"Bildung ist wichtig, vor allem wenn es gilt, Vorurteile abzubauen.
Wenn man schon ein Gefangener seines eigenen Geistes ist, kann man wenigstens dafür sorgen, daß die Zelle anständig möbliert ist.
"
Peter Ustinov
„Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.“

Benjamin Franklin


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Sonntag, 2. Oktober 2011

Was ist eigentlich Anarchie?

„Wer sagt: hier herrscht Freiheit, der lügt, denn Freiheit herrscht nicht.“
Erich Fried


Da es mich bisweilen verärgert, mit welcher negativen Konnotation der Begriff "Anarchie" in der heutigen Gesellschaft Anwendung findet und wie uneflektiert diese Definition von der breiten, meist nicht mal besonders ungebildeten Masse übernommen wird, nehme ich mal ein kleines Aufklärungs-Video zu dem Thema zum Anlass, um mit einigen Missverständnissen aufzuräumen.

Und weil der Mensch eben eher auf visuelle Reize anspricht, zuerst einmal das besagte Video:


Merke:
Anarchie kann nicht herrschen, denn sie definiert sich gerade über die Abwesenheit jeder Art von Herrschaft und Hierachie.
Mögen diejenigen, die brennende Autos und verwüstete Straßenzüge auch noch so oft als Erscheinugsformen von Anarchie werten - und das tun sowohl die Täter als auch die, ob dieser Gewaltakte entsetzte Massen - so hat das mit Anarchie nicht mal ansatzweise etwas zu tun.
Es sind meines Erachtens vielmehr bestenfalls Symptome einer in sich nicht mehr funktionierenden Gesellschaftsform und daraus resultierenden Hilflosigkeit der Täter. Meist sind solche Auswüchse aber nur als Spaß an der Zerstörung selbst zu werten.

 Wer sich nun etwas mehr mit der Materie "Anarchie" befassen möchte, dem kann ich das Buch "Anarchie!" von Horst Stowasser ans Herz legen.
Es bietet dem interessierten Leser einen ziemlich guten Einstieg in die Materie, ohne ihn gleich zu überfordern.
Auf YouTube habe ich dazu drei Kapitel - Einleitung + zwei Kapitel - gefunden, die als "Hörprobe" einen kleinen Vorgeschmack bieten:




Wie man sieht gibt es den Anarchismus als allgemeingültige Ideologie nicht. Das würde der Idee selbst schon wieder zu wider laufen. Vielmehr gibt es viele anarche Erscheinungsformen.


Die Angst vor der Anarchie und damit auch den schlechten Ruf, den sie genießt, lässt sich übrigens sehr leicht erklären, wenn man bedenkt, dass eine herrschaftlose Gesellschaftsform nicht im Interesse der Herrschenden liegen dürfte. Egal ob nun Monarchen, Diktatoren oder auch gewählte Regierungsvertreter, sie alle werden kaum bereit sein,, auf ihre Macht zu verzichten.
Und die meisten "Untertanen" und "Untergebenen" wird der Verzicht auf festgefügte Hierachien, in denen sie zwar von oben beherrscht werden, aber auch die Möglichkeit haben, ihrerseits nach unten zu herrschen auch nicht gerade begeistern.
„Anarchie ist Ordnung ohne Herrschaft.“
Pierre Joseph Proudhon
Wer sich weiter über Anarchie, ihre Definition und vielfältigen Erscheinungsformen informieren möchte, dem empfehle ich - besonders auch in Hinblick auf die umfangreichen Quellenangaben und weiterführenden Links - folgende Wiki-Beiträge:
Anarchie (Wikipedia)

Anarchie (Anarchopedia)

Und wer immer noch Gewalt und Anarchie in einen Topf werfen möchte, dem kann ich nur den bildgewaltigen Filmepos (von wegen Mensch als visuell orientiertes Wesen ;) ) über das Leben und Wirken des, meines Erachtens, bekanntesten und vielzitiertesten Vertreter des gewaltfreien Anarchismus des 20. Jh. ans Herz legen...


Ich schließe meine kleine Exkursion deshalb auch mit zwei Zitaten von ihm.

„If India copies England, it is my firm conviction that she will be ruined. Parliaments are merely emblems of slavery“

„In such a state (of affairs), everyone is his own rulers. He rules himself in such a manner that he is never a hindrance to his neighbor“

Mittwoch, 21. September 2011

Wissen ist Macht!...?

"Wissen ist Macht! Nichts wissen macht auch nichts!"
Ein Sponti-Spruch aus meiner Jugend, der in letzter Zeit wieder einmal seine, wenn auch eingeschränkt gültige, Berechtigung für mich bewiesen hat.

Natürlich empfinde ich eine umfassende Bildung und eigene, stete Weiterbildung für ausgesprochen wichtig. Nicht umsonst steht oben in meinem Blog dieses Zitat von Sir Peter Ustinov!

Aber was nützt es, wenn man über ein enormes Wissen verfügt, aber nichts davon wirklich in der Praxis umzusetzen vermag?

Wenn das Wissen selbst zum Gefängnis wird?
Nur noch das geschriebene Wort Bedeutung hat und man eigene Erfahrung und die Emotionen, die damit eng verbunden sind, darüber vernachlässigt?

Ich selbst weiß, wie sich die Bedeutung von Texten, die ich vor Jahren gelesen habe und heute wieder zur Hand nehme, über die Jahre durch die Veränderung in meiner Person selbst, gewandelt haben.

Ich lese sie heute bisweilen gänzlich anders, ziehe andere Schlüsse aus ihrem Sinn oder erkenne erst jetzt deren wahre Bedeutung oder eine andere Tiefe.

Egal ob historische Aufzeichnungen, Schriften von Philosophen oder banale Geschichten, ohne Kenntnis der Zusammenhänge, des kulturellen und sozialen Kontextes, aber auch der Gefühlswelt der Protagonisten oder der Autoren bleibt dem Leser meist ein Gutteil des Sinns dahinter verborgen.

Wenn es nicht möglich ist, sich auch in diese Personen einzufühlen, versteht man meist nicht, wieso sie auf diese Art handelten oder warum sie diese Meinung vertraten.
Reines Wissen genügt da meiner Meinung nach nicht.
Dann bleibt es bei einem reinen Abfragen von Daten und Fakten. Dazu gehört auch eine Fähigkeit zu einer gewissen Art von Empathie.

Was nützt es denn, wenn ich z.B. sämtliche Philosophen seit Anbeginn der Zeit bis zur Gegenwart rezitieren kann, ihre unterschiedlichsten Theorien kenne, sie sogar verstehe, aber nicht be-greife, dass nur ihre eigene physische Existenz und ihre Realität, die sie mit ihren Sinnen und eben auch nur durch diese, ihre höchst eigene, somit begrenzten, subjektiven Sichtweise wahr-nahmen sie zu ihren Schlussfolgerungen führte?
Wie lange diese nun für sie auch selbst Bestand hatten, verschließt sich mir ebenso, wie ihre Gedankewelt.

Mehr noch:
Ich deute ihre Worte doch ebenso subjektiv aus meiner begrenzten Wahrnehmung heraus.  Und weil Worte eben nur ein unzureichendes "Transportmittel" darstellen, kann ich mich dem wahren Sinn dahinter nur genauso annähern, wie schon der Verfasser nur versuchen konnte, seine Gedanken und Erkenntnisse annähern in Worte zu fassen.

Zu der Beschränkung auf das Wort, also dem reinen Wissen aus zweiter Hand um das, was jemand völlig fremdes, in uns fremden Zeiten, aus uns unbekannten Gründen einmal niedergeschrieben oder gesagt hat (vielmehr haben soll, denn die Belege beruhen dann ja auch lediglich auf Aussagen oder Niederschriften von Zeitgenossen), gesellt sich oftmals auch die Beschränkung auf den Verstand.

Nur was mit diesem erklärbar und fassbar ist, ist dann wahr. Aber was nützt jede Logik, wenn sie kalt und unpersönlich ist?
Was ist denn der Kopf ohne Herz, der Verstand ohne Gefühl?
Fragt ein Ex-Agnostiker, wohlgemerkt!

Ich habe schon in anderen Zusammenhängen mehrfach darauf hingewiesen, dass es sich für mich eben so darstellt, wann immer ich zu neuen Erkenntnissen und dem Erfassen von mir bisher verborgenen Zusammenhängen gelange, es sich sich eben nicht nur im Kopf abspielt oder manifestiert, als Resultat eines rein intellektuellen, verstandesmäßigen Denkvorganges, sondern ganzheitlich im Körper spürbar ist, hauptsächlich im Herz- und Magenbereich. Und der Ursprung dieser Eingebung eben nicht meinem Kopf, also dem reinen Intellekt, dem Verstand und Denken entspringt, sondern ich das Gefühl habe, als nähme sie ihren Ursprung eine Stufe darüber.

Ich will jetzt hier nicht vom Chakrensystem anfangen - das führe jetzt wirklich zu weit - aber es ist in der Tat so, dass in jenen Augenblicken "dort oben" etwas einzurasten scheint und eine Art Energie meine Wirbelsäule herabschießt und dabei eine echte ganzkörperliche Reaktion hervorruft, inklusive "Schlag auf den Solar Plexus"!
Da dieses Gefühl doch dem eines Stromschlags sehr ähnlich ist - und glaubt es mir, als Tochter eines (Auto-)Elektrikers, der mich in diese "Wissenschaft" einführte, weiß ich, wie sich so etwas anfühlt - ist die Bezeichnung "Geistesblitz" durchaus zutreffend.

Natürlich basieren solche Vorgänge auch auf angeeigneten Wissen, aber der Vorgang selbst, wie das Ergebnis, ist doch, jedenfalls nach meinen persönlichen Beobachtungen, nicht nur darauf zurückzuführen. Man muss sich, so denke ich, auch wieder ein Stück weit vom Erlernten, Erlesenem und auch Erfahrenem lösen, um es neu verknüpfen zu können. Stures Festhalten an Altbewertem behindert diesen Vorgang nur.

Das wäre so, wie wenn man tagtäglich durch denselben Ort läuft und nur die immer gleichen Wege benutzt. Man kommt ziemlich sicher von A nach B ohne Gefahr sich zu verlaufen, aber man lernt auch den Ort selbst nie wirklich kennen. Weder neue Plätze, noch etwaige Abkürzungen oder durchaus beachtenswerte Stätten. So kann man ein Leben an diesem Ort verbringen und doch bleibt er einem weitgehend unbekannt und seine wirkliche Schönheit und Komplexität verborgen.

So ist es eben auch, wenn man sich an einmal festgelegtes Wissen und damit verbundene Strukturen klammert und/oder sie lediglich weiter anhäuft oder verfestigt ohne sie zur Weiterentwicklung zu nutzen und gegebenenfalls bereit ist, sie auch wieder zu verwerfen, wenn man bemerkt, das sie mehr behindern als nützen. Man lernt nichts neues hinzu.

Es gibt in diesem Zusammenhang für mich zwei sehr zutreffende Zitate:
"Was schert mich mein Geschwätz von gestern!" von Konrad Adenauer
 und
"Ich habe eiserne Prinzipien! Wenn sie ihnen nicht gefallen, ich habe auch andere!" von Groucho Marx.
Panta Rhei! Alles fließt! Nichts hat ewig Bestand, sondern ist einem steten Wandel unterworfen. Was auf das Sein zutrifft, sollte dann erst recht auch auf das Wissen zutreffen. Manchmal denkt man eben nur, zu wissen, aber in Wirklichkeit, glaubt man doch bloß zu wissen und weiß eigentlich gar nichts sicher...

In diesem Kontext kommt mir persönlich immer das Prinzip der Sandmandalas in den Sinn.
In stunden-, meist sogar tage- oder wochenlanger akribischer Kleinstarbeit und auch unter zu Hilfenahme verschiedenfarbigen Sandes werden zum Teil sehr datailverliebte Kunstwerke anfertigt, nur um sie danach wieder willentlich zu zerstören oder sie den Naturgewalten zu überlassen.

Ich denke, das trifft den Kern dessen, was hier mit vielen Worten auszudrücken versuchte, am besten.

So sollte man den Sponti-Satz am Anfang des Artikels vielleicht dahingehend ändern, dass Wissen zwar Macht ist, aber um diese Macht auch für sich selbst gewinnbringend  und bereichernd nutzen zu können, es von größter Wichtigkeit ist, abzuwägen, wie und wann man dieses Wissen einsetzt. Nicht um "vor Anker zu gehen", sondern mit seiner Hilfe unter "vollen Segeln auf große Fahrt" zu gehen, um zu neuen Horizonten zu gelangen!
"Das Wissen, wo es als höchstes Prinzip auftritt, tötet notwendig den Enthusiasmus, den Geist und jenen aus irrationalen Quellen fließenden menschlichen Instinkt, der für die Konflikte die einfachste Lösung findet." Hugo Ball
Ein weitaus besseres Zitat in diesem Zusammenhang, wie ich finde!

