisemiten bis heute nutzen. Auch darf man nie vergessen, dass Antisemitismus kein alleiniges Erscheinungsbild der Rechten Szene ist, sondern durchaus übergreifend und unabhängig von Politik und Ideologie funktioniert.

Im Grunde war, und ist, der einzige gemeinsame Nenner des Judenhasses darin begründet, dass es sich bei dieser religiösen Gruppe um eine, sich nicht durch äußere Einflüsse von ihrem Glauben abzubringende, Minderheit handelt.

So fußt auch die antike Judenverfolgung eben darin, dass das Judentum sich dem, zu dieser Zeit, stark verbreiteten Synkretismus in Bezug auf die Übernahme der Götter der herrschenden Volksgruppe widersetzten.
Einfach ausgedrückt, für die Juden gab es immer nur einen, ihren Gott und einen, ihren Glauben und dies machte sie in den Augen der Herrschenden verdächtig, da Götterkulte und Staatspolitik damals schon eng verwoben war.

So verboten z.B. die Römer den Juden, an denen sie sich die Zähne ausgebissen hatten, nach der Zerstörung des Tempels in Jerusalem, jede weiter Ansiedelung in der Stadt und hoben die damalige Teilautomie in ihrem eigenen Land, dass fürder hin "Palästina" genannt wurde, auf.

Dieses vehemente Festhalten an ihrem jüdischen Glauben und den damit verbundenen Bräuchen führte dann, neben dem Generalvorwurf, sie hätten Christus getötet (nebenbei, Rabbe Jeshua ben Jossof war Jude und wollte mit Sicherheit nie etwas anderes sein!) im Laufe der Zeit zu den im Mittelalter gebräuchlichen Restriktionen, wie Zwangstaufen, Pogromen und Ghettoisierung.
Zu letzerem möchte ich nochmals mit aller Deutlichkeit sagen, dass die weit verbreitete Annahme, die gerne auch antisemitische Alibifunktion erfüllt, die Juden wollten eben unter sich sein und hätten sich deshalb freiwillig separiert, schlicht irreführend, wenn nicht gar falsch ist.
Die gerne dazu als Argument herangezogenen עירוב (Eruv), innerhalb deren symbolischer Grenzen es auch strenggläubigen Juden erlaubt ist, am Sabbat eigentlich verbotene Tätigkeiten zu verrichten, rechtfertigt keineswegs eine gänzliche Trennung einer Religionsgemeinschaft von einer anderen.

Auch spielte aus christlicher Sicht immer auch die Idee eines Fluches oder einer Strafe Gottes eine Rolle, wodurch den Juden die messianische Botschaft verwehrt geblieben wäre.

Noch etwas zu dem immer wiederkehrenden Vorwurf, Juden wären geldgierige Wucherer.
Auch die Wurzeln dieses "Argumentes" finden sich in der Judenfeindlichkeit und sind eben nicht, wie immer gern behauptet wird, genau dafür ein Grund.
Christen war es verboten Zinsen zu nehmen, doch wer verleiht gerne Geld, ohne daran zu verdienen? Juden durften jedoch Zinsen nehmen, also, was lag da mehr auf der Hand, als dass sie sich eben diese Nische suchten?
Besonders wenn man dann noch berücksichtigt, dass ihnen die Aufnahme in die Handwerkszünfte verboten war, die Mitgliedschaft in einer Zunft aber zwingend erforderlich war, um ein Handwerk auszuüben.
Was jüdische Handwerker zwar wohl nicht daran hinderte, ein Handwerk zu erlernen und auszuüben, aber eben nur, wenn überhaupt, ohne die weitreichende soziale Absicherung durch eine Zunft, innerhalb ihrer religiösen Gemeinschaft! Ein Umstand, der wohl zur weiteren unfreiwilligen Trennung geführt haben dürfte.
Es dürfte in Bezug auf die vorwiegend christliche Klientel der Geldverleiher dann auch zu weiterem Hass auf "Die Juden" geführt haben, wenn man überlegt, wie schnell man sich Geld leiht, ohne sicher zu gehen, ob man es auch zurückzahlen kann. Und wer war dann Schuld? Natürlich nicht der ehrenwerte Schuldner, sondern der, auf die Rückzahlung pochende Kreditgeber!

