"Bildung ist wichtig, vor allem wenn es gilt, Vorurteile abzubauen.
Wenn man schon ein Gefangener seines eigenen Geistes ist, kann man wenigstens dafür sorgen, daß die Zelle anständig möbliert ist.
"
Peter Ustinov
„Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.“

Benjamin Franklin


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Donnerstag, 28. Oktober 2010

Catch him and keep him!

Dieser Satz sprang mich im Laufe der Woche auf Facebook als Teil einer schweizer URL einer Werbung mit dem Untertitel "Warum er Dich nicht liebt - Enthüllt: Was fast keine Frau darüber weiß: warum Männer sich nicht binden wollen" an

Klingt wie eine Schlagzeile in Bild der Frau, Bella, Petra und wie die einschlägigen "Frauenzeitschriften" so heißen mögen.

Ich persönlich finde es als Frau immer nett, wenn mir als sogenannte Zielgruppe durch Werbung oder auch Medien mal gezeigt wird, wie frau so tickt/zu ticken hat.
Irgendwas mache ich da ohnehin grundlegend falsch, denn weder renne ich wie besessen mit irgendwelchen Desinfektionsmitteln durch die Gegend um meine Lieben vor pösen Bakterien zu schützen, noch interessiere ich mich großartig für die Klarsicht meiner Fenster, irgendwelche Adelsdramen (außer einer ganz aktuellen *fg* ) oder muss meiner, durch irgendwelche Bikinidiäten oder falscher Ernährung ruinierten Verdauung mit speziellen, so überteuerten wie nutzlosen Milchprodukten auf die Sprünge helfen. Ich weiß auch mit meiner Zeit sinnvolleres anzustellen, als ständig Teppiche und Polster porentief zu reinigen und danach mit Febreze anzuspritzen oder aus Trockenblumen lustige Tischgedecke zu zaubern, die dann sowieso von den göttlichen Geschöpfen hier zum Nachtisch vernascht würden (2 Minuten! Höchstens!). Und mein Interesse an Damenhygieneartikeln beschränkt sich eigentlich auch darauf, ob ich noch welche da habe, wenn ich sie brauche.

Aber dieser Satz "Fang ihn und behalte ihn!" wäre allein schon sowas von bescheuert und dabei leider aber auch signifikant für eine bestimme Einstellung einer Beziehung gegenüber, dass ich mir eine spitze Bemerkung dazu kaum verkneifen könnte, aber zusammen mit diesem "Warum er mich nicht liebt!" ist das quasi ein Gourmet-Essen für die olle Krähe. 

Erste Assoziation meinerseits war, wie so ein Gisi-Verschnitt, sich einen Kerl über die Schultern wirft, ihn nach Hause schleppt, an Händen und Füßen gefesselt auf die Couch setzt und ihm dann ihre Liebe dadurch beweist, dass sie dem armen Mann mit selbstgemachten Speisen und Gebäck foltert, bis er um Gnade winselt. Wenn dies vielleicht witzig klingt und Stoff für eine Komödie wäre, meine zweite Assoziation, die Erinnerung an den King-Roman "Misery" entbehrt jeder Komik. Auch da verlangt und erzwingt eine Frau von einem Mann die Erfüllung ihres innigsten Wunsches (auch, wenn der etwas anders gelagert ist), mit fatalen Folgen.

Und komisch, im Sinne von lustig, empfinde ich die Kernaussage des Satzes nun wirklich nicht, spricht sie doch für eine Einstellung, von der man denken sollte, dass man sie Beginn des 21. Jh. endlich abgelegt haben sollte, nämlich, dass frau ohne eigenen Mann einfach nicht sein kann, dass die Suche nach MR. Right immer noch die Priorität sein müsse.
Entschuldigung, aber das klingt ja fast so, als wäre man im Dschungel und jeder Mann, und Frau natürlich auch, wäre eine Beute, die es zu jagen und zu stellen gälte.

Aber warum muss denn alles im Leben darauf hinaus laufen, die eine und wahre Liebe zu finden? Und gibt es wirklich nur die eine wahre Liebe, den einen Traumprinzen? Und wieso empfinden Menschen sich erst komplett, wenn sie den Partner für's Leben gefunden haben? Oder vielmehr, warum wird das suggeriert?

Denn darum geht es auf der Seite, zu der mich der Link geführt hat. Unter dem Titel "Wie du deinen Traumprinzen findest und für immer an dich bindest" komplettiert mit einem Potrait eines, für manche vielleicht, als sehr markant-attraktiv zu bezeichnenden, Herrn, gibt eine wohl mit ebenso viel Kalkül ausgewählte männliche Stimme angeblich Tipps wie Frau das bewerkstelligen kann.
Naja, Tipps kann man die Aneinanderreihung von Suggestivfragen und Allgemeinplätzen jetzt nicht nennen, Antworten vermisst man völlig. Eigentlich drängte sich mir beim anhören der 25 Minuten dauernden Litanei eher die Frage auf, ob die Zielgruppe weniger erwachsene Frauen, als vielleicht eher 14-jährige Mädchen sein könnten.
Darunter steht dann zu lesen:
"Hier ist Deine Schritt-für-Schritt Anleitung, um Deinen Traumprinzen an Deine Seite zu holen, ohne jeden Frosch küssen zu müssen... schau Dir das Video bis zum Ende an... und ich zeige Dir im Detail, wie Du Dein Beziehungs- und Liebesglück zum Positiven verändern kannst und wie es mittlerweile tausende Frauen vor Dir geschafft haben - Du kannst das auch - einfach, indem Du diese Strategie kopierst! Denk dran! Schau Dir das Video bis zum Ende an, denn es wird Dich noch überraschen!"
Das sich das weniger auf besagtes Video, als vielmehr auf den darunter befindlichen Button bezieht, welcher zum Ebook from Mr. Frauenaufklärer himself, respektive dem Bestellformular desselben nebst, als netter Beigabe, einem Monatsabo von irgendwelchen Interviews führt. Natürlich gegen Bares.
Die Überraschng besteht darin, dass man nicht nur, wenn man jetzt gleich bestellt, etwas was angeblich 80 Euronen kosten soll, für knappe dreißig bekommt, sondern das erste Interview gratis dazu.
Über die Qualität des EBooks, wie den eigentlichen Inhalt, erfährt man nicht wirklich etwas, außer der Versicherung des Autors, er wüßte, was Frauen bei der Jagd nach einer festen Beziehung zu einem Mann falsch machen, weil er ersten ja ein Mann sei und zweitens anhand von hunderte von Interview das Dating-Verhalten von Frauen und Männern analysiert habe.
Man kauft trotzdem die Katze im Sack. Ich sagte ja, war eben Werbung (und nebenbei ziemlich schlechte, weil leicht durchschaubar).

In dem Video, was eigentlich keines ist, sondern nur eine Lesung bzw. eine Erläuterung der Textfrakmente, die man auf dem Bildschirm sieht, kriegt man dann auch solche Weisheiten präsentiert, wie
"Das Geheimnis der Anziehungs und der innigen Verbindung zu einem Mann": "Männer sind nicht leicht zu verstehen! Das ist das Hauptproblem und auch das, was Dir bisher im Weg stand. Wenn du einen tollen Mann findest, bekommst du ihn nicht mit einer "Bedienungsanleitung" geliefert."
Wow, tolle Erkenntnis.
Allerdings frage ich mich dann, was dieser ultimative Ratgeber, für den da geworben wird, soll?


Okay, verliebt sein ist wundervoll, Liebe erst Recht, Zweisamkeit kann wunderschön sein, Sex natürlich sowieso, aber, warum um alles in der Welt suchen erwachsene Frauen eigentlich nach "dem Traumprinzen", oder vielmehr, warum lassen sie sich einreden, dass dies das Lebensziel sein muss. Warum sollte eine Frau erst glücklich sein, wenn sie in einer festen Beziehung mit dem Mann für's Leben ist, am besten noch mit 'nem "Sklavenring" und urkundlich bescheinigt?

Nicht falsch verstehen, es kann toll sein, sich aus tief empfundener Liebe zu binden und dies, mit oder ohne amtlichen oder religiösen Segen, zu besiegeln! Das habe ich ja auch schon hinter mir, spreche also aus Erfahrung, aber die gleiche Erfahrung sagt mir auch, dass ich mich nach der Trauung immer noch genauso gefühlt habe wie vorher. Da tat sich kein Licht auf und kein Engelschor sang haleluja.
Ich war immer noch ich, nur der Nachname war ein anderer.
Alles andere, das Gefühl, die Verbundenheit, blieben gleich.
Das hat mich damals schon, auf der Rückfahrt vom Standesamt hin zur Feier zu der Frage gebracht, warum eigentlich der ganze Aufwand. (Was ich da natürlich nicht gesagt habe. Als ich ein paar Jahre später mal in einem Gespräch meinem Mann gegenüber erwähnte, dass ich ihn zu dem Zeitpunkt nicht mehr heiraten würde, war er tief getroffen, obwohl ich ihm zu vermitteln versuchte, dass das weder hieß, dass ich die Entscheidung bereue oder es etwas am Status quo, der Beziehung als solcher, geändert hätte. Er hat es einfach nicht verstanden. Es sind also mitnichten immer nur die Frauen, die "Heirat" als ultimativen Liebesbeweis verstehen.)

Was jetzt speziell an diesem "Catch him and keep him" stört, ist nicht nur diese Jäger-Beute-Assoziation, sondern auch die Erwartungshaltung.
Sorry, hier mal Lebensberatung à la Krähe, kostenlos:
Wer als Frau dem Traumprinzen hinterher jagt, sollte sich einmal fragen, warum gerade auch in Märchen, aber eigentlich in allen großen Liebesgeschichten, die Story immer dann endet, wenn sich Prinz und Prinzessin gekriegt haben. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute...
Weil, nachdem die beiden sich vor großem Publikum das Ja-Wort gegeben haben und die "Bösen", die ihrem Glück im Wege standen, bestraft wurden, der Alltag in die Beziehung einkehrt.
Der dürfte aber viel weniger romantisch sein, wie die eigentliche Geschichte.
Wer will schon wissen, wie Aschenputtel und ihr Prinz nach zehn Jahren leben?
Oder wie das bei Romeo und Julia ausgesehen hätte, wenn es da nicht dieses Missverständnis gegeben hätte und sie weitergelebt hätten, als Ehepaar?
Wahrscheinlich wäre "Prinz" dann ständig auf "Geschäftsreise", derweil Ex-Aschenputtel zu Hause im Kreis ihrer unzähligen Kinder wieder zu dem mutierte, was sie zu Anfang war.
Und Romeo?
Entschuldigung, er, der ja kurz bevor er Julia begegnete noch Kraft der Libido eines 15-jährigen Jüngelchens unsterblich in eine gewisse Rosalinde verliebt war, wird sich wahrscheinlich auch nach der ersten Verliebtheit, spätestens aber nach dem dritten, vierten Kind, mal umbeschaut haben, besonders, wenn Julia ihrer Mutter nachschlug.

