Meinereiner
"Bildung ist wichtig, vor allem wenn es gilt, Vorurteile abzubauen.
Wenn man schon ein Gefangener seines eigenen Geistes ist, kann man wenigstens dafür sorgen, daß die Zelle anständig möbliert ist."
Peter Ustinov
„Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.“
Benjamin Franklin
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Montag, 12. Dezember 2011
Mittwoch, 8. Dezember 2010
Mord Nr. 3 - Töte den Gedanken
Nachdem hier ja schon eine Reihe von Morden begannen wurden, möchte ich heute einmal über die Funktion des Denkens sprechen.
Krischnamurti sagt dazu:
Selbst, wenn wir uns eben dieser Konditionierung nicht bewußt sind, so ist sie doch vorhanden und beeinträchtig unser Empfinden. Mehr noch, man denkt mit dem Bewußtsein, es drängt sich somit auch in die rein geistige Ebene.
Wir Menschen nehmen Sinneseindrücke wahr - Geschmack, Geruch, Geräusche, Farben, jede kleinste Information und verarbeiten sie sogleich, ziehen unsere Schlüsse daraus und werten sie dann für uns.
Denken ist im Prinzip nichts anderes als eine Hochrechnung von Fakten, erlernten und erlebten und vergessenen, woraus wir Schlussfolgerungen ziehen und dadurch zu temporär für uns gültigen Ergebnissen kommen.
Man mag das Wahrheit nennen, aber diese Wahrheit ist höchst subjektiv und flüchtig.
Jedesmal, wenn neue Fakten dazu kommen, läuft das "Programm" erneut ab.
Im Prinzip also nichts anderes als das, was jeder Computer mit einer guten Datenbank-Software und einer größtmöglichen Anzahl an Variablen auch zu stande bringt. Nur eben, dass dieser den Vorgang wesentlich neutraler und schneller absolvieren kann, da er sich eben weder ablenken noch durch Irrationales oder Unterbewußtes beeinflüssen lässt. Zwar gibt es mittlerweile ja Programme, die in der Lage sind, zu lernen, also aus gemachten "Erfahrungen" Schlüsse für zukünftige Aktionen zu ziehen, aber mit dem menschlichen Lernen und somit Denken hat das wenig zu tun, wenn es sich dabei nicht gerade um pathologische Naturen handelt.
Darum käme nie jemand auf die Idee, einer Maschine wirkliches Denken oder gar irgend eine Art der Vernunft zu zubilligen. Eben weil er vollkommen kalt und neutral ist. Wenn er überhaupt "denkt" dann in einer rein dualistischen Art - 0 oder 1, nein oder ja.
Das Denken läuft bei einem Menschen jedoch wesentlich differenzierter ab. Trotzdem ist es ein rein dualistischer Vorgang.
Wieso?
Nun, sobald wir denken, Betrachtungen vornehmen, etwas zu erfassen, zu begreifen, zu durchschauen oder zu verstehen versuchen, in dem wir darüber sinnieren, tun wir immer das gleiche: Wir trennen Inneres und Äußeres in Ich und Außenwelt, in Wollen und Realität, in Weg und Ziel, in Gegenwart und Zukunft und so fort.
Im Buddhismus nennt man das den Affengeist.
Wie ein Affe turnen wir gedanklich ständig herum, hangeln uns von einem Gedanken zum nächsten, bewerten, katalogisieren, verwerfen und begehren, wollen das eine und das andere nicht und versuchen Wahrheit und Wirklichkeit zu erlangen und es von Falschem und Illusion zu trennen. Dabei verlieren wir aber genau das, den Bezug zur Wirklichkeit (im Sinne von "was wirklich ist") und auch Wahrheit.
Schwer zu verstehen, ich weiß, und noch schwerer für mich es in Worte zu fassen.
Es ist mit den Gedanken so ähnlich wie mit einem Besuch in der Eisdiele.
Man hat so richtig Lust auf ein Eis sofort schießt einem "Schoko!" durch den Kopf und geht also ins Eiscafé mit dem festen Vorsatz, ein Schokoeis zu bestellen. Dann sieht man all die anderen Sorten und der Affe beginnt zu toben: "Vanille wäre aber auch toll...also Schoko und Vanille...hm... Waldbeer...das sieht so lecker aus, aber da passt Schoko ja gar nicht zu...eigentlich hab ich ja mehr Appetitt auf was Fruchtiges, also Waldbeer und Zitrone..ui. Pfirsich haben die auch, hatte ich ja ewig nicht mehr...was ist denn das Blaue, wie das wohl schmeckt...aber wenn ich das nicht mag..."
Versteht ihr, was ich meine?
Am Anfang war da mal der kristallklare Wunsch nach einem Schokoeis, am Ende hat man irgendwas anderes und vielleicht dazu noch so ein unbefriedigendes Gefühl. Der Affe hat alles durcheinandergebracht.
Ähnlich sieht es mit den Gedanken hinsichtlich unserer Wirklichkeit aus. Anstelle etwas als wirklich, wahr, zu nehmen, entfernen wir uns durch unsere Gedanken davon, was nun tatsächlich wirklich ist, immer weiter und weiter von der Wirklichkeit, der Realität.
Dadurch, dass wir das analysieren, was an Sinneseindrücken ständig auf uns eindringt, schaffen wir quasi eine Parallel-Welt zum Realen, zum Wirklichen, nämlich die Welt in unserem Kopf. Aus dem "Ist" wird somit ein "Könnte sein".
Das liegt zum Teil daran, dass jeder Mensch über eine individuelle Wahrnehmung verfügt.
Wenn da ein Stein liegt und hundert Menschen gehen an ihm vorüber, dann nimmt jeder ihn auf seine spezielle Art war, jeder sieht ihn ein wenig anders.
Das ist das eine.
Das andere wäre, in dem Augeblick, wenn ich an diesem Stein vorüber gegangen bin, beginnen meine Gedanken aus dieser Begebenheit etwas zu konstruieren, was so gar nicht stattgefunden hat. Wie er da hingekommen ist, zum Beispiel, wie lange er da liegt, wie seine Zusammensetzung war etc.
Das alles ist jedoch irrelevant.
Da war ein Stein, aus.
Aber durch unsere Gedanken wurde möglicherweise aus "Da ist ein Stein!" schon ein "Da ist nur ein Stein!" oder aber sogar "Da war kein Stein!" Damit nehmen wir ihm jedoch schon einen Teil seiner Bedeutung in der Realität bis hin zur Verleugnung seiner Existenz.
Wie hinderlich der Denkprozess sein kann, erkenne ich persönlich immer daran, wenn ich lese.
Es passiert, dass ich dabei über einen Satz stolpere, der ein Reaktion bei mir auslöst. Er spricht rein intuitiv etwas in mir an.
Dann ertappe ich mich dabei, wie ich zwei Seiten weiter immer noch über den Satz und eben über diese meine Reaktion darauf nachdenke. Einerseits habe ich dann keinen blassen Schimmer mehr, was auf den vorherigen zwei Seiten stand, weil ich gedanklich noch bei dem einen Satz war, ich bin also nicht mehr "in dem Buch", sondern woanders, andererseits hat sich in meinem Bemühen, der Reaktion gedanklich auf die Spur zu kommen, dieses Gefühl bereits verändert oder aber verflüchtigt.
Lese ich den Satz dann erneut, nehme ich ihn anders wahr, er hat sich verändert, möglicherweise so, dass ich die Reaktion nicht mehr nachvollziehen kann. Anstatt also dem Gefühl zu folgen, dass ich beim Lesen empfand, erlangte mein Logos die Oberhand. Und aus war's mit meiner reinen Wahrnehmung, meiner Inspiration und Intuition.
Ein anderes Beispiel war, als ich anfing, mich mit dem Liber Al vel Legis zu beschäfigen. Das war übrigens auch ein Schlüsselerlebnis, was mich überhaupt dazu brachte, über die Thematik des Denkens und der Problematik, die daraus einstehen kann, zu beschäftigen.
Ich versuchte es erst einmal rein intelektuell zu entschlüsseln.
Äm, ja, wer es kennt, wird sich schon ausmalen können, dass ich damit nicht sehr weit kam. Zumindest hatte ich ja noch das "Liber Al für Kinder" (eher für Dummis), wo mit einfachen Worten beschrieben war, um was es überhaupt geht. Außerdem war es weder die erste Schrift über Thelema, noch der erste, kryptische oder sonst anspruchsvolle Text, welchen ich jemals gelesen hatte. Trotzdem biss ich mir daran wirklich die Zähne aus. Ich war schon fast so weit, zu denken, ich wäre zu blöd für das Gesetz.
Dann kam es dazu, dass ich, wie ich es oft tue, im Bett vor dem Schlafen noch etwas in eben diesem Buch las. Da ich ziemlich müde war, driftete ich dabei schon langsam weg, als mir plötzlich die Bedeutung eines Absatzes wie ein Blitz durchfuhr. Also las ich in dem Zustand des "Benebelt-seins" weiter und konnte kaum glauben, dass ich das vorher nie gesehen hatte. Mir ging nicht nur ein Licht auf, sondern ganze Kronleuchter. (das Gefühl kenne ich, das sind die Augenblicke, die im Gedächtnis haftenbleiben! Es gab da mal ein ähnliches Schlüsselerlebnis, als ich "Hanto yo" gelesen habe. Seither sehe ich die Native Americans nicht mehr auf diese widerlich romantisch-verklärte Art, wie sie leider immer noch üblich zu sein scheint. Aber dazu schreibe ich vielleicht später mal etwas).
Und hier ist der Punkt, wo dieser Beitrag über das Töten des bewussten Denkens sich mit dem verbindet, was ich schon in den anderen beiden bisherigen "Tötungsdelikten" über das Hinschlachten des Willens und des Buddhas schrieb.
Sobald wir bewußte Denkprozesse starten, passiert nämlich genau das, was ich dort beschrieb.
Einerseits verfolgen wir damit eine Absicht, und sei es auch nur Wissen zu erlangen oder zu tieferer Erkenntnis zu gelangen, und werden dabei Opfer all dessen, was wir bisher in unserem Leben bewußt und unbewusst aufgenommen haben. Wir "verstoßen" dabei also nicht nur gegen das Gesetz des Dao und erliegen somit den "Leid verursachenden Emotionen" oder Geistesgiften, wir schleppen auch noch all die "Buddhas" im Sinne von Lehren und Lehrmeinungen, negative, wie positive, mit uns, die uns auf im bisherigen Leben begegnet sind.
Unsere Gedanken sind nämlich im Grunde nicht unsere Gedanken, sondern die Summe, aller Erfahrungen, Lernprozesse und Überlegungen, mit denen wir bis dato konfrontiert wurden.
Das heißt jetzt nicht, man solle das Denken ganz lassen oder, wie man so schön sagt, es den Pferden überlassen, weil die ja bekanntlich den größeren Kopf haben.
Nur, man sollte lernen es zu dosieren. Nach-sinnen, Nach-denken, Überlegungen anstellen, Paralellen ziehen, ist im Nachhinein durchaus wünschenswert und nützlich.
Meiner Meinung nach resultieren eine ganze Reihe der Probleme in der Welt ja daraus, dass Menschen zu wenig denken. Aber, mindestens genauso viele Probleme entstehen dadurch, dass Menschen zu viel, oder besser, zur falschen Zeit denken.
Dadurch vernachlässigt man nämlich seine Intuition und damit im Grunde das, was uns miteinander und mit der Welt noch in Verbindung hält und was wir alle noch, meiner Meinung nach, in uns tragen, dem Dao eben.
Hier schließt sich dann auch der Bogen zu meinem Tiphareth-Beitrag , ohne dass ich dies bewusst beabsichtigte.
So wie sich der Etz Chaim darstellt, laufen alle bewussten Denkprozesse nämlich im zweiten Abschnitt des Baumes (man erinnere sich: er stellt nichts anderes als sowohl den Mikrokosmos - Mensch als auch den Makrokosmos - Universum dar) ab. Im Bereich Braih, der auch, aus gutem Grund, die "Welt der Kreation" genannt wird, der Ort, an dem auch Tiphareth, das Selbst, zusammen mit Geburah und Chesed, liegt. Zusammen miit dem unteren Teil Jetzirah ( Josod, Hod und Netzach) bilden sie eben unsere irdische (erdverbundene), physische Existenz. Das Ego/Selbst, die Einzelperson, die wir sind (eigentlich vielmehr vorgeben oder annehmen zu sein).