Dass Geschäfte vom Vater auf den Sohn übergehen, und so zu Traditionsunternehmen werden, ist ja kultur-, landes- und religionsübergreifender Usus und bedarf, meiner Meinung nach, eigentlich keiner weiteren Erläuterung, genauso wenig, wie der Umstand, dass es Juden auch nur in den seltensten Fällen (abhängig meist von der Einstellung des jeweiligen Landesfürsten) gestattet war, eine christliche Schule oder Universität zu besuchen.

Wohlgemerkt, bis dahin, also etwas bis ins 18. Jh. war Judenverfolgung und Judenfeindlichkeit (die zum Teil bis zum Aberkennen der Staatszugehörigkeit führte!) noch hauptsächlich, wie im Altertum politisch, so im Mittelalter religös bedingt.
(Spanien bildet da aus dem geschichtlichen Kontext heraus zu verstehende Ausnahme, da die Spanischen Juden unter der maurischen Herrschaft ein vergleichsweise emanzipiertes Leben geführt hatten und somit im Rahmen der Reconquista nach deren Vertreibung unter Sippenhaft genommen wurden.)

Der Rassengedanke kam, wie bereits gesagt, erst im ausgehenen 18. Jh., verstärkt jedoch erst Mitte des 19.Jh. ins Spiel, als man sich einer, nicht zuletzt durch die Französischen Revolution ausgelöste, fortschreitende Emanzipation des Judentums konfrontiert sah.
Generell war es damals Mode die Menschheit in Rassen zu klassifizieren, und so wurde eben aus der religösen Gemeinschaft Judentum, die Rasse der Semiten.
(Und wer nun noch mit dem Argument für die Rassenidiotie in Bezug auf des Judentum mit dem Umstand kommt, dass nach den Gesetzen dieser Religion eben jeder von einer jüdischen Frau geborener Mensch automatisch Angehöriger der Jüdischen Gemeinschaft und somit Jude ist, dann möchte ich dem entgegen halten, dass es meines Wissens bisher nur möglich ist, zu einer Religion zu konvertieren, wie zum Beispiel dem Judentum, mir allerdings bisher noch nicht geläufig war, dass man auch die Volkszugehörigkeit (nicht die Staatsangehörigkeit!) wechseln kann. )

Und, wie man am, wahrscheinlichsten, Ursprung der im Artikel "Des Pudels Kern" behandelten "Protokolle der Weisen von Zion", nämlich, dem sich bereits mit dem aufkeimenden Bolschewismus konfrontierten, zaristischen Russland, erkennen kann, verwischen ab da auch die Grenzen zwischen religös, politisch und rassistisch motivierten Judenhass zu dem, was wir heute vielfach als antisemitischen Generalanklage finden.


Ich kann heute also durchaus die Politik des Staates Israel kritisieren. Warum auch nicht?

Problematisch wird es erst, wenn man die hier lebenden jüdischen Mitbürger dafür zur Verantwortung ziehen will. Bitte, was haben die denn damit zu tun? Oder amerikanische, französische, englische Juden?
Es wäre genauso meschugge, wenn ich einem Katholiken die Einstellung des Papstes vorwerfen würde (okay, der Vergleich hinkt, aber nur ein wenig...) oder Amerikanern irischer oder englischer Abstammung den Nordirlandkonflikt....auf so eine Idee kommt niemand, aber "Die Juden" stecken ja alle unter einem Hut.
Das ist Antisemitismus!

Krönung des antisemitischen und damit rassistischem Wahns ist es jedoch, wie in manchen, pseudodeutschen, Kreisen üblich, auch das Christentum als mosaische und damit fremdländische Religion zu definieren!
Nur weil etwas die gleichen Wurzeln hat, ist es noch lange nicht gleich und, bitte, mit seinem Entstehungsland hat das Christentum kulturell nun kaum noch etwas zu tun.
Außerdem würde dies bedeuten, dass man mal eben über den Daumen gepeilt 1500 Jahr, plus/minus ein paar Jahrhunderte, europäische und somit auch deutsche Geschichte und kulturelle Entwicklung zum Teufel schickt.
Und nicht zuletzt würde kaum jemand auf die Idee kommen, Millionen Christen ihre, rechtmäßige, Staatsangehörigkeit abzuerkennen, genauso wenig, wie es Sinn macht, dies mit Angehörigen des jüdischen Glaubens zu tun.
Glauben existiert nicht regional begrenzt, sondern wird getragen von denen, die diesen Glauben praktizieren.