Klar, diese Paare in Märchen, Theaterstücken und historischen Liebensromanen, die frau ja gern liest (ich bekenne mich des Vergehens ebenfalls "Schuldig!") hatten sich gefangen und "durften" sich auch behalten, weil es zu den Zeiten in denen diese Geschichten spielen, wirklich "bis das der Tod sie scheidet" hieß.

Aber wie gesagt, Kern der Geschichten und ihr Reiz liegen im "Sich-kriegen" und nicht darin, den schnöden Alltag einer Zweierbeziehung zu erleben.
Das ist aber die Realität!
Wenn man aber davon ausgeht, dass er "der Traumprinz" ist und es auch zeitlebens bleibt, dann darf man sich nicht wundern, wenn man eines Tages neben einem Frosch aufwacht.
Mein Tipp: Nehmt es mit Humor!
Ich habe irgendwann mal im Bett meinen Mann gefragt, ob er zu einem wunderschönen Frosch würde, wenn ich ihn gegen die Wand werfe. Danach wurde ich von ihm lange Zeit mit Fröschen in allen erdenklichen Variationen bedacht. So kann man das auch handhaben. ^^

"Aber mal ehrlich, richtig gute Männer sind schwer zu finden! Wenn du einen findest, kannst du es dir nicht leisten, ihn durch einen unnötigen Fehler zu verlieren!
Du kannst es dir nicht leisten, sechs Monate, ein Jahr oder noch mehr an investierter Zeit zu verlieren - in dieser Zeit hätte sich eine wetrvolle Beziehung entwickeln können - es könnte nur daran scheitern, wie du eine bestimmte Situation meisterst!"
Auch so ein Spruch vom "Liebesberater" aus dem "Video".
Dem ersten Satzes kann ich ja noch zu stimmen, aber der Rest klingt doch irgendwie nach Wettbewerb gegen die tickende Uhr (hier bitte die lustige Melodie von Jeopardy vorstellen). Und schon wieder diese Erwartungshaltung.
Himmel, wenn ich einen Mann kennenlerne, der mir sympathisch ist, dann bedeutet das ja nicht zwangsläufig, dass ich ihn als potentiellen Partner sehe. Meine Güte, es gibt da noch eine Menge andere Arten von Sozialkontakten, zum Beispiel, Freundschaften. (Ja, ich gehöre zu den Menschen, die der Meinung sind, Männer und Frauen können auch "nur" gute Freunde sein! So ganz ohne Hintergedanken!) und natürlich investiert man in eine Beziehung oder deren Aufbau immer Zeit und Energie, aber, wenn man mal alle romantischen Jungmädchen-Phantasien außer Acht lässt, dann ist doch so, dass sich erst mit der Zeit herausstellt, ob man wirklich zusammenpasst, oder nicht. Mir kann keiner erzählen, dass man zu den ersten Verabredungen mit einer Checkliste oder einem Fragenkatalog geht, den dann im Gespräch durchgeht und abhakt: Kinderwunsch? Checked! Hobbies? Checked! Persönliche Vorlieben und Abneigungen? Checked!

Blödsinn.
Selbst wenn ich auf einen Kerl treffe, der in mein "Beuteschema" passt, dann heißt das ja noch lange nicht, dass ich auch seinem entspreche.
Auch wenn man sich auf Anhieb gut versteht und sich anscheinend in allen wichtigen Belangen einig ist oder sich ergänzt, heißt das noch lange nicht, dass er was von mir will, und selbst wenn doch, man auch in der Praxis kompatibel zueinander sein muss.

Mal ganz davon abgesehen, dass manche Menschen bisweilen auch einfach nur das sagen, was sie denken, dass der andere hören will. Eben gerade um den anderen nicht vorschnell zu verscheuchen und sich dann wundern, warum der dann "plötzlich", "wie aus heiterem Himmel", auf Distanz geht, wenn er merkt,  dass die Bekundungen nichts weiter als Lippenbekenntnisse waren.
Und genau dazu rät unser "Experte" doch, wenn ich das "bestimmte Situation meistern" oder aber auch den in der Fußnote zu dem "Video" zu findenden Satz "Du kannst das auch - einfach, indem Du diese Strategie kopierst! " richtig interpretiere.

Geht es eigentlich nur mir so, dass ich bisher immer dem "Irrglauben" aufgesessen bin, dass Ehrlichkeit eine der wichtigsten Grundlagen für eine Beziehung darstellt?
So kann man sich irren!

Auch spricht daraus wieder die Auffassung, dass jede Beziehung, die nicht zu einer (lebenslangen) Bindung führt, vertane Zeit wäre.
Okay,  diese Angebote der "Dating-Advises" und der Autor/Liebesberater stammen ursprüngliche aus den USA und da ticken die Uhren und die Menschen ja bekanntlich ein wenig anders,  oder wenigstens wird das dort als Mainstream verkauft.
Aber, ich kann mir nicht vorstellen, dass dort nicht auch, wie auch bei uns in Europa Leute gibt, die sich schlicht in einer Beziehung eine schöne Zeit machen wollen, ohne Druck, dass es nun wirklich für immer sein muss.

Nochmal kostenlose Lebensberatung:
Vielleicht ist es ja gerade dieser Druck, den man sich selber macht, und der dann auch in allem was man tut und sagt unterschwellig in der (potentiellen) Beziehung mischwingt, der eben am Ende zum "plötzlichen Beziehungstod" führt oder gar verhindert, dass es überhaupt zu einer irgendwie gearteten Beziehung kommt.

Außerdem, eine Verbindung, die nur eine bestimmte Zeit dauert, sei es, dass man erst spät erkennt, dass man nicht zusammen passt, oder auch nur, weil man sich mit der Zeit auseinandergelebt oder vielmehr in unterschiedliche Richtungen weiter entwickelt hat, ist doch keine verschwendete Zeit! Es war schön, so lange es gedauert hat, oder etwas nicht?

Apropos, Ehrlichkeit:

Da offeriert der Dating-Experte als Anreizer für sein EBook solche Sätze wie:
"Wie du emotionale "Hebel" benutzt, die einen Mann dazu bringen, sich in die zu Verlieben"
 und
"Ein Weg, einen Mann wissen zu lassen, dass du "Wählerisch" bist und er dadurch doppelt soviel tun wird, um Deine Aufmerksamkeit zu bekommen"
Schiebt aber genau nach diesem letzten Zitat noch in Klammern hinterher:
"(das ist das wirkliche Geheimnis, einen Mann dazu zu bringen, auf Dauer für Dich Liebe zu empfinden - ohne jegliche Manipulation oder "Psychotricks"). S.51"
(Hervorhebung durch mich).
Halten wir mal fest:
Frau soll die "Strategie kopieren", "emotionale Hebel ansetzen", "ihn" dazu zu bringen, sich in sie zu verlieben und sich als "nicht leicht zu haben" darstellen (obwohl sie ja anscheinend alles für "den Traumprinzen" geben würde, nur eben laut Mr. Date-Doctor, nicht das richtige), um so einen (den!) Mann "für immer an sich zu binden", und das ist natürlich keine Manipulation.

Sorry, aber wen will der da verarschen?

Mal davon abgesehen, dass es keine
"simple 3-Schritte Methode, um zu verstehen, wie sich der Mann fühlt und was ihn dazu bringt, sich mit jedem Schritt des Zusammenkommens Dir näher zu fühlen."
geben kann, weil Männer, genauso wie Frauen, individuell so verschieden sind, dass kein Patentrezept existieren kann, sehe ich hier eher eine simple Methode, den Partner, einerlei ob Mann oder Frau, dermaßen zu verärgern, wenn er nämlich dahinter kommt, dass er manipuliert und in die Falle gelockt wurde, dass ich zumindest eine solche Beziehung sofort beenden würde. Dankbar wäre ich auf jedenfall nicht!
Wenn ich eins nicht leiden kann, dann wenn man Menschen manipuliert oder sie auch nur dazu anhält andere Menschen zu manipulieren.

Ich kenne solche Beziehungen, wo genau das geschieht, und warte darauf, wann (nicht dass!) es da knallt. 
Ich kenne auch Menschen, die ihre Vorstellung von Erfüllung und Partnerschaft auf diesem Endziel "Meins!" aufgebaut haben, und da auch welche, die dazu über Leichen gegangen sind und um die Beziehung auch aufrecht zu erhalten, immer noch über Leichen gehen ( zerstörten Freundschaften und Arbeitsverhältnisse, Kontrolle aller Sozialkontakte des Liebsten, manipulativ gestreute Lügen bis hin zu fingierten Stalker-Übergriffen zum Zwecke der Isolierung des "Traumprinzen", Münchhausen-Syndrom um sich seine Liebe und Aufmerksamkeit zu sichern und Kindern, die nur gezeugt wurden, damit der Kerl nicht doch noch abhaut) und kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass unter solchen Umständen irgendeiner der Beteiligten wirklich glücklich ist.

Das ist keine Liebe, das grenzt an Freiheitsberaubung! Zumindest spricht daraus eine gehörige Portion Besitzdenken und die gehört, meiner Meinung nach, nicht zu einer ehrlichen und aufrichtigen Beziehung, ob nun für immer, oder nur auf Zeit, ob nun monogam oder offen.


Aber anscheinend existiert ja ein Bedürfnis nach Anleitung, dass befriedig werden will und ich will gar nicht wissen, wie viele Frauen das "Supersonderangebot" ( knapp 30.- € + monatlich 10.- € für das Interview-Abo) in Anspruch genommen haben.