Hier liegt auch das "Übel", welches Descartes' Philosophie des Rationalismus für mich ausmacht und sich in dem einen Satz "Cogito ergo sum!" manifestiert. (wobei ich seine Theorie nicht generell ablehne und seine reine Methodik durchaus sehr nützlich sein kann. Auch hier gilt "Alle Worte sind heilig und alle Propheten wahr; ausgenommen nur, daß sie ein wenig verstehen" Ich sagte ja, bewußtes, analythisches, rationales Denken an sich ist ja nichts negatives!)
Das Problem, welches ich sehe, ist eben die Hinwendung auf den Absolutheitsanspruch, dass Denken und Sein untrennbar miteinander verbunden sind und die starke Gewichtung auf den Verstand als alleinige Instanz der Existenz (und Gottesbeweis...ich habe auch mal mathematisch die Existenz Gottes berechnet, kam allerdings zu einem anderen Ergebnis: Gott existiert = Gott existiert nicht ^^)
Der Mensch ist aber eben keine Maschine, wie ein PC, sondern auch zu einem nicht geringen Anteil geistig. Pure, physische Existenz ist eben nicht "Sein".
Menschen auf eine rein vernunftbegründete Existenzbebene zu beschränken, heißt sie auch von allen anderen "Existenzen" abzugrenzen und nimmt ihnen so die Möglichkeit, mit diesen in Verbindung zu bleiben.
Und, der wichtigste Punkt überhaupt und Knackpunkt des Rationalismus und des Zeitalter der Aufklärung, man beraubt ihn dadurch, wenn man dem Ansatz in aller Konsequenz folgt, eines ganz entscheidenden Aspekt seiner Selbst, nämlich eben des Geistigen, was man landläufig mit dem Terminus Spiritualität zu umschreiben versucht.
Belassen wir es einstweilen einfach dabei, dass "Ich denke, also bin ich!" zusammen mit Descartes' zweiter Quintessenz aus den Meditationes de prima philosophia "Ego sum, ego existo!" im Prinzip eben die beiden unteren Abschnitte des Baum des Lebens zusammenfassen.
Damit bleibt eigentlich nur noch ein Mordopfer übrig.
To be continue
Krischnamurti sagt dazu:
"Es gibt keine Gedankenfreiheit, denn jedes Denken ist konditioniert."Das ist der Grund, warum ich im Laufe der "Mord-Serie" immer wieder darauf hinwies, dass Begriffe stets unter der Berücksichtigung der sozialen, kulturellem und religiösen Zusammenhänge des Einzelnen, sowie seiner persönlichen Erfahrung und Wahrnehmung verstanden werden, man dies erkennen und sich davon lösen müsse.
Selbst, wenn wir uns eben dieser Konditionierung nicht bewußt sind, so ist sie doch vorhanden und beeinträchtig unser Empfinden. Mehr noch, man denkt mit dem Bewußtsein, es drängt sich somit auch in die rein geistige Ebene.
Wir Menschen nehmen Sinneseindrücke wahr - Geschmack, Geruch, Geräusche, Farben, jede kleinste Information und verarbeiten sie sogleich, ziehen unsere Schlüsse daraus und werten sie dann für uns.
Denken ist im Prinzip nichts anderes als eine Hochrechnung von Fakten, erlernten und erlebten und vergessenen, woraus wir Schlussfolgerungen ziehen und dadurch zu temporär für uns gültigen Ergebnissen kommen.
Man mag das Wahrheit nennen, aber diese Wahrheit ist höchst subjektiv und flüchtig.
Jedesmal, wenn neue Fakten dazu kommen, läuft das "Programm" erneut ab.
Im Prinzip also nichts anderes als das, was jeder Computer mit einer guten Datenbank-Software und einer größtmöglichen Anzahl an Variablen auch zu stande bringt. Nur eben, dass dieser den Vorgang wesentlich neutraler und schneller absolvieren kann, da er sich eben weder ablenken noch durch Irrationales oder Unterbewußtes beeinflüssen lässt. Zwar gibt es mittlerweile ja Programme, die in der Lage sind, zu lernen, also aus gemachten "Erfahrungen" Schlüsse für zukünftige Aktionen zu ziehen, aber mit dem menschlichen Lernen und somit Denken hat das wenig zu tun, wenn es sich dabei nicht gerade um pathologische Naturen handelt.
Darum käme nie jemand auf die Idee, einer Maschine wirkliches Denken oder gar irgend eine Art der Vernunft zu zubilligen. Eben weil er vollkommen kalt und neutral ist. Wenn er überhaupt "denkt" dann in einer rein dualistischen Art - 0 oder 1, nein oder ja.
Das Denken läuft bei einem Menschen jedoch wesentlich differenzierter ab. Trotzdem ist es ein rein dualistischer Vorgang.
Wieso?
Nun, sobald wir denken, Betrachtungen vornehmen, etwas zu erfassen, zu begreifen, zu durchschauen oder zu verstehen versuchen, in dem wir darüber sinnieren, tun wir immer das gleiche: Wir trennen Inneres und Äußeres in Ich und Außenwelt, in Wollen und Realität, in Weg und Ziel, in Gegenwart und Zukunft und so fort.
Im Buddhismus nennt man das den Affengeist.
Wie ein Affe turnen wir gedanklich ständig herum, hangeln uns von einem Gedanken zum nächsten, bewerten, katalogisieren, verwerfen und begehren, wollen das eine und das andere nicht und versuchen Wahrheit und Wirklichkeit zu erlangen und es von Falschem und Illusion zu trennen. Dabei verlieren wir aber genau das, den Bezug zur Wirklichkeit (im Sinne von "was wirklich ist") und auch Wahrheit.
Schwer zu verstehen, ich weiß, und noch schwerer für mich es in Worte zu fassen.
Es ist mit den Gedanken so ähnlich wie mit einem Besuch in der Eisdiele.
Man hat so richtig Lust auf ein Eis sofort schießt einem "Schoko!" durch den Kopf und geht also ins Eiscafé mit dem festen Vorsatz, ein Schokoeis zu bestellen. Dann sieht man all die anderen Sorten und der Affe beginnt zu toben: "Vanille wäre aber auch toll...also Schoko und Vanille...hm... Waldbeer...das sieht so lecker aus, aber da passt Schoko ja gar nicht zu...eigentlich hab ich ja mehr Appetitt auf was Fruchtiges, also Waldbeer und Zitrone..ui. Pfirsich haben die auch, hatte ich ja ewig nicht mehr...was ist denn das Blaue, wie das wohl schmeckt...aber wenn ich das nicht mag..."
Versteht ihr, was ich meine?
Am Anfang war da mal der kristallklare Wunsch nach einem Schokoeis, am Ende hat man irgendwas anderes und vielleicht dazu noch so ein unbefriedigendes Gefühl. Der Affe hat alles durcheinandergebracht.
Ähnlich sieht es mit den Gedanken hinsichtlich unserer Wirklichkeit aus. Anstelle etwas als wirklich, wahr, zu nehmen, entfernen wir uns durch unsere Gedanken davon, was nun tatsächlich wirklich ist, immer weiter und weiter von der Wirklichkeit, der Realität.
Dadurch, dass wir das analysieren, was an Sinneseindrücken ständig auf uns eindringt, schaffen wir quasi eine Parallel-Welt zum Realen, zum Wirklichen, nämlich die Welt in unserem Kopf. Aus dem "Ist" wird somit ein "Könnte sein".
"Jeder Mensch erfindet sich früher oder später eine Geschichte, die er, oftEin für mich bemerkenswertes Zitat in diesem Zusammenhang. Es besagt nicht, dass Menschen lügen, wenn sie von Begebenheit aus ihrer auch nur kurz zurückliegenden Vergangenheit oder ihrem Leben berichten. Oder doch, allerdings unwissentlich.
unter gewaltigen Opfern, für sein Leben hält, oder eine Reihe von
Geschichten, die mit Namen und Daten zu belegen sind, so daß an ihrer
Wirklichkeit, scheint es, nicht zu zweifeln ist. Trotzdem ist jede
Geschichte, meine ich, eine Erfindung."
Max Frisch
Das liegt zum Teil daran, dass jeder Mensch über eine individuelle Wahrnehmung verfügt.
Wenn da ein Stein liegt und hundert Menschen gehen an ihm vorüber, dann nimmt jeder ihn auf seine spezielle Art war, jeder sieht ihn ein wenig anders.
Das ist das eine.
Das andere wäre, in dem Augeblick, wenn ich an diesem Stein vorüber gegangen bin, beginnen meine Gedanken aus dieser Begebenheit etwas zu konstruieren, was so gar nicht stattgefunden hat. Wie er da hingekommen ist, zum Beispiel, wie lange er da liegt, wie seine Zusammensetzung war etc.
Das alles ist jedoch irrelevant.
Da war ein Stein, aus.
Aber durch unsere Gedanken wurde möglicherweise aus "Da ist ein Stein!" schon ein "Da ist nur ein Stein!" oder aber sogar "Da war kein Stein!" Damit nehmen wir ihm jedoch schon einen Teil seiner Bedeutung in der Realität bis hin zur Verleugnung seiner Existenz.
Wie hinderlich der Denkprozess sein kann, erkenne ich persönlich immer daran, wenn ich lese.
Es passiert, dass ich dabei über einen Satz stolpere, der ein Reaktion bei mir auslöst. Er spricht rein intuitiv etwas in mir an.
Dann ertappe ich mich dabei, wie ich zwei Seiten weiter immer noch über den Satz und eben über diese meine Reaktion darauf nachdenke. Einerseits habe ich dann keinen blassen Schimmer mehr, was auf den vorherigen zwei Seiten stand, weil ich gedanklich noch bei dem einen Satz war, ich bin also nicht mehr "in dem Buch", sondern woanders, andererseits hat sich in meinem Bemühen, der Reaktion gedanklich auf die Spur zu kommen, dieses Gefühl bereits verändert oder aber verflüchtigt.
Lese ich den Satz dann erneut, nehme ich ihn anders wahr, er hat sich verändert, möglicherweise so, dass ich die Reaktion nicht mehr nachvollziehen kann. Anstatt also dem Gefühl zu folgen, dass ich beim Lesen empfand, erlangte mein Logos die Oberhand. Und aus war's mit meiner reinen Wahrnehmung, meiner Inspiration und Intuition.
Ein anderes Beispiel war, als ich anfing, mich mit dem Liber Al vel Legis zu beschäfigen. Das war übrigens auch ein Schlüsselerlebnis, was mich überhaupt dazu brachte, über die Thematik des Denkens und der Problematik, die daraus einstehen kann, zu beschäftigen.
Ich versuchte es erst einmal rein intelektuell zu entschlüsseln.
Äm, ja, wer es kennt, wird sich schon ausmalen können, dass ich damit nicht sehr weit kam. Zumindest hatte ich ja noch das "Liber Al für Kinder" (eher für Dummis), wo mit einfachen Worten beschrieben war, um was es überhaupt geht. Außerdem war es weder die erste Schrift über Thelema, noch der erste, kryptische oder sonst anspruchsvolle Text, welchen ich jemals gelesen hatte. Trotzdem biss ich mir daran wirklich die Zähne aus. Ich war schon fast so weit, zu denken, ich wäre zu blöd für das Gesetz.
Dann kam es dazu, dass ich, wie ich es oft tue, im Bett vor dem Schlafen noch etwas in eben diesem Buch las. Da ich ziemlich müde war, driftete ich dabei schon langsam weg, als mir plötzlich die Bedeutung eines Absatzes wie ein Blitz durchfuhr. Also las ich in dem Zustand des "Benebelt-seins" weiter und konnte kaum glauben, dass ich das vorher nie gesehen hatte. Mir ging nicht nur ein Licht auf, sondern ganze Kronleuchter. (das Gefühl kenne ich, das sind die Augenblicke, die im Gedächtnis haftenbleiben! Es gab da mal ein ähnliches Schlüsselerlebnis, als ich "Hanto yo" gelesen habe. Seither sehe ich die Native Americans nicht mehr auf diese widerlich romantisch-verklärte Art, wie sie leider immer noch üblich zu sein scheint. Aber dazu schreibe ich vielleicht später mal etwas).
Und hier ist der Punkt, wo dieser Beitrag über das Töten des bewussten Denkens sich mit dem verbindet, was ich schon in den anderen beiden bisherigen "Tötungsdelikten" über das Hinschlachten des Willens und des Buddhas schrieb.
Sobald wir bewußte Denkprozesse starten, passiert nämlich genau das, was ich dort beschrieb.