Eins noch:

Wie, nicht zuletzt, das letzte Beispiel mit dem Christentum zeigt, muss man immer berücksichtigen, dass es sich dabei um , meist willkürliche, Gruppenbegriffe ( Juden, Christen, Moslems, Atheisten, Heiden, "Zigeuner", politisch Andersdenkende, Homosexuelle etc.) handelt, die zudem sehr variabel in der Definition sind. Jede, einem Regime oder anderen Vereinigungen missliebige Personengruppe kann so klassifiziert und konkret benannt werden.

Wenn man generell eine Verfolgung oder gar einen Genozid auf eine solche Klassifizierung reduziert, erweckt man dadurch einerseits den Eindruck einer geballten Gefahr, andererseits schafft man auch eine gewissen Distanz zu den Opfern.

So kann sich dann auch der, glücklichweise, (noch) unbeteidigte Dritte immer sagen:"Schlimm, ja, aber das betrifft mich nicht wirklich."

Jede Art der Diskriminierung beginnt genau da, wo man zuerst eine Gruppe sucht oder künstlich erschafft und ihr dann in verallgemeinernder Weise gewisse gruppenspezifischen Eigenschaften zuschreibt.
Dabei sind die Gründe zuerst einmal völlig irrelevant.
Das Ziel ist aber immer, den Menschen ihre Individualität zu nehmen und sie als Gruppe einer, wie auch gearteten, Wertung unterziehen zu können.

So kann man durchaus rassistische, antisemitische oder sexistische Einstellungen vertreten ohne sich selbst dessen bewusst zu sein. Irgendwann überlagern nämlich die Stereotypen die eigene Wahrnehmung und man denkt überhaupt nicht mehr darüber nach, ob sie denn so wirklich Bestand haben.




* So geht man nach bisherigen Erkenntnissen von einer Gesamtzahl von mindesstens 13 Mio. Menschen aus (neben eben den 6. Mio.Holocaust-Opfern, noch 3.3 Mio. sowjetische Kriegsgefangene + 1000.000 sowetische Zwangsarbeiter, 2.5 Mio. christlicher Polen, 500.000 Jugoslawen, 100.000 Tschechen, 100.000 hauptsächlich deutsche Euthanasie-Opfer und weitere 130.000 deutsche Staatsangehörige als aktive oder passive Widerständler, 1200 Zeugen Jehova und 5000 Homosexuelle), wobei man berücksichtigen muss, dass die tatsächliche Zahl noch höher liegen dürfte, und die deutschen und nicht-deutschen Opfer unmittelbarer Kriegshandlungen dabei noch außen vor sind.



Quellen und Literaturverweise:
Berent Schwineköper (Hrsg.): Gilden und Zünfte. Kaufmännische und Gewerbliche Genossenschaften im frühen und hohen Mittelalter. Jan Thorbecke Verlag, Sigmaringen 1985, ISBN 3-7995-6629-5.

Christina von Braun, Ludger Heid: Der ewige Judenhass; Studien zur Geistesgeschichte,Philo Verlagsgesellschaft, 2006;
ISBN 3-8257-0149-2

Jean Paul Sartre: Überlegungen zur Judenfrage. Rowohlt, Reinbek 1994, ISBN 3-499-13149-8

Theodor W. Adorno /Max Horkheimer: Elemente des Antisemitismus. In: Dialektik der Aufklärung: Philosophische Fragmente. Fischer TB-Verlag, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-596-50519-4

Gunnar Heinsohn: Was ist Antisemitismus? Der Ursprung von Monotheismus und Judenhaß, Eichborn 1988, ISBN 3-8218-0418-1

Rohrbacher, Stefan/Michael Schmidt, Judenbilder. Kulturgeschichte antijüdischer Mythen und antisemitischer Vorurteile, Reinbek 1991. ISBN-13: 978-3499554988

Derek William Lomax: Die Reconquista. Die Wiedereroberung Spaniens durch das Christentum, Heyne Verlag, München 1980. ISBN 3-453-48067-8

Torsten Ripper: Vom Vorurteil zur Vernichtung. Hitler und die „Endlösung der Judenfrage“. , Wochenschau-Verlag, Schwalbach/Taunus 2001, ISBN 3879204705

Weiterführende Links:
Semitische Sprachen auf Wikipedia

Synkretismus in der philosophischen Definition

Jüdische Geschichte und Kultur
Projekt des
Lessing-Gymnasiums, Döbeln.

"Antisemitismus - Judenhass gestern und heute" auf Hagalil.com

Dienstag, 21. April 2009

Des Pudels Kern - Was ein paar gefakte Protokolle anrichten können!