Lebensberatung boomt ja generell. Jeder will schön, erfolgreich und glücklich sein, kurz, sein Leben von Grund auf ändern und da die Erwartungen so hoch gesteckt sind, dass man denkt, sie aus eigener Kraft nie erreichen zu können (wie war das, Druck blockiert?) braucht man eben Anleitung.
Literatur zu dem Thema verkauft sich wie geschnittenens Brot, Seminare, Kurse und Vorträge sind meist ausgebucht. Dabei wird von Seiten der Konsumenten leider viel zu wenig Wert darauf gelegt, wer denn da als Autor, Referent oder Seminarleiter  fungiert und ob derjenige auch über die nötigen Referenzen verfügt. Ob nun Bäckermeister oder ehemaliger Sportreporter, jeder, der sich berufen fühlt und über minimalste Kenntnisse in Marketing- und Psycho-Strategien verfügt, kann zum Lebensberater avancieren und findet bestimmt ein geneigtes Publikum.
Wenn die Strategie greift,weil der Advisor seine Hausaufgaben gemacht hat, wird dann auch kaum noch hinfragt, dann kleben die Kunden nur an den Lippen ihres "Retters" und wollen von Kritik meistens nichts mehr wissen. Es handelt sich also um einen sehr lukrativen Markt.  
Schakka du schaffst es!
Hier also mal Liebesberatung made in USA.

Wem beim Lesen dieses Beitrages übrigens der Film "Hitch"in den Sinn gekommen ist, der liegt gar nicht so falsch.
Das Angebot, welches ich hier auseinander nehme, stammt nämlich, wie meine Recherche ergab, genau aus diesem Bereich der Lebensberatung, im Fachjargon auch PUA-Training (PUA kurz für Pickup), Dating-Advisory oder ähnlich genannt und entstammt der sogenanten Pickup- bzw. Seduction-Szene.

Dabei geht es darum, durch Anwendung verschiedenster Techniken und Erkenntnisse, unter anderem aus Soziologie, Psychologie, Neurolingualer Programmierung (NLP) und nicht zuletzt Persuasive Kommunikation zu einem möglichst erfolgreich Pickup-Artist, einem Aufreizer, Abschlepper zu werden.

Ganz wie in Hitch, der Date-Doktor Alex „Hitch“ Hitchens alias Will Smith sagt:
"Egal wie, egal wann, egal wer: Jeder Mann hat die Chance, eine Frau von den Füßen zu fegen - vorausgesetzt, er hat den richtigen Besen."
Und da man anscheinend aufgrund von Rollenklischees von der Auffassung ausgeht, dass Frauen im Gegensatz zu Männern weniger Wert auf eine möglichst hohe "Abschussrate" legen, als vielmehr auf eine langfristige Bindung, tauchen eben in diesem, auf das weibliche Geschlecht ausgelegten, Angebot so oft Termini wie "Traumprinz", "gute Männer" und dergleichen unter dem besonderen Aspekt des "Keep him!" auf. Mit bedeutendem Schwerpunkt auf  ein unterschwelliges "Jetzt oder nie!" um den Kaufdruck zu erhöhen.

Mein Tipp:
Guckt euch lieber "Hitch" an. Die Ratschläge sind in etwa qualitativ gleichwertig, im Gegensatz zu dieser Werbeseite, liefert er auch gleich praktische Lösungen an, es gibt noch was zum Lachen und der Genuss des Films ist auch um einiges preiswerter als das offerierte EBook + Abo.
Und das Happy-End wird auch gleich mitgeliefert.



Achso, bevor ich das vergesse:
Noch ein Zitat aus besagtem Film "Hitch":
"Das ist kein schlechter Zeitpunkt für sie, sie braucht keinen Freiraum, sie mag sich auf ihre Karriere konzentrieren. Aber was sie damit sagen will ist: 'Rück mir von der Pelle - sofort' oder möglicherweise 'Streng dich etwas mehr an, du Mäuschen'."
Da ist mir echt die Spucke weggeblieben und das Lachen vergangen, obwohl es sich ja bloß um eine Kino-Komödie made in Hollywood handelte.

Liebe Leute, Männer, wie auch Frauen!
Wenn jemand sagt, er hat keinen Bock, keine Zeit oder keine Lust auf euch oder eine Beziehung, dann geht davon aus, dass er es auch so meint, auch wenn euer Trainer, Lebensberater oder Guru etwas anderes sagt oder schreibt.

Ein "Nein!" egal von einer Frau oder einem Mann ist immer als solches zu verstehen und zu respektieren!

Und an die Damen und auch wenigen Herren, die gern das eine sagen und das andere meinen, mein Rat:
Hört auf mit dem Mist und hört bloß nicht auf Ratgeber, die euch den Tip geben, so zu handeln.
Ihr begünstigt damit eine eine fatale Art von Fehl-Interpretation, die leider ohnehin schon zu verbreitet ist und mitunter böse Folgen haben kann!

Samstag, 8. August 2009

Religöses Empfinden der Eltern contra Schulpflicht (Entscheid des BVerfG)

Als ich vorgestern nach den Tagesnachrichten schaute, sprang mir direkt die Meldung entgegen Urteil:
Grundsatzurteil in Karlsruhe - Sexualkunde ist Pflicht

Soweit so schön, dachte ich, gut dass das mal, angesichts steigender Zahlen von Teenagerschwangerschaften, jemand amtlich gemacht hat, war jedoch neugierig, was das Bundesverfassungsgericht denn nun bewogen hat, sich überhaupt mit der Thematik zu befassen.

Vorweg:
Es geht schon mal nicht generell um Sexualkunde, sondern darum, in wie weit religiöse Konflikte der Eltern Auswirkungen haben dürfen auf ihre Verantwortung, der Schulpflicht ihrer Kinder, also einem Teil der elterlichen Sorgfaltspflicht, zu entsprechen.

Wie dem verlinkten Artikel zu entnehmen ist, haben die Eltern zweier, damals, 2007, neun und acht Jahre alter Grundschüler, es für angebracht gehalten, sie von zwei schulischen Veranstaltungen, einmal einer Fastnacht-Feier und einmal einem Theaterprojektes, bei dem es, unter dem Titel "Mein Körper gehört mir", um Prävention bezüglich Kindesmissbrauch ging, fernzuhalten und hatten dafür ein Bußgeld aufgebrummt bekommen. Sie klagten dagegen vor dem Amtsgericht Paderborn und nach abschlägigem Urteil, wurde die Sache weiter zum Oberlandesgericht Hamm geleitet, dass der Klage ebenfalls nicht statt gab. Also legten sie Verfassungsbeschwerde ein.

Was mir allerdings die Sprache verschlug, war die Begründung, die man am besten an der Quelle, also in der Entscheidung des BVerfG unter dem Aktenzeichen 1 BvR 1358/09 nachliest.
Da heißt es, unter anderem:

"Die staatliche Schule sei zur Neutralität und Toleranz verpflichtet. Diese Pflicht sei verletzt, wenn Kinder gezwungen würden, an einer katholischen Fastnachtsveranstaltung teilzunehmen. Fastnacht sei ein katholisches Fest. Es werde heute so gefeiert, dass Katholiken sich vor der Fastenzeit Ess- und Trinkgelagen hingäben, sich maskierten und meist völlig enthemmt - befreit von jeglicher Moral - wie Narren benähmen. In dieser Weise werde Fastnacht auch an der Grundschule gefeiert."

und hinsichtlich des Theaterprojektes:

"Das Theaterprojekt „Mein Körper gehört mir“ basiere auf einer absolut einseitigen emanzipatorischen Sexualerziehung. Sie vermittele den Kindern, dass sie über ihre Sexualität allein zu bestimmen hätten. Ihr einziger Ratgeber, der sie niemals täusche, sei danach ihr Gefühl. Dieses trete an die Stelle elterlicher Erziehung. Damit werde auch das Wohl der Kinder gefährdet, weil diese mit der vermeintlichen Freiheit überfordert seien. Ihr, der Beschwerdeführer, Gewissen verbiete es, ihre Kinder einer solch unguten Erziehung auszusetzen, die Gottes gute Gebote zur Sexualität aufhebe und Kinder zu sexuellen Handlungen animiere bis hin zur Pädophilie."


Sie beriefen sich dabei auf eine Verletzung der im Grundgesetz festgelegten Grundrechte:

Art 4
1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.
(2) Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet..

Art 6

(2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht.
und
Art 103
(1) Vor Gericht hat jedermann Anspruch auf rechtliches Gehör.

Soweit zu der juristischen Seite der Angelegenheit, wobei mir schleierhaft ist, warum sie auch Art 103 GG anführten, denn gehört worden waren sie ja, nur die Urteile fiel eben nicht in ihrem Sinne aus...


Nun bin ich aber kein Jurist, sondern in erster Linie mal Privatperson und selbst Mutter zweier Kinder und als solche bin ich doch ziemlich erschüttert darüber, mit welchem Weltbild manche Leute ihre Kinder großziehen.

Sicher, es steht Eltern frei, ihre Kinder in ihrem Sinne zu erziehen, wie ihnen auch der Art. 6 GG zugesteht, aber, so denke ich, die Eltern der beiden Kinder haben sich schon aus gutem Grund nur auf Satz 1 dieses Artikels berufen, denn dort steht im zweiten Satz nämlich auch "Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft"[sic] und das ist für mich in erster Linie mal nicht der Staat als Organ, sondern sondern wir alle.

Wenn man sich denn schon, hinsichtlich Kindererziehung, auf das Grundgesetz beruft, so denke ich, sollte an erster Stelle überhaupt der Artikel 2 GG zum Zuge kommen:
(1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.
(2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.

Gerade da sehe ich persönlich als Elternteil von Seiten der Eltern eine grobe Nachlässigkeit.
Denn, ich für meinen Teil denke, Ziel der elterlichen Fürsorge sollte doch eigentlich sein, seine Kinder zu körperlich und geistig gesunden, selbständigen Menschen werden zu lassen.

Ich meine, in dem besonderen Fall ging es doch um Grundschulveranstaltungen, eine Karnevalsfeier und ein Projekt, welches die Selbstbehauptung von Kindern, besonders in Hinblick auf möglichen Missbrauch, stärken sollte, und ich denke, dies wird schon kind- und altersgerecht gestaltet worden sein.
Wie das jedoch rüber kommt, könnte man denken, es hätte sich einerseits um Orgien Richtung Sodom und Gomorrha, andererseits um einen Aufruf zur sexuellen Freizügigkeit gehandelt.

Sicher, ich bin der letzte, der die Religionsfreiheit beschnitten sehen möchte, aber darf denn die Freiheit des Glaubens über den Menschenrechten stehen?
Und auch, wenn mir klar ist, dass man seinen Glauben nicht mal eben am Schultor abgeben kann, so hat die jeweilige religiöse Ausrichtung, meiner Meinung, nach in der öffentlichen Schule nur einen rein marginalen Stellenwert einzunehmen.