Einerseits verfolgen wir damit eine Absicht, und sei es auch nur Wissen zu erlangen oder zu tieferer Erkenntnis zu gelangen, und werden dabei Opfer all dessen, was wir bisher in unserem Leben bewußt und unbewusst aufgenommen haben. Wir "verstoßen" dabei also nicht nur gegen das Gesetz des Dao und erliegen somit den "Leid verursachenden Emotionen" oder Geistesgiften, wir schleppen auch noch all die "Buddhas" im Sinne von Lehren und Lehrmeinungen, negative, wie positive, mit uns, die uns auf im bisherigen Leben begegnet sind.
Unsere Gedanken sind nämlich im Grunde nicht unsere Gedanken, sondern die Summe, aller Erfahrungen, Lernprozesse und Überlegungen, mit denen wir bis dato konfrontiert wurden.
Das heißt jetzt nicht, man solle das Denken ganz lassen oder, wie man so schön sagt, es den Pferden überlassen, weil die ja bekanntlich den größeren Kopf haben.
Nur, man sollte lernen es zu dosieren. Nach-sinnen, Nach-denken, Überlegungen anstellen, Paralellen ziehen, ist im Nachhinein durchaus wünschenswert und nützlich.
Meiner Meinung nach resultieren eine ganze Reihe der Probleme in der Welt ja daraus, dass Menschen zu wenig denken. Aber, mindestens genauso viele Probleme entstehen dadurch, dass Menschen zu viel, oder besser, zur falschen Zeit denken.
Dadurch vernachlässigt man nämlich seine Intuition und damit im Grunde das, was uns miteinander und mit der Welt noch in Verbindung hält und was wir alle noch, meiner Meinung nach, in uns tragen, dem Dao eben.
Hier schließt sich dann auch der Bogen zu meinem Tiphareth-Beitrag , ohne dass ich dies bewusst beabsichtigte.
So wie sich der Etz Chaim darstellt, laufen alle bewussten Denkprozesse nämlich im zweiten Abschnitt des Baumes (man erinnere sich: er stellt nichts anderes als sowohl den Mikrokosmos - Mensch als auch den Makrokosmos - Universum dar) ab. Im Bereich Braih, der auch, aus gutem Grund, die "Welt der Kreation" genannt wird, der Ort, an dem auch Tiphareth, das Selbst, zusammen mit Geburah und Chesed, liegt. Zusammen miit dem unteren Teil Jetzirah ( Josod, Hod und Netzach) bilden sie eben unsere irdische (erdverbundene), physische Existenz. Das Ego/Selbst, die Einzelperson, die wir sind (eigentlich vielmehr vorgeben oder annehmen zu sein).
Hier liegt auch das "Übel", welches Descartes' Philosophie des Rationalismus für mich ausmacht und sich in dem einen Satz "Cogito ergo sum!" manifestiert. (wobei ich seine Theorie nicht generell ablehne und seine reine Methodik durchaus sehr nützlich sein kann. Auch hier gilt "Alle Worte sind heilig und alle Propheten wahr; ausgenommen nur, daß sie ein wenig verstehen" Ich sagte ja, bewußtes, analythisches, rationales Denken an sich ist ja nichts negatives!)
Das Problem, welches ich sehe, ist eben die Hinwendung auf den Absolutheitsanspruch, dass Denken und Sein untrennbar miteinander verbunden sind und die starke Gewichtung auf den Verstand als alleinige Instanz der Existenz (und Gottesbeweis...ich habe auch mal mathematisch die Existenz Gottes berechnet, kam allerdings zu einem anderen Ergebnis: Gott existiert = Gott existiert nicht ^^)
Der Mensch ist aber eben keine Maschine, wie ein PC, sondern auch zu einem nicht geringen Anteil geistig. Pure, physische Existenz ist eben nicht "Sein".
Menschen auf eine rein vernunftbegründete Existenzbebene zu beschränken, heißt sie auch von allen anderen "Existenzen" abzugrenzen und nimmt ihnen so die Möglichkeit, mit diesen in Verbindung zu bleiben.
Und, der wichtigste Punkt überhaupt und Knackpunkt des Rationalismus und des Zeitalter der Aufklärung, man beraubt ihn dadurch, wenn man dem Ansatz in aller Konsequenz folgt, eines ganz entscheidenden Aspekt seiner Selbst, nämlich eben des Geistigen, was man landläufig mit dem Terminus Spiritualität zu umschreiben versucht.
Belassen wir es einstweilen einfach dabei, dass "Ich denke, also bin ich!" zusammen mit Descartes' zweiter Quintessenz aus den Meditationes de prima philosophia "Ego sum, ego existo!" im Prinzip eben die beiden unteren Abschnitte des Baum des Lebens zusammenfassen.
Damit bleibt eigentlich nur noch ein Mordopfer übrig.
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Dienstag, 23. November 2010
Intermezzo - Ego est
ICH ist süchtig nach
ICH hat Angst
EGO EST, QUOD EST!
...futil!
To be continue
- Aufmerksamkeit
- Anerkennung
- Zuneigung
- Erfolg
- Größe
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- Vollkommenheit
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ICH hat Angst
- zu versagen
- unbemerkt zu bleiben
- abgelehnt zu werden
- die Kontrolle zu verlieren
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- vor der Entschleierung
- vor dem Tod
EGO EST, QUOD EST!
...futil!
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Montag, 8. November 2010
Das Morden geht fröhlich weiter! - Töte den Willen
Nachdem ich in dem vorherigen Beitrag der Mord-Serie "Tod dem Buddha" über die Notwendigkeit geschrieben habe, sich von Lehren und Lehrern frei zu machen, um sich eigenen spirituelle Erfahrungen öffnen zu können, geht es heute dem Willen an den Kragen.
Dafür muss ich allerdings etwas ausholen, also habt Geduld mit mir:
Karma, gerade im spirituellen Bereich ein oft gebrauchter, oft auch missdeuteter oder gar missbräuchlich genutzter Begriff, hat nichts mit Schicksal oder äußere Beurteilung eines Menschen und seiner Taten (wie z.B. durch das Jüngste Gericht) zu tun. Es ist also nicht mit (gerechtfertigter) Vergeltung von "Sünden" zu verwechseln.
Die Vorstellung beruht vielmehr auf dem Verständnis von Ursache und Wirkung, sowohl von Handlungen, als auch, und das wird häufig vergessen, von Gedanke und Gefühlen einer Person. Bei der Auswirkung spielt die Absicht eine sehr große Rolle, jedoch nicht, wie man vielleicht fälschlich annehmen könnte, dass gedankenlose, unabsichtliche, Taten ohne Auswirkung blieben - jede Handlung, jeder Gedanke, jedes Gefühl ordnet augenblicklich die Welt neu, weil ich, wie ich bereits in dem Tiphareth-Beitrag andeutete, die Meinung vertrete, alles stehe miteinander in Verbindung , da es sich um einen einzigen Organismus handelt - sondern vielmehr in dem Sinne, dass die dahinter stehende Grundhaltung des Einzelnen ausschlaggebend ist. Karma ist lediglich die logische Konsequenz unserer Handlungen und der Absicht, die ihnen zu Grunde liegt.
In der Ethik des Buddhismus kennt man dazu die Drei Geistesgifte, treffender als "Leid verursachenden Emotionen" bezeichnet:
Daraus ergibt sich dann eben auch die Wirkung des Karma auf das Leiden durch Samsara oder die Reinkarnation
Genauso wenig wie der ständige Wandel von Werden und Vergehen, das damit verbundene Leiden, etwas mit Strafe für ein verfehlte Heilsziel, in dem Fall die Erlösung vom Leiden durch das "Erwachen"(Bodhi) zu tun hat, kann man durch äußere Einflüsse daraus befreit werden. Auch hier gilt, der Kreislauf ist keine Hölle aus der man durch ein "gottgefälliges" frommes Leben erlöst oder befreit wird.
Es gibt schlicht keine höhere Instanz, die straft oder belohnt.
Allein die Erlangung von eigener Erkenntnis über die Zusammenhänge (Dharma) des Seins führt zu einem Abstellen des Leidens.
Das heißt auch, dass man nicht durch willentliche "Anhäufung" postitivem Karmas seine Chancen verbessert, aus dem "Teufelskreis" auszubrechen.
Dabei ist es wichtig zu wissen, dass man nicht nur zwischen "Unheilsam" und der jeweiligen "Heilsamen" Ensprechung, beispielsweise Hass und Güte, unterscheidet, sondern auch versteht, dass es dort dann wiederum noch eine Trennung zwischen "Weltlich" und "Überweltlich" existiert. So befreit weltliche, also lediglich auf die Wirkung auf die (Um-)Welt bedachte, Güte nicht vom Leiden, erzeugt aber Karma, wohingegen Güte um ihrer Selbst Willen, über die Weltliche Wirkung hinaus, welches kein Karma erzeugt, das Leiden beendet.
Hinzuzufügen ist ebenfalls, dass das "Leiden" bzw. das Leben als "leidvoll" zu betrachten, im Buddhismus keinesfalls mit einer pessimistischen Grundhaltung zu verwechseln ist. Mit Weltschmerz, elendem Dasein oder Kummer hat dies wenig bis gar nichts zu tun. Leiden, Dukkha, bezeichnet lediglich den Kreislauf von Werden und Vergehen durch eine weltliche, sprich auf das Ego reduzierte Existenz.
Abstellen von Leiden durch das Erwachen (Bodhi) beendet diesen Kreislauf, nicht aber das Dasein.
Nirvana, das Verlöschen, ist ja auch kein jenseitiges Erleben, flutsch und weg, immerhin lebte und lehrte Buddha Gautama nach der Erlangung dieses Zustandes durch das Erwachen noch gut 40 Jahre. Danach verschwand er nach buddhistischem Selbstverständnis auch nicht im Nichts, sondern ging ein in eine höhere Existenzebene. (Von der Möglichkeit, Bodhi zu erlangen und trotzdem weiter freiwillig Samsara zu "erleiden", um aus reiner Liebe erst anderen auf dem Weg der Erleuchtung zu helfen, dem Bodhisattva, rede ich besser gar nicht...^^)
Wie bereits im vorangegangenen Artikel "Tod dem Buddha", auf den dieser hier die unmittelbare Fortsetzung darstellt, angesprochen, steht einem hier bisweilen die westliche geprägte Denkweise im Weg.
Mehr noch, es ist auch teilweise schwierig, die buddhistische Auffassung von der des Hinduismus zu unterscheiden, der zum Teil dieselben Begriffe in einem komplett anderen Kontext verwenden.
Das wird auch dadurch klar erkennbar, dass man im Hinduismus an eine unvergängliche Seele glaubt, die man "mitnimmt" in die nächste Reinkarnation, im Buddhismus jedoch gar keine Seele existiert (Stichwort: Anātman)!
Hinzu kommt, dass Buddha Gautama bei der Weitergabe seiner Erkenntnisse immer auf verschiedenste, an die geistigen und spirituellen Voraussetzungen seiner Zuhörer angepasste, Art und Weise lehrte. Das ist auch der Grund, warum es nicht den Buddhismus gibt, sondern eine Vielzahl von Schulen und Richtungen, die sich zum Teil erheblich in der Auslegung der Lehre unterscheiden.
(Ich beziehe mich in meinen Ausführungen bezüglich des Buddhismus hier fast immer auf die im Mahayana bzw. Zen praktizierten Interpretationen, denn nur damit habe ich mich beschäftigt und nur darin habe ich Praxis!)
Beides also, Karma wie auch das Abstellen des Leidens, das Ausbrechen aus dem Kreislauf der Wiedergeburt (besser spräche man in Hinblick auf die unterschiedliche Konzepte, um Missverständnissen vorzubeugen, von Punabbhava, Wieder-Existenz), liegt in der Selbstverantwortung jedes einzelnen Menschen durch Erlangung tieferer Erkenntnis und steht somit vollkommen kontär zur Prädestinationslehre.
Das Leiden kommt nicht von außen, sondern ist, wenn man so will, selbstzugefügt. Aufgabe des Menschen ist es, dies durch absichtslose, also nicht auf das Ego ausgerichteter Selbstbeobachtung zu erkennen und daraus die Konsequenzen für das persönliche Handeln zu ziehen und so die Ursache des Leidens zu beseitigen. Zuerst für sich selbst - Veränderung sollte immer von Innen nach Außen erfolgen! - und erst dann auch durch die veränderte Verhaltensweise für seine gesamte Umwelt, jedes Lebewesen.
Was ist aber diese Absichtslosigkeit, dieses Absichtsloses Handeln?
Wie bereits gesagt, hat das nichts mit Fatalismus oder Gedankenlosigkeit zu tun. Vielmehr handelt es sich dabei um das Handeln ohne die, oben angeführten, "Drei Geistesgifte".