Für mich ist es eigentlich nichts neues, mich teilweise bei meinen Recherchen früher oder später in sehr merkwürdigen Ecken wieder zu finden.
Da reichen meine Emotionen dann je nach Rubrik von Kopfschütteln über Fassungslosigkeit bis hin zu kaltem Grausen.

Was mich bisweilen erstaunt, ist wie nah manche Bereiche, die scheinbar nur marginal Ähnlichkeiten aufweisen, dann doch bei näherem Hinsehen zusammenhängen.
Ich hatte ja schon bei meinem früheren Blogbeitrag "Medienkompetenz, Aufklärung und Weltverschwörer" bemerkt, dass zumindest in Aufbau und Inszenierung eine augenfällige Parallele zwischen der Propadanda, wie sie auch im Dritten Reich üblich war, und der, welcher sich die Weltverschwörungstheoretiker bedienen, besteht.

Heute musste ich mich dann einmal näher mit den unseeligen "Protokolle der Weisen von Zion" auseinandersetzen.
Dabei handelt sich um ein antisemitisches Pamplet der übelsten Sorte ungeklärter Urheberschaft, das Anfang des 20. Jahrhundert, ausgehend von Russland seine Verbreitung über Europa und die britischen Inseln bis in die USA fand und das, obschon seit 1920 unzweifelhaft als als Fälschung entlarvt, den Anstoß zu so mancher, in der Folgezeit entstandenen, antisemitischer Ideologien gab.

Auch Hitler kam in seiner Jugend damit in Berührung, denn in seinem "Mein Kampf" nimmt er teilweise wortwörtlich darauf Bezug und man wird auffällig oft in beiden Machwerken eben mit dem paradoxen Konstrukt der jüdisch-bolschewistischen Weltverschwörung mehr als ausreichend konfrontiert.
Übrigens, zieht uns Adolf in seinem geistigen Erguss den Beweis für die Authentizität der Protokolle schon allein aus der Tatsache, dass die, in seiner Weltsicht ja auch zionistische, Frankfurter Allgemeine, diese eben anzweifelte.
Ne, Leute, wenn das nicht ein so trauriges Kapitel der Geschichte wäre, mit so weitreichende Folgen für die Welt, man könnte über diese Art "Logik" wirklich lauthals lachen.

Aber das Lachen bliebe einem dann so oder so im Halse stecken, weil, wie gesagt, nicht nur Hitler fühlte sich von den Protokollen in seine Glauben bestätigt, sondern auch viele Antisemiten weltweit und kostete wahrscheinlich so manchen jüdischen Mitbürger sein Leben, auch ohne die spätere Vernichtungsmaschinerie des Nazi-Regimes.
Wen wundert es da noch, dass auch einer der späteren Chefideologen des, zum Führers aufgestiegenen Schickelhubers Adolf, Alfred Rosenberg, die Protokolle zur Basis seines Rassenwahns machte, nachdem er sie aus seiner Heimat sozusagen importierte?

Antisemitismus ist sehr alt. Den hat es auch schon vor den Protokollen gegeben.
Nur, bis zu deren Veröffentlichung gab es noch nie eine so detailierte, zusammenfassende Schrift, mit einer so "fundierten" Rechtfertigung zur Judenfeindlichkeit.
Viel besser, als "Sie haben Jesus ermordet!" oder "Sie schlachten kleine Kinder!"


Zweierlei Dinge finde ich bei der Thematik der "Protokolle der Weisen von Zion" außerordentlich bemerkenswert:

  • Lügen und Fälschungen, auch wenn sie schon lange als solche entlarvt wurden, haben ein beträchtliches Stehvermögen. Es ist vollkommen egal, mit wie stichhaltigen Gegenbeweisen man dagegen ankämpft, die Logik derer, die so etwas glauben wollen, ist dermaßen verquere, dass auch die besten Argumente sie nicht mehr erreichen. Besonders wirr wird es, wenn man dem "Kind" dann einen sehr mystisch anmutenden Namen gibt und die (nicht vorhandenen) Quellen sehr weit nach hinten datiert. Dann muss ja etwas dran sein, besonders wenn so viele behaupten, dass dem eben nicht der Fall ist.
  • In den Protokollen findet sich sämtliche Verschwörungszenarien, die man auch heute noch, oder wieder, in den Kreisen der Weltverschwörungstheoretikern findet. Vom 11. September, über die Finanzverschwörung, aktuell besonders die Pleite derHypo-Real-Estate Holding und da die Tatsache, dass deren Vorstand Bernd Knobloch der Sohn der Vorsitzenden des Zentralrates der Juden, Charlotte Knobloch, ist, sowie auch gewisse Theorien die FED- Federal Reserve System, die Amerikanische Zentralbank, betreffend, wegen der Kontrolle des Gold - und Geldwesens, sowie generell die amerikanischen und internationalen Banken überhaupt, hinzu strategisch durchgeführten Massenvergiftungen, z.B. durch Impfungen oder überhaupt die klassische Medizin, weiter zur Kontrolle der Energie- Nahrungs- und Wasserreserven, bis hin zum Nahostkonflikt und der Theorie, dass der Staat Israel eben nur geschaffen wurde, um als Stützpunkt der Illuminaten, Freimaurer, Weltfinanz, dem Weltjudentum und weiß der Geier, wem noch da, hinter dem Vorhang, zu dienen, um den Islam auszumerzen und die Weltherrschaft an sich zu reißen.

All diese Themen findet man dann auch, wen wunderts, in den WVT-Foren und Plattformen, vom popeligsten Forum bis hin zu Infokrieg.tv und SekretSecret.tv, das übrigens Johann G. Holey gehört, dem Vater von Jan Udo Holey, besser bekannt unter dem Pseudonym, Jan van Helsing, bekannter Demagoge, Antisemit, Verschwörungstheoretiker und (leider) Buchautor, der ebenfalls die Protokolle nutzte, um seine Ideologie zu verkaufen (Er brauchte dann wohl auch noch die Außerirdischen mit ins heitere Verschwörungskarussell...) und sich natürlich auch bei Papa kräftig austoben darf.
Nicht zu vergessen, Peter Josephs Zeitgeist-"Doku", denn dort wird in geballter Form alles, was die VT hergibt, rausgehauen, und somit auch erneut die Inhalte der Protokolle widergekäut, mundgerecht für den geneigten Zuschauer, all inclusive, sozusagen.

Ich will damit nicht sagen, dass jeder Anhänger der WVT Antisemit ist, oder gar dem rechtsextremistischen Spektrum zuzuordnen ist.
Aber, wie man sieht, die Schnittmenge zwischen rechtem Gedankengut und WVT ist sehr groß. Beide Gruppen, unabhängig von einander fallen, auf die gleichen Märchen herein, bedienen sich ihrer oder wollen einfach daran glauben, weil sie so die Welt besser für sich sortieren können.

Und alle gemeinsam heulen sie denselben Mond an, beten zum demselben Götzen!



Natürlich gibt es mit Sicherheit eine Personengruppe, die ihre Position in der Welt ausnutzen. Sicher wird da auch in Kreisen der Hochfinanz gekungelt.
Und was 911 betrifft, wir werden nie mit Sicherheit sagen können, ob da jemand etwas im Voraus gewußt hat und ob, und wenn, wer da nun wen deckt oder benutzt hat.
Es gibt viele Ungereimtheiten.
(Erinnert irgendwie an die Ermordung von J.F. Kennedy und seinem Bruder Robert.)

Und klar macht das auch ein wenig Angst oder besser, es macht Angst, sich machtlos zu fühlen.

Aber sich daraus dann eine krude Theorie zu schustern, um erstens, alle, seiner persönlichen Kontrolle entziehenden Geschehnisse in der Welt, auf einen gemeinsamen Ursprung zurückzuführen und dann, zweitens, auch noch ein und derselben Gruppe zuzuschreiben, ist mehr als nur etwas verdreht, dass ist schon in höchstem Maße psychotisch.

Interessant wird es jedoch, wenn man sich eben ansieht, wer an dem ganzen verschwörungstheoretischem Kram dann wirklich gewinnt.

Einerseits eben die Anhänger selber, denn, wie gesagt, einerseits haben sie eine Erklärung für ihr persönliches Ohnmachtsgefühl, andererseits poliert es auch ein wenig das Selbstwertgefühl auf, wenn man sich vorstellt, dass da eine sehr mächtige Personengruppe ihre gesamte Energie darauf verschwendet, Otto-Normal-Mensch das Leben schwer zu machen.

Andererseits natürlich diejenigen, die den Mist widerkäuen oder weiterspinnen und dann gegen cash, sei es in Form von Videoportalen, Filmen oder Sachbüchern unter das, nach neuem Input lechzende, Volk bringen.