Samstag, 10. September 2011

Pfadarbeit

Watchmen...kennt der eine oder andere vielleicht. Weniger den Comic, als wohl eher den Kinofilm. Mein Tip: Wenn ihr die Möglichkeit habt, dann schaut euch den Ultimate Cut an, obwohl ich jetzt gar nicht weiß, ob er überhaupt in Deutsch erhältlich ist!

Was viele nicht wissen, Alan Moore, der Schöpfer der "Watchmen", aber auch so bemerkenswerten Werke wie "V for Vendetta", "From Hell" und  "The League of Extraordinary Gentlemen" - wer die Comics kennt, kann über die Filme nur noch müde lächeln! - oder auch "Hellblazer" und "Promethea", ist "einer von uns", einer von  - Vorsicht! Ironie!- der dunklen Seite der Macht.  Was ja lediglich bedeutet, dass man keinem anderen Stern folgt, als nur seiner eigenen tiefen Erkenntnis.
Man glaubt ja gar nicht, was diese Tatsache für Angst und Schrecken verbreiten kann, nicht nur unter Abrahamiten... dazu aber vielleicht in einem späteren Beitrag mehr...

Zurück zu den "Watchmen", die mich neben "V for Vendetta" am meisten angesprochen und zum Nachdenken angeregt haben und die schon auch einen Teil meiner privaten Schatten- und somit Pfadarbeiten ausmachen.

Dazu gehört eben auch, zu erkennen, wie unsinnig sich für mich mittlerweile eine dualistische Ordnung, nicht nur unterteilt in gut und böse, sondern auch in richtig oder falsch, darstellt.
Kommt das nicht auf die Situation an?
Oder den Preis, den man bereit ist, für seine Entscheidung zu zahlen? Und solche Entscheidungen trifft man jeden Tag, ach was, jede Sekunde unsere Daseins.

Natürlich hat jeder von uns ein Ideal im Kopf, und verfügt über eine innere Ethik und Moral - im Gegensatz zu der, die man von außen, durch kulturelle oder soziale Einflüsse aufgepfropft bekommt und von denen manche tatsächlich denken, es wäre ihre höchst eigene - gegen die man eigentlich nicht verstoßen möchte, aber manchmal steht man leider vor der Entscheidung, auch diese zu opfern, um - auch wenn es paradox klingt - genau dieser, und sich selbst treu zu bleiben.
"Manchmal muss ein Freund zu einem Feind werden, um ein Freund zu bleiben!" Ein Zitat aus den "Schwarzen Juwelen" von dem ich weiß, dass zumindest einer derer, die meinen Blog lesen, es verstehen wird.

Es gibt keinen einfachen Weg, kein "So und nicht anders". Mich verwirrt es mittlerweile, wenn ich auf jemanden treffe, der so etwas auch nur in Erwägung ziehen kann.

Und so geht es mir:

Ich fühle mich ständig zwischen Rorschach, Dr. Manhattan und Ozymandias , aber auch dem Night Owl, der zweiten Generation hin und her gerissen. Alle sind ein Teil meiner Persönlichkeit, mal überwiegt der eine, mal der andere. (Wenn ich ehrlich bin, selbst ein kleiner "The Comedian" ist latent vorhanden, auch wenn mir dieser Charakter zu tiefst zu wider ist.)
Mal überwiegt der eine, mal der andere.
Darum weiß ich, warum am Ende der Tod durch Dr. Manhattan für Rorschach eine Erlösung und keinen Verrat darstellt.


Gerechtigkeit mag ein hehres Ziel sein, aber es ist im Grunde nur ein Abstraktum, ein überkommenes Prinzip, das nur zeitweilig Bestand haben kann. 


Wie sagt Dr Manhattan zuletzt so treffend:
"I can change almost anything... but I can't change human nature." 

Ich weiß genau, was er meint!




Am Ende bleibt, wie immer die ultimative Erkenntnis: "Alles hat seinen Preis!"








Sonntag, 8. Mai 2011

Von Glauben und Torten

Ich muss noch mal auf das, was ich in meinem Beitrag über "Mein Thelema" geschrieben habe, zurückkommen.

Was Thelema betrifft, wird man, wie dargelegt, oft mit der Gleichsetzung "Thelema-Liber al vel Legis - Aleister Crowley" konfrontiert.
Dazu schrieb ich ja bereits in obigen Beitrag:
"Sowieso, die Gleichsetzung der Person Aleister Crowley mit Thelema ist so ein Punkt, der immer wieder falsch interpretiert wird. Er war zwar der Prophet des Neuen Aeons und somit von Thelema, schon allein durch die Niederschrift des Liber Al vel Legis, aber weder hat er jemals behauptet, dass er genau wüßte, was er da "verbrochen" hat, noch hat er jemals verlangt, dass man ihm folgen sollte. Thelemiten akzeptieren lediglich das Liber Al als Das Gesetz des Neuen Aeons!
Sie sind eben keineswegs samt- und sonders Crowley-Jünger, die in ihm ihren Guru sehen. Es gibt da welche, und die haben meiner Meinung nach einen Sprung in der Schüssel, und Uncle Al würde mir da beipflichten, es gibt auch Crowleyaner, die was der Mann geschrieben und gesagt hat, klasse finden, aber genauso viele Thelemiten lehnen die Privatperson als solche rund heraus ab.
Der Privatmensch Edward Alexander Crowley ist nicht zu verwechseln mit demjenigen, der zum Teil Werke geschrieben hat, die, meiner Meinung nach, seiner Zeit weit voraus waren. Er lebte sein Thelema, wie ich das meine, und -zig tausend andere Thelemiten eben das ihre. Alles Wahre Willen, die ihr großes Werk vollbringen. Ihres, nicht das eines anderen. "
Es ist nun mal so, dass ein jeder, der sich Thelemit nennt, die Offenbarungsschrift, Das Gesetz, wie wir es nennen, akzeptieren muss. Wie er sie nun für sich deutet ist allerdings jedem selbst überlassen, also höchst eigene Privatsache. Und damit eben auch geprägt von seiner höchsteigenen Spiritualität.

Genau das ist der Punkt, wo ich noch einmal ansetzen möchte.

Obwohl es sich also, wenn man denn davon ausgeht, dass Thelema auch eine religiöses Konzept darstellen kann, dabei um eine sogenannte Offenbarungs-Religion handelt, und damit, wenn man mal den Terminus "Gott" gegen "Höheres Wesen" austauscht, durchaus in diesem einen Gesichtspunkt mit den abrahamitischen Religionen, aber auch dem Hinduismus in einer Reihe genannt werden könnte, so ist es eben auch ein von der persönlichen Interpretation eines höchst kryptischen Textes, der persönlichen Parallelen, die man dazu ziehen möchte und, was am wichtigsten ist, wie ich finde, durch ureigenes Erfahren und Erleben geprägtes Konzept.


Und damit bewege ich mich mal weg von speziellen Religionen, Weltanschauungen und Philosophien, hin zum Kern meines Problems.

Nur, weil es da nun ein Buch gibt, heißt das noch lange nicht, dass jemand, der es liest auch weiß, wie die einzelnen Menschen, für die es wichtig ist, dieses als Individuen für sich interpretieren, wie und in weit es ihren Glauben beeinflusst oder wie sie handeln und leben.

Es ist eben dieses Festnageln auf Schrifttum, egal welcher Art, ob nun Liber Al, Bibel, Tanach und Talmud, Koran, Veden, Avesta oder auch eben Edda und weiß der Himmel was noch. Selbst reine Erfahrungs-Religionen wie beispielsweise der Buddhismus sind davor nicht sicher.

Verfügt ein religiöses Konzept oder eine Weltanschauung über schriftlich fixierte Offenbarungen, aber auch Geschichts-, Sprüche- oder Legendensammlungen, also schriftliche Aufzeichnungen jedweder Art, dann liegt es nahe, sie als feste Definition des Glaubens zu nutzen.

Es sind aber eben keine "Gebrauchsanleitungen", die einem wortwörtlich eine Schritt-für-Schritt-Anweisung geben, so und nicht anders solle es gemacht (geglaubt, gedacht, gefühlt) werden. Und ganz sicher kein spiritueller Arbeitsvertrag.

Nun weiß man ja gemeinhin, wohin das Wortwörtlich-Nehmen religiöser Aufzeichnungen seitens  Gläubiger führt. Fundamentalismus. Und der ist nun leider nicht nur in den abrahamitischen Religionen zu finden. Häufig zu recht kritisiert, führt er doch weg vom lebendigen Glauben, hin zu einem meist starren, einengenden Korsett überkommener Zeiten.

Aber mir geht es hier weniger um die Nutzung von Überlieferungen zur Selbstdefinition, sondern eben um die Definition von Außen...obwohl...eigentlich um beides.


Hat sich jemand schon einmal Gedanken gemacht, warum selbst für den Begriff "Religion" keinerlei wissenschaftliche allumfassende Festlegung existiert? Die Bandbreite der Komplexität der verschiedensten Erscheinungsformen, nicht zu vergessen das Zusammenspiel von sozialen und kulturellen Aspekten, die da hineinspielen, die eine solche abdecken müsste, um ein wenigstens annähernd gültiges Einvernehmen  zu erzielen, wäre einfach zu groß.

Auch das weite Feld der Philosophie steht vor demselben Problem. Es gibt nicht die Philosophie, sondern eine Vielzahl von Erklärungsversuchen zur Existenz und dem Sinn des Daseins über tausende von Jahren, die teilweise aufeinander aufbauen, sich aber eben auch teilweise eklatant widersprechen.  Es geht um Wahrheitssuche durch den Logos, der Vernunft, im Gegensatz zum Ansatz der Religion, die ihre "Wahrheit", ihre Weisheit, meist aus einem Mythos bezieht, obwohl es da eben auch Überschneidungen gibt.

Hinzu kommt, dass man ja nicht einmal genau sagen kann, was "Glauben" eigentlich ist. Eine Annahme, eine Vermutung, im Gegensatz zur Gewissheit?
Aber ich weiß, weil ich es er-lebe...! Für mich ist es keine Wahrscheinlichkeitsvermutung, sondern Teil meiner Wirklichkeit, da ich es empfinde...
Und nun?

Selbst der oft in diesem Zusammenhang benutzte Begriff der Spiritualität ist nicht wirklich fest definiert, abgesehen davon, dass er oft zu einem reinen Kampfbegriff verkommt, der vom rein geistigen bis hin zu eben der Hilfsvokabel für "Glauben, aber mehr als glauben" alles abdecken soll.

Denn Religiosität, Spiritualität, Glauben, ist eben etwas was weit über den bewussten Vorgang des Denkens hinaus geht.

Es ist, wenn man sich dafür öffnet, auch ein Rausch der Sinne, vergleichbar mit dem ersten Biss in ein Stück köstlicher, sahnige Torte.
Wow, himmlisch!
Erst nach diesem ersten rein gefühlsmäßigen Erfahren setzt dann das Reflektieren, das Denken ein:
Das Herausschmecken der einzelnen Zutaten, das Trennen von Zucker, Sahne, Boden, und waren da nicht Erdbeeren und eine Spur von Vanille und vielleicht ein Hauch von Mandeln und Marzipan?
Dann wird man höchst wahrscheinlich nach dem Rezept fragen oder es suchen, um sich zu vergewissern, ob seine Empfindungen richtig waren. Möglicherweise wird man dabei dann feststellen, dass man eine oder mehrere der Zutaten eigentlich gar nicht mag. Trotzdem wird man die Torte möglicherweise nach backen. Vielleicht ersetzt man dabei einfach die ungeliebte Zutat gegen etwas, was man mehr mag. Das Ergebnis wird sich zwar von der ersten Torte unterscheiden, aber doch sehr nahe am Ausgangsgeschmack liegen, vielleicht besser oder vielleicht auch nicht ganz so gut schmecken, aber das Erfahren des ersten Bissen dieser eigenen Kreation wird wieder eine Sinneserfahrung. Vielleicht komme ich dann sogar auf den Geschmack und experimentiere weiter mit den unterschiedlichsten Zutaten, um immer neue Kreation zu schaffen und meine Sinne immer wieder aufs Neue anzuregen.

Dann gibt es noch die Möglichkeit, dass man sich genau ans Rezept hält, obwohl man eine Zutat ablehnt, sie vielleicht auch gar nicht verträgt. Das kann auch gut klappen, auch wenn man dafür Nebenwirkungen in Kauf nehmen muss. Es kann aber auch dazu führen, dass man entweder den Sinnesrausch vom ersten Tortengenuss vermisst - weil man ja weiß, was jetzt so alles in dem Kuchen drin steckt - oder aber sich irgendwann an den Geschmack so sehr gewöhnt, dass man gar nicht mehr nachvollziehen kann, was das denn gewesen sein könnte, dass beim "ersten Mal" so berauschend gewesen ist.