In unsere, westliche, Auffassung übertragen könnte man es mit Selbstlosigkeit übersetzen, jedoch auch hier lauert die Gefahr, den Begriff unterbewusst durch unseren kulturellen Kontext zu missdeuten. Mit Altruismus in seiner negativ behafteten Deutung, nämlich der völligen Aufopferung des Selbst, gemeinhin als "Selbstaufgabe" bekannt, hat Absichtsloses Handeln meiner bescheidenen Meinung absolut nichts zu tun.
Zwar trifft der Begriff "Opferung" den Kern der Sache ziemlich genau, in dem Sinne, dass man sein Ego beseite schiebt, und die Motivation für seine Handeln ständig daraufhin überprüfen sollte, ob sich dahinter nicht doch eigennützige Interessen verbergen, jedoch kann auch schon diese Art der Selbstopferung eben durch die Harangehensweise mit "leidverursachenden Emotionen" behaftet sein, wenn sie aus den falschen Gründen erfolgt oder man, wie häufig zu beobachten, Ego und Selbst nicht zu unterscheiden mag. Besser wäre es daher von Ich-Opferung zu sprechen.
(wobei beides nach buddhistischem Verständnis sowieso eine Täuschung ist bzw. eine temporäre Erscheinungsform der Skandhas. Aber belassen wir es einstweilen bei den Begriffen - Mehr dazu in der Fortsetzung...)
Wie ich bereits mehrfach in unterschiedlichsten Kontexten erklärt habe, ist die Psyche eines Menschen sehr vielschichtig und gerade das Unterbewusstsein neigt dazu, uns an der Nase herum zu führen, so lange wir es nicht "zu packen kriegen". Viele Menschen, und da nehme ich mich bestimmt nicht aus, neigen dazu, sich selbst etwas über ihre Absichten und Motivationen in die Tasche zu lügen.
Das liegt eben auch daran, dass sich eben im Unterbewußtsein sehr viele alte Verletzungen, Vorurteile, schlechte Erfahrungen manifestieren, ohne dass man sich dessen bewußt sein mag. Man gibt vor, etwas aus Uneigenützigkeit zu tun, ist davon möglicherweise sogar fest überzeugt, allerdings verbergen sich dahinter eben dann doch höchst egoistische Beweggründe, die "Geistesgifte", resultierend eben aus diesen unterbewußten "Schatten".
Das kann soweit gehen, dass einem das Unterbewusstsein sogar vorgaukelt, beim Ego handele es sich um das Selbst.
Aber allein schon, mit seinem Handeln ein bestimmtes Ziel verfolgen zu wollen, also etwas bestimmtes zu begehren, führt weg vom absichtslosen Handeln.
Sich dessen bewußt zu werden, wäre also der erste Schritt zum absichtlosen Handeln.
Um zu verstehen, was dieses Handeln ohne Absicht nun wirklich ist, hilft es, sich etwas mit Daoismus zu beschäftigen, der bei der Entstehung des Zen maßgeblichen Einfluss hatte. Dort gibt es den Begriff des WuWei, des Handelns durch Nicht-Handeln.
Um das zu verstehen, muss man Begreifen, dass das Dao Alles und Nichts ist, Existenz und Nicht-Existens, im Grunde unser gesamter Kosmos. Die ein wenig abgedroschne Phrase "Der Weg ist das Ziel!" ist Dao, denn es ist eben von der Bedeutung her beides in einem, Weg und Ziel zugleich. (Tipp: Einfach mal bei dem vielzitierten Satz die Artikel weglassen!)
Handeln durch Nicht-Handeln bedeutet also nicht, sich in etwas fügen, die Hände in die Taschen schieben und warten, dass "ES" vorübergeht, sondern nicht gegen das Dao zu arbeiten, sondern mit ihm.
Um zu verdeutlichen, was damit gemeint ist, versuche ich es mit einem Beispiel:
Man steht in einer Großstadt an einer stark befahrenen, vielleicht vierspurigen Straße und möchte auf die andere Seite.
Nun hat man mehrere Möglichkeiten:
Man kann warten, bis die Straße völlig frei ist. (Optimist!^^)
Man kann sich die nächste Fussgängerampel suchen, was durchaus vernünfig wäre.
Man kann aber auch erst einmal schauen, nach welchen Gesätzmäßigkeiten der Verkehr fließt (und diese Gesätzmäßigkeiten gibt es!) und dann losgehen.
Wenn ein Auto kommt bleibt man kurz stehen oder passt seine Schrittgeschwindigkeit an, bis es vorüber ist und geht weiter, Stück um Stück, den fließenden Verkehr immer im Auge behaltend.
Man darf nur nicht den Fehler machen, sich dem Kopf, dem Verstand, auszuliefern, der einem vielleicht sagt: "He, das ist bekloppt! Kein vernünftiger Mensch macht, was du da machst. - Wenn du dich in der Geschwindigkeit verschätzt, dann erwischen sie dich! - Nicht jetzt gehen, stopp! - Da kommt einer, da, da ist wieder einer! - Boah, guck dir mal an, was auf der anderen Spur los ist, da kommst du nie rüber, selbst, wenn du es bis dahin schaffst....!", oder einfach nur das Ziel im Augen haben und blindlings losgehen, sondern schlicht intuitiv auf das reagieren, was gerade passiert. Man wird dabei merken, dass durch dieses Handeln weder der Verkehr stockt, noch man selbst ins Stocken gerät.
Das funktioniert!
(Liebe Kinder, ich muss jetzt nicht sagen, dass die olle Krähe schon ein paar Jahre Erfahrung auf dem Buckel hat und man die auch braucht, um zu wissen, wann man sich im "Flow" befindet und wann man solcherlei Handlungen besser verkneift, oder?)
Das ist Wuwei, das ist leben im Dao, das ist Zen!
Wenn ich mir ein Ziel setze, dann setze ich nicht alles daran, dieses gegen alle Widerstände durchzuboxen, sondern ich beginne einfach mit einem Schritt, und dieser erste Schritt ist das Ziel, dann kommt die nächste Etappe und so fort und ich nutze jeweils das, was auf den einen Schritt an Reaktion, Resonanz erfolgt, orientiere mich daran, nutze es, um weiter zu machen. Das muss mich nicht auf geradem Weg zum Ergebnis führen, subjektiv gesehen, mag es mich auch aufhalten oder mich Zeit kosten, aber im großen Ganzen betrachtet, komme ich damit wesentlich erfolgreicher, schneller, weil mit weniger Rückschlägen und verlustfreier für mich und alles andere (Mitmenschen, Umwelt, Kosmos) voran, als dass ich versuche, durchzubrechen und dabei vielleicht mehr Schaden verursache, als Nutzen. Ich arbeite nicht gegen etwas (das Prinzip), sondern mit dem, was ich vorfinde. Ich biete keinen Widerstand! Kein "Das muss aber jetzt klappen!" Ich mache einfach, und sehe was dabei herauskommt.
Ein besseres Beispiel, welches mir zur Veranschaulichung einfiele wäre noch, wenn man sich den Weg durch einen Dschungel bahnen müsste, weil man auf die andere Seite gelangen möchte. Man kann sich dann natürlich eine Machete schnappen und sich den Weg frei schlagen. Man kann aber auch erst einmal schauen, ob sich nicht auch natürliche Schneisen finden lassen, wie zum Beispiel ein Bach oder Fluss, der sich durch den Urwald schlängelt, und dann an dessen Ufer entlang gehen. Das bedarf zwar etwas Zeit, mag auch nicht auf geradem Weg zum Ziel führen, aber ich nutze damit natürliche Pfade, die bereits vorhanden sind ohne etwas willentlich zu zerstören.
Auch beim Aikidō finde ich, mehr noch als beim oft angeführten, weil systeminhärenten, Tàijíquán, Wuwei. Der Verteidiger nutzt die vorhandene Energie des Angreifers um ihn angriffsunfähig zu machen. Dabei ist er nicht der Aktive, sondern reagiert lediglich intuitiv auf das, was ihm der Angreifende zur Verfügung stellt.
Aikidō ist meiner Meinung nach nicht nur wegen seines Defensiv-Charakters eine sehr schönes Beispiel, sondern auch, weil es weder Gewichtsklassen noch eine Trennung nach Geschlechtern und auch, traditionell, keine Wettkämpfe kennt. Zwar wurde von verschiedenen Schulen immer wieder versucht, solche Wettkämpfe zu initieren, um die Umsetzung unter realen Situationen zu üben und zu gewährleisten, allerdings genügte bisher keines der dafür herangezogenen System der eigentlichen Philosophie, welche dem Aikidō zu Grunde liegt. Allein schon, dass es dabei um Sieger und Verlierer(Besiegten) gehen müsste, widerspricht dem nicht-dualistischen Denken.
Einen sehr schönen Text, der sich mit dieser Problematik auseinandersetzt, findet man hier.
Was hat das alles aber mit der Überschrift "Töte den Willen" zu tun?
Und wieso rede ich als Thelemit hier davon, den Willen zu töten, wo Thelema doch nichts anderes heißt als "Willen"?
Weil es sich dabei eben um zwei Arten Willen handelt, weshalb dieses Thema hier ( und für mich persönlich) auch so viel Raum einnimmt. Das ist auch der Grund, weshalb ich bei dieser Thematik, wie bei allen "Tötungsdelikten" so großen Bezug auf Buddhismus bzw. Daoismus nehme.
Ich denke, viele Probleme, viele Missstimmungen und Niederlagen beruhen eben darauf, dass Menschen mit falschen Vorstellungen an ihre Pläne, Vorhaben, um nicht zu sagen, ihr Leben herangehen.
Sie wollen glücklich sein, sie wollen geliebt werden, sie wollen anerkannt werden.
Die Aufzählung könnte beliebig erweitert werden.
Meiner Meinung nach erliegt man dabei aber dann dem fatalen Fehler, sich gegen die Welt zu stellen, eben in dem Sinne, dass man nicht das Vorhandene nutzt, sondern etwas aus dem Nichts heraus erzwingen will. Sie sehen sich dabei als "Einzelne" in der Menge anderer "Einzelner".
Individualismus ist zwar existenziell wichtig, was ich ja bereits hier einmal beschrieben habe, aber auch ein Individuum ist allein kaum lebensfähig.
Willen im oben beschriebenen weltlich ausgerichteten Kontext, also die Begierde allein, mag das Ego befriedigen, aber er stößt dort auf seine Grenzen, wo es gilt, sich mit der Außenwelt, anderen Individuen, zu vereinen. Das Ego will nicht teilen, es will herrschen. Es ist in erster Linie auf die Befriedigung der eigenen Gelüste ausgelegt. Diese Gelüste jedoch erzeugen eben ein Ungleichgewicht im Makrokosmos (Umwelt), das wiederum seinen Niederschlag im Mikrokosmos(Mensch) findet, sei es Enttäuschung, Verbitterung, Hass oder Aufgabe.
Dieser egobezogene, weltlich ausgerichtete, Wille erwünscht sich eine Reaktion, z.B. eine Liebesbezeugung oder Anerkennung, vielleicht sogar den Weltfrieden (siehe Geistesgift Nummero Uno), dies ist das begehrte Ergebnis, allein dies steht der Umsetzung aufgrund falscher Vorraussetzungen oder Annahmen (Geistesgift 3) im Weg und so wird seine Realisierung erschwert oder unmöglich gemacht, weshalb man dabei auf Widerstände trifft (und deshalb Geistesgift Nr. 2 hervorruft).
Jeder, der schon mal einen Gegenstand verlegt hat, dürfte es kennen:
Man sucht und sucht, will dieses Ding unter allen Umständen finden, aber die Suche bleibt erfolglos. Zum Haareraufen! Wenn man dann endlich die Suche irgendwann wütend oder entnervt aufgibt und sich möglicherweise zähneknirschend ein neues "Ding" kauft, dann fällt einem das Gesuchte plötzlich vor die Füße!
Was wie ein Scherz des Universums anmutet, ist lediglich, so bescheuert sich auch anhört, die praktische Auswirkung auf ein Handeln gegen das gesetzmäßige Prinzip (Dao).
Das ist das im Buddhismus als "Weltlich" definierte Wirken. Die absichtliche Handlung.
Anders sieht es mit dem im Thelema oft benutzten Terminus des "Wahren Willen" aus.