Ja, und dann gibt es da ja noch diejenigen, welche die, durch die VT resultiernde Verunsicherung für die Vermarktung ihrer Ideologien und Heilsbotschaft ausnutzen.
Und da dann besonders jene, die den Leuten erzählen, dass sie alles ändern werden, dass sie die Herrschaft der illuminativen, freimaurerischen, jüdischen, zionistsch-bolschewistisch-kapitalistischen, fremdstämmigen, mächtigen Männer hinter dem Vorhang, entmachten und beseitigen werden und das Volk von dieser Plage befreien werden.

Und da könnten sich neben der Schnittmenge aus WVT und Rechtsradikalen auch die beiden Hauptgruppen als Verbündete zusammenfinden, wenn der Feind, scheinbar derselbe ist, getreu dem Motto "Der Feind meine Feindes ist mein Freund!"

Man sollte deshalb dabei nie den Ursprung der Weltverschwörungstheorie vergessen...







Und da sagt man, Lügen haben kurze Beine....
...von wegen!

Dienstag, 27. Januar 2009

Nä, wat bin ich fies... oder "Wir nehmen ihnen ihre Spielzeuge weg"

Als ich vorhin einen Kommentar beim Sir zu dem Artikel "Und stetig kommen sie wieder" bezüglich des Asatru-Versandes hinterließ, in dem ich auch erwähnte, dass nicht nur wir Heiden unter Symbol-Enteignung durch die Braunen Brut leiden, sondern eben auch die Skins, besonders was deren Dresscode betrifft, wobei es schon fast soweit geht, daß alte, renommierte Modelabels durch die Rechtsextremen fast bis ins geschäftsschädigende Maß (Longsdale) benutzt werden, kam mir so der Gedanke:
"Leute, kauft mehr Longsdale- und Fred-Perry-Klamotten um sie den Bekloppten durch inflationäre Zurschaustellung als "Erkennungszeichen" nutzlos zu machen!" *g*


Aber Spaß beiseite (obwohl, so spaßig war mein Gedankengang ja nicht!), sowas wird durchaus ernsthaft praktiziert. Man nehme die Rhetorik, den Dresscode, die Symbolik z.B. der Rechten Ideologie, übernehme sie und überzeichne sie dann am besten noch bis ins Adsurde und Lächerliche.
Schönes Beispiel dafür ist die "Front Deutscher Äpfel".

Auch bedient man sich in der Kunst gerne dieses Mittels (z.B. Karikaturen sind ja nichts anderes als überzeichnete Darstellungen), im politischen Kabarett, der Literatur und auch in der Musik.

Aber das geht auch noch einen Zacken härter.

Dieses Stilmittel nennt sich dann "Überidentifikation".

Und da hab ich doch glatt mal wieder so ein fieses Schmankerl auf Lager (ich muß zugeben, ich steh auf Satire, Ironie und schwarzen, doppeldeutigen, Humor *fg*).
Macht ruhig eure Boxen etwas lauter, das Teil rockt ganz schön...

Geburt einer Nation


Die slowenische Gruppe nennt sich Laibach.

Das obige Lied ist übrigens ein autorisiertes Cover eines Songs, den viele von euch kennen werden. *g*
Aber ich löse das mal noch nicht auf....

An jene, die den Song noch nicht kennen:
Seid bitte so nett, und wartet mit dem Melden dieses Artikels wegen "Weiterverbreitung faschistischen Liedgutes" bitte solange, bis ich das Original als Auflösung gepostet habe. ;-)


Edit:

Hier nun die Auflösung bzw. das Original des obigen Cover von Laibach. *g*


Queen - One Vision


Da sieht man mal wieder, was man mit ein bisschen Optik und etwas anderer Interpretation bewirken kann!

Montag, 26. Januar 2009

Back to The Roots II - Update Wader

Wie versprochen, weitere Lieder aus meiner Vergangenheit. Diesmal eine Reminiszenz an Hannes Wader und ein wenig von Baez/Seeger.

Zogen einst fünf wilde Schwäne


Eine Volksweise, in der Interpretation von Hannes Wader. War das erste Wader-Lied, das ich gehört habe!


Bella ciao


Ebenfalls von Wader interpretiertes italienisches Partisanenlied, das zugegeben, diese sehr glorifiziert, allerdings bedenke man, dass es auch Situationen gibt, wo passiver Widerstand nichts mehr bringt.