Und dann kann es noch passieren, dass einem, wie man es auch für sich nun handhabt, jemand daher kommt und einem anhand des Grundrezepts erklären möchte, warum die Zutaten genau diesen Effekt auslösen oder er der Meinung ist, dass man mit diesen Zutaten überhaupt gar nicht zu diesem Ergebnis kommen kann.

Möglicherweise gerät man auch  an einen Ernährungsberater, der darüber doziert, wie schädlich die Torte doch ist: Zuviel Fett, zuviel Zucker, zuviel weißes Mehl und diese oder jene Ingredenz steht in dem Verdacht Allergien oder gar Krebs zu verursachen.
Ein Vegetarier oder Veganer  wird sich auch darüber auslassen, was er alles an dem Rezept ändern würde, damit die Torte seiner Einstellung entspricht.
Oder aber, jemand wedelt mit dem Ausgangsrezept und regt sich tierisch darüber auf, dass man sich daran nicht gehalten hat und es abgewandelt hat, so dass es sich dabei gar nicht mehr um eine, meinetwegen, "Erdbeer - Marzipantorte" handelt.


Meine Auffassung dazu ist, wenn jemand die Torte denn anders oder besser hinzukriegen meint, er dies doch bitte tun möchte und wenn ihm meine nicht behagt, er sie ja nicht zu essen braucht. Er soll nur mir bitte meinen "Sinnesrausch" lassen, wie ich ihm wünsche, dass er für sich etwas ähnlich köstliches findet. Geschmäcker sind halt verschieden!

Aber wenn er mich bei jedem Happen meiner, meine Sinne betörenden, fluffigen, sahnig-cremigen Tortenkreation permanent mit seinem Gesabbel mein kosmische Erlebnis versaut, dann muss er sich nicht wundern, wenn ich ihn irgendwann anschreie:
"Halt's Maul und schau aus dem Fenster!"

Wem jetzt bei dem ganzen Tortengerede das Wasser im Munde zusammen gelaufen ist und nun so schnell wie möglich in die Küche gehen möchte, um selbst eine zu machen, dem wünsche ich dabei viel Spass und einen guten Apetitt.

Aber nicht vergessen, mein ganzes Geschwätz von Torten war metaphorisch gemeint. Es ging hier immer noch um Glauben, Religion und Spiritualität!

Und nun wünsche ich euch viel Spaß beim selber Backen! Smilie by GreenSmilies.com


Montag, 2. Mai 2011

Irgendjemand ist in Abbottabad irgendwie ums Leben gekommen...

Ich checke ja meist als erstes, wenn ich meinen PC anmache, die aktuellen Nachrichten und da springt mir heute eine Meldung ins Auge:

Osama bin Laden ist tot!

Erster Gedanke überhaupt, noch bevor ich den Link anklicke um den Text dahinter auf ZDF.de zu lesen:"Oh, haben die Amis ihn endlich sterben lassen?"

Für mich ist auch der Titel, welcher den Artikel krönt keine große Überraschung:

Osama bin Laden getötet und angeblich schon bestattet
Bericht: Leiche bin Ladens auf See bestattet

Hm, soso...dieses zum "Antichrist", "Super-Bösewicht" und personifizierte "Böse" stilisiertes Symbol und Gesicht "al-Qaidas", das in den letzten Jahren immer dann auf nicht datierten, verwackelten Videos und Fotos erschien, wenn die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit bezüglich der islamistisch-terroristischen Gefahr und der daraus resultierende Notwendigkeit militärischer wie innenpolitischer Maßnahmen nachzulassen schien, soll also bei einer Militäraktion des "United States Joint Special Operations Command" in Abbottabad in den frühen Morgenstunden  durch einen Kopfschuss ums Leben gekommen sein.

Der Tod wurde dann auch gleich von US-Präsident Barack Obama in den Medien bestätigt.
Zwar heißt es, ein DNA-Vergleich hätte die Identität des Toten zweifelsfrei bewiesen, allein, ich sehe keine Leiche.
Die wurde bereits verbrannt und die Überreste auf See bestattet. Kaum verwunderlich also, dass mir bei der Frage nach verifizierten Beweisen für den Tod Bin Ladens auch sofort eine Zeile aus einem alten Bob Dylan-Songs in den Sinn kommt:
"The answer my friend is blowin' in the wind
The answer is blowin' in the wind."

Was bleibt, ist das Wort der amerikanischen Regierung und deren Warnung vor Racheakten von al-Qaida, die immerhin ihre Ikone (ich bezweifele stark, dass Osamas Rolle in den letzten Jahren über diesen Status hinaus ging) verloren haben.

Und natürlich bedingt das eine "erhöhte Alarmbereitschaft und Wachsamkeit" der Amis und der restlichen, westlichen Welt.

Fakten?

Nichts genaues weiß man nicht!
Der Tod des "meist gehassten und gejagten" Mannes der letzten 20 Jahre ist im Grunde genauso nebulös, wie seine Existenz und Medienpräsenz in dieser Zeit gewesen ist.

Was ändert sich also?

Nichts!

Außer, dass es jetzt wieder mehr Rechtfertigungen für Militär- und Überwachungs-Aktionen zu geben scheint.
Man nehme mir also bitte nicht übel, dass ich jetzt nicht vor Freude ganz aus dem Häuschen bin.



Da höre ich dann doch lieber etwas Musik:


Sonntag, 24. April 2011

Alles auf Null!

"'Sage uns, wie unser Ende sein wird.'
'Habt ihr den schon den Anfang entdeckt, dass ihr nach dem Ende fragt? Denn dort, wo der Anfang ist, dort wird auch das Ende sein.Selig ist, wer am Anfang stehen wird, und er wird das Ende erkennen und den Tod nicht kosten.'"

(Thomas 18)

Nicht der Magier erringt den Höchsten Preis, nicht der Hohepriester oder der Herrscher, weder der Ritter in strahlender Rüstung, noch die mächtigste Königin, noch der sich von der Welt abgewandte Eremit mit seinen Büchern, nicht der sich alles versagt, noch, welcher sich allen irdischen Genüssen hingibt und selbst die, welche sich  für das hehre Ziel bis auf's Blut kasteien und selbst zu opfern bereit sind, werden leer ausgehen.

Alles was sie von ganzem Herzen begehren, fällt am Ende dem reinen Tor, dem Narren, in den Schoß, der selbst nie danach trachtete.

Er ist der Ahnungslose, das arglose Kind, das leere Gefäß, das unbeschriebene Blatt, in eine Welt geworfen, deren Spielregeln im völlig fremd sind. Hintergedanken, Doppeldeutigkeiten oder Täuschung sind ihm fremd.  Er kennt weder Lüge, noch Reue, noch Scham, noch Moral, noch Zwänge. 
Da er nichts erwartet, nach nichts strebt, ist er es, dem zuletzt die Höchste Ehre zuteil wird.

"Wenn ihr eure Scham abgelegt und eure Kleider nehmt, sie unter eure Füße legt und wie die kleinen Kinder sie zertretet, dann werdet ihr den Sohn des Lebendigen sehen und ihr werdet euch nicht fürchten."
(Thomas 37)

Montag, 7. März 2011

At the rising of Ra

Der Stille lauschen.

Die Zeit, die mein Hund braucht, um den optimalen Platz für sein Geschäft auszupendeln, nutzen um die Kälte zu spüren, die Luft zu schmecken und zu riechen, den Boden unter meinen Füßen zu fühlen, meinen Atem zu sehen, der in der noch nachtkalten Luft kondensiert und dabei zu beobachten, wie das Dunkel der Nacht von dem immer heller werdenden Licht der aufgehenden Sonne verdrängt wird.

Sich all dessen gewahr zu werden und doch nur sein.
Den Augenblick ins Unendliche ausdehnen, bis nichts mehr existiert, weder Raum, noch Zeit, noch der Körper.
Sich verlieren im Jetzt.

Zurückkehren, mir wieder bewusst werden.
Mein Hund steht vor mir und sieht mich erwartungsvoll an.
Wie lange kann ich bloß schätzen, aber normalerweise kann sie sich Stunden mit nur einem Grasbüschel beschäftigen, ohne dass es ihr langweilig wird.
Mittlerweile ist es ganz hell geworden, der rote Streifen im Osten nur noch eine blasse Erinnerung.
Unsere Blicke treffen sich und sie freut sich, als wäre ich Tage weg gewesen.

Vielleicht war ich das.

Ein einsames Auto fährt vorüber.

Wir gehen nach Hause.

Dienstag, 15. Februar 2011

Von Schülern und Meistern

Seit ein paar Monaten erarbeiten eine befreundete Psychologin und ich eine Artikel-Serie, die sich mit dem fast unüberschaubaren und sehr einträglichen Markt der Lebensberatungs-Angebote befasst. Sobald wir veröffentlicht haben (vorausgesetzt wir überleben die umfangreiche Recherche-Arbeit), werde ich eine gekürzte Zusammenfassung auch hier in meinem Blog posten.

Quasi ein Nebenprodukt davon, stellt für mich die Analyse der, in vielen spirituellen Bereichen oft anzutreffenden, Lehrer-Schüler-Konstellation dar.

Zunächst einmal vorab:
Generell ist ein spiritueller Lehrer nichts Negatives, obwohl gerade in der westlichen Welt allein schon die Konnotation des Wortes "Guru" häufig einen sehr abfälligen Beigeschmack hat. Dies mag daran liegen, dass traditionsgemäß im Hinduismus das Lehrer-Schüler-Verhältnis eine für Mitteleuropäer befremdliche Hierachie beinhaltet. Der Schüler wird dort gleichsam Diener seines Gurus und muss sich nach und nach "hocharbeiten", erhält aber im Gegenzug eben die Möglichkkeit von seinem Meister zu lernen. Diese Denkweise ist uns fremd, obwohl es im Berufsleben vielen Auszubildenden mit ihren Meistern und Gesellen heute noch ähnlich ergeht.
Andererseits, wenn man bedenkt, wie wenig Respekt Schüler ihren Lehrern - und nichts anderes sind im Kern eben Gurus und Lamas - an unseren Schulen noch entgegenbringen, und sei es auch nur, zu honorieren, dass jene sich noch die Mühe machen, trotz ostentativ geäußertem Desinteresse, Lernstoff zu vermitteln, verwundert mich diese Einstellung eben nicht allzu sehr.

Es kann ohne Frage sehr nützlich sein, von einem auf seinem Gebiet Geübteren Hilfestellung und Anleitung zu erfahren oder einfach auch nur jemand zu haben, an den man sich mit auftauchenden Fragen wenden kann. So kann eine Konstellation zwischen Ratsuchedem und Ratgebenden von großem Nutzen sein.
Im Vajrayana, dem bei uns profan als Tibetanischen Buddhismus bezeichneten, Diamantenen Fahrzeug (nicht zu verwechseln mit dem von Ole Nydahl für die westliche Welt begründeten und propagierten Diamantwegs-Buddhismus. Das ist eine ganz andere Baustelle!) ist der Lama zentraler Dreh und Angelpunkt.
Auch viele andere östliche Richtungen, wie dem im Vedanta verbreiteten System des Satsang, bevorzugen das Modell zwischen Lehrer (Meister, Guru) und Schüler.

Aber egal in welchem System, der Sinn dieser Modelle ist es, den Schüler durch das Reflektieren der Unterweisungen und der Vermittlung eventuell notwendiger Lehren durch den Lehrer zu eigenen tiefgehenden Erkenntnissen und zur persönlichen Erleuchtung, sprich des Erwachens des höchst eigenen Potentials zu führen. Hinzu kommt häufig die Vermittlung bestimmter Techniken und Kenntnisse durch den Meister, die dem Schüler auf diesem Wege dienlich sein können. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Keinesfalls sollte eine solche Beziehung jedoch dazu dienen, dass sich der Schüler quasi an die Energie des Meisters "andockt", wie, zum Beispiel, ein Säugling an sein Muttertier oder meinetwegen ein Client an einen Server.

Für die Beantwortung der Frage, ob dieses Modell für beide Seite von Vorteil ist, kommt es einerseits auf die Qualität und den Charakter des Meisters an, in besonderem Maße in Bezug auf seine Motivation, andererseits auch auf den Charakter und die Bedürfnisse des Schülers. Ein guter Lehrer ist da für seinen Schüler, bietet ihm Hilfestellung, lässt ihm aber auch so viel Freiheit, damit er zu eigener Erkenntnis gelangt und nicht Gefahr läuft, die seines Lehrers schlicht zu übernehmen. Sollte dies der Fall sein, oder bemerkt er, dass es eben zu einem oben beschreibenden Andocken seitens des Schülers kommt, wird sich ein guter Meister sofort distanzieren und das zu enge Verhältnis wieder auflösen.