Haben denn Kinder nicht auch das Recht, Spaß zu haben, ausgelassen zu sein oder eben "Nein!" zu sagen, wenn mal wieder Verwandte, Bekannte oder sonst wer, und seien es auch die eigenen Eltern, sie ungefragt antatschen und dazu gehört für mich auch ein ungefragtes Knuddeln oder Abknutschen und sei es noch so nett gemeint.
Kinder, die verinnerlicht haben, dass sie bestimmen dürfen, wann und mit wem sie körperliche Nähe wollen, werden mit Sicherheit weit aus seltener willige Opfer von "netten Onkeln". Meine Meinung!

Viel schlimmer jedoch empfinde ich das Weltbild, dass hinter einem solchen Handeln stehen muss.
Wie muss es in Menschen aussehen, die Präventionsmaßnahmen gegen Kindesmissbrauch gerade als Animation zu sexuellen Handlungen bis hin zur Pädophilie deuten?

Wie muss es in ihnen aussehen, wenn ein harmloses Karnelvalsvergnügen für Grundschüler(!) als Orgie verteufelt wird.
(Nebenbei: 99,9% der Leute, die Karneval feiern, interessiert es herzlich wenig, dass da der Beginn der katholischen Fastenzeit eingeläutet wird. In erster Linie ist das regionales Brauchtum!)

Zumal in dem Fall die Schule ja auch, für Karnevalsmuffel Alternativprogramme, Sport und Schwimmen, anbot.

Wir sind ja hier auch ein Karnevals-Verweigerer-Haufen und das als Rheinländer, und ich persönlich finde es ziemlich bescheuert, wie sich manche an den Tagen aufführen, derweil sie die restlichen Tage im Jahr in ihrem Spießertum vor sich hin dümpeln, aber, liebe Güte, ich lass ihnen ihren Spaß und wenn ich gerade Lust bekomme, dann lasse ich an den Tagen auch mal die Puppen tanzen, ganz harmlos, weil ich mir eben die restliche Zeit auch nichts verkneifen muss.

Auch Kinder haben ein Recht auf ihr Quantum an Spaß und Ausgelassenheit.
Und sie haben auch schon ein Recht auf ihre sexuelle Selbstbestimmung. Und wenn man sie in einem gesunden Umfeld groß werden lässt und ihnen ein ebenso gesundes Maß von beidem zugesteht, dann werden sie auch lernen, wie man damit verantwortungsbewusst umgeht.

Tabuisiert man solche Dinge jedoch, verteufelt sie sogar, so meine Meinung, so besteht die Möglichkeit, dass die kindliche Entwicklung Schaden nimmt und sie zu verklemmten, gehemmten Erwachsenen werden.

Und eben darin liegt auch die elterliche Sorgfaltspflicht, genau dieses zu vermeiden.

Und die Grundrechte gelten schließlich für alle, auch, in besonderem Maße, für Kinder.

Eltern mögen ihre Kinder vor allem schützen wollen, keine Frage, aber wer schützt Kinder vor ihren Eltern?


Weiterführende Links:

FOCUS - Urteil: Kinder müssen trotz religiöser Bedenken zum Sexualkunde-Unterricht

SZON - Karlsruhe lehnt Befreiung von Sexualkunde ab

BVerfG: Eltern haben auch bei Konflikten aus religiösen Gründen Verantwortung für die Einhaltung der Schulpflicht

N24 - Urteil: Auch Sexualunterricht ist Pflicht

Idea - Schulpflicht hat Vorrang vor religiösen Bedenken

Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland

Montag, 1. Juni 2009

Noch einmal ZensUrsula und die Internetsperren

Erdwurzelchen hat einen wirklich sehr lesenswerten Artikel über das Thema Internetsperren, wie sie von Ursula von der Leyen geplant sind, verfasst, aus dem ich mir zuerst einmal die zwei Videos mopse.

Das erste erklärt wirklich auf eine sehr einfach verständliche Art, um was es sich eigentlich bei diesen DNS-Sperren handelt und warum sie völlig sinnlos sind.


Original-Quelle

Dem Erschaffer dieses Videos, Florian, an dieser Stelle einen herzlichen Dank für sein Video.

Wie man sieht, kann man im Prinzip auch mit Stoppseiten versehene Webpages weiterhin aufrufen, wenn man, um bei dem Beispiel zu bleiben, einfach statt der "Adresse" (DNS, Hostname, URL ) nur die "Hausnummer" (IP-Adresse). (Wenn ich es so erkläre, verstehen es wieder nur die Leute, die sowieso schon Ahnung von der Materie haben, darum finde ich das Video ja so klasse!)

Das zweite Video des NDR vom 20.05.09 geht noch einmal näher auf die Thematik ein.



Wie man diesem Beitrag entnehmen kann, wäre es also ein leichtes, die fraglichen Seiten kinderpornografischen Inhalts einfach aus dem Netz zu nehmen und ihre Betreiber ihrer rechtmäßigen Strafe zu zu führen. Dazu möchte ich auch den Artikel "Und es funktioniert doch: Kinderpornografie - Löschen statt sperren" von Catalin Voss anführen. Löschen geht also sehr schnell und unbürokratisch.

Nebenbei empfinde ich die Äußerung des Herrn von Guttenberg, die auch hier dokumentiert wird, immer noch, gelinde gesagt, als unreflektierte Frechheit. Sie impliziert, dass, wer sich gegen den Gesetzentwurf stellt, Dreck am Stecken haben müsste. Und so wird auch von anderen Befürwortern argumentiert. Nicht sachlich sondern per argumentum ad personam.

Wie ich bereits in meinem früheren Beitrag zu Bedenken gab, und wie es auch Erdwurzelchen tut, stelle ich mir also die Frage, wieso Frau von der Leyen eben nicht diesen Weg geht und warum sie, trotz der berechtigten Warnungen und Gegenargumenten von Fachleuten, aber auch Missbrauchsopfern selber, wie Christian Bahls von MOGIS, so vehement an ihrem völlig unwirksamen Konzept der Stoppseiten, inklusive der Verfolgung von zufällig "Vorbeireisenden" festhält? Immerhin räumt sie nun schon ein, das der Gesetzentwurf verbesserungswürdig ist. So plant sie nun eine unabhängiges(?) Gremium, welches Einsicht in die vom BKA geführten Listen der geblockten Seiten haben soll.
Auf gut deutsch:
Die Ministerin möchte zwar immer noch die Existenz von KiPo-Seiten unter den Teppich kehren, anstatt sie zu bekämpfen, aber nun sollen einige Auserwählte wenigstens unter den Teppich gucken dürfen.

Bei der Beantwortung dieser Frage, dürfte wohl der von Erdwurzelchen herangezogenene Artikel "Die religiöse Härte hinter dem Lächeln" etwas Licht ins Dunkel bringen.
Ich habe dann auch ein wenig recherchiert und bin dabei auf einen Beitrag und ein darin verlinktes Video auf Oldblog gestoßen.


Es zeigt eine Rede Frau von der Leyens vor der evangelischen Akademie Tutzing am 19.5.09.

Was macht die Frau da?

Erst benutzt sie das Thema KiPo als Aufreißer, um dann noch den,so medienwirksamen, Amoklauf von Winenden in die Erinnerung zu bringen.
Interessant jedoch ist, was sie über die Ohnmacht der "Alten" in Bezug auf die fehlende Kompetenz im Gegensatz zu der Generation der 15- bis 30-Jährigen sagt. (Nebenbei, ich bin 42 und fühle mich nicht ohnmächtig und wie man anhand des netten DNS-Videos von Florian sieht, man kann es auch als ältere oder nicht kompetente Person noch begreifen. Es ist eben nur eine Frage des Engagements und wie es vermittelt wird!)
Und dann kommt sie endlich zum Kern der Sache.
Sie spricht von den guten alten Prinzipien des Grundgesetzes und von der Schaffung einer Atmosphäre, in der eben jene, die diese Kompetenz besitzen, "Zivilcourage" beweisen.
Was danach kommt mit "eine Stelle im Browser, die man anklicken kann, wo auch jemand reagiert..." ist ziemlich wirr und beweist entweder eben wieder, dass die Frau keine Ahnung hat von was sie da spricht, denn es gibt bereits genug Stellen, wo man Seiten die gegen geltendes Recht verstoßen melden kann, z.B. Naiin, aber auch die Webpräsenzen der einzelnen Landeskriminalämter, oder aber, sie möchte die Anzeigen gezielt an eine andere Stelle, sei es das BKA oder eine noch einzurichtende Institution weitergeleitet wissen.

Wohl gemerkt, im Gegensatz zu der bisherigen Praxis, dass die Polizei nur nach richterlicher Prüfung und Ermächtigung handeln darf, sieht der Gesetzentwurf der Bundesfamilienministerin ja vor,dass das BKA eben ohne eine solche, quasi auf bloßen Zuruf, tätig werden dürfte.

Hinzu kommt, das die Dame mir zu oft die Vokabel "Werte" in den Mund nimmt.

Dazu möchte ich, wie schon der Telepolis-Artikel, einmal mehr sie selbst zitieren:
"Es sind die Werte, auf denen eigentlich unsere gesamte Kultur basiert, die christlichen Werte. Man kann sie auch in ganz moderne Formen fassen: Das sind Dinge wie Aufrichtigkeit, Vertrauen, Verlässlichkeit, Rücksicht, Respekt, der Wert, dass jeder Mensch einzigartig ist. Also zum Beispiel im Kindergarten, dass das kleine behinderte Kind, das nicht so gut malen oder basteln kann, einzigartig ist in seinen Fähigkeiten, das sind Dinge, die werden schon ganz früh im Kindesalter gelegt und da wollen wir heute mit den beiden großen Kirchen einen Auftakt starten." Quelle: Rückbesinnung auf christliche Werte? vom 20.04.2006

Wer meinen Blog verfolgt und/oder mich kennt weiß, dass ich nichts von Christhunt halte, aber, liebe Leute, erstens sollten wir hier in Deutschland eigentlich, wenn auch nur der Form halber, eine Trennung von Staat und Kirche haben und zweitens, fallen mir gerade in Bezug auf das Thema Internetsperren, (vorgeschobenen) Jugendschutz und christliche Werte gleich eine Reihe von Inhalten ein, bei denen man streiten könnte, ob es sich dabei nun wirklich um verwerfliche Themen handelt. Immerhin ist auch die Homosexualität in den Augen der Amtskirchen eine, den christlichen Werten entgegenstehende, Sünde. Genau wie Häresie, Magick, Atheismus, Polytheismus etc. p.p.