Wir werden sehen!


Dieses Lied deckt auch noch ein anderes Interessengebiet bei mir ab. Das an den Native Americans, und das seit uns im Englisch-Unterricht unser damaliger Lehrer aus "Bury my heart at Wounded Knee" von Dee Brown das Kapitel über das Massaker am Sand-Creek vorgelesen hat. (in dem Fall rate ich von dem deutschen Wiki-Beitrag dringend ab. Zum Beispiel die Aussage, "nach Sand Creek schlossen sich einige Stammesangehörige der Cheyenne zur Hundegemeinschaft zusammen. Dies war eine Gruppe radikaler Cheyenne, die der Meinung war, dass es keine sinnvollen Verhandlungen mit den Weißen geben kann. Sie führten von nun an Krieg gegen jeden Weißen." [sic], ist schlicht quatsch, weil die Dog Soldier Society (Hotamétaneo'o), angeblich die Kriegerelite unter den sechs Krieger-Bünden der Tsitsistas, hat es schon lange vor Sand Creek gegeben. Gut möglich allerdings, dass sie danach ein winziges bisschen aggressiver (den Weißen gegenüber) waren, als vorher...wieso wohl?
Aber ich schweife ab...nur noch soviel, wenn Wikipedia zum Thema "Native Americans" dann bitte schon die englische Version. Die ist zwar auch nicht immer fehlerfrei, aber da schreiben auch Leute mit, die sich mit der Materie aus persönlichen Gründen besser auskennen...*räusper* (ja, die Alte Frau schwafelt wieder...)

Zurück zu Wader:

Die Moorsoldaten


Auch wieder eine sogenannte Cover-Version eines wirklich bemerkenswerten Liedes.


Nun mal was von Konstantin Wecker, zusammen mit Wader

Sage Nein!


und hier die Coverversion von ASP (selber zufällig gefunden!)



Na, wenn das nicht jugendkompatibel ist ;-)


Und da ich ja noch was von Joan Baez angekündigt habe, zum Schluß das schönste Anti-Kriegslied, das wohl je geschrieben wurde.

Sagt Mir Wo Die Blumen Sind

Sonntag, 25. Januar 2009

Back To The Roots - Erinnerungen an nicht wirklich Vergangenes

Ein Gespräch mit dem Sir über Bundesheer und Bundeswehr im weitesten Sinne, in dem es auch ganz kurz um Wehrdienstverweigerung und die Unterschiede zwischen der Schweiz und Deutschland ging, führte mich wieder zu einer (musikalischen) Reise in meine Vergangenheit. Aber davon gleich mehr.

Zum besseren Verständnis der "Spätgegeborenen", muss ich zuerst vorausschicken, dass man, um das, im Grundgesetz Artikel 4, Absatz 3 verankerte Grundrecht zur Verweigerung des Wehrdienstes bei uns in Deutschland bis 1983 (eigentlich nur bis 1977, allerdings wurde damals der Vorstoß der Rot-gelben-Regierung zur Abschaffung dieser Praxis durch eine Verfassungsbeschwerde der CDU/CSU-Opposition erfolgreich torpediert) wahrnehmen zu können, üblicherweise einen Antrag beim zuständigen Kreiswehrersatzamt stellen mußte, nebst einer schriftliche Begründung, wie heute auch noch, und damals eben anschließender mündlicher Anhörung der Wehrdienstverweigerer durch einen Anhörungsausschuss um die Ernsthaftigkeit der Gewissenentscheidung glaubhaft zu machen.

Mehr zum Thema Wehr- bzw. Kriegsdienstverweigerung und deren Geschichte und Entwicklung findet man in dem sehr fundierten Wiki-Artikel "Kriegsdienstverweigerung in Deutschland"

Bei meiner Recherche, bis wann genau diese Praxis gebräuchlich war, stolperte ich über einen Artikel von Dirk Jürgensen auf Einseitig.Info, in dem er, unter dem Titel "In Sibirien Wache schieben - Als die Kammer noch Gewissen prüfte" nicht nur die damals gängige Praxis sehr treffend anhand seinen eigenen Erfahrungen schildert, sondern auch viel besser als ich es mag, beschreibt, wodurch sich die damalige Generation, zu der ich meine eigene (obwohl Jürgensen gut 8 Jahre älter ist als ich) auch noch zähle, von der heutigen unterscheidet.