Immerhin gibt es Menschen, die sich nur zu gern ihrer Eigenverantwortung entledigen und in Abhängigkeit begeben und dazu neigen, Erklärungen unreflektiert zu übernehmen, nur weil sie eben von einem Meister stammen. Diese sind es dann auch, welche doch recht verblüfft reagieren, wenn der Lehrer ihnen nicht jeden Schritt vorgibt. Oft fühlen sie sich dann allein gelassen, zurückgestoßen oder vernachlässigt und wenden sich häufig enttäuscht von ihrem Lama, spirituellen Mentor oder Guru ab und werden sich eben einen Lehrer suchen, dem diese bedingungslose Abhängigkeit genehm ist. Dies hat jedoch den fatalen Effekt, dass solche Schüler unreife Meister "erschaffen", also Lehrer, die eigentlich aufgrund des Grades ihres eigenen Erkenntnisweges gar nicht in der Lage sind, Schüler zu unterweisen und somit auch den Ehrentitel Meister, Guru oder Lama zu Unrecht tragen.

Und auch diese Art von Lehrern, Gurus, Meister gibt es. Ihnen geht es weniger darum, den Schüler auf den eigenen Weg zu bringen, als vielmehr ihren Weg als allein richtig zu vermitteln und den Schüler dazu zu bewegen, diesen zu übernehmen. Und das kann auch innerhalb eines bestimmten Systems zu nicht unerheblichen Problemen für den Schüler führen.
Der Schüler darf nämlich nie dazu dienen, das Ego des Meisters zu befriedigen. Ein Meister der auf diese Art handelt, offenbart lediglich, dass es ihm an der nötigen Reife und somit an der Befähigung zum Lehren mangelt. Hinzu kommt, dass diese Lehrer auch selten bereit sind, den Schüler aus dem Verhältnis der Abhängigkeit wieder zu entlassen. Dies jedoch ist unerlässlich, wenn man bedenkt, dass Sinn und Zweck sein sollte, den Schüler ebenfalls zur "Meisterschaft" zu verhelfen.

Aber noch eine andere Gefahr lauert. Selbst wahre Meister bleiben ja Menschen und durch eine zu große Nähe zu einem Schüler, insbesondere, wenn dieser dazu neigt, den Lehrer "anzubeten" besteht die Möglichkeit, dass dieser dann die Bodenhaftung verliert und im wahrsten Sinne des Wortes einen Höhenrausch bekommt.

Etwas skeptisch stehe ich auch dem Umstand gegenüber, wenn ein Lehrer, Lama oder Guru sehr viele Schüler um sich sammelt.
Natürlich gibt es hervorragende Meister ihres Faches, bei denen es, wenn sich die Möglichkeit eröffnet, sie einmal live und in Farbe erleben und vor allem hören zu dürfen, lohnt, einen längeren Weg in Kauf zu nehmen und dann ist es auch kaum verwunderlich, wenn sich dort dann sehr viele Menschen einfinden um dieses Erlebnis zu teilen.

Jedoch, mit einem wesentlich intimeren Lehrer-Schüler-Verhältnis ist das nicht zu verwechseln. Wie soll das auch bewerkstelligt werden, wenn der Meister nach einer solchen Veranstaltung gerade mal einen kurzen Augenblick Zeit für seine Schüler erübrigen kann, wenn überhaupt?

So darf die bloße Quantität der Schülerschaft nicht als Maßstab für die Qualität eines Lehrers gelten. Ein spiritueller Ratgeber ist kein Popstar, der danach bewertet wird, ob er Hallen zu füllen vermag und Schüler können sich nicht ernsthaft damit zufrieden geben, wenn er sich nachher kurz Zeit nimmt, „Autogramme“ zu geben oder Hände zu schütteln.

Ehrlich gesagt, verstehe ich die Leute nicht, die in einem solchen Fall ernsthaft von „ihrem“ Lehrer, Lama, Guru oder sonst etwas sprechen.
Es kann doch nicht befriedigend sein, wenn man seinen Lehrer nur mit Hilfe eines Opernglases auf einer, vom eigenen Sitzplatz, weit eintfernten Bühne ausmachen zu können und ansonsten lediglich auf die von "ihrem" Lehrer verfasste Literatur zurückgreifen können.
Ich selbst besitze auch eine nicht unerhebliche Menge an Büchern von auf ihrem Gebiet durchaus überragenden Persönlichkeiten und nutze sie gern als Impulsgeber und Inspiration, aber ich käme nie auf die Idee, die Autoren als meine Lehrer zu bezeichnen, eben weil der persönliche Aspekt dabei völlig fehlt.

Aber um noch einmal auf den Aspekt der sich in Abhängigkeit zu einem Meister begebende Schüler zurück zu kommen, die dann dazu führt, dass der Lehrer das Verhältnis notgedrungen wieder normalisieren oder gar beenden muss.
Wenn man bedenkt, wie traumatisch dies teilweise für den Hilfesuchenden, der über die Disposition verfügt, sich eben an jemanden so sehr zu klammern, dass er dafür bereit ist, sich selbst völlig aufzugeben, erklärt das auch zum Teil so manches böses Nachspiel für den jeweiligen Lehrer, Meister, Guru oder sogar für die gesamte Gruppierung oder Richtung, der er angehört.
Für einen unreifen Schüler, unreif in dem Sinne, dass er dem kindlichen Bedürfnis nach einer führenden Hand noch nicht ent-wachsen ist, kann so eine "Zurückweisung" derart verletzend sein, dass sich dies in regelrechtem Hass auf den früher so verehrten "Vater" manifestiert.

Mir persönlich fallen eine Reihe von bekannten Beispielen ein, wo Schüler zum Teil namhafter spiritueller Lehrer in einen Rausch fast inzestiöser Hörigkeit zu ihrem Meister gerieten, aus dem sie nur mit größter Anstrengung wieder "entkamen" und sie hernach die Schuld lediglich beim Gegenüber suchten.
Gut möglich, dass sie auf besagte unreife Lehrer, oder gar Scharlatane, hereinfielen, deren Ziel eben die bedingungslose Abhängigmachung des Schülers war, aber eben so wahrscheinlich ist es, dass sie eben Opfer ihrer falschen Erwartungen in den Lehrer wurden und nicht verstanden, dass dieser lediglich das spiegelte, was sie seiner Meinung nach ihrerseits ausstrahlten, in der Hoffnung, sie würden daraus für sich wichtige Lehren ziehen.

In keinem noch so harmonischen Lehrverhältnis geht es eben ohne eine gewisse kritische Distanz zum Lehrer, Lama, Guru, seinen Aussagen und Lehren.

Bei aller Reife und Grad auf dem Weg zur Erleuchtung oder meinetwegen Wahrheit, sie bleiben Menschen und diese sind nicht nur individuell äußerst verschieden, sondern eben auch fehlbar. Das kann man nicht genug betonen!

Vorsicht ist meines Erachtens geboten, wenn jemand nur noch zu jedem Thema die Aussagen seines Lamas oder Meisters zum besten gibt und ihm nach dem Munde redet, zum Teil ohne sich dessen bewusst zu sein und teilweise sogar darüber die eigene Erfahrung und Erkenntnis vernachlässigt oder - viel schlimmer - sie für seine eigene Meinung hält.
"Mein Lehrer sagt dazu...." - "Mein Lama hat das so und so formuliert..." - "Mein Meister macht das aber ganz anders."
Bei solchen und ähnlichen Formulierungen in jedem zweiten Satz, muss ich mich immer stark bezähmen um den Gegenüber nicht durch zu schütteln und zu schreien: "Und was sagst DU dazu?"

Ganz zu schweigen davon, wie ermüdend es werden kann, wenn der Gesprächspartner ständig davon berichtet, was für eine tolle Nummer sein Meister doch ist, von wem er gelernt hat, was er alles so kann - levitieren, mit Toten reden, sterben und nach drei Tagen wieder auferstehen, mit Buddha Gautama persönlich Tee trinken, etc. pp.
Mag ja alles sein, aber deshalb wird aus dem Schüler nicht automatisch auch ein Superheld.
So wenig ein Schüler dazu dienen darf, das Ego des Meisters zu befriedigen, so wenig ist es Aufgabe eines Meister durch seine bloße Reputation das Ego des Schülers zu stärken.

Ähnlich sieht es aus, wenn ein Lehrer oder Guru zu viel redet und sich in weitschweifigen Monologen über seine Erfahrungen und Fähigkeiten ergeht und sich dadurch, meines Erachtens, Gehör zu verschaffen sucht.

Möglicherweise bin ich ja auf dem Holzweg, aber nach meiner persönlichen Erfahrung werden Menschen, im gleichen Maß, in dem sie auf ihrem (spirituellen) Weg bereits fortgeschritten sind, immer ruhiger, zurückhaltender und gelassener. Erstaunlicherweise scheinen sie sich selbst auch wesentlich weniger wichtig und ernst zu nehmen, als es ihnen, nach Meinung einiger Mitmenschen, eigentlich gebürt.

Tritt man dann mit einer Frage an sie heran, texten sie einen nicht zu, sondern antworten entweder sehr knapp und präzise oder aber, mit einer Gegenfrage, deren Beantwortung meist schon die Antwort auf die gestellte Frage beinhaltet.

Das mag auf Menschen, die auf eine möglichst einfache Antwort drängen, frustrierend wirken, aber es dient auch dazu, dass man, auch und gerade innerhalb eines engen Lehrer-Schüler-Verhältnisses, nicht verlernt, selbstständig und eigenverantwortlich zu denken.

Donnerstag, 30. Dezember 2010

Wenn die Angst vor Terror zum ERROR führt...

Ich wollte ja eigentlich längst im Bett sein, aber dann erinnerte ich mich wieder daran, dass vorgestern eine Meldung bei der Chaos Inc. (also meinen Kindern und mir) einschlug wie eine Bombe.

Fluggäste sollen in Risikogruppen eingeteilt werden

"Deutsche Flughäfen schlagen vor, Reisende nach ihrer ethnischen Herkunft zu kontrollieren. Israel versucht bereits, so Terroranschlägen vorzubeugen."
Quelle: Die Zeit-Online

Ich zitiere aus dem Artikel:
"Die deutschen Flughäfen schlagen im Anti-Terror-Kampf ein "Profiling" nach israelischem Vorbild vor. Auf israelischen Flughäfen werden Passagiere in "Risikogruppen" unterteilt und unterschiedlich streng kontrolliert. Die Kriterien sind ethnische Herkunft, Religion, Alter und Lebenssituation des Passagiers. Offenbar sind auch Reiseroute, die Zahlungsweise, und der Ort, an dem das Ticket gekauft wurde, relevant.
"Auf diese Weise können die Kontrollsysteme zum Wohle aller Beteiligten effektiver eingesetzt werden", sagte der designierte Präsident des Deutschen Flughafenverbandes (ADV), Christoph Blume, der Rheinischen Post. "

Bei allem Verständnis für Sicherheit, aber das ist Rassismus und Diskriminierung erster Güte, mit keinem Argument zu rechtfertigen, sondern verstößt nicht nur gegen Art. 3, Abs. 3 unseres Grundgesetzes, sondern auch gegen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der UN.

Mittlerweile ruderte Blume zwar wieder zurück, und nennt es nun, nur noch "eine von vielen Möglichkeiten" zum Schutz vor Terror, aber allein, dass man schon auf so eine Idee kommt, ist dermaßen von abwegig, dass ich mir einen Kommentar nicht verkneifen kann.

Wie darf ich mir das überhaupt vorstellen?
Müsste man dann direkt beim Betreten eines Flughafens den Pass vorzeigen, oder würden die dann mit der Leibesvisitation und dem Filzen des gesamten Gepäcks, inklusive Peinlicher Befragung des Reisenden bis zum Check in warten?
Überhaupt, wie sollte man aus einem Passport etwas über die Religion oder die Lebenssituation in Erfahrung bringen?
Es liefe also zuerst einmal auf den bloßen Augenschein heraus. Ähm, ja, nur mal so als Gedankenstütze, es gibt auch Deutsche, die so aussehen.

Allerdings soll es ja  auch Menschen geben, die "verdächtig" aussehen und "verdächtigen" Nationen angehören, aber keiner "verdächtigen" Religion angehören, Aleviten oder Kopten zum Beispiel.
Und selbst, wenn alles passt, heißt dass noch lange nicht, dass man ein potentieller Terrorist ist. Millionen Leute verreisen tagtäglich mit dem Flugzeug in aller Herren Länder.Und sicher sind da auch ein paar hunderttausende Moslems drunter, denn darum dreht sich die ganze Sache doch.

Andersherum gibt es auch eine Menge deutscher Konvertiten, Marke Pierre Vogel, denen man es nie im Leben ansehen würde, dass sie 'ne Schraube locker haben.

Man kann weder an Äußerlichkeiten, noch an irgendwelchen Risiko-Markern feststellen, ob da einer was im Schilde führt oder nicht. Es gibt schlicht keine Kontrolle des Unkontrollierbaren. 
Wann hören endlich diese bescheuerten Pauschalisierungen und Vorverurteilungen auf?

Ansonsten könnte man ja bald wirklich eine öffentliche Kennzeichnungspflicht für diese Risikogruppe einführen. Diesmal eben den Roten Halbmond, statt des Gelben Sterns.