Dabei handelt es sich eben, so denke ich, um diese, nach buddhistischer Definition "Überweltliche" Art des Wirkens, die sich durch absichtslose Handlung manifestiert. Dies ist auch für mich der Kern hinter der Aussage dieses Satzes aus dem Liber Al vel Legis:
Nicht das Ego, sondern das Selbst ist hier die treibende Kraft. Dieses aber kennt keine Eitelkeit, keine Begierde, keinen Hass, keine Beschränkung. Es ist und damit ist es Dao.
Ich weiß, es nervt langsam, aber anders kann ich es eben nicht in Worte fassen. Alles-Nichts wäre dem Verständnis noch weniger hilfreich. Einzig Ensō könnte versinnbildlichen, was ich meine.
Aber ich könnte jetzt nicht sagen, was man da erkennen sollte oder gar müsste. Entweder es macht *klick* oder eben nicht.
Dafür ist es übrigens vollkommen unwichtig, ob man nun dem Gesetz Thelemas, dem Daoismus, Buddhismus oder ähnlichen Philosophien folgt oder noch nie etwas von alldem gehört hat...
Jedenfalls ist hier eben wieder der Punkt erreicht, wo die Sprache an die Grenzen ihrer Ausdrucksmöglichkeiten für das Erlebbare, Fühlbare, für die Erkenntnis, stößt.
Intellektuell kann man das nicht erklären, sowie es, meiner Erfahrung nach, auch mit dem Verstand (allein) nicht erfassbar ist. Gleiches gilt für mich eben auch aufgrund eigener Erfahrung für die hier erwähnten östlichen Philosophien, Buddhismus, in meinem Fall Zen, und Daoismus. Wer sich ihnen nur auf Basis des Verstandes nähert, wird meiner Meinung nach niemals erfahren, was die Lehren wirklich beinhalten. (Gilt im Übrigen m.E. für jede spirituelle Erfahrung).
Jedenfalls kann es auf der Suche nach dem Wahren Willen wichtig sein, den "Willen" zu töten, wenn man es aus diesem von mir beschriebenen Aspekt heraus angeht bzw. betrachtet.
Auch, wenn man nicht nach höherer Erkenntnis strebt, kann das Wissen um die hier beschriebenen Prinzipien durchaus nützlich sein.
Und wenn es sich eben nur darum dreht, zu begreifen, warum man das, was man gerade händeringend sucht, eben ums Verrecken nicht finden kann...^^
Apropos absichtsloses Handeln, Wahrer Wille und Scherz des Universums, erinnert sich noch jemand, der den vorherigen Beitrag oder den als Initialzündung dienenden Tipharet-Artikel gelesen hat, an meine Schilderung über meine bewußte Abkehr vom Pfad des Zen und dem Buddhismus generell, weil ich damals nicht die Absicht hatte mein schönes Ego zu Gunsten Höherer Erkenntnis aufzugeben?
Tja, wer den Gag jetzt schon verstanden hat, darf nun ruhig lachen...
Mindestens ein Mord steht übrigens noch aus...
To be continue
Dafür muss ich allerdings etwas ausholen, also habt Geduld mit mir:
Karma, gerade im spirituellen Bereich ein oft gebrauchter, oft auch missdeuteter oder gar missbräuchlich genutzter Begriff, hat nichts mit Schicksal oder äußere Beurteilung eines Menschen und seiner Taten (wie z.B. durch das Jüngste Gericht) zu tun. Es ist also nicht mit (gerechtfertigter) Vergeltung von "Sünden" zu verwechseln.
Die Vorstellung beruht vielmehr auf dem Verständnis von Ursache und Wirkung, sowohl von Handlungen, als auch, und das wird häufig vergessen, von Gedanke und Gefühlen einer Person. Bei der Auswirkung spielt die Absicht eine sehr große Rolle, jedoch nicht, wie man vielleicht fälschlich annehmen könnte, dass gedankenlose, unabsichtliche, Taten ohne Auswirkung blieben - jede Handlung, jeder Gedanke, jedes Gefühl ordnet augenblicklich die Welt neu, weil ich, wie ich bereits in dem Tiphareth-Beitrag andeutete, die Meinung vertrete, alles stehe miteinander in Verbindung , da es sich um einen einzigen Organismus handelt - sondern vielmehr in dem Sinne, dass die dahinter stehende Grundhaltung des Einzelnen ausschlaggebend ist. Karma ist lediglich die logische Konsequenz unserer Handlungen und der Absicht, die ihnen zu Grunde liegt.
In der Ethik des Buddhismus kennt man dazu die Drei Geistesgifte, treffender als "Leid verursachenden Emotionen" bezeichnet:
- Gier (pali lobha, tib. 'dod chags), auch als Sucht oder Begierde übersetzt, ist das Haben- und Besitzenwollen, das Bestreben, auf jeden Fall und um jeden Preis zu existieren. Mit Gier verwandt sind die Leidenschaften, heftiges Begehren (raga) und "Durst" nach Werden (tanha). Erscheinungformen: Begierde, Machtgier, Sucht, Ruhmsucht, Habsucht, Trunksucht, Begierde nach den fünf Sinnesobjekten, Verlangen, Sehnsucht, Neigung, Zuneigung, Anhänglichkeit, Vorliebe, Verliebtheit.
- Heilsam (kosala) wirken Großzügigkeit und Mildtätigkeit (dāna).
- Hass (pali dosa, skt. dvesa), auch als Zorn übersetzt, ist die Selbstbehauptung eines illusionären Selbst den Mitwesen gegenüber. Erscheinungformen: Wut, Zorn, Rachsucht, Abscheu, Ärger, Übelwollen, Unwillen, Widersetzlichkeit, Abneigung, schlechte Laune, Widerwillen, Verdruß, Ressentiment.
- Heilsam wirkt Güte (metta).
- Verblendung (moha) und Unwissenheit (skt. avidya) sind weitestgehend deckungsgleiche Begriffe. Erscheinungsformen: Unwissenheit (von wesentlichen Dingen, z. B. den vier edlen Wahrheiten), falsche Ansichten, Fanatismus, Dünkel, Verwirrung, Stumpfsinn, Dummheit, Vorurteil, Dogmatismus.
- Heilsam und erstrebenswert ist dagegen Weisheit (pañña)
Daraus ergibt sich dann eben auch die Wirkung des Karma auf das Leiden durch Samsara oder die Reinkarnation
Genauso wenig wie der ständige Wandel von Werden und Vergehen, das damit verbundene Leiden, etwas mit Strafe für ein verfehlte Heilsziel, in dem Fall die Erlösung vom Leiden durch das "Erwachen"(Bodhi) zu tun hat, kann man durch äußere Einflüsse daraus befreit werden. Auch hier gilt, der Kreislauf ist keine Hölle aus der man durch ein "gottgefälliges" frommes Leben erlöst oder befreit wird.
Es gibt schlicht keine höhere Instanz, die straft oder belohnt.
Allein die Erlangung von eigener Erkenntnis über die Zusammenhänge (Dharma) des Seins führt zu einem Abstellen des Leidens.
Das heißt auch, dass man nicht durch willentliche "Anhäufung" postitivem Karmas seine Chancen verbessert, aus dem "Teufelskreis" auszubrechen.
Dabei ist es wichtig zu wissen, dass man nicht nur zwischen "Unheilsam" und der jeweiligen "Heilsamen" Ensprechung, beispielsweise Hass und Güte, unterscheidet, sondern auch versteht, dass es dort dann wiederum noch eine Trennung zwischen "Weltlich" und "Überweltlich" existiert. So befreit weltliche, also lediglich auf die Wirkung auf die (Um-)Welt bedachte, Güte nicht vom Leiden, erzeugt aber Karma, wohingegen Güte um ihrer Selbst Willen, über die Weltliche Wirkung hinaus, welches kein Karma erzeugt, das Leiden beendet.
Hinzuzufügen ist ebenfalls, dass das "Leiden" bzw. das Leben als "leidvoll" zu betrachten, im Buddhismus keinesfalls mit einer pessimistischen Grundhaltung zu verwechseln ist. Mit Weltschmerz, elendem Dasein oder Kummer hat dies wenig bis gar nichts zu tun. Leiden, Dukkha, bezeichnet lediglich den Kreislauf von Werden und Vergehen durch eine weltliche, sprich auf das Ego reduzierte Existenz.
Abstellen von Leiden durch das Erwachen (Bodhi) beendet diesen Kreislauf, nicht aber das Dasein.
Nirvana, das Verlöschen, ist ja auch kein jenseitiges Erleben, flutsch und weg, immerhin lebte und lehrte Buddha Gautama nach der Erlangung dieses Zustandes durch das Erwachen noch gut 40 Jahre. Danach verschwand er nach buddhistischem Selbstverständnis auch nicht im Nichts, sondern ging ein in eine höhere Existenzebene. (Von der Möglichkeit, Bodhi zu erlangen und trotzdem weiter freiwillig Samsara zu "erleiden", um aus reiner Liebe erst anderen auf dem Weg der Erleuchtung zu helfen, dem Bodhisattva, rede ich besser gar nicht...^^)
Wie bereits im vorangegangenen Artikel "Tod dem Buddha", auf den dieser hier die unmittelbare Fortsetzung darstellt, angesprochen, steht einem hier bisweilen die westliche geprägte Denkweise im Weg.
Mehr noch, es ist auch teilweise schwierig, die buddhistische Auffassung von der des Hinduismus zu unterscheiden, der zum Teil dieselben Begriffe in einem komplett anderen Kontext verwenden.
Das wird auch dadurch klar erkennbar, dass man im Hinduismus an eine unvergängliche Seele glaubt, die man "mitnimmt" in die nächste Reinkarnation, im Buddhismus jedoch gar keine Seele existiert (Stichwort: Anātman)!
Hinzu kommt, dass Buddha Gautama bei der Weitergabe seiner Erkenntnisse immer auf verschiedenste, an die geistigen und spirituellen Voraussetzungen seiner Zuhörer angepasste, Art und Weise lehrte. Das ist auch der Grund, warum es nicht den Buddhismus gibt, sondern eine Vielzahl von Schulen und Richtungen, die sich zum Teil erheblich in der Auslegung der Lehre unterscheiden.
(Ich beziehe mich in meinen Ausführungen bezüglich des Buddhismus hier fast immer auf die im Mahayana bzw. Zen praktizierten Interpretationen, denn nur damit habe ich mich beschäftigt und nur darin habe ich Praxis!)
Beides also, Karma wie auch das Abstellen des Leidens, das Ausbrechen aus dem Kreislauf der Wiedergeburt (besser spräche man in Hinblick auf die unterschiedliche Konzepte, um Missverständnissen vorzubeugen, von Punabbhava, Wieder-Existenz), liegt in der Selbstverantwortung jedes einzelnen Menschen durch Erlangung tieferer Erkenntnis und steht somit vollkommen kontär zur Prädestinationslehre.
Das Leiden kommt nicht von außen, sondern ist, wenn man so will, selbstzugefügt. Aufgabe des Menschen ist es, dies durch absichtslose, also nicht auf das Ego ausgerichteter Selbstbeobachtung zu erkennen und daraus die Konsequenzen für das persönliche Handeln zu ziehen und so die Ursache des Leidens zu beseitigen. Zuerst für sich selbst - Veränderung sollte immer von Innen nach Außen erfolgen! - und erst dann auch durch die veränderte Verhaltensweise für seine gesamte Umwelt, jedes Lebewesen.
Was ist aber diese Absichtslosigkeit, dieses Absichtsloses Handeln?
Wie bereits gesagt, hat das nichts mit Fatalismus oder Gedankenlosigkeit zu tun. Vielmehr handelt es sich dabei um das Handeln ohne die, oben angeführten, "Drei Geistesgifte".
In unsere, westliche, Auffassung übertragen könnte man es mit Selbstlosigkeit übersetzen, jedoch auch hier lauert die Gefahr, den Begriff unterbewusst durch unseren kulturellen Kontext zu missdeuten. Mit Altruismus in seiner negativ behafteten Deutung, nämlich der völligen Aufopferung des Selbst, gemeinhin als "Selbstaufgabe" bekannt, hat Absichtsloses Handeln meiner bescheidenen Meinung absolut nichts zu tun.
Zwar trifft der Begriff "Opferung" den Kern der Sache ziemlich genau, in dem Sinne, dass man sein Ego beseite schiebt, und die Motivation für seine Handeln ständig daraufhin überprüfen sollte, ob sich dahinter nicht doch eigennützige Interessen verbergen, jedoch kann auch schon diese Art der Selbstopferung eben durch die Harangehensweise mit "leidverursachenden Emotionen" behaftet sein, wenn sie aus den falschen Gründen erfolgt oder man, wie häufig zu beobachten, Ego und Selbst nicht zu unterscheiden mag. Besser wäre es daher von Ich-Opferung zu sprechen.