Darf ich dann davon ausgehen, dass ich irgendwann auch vor z.B. unserem Forum stehe und auf eine Stoppseite schaue?
Oder auch beim Aufrufen einer Adresse eines Schwulen- und Lesben-Verbandes?
Weil ja die Kinder und Jugendlichen vor solcherlei unchristlichen Umtrieben geschützt werden müssen?
Ich komme also zu dem gleichen Ergebnis wie Erdwurzelchen.

Immerhin existieren ja heute schon Organisationen, wie Deutsche Vereinigung für eine Christliche Kultur (DVCK) e.V., die unter dem Titel "Kinder in Gefahr" so ziemlich gegen alles wettern, was irgendwie nicht in ihr Weltbild passt.
Ein paar Perlen dieses Vereins auf Youtube gefällig?



Ich frage mich ja immer noch was "professoinelle Homosexuelle" sind...
Weitere findet man auf dem Kanals des Vereins.
Ja, und Kritik wird dann so abgebügelt:



Zugegeben, auf YouTube laufen jetzt nicht unbedingt nur Intellektuelle herum und die Kommentare lassen generell manchmal sachliche Argumete vermissen, aber dass man sich generell als assozial, radikal und antidemokratisch beschimpfen lassen muss, weil man mit der Meinung dieses Vereins nicht konform geht, geht entschieden zu weit (achso, wo der Mann so nett fragte, wie sich Homophobie äußert, z.B. schon dadurch, dass man noch nicht einmal in der Lage ist, das Wort "Homo"(mit h am Anfang, nicht mit o!) richtig auszuspechen. Meine Güte, ich möchte ihm immer zurufen: "Mann, Alter, dann sag' doch "schwul"!"
Auch bezeichnend, wenn man einmal über die Beiträge dieses Vereins schaut, dass dort, analog zur, aus der rechten Szene bekannten jüdisch-bolschewistischen Weltverschwörung, eine ebensolche homo-bolschewistische WVT beschworen wird...sind das dann vielleicht diese ominösen professionellen Homosexuellen?
Spaß beiseite, soweit er überhaupt aufkommen kann.
Ich denke, Vereine wie DVCK, wären nur zu gerne bereit, gemäß des Aufrufes Frau von der Leyens, Zivilcourage zu beweisen, um Kinder und Jugendliche vor, nicht mit den christlichen Werten konform gehenden, Inhalten zu schützen. Dann würde man wohl bald auch auf der Homepage der Bravo von einem Stopp-Schild begrüßt.

Und wer jetzt meint, dass solche christlich-fundamentalistischen Gruppierungen keine Macht auf die Politik ausüben könnten, sollte einmal seinen Blick nach Down Under wenden. Dort gibt es bereits Internetsperren, ähnlich deren, die Zusursula plant und dort ist es bereits soweit, dass Fundamentalisten eben gerade dies tun.
Siehe hier zu: "Born-again Christians betrayed by Aussie politicians ".

Um zum Abschluss noch einmal auf die, von von der Leyen beschworenen, guten alten Prinzipien des Grundgesetzes zurück zu kommen, sie sollte sich noch einmal ganz genau die darin befindlichen Grundrechte durchlesen, speziell die Artikel 1 bis 5 und auch intelektuell verstehen lernen.

Artikel 1

(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.

(3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.

Artikel 2

(1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.

(2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.

Artikel 3

(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Artikel 4

(1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.

(2) Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.

(3) Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden. Das Nähere regelt ein Bundesgesetz.

Artikel 5

(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.

(3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.


Auch sollte sich Frau von der Leyen vielleicht einmal näher mit dem Artikel 140 GG befassen.


Das Grundgesetz findet man hier oder hier und sollte nicht damit verwechselt werden. Ersteres betrifft jeden Bürger (und Wähler), letzteres ist zwar auch recht interessant, dürfte allerdings für ca. 30% bis 40% aller Deutschen eher weniger Maß aller Dinge sein.
Dazu empfehle ich einfach mal den Wiki-Artikel "Religionen in Deutschland".

In diesem Sinne, wünsche ich euch, ganz ohne Hintergedanken, ein schönes Pfingstwochenende.

Dienstag, 28. April 2009

Antisemitismus - Ursprung und Definitionsversuch

Was ist Antisemitismus und wo beginnt er?

Ich denke, schon dort, wo man von "Den Juden" oder "Dem Jüdischen Volk" außerhalb des religiösem Kontextes spricht.

Damit beraubt man diese Menschen nämlich schon ihrem Status als Staatsbürger ihres jeweiligen Heimatlandes und reduziert sie auf die wahrscheinlich einzige Gemeinsamkeit, nämliche ihre Religion.

Natürlich hat eine gemeinsame Religion auch immer etwas mit kulturellem Hintergrund zu tun, allerdings ist die Frage, in wie weit sie denn wirklich von dem des Heimatlandes zu trennen ist?
Kann man die Kultur eines Landes oder einer Region überhaupt unabhängig von dessen Einwohnerschaft sehen?
Kultur kommt immer von den Menschen, die diese tragen und wächst nicht an Bäumen oder quillt aus dem Boden.



Beispiel Holocaust:
Die Nazis ermordeten aus ideologischem und politischem Kalkül heraus, neben vielen anderen missliebigen Menschen, sei dies nun in deren religiöser, kultureller, politischer und auch sozialer (asozial kann jeder sein, der sich nicht dem herrschenden sozialen Standard entsprechend verhielt) Ausrichtung begründet, nicht 6. Mio. Juden, sie brachten in erster Linie zusätzlich* 6. Mio. Staatsbürger des eigenen Landes und aller angeschlossenen, besetzten und eroberten Gebiete auf Grund ihres jüdischen Glaubens um.
(Übrigens zählt man auch die ermordeten Sinti und Roma zu den Holocaustopfern, allerdings werden sie meist einfach vergessen...)

Es macht, meines Erachtens, einen gehöriger Unterschied, denn wenn man es in dieser Form ausdrückt, wird doch dadurch vielleicht einmal wirklich klar, dass die "Endlösung der Judenfrage" zwar ein Völkermord war, aber in erster Linie auch am eigenen, deutschen Volk!
Die Distanz, der Sicherheitsabstand, fällt bei dieser Formulierung unter den Tisch.


Wichtig, so denke ich, ist zu wissen, dass der Begriff "Antisemitismus", wie er damals und heute noch praktiziert wird, seine Wurzeln in der zweiten Hälfte des 19. Jh findet, als im Rahmen der aufkommenden, pseudowissenschaftlichen Begründbarkeit der Rassenideologie dieser Begriff für den häufig anzutreffenden Judenhass geprägt wurde und die Bezeichnung "Semiten" zu einem Rassenbegriff verkam.

Nur, der Semitismus selber wurde schon im 18. Jh. lediglich als Kategorisierung für alle Angehörigender semitischen Sprachfamilie kreiert, nicht zuletzt, um sie von der indogermanischen Sprachfamilie abzugrenzen und schließt, wenn er sich auch von Noahs Sohn Sem ableitet, alle Völker der Bibel, also alle im früheren Mesopotanien und darüberhinaus ansässigen Völkergruppen ein.
Die größte noch heute existierende semitische Sprachegruppe ist übrigens Arabisch!

So müsste sich, erstens, strenggenommen, Anti-semitismus gegen alle Angehörigen dieser Sprachgruppe wenden, auch und nicht zuletzt gegen viele, heute moslemischen Menschen, die, paradox, zum Teil ihrerseits nur zu gern dem Antisemitismus fröhnen, zweitens, dürfte es sich bei einer Vielzahl von Angehörigen des jüdischen Glaubens nicht einmal mehr ansatzweise um Semiten handeln.
Bei Semitismus handelt sich also um eine Sprachzugehörigkeit und keinesfalls eine Rassenklassifizierung (muss ich noch ausdrücklich erwähnen, dass es keine Menschenrassen gibt?) Diese wurde ihm eben erst nachträglich angedichtet.
Soviel zur Begriffserklärung.

Da sich aber nun der Begriff Antisemitismus für Antijudaismus und Judenhass eingebürgert hat, unterteilt man ihn zur weiteren Spezifizierung dann in historischen, religiösen, politischen oder psycho-sozialen Erscheinungsformen, jeweils unter zusätzlicher Adjektivierungen, wie christlich, völkisch, rassistisch, sekundär, latent, islamisch oder antizionistisch, je nach dem zeitlichen oder ideologisch begründeten Kontext und der diesbezüglichen Motivation.

Und das ist auch wichtig, denn täte man dies nicht, so liefe man Gefahr, genau die angeblich historische Begründbarkeit des Antisemitismus herbeizureden, welche zum Beispiel die Nationalsozialisten als Alibi nutzten und Antisemiten bis heute nutzen. Auch darf man nie vergessen, dass Antisemitismus kein alleiniges Erscheinungsbild der Rechten Szene ist, sondern durchaus übergreifend und unabhängig von Politik und Ideologie funktioniert.

Im Grunde war, und ist, der einzige gemeinsame Nenner des Judenhasses darin begründet, dass es sich bei dieser religiösen Gruppe um eine, sich nicht durch äußere Einflüsse von ihrem Glauben abzubringende, Minderheit handelt.

So fußt auch die antike Judenverfolgung eben darin, dass das Judentum sich dem, zu dieser Zeit, stark verbreiteten Synkretismus in Bezug auf die Übernahme der Götter der herrschenden Volksgruppe widersetzten.
Einfach ausgedrückt, für die Juden gab es immer nur einen, ihren Gott und einen, ihren Glauben und dies machte sie in den Augen der Herrschenden verdächtig, da Götterkulte und Staatspolitik damals schon eng verwoben war.

So verboten z.B. die Römer den Juden, an denen sie sich die Zähne ausgebissen hatten, nach der Zerstörung des Tempels in Jerusalem, jede weiter Ansiedelung in der Stadt und hoben die damalige Teilautomie in ihrem eigenen Land, dass fürder hin "Palästina" genannt wurde, auf.