Israel als Beispiel ist ja wohl der reinste Hohn. Jeder müsste mittlerweile wissen, wie die mit ihrer "ethnischen" Problemgruppe, sprich Palästinensern, umgehen, Die haben nämlich bei den Besten gelernt.
Und nein, das ist nicht antisemitisch von mir, sondern realistisch, etwas, dass in diesem Lande so langsam aber sicher flöten geht.
Dass England die Idee ebenfalls aufgreift, wundert mich übrigens überhaupt nicht. Ich weiß noch, wie die mit ihren irischen "Gastarbeitern" in den siebziger Jahren umgegangen sind, als die IRA noch richtig aktiv war. Hat das Verhältnis zu einander ungemein gestärkt, muss man sagen.



Man kann echt kaum noch so viel essen, wie man kotzen möchte...


Weiter Links:

Radio Hamburg: Profiling am Flughafen?

Dienstag, 28. Dezember 2010

Der Mythos "unpolitisch" - Der K(r)ampf mit der Distanzierung

Inspiriert von dem gleichnamigen Beitrag auch NPD-BLOG.INFO, in dem es darum geht, dass "Kamerad" Marcus Winter mal wieder einen Event geplant hat, möchte ich einmal kurz meine Gedanken zu dem Thema "Distanzierung" in Worte fassen.

Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber wenn mir jemand im Verlauf einer Konversation mit dem Spruch vom "unpolitisch" kommt, dann werde ich immer hellhörig. Klar, Ausssagen, Ansichten, Religionen, Musik, Kunst im allgemeinen, können durchaus unpolitisch sein, in dem Sinne, dass man bewusst keine politische Botschaft damit transportieren möchte.

(Natürlich spielt auch immer die politische Einstellung des Urhebers mit hinein, auch wenn er sich dessen nicht bewusst ist, weil es eben Teil seines Wertekanons darstellt, bzw. gilt dasselbe für den Konsumenten, der eben als subjektiver Betrachter, Zuhörer etc., die Deutungshoheit inne hat. Auch Menschen, die sich überhaupt nicht für Politik interessieren (soll es ja geben) verfügen trotzdem über eine durchaus politisch zu interpretierende Meinung. ) 

Dann bedarf es aber meiner Meinung nach nicht noch dieses expliziten Hinweises.

Ich habe durchaus auch Ansichten, die nicht der gängigen Auffassung von Political Correctness entsprechen. Ich lasse mir eben nicht gerne vorschreiben, was ich sagen oder gar denken darf und unterwerfe mich nicht irgendeiner, wie auch immer gearteten, Öffentlichen Meinung.

Auch ich sortiere nicht wirklich streng Musik nach "mit gutem Gewissen hörbar" und "uh,uh, böse Nazimucke". Es gibt da Stücke, die gefallen mir aufgrund des Arrangements oder auch der Texte, obwohl deren Urheber durchaus rechts eingestuft werden können. Gute Musik bleibt trotzdem für mich gute Musik.
Ich habe z.B. auch die Schriften Evolas gelesen und kann über seine Theorie sachlich diskutieren. Einige seiner Aussage finde ich zumindest nicht verkehrt. Trotzdem trennen mich und ihn, was Wertvorstellungen und politische Einstellung betrifft, Welten!
Theosophie finde ich interessant, auch wenn ich weiß, dass sie sehr schnell in Ariosophie umschlagen kann.
Was Nietzsche in seinem "Ecce Homo" über die Emanzipation schreibt,  kann ich, als Frau, nur aus vollstem Herzen bejahen, auch wenn ich damit riskiere, von "emanzipierten" Frauen geteert, gefedert und nachher gesteinigt und verbrannt zu werden. Ganz besonders von einigen "Heidinnen"...
Ich hasse das Binnen-I...

Zu alldem bedarf es von mir keinerlei Distanzierung. Das ist einfach so. Wie gesagt, die Interpretation der Inhalte liegt ja bei mir und wer sich die Mühe macht, meine Ansichten und mein Handeln in ihrer Gesamtheit zu betrachten, wird schnell merken, wie ich ticke.

Ich vertrete mittlerweile die Meinung, je mehr man sich distanziert, desto verdächtiger macht man sich.
Die Frage, die man sich stellen sollte, muss doch lauten: Wie "unverfänglich" ist die dargestellte Auffassung denn wirklich gemeint, wenn direkt im nächsten Augenblick gleich eine Abgrenzung zu ähnlichen, jedoch  "fragwürdigem" Inhalten getätigt wird?
Welche Leiche im Keller soll denn da verborgen bleiben?

Ich kann ja nichts für das Kopfkino meiner Mitmenschen, allerdings sagen mir gewisse gedanklichen Verknüpfungen meist mehr über deren Innenleben, als mir lieb ist.

Wer in einen "heidnischen" Menschen einen "Satanisten" sehen will, der wird einen sehen.
Wer jeden Christen oder Muslim als Feind der Freiheit einstufen will, wird fündig werden.
Wer in seinem Gegenüber einen Spinner sehen will, wird ihn vor sich haben und wer einen Asatru oder auch Okkultisten als einen "ewig gestrigen Nazi" abtuen möchte, wird so lange wühlen, bis er die Beweise gefunden hat.

Das darf aber nicht dazu führen, dass man sich rechtfertigt, bevor man überhaupt angeklagt wird.
Und selbst dann finde ich es noch besser, ruhigen Gewissens (soweit vorhanden) auf den Vorwurf mit einem Achselzucken und einem "Du hast Recht und ich hab' meine Ruhe!" zu antworten, als stunden- oder seitenlang an einer Plädoyer zu seiner Verteidigung zu feilen, und auf Absolution zu hoffen, obwohl offensichtlich ist, dass die Beschuldigung an den Haaren herbeigezogen wurde oder einfach auf pure Ignoranz zurückzuführen ist  ...wie arm ist das denn?


Und zu guter Letzt auch ein paar Worte an die politisch korrekte Gegenseite:
Wer ständig, wegen jedem Mist "Wölfe, Wölfe!" schreit, der muss sich nicht mehr wundern, wenn niemand mehr auf ihn hört, wenn dann tatsächlich einmal Wölfe auftauchen.
Ganz davon zu schweigen, dass diese "Wölfe" dann gerne übersehen werden, weil man zu sehr damit beschäftigt ist, jedem zahmem "Haushund" bösartige Absichten zu unterstellen

Dienstag, 23. November 2010

Intermezzo - Ego est

ICH ist süchtig nach
  •     Aufmerksamkeit
  •     Anerkennung
  •     Zuneigung
  •     Erfolg
  •     Größe
  •     Macht
  •     Vollkommenheit
  •     Rache
  •     sich selbst


ICH hat Angst
  •     zu versagen
  •     unbemerkt zu bleiben
  •     abgelehnt zu werden
  •     die Kontrolle zu verlieren
  •     zu teilen
  •     mit sich selbst allein zu sein
  •     vor dem Morgen
  •     vor der Entschleierung
  •     vor dem Tod


EGO EST, QUOD EST!



...futil!




To be continue

Samstag, 13. November 2010

"Tell me, do you like music?"

Ich habe echt überlegt, was ich zu den Ereignissen,allein in den letzten Wochen, in der Welt und insbesondere hier bei uns in Deutschland schreiben soll.
Wer nicht weiß wovon ich rede, werfe einen Blick in die Tagespresse, sehe und höre mit offenen Augen und Ohren die Nachrichten oder schaue mal bei Fefe rein oder führe sich Efkas Blog zu Gemüte, insbesondere in letzter Zeit über Ereignisse S21 und Gorleben betreffend.
Von Afghanistan, Irak, Freiherren und ihren, obschon tief dekolletierten, nichtsdestotrotz aber doch streng auf Moral und Anstand wachenden Gattinnen ganz zu schweigen. 

Aber auch bei NPD-BLOG.Info wird man in letzter Zeit immer öfters fündig, seit die Bundesregierung auch dem "Linksextremismus" den Kampf angesagt hat, wobei, mangels vernünftiger Definition, auch schon einmal renommierte Vorzeigeprojekte unter Generalverdacht gestellt werden. Besonders die neue Bundesfamilienministerin Kristina Schröder tut sich dabei, ganz in der Tradition ihrer Vorgängerin von der Leyen, dadurch hervor, durch blinden blinden Aktionismus ihre schreiende Inkompetz zu kaschieren.

Tja, was macht es auch schon, wenn sie mal eben zur Finanzierung ihrer Prävention gegen Extremismus so unsinnigen Projekten,  wie eben für die Integration benachteiligter Jugendlicher die Mittel kürzt oder ganz streicht.
Und das, obwohl die Gefahr für die Demokratie nachweislich ganz woanders zu suchen wäre. Wenn die Politik versagt, passiert es eben leicht, dass der Bürger die Schuld beim System, in dem Fall der Demokratie, sucht...oder aber zumindest meint, dieses System wäre dadurch in Gefahr und sich auf den Artikel 20 Abs. 4 GG besinnt.
Da würde dann auch die Sache mit dem Generalverdacht wieder Sinn machen...

Nun, und da mir zu all dem zwar eine Menge einfallen würde, was ich  schreiben könnte, aber Worte bisweilen nur einen Teil dessen enthüllen, was man eigentlich sagen will, Musik:


Noch ein Zitat aus dem Film, auch wenn ich bei dem Finale von Tchaikovsky Overture 1812 eigentlich eher an das Comic von Alan Moore denken muss (zu dem der Film eigentlich nur eine unbefriedigende Umsetzung darstellt):

"Who was he?"
"He was Edmond Dantès, and he was my father, and my mother, my brother, my friend. He was you, and me. He was all of us."


Und noch ein Zitat zum Abschluss:
"Where the people fear the government you have tyranny. Where the government fears the people you have liberty."
John Basil Barnhill

Denkt mal darüber nach...

Mittwoch, 10. November 2010

Man spricht Deutsch!

Bevor hier einer auf die Idee kommt, ich wäre mittlerweile total vergeistigt und würde nur noch meditierend in der Ecke sitzen (oder gar levitierend *g*) und ansonsten lasziv verstört vor mich hin lächelnd durch die Gegend rennen, dem ist nicht so.

Ich krieg' schon noch alles mit, was so um mich herum geschieht.

Nur, ich habe einfach keine Lust mehr, jeden Bullshit ausgiebig zu diskutieren und zu zerreden.

Manche Dinge sind ohnehin so etwas von *passenden Begriff bitte einfügen, mir fällt gerade kein für die Öffentlichkeit tauglicher ein*, dass ich nur noch mit dem Kopf schütteln kann oder in Hohngelächter ausbreche.

Der beste Witz des letzten Wochenendes war für mich allerdings die Nachricht, dass ausgerechnet BILD jetzt den Verein Deutscher Sprache e.V. in seinen jahrelangen Bestrebungen unterstützt,  die Verwendung der deutsche Sprache als Zusatz des Artikel 22 ins Grundgesetz aufzunehmen.
Wie man unschwer oben auf der Homepage (oder muss ich bald Heimseite schreiben? Das hätte so einen gewissen Touch...naja...) des Vereins ersehen kann, wohl in der Form „Die Amtssprache der Bundesrepublik Deutschland ist Deutsch“.

Weil ich, wie ich bereits gesagt habe, darüber eigentlich so wenig Worte wie möglich verlieren möchte, verweise ich an dieser Stelle einfach mal auf den Artikel von Anatol Stefanowitsch "Die vielstimmige Gesellschaft und ihre Feinde" Er schreibt, was es auch von mir dazu auf Sachebene zu sagen gäbe, also was soll ich hier noch groß lamentieren.
Ein Zitat möchte ich dabei besonders hervorheben, nämlich wo er auf die nicht unerhebliche Tatsache zu sprechen kommt, dass die Amtssprache Deutsch schon lange gesetzlich festgelegt ist:

"Als Amtssprache -- also als diejenige Sprache, in der der Staat mit seinen Bürgern kommuniziert -- ist das Deutsche nämlich längst gesetzlich festgelegt. Das Bundesverwaltungsverfahrensgesetz lässt daran keinen Zweifel, wenn es in Paragraph 23, Abschnitt 1 unzweideutig klarstellt: „Die Amtssprache ist deutsch“(BVwVfG, Art. 23)."

Jetzt habe ich die im VDS organisierten Personen immer für durchaus intelligente Menschen gehalten, auch wenn ich ihr Anliegen nicht unbedingt unterstütze, aber mir drängt sich da doch die Frage auf, wenn Deutsch sowieso schon per Gesetz Amtssprache ist, und ich gehe mal davon aus, dass wenigstens die maßgeblichen Leute dort davon Kenntnis haben, warum und zu welchem Zweck sollte es dann bitte ihrer Meinung nach, auch noch im Grundgesetz stehen?
Ich könnte jetzt dazu beim Verein deutsche Sprache recherchieren, allerdings fehlt mir da irgendwie die Lust.