(wobei beides nach buddhistischem Verständnis sowieso eine Täuschung ist bzw. eine temporäre Erscheinungsform der Skandhas. Aber belassen wir es einstweilen bei den Begriffen - Mehr dazu in der Fortsetzung...)
Wie ich bereits mehrfach in unterschiedlichsten Kontexten erklärt habe, ist die Psyche eines Menschen sehr vielschichtig und gerade das Unterbewusstsein neigt dazu, uns an der Nase herum zu führen, so lange wir es nicht "zu packen kriegen". Viele Menschen, und da nehme ich mich bestimmt nicht aus, neigen dazu, sich selbst etwas über ihre Absichten und Motivationen in die Tasche zu lügen.
Das liegt eben auch daran, dass sich eben im Unterbewußtsein sehr viele alte Verletzungen, Vorurteile, schlechte Erfahrungen manifestieren, ohne dass man sich dessen bewußt sein mag. Man gibt vor, etwas aus Uneigenützigkeit zu tun, ist davon möglicherweise sogar fest überzeugt, allerdings verbergen sich dahinter eben dann doch höchst egoistische Beweggründe, die "Geistesgifte", resultierend eben aus diesen unterbewußten "Schatten".
Das kann soweit gehen, dass einem das Unterbewusstsein sogar vorgaukelt, beim Ego handele es sich um das Selbst.
Aber allein schon, mit seinem Handeln ein bestimmtes Ziel verfolgen zu wollen, also etwas bestimmtes zu begehren, führt weg vom absichtslosen Handeln.
Sich dessen bewußt zu werden, wäre also der erste Schritt zum absichtlosen Handeln.
Um zu verstehen, was dieses Handeln ohne Absicht nun wirklich ist, hilft es, sich etwas mit Daoismus zu beschäftigen, der bei der Entstehung des Zen maßgeblichen Einfluss hatte. Dort gibt es den Begriff des WuWei, des Handelns durch Nicht-Handeln.
Um das zu verstehen, muss man Begreifen, dass das Dao Alles und Nichts ist, Existenz und Nicht-Existens, im Grunde unser gesamter Kosmos. Die ein wenig abgedroschne Phrase "Der Weg ist das Ziel!" ist Dao, denn es ist eben von der Bedeutung her beides in einem, Weg und Ziel zugleich. (Tipp: Einfach mal bei dem vielzitierten Satz die Artikel weglassen!)
Handeln durch Nicht-Handeln bedeutet also nicht, sich in etwas fügen, die Hände in die Taschen schieben und warten, dass "ES" vorübergeht, sondern nicht gegen das Dao zu arbeiten, sondern mit ihm.
Um zu verdeutlichen, was damit gemeint ist, versuche ich es mit einem Beispiel:
Man steht in einer Großstadt an einer stark befahrenen, vielleicht vierspurigen Straße und möchte auf die andere Seite.
Nun hat man mehrere Möglichkeiten:
Man kann warten, bis die Straße völlig frei ist. (Optimist!^^)
Man kann sich die nächste Fussgängerampel suchen, was durchaus vernünfig wäre.
Man kann aber auch erst einmal schauen, nach welchen Gesätzmäßigkeiten der Verkehr fließt (und diese Gesätzmäßigkeiten gibt es!) und dann losgehen.
Wenn ein Auto kommt bleibt man kurz stehen oder passt seine Schrittgeschwindigkeit an, bis es vorüber ist und geht weiter, Stück um Stück, den fließenden Verkehr immer im Auge behaltend.
Man darf nur nicht den Fehler machen, sich dem Kopf, dem Verstand, auszuliefern, der einem vielleicht sagt: "He, das ist bekloppt! Kein vernünftiger Mensch macht, was du da machst. - Wenn du dich in der Geschwindigkeit verschätzt, dann erwischen sie dich! - Nicht jetzt gehen, stopp! - Da kommt einer, da, da ist wieder einer! - Boah, guck dir mal an, was auf der anderen Spur los ist, da kommst du nie rüber, selbst, wenn du es bis dahin schaffst....!", oder einfach nur das Ziel im Augen haben und blindlings losgehen, sondern schlicht intuitiv auf das reagieren, was gerade passiert. Man wird dabei merken, dass durch dieses Handeln weder der Verkehr stockt, noch man selbst ins Stocken gerät.
Das funktioniert!
(Liebe Kinder, ich muss jetzt nicht sagen, dass die olle Krähe schon ein paar Jahre Erfahrung auf dem Buckel hat und man die auch braucht, um zu wissen, wann man sich im "Flow" befindet und wann man solcherlei Handlungen besser verkneift, oder?)
Das ist Wuwei, das ist leben im Dao, das ist Zen!
Wenn ich mir ein Ziel setze, dann setze ich nicht alles daran, dieses gegen alle Widerstände durchzuboxen, sondern ich beginne einfach mit einem Schritt, und dieser erste Schritt ist das Ziel, dann kommt die nächste Etappe und so fort und ich nutze jeweils das, was auf den einen Schritt an Reaktion, Resonanz erfolgt, orientiere mich daran, nutze es, um weiter zu machen. Das muss mich nicht auf geradem Weg zum Ergebnis führen, subjektiv gesehen, mag es mich auch aufhalten oder mich Zeit kosten, aber im großen Ganzen betrachtet, komme ich damit wesentlich erfolgreicher, schneller, weil mit weniger Rückschlägen und verlustfreier für mich und alles andere (Mitmenschen, Umwelt, Kosmos) voran, als dass ich versuche, durchzubrechen und dabei vielleicht mehr Schaden verursache, als Nutzen. Ich arbeite nicht gegen etwas (das Prinzip), sondern mit dem, was ich vorfinde. Ich biete keinen Widerstand! Kein "Das muss aber jetzt klappen!" Ich mache einfach, und sehe was dabei herauskommt.
Ein besseres Beispiel, welches mir zur Veranschaulichung einfiele wäre noch, wenn man sich den Weg durch einen Dschungel bahnen müsste, weil man auf die andere Seite gelangen möchte. Man kann sich dann natürlich eine Machete schnappen und sich den Weg frei schlagen. Man kann aber auch erst einmal schauen, ob sich nicht auch natürliche Schneisen finden lassen, wie zum Beispiel ein Bach oder Fluss, der sich durch den Urwald schlängelt, und dann an dessen Ufer entlang gehen. Das bedarf zwar etwas Zeit, mag auch nicht auf geradem Weg zum Ziel führen, aber ich nutze damit natürliche Pfade, die bereits vorhanden sind ohne etwas willentlich zu zerstören.
Auch beim Aikidō finde ich, mehr noch als beim oft angeführten, weil systeminhärenten, Tàijíquán, Wuwei. Der Verteidiger nutzt die vorhandene Energie des Angreifers um ihn angriffsunfähig zu machen. Dabei ist er nicht der Aktive, sondern reagiert lediglich intuitiv auf das, was ihm der Angreifende zur Verfügung stellt.
Aikidō ist meiner Meinung nach nicht nur wegen seines Defensiv-Charakters eine sehr schönes Beispiel, sondern auch, weil es weder Gewichtsklassen noch eine Trennung nach Geschlechtern und auch, traditionell, keine Wettkämpfe kennt. Zwar wurde von verschiedenen Schulen immer wieder versucht, solche Wettkämpfe zu initieren, um die Umsetzung unter realen Situationen zu üben und zu gewährleisten, allerdings genügte bisher keines der dafür herangezogenen System der eigentlichen Philosophie, welche dem Aikidō zu Grunde liegt. Allein schon, dass es dabei um Sieger und Verlierer(Besiegten) gehen müsste, widerspricht dem nicht-dualistischen Denken.
Einen sehr schönen Text, der sich mit dieser Problematik auseinandersetzt, findet man hier.
Was hat das alles aber mit der Überschrift "Töte den Willen" zu tun?
Und wieso rede ich als Thelemit hier davon, den Willen zu töten, wo Thelema doch nichts anderes heißt als "Willen"?
Weil es sich dabei eben um zwei Arten Willen handelt, weshalb dieses Thema hier ( und für mich persönlich) auch so viel Raum einnimmt. Das ist auch der Grund, weshalb ich bei dieser Thematik, wie bei allen "Tötungsdelikten" so großen Bezug auf Buddhismus bzw. Daoismus nehme.
Ich denke, viele Probleme, viele Missstimmungen und Niederlagen beruhen eben darauf, dass Menschen mit falschen Vorstellungen an ihre Pläne, Vorhaben, um nicht zu sagen, ihr Leben herangehen.
Sie wollen glücklich sein, sie wollen geliebt werden, sie wollen anerkannt werden.
Die Aufzählung könnte beliebig erweitert werden.
Meiner Meinung nach erliegt man dabei aber dann dem fatalen Fehler, sich gegen die Welt zu stellen, eben in dem Sinne, dass man nicht das Vorhandene nutzt, sondern etwas aus dem Nichts heraus erzwingen will. Sie sehen sich dabei als "Einzelne" in der Menge anderer "Einzelner".
Individualismus ist zwar existenziell wichtig, was ich ja bereits hier einmal beschrieben habe, aber auch ein Individuum ist allein kaum lebensfähig.
Willen im oben beschriebenen weltlich ausgerichteten Kontext, also die Begierde allein, mag das Ego befriedigen, aber er stößt dort auf seine Grenzen, wo es gilt, sich mit der Außenwelt, anderen Individuen, zu vereinen. Das Ego will nicht teilen, es will herrschen. Es ist in erster Linie auf die Befriedigung der eigenen Gelüste ausgelegt. Diese Gelüste jedoch erzeugen eben ein Ungleichgewicht im Makrokosmos (Umwelt), das wiederum seinen Niederschlag im Mikrokosmos(Mensch) findet, sei es Enttäuschung, Verbitterung, Hass oder Aufgabe.
Dieser egobezogene, weltlich ausgerichtete, Wille erwünscht sich eine Reaktion, z.B. eine Liebesbezeugung oder Anerkennung, vielleicht sogar den Weltfrieden (siehe Geistesgift Nummero Uno), dies ist das begehrte Ergebnis, allein dies steht der Umsetzung aufgrund falscher Vorraussetzungen oder Annahmen (Geistesgift 3) im Weg und so wird seine Realisierung erschwert oder unmöglich gemacht, weshalb man dabei auf Widerstände trifft (und deshalb Geistesgift Nr. 2 hervorruft).
Jeder, der schon mal einen Gegenstand verlegt hat, dürfte es kennen:
Man sucht und sucht, will dieses Ding unter allen Umständen finden, aber die Suche bleibt erfolglos. Zum Haareraufen! Wenn man dann endlich die Suche irgendwann wütend oder entnervt aufgibt und sich möglicherweise zähneknirschend ein neues "Ding" kauft, dann fällt einem das Gesuchte plötzlich vor die Füße!
Was wie ein Scherz des Universums anmutet, ist lediglich, so bescheuert sich auch anhört, die praktische Auswirkung auf ein Handeln gegen das gesetzmäßige Prinzip (Dao).
Das ist das im Buddhismus als "Weltlich" definierte Wirken. Die absichtliche Handlung.
Anders sieht es mit dem im Thelema oft benutzten Terminus des "Wahren Willen" aus.
Dabei handelt es sich eben, so denke ich, um diese, nach buddhistischer Definition "Überweltliche" Art des Wirkens, die sich durch absichtslose Handlung manifestiert. Dies ist auch für mich der Kern hinter der Aussage dieses Satzes aus dem Liber Al vel Legis:
"For pure will, unassuaged of purpose, delivered from the lust of result, is every way perfect." AL I, 44
Übersetzt etwa "Denn reiner Wille, unbefleckt von Zweck, erlöst vom Gelüst nach Ergebnis, ist in jeder Weise vollkommen. "
Nicht das Ego, sondern das Selbst ist hier die treibende Kraft. Dieses aber kennt keine Eitelkeit, keine Begierde, keinen Hass, keine Beschränkung. Es ist und damit ist es Dao.
Ich weiß, es nervt langsam, aber anders kann ich es eben nicht in Worte fassen. Alles-Nichts wäre dem Verständnis noch weniger hilfreich. Einzig Ensō könnte versinnbildlichen, was ich meine.
"Enso - Calligraphy by Kanjuro Shibata XX"
Aber ich könnte jetzt nicht sagen, was man da erkennen sollte oder gar müsste. Entweder es macht *klick* oder eben nicht.
Dafür ist es übrigens vollkommen unwichtig, ob man nun dem Gesetz Thelemas, dem Daoismus, Buddhismus oder ähnlichen Philosophien folgt oder noch nie etwas von alldem gehört hat...