Dieses vehemente Festhalten an ihrem jüdischen Glauben und den damit verbundenen Bräuchen führte dann, neben dem Generalvorwurf, sie hätten Christus getötet (nebenbei, Rabbe Jeshua ben Jossof war Jude und wollte mit Sicherheit nie etwas anderes sein!) im Laufe der Zeit zu den im Mittelalter gebräuchlichen Restriktionen, wie Zwangstaufen, Pogromen und Ghettoisierung.
Zu letzerem möchte ich nochmals mit aller Deutlichkeit sagen, dass die weit verbreitete Annahme, die gerne auch antisemitische Alibifunktion erfüllt, die Juden wollten eben unter sich sein und hätten sich deshalb freiwillig separiert, schlicht irreführend, wenn nicht gar falsch ist.
Die gerne dazu als Argument herangezogenen עירוב (Eruv), innerhalb deren symbolischer Grenzen es auch strenggläubigen Juden erlaubt ist, am Sabbat eigentlich verbotene Tätigkeiten zu verrichten, rechtfertigt keineswegs eine gänzliche Trennung einer Religionsgemeinschaft von einer anderen.

Auch spielte aus christlicher Sicht immer auch die Idee eines Fluches oder einer Strafe Gottes eine Rolle, wodurch den Juden die messianische Botschaft verwehrt geblieben wäre.

Noch etwas zu dem immer wiederkehrenden Vorwurf, Juden wären geldgierige Wucherer.
Auch die Wurzeln dieses "Argumentes" finden sich in der Judenfeindlichkeit und sind eben nicht, wie immer gern behauptet wird, genau dafür ein Grund.
Christen war es verboten Zinsen zu nehmen, doch wer verleiht gerne Geld, ohne daran zu verdienen? Juden durften jedoch Zinsen nehmen, also, was lag da mehr auf der Hand, als dass sie sich eben diese Nische suchten?
Besonders wenn man dann noch berücksichtigt, dass ihnen die Aufnahme in die Handwerkszünfte verboten war, die Mitgliedschaft in einer Zunft aber zwingend erforderlich war, um ein Handwerk auszuüben.
Was jüdische Handwerker zwar wohl nicht daran hinderte, ein Handwerk zu erlernen und auszuüben, aber eben nur, wenn überhaupt, ohne die weitreichende soziale Absicherung durch eine Zunft, innerhalb ihrer religiösen Gemeinschaft! Ein Umstand, der wohl zur weiteren unfreiwilligen Trennung geführt haben dürfte.
Es dürfte in Bezug auf die vorwiegend christliche Klientel der Geldverleiher dann auch zu weiterem Hass auf "Die Juden" geführt haben, wenn man überlegt, wie schnell man sich Geld leiht, ohne sicher zu gehen, ob man es auch zurückzahlen kann. Und wer war dann Schuld? Natürlich nicht der ehrenwerte Schuldner, sondern der, auf die Rückzahlung pochende Kreditgeber!

Dass Geschäfte vom Vater auf den Sohn übergehen, und so zu Traditionsunternehmen werden, ist ja kultur-, landes- und religionsübergreifender Usus und bedarf, meiner Meinung nach, eigentlich keiner weiteren Erläuterung, genauso wenig, wie der Umstand, dass es Juden auch nur in den seltensten Fällen (abhängig meist von der Einstellung des jeweiligen Landesfürsten) gestattet war, eine christliche Schule oder Universität zu besuchen.

Wohlgemerkt, bis dahin, also etwas bis ins 18. Jh. war Judenverfolgung und Judenfeindlichkeit (die zum Teil bis zum Aberkennen der Staatszugehörigkeit führte!) noch hauptsächlich, wie im Altertum politisch, so im Mittelalter religös bedingt.
(Spanien bildet da aus dem geschichtlichen Kontext heraus zu verstehende Ausnahme, da die Spanischen Juden unter der maurischen Herrschaft ein vergleichsweise emanzipiertes Leben geführt hatten und somit im Rahmen der Reconquista nach deren Vertreibung unter Sippenhaft genommen wurden.)

Der Rassengedanke kam, wie bereits gesagt, erst im ausgehenen 18. Jh., verstärkt jedoch erst Mitte des 19.Jh. ins Spiel, als man sich einer, nicht zuletzt durch die Französischen Revolution ausgelöste, fortschreitende Emanzipation des Judentums konfrontiert sah.
Generell war es damals Mode die Menschheit in Rassen zu klassifizieren, und so wurde eben aus der religösen Gemeinschaft Judentum, die Rasse der Semiten.
(Und wer nun noch mit dem Argument für die Rassenidiotie in Bezug auf des Judentum mit dem Umstand kommt, dass nach den Gesetzen dieser Religion eben jeder von einer jüdischen Frau geborener Mensch automatisch Angehöriger der Jüdischen Gemeinschaft und somit Jude ist, dann möchte ich dem entgegen halten, dass es meines Wissens bisher nur möglich ist, zu einer Religion zu konvertieren, wie zum Beispiel dem Judentum, mir allerdings bisher noch nicht geläufig war, dass man auch die Volkszugehörigkeit (nicht die Staatsangehörigkeit!) wechseln kann. )

Und, wie man am, wahrscheinlichsten, Ursprung der im Artikel "Des Pudels Kern" behandelten "Protokolle der Weisen von Zion", nämlich, dem sich bereits mit dem aufkeimenden Bolschewismus konfrontierten, zaristischen Russland, erkennen kann, verwischen ab da auch die Grenzen zwischen religös, politisch und rassistisch motivierten Judenhass zu dem, was wir heute vielfach als antisemitischen Generalanklage finden.


Ich kann heute also durchaus die Politik des Staates Israel kritisieren. Warum auch nicht?

Problematisch wird es erst, wenn man die hier lebenden jüdischen Mitbürger dafür zur Verantwortung ziehen will. Bitte, was haben die denn damit zu tun? Oder amerikanische, französische, englische Juden?
Es wäre genauso meschugge, wenn ich einem Katholiken die Einstellung des Papstes vorwerfen würde (okay, der Vergleich hinkt, aber nur ein wenig...) oder Amerikanern irischer oder englischer Abstammung den Nordirlandkonflikt....auf so eine Idee kommt niemand, aber "Die Juden" stecken ja alle unter einem Hut.
Das ist Antisemitismus!

Krönung des antisemitischen und damit rassistischem Wahns ist es jedoch, wie in manchen, pseudodeutschen, Kreisen üblich, auch das Christentum als mosaische und damit fremdländische Religion zu definieren!
Nur weil etwas die gleichen Wurzeln hat, ist es noch lange nicht gleich und, bitte, mit seinem Entstehungsland hat das Christentum kulturell nun kaum noch etwas zu tun.
Außerdem würde dies bedeuten, dass man mal eben über den Daumen gepeilt 1500 Jahr, plus/minus ein paar Jahrhunderte, europäische und somit auch deutsche Geschichte und kulturelle Entwicklung zum Teufel schickt.
Und nicht zuletzt würde kaum jemand auf die Idee kommen, Millionen Christen ihre, rechtmäßige, Staatsangehörigkeit abzuerkennen, genauso wenig, wie es Sinn macht, dies mit Angehörigen des jüdischen Glaubens zu tun.
Glauben existiert nicht regional begrenzt, sondern wird getragen von denen, die diesen Glauben praktizieren.


Eins noch:

Wie, nicht zuletzt, das letzte Beispiel mit dem Christentum zeigt, muss man immer berücksichtigen, dass es sich dabei um , meist willkürliche, Gruppenbegriffe ( Juden, Christen, Moslems, Atheisten, Heiden, "Zigeuner", politisch Andersdenkende, Homosexuelle etc.) handelt, die zudem sehr variabel in der Definition sind. Jede, einem Regime oder anderen Vereinigungen missliebige Personengruppe kann so klassifiziert und konkret benannt werden.

Wenn man generell eine Verfolgung oder gar einen Genozid auf eine solche Klassifizierung reduziert, erweckt man dadurch einerseits den Eindruck einer geballten Gefahr, andererseits schafft man auch eine gewissen Distanz zu den Opfern.

So kann sich dann auch der, glücklichweise, (noch) unbeteidigte Dritte immer sagen:"Schlimm, ja, aber das betrifft mich nicht wirklich."

Jede Art der Diskriminierung beginnt genau da, wo man zuerst eine Gruppe sucht oder künstlich erschafft und ihr dann in verallgemeinernder Weise gewisse gruppenspezifischen Eigenschaften zuschreibt.
Dabei sind die Gründe zuerst einmal völlig irrelevant.
Das Ziel ist aber immer, den Menschen ihre Individualität zu nehmen und sie als Gruppe einer, wie auch gearteten, Wertung unterziehen zu können.

So kann man durchaus rassistische, antisemitische oder sexistische Einstellungen vertreten ohne sich selbst dessen bewusst zu sein. Irgendwann überlagern nämlich die Stereotypen die eigene Wahrnehmung und man denkt überhaupt nicht mehr darüber nach, ob sie denn so wirklich Bestand haben.




* So geht man nach bisherigen Erkenntnissen von einer Gesamtzahl von mindesstens 13 Mio. Menschen aus (neben eben den 6. Mio.Holocaust-Opfern, noch 3.3 Mio. sowjetische Kriegsgefangene + 1000.000 sowetische Zwangsarbeiter, 2.5 Mio. christlicher Polen, 500.000 Jugoslawen, 100.000 Tschechen, 100.000 hauptsächlich deutsche Euthanasie-Opfer und weitere 130.000 deutsche Staatsangehörige als aktive oder passive Widerständler, 1200 Zeugen Jehova und 5000 Homosexuelle), wobei man berücksichtigen muss, dass die tatsächliche Zahl noch höher liegen dürfte, und die deutschen und nicht-deutschen Opfer unmittelbarer Kriegshandlungen dabei noch außen vor sind.



Quellen und Literaturverweise:
Berent Schwineköper (Hrsg.): Gilden und Zünfte. Kaufmännische und Gewerbliche Genossenschaften im frühen und hohen Mittelalter. Jan Thorbecke Verlag, Sigmaringen 1985, ISBN 3-7995-6629-5.