Nennt mich eingebildet, aber wenn ich mir heute die Teenager und deren mangelndes (höhö, ist schon sehr geschönt) politisches Interesse betrachte, dann kann ich teilweise nur noch mit dem Kopf schütteln.
Wir trugen auch Palästinenser-Schal, aber nicht als Mode-Gag, sondern weil wir wussten, wofür er steht, und Che Guevara und "Why?-Poster" (kennt die heute noch jemand? Darauf waren unter der besagter Frage sterbende Soldaten, auf meinem eigenen nur ein Kreuz mit einem aufgesetzten Helm und Hundemarke, zu sehen.) zierten unsere Wände (und wir wußten auch da, warum! Als ich vor einiger Zeit, ich glaube es war, als wir unsere Thea abholten, im Schaufenster eines "Modetempels" eine Girlie-Handtasche mit eben dem Konterfei des guten Che erblickte, mußte meine Tochter mich wegzerren, sonst wäre ich wohl reingerannt und hätte denen erzählt, was ich von sowas als Mode-Accessoire halte....war ja leider kein Pflasterstein greifbar....), statt irgendwelcher gefakter Gangsta-Rappers und Eintagsfliegen-Klon-Casting-Boy/Girl-Bands.

Und wir gaben uns am Wochenende nicht dem Koma-Saufen hin, sondern gingen lieber auf politische Demos (*räusper* nicht nur am Wochenende...aber, liebe Jungmenschen, Schuleschwänzen ist kacke, selbst wenn man einen guten Grund zu haben meint!!!).
Zugegeben, nicht unsere ganze Generation war so politisch, es gab auch da die Mode-Püppchen, "liebe Kinder" und den "angepassten Spießer-Mitläufer-Nachwuchs", aber wie Jürgensen schon schreibt, ich kann mich erinnern, dass wir neben dem ganzen anderen Kram, über den Jugendliche eben so quatschen, auch sehr oft über Politik und Umwälzung lamentierten, derweil man sich eine Zigarette drehte (Filterzigaretten waren auch "spießig") und Tee oder Wein Marke "Urwaldmaggie" (Vin de Table, weil billig!) süffelte.

Und dies, um den Kreis wieder zu schließen, spiegelte sich eben auch in der Musik, die ich zumindest, unter anderem hörte.

Nach dem Gespräch also ging mir diese Befragungs-Methodik nicht mehr aus dem Kopf und dann fiel mir der gute alte Franz-Josef Degenhardt wieder ein, den ich neben Liedermachern wie Danzer, Wader, Wegener und einigen anderen zu dieser Zeit gern und oft hörte.

Ich kramte also wieder etwas in meiner Plattensammlung bzw. in YouTube und höre seither die alten Lieder und stelle erleichtert fest, dass sie mich noch immer so berühren wie vor nunmehr fast 30 Jahren.


In meiner kleinen Degenhardt- Reminiszenz zuerst also die

Befragung eines Kriegsdienstverweigerers


Ich denke, jetzt wird klar, warum ich vorher so weit ausgeholt habe. Kaum zu glauben, aber ich kenne Männer, die in der Tat eben mit dieser total bescheuerte Frage bei ihrer Anhörung konfrontiert wurden. Lang ist's her, thank goddess!

Aber Degenhardt hat auch (leider) ewig aktuelle Lieder geschrieben, wie

Eigentlich unglaublich


ein Lied, das ich schon vor geraumer Zeit wiederentdeckt habe.
Aber auch

Wölfe mitten in Mai


und

Die Sprache der Mörder/Auf der Heide


haben nichts von ihrer Aktualität verloren. Eher im Gegenteil...

Dabei kam mir dann noch Hanns Dieter Hüsch in den Sinn, mit dem ich aufgewachsen bin und der mich mit seiner geschliffenen Sprache, seiner leisen, nachdenklichen Art, mehr als nur ein bisschen geprägt hat. Als er 2001 nach einem Schlaganfall nicht mehr öffentlich auftreten konnte, traf mich das unglaublich, nicht zuletzt, weil ich nachzuvollziehen glaubte, was es für ihn, den Geschichtenerzähler, bedeutete.
Als dann, am 06. Dezember 2005, in den Morgennachtrichten die Meldung kam, er wäre in der Nacht verstorben, habe ich geheult (ich!), wie nur einmal zuvor beim Tod eines Künstlers.

Nun, ich schaute auf YouTube und fand tatsächlich

Das Phänomen


In diesem Sinne wünsche ich euch noch einen schönen Abend!