Jedenfalls ist hier eben wieder der Punkt erreicht, wo die Sprache an die Grenzen ihrer Ausdrucksmöglichkeiten für das Erlebbare, Fühlbare, für die Erkenntnis, stößt.
Intellektuell kann man das nicht erklären, sowie es, meiner Erfahrung nach, auch mit dem Verstand (allein) nicht erfassbar ist. Gleiches gilt für mich eben auch aufgrund eigener Erfahrung für die hier erwähnten östlichen Philosophien, Buddhismus, in meinem Fall Zen, und Daoismus. Wer sich ihnen nur auf Basis des Verstandes nähert, wird meiner Meinung nach niemals erfahren, was die Lehren wirklich beinhalten. (Gilt im Übrigen m.E. für jede spirituelle Erfahrung).
Jedenfalls kann es auf der Suche nach dem Wahren Willen wichtig sein, den "Willen" zu töten, wenn man es aus diesem von mir beschriebenen Aspekt heraus angeht bzw. betrachtet.
Auch, wenn man nicht nach höherer Erkenntnis strebt, kann das Wissen um die hier beschriebenen Prinzipien durchaus nützlich sein.
Und wenn es sich eben nur darum dreht, zu begreifen, warum man das, was man gerade händeringend sucht, eben ums Verrecken nicht finden kann...^^
Apropos absichtsloses Handeln, Wahrer Wille und Scherz des Universums, erinnert sich noch jemand, der den vorherigen Beitrag oder den als Initialzündung dienenden Tipharet-Artikel gelesen hat, an meine Schilderung über meine bewußte Abkehr vom Pfad des Zen und dem Buddhismus generell, weil ich damals nicht die Absicht hatte mein schönes Ego zu Gunsten Höherer Erkenntnis aufzugeben?
Tja, wer den Gag jetzt schon verstanden hat, darf nun ruhig lachen...
Mindestens ein Mord steht übrigens noch aus...
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Mittwoch, 2. Juni 2010
Tod dem Buddha!
Ich muss noch mal auf meine Behauptung im vorhergehenden Beitrag eingehen, dass ich nicht erleuchtet werden möchte.
Es stimmt schon, ich strebe nicht nach diesem Zustand. Erleuchtung ist sowieso ein sehr blöder Ausdruck, weil er den Akt/Zustand als solchen nur mangelhaft beschreibt und meiner Meinung nach in der westlichen Welt auch immer etwas missverstanden und somit auch missverständlich gebraucht wird.
Diese Missdeutung liegt vielfach daran, dass wir hier in einem christlich geprägten Kulturraum leben und dies eben auch das Denken und Fühlen beeinflusst. Das hat unter Anderem zur Folge, dass "Nirwana" als himmelsgleicher Ort interpretiert wird und die "Erleuchtung" eben als etwas empfunden wird, was von außen kommt und eben erst meistens am Ende der irdischen Existenz erreicht oder zumindest damit gleichgesetzt wird (vergleichbar mit der christlchen Auffassung vom Eins-werden mit Gott und der Offenbarung/Berührung durch dem Heiligen Geist). Somit stellt man sich eben auch das Ausbrechen aus dem Kreislauf vom Leiden (Samsara), die Erlösung, immer vor unserem kulturellen Hintergrund vor.
Und das selbst dann, wenn man die Prinzipien durchaus intelektuell verstanden hat und sicher annimmt, man hätte sich von althergebrachten, sozial- und kulturbedingten Denkschemata befreit. Am deutlichsten wird dies, meiner Meinung nach auch dadurch, dass Buddha Gautama häufig als erster und/oder der Buddha verstanden und ihm somit unterschwellig ein Gott-Status zugebillgt wird. Dabei ist Buddhismus inhärent atheistischer Natur. Es gibt dort keine Götter.
Es handelt sich also weder um einen Ort (Nirwana) noch um um eine (christliche) Jenseitserfahrung, genauso wenig, wie es sich bei Buddha um eine Person handelt. Beides bezeichnen vielmehr denselben Bewusstseinszustand. Der größte Irrtum liegt allerdings darin, diesen Zustand als Ziel am Ende eines Weges zu verstehen. Die Praxis selbst ist schon das Ziel.
Weitaus treffender ist es, statt von Erleuchtung vom "Erwachen" zu sprechen, der Öffnen des Geistes und der Erlangung von (persönlicher) Erkenntnis.
Wie man sieht, ist eben auch unserer Sprachempfinden doch sehr stark von dem geprägt, was wir tagtäglich ein Leben lang aus unserer Umwelt aufnehmen. Da kann man sich auf den Kopf stellen und noch so beteuern, dass man sich schon längst von bestehenden, eingefahrenen Denkmustern getrennt hat, wenn man ehrlich zu sich selbst ist, und wenigsten das sollte man sein, wird man feststellen, dass dies keinesfalls so sicher ist.
(Wer den vorhergehenden Beitrag gelesen hat, und in Hinblick auf meine Behauptung
Warum ich das hier so ausführlich erkläre, hat unmittelbar mit dem Aufhänger des Beitrages zu tun.
Dieses Zitat stammt von Zenmeister Linji Yixuan, von dem auch folgendes Zitat stammt:
So ist auch das Zazen, das Sitzen, nicht nur eine von vielen Meditationstechniken, sondern weit mehr als das, nämlich eine Grundhaltung, die weit über den Akt des Sitzens hinausgeht. Wenn man Zazen praktiziert, dann tut man das immer, egal was man gerade macht oder wo man sich gerade befindet.
Auch hier gilt eben, es ist kein Mittel zum Zweck (die Erleuchtung zu erfahren) sondern Selbstzweck.
Und so sollte man das Leben an sich verstehen. Es gibt kein Ziel zu erreichen, sondern das Leben an sich ist bereits das Ziel.
So ziemlich das erste, was man lernen sollte, nicht nur wenn man Zen praktiziert, ist daher das Loslassen. So wie man beim Zazen eben Gedanken gestattet zu kommen und wieder zu gehen, so sollte man es mit allen Dingen halten, insbesondere was Gefühle und Ziele betrifft. Wenn ich wütend oder traurig bin, dann bin ich eben wütend oder traurig. Diese Empfindungen sollte ich nicht unterdrücken, aber eben auch nicht festhalten. Genauso trifft dies auf Ziele, Wünsche und Erwartungen zu. Egal ob sie mich selbst oder andere betreffen. Man kann sie eine Zeit lang verfolgen, aber dann muss man sich davon auch wieder frei machen.
Zukunft existiert nicht.
Gleiches gilt für die Vergangenheit.
Zwar prägte sie uns, aber sie ist bereits passiert und lässt sich nicht mehr ändern. Daran festzuhalten, was geschehen ist, womöglich darüber zu hadern oder aber auch wehmütig daran zurückzudenken, bedeutet somit an Dingen, Personen und Begebenheiten zu hängen, die so nicht mehr existent sind.
Mehr noch, wenn ich an der Vergangenheit hänge und/oder mein Denken an Zukünftiges hefte, dann sind Körper und Geist nicht mehr im Einklang. Nicht mehr im Jetzt.
Es mag schwer zu verstehen sein, aber es gibt immer nur diesen Augenblick. Nun diesen und wieder einer und so weiter.
Darum fällt es mir persönlich sehr schwer, feste Zusagen zu machen für Aktivitäten, die in der Zukunft liegen. Ich kann zwar im Kalender nachsehen, ob ich Zeit habe und mir einen bestimmten Termin freihalten. Auch planen kann ich und tue es wenn, dann auch genarelstabsmäßig und mit Enthusiasmus. Auch freue ich mich wirklich auf bestimmte Treffen und Vernastaltungen. Aber wirklich wissen, was zu diesem Zeitpunkt ist, kann ich nicht. Weil er eben noch nicht existiert. Und da ich es ablehne, Versprechungen zu machen, eben weil ich nicht weiß, ob ich sie wirklich einhalten kann, kann es vorkommen, dass man mir magelnde Einsatzbereitschaft oder Flexibilität oder fehlendes Interesse vorwirft. Aber auch hier gilt für mich, einerseits nicht an etwas zu hängen, was möglicherweise eintreffen könnte, noch an möglichen Reaktionen meiner Umwelt. Es ist, wie es ist, wenn es ist.
Trotzdem ist es für mich verflucht schwer, nicht doch zu schnell Zusagen zu geben oder mir Gedanken darüber zu machen, wie meine Zurückhaltung bei bestimmten Personen ankommt. Aber wie gesagt, da muss ich durch und wenn ich diesen Zustand nicht festhalte, dann ist er auch nicht von Dauer und bestimmt am Ende noch meine Entscheidungen.
So verhält es sich eben auch mit den unterschiedlichsten Lehren, Philosophien und religiösen Praktiken, aber auch mit eigenen Meinungen und Konzepten, überhaupt mit allem, womit wir uns beschäftigen und was uns interessiert. Uns mag die eine oder andere ansprechen und dann werde wir uns natürlich intelektuell damit befassen. Man liest dann womöglich sehr viel themenbezogene Literatur von den unterschiedlichen Autoren oder wird sich anderswo Informationen und Anleitung suchen.
Wichtig ist dann aber auch wieder, sich von dem Informationen aus zweiter Hand zu lösen und für sich selbst zu "er-fahren". Nicht was geschrieben steht ist von Belang, auch nicht was viele andere schon erfolgreich für sich praktiziert oder erlebt haben, sondern nur, was man selbst daraus für Erkenntnisse zieht. Vom Nach-Denken sollte man den entscheidenden Schritt zum Selber-Denken schaffen.
Darum sehe ich es oft kritisch, wenn man einem religiösen Konzept folgt, über das sehr viel themenbezogenes Schriften existiert. Und dabei meine ich beileibe nicht nur die sogenannten Buchreligionen oder festgelegte Lehren. Auch Entwürfe zu denen eigentlich keinerlei überliefertes und/oder statisches Wissen existiert, wie beispielsweise Hexentum, Animismus und Schamanismus, sind davor nicht gefeit.
Die darüber in Umlauf befindlichen Informationen, sei es durch Hörensagen oder schriftlich niedergelegte Ansichten von Einzelpersonen, werden sehr leicht als Ideal verstanden, nach dem es zu streben gilt.
Natürlich kann es hilfreich für das Verstehen sein, von den Gedanken anderer (nichts anderes sind eben auch Aufzeichnungen generell und über philisophische oder religiöse Themen im besonderen.) Kenntnis zu erlangen und sich damit auseinanderzusetzen und eine Zeit lang daran zu orientieren, aber man darf nicht den Fehler machen, sie als Rezept oder als Fahrplan für den eigenen Weg misszuverstehen und sich stur daran zu halten. Dann geht man nämlich nicht seinen Weg, sondern den eines anderen. Man geht ihn in den Schuhen eines anderen.
Mehr noch: Es kann dazu führen, dass man beginnt in Kategorien von "richtig" und "falsch" zu denken beginnt.
Was für einen anderen gut und richtig ist, muss zwar für einen selbst nicht grundlegend verkehrt sein, aber es kann auch dazu führen, dass man sich den Weg zu den eigenen persönlichen Erkenntnisen verbaut. Es gibt keinen richtigen Weg, ebensowenig wie einen falschen. Der führt höchstens auf Umwege, die aber auch ihren Nutzen haben.
Hinzu kommt, dass Worte immer nur einen Teil einer persönlichen Wahrheit vermitteln. Sie sind Hilfsmittel etwas auszudrücken, was, gerade auf dem spirituellen Gebiet, eigentlich nicht auszudrücken ist. Weil Denken nämlich hauptsächlich nonverbal abläuft und das Erlangen von Erkenntnis eigentlich eine Gesamterfahrung von Emotionen, Intuitionen und Ratio/Logik darstellt. Man kann sich noch so große Mühe geben, so etwas in allgemeinverständliche Worte zu fassen, aber dies gelingt eben nur immer bis zu einem gewissen Grad. Dabei bleibt sehr viel unausgesprochen, eben weil es "unausprechlich" im Sinne von nicht in Worte zu fassen ist, vieles fließt auch unterschwellig, zwischen den Zeilen ein, aber da jeder Mensch über eine andere Auffassungsgabe und Wahrnehmung verfügt, liegt es nicht in der Hand des Autors, wie andere seine Worte verstehen.
Es geht eben nicht darum, Er-kenntnisse und Er-fahrungen eines anderen, die man eben sowieso nur unzureichend vermitteln kann, zu folgen und nachzuvollziehen, sondern eigene Er-fahrungen und Er-kenntnisse zu machen.