Warum BILD da nun zu gerne mitmischt, dürfte klar sein.
Im Zuge der "Sarrazin-Krise" und der nachfolgenden "Integrationsdebatte" fielen für das Blatt ja schon ein paar sehr "schöne" Schlagzeilen in bekannter Manier an und sie konnte das Thema, ebenso nach bekannter Masche, zwar nicht immer ganz korrekt, dafür aber populistisch aufbereitet, ausschlachten und ihre Halbwahrheiten an die breite Masse verkaufen.
Da passt ein "Deutsch muss ins Grundgesetz" natürlich hervorragend ins Konzept, besonders weil man ja, ganz im Sinne vom Slogan "BILD hift",  einen renommierten Verein unterstützt.
Schon im Septemper titelte die Zeitung in ihrer Online-Ausgabe ja, grammatikalisch etwas holprig, wohl damit es der Durchschnitts-Bildleser auch versteht, "Deutsch sprechen soll ins Grundgesetz" und zitierte dort den CSU-Generalsekretär Dobrindt:
„Der Schutz der deutschen Sprache gehört im Grundgesetz verankert. Respekt vor unserer deutschen Sprache ist Respekt vor unserer Kultur und unserem Land, den wir von allen einfordern, die bei uns leben. Ohne gemeinsame Sprache gibt es keine wirksame Integration. Wer sich der deutschen Sprache verweigert, verweigert sich der Integration in Deutschland.“
(das muss für BILD und Sarrazin-Sympathisanten ja das reinste Fest gewesen sein: deutsche Sprache, Respekt, Kultur und Intergration in einem einzigen Absatz. Quasi, ein deutsches Überraschungsei! Fehlte eigentlich noch ein "christlich", dann wäre es perfekt gewesen. Ach ja, das "C" in CSU ) 

Was der populistische Aktionismus der BILD für Folgen auf deren Stammleserschaft haben wird, kann ich mir jedenfalls lebhaft vorstellen. (bzw. kriegt man ja gerade als Nutzer der Öffentlichen Verkehrsmittel tagtäglich schon mit, wenn man die Gespräche der Leute verfolgt)

Jetzt rennen zu allem Überfluss auch noch überall selbsternannte "Rettet-unsere-Muttersprache-Nazis" durch die Gegend, wo es doch schon vor lauter "Garten-Nazis", "Blockwarten" und "Kulturbewahren" mit Salzstängchen und Pulle Bier in der Hand vor dem mit Zierdecken geschmückten Fernseher, derweil der "Röhrende Hirsch" dabei aus dem Bild über dem Sofa zuguckt, nur so wimmelt.
Können zwar kaum einen grammatikalisch korrekten Satz formulieren, der über die Grundform (Subjekt-Prädikat-Objekt) hinausgeht und gucken einen immer mit wässrigen Augen an, wenn man Worte benutzt, die über BILD-Zeitungsniveau hinausgehen, wobei es sich noch nicht mal um was besonders ausgefallenens handeln muss, aber "bewahren" wollen sie die deutsche Sprache trotzdem, weil da kommt das Wort teutsch...äh..deutsch drin vor und es geht ja auch irgendwie um Integration und Kultur und gegen die Anderen, die Dingens, die Ausländer. Wer seine Füße unter unseren deutschen Tisch(Made in Sweden) stellt, der hat auch Deutsch zu sprechen...jawoll!
( Klischee, ich weiß, gönne ich mir auch gelegentlich.)

Leute, ihr merkt, dass ich bei dem Thema schwer ernst bleiben kann.
Ich mache mich jetzt auch nicht generell über das Anliegen des VDS  lustig, auch, wenn diese "Deutsch ins Grundgesetz"-Geschichte, wie bereits erläutert, überflüssig ist.
Aber, dass ausgerechnet BILD mit ihrem vulgär-rudimentären Vokabular für den Erhalt der deutschen Sprache eintritt?
Brüller!!

Mich nerven auch unnötige Anglizismen, besonders jene, die es so im Englischen gar nicht gibt, auch diese bescheuerte, eingeschleppte Genitiv-Apostroph-Sucht geht mir auf den Geist (Es heißt nicht Birgit's Hundesalon, sondern Birgits Hundesalon, aber schon Andreas' Kneipe, weil letzteres auf einem s-Laut endet - klugscheißen kann ich also auch ganz gut *flöt*) und ich hatte ja schon mal erwähnt, dass ein "wo" anstelle eines "als" wenn es um einen Zeitpunkt geht, mich spätestens nach dem dritten, vierten Mal Hören an einem Tag dazu bringen könnte, einen Mord zu begehen, aber deshalb zücke ich ja nicht ständig den imaginären Rotstift und korrigiere jeden Firlefanz. Ich hab' besseres zu tun.

Hinzu kommt:
Sprache unterliegt nun eben mal einem Wandel. Vor 150 Jahren wimmelte es in der deutschen Sprache vor französischem Modeworten. Ein paar sind erhalten geblieben und zu Lehnworten geworden, der Rest verschwand wieder. Heute ist es eben Englisch, mal sehen, was in 100 Jahren gerade Mode ist.

Ich liebe meine Muttersprache, ich spiele gerne mit ihr, nutze ihre großartige Vielfalt mit Wonne und ich denke, man sollte schon darauf achten, dass man ihre Schönheit auch bewahrt.    
Dazu muss man sie aber beherrschen!

Das ist der Punkt!

Und damit meine ich eben bei Leibe nicht nur "die Ausländer".
Wenn ich mir so den Wortschatz, das sprachlichen Ausdrucksvermögen und Sprachgefühl eines Durchschnittsdeutschen anschaue, dann läuft hier im Land wirklich etwas verkehrt.
Liebe Leute, verwundert das wen wirklich?

Seit Jahrzehnten wird gerade im Bereich Bildung und Kultur von Seiten des Bundes, der Länder und der Kommunen gespart.
Aber was der Mensch nicht von klein auf lernt, das können sich nur die wenigsten selbst aneignen. Lesen hülfe schon ungemein, nun ist aber nicht jeder ein Bücherwurm (bei einigen reicht es eben auch nicht weiter als zum täglichen Konsum der BILD *fg*) und viele haben eben mangels adäquate Heranführung in jungen Jahren Berührungsängste, sich mal an anspruchsvoller Literatur oder ins Theater zu trauen. Früher kam wenigsten im öffentlich-rechtlichen  Fernsehen mal ein Kammerspiel oder eine Literaturverfilmung, die dann vielleicht Lust auf mehr machte, aber selbst dafür ist ja kein Geld mehr da. Und "Quote" kann man damit ja auch nicht machen...

Bildung ist das Schlüsselwort, wenn man sich schon über den Verfall der deutschen Kultur und Sprache aufregen möchte, wobei ja beides keine statischen  Erscheinungsformen sind. Wenn man bedenkt, was hier im Laufe der Geschichte so alles durch die engen Grenzen unserer heutigen Bundesrepublik gezogen ist und seine verbalen und kulturellen Duftmarken hinterlassen hat, dann frage ich mich wirklich, was der ganze Käse von Sprach- und Kulurerhalt eigentlich soll? (Ich bemühe jetzt nicht wieder Zuckmayers "Harras", wird mir langsam zu blöde)

Die ganze Integrationsdebatte, und da gehört die Thematik ja auch dazu, dient meiner Meinung nur dem Zweck, zu kaschieren, dass die Regierung unter den wechselnden Parteien seit Jahrzehnten im Bildungs- und Sozial-Sektor Scheiße gebaut hat.
Sie sind hausgemacht. Punkt!
Jetzt hat man einen Sündenbock gefunden, nämlich, auch und gerade von Medien, wie der BILD-Zeitung proklamierten " integrationsunwilligen Ausländer" möglichst noch, durch Adjektive wie  "übertriebene Forderungen stellend" und "sozial-schmarotzend" ergänzt, und redet sich darauf hinaus, dass es eben an dem liegt, dass hier bald keiner mehr fehlerfrei deutsch sprechen kann und von Goethe, Hölderlin, den Manns, Böll, Brecht und wie sie alle heißen mögen - obwohl, gerade die beiden letzteren sollten die Regierenden in ihrem eigenen Interesse vielleicht besser der Vergessenheit anheim fallen lassen...und gerade Heinrich Böll und BILD in einem Artikel ist auch so ein Thema - nicht den blassesten Dunst hat, von Allgemeinbildung ganz zu schweigen, und unser Land vor die Hunde geht.

So wird Überfremdung zur Wurzel allen Übels stilisiert und Integration und Leitkultur zu den Zauberworten, die alles wieder in rechte Lot bringen werden.

Mir ist es doch völlig egal, ob man Nachbar zu Allah betet oder zum Großen Bullebuh, ob er dazu in die Moschee, die Kirche oder den Tempel geht, Kaffee, Tee oder Bier trinkt und ob er dazu Tasse, Glas oder Flasche nimmt, ob er Sauerbraten isst, Baklava oder Blinis, ob er Türk Halk Müziği, Dimotiki Mousiki, deutsche Volksmusik oder Märsche hört, so lange er sie auf Zimmerlautstärke dreht, oder in welcher Sprache er sich unterhält, denkt, träumt, genauso wenig, ob er sich in Gelsenkirchener Barock einrichtet oder Teppiche an die Wände hängt.
Und ob er nun zum Zwecke des sozialen Austausches lieber die Eckkneipe oder das Kaffeehaus oder ganz was anderes bevorzugt, kann mir doch völlig gleichgültig sein.
Mir ist es auch für die Beurteilung der Person, egal, ob zum Beispiel eine Frau ein Kopftuch trägt, was im Übrigen auch bei einigen christlichen Freikirchen üblich ist (Korinther 11,2-16), so es mir auch schnuppe ist, ob jemand ein Kreuz trägt oder rote Socken.
Und erst recht, was er für Feiertage begeht.

Was hat das auch alles mit Integration zu tun?
Nichts!

Integration läuft nämlich auf einer ganz anderen Basis ab. Dazu gehört nicht nur, dass sich nur der Neue anpasst, sondern auch, dass die Alten seine Anwesenheit erst einmal trotz seiner Andersartigkeit als Fakt annehmen und dann als Teil der Gesellschaft akzeptieren, erst einmal im kleinen überschaubaren Rahmen, Arbeitsplatz und Nachbarschaft und dann irgendwann im großen Maßstab.
Es geht dabei auf beiden Seiten um Annäherung, nicht um Aufgabe der Identität.

Deutsch als Fremdsprache, stelle ich mir im Übrigen schrecklich vor, nicht so schlimm, wie französisch (hab ich mir sagen lassen, ich hatte ja Latein *smile*), aber allein schon dieses etwas Harte, wenn ich von Haus aus eine weiche Sprache spräche, und dann erst die Grammatik, die ganzen Fälle und Artikel und dergleichen. Meine Tochter lernt gerade als dritte Fremdsprache Spanisch, he, das ist dagegen kiki!
Wenn also ein Migrant deutsch nur mit Akzent und mit grammatikalisch nicht einwandfrei beherrscht, ja, meine Güte, soll ich ihn deshalb auspeitschen lassen? Ihm zu Hause oder im vertrauten Kreis seiner Landleute die Muttersprache verbieten? Nicht im Ernst, oder?

Klar, wer Deutscher werden will, also die Staatsangehörigkeit annehmen möchte, sollte unsere Sprache schon in dem Maße beherrschen, dass er sich verständlich ausdrücken kann. Können ohnehin die meisten unserer "immigrierten" Mitbürger. Die sind ja auch nicht blöde! Ob sie es denn auch tun, ist ja eine andere, nämlich ihre, Sache, so wie es auch meine Sache ist, welche Sprache ich denn nun gerade bevorzuge.

Aber es nutzt ja auch nichts, wenn ich mich stur stelle, wenn der andere sich nicht adäquat deutsch ausdrücken kann oder will, nach dem Motto "Lern erst einmal gescheit deutsch, bevor du was von mir willst!"
Allerdings hätte ich dann endlich meine Ruhe, ich verstehe teilweise 50% der Leute nicht, mit denen ich täglich verbal verkehren muss und dabei handelt es sich nur zu einem verschwindend geringen Anteil um Allochthone.
Aber da gibt es ja immer noch Nachfragen und als letztes Mittel, Reden mit Händen und Füßen.
Im Übrigen, von wegen Frauen, der ersten Generation, die seit Jahren in Deutschland leben und immer noch nicht oder kaum die Grundlagen des Deutschen beherrschen: Die hatte teilweise nicht die Zeit und die Möglichkeit einen Sprachkurs zu besuchen, weil die nämlich Haushalt und Kinder an den Hacken hatten. Die mussten die Sprache also über den alltäglichen Kontakt erlernen. Dabei wäre es hilfreich gewesen und war es in der Tat in vielen Fällen, wenn die Einheimischen auch ihrerseits den Kontakt gesucht hätten, und das einfach so und mit viel Geduld und ohne großen Erwartungen.