Christina von Braun, Ludger Heid: Der ewige Judenhass; Studien zur Geistesgeschichte,Philo Verlagsgesellschaft, 2006;
ISBN 3-8257-0149-2

Jean Paul Sartre: Überlegungen zur Judenfrage. Rowohlt, Reinbek 1994, ISBN 3-499-13149-8

Theodor W. Adorno /Max Horkheimer: Elemente des Antisemitismus. In: Dialektik der Aufklärung: Philosophische Fragmente. Fischer TB-Verlag, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-596-50519-4

Gunnar Heinsohn: Was ist Antisemitismus? Der Ursprung von Monotheismus und Judenhaß, Eichborn 1988, ISBN 3-8218-0418-1

Rohrbacher, Stefan/Michael Schmidt, Judenbilder. Kulturgeschichte antijüdischer Mythen und antisemitischer Vorurteile, Reinbek 1991. ISBN-13: 978-3499554988

Derek William Lomax: Die Reconquista. Die Wiedereroberung Spaniens durch das Christentum, Heyne Verlag, München 1980. ISBN 3-453-48067-8

Torsten Ripper: Vom Vorurteil zur Vernichtung. Hitler und die „Endlösung der Judenfrage“. , Wochenschau-Verlag, Schwalbach/Taunus 2001, ISBN 3879204705

Weiterführende Links:
Semitische Sprachen auf Wikipedia

Synkretismus in der philosophischen Definition

Jüdische Geschichte und Kultur
Projekt des
Lessing-Gymnasiums, Döbeln.

"Antisemitismus - Judenhass gestern und heute" auf Hagalil.com

Dienstag, 21. April 2009

Des Pudels Kern - Was ein paar gefakte Protokolle anrichten können!

Für mich ist es eigentlich nichts neues, mich teilweise bei meinen Recherchen früher oder später in sehr merkwürdigen Ecken wieder zu finden.
Da reichen meine Emotionen dann je nach Rubrik von Kopfschütteln über Fassungslosigkeit bis hin zu kaltem Grausen.

Was mich bisweilen erstaunt, ist wie nah manche Bereiche, die scheinbar nur marginal Ähnlichkeiten aufweisen, dann doch bei näherem Hinsehen zusammenhängen.
Ich hatte ja schon bei meinem früheren Blogbeitrag "Medienkompetenz, Aufklärung und Weltverschwörer" bemerkt, dass zumindest in Aufbau und Inszenierung eine augenfällige Parallele zwischen der Propadanda, wie sie auch im Dritten Reich üblich war, und der, welcher sich die Weltverschwörungstheoretiker bedienen, besteht.

Heute musste ich mich dann einmal näher mit den unseeligen "Protokolle der Weisen von Zion" auseinandersetzen.
Dabei handelt sich um ein antisemitisches Pamplet der übelsten Sorte ungeklärter Urheberschaft, das Anfang des 20. Jahrhundert, ausgehend von Russland seine Verbreitung über Europa und die britischen Inseln bis in die USA fand und das, obschon seit 1920 unzweifelhaft als als Fälschung entlarvt, den Anstoß zu so mancher, in der Folgezeit entstandenen, antisemitischer Ideologien gab.

Auch Hitler kam in seiner Jugend damit in Berührung, denn in seinem "Mein Kampf" nimmt er teilweise wortwörtlich darauf Bezug und man wird auffällig oft in beiden Machwerken eben mit dem paradoxen Konstrukt der jüdisch-bolschewistischen Weltverschwörung mehr als ausreichend konfrontiert.
Übrigens, zieht uns Adolf in seinem geistigen Erguss den Beweis für die Authentizität der Protokolle schon allein aus der Tatsache, dass die, in seiner Weltsicht ja auch zionistische, Frankfurter Allgemeine, diese eben anzweifelte.
Ne, Leute, wenn das nicht ein so trauriges Kapitel der Geschichte wäre, mit so weitreichende Folgen für die Welt, man könnte über diese Art "Logik" wirklich lauthals lachen.

Aber das Lachen bliebe einem dann so oder so im Halse stecken, weil, wie gesagt, nicht nur Hitler fühlte sich von den Protokollen in seine Glauben bestätigt, sondern auch viele Antisemiten weltweit und kostete wahrscheinlich so manchen jüdischen Mitbürger sein Leben, auch ohne die spätere Vernichtungsmaschinerie des Nazi-Regimes.
Wen wundert es da noch, dass auch einer der späteren Chefideologen des, zum Führers aufgestiegenen Schickelhubers Adolf, Alfred Rosenberg, die Protokolle zur Basis seines Rassenwahns machte, nachdem er sie aus seiner Heimat sozusagen importierte?

Antisemitismus ist sehr alt. Den hat es auch schon vor den Protokollen gegeben.
Nur, bis zu deren Veröffentlichung gab es noch nie eine so detailierte, zusammenfassende Schrift, mit einer so "fundierten" Rechtfertigung zur Judenfeindlichkeit.
Viel besser, als "Sie haben Jesus ermordet!" oder "Sie schlachten kleine Kinder!"


Zweierlei Dinge finde ich bei der Thematik der "Protokolle der Weisen von Zion" außerordentlich bemerkenswert:

  • Lügen und Fälschungen, auch wenn sie schon lange als solche entlarvt wurden, haben ein beträchtliches Stehvermögen. Es ist vollkommen egal, mit wie stichhaltigen Gegenbeweisen man dagegen ankämpft, die Logik derer, die so etwas glauben wollen, ist dermaßen verquere, dass auch die besten Argumente sie nicht mehr erreichen. Besonders wirr wird es, wenn man dem "Kind" dann einen sehr mystisch anmutenden Namen gibt und die (nicht vorhandenen) Quellen sehr weit nach hinten datiert. Dann muss ja etwas dran sein, besonders wenn so viele behaupten, dass dem eben nicht der Fall ist.
  • In den Protokollen findet sich sämtliche Verschwörungszenarien, die man auch heute noch, oder wieder, in den Kreisen der Weltverschwörungstheoretikern findet. Vom 11. September, über die Finanzverschwörung, aktuell besonders die Pleite derHypo-Real-Estate Holding und da die Tatsache, dass deren Vorstand Bernd Knobloch der Sohn der Vorsitzenden des Zentralrates der Juden, Charlotte Knobloch, ist, sowie auch gewisse Theorien die FED- Federal Reserve System, die Amerikanische Zentralbank, betreffend, wegen der Kontrolle des Gold - und Geldwesens, sowie generell die amerikanischen und internationalen Banken überhaupt, hinzu strategisch durchgeführten Massenvergiftungen, z.B. durch Impfungen oder überhaupt die klassische Medizin, weiter zur Kontrolle der Energie- Nahrungs- und Wasserreserven, bis hin zum Nahostkonflikt und der Theorie, dass der Staat Israel eben nur geschaffen wurde, um als Stützpunkt der Illuminaten, Freimaurer, Weltfinanz, dem Weltjudentum und weiß der Geier, wem noch da, hinter dem Vorhang, zu dienen, um den Islam auszumerzen und die Weltherrschaft an sich zu reißen.

All diese Themen findet man dann auch, wen wunderts, in den WVT-Foren und Plattformen, vom popeligsten Forum bis hin zu Infokrieg.tv und SekretSecret.tv, das übrigens Johann G. Holey gehört, dem Vater von Jan Udo Holey, besser bekannt unter dem Pseudonym, Jan van Helsing, bekannter Demagoge, Antisemit, Verschwörungstheoretiker und (leider) Buchautor, der ebenfalls die Protokolle nutzte, um seine Ideologie zu verkaufen (Er brauchte dann wohl auch noch die Außerirdischen mit ins heitere Verschwörungskarussell...) und sich natürlich auch bei Papa kräftig austoben darf.
Nicht zu vergessen, Peter Josephs Zeitgeist-"Doku", denn dort wird in geballter Form alles, was die VT hergibt, rausgehauen, und somit auch erneut die Inhalte der Protokolle widergekäut, mundgerecht für den geneigten Zuschauer, all inclusive, sozusagen.

Ich will damit nicht sagen, dass jeder Anhänger der WVT Antisemit ist, oder gar dem rechtsextremistischen Spektrum zuzuordnen ist.
Aber, wie man sieht, die Schnittmenge zwischen rechtem Gedankengut und WVT ist sehr groß. Beide Gruppen, unabhängig von einander fallen, auf die gleichen Märchen herein, bedienen sich ihrer oder wollen einfach daran glauben, weil sie so die Welt besser für sich sortieren können.

Und alle gemeinsam heulen sie denselben Mond an, beten zum demselben Götzen!



Natürlich gibt es mit Sicherheit eine Personengruppe, die ihre Position in der Welt ausnutzen. Sicher wird da auch in Kreisen der Hochfinanz gekungelt.
Und was 911 betrifft, wir werden nie mit Sicherheit sagen können, ob da jemand etwas im Voraus gewußt hat und ob, und wenn, wer da nun wen deckt oder benutzt hat.
Es gibt viele Ungereimtheiten.
(Erinnert irgendwie an die Ermordung von J.F. Kennedy und seinem Bruder Robert.)

Und klar macht das auch ein wenig Angst oder besser, es macht Angst, sich machtlos zu fühlen.

Aber sich daraus dann eine krude Theorie zu schustern, um erstens, alle, seiner persönlichen Kontrolle entziehenden Geschehnisse in der Welt, auf einen gemeinsamen Ursprung zurückzuführen und dann, zweitens, auch noch ein und derselben Gruppe zuzuschreiben, ist mehr als nur etwas verdreht, dass ist schon in höchstem Maße psychotisch.

Interessant wird es jedoch, wenn man sich eben ansieht, wer an dem ganzen verschwörungstheoretischem Kram dann wirklich gewinnt.

Einerseits eben die Anhänger selber, denn, wie gesagt, einerseits haben sie eine Erklärung für ihr persönliches Ohnmachtsgefühl, andererseits poliert es auch ein wenig das Selbstwertgefühl auf, wenn man sich vorstellt, dass da eine sehr mächtige Personengruppe ihre gesamte Energie darauf verschwendet, Otto-Normal-Mensch das Leben schwer zu machen.

Andererseits natürlich diejenigen, die den Mist widerkäuen oder weiterspinnen und dann gegen cash, sei es in Form von Videoportalen, Filmen oder Sachbüchern unter das, nach neuem Input lechzende, Volk bringen.

Ja, und dann gibt es da ja noch diejenigen, welche die, durch die VT resultiernde Verunsicherung für die Vermarktung ihrer Ideologien und Heilsbotschaft ausnutzen.
Und da dann besonders jene, die den Leuten erzählen, dass sie alles ändern werden, dass sie die Herrschaft der illuminativen, freimaurerischen, jüdischen, zionistsch-bolschewistisch-kapitalistischen, fremdstämmigen, mächtigen Männer hinter dem Vorhang, entmachten und beseitigen werden und das Volk von dieser Plage befreien werden.

Und da könnten sich neben der Schnittmenge aus WVT und Rechtsradikalen auch die beiden Hauptgruppen als Verbündete zusammenfinden, wenn der Feind, scheinbar derselbe ist, getreu dem Motto "Der Feind meine Feindes ist mein Freund!"