So meint "Wenn du Buddha begegnest, dann töte ihn!" nicht einem (äußeren) Ideal zu folgen, zu versuchen jemand anders zu sein, sondern nur man Selbst.
Aber es gilt auch noch weitere Morde zu begehen.
To be continue
Es stimmt schon, ich strebe nicht nach diesem Zustand. Erleuchtung ist sowieso ein sehr blöder Ausdruck, weil er den Akt/Zustand als solchen nur mangelhaft beschreibt und meiner Meinung nach in der westlichen Welt auch immer etwas missverstanden und somit auch missverständlich gebraucht wird.
Diese Missdeutung liegt vielfach daran, dass wir hier in einem christlich geprägten Kulturraum leben und dies eben auch das Denken und Fühlen beeinflusst. Das hat unter Anderem zur Folge, dass "Nirwana" als himmelsgleicher Ort interpretiert wird und die "Erleuchtung" eben als etwas empfunden wird, was von außen kommt und eben erst meistens am Ende der irdischen Existenz erreicht oder zumindest damit gleichgesetzt wird (vergleichbar mit der christlchen Auffassung vom Eins-werden mit Gott und der Offenbarung/Berührung durch dem Heiligen Geist). Somit stellt man sich eben auch das Ausbrechen aus dem Kreislauf vom Leiden (Samsara), die Erlösung, immer vor unserem kulturellen Hintergrund vor.
Und das selbst dann, wenn man die Prinzipien durchaus intelektuell verstanden hat und sicher annimmt, man hätte sich von althergebrachten, sozial- und kulturbedingten Denkschemata befreit. Am deutlichsten wird dies, meiner Meinung nach auch dadurch, dass Buddha Gautama häufig als erster und/oder der Buddha verstanden und ihm somit unterschwellig ein Gott-Status zugebillgt wird. Dabei ist Buddhismus inhärent atheistischer Natur. Es gibt dort keine Götter.
Es handelt sich also weder um einen Ort (Nirwana) noch um um eine (christliche) Jenseitserfahrung, genauso wenig, wie es sich bei Buddha um eine Person handelt. Beides bezeichnen vielmehr denselben Bewusstseinszustand. Der größte Irrtum liegt allerdings darin, diesen Zustand als Ziel am Ende eines Weges zu verstehen. Die Praxis selbst ist schon das Ziel.
Weitaus treffender ist es, statt von Erleuchtung vom "Erwachen" zu sprechen, der Öffnen des Geistes und der Erlangung von (persönlicher) Erkenntnis.
Wie man sieht, ist eben auch unserer Sprachempfinden doch sehr stark von dem geprägt, was wir tagtäglich ein Leben lang aus unserer Umwelt aufnehmen. Da kann man sich auf den Kopf stellen und noch so beteuern, dass man sich schon längst von bestehenden, eingefahrenen Denkmustern getrennt hat, wenn man ehrlich zu sich selbst ist, und wenigsten das sollte man sein, wird man feststellen, dass dies keinesfalls so sicher ist.
(Wer den vorhergehenden Beitrag gelesen hat, und in Hinblick auf meine Behauptung
"Nach dem Abgrund (darüber eben Daath) beginnt die rein Geistige Ebene, wir verlassen unsere Welt und finden nur noch Jenseitiges/Überirdisches.denkt ich würde mir hier selbst widersprechen, der muss sich vor Augen halten, dass der Baum des Lebens eben kein exogenes Gebilde darstellt, sondern eben den Menschen in seiner Gesamtheit.)
Dort liegt eben der Bereich, den man im Buddhismus Bodhi oder Buddha-Natur nennt. Alles und Nichts. All-Sein und Nichtexistenz. Nirwana und nein, nicht der Himmel, jedenfalls nicht in der landläufigen Bedeutung. Nur noch reiner Geist und keine Materie."
Warum ich das hier so ausführlich erkläre, hat unmittelbar mit dem Aufhänger des Beitrages zu tun.
«Wenn du dem Buddha begegnest, dann töte ihn!»
Dieses Zitat stammt von Zenmeister Linji Yixuan, von dem auch folgendes Zitat stammt:
"Die Lehre, die zur vollständigen Freiheit führt, ist die unmittelbare Erfahrung und das ist Zen. Kein Lehrer fragt und niemand klärt dich auf. Es gibt nichts zu lehren. Du erleuchtest dich selbst. Versetze dich einfach mit aller Macht in den Zustand, in dem kein einziger Gedanke mehr aufsteigt."Beide Aussagen gehören thematisch zusammen, weil die letztere die Sinndeutung für die erste bietet und auch erklärt, warum das Ausüben von Zen oft für den "Schüler" problematisch sein kann. Es gibt dort eben keine Anleitung, keine allgemeingültigen Unterweisungen, keinem festgelegten Weg, den man folgen kann, sondern eben nur Hinweise, wie man den eigenen Weg finden könnte. Alles weitere liegt bei dem Praktizierenden selbst. Einziger Orientierungspunkt sind die Vier Edlen Wahrheiten und der Achtfache Pfad.
So ist auch das Zazen, das Sitzen, nicht nur eine von vielen Meditationstechniken, sondern weit mehr als das, nämlich eine Grundhaltung, die weit über den Akt des Sitzens hinausgeht. Wenn man Zazen praktiziert, dann tut man das immer, egal was man gerade macht oder wo man sich gerade befindet.
Auch hier gilt eben, es ist kein Mittel zum Zweck (die Erleuchtung zu erfahren) sondern Selbstzweck.
Und so sollte man das Leben an sich verstehen. Es gibt kein Ziel zu erreichen, sondern das Leben an sich ist bereits das Ziel.
So ziemlich das erste, was man lernen sollte, nicht nur wenn man Zen praktiziert, ist daher das Loslassen. So wie man beim Zazen eben Gedanken gestattet zu kommen und wieder zu gehen, so sollte man es mit allen Dingen halten, insbesondere was Gefühle und Ziele betrifft. Wenn ich wütend oder traurig bin, dann bin ich eben wütend oder traurig. Diese Empfindungen sollte ich nicht unterdrücken, aber eben auch nicht festhalten. Genauso trifft dies auf Ziele, Wünsche und Erwartungen zu. Egal ob sie mich selbst oder andere betreffen. Man kann sie eine Zeit lang verfolgen, aber dann muss man sich davon auch wieder frei machen.
Zukunft existiert nicht.
Gleiches gilt für die Vergangenheit.
Zwar prägte sie uns, aber sie ist bereits passiert und lässt sich nicht mehr ändern. Daran festzuhalten, was geschehen ist, womöglich darüber zu hadern oder aber auch wehmütig daran zurückzudenken, bedeutet somit an Dingen, Personen und Begebenheiten zu hängen, die so nicht mehr existent sind.
Mehr noch, wenn ich an der Vergangenheit hänge und/oder mein Denken an Zukünftiges hefte, dann sind Körper und Geist nicht mehr im Einklang. Nicht mehr im Jetzt.
Es mag schwer zu verstehen sein, aber es gibt immer nur diesen Augenblick. Nun diesen und wieder einer und so weiter.
Darum fällt es mir persönlich sehr schwer, feste Zusagen zu machen für Aktivitäten, die in der Zukunft liegen. Ich kann zwar im Kalender nachsehen, ob ich Zeit habe und mir einen bestimmten Termin freihalten. Auch planen kann ich und tue es wenn, dann auch genarelstabsmäßig und mit Enthusiasmus. Auch freue ich mich wirklich auf bestimmte Treffen und Vernastaltungen. Aber wirklich wissen, was zu diesem Zeitpunkt ist, kann ich nicht. Weil er eben noch nicht existiert. Und da ich es ablehne, Versprechungen zu machen, eben weil ich nicht weiß, ob ich sie wirklich einhalten kann, kann es vorkommen, dass man mir magelnde Einsatzbereitschaft oder Flexibilität oder fehlendes Interesse vorwirft. Aber auch hier gilt für mich, einerseits nicht an etwas zu hängen, was möglicherweise eintreffen könnte, noch an möglichen Reaktionen meiner Umwelt. Es ist, wie es ist, wenn es ist.
Trotzdem ist es für mich verflucht schwer, nicht doch zu schnell Zusagen zu geben oder mir Gedanken darüber zu machen, wie meine Zurückhaltung bei bestimmten Personen ankommt. Aber wie gesagt, da muss ich durch und wenn ich diesen Zustand nicht festhalte, dann ist er auch nicht von Dauer und bestimmt am Ende noch meine Entscheidungen.
So verhält es sich eben auch mit den unterschiedlichsten Lehren, Philosophien und religiösen Praktiken, aber auch mit eigenen Meinungen und Konzepten, überhaupt mit allem, womit wir uns beschäftigen und was uns interessiert. Uns mag die eine oder andere ansprechen und dann werde wir uns natürlich intelektuell damit befassen. Man liest dann womöglich sehr viel themenbezogene Literatur von den unterschiedlichen Autoren oder wird sich anderswo Informationen und Anleitung suchen.
Wichtig ist dann aber auch wieder, sich von dem Informationen aus zweiter Hand zu lösen und für sich selbst zu "er-fahren". Nicht was geschrieben steht ist von Belang, auch nicht was viele andere schon erfolgreich für sich praktiziert oder erlebt haben, sondern nur, was man selbst daraus für Erkenntnisse zieht. Vom Nach-Denken sollte man den entscheidenden Schritt zum Selber-Denken schaffen.
Darum sehe ich es oft kritisch, wenn man einem religiösen Konzept folgt, über das sehr viel themenbezogenes Schriften existiert. Und dabei meine ich beileibe nicht nur die sogenannten Buchreligionen oder festgelegte Lehren. Auch Entwürfe zu denen eigentlich keinerlei überliefertes und/oder statisches Wissen existiert, wie beispielsweise Hexentum, Animismus und Schamanismus, sind davor nicht gefeit.
Die darüber in Umlauf befindlichen Informationen, sei es durch Hörensagen oder schriftlich niedergelegte Ansichten von Einzelpersonen, werden sehr leicht als Ideal verstanden, nach dem es zu streben gilt.
Natürlich kann es hilfreich für das Verstehen sein, von den Gedanken anderer (nichts anderes sind eben auch Aufzeichnungen generell und über philisophische oder religiöse Themen im besonderen.) Kenntnis zu erlangen und sich damit auseinanderzusetzen und eine Zeit lang daran zu orientieren, aber man darf nicht den Fehler machen, sie als Rezept oder als Fahrplan für den eigenen Weg misszuverstehen und sich stur daran zu halten. Dann geht man nämlich nicht seinen Weg, sondern den eines anderen. Man geht ihn in den Schuhen eines anderen.
Mehr noch: Es kann dazu führen, dass man beginnt in Kategorien von "richtig" und "falsch" zu denken beginnt.
Was für einen anderen gut und richtig ist, muss zwar für einen selbst nicht grundlegend verkehrt sein, aber es kann auch dazu führen, dass man sich den Weg zu den eigenen persönlichen Erkenntnisen verbaut. Es gibt keinen richtigen Weg, ebensowenig wie einen falschen. Der führt höchstens auf Umwege, die aber auch ihren Nutzen haben.
Hinzu kommt, dass Worte immer nur einen Teil einer persönlichen Wahrheit vermitteln. Sie sind Hilfsmittel etwas auszudrücken, was, gerade auf dem spirituellen Gebiet, eigentlich nicht auszudrücken ist. Weil Denken nämlich hauptsächlich nonverbal abläuft und das Erlangen von Erkenntnis eigentlich eine Gesamterfahrung von Emotionen, Intuitionen und Ratio/Logik darstellt. Man kann sich noch so große Mühe geben, so etwas in allgemeinverständliche Worte zu fassen, aber dies gelingt eben nur immer bis zu einem gewissen Grad. Dabei bleibt sehr viel unausgesprochen, eben weil es "unausprechlich" im Sinne von nicht in Worte zu fassen ist, vieles fließt auch unterschwellig, zwischen den Zeilen ein, aber da jeder Mensch über eine andere Auffassungsgabe und Wahrnehmung verfügt, liegt es nicht in der Hand des Autors, wie andere seine Worte verstehen.
Es geht eben nicht darum, Er-kenntnisse und Er-fahrungen eines anderen, die man eben sowieso nur unzureichend vermitteln kann, zu folgen und nachzuvollziehen, sondern eigene Er-fahrungen und Er-kenntnisse zu machen.
So meint "Wenn du Buddha begegnest, dann töte ihn!" nicht einem (äußeren) Ideal zu folgen, zu versuchen jemand anders zu sein, sondern nur man Selbst.
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