Ich kann auch ziemlich gut Englisch, ich schau mir auch Filme und Serien lieber im englischen O-Ton an, aber mangels Gelegenheit und aufgrund meines eigenen bescheuerten Perfektionismus, hapert es bei mir mittlerweile mit dem Mut es auch zu tun, wenn ich nicht unbedingt muss. Verstehen kann ich alles, lesen und besonders schreiben ist auch kein Problem (letzteres, weil ich da genug Zeit habe, an der Grammatik herumzupfeilen, bis es perfekt ist). Ich wäre also im englischsprachigen Ausland nicht völlig aufgeschmissen, aber ich bräuchte eben auch meine Zeit, wieder in die Sprache rein zu kommen und würde mich wahrscheinlich erst einmal tierisch blamieren, weil mir gerade die passende Vokabel oder das Idiom nicht einfiele. Von Schilderungen komplexer Gedankengänge oder Sachlagen auf Gefühlsebene ganz zu schweigen. Und ich beherrsche die Sprache ja eigentlich schon!

Aber, wie gesagt, die Ursachen für die augenblickliche Situation sind vielschichtig und eben nicht mit medienwirksamen Schlagworten zu benennen und ebenso wenig sind sie mit eben solchen Allgemeinplätzen wie "Lernt Deutsch!", "Passt euch an!" zu beheben. 
Sowas will aber keiner hören.

Der Punkt ist, dass Medien wie die Bild-Zeitung Feindbilder erzeugen oder schon bestehende verfestigen, was zwar gewissen Herrschaften sehr gut in den Kram passen dürfte, aber dies alles mit der Realität als solcher sehr wenig zu tun hat.


"Nazis" ist in diesem Fall übrigens keine Anspielung auf irgendeine politische Richtung und ich möchte damit keineswegs jemandem so etwas unterstellen, sondern wird hier von mir in dem Kontext mehr als Sammelbegriff für eine bestimmte Art Mensch, genutzt die leicht verbiestert immer über die Einhaltung gewisser "Richtlinien" wacht. "Garten-Nazis" z.B. kontrollieren gerne das Wachstumspotential der nachbarlichen Hecken, wachen darüber, ob sich vielleicht feindliches Laub aus dem Garten nebenan auf ihr Terrain verirrt und weisen ihre Mitmenschen gerne darauf hin, dass sie ihr "Unkraut" doch bitte mit Stumpf und Stiel ausrotten müssen, bevor der Wind die Samen auf ihren, jeden Samstag mit dem Lineal gemähten englischen Rasen wehen kann.
Blockwarte tun ähnliches in Siedlungen und Mehrfamilien-Häusern. Geht sie zwar eigentlich einen feuchten Kehricht an, ob man seinen Müll sortiert oder bei der Treppenhausreinigung auch ja jede Stufe zweimal wischt, einmal nass und einmal halbtrocken, aber sie betrachten es trotzdem als ihre Lebensaufgabe. Sind auch die Patienten, die ab 22 Uhr die Haustür abschließen, weshalb man dann um 23 Uhr noch mal genötigt ist, runter zu rennen um den Besuch rauszulassen, damit der nicht im Parterre übernachten muss.

Überhaupt weise ich darauf hin, dass ich mich gerade bei der Schilderung des BILD-Lesers hier der gleichen Polemik, Stereotypen und klischeehaften Darstellung bedient habe, die dieses Medium seit Jahr und Tag dazu nutzt, ihre Botschaft unter das Volk zu bringen und damit leider mittlerweile zu einer der Meinungsmachern "Nummer Eins" avanciert ist. 
"BILD dir eine Meinung"
Am besten gleich auf Seiten wie dieser!

Und nennt mich ruhig arrogant, aber ich bin nun einmal der Meinung, jeder halbwegs gebildete Mensch wirft bloß einen Blick in die BILD und wendet sich mit Grausen ab. Ich guck' auch mindestens einmal die Woche rein, wenn ich bei meinem Vater bin. Reicht mir dann völlig und ich bin immer dankbar, wenn ich mich nicht beruflich doch mal öfters mit diesem Blatt beschäftigen muss.

(Übrigens auch so ein Dingen: mein Vater ist, meines Erachtens, ein überdurchschnittlich belesener und weltgewandter Mensch, dem so schnell keiner ein X für ein U vermachen kann, aber diese Zeitung liest er mit Hingabe..natürlich nur wegen des Sports...höhö...und dann haut er mir in einer Diskussion eben mit Phrasen wie aus diesem Blättchen entsprungen die Beine weg. Letzten Donnerstag erst, ich sag nur Gorleben und S21 (alles Randalierer und Berufsquerulanten!)...boah...Fatter!...okay, er wählt auch seit Bestehen der BRD die schwarze Pest, als Oberbilker Arbeiterjung und atheistischer Freidenker! War meinem Bruder und mir immer ein Rätsel, aber okay, sein Bier!)


Upps, ist doch etwas länger geworden, als ursprünglich beabsichtigt...

Montag, 27. September 2010

Momenaufnahme - Der Archont

"Ihr Oberster aber ist blind. Wegen seiner Kraft und seiner Unwissenheit und seiner Überheblichkeit sagte er in seiner Kraft: ,"Ich bin Gott; es gibt keinen außer mir." Als er das gesagt hatte, sündigte er gegen das All. Und diese Rede gelangte hinauf zur Unvergänglichkeit. Siehe, eine Stimme kam aber heraus aus der Unvergänglichkeit, und sie sprach: "Du irrst dich, Samael!", das heißt: "der Gott der Blinden".

Seine Gedanken waren blind. Er warf seine Kraft, das ist das Lästerwort, das er gesagt hatte, heraus. Sie folgte ihm hinab bis ins Chaos und zur Tiefe, zu seiner Mutter, auf Veranlassung der Pistis Sophia. Und sie, Pistis Sophia, setzte seine Kinder ein, einen jeden entsprechend seiner Kraft, nach dem Vorbild der Äonen, das sich oben befindet; denn aus dem Verborgenen fanden sie das Offenbare."
(Quellen:  NHC II, 2 - Das Wesen der Archonten)

Donnerstag, 23. September 2010

Krieger - Reminiszenz an ein Wochenende


Nach einem wirklich tollen Wochenende mit vielen netten Menschen, bekannten und , vormals, fremden oder teilweise nur dem Namen nach schon gekannten, und damit verbunden eben auch vielen neuen Eindrücken und Erkenntnissen für mich persönlich, in einer unglaublich harmonischen Atmosphäre, drängt es mich irgendwie das "Gefühl danach" in die Welt hinaus zu schreien (oder eben zu schreiben ^^).

Vieles davon wird sich, in Worte gefasst, besonders für Außenstehende sehr merkwürdig anhören. Ich könnte es jetzt auch bei weitem besser singen, tanzen oder sonst wie nonverbal vermitteln, aber leider sind wir nun mal auf diesem Medium auf das Wort reduziert.

Aber immerhin gibt es ja noch "Krieger". *g*
Dass ich diesen Song dem Beitrag vorangestellt habe hat nämlich seinen Grund. Nicht nur, dass es Sonntag morgen noch gespielt wurde, sondern auch, weil es, unter anderem, die beiden Sätze enthält:

"...der Schläfer erwacht und ist bereit
und befreit vom Raum lebt er in der Vision
durchschreitet Deinen Traum in geheimer Mission
und er kämpft um die anderen aus ihrem Traum zu wecken
weil er weiß dass in ihnen viele kleine Krieger stecken
und dennoch sagt er nicht komm mit mir
er fragt nach Deinem Traum fragt warum bist Du hier?...
"
und etwas später
"...er wacht auf aus dem Traum den das Kollektiv träumt
hat mit seinen alten Vorstellungen endlich aufgeräumt
ersetzt die Isolation und setzt an ihre Stelle
die Vision dass wir eins sind auf einer Welle...
"

Diese beiden Sätze sagen mehr über das Gefühl aus, dass ich gerade als Nachwehen ganz besonders stark empfinde, über die Stimmung dieses Wochenendes , was mir in dieses an Gemeinschaftsgefühl vermittelt und somit wieder ganz deutlich vor Augen geführt hat, als tausend erklärende Worte.

Harmonie ohne Gleichschaltung
Konform gehen im Individualismus
Disziplin ohne Reglementierung
Natürliche Ordnung im Chaos
Selbst-Verantwortlichkeit


Klar, wir alle kommen "aus einem Stall", aber und dies wurde ganz deutlich, dieser Stall hat viele "Boxen", viele Frei-Laufflächen und genug Raum, dass man gar nicht nötig hat, dem anderen "auf die Füße" zu treten.
So herrschte eine Atmosphäre des Austausches unterschiedlichster Meinungen und persönlicher Erkenntnisse ohne die des Gegenübers ändern oder gar abwerten zu wollen.
Dies allein hat schon den Vorteil, dass man anderen innerhalb einer Diskussion sehr genau zuhören kann, weil man eben nicht schon einmal innerlich in Angriffsposition gehen muss, um seine eigene Position zu verteidigen.
Das führt dann jedenfalls bei mir zu einem "He, ich teile deine Meinung zwar nicht und sehe das anders, aber deine Sicht ist auch interessant und für mich überdenkenswert! Danke für den neuen Blickwinkel!" 

Dabei spielt meiner Meinung nach aber, weit weniger die Tatsache eine Rolle, dass wir alle eine gemeinsame Grundlage hatten, nämlich eben Thelema, sondern eben die aus dieser Philosophie resultierende Grundhaltung "Tu was du willst, soll sein das ganze des Gesetzes - Liebe ist das Gesetz, Liebe unter Willen" und in besonderem Maße die Arbeit an sich selbst, das Streben nach persönlicher Erkenntnis und Vervollkommnung.
Wenn man dies nämlich berücksichtigt, dürfte auch dem Letzten klar werden, dass es eben keine Gleichschaltung geben kann, und somit keine von außen aufgesetzte, quasi erzwungene Harmonie, weil, wenn es überhaupt einen "Kampf" gegeben hat oder gibt, dieser von jeden Selbst mit dem berühmten inneren Schweinehund ausgetragen wird, was zur Folge haben dürfte, dass man weiß, wer man ist, nämlich ein Stern - "Jeder Mann und jede Frau ist ein Stern" - wie alle anderen auch - "ein Stern in der Schar der Sterne"- völlig einerlei, ob nun Thelemit oder nicht. Denn "das Gesetz ist für alle".

Diese Erkenntnis führte, zumindest bei mir, und wie ich an diesem Wochenende erfreut zur Kenntnis nehmen konnte, auch bei vielen anderen Menschen dazu, dass man sich nicht mehr selbst-behaupten muss und man somit auch in einer natürlichen Harmonie mit seiner Umwelt interagieren kann.
Man ist frei, sich zu öffnen, weil man das "Außen" nicht mehr als Bedrohung betrachtet, das es zu beobachten und zu bekämpfen gilt, sondern als Teil des Ganzen.
Veränderungen muss man nicht mehr erzwingen, sondern in dem man der "Außenwelt" mit Respekt, Ruhe, Gelassenheit, aber auch Entschlossenheit gegenüber tritt, passt diese sich automatisch an. - "Das Khabs ist in dem Khu, nicht das Khu in dem Khabs. " 
Dies heißt nichts anderes als, dass man, wenn man die Welt, aber auch Kleinigkeiten verändern will, zuerst einmal bei sich selbst beginnen muss und findet man im übrigen auch als Kategorischen Imperativ als grundlegendes Prinzip in den Lehren Immanuell Kants, sowie in den sieben hermetischen Gesetzen.

Ich denke, dies ist ein ganz entscheidender Punkt, den man berücksichtigen sollte. Auch wenn diese Weisheit teilweise wie eine Platitüde  klingt, ist sie doch eine der wichtigsten Erkenntnisse, die man als Mensch machen kann.
Mir fällt immer wieder auf, dass sich viele Menschen in einer Art "Warteschleife" befinden. Sie warten darauf, das sich etwas an ihrer augenblicklichen oder der globalen Situation ändert, aber da sie diese Veränderung von außen erwarten, tritt sie natürlich nicht ein. Das lässt sie zunehmend zweifeln und verbittern, da, je länger sie warten, auch der Erwartungs- und Leidensdruck immer mehr wächst.
Viele Menschen fühlen sich auch isoliert oder isolieren sich aus Enttäuschung selbst von der Welt da draußen und sehen nicht, dass sie ja auch ein Teil dieser Welt sind. Es gibt kein da draußen!
Dabei sehnen sie sich nach Veränderung, Gemeinschaft, nach Austausch mit "Gleichgesinnten", finden diese aber nicht, weil sie eben diese Haltung der Isolation und des Abwartens nach außen tragen und somit jede Annäherung von "Außen" blockieren.

Wenn man im übertragenen Sinn die Tür vor seiner Umwelt verschließt, wird vielleicht mal jemand oder etwas vorbeikommen und klopfen, aber wenn man dann noch lange durch den Türspion schaut, und sich überlegt, ob das da draußen auch den persönlichen Vorlieben 100 Prozentig entspricht, dann wird der/die/das bald wieder gehen. Niemand ist bereit eine geschlossene Tür einzutreten. Und man sitzt dann immer noch allein in seinem "Haus" und fühlt sich in der Auffassung bestätigt, dass niemand einen will.

Auch bei uns gibt es zwar ein Gesetz, nieder geschrieben im Liber AL vel Legis (Buchreligion, höhö!), aber wenn man sich den Kommentar durchliest, wird klar, dass es das Thelema™ und somit den Thelemiten nicht gibt, nicht geben kann, weil die Auslegung der Schrift bei jedem einzelnen von uns liegt.
Tu was du willst, soll sein das Ganze des Gesetzes.

Das Studium dieses Buches ist verboten. Es ist weise, dieses Exemplar nach dem ersten Lesen zu vernichten.

Wer immer dies nicht beachtet, tut dies auf eigenes Risiko und eigene Gefahr. Diese sind außerordentlich schrecklich.

Jene, welche die Inhalte dieses Buches diskutieren, sollen von allen gemieden werden, wie Zentren der Pestilenz.

Alle Fragen hinsichtlich des Gesetzes sind nur durch Konsultieren meiner Schriften zu lösen, jedermann einzeln für sich selbst.
Es gibt kein Gesetz außer Tu was du willst.

Liebe ist das Gesetz, Liebe unter Willen.

Der Priester der Prinzen
ANKH-F-N-KHONSU

Nun könnte ich ja warten, bis ich "Gleichgesinnten" begegne, die mit meiner Interpretation absolut konform gehen, aber da dürfte ich wohl alt und grau werden bevor das geschieht. ^^
Ich könnte natürlich hingehen und versuchen, die anderen von meiner Interpretation als absolut wahr zu überzeugen. Allerdings müsste ich damit in deren Wahren Willen eingreifen und das geht gar nicht und ist absolut indiskutables Verhalten.
Oder mir eben nur die herauspicken, die mit meiner Auffassung übereinstimmen. Wo bleibt da denn dann der Austausch, die Anregung, die anregende Kontroverse?

Und was würde das bringen?

Ein viel geschätzer Bruder hat einmal gesagt, bei 6,9 Milliarden Menschen auf dieser Erde, also 6,9 Milliarden Sternen, gibt es auch 6,9 Milliarden wahre Glauben.

Das sind aber auch 6,9 Milliarden mehr oder weniger bereits entdeckte Wahre Willen, 6,9 Milliarden Persönlichkeiten, die alle viele Gemeinsamkeiten, aber auch viele Unterschiede haben mögen.
Reduziere ich sie aber nur auf eben jene Unterschiede, dann kann ich mir genauso gut eine einsame Insel suche (und hoffen, dass niemand verbeigeschippert kommt) oder mir gleich die Kugel geben.


 "Der Schlafende muss erwachen!", um wieder auf den Song von den Fanta 4 zurückzukommen, es wird ihn niemand wecken.
Auch "Der Krieger" ist im Grunde niemand, der von außen an einen herantritt.

Zu guter letzt noch ein Zitat aus dem Lied:
""tritt in den Kreis und mach wahr was Du weißt
und die Erkenntnis bringt die Kraft mit der Du Dich befreist
und dabei frei von Angst ganz gelöst
erlöst was in Dir döst
denn dann wachst Du auf und Dein Traum geht weiter weil Dein Zauber wirkt"
"

Botschaft des Liedes, und was ich mit diesem etwas wirren Text sagen will?
Hört auf zu warten, handelt, jetzt!

Dienstag, 10. August 2010

Begegnung mit "Gottes Hausmeister"

Ich möchte euch von einer kurzen Begebenheit Anfang Juli erzählen.

An diesem Sonntag waren meine Tochter und ich nach Köln zur CSD-Parade gefahren, hatten sie uns angeschaut und liefen danach kreuz und quer durch die Stadt, schauten uns die verschiedenen Stände und Attraktionen an, kühlten unsere Füße in einem Brunnen nahe des Domes, als ich plötzlich meinte, wir sollten einmal hineingehen.
Ich mag zwar die äußere Energie des Domes, der wie ein riesiger, bedrohlicher Schatten auf dem Platz liegt, nicht besonders, allerdings wirkt nach meinem Empfinden im Inneren etwas ganz anderes.

Gesagt getan. Hier muss ich kurz erwähnen, dass es an dem Tag wirklich unglaublich heiß war. Darum hatte meine Tochter irgendwann ihr Shirt ausgezogen und lief von da an nur in einem Bikinitop und ihren Shorts herum.

Wir also hinein, Energie tanken.
Wäre ja sehr schön gewesen...
Denn fast sofort schoss ein erboster Domschweizer auf meine Tochter zu, und "bat" sie, sich doch etwas überzuziehen. Es ginge doch nicht, in so einem Aufzug in das Haus Gottes zu kommen. Ehrlich gesagt, es machte den Anschein, als würde der alte Herr sich jeden Moment ans Herz greifen und tot umfallen.
Mein erster Gedanke war eigentlich nur "Ups!"
Vom Kopf her ist mir natürlch klar, dass man so wie meine Tochter gemeinhin nicht in eine Kirche geht. Religiösen Empfindungen anderer Glaubensrichtungen versuche ich nach Möglichkeit respektvoll gegenüber zu treten, wie ich auch unterschiedlichen kulturellen Bräuchen meinen Respekt zolle. Ich latsche ja zum Beispiel auch nicht mit Schuhen in eine Moschee oder ähnliches.
Aber das war nicht der Punkt, der mich wirklich beschäftigte.

Während meine Tochter also, Mord im Blick, in der Tasche nach ihrem T-Shirt grub und es anzog - wobei der Domschweizer noch Glück hatte, denn das erste, was sie griff, war das "Stolz bewegt"-T-Shirt, welches wir uns am Stand der Kölner Aidshilfe besorgt hatten und nicht, das, welches sie ursprünglich trug, mit Aufdruck "Devil inside"! ^^ - dachte ich darüber nach, wie weit ich doch von einer Auffassung wie der, seinen Körper als sündig und vor Gott, YHVH oder der Göttlichen Energie, wie immer man das nennen möchte, verstecken zu müssen, entfernt bin. Sie ist schicht aus meinem Kosmos verschwunden. Nicht existent.
Entschuldigung, im Verlauf der Gnostischen Messe sitzt unsere Priesterin irgendwann nackt auf dem Altar, transformiert zur Göttin, der Weiblichkeit schlechthin.

Meine Tochter knallte dann, nachdem sie sich "züchtig" bedeckt hatte, auch noch in Richtung auf den Ordner die sehr weise und inhaltlich völlig korrekte Bemerkung heraus, "Gott" habe sie ja wohl auch nackt erschaffen und nicht angezogen.

Sei's drum, den alten Herren wird man nicht mehr zu tieferer Erkenntnis bewegen können und muss man ja auch nicht. Er hat es mal so gelernt und es für sich als richtig angenommen und wohl nie hinterfragt. Bedauerlich, aber nicht zu ändern.

Wir gingen noch kurz durch den Dom, aber die Stimmung war dahin. Allerdings beobachtete ich die Massen von Touristen, die zum Teil laut redend und Fotos knipsend durch den Dom liefen und fragte mich, wie es denn um deren religöse Einstellung zu der Energie, die dort zu Hause ist, bestellt wäre.

Ich war auch nicht verärgert über den Domschweizer. Einfach nur nachdenklich und...ja...traurig.

Nachdem ich die Begebenheit fast wieder vergessen hatte, geht mir seit einigen Tagen im Kopf herum, was geschehen würde, wenn ein Christ, gekleidet wie meine Tochter an diesem Tag, vom tiefen Bedürfnis nach spirituellem Trost auf Grund irgendeiner aktuellen Seelenqual den Dom beträte?
Man sucht sich ja nicht unbedingt aus, wann man dringend Hilfe braucht und richtet sich somit kleidungstechnisch darauf ein. Oder möglicherweise handelt es sich bei der Kleidung, die man gerade trägt, wortwörtlich um das "Letzte Hemd".
"Dem Ort angebrachte Kleidung" ist nämlich nicht nur Auslegungssache, sondern muss man sich auch erst einmal leisten können.
Kleidungsvorschriften sind, meiner Meinung nach, nur in soweit tragbar, wie sie die Ausübung der religiösen Empfindung des Gläubigen unterstützen und nicht behindern.
Es mag ja angehen, dass man sich zum sonntäglichen Gottesdienstbesuch, oder zu jeder anders gearteten sakralen Tätigkeit, in den besten Staat wirft, allerdings sollte man sich dabei fragen, ob man dies nun zu Ehren der Entität, der man huldigt tut, und wenn es sich dabei um sich selbst handelt, oder der Leute wegen.
Wenn ich zur Messe fahre oder selbst eine zelebriere, schrubbe ich mich unter der Dusche auch vorher von Kopf bis Fuß. Aber das ist mein "Dogma", ich tue dies, weil ich es so empfinde und weil es für mich unmittelbar zu der Haltung bezüglich der Handlung selbst dazu gehört. Aber ich weiß auch, dass es eben nicht notwendig ist und es notfalls auch ohne "Äußere Form" geht.

Ich muss auch an den gefolterten, bis auf das Lendentuch nackten, zum Sterben aufgehängten Mann denken, der einen so wichtigen Aspekt christlichen Glaubens auszumachen scheint. (Komisch eigentlich, dass sie YHShH hauptsächlich in dieser Form verehren und nicht als den Zimmermann und Rabbi, als der er gelebt und gelehrt hatte, oder eben in seiner "erfüllten" Gestalt als fleischgewordener Gott, in die der er "wieder auferstanden" ist. Muss ja nicht unbedingt "Kumpel Jesus" sein, aber ich denke mal, dass hätte der Lehre an sich eine andere, positivere Sichtweise beschert. Ja, Gnosis ist doch was feines...^^).
Aber zurück zu dem gequälten Jeshua in "Unterwäsche".
Ich bin jetzt mal sehr zynisch, aber ich kann mir ziemlich genau vorstellen, was so ein Domschweizer, der ja im Prinzip nichts anderes als einen Hausmeister und Hilfsordner darstellt, tun würde, wenn eben ein solcher Mensch in die Kirche getorkelt käme...

Mal ehrlich, die Schweizer sollten sich bitte darauf beschränken, darauf zu achten, dass niemand im Dom seine Notdurft verrichtet, meinetwegen auch Taschendiebstahl verhindern, die Touristen bespaßen oder während der Messe für Ruhe sorgen, aber es darf nicht ihre Aufgabe sein, vom äußeren Anschein auf die innere Haltung zu schließen.
Was  jedoch gottgefälliges Benehmen anbetrifft, hm, sollten sie die Entscheidung doch dem Boss (nein, nicht dem Papst!) überlassen.

(Der springende Punkt bei der Sache mit dem Garten Eden und der Nascherei am Baum der Erkenntnis ist ja der, was man dann nun mit der gewonnenen Erkenntnis macht.
Bei manchen reicht es eben nicht weiter als zu einem "Ich bin nackt!" Wobei das für sich genommen ja eigentlich eine philosophisch wie spirituell sehr tief gehende Erfahrung wäre, wenn der nächste Gedanke nicht wäre, die Blöße nur ja schnell zu bedecken.
In Wirklichkeit geht es nach meiner Auffassung bei ganzen Episode inklusive dem Nachfolgenden Rausschmiss aus dem Paradies jedoch darum, selbst Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen ohne wenn und aber, im Gegensatz zu einem sorgenfreien, aber auch recht eintönigen  Leben in Abhängigkeit. Frei nach dem Motto "Ihr seid soweit euch über meine Anordnungen hinweg zu setzen, dann seid ihr auch soweit, selbst für euch zu sorgen!")


Wie meine Tochter sagte,  die Energie, der man im Dom ein Zuhause eingerichtet hat (oder, mal ganz fies, dort einzusperren versuchte) weiß, wie wir aussehen, innen wie außen, und ich bin überzeugt davon, der wäre es auch egal, wenn man da völlig nackt im Mittelgang stehen würde. Die ist nämlich so alt, dass sie kaum etwas aus der Ruhe bringen könnte. Wieso auch, gibt es was ehrlicheres, ursprünglicheres als einen völlig unbekleideten Menschen?

Mit dem Gottesbild der Bibel hat sie, meines Erachtens, ohnehin sehr wenig zu tun. Die Menschen erschaffen sich die Erscheinungsform ihrer Gottheiten allerdings auch zu einem Gutteil selbst. Anscheinend brauchen einige davon immer noch einen furchteinflößenden, rachsüchtigen, lustfeindlichen und rigide auf die Gebote pochenden HERRN oder derer mehrere, weil sie ohne Furcht nicht zu wahrem Glauben fähig wären.
Und das beschränkt sich nun leider nicht nur auf die Anhänger der abrahamitischen Religionen.