Man sollte deshalb dabei nie den Ursprung der Weltverschwörungstheorie vergessen...







Und da sagt man, Lügen haben kurze Beine....
...von wegen!

Donnerstag, 26. März 2009

Erneuter Übernahmeversuch der Domain des Zentralrats der Heiden!

Nachdem es gestern noch, nach einem Posting des Herrn Matthias Moench im Thread Asatruforum Domainklau! im ZDH danach aussah, als würde sich die Angelegenheit um die unberechtigte Übernahme der beiden Asatru-Domains durch die MoenchMedia im Auftrage eines nebulösen, auf Anonymität bestehenden Klienten nun doch noch sehr schnell beilegen lassen, sieht es seit gestern abend so aus, als wäre dieses nur hohle Luft gewesen.

Gestern noch schrieb ein unter "Moench" registrierter User im ZDH:

Sehr geehrte Damen und Herren,

hierbei handelt es sich um keinen Domainklau, sondern mein Klient hat mir versichert das der Transfer der Domain(s) mit dem ehemaligen Besitzer so abgesprochen sei und er diese Domains erworben habe.

Mein Klient gehört einer autonomen Antifagruppe an und möchte anonym bleiben, weshalb er meine Dienstleistung in Anspruch genommen hatte.
Ich habe bereits mit dem ehemaligen Domaininhaber Kontakt aufgenommen, zur Klärung des Sachverhaltes.

Sollte hier tatsächlich ein Fehler unterlaufen sein, bzw. mein Klient nicht das Recht haben diese Domains zu besitzen, werde ich einem Rücktransfer natürlich zustimmen.

Mit freundlichen Grüßen

Moench

Zitat vom 25.03.09, 9:01


Und später dann:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich kann hier nur wiedergeben was mein Klient zu dem Vorfall äußerte:

Zitat:
Ich wollte dieses Nazi-Forum platt machen. Es tut mir leid das Sie dadurch nun in Schwierigkeiten gebracht wurden.


Uns ist es ziemlich egal aus was für Gründen unser Klient tatsächlich diesen Versuch gestartet hatte, bei solchen "Aktionen" leistet meine Firma keine Beihilfe. Deshalb habe ich bereits heute Morgen bei den zuständigen Providern einem "Rücktransfer" zugestimmt.

Zudem wurden alle bereits beauftragten, aber noch nicht abgeschlossenen Transfers gestoppt, was immerhin über 20 Domains sind von Seiten wie dieser.

Ebenfalls habe ich Herrn S****** drauf verwiesen das sich hier überall Distanzierungen gegen Nazis befinden und er seine Haltung gegenüber dem Betreiber überdenken sollte.

Mit freundlichen Grüßen

Moench

Zitat vom 25.03.09,15:29 (Hervorhebung durch den Bloginhaber)

Also schluckte man alle Ressentiments, die man mit dem Namen Matthias Moench verbindet, herunter und durfte hoffen...

Bis gestern am späten Abend dann Custos eine Email erreichte, dass erneut auf betrügerische Art und Weise versucht wurde, auch die Domain des Zentralrates zu übernehmen.

So sieht es nach der augenblicklichen Situation so aus, als könnte es sich bei den beschwichtigenden Postings des Users "Moench" nur um eine geschickte Hinhaltetaktik gehandelt haben, um den bzw. die Besitzer (es war ja die Rede von 20 Domains, die gleicher Weise übernommen werden sollten!) der bereits übernommenen Domains zu beruhigen und möglicherweise dazu zu bewegen, Einspruchsfristen verstreichen zu lassen.

Auch drängt sich mir persönlich der Gedanke auf, dass dieses Verhalten dazu dienen könnte, weitere, geplante Übernahmen ungestört vollziehen zu können.

Wer immer dahinter steckt, wer immer Herrn Matthias Moench mit der Übernahme diverser Domains beauftragt hat, ich denke, es handelt sich nicht um eine Aktion "Der autonomen Antifa" gegen Rechts.
Möglicherweise nutzt hier nur eine Einzelperson oder eine Gruppe die Möglichkeit, zwei Fliegen (Übernahme von Domains mit eingängiger Namensgebung und eine, möglicherweise den eigenen Auffassungen konträr gegenüberstehenden, Gruppierung in der Öffentlichkeit des Web zu diskreditieren!) mit einer Klappe zu schlagen.
Aber das aufzuklären dürfte nun Aufgabe der Staatsanwaltschaft sein.

Allerdings finde ich es schon bedenklich, wenn ein erfahrener Anwalt sich nicht in ausreichendem Maße vergewissert, ob ein Klient auch die nötigen Rechte besitzt, Domainübernahmen zu beauftragen.

Ich möchte nur allen betroffenen Domaininhabern dringend raten, sofort zu reagieren, wenn sie Emails ihrer Provider betreffs eines Konnektivitäts-Koordinations-Antrag von nebulösen Dritten erhalten!

Wehrt euch, legt so schnell wie möglich Einspruch ein und erstattet Anzeige!


Weitere Infos zum speziellen Fall, entnehmt bitte dem oben verlinkten Thread des ZDH!

Montag, 16. Februar 2009

Kundalini Awakening

Eher zufällig bin ich auf Kundalini gestoßen worden. Das war bisher bei mir ein blinder Fleck, der über das bloße Allgemeinwissen nicht hinaus ging.

Ich muss auch offen gestehen, dass ich es nicht so mit Yoga habe, allerdings gefällt mir nach dem, was ich bisher nun herausgefunden habe, die Kundalini-Meditation eigentlich ganz gut. Im Gegensatz zum Zazen, dem "Sitzen", welches ich praktiziere, ist es sehr bewegungsorientiert.

Hm....mal sehen.

Das Prinzip, welches dahintersteht ist mir jedenfalls nicht ganz unbekannt.

Ich bin bei meiner Suche nach Infos zu Kundalini auf ein sehr schönes Video gestoßen, das die sieben Chakren und ihre Bedeutung, und den Aufstieg der Kundalini-Kraft, die man auch als Schlange visualisiert, sehr eindrucksvoll beschreibt.


Samstag, 4. Oktober 2008

Auf der Suche nach "Dem Deutschen" durch den braunen Sumpf

Ich bin ja immer noch dem „Deutschen" auf der Spur, diesem nebulösen Stereotyp, welches einerseits gern vereinfacht benutzt wird, um die Summe aller in Deutschland ansässiger Volksgruppen zusammenzufassen, andererseits aber von nationalistischen Kreisen gerne als das non plus ultra aller Menschen dargestellt wird.

Einige Gedanken dazu habe ich ja bereits in meinem früheren Beitrag „Typisch deutsch?“ zusammengefasst.

Nun, ich wälze auf der Suche nach dem „Deutschen“ Literatur und recherchiere im Internet und gerade da finde ich mich teilweise auf Seiten wieder, die eben die dunkle Seite „des Deutschen“ nur zu deutlich zeigen.

Ich stolpere über in Fraktur verfasste „Netzseiten“ (weil dieser Deutsche“ benutzt ja keine Worte aus der angelsächsischen Sprache! Und nach Möglichkeit auch keine lateinischen Letter!), die von Selbstbeweihräucherung und verklärter Romantik nur so strotzen, dort ist die Farbe der Flagge natürlich auch nicht Schwarz-Rot-Gold, sondern natürlich Schwarz-Weiß-Rot, meist entnimmt man den dortigen Texten auch einen geradezu schnarrenden Unterton, der wohl so typisch sein soll für „den Deutschen“ und nur zu gerne wird dort das Kaiserreich in den Himmel gehoben und auf die Bundesrepublik geschimpft. Gekrönt werden die Internetauftritte dann durch Illustrationen mit kitschiger Poesie-Album-Romantik.

Okay, wenn man mit der Gegenwart nicht klar kommt oder keine Zukunftsperspektive hat, häng man sich an die Vergangenheit, wie es scheint. Also große Reden, nichts dahinter…

Diese Seiten sind also noch als harmlose Deutschtümelei abzutun. Allerdings fängt jeder mal klein an...

Aber dann stolpere ich über andere Auswüchse, wo nur noch ebenso unqualifizierter, wie extrem rechter Müll zu finden ist, inklusive diverser einschlägiger Formulierungen, wie „Kameradschaft“ für Gruppe, oder netten Wortschöpfungen wie „undeutsch“ und "Nationaler Widerstand" gegen das „System“ (ich gehe mal davon aus, das damit unsere freiheitlich demokratische Bundesrepublik gemeint ist!) und Zahlencodes , wie das beliebte 88 und C18 und natürlich werden dort auch die Beiträge mit dem standesgemäßen "MDG" für „Mit deutschem Gruß“ unterzeichnet.

Deutlich auch, wenn man auf solchem Auswurf wieder die enteigneten, missbrauchten und entweihten Runen findet, wenn „Hass“ am Ende mit zwei Sig-Runen (die im Übrigen dem Armanenfuthark des Herrn von List entstammen und damit ungefähr so „germanisch“ sind, wie der Monitor vor dem ich sitze, oder der Kaffee, den ich gerade trinke) , statt mit Doppel-S geschrieben wird, "Blut und Ehre" (Parole der HJ) beschworen werden, und dazu aufgerufen wird [Zitat] „um jeden Fußbreit unserer teuren Heimatscholle zu kämpfen!“{Zitat Ende].

Und natürlich findet man auf jenen Seiten immer wieder die „Schwarze Sonne“, die Himmler sich als Bodenschmuck in der Wewelsburg, auf der er seinen Rollenspielfantasien von Artus und der Tafelrunde nachging, auserkoren hat und ebenso historisch ist, wie das Armananenfuthark.

Überhaupt scheint da Hass, Kampf und Krieg hoch im Kurs zu stehen, gegen „Zecken“ (Synonym für Linke bzw. Antifa, was bei den Betreibern und „Nutzern“ dieser Seiten eigentlich alle einschließt, die nicht ihre Auffassung teilen), „Gutmenschen“ (ein ebensolches Synonym für alle, die der dort proklamierten Rassentheorie nicht folgen und auch kein Interesse daran haben alles was fremd ist, auszurotten), die ZOG (Zionist Occupied Government, Code für die jüdische Weltverschwörung) und viele mehr.

Das ist also die Heimatliebe und -verbundenheit, von denen diverse „Nutzer“ des „Weltnetzes“ immer reden, aha!

Ich frage mich allerdings, was mit Menschen passiert sein muss, welche Art von seelischer Kränkung sie erfahren haben müssen, welche Art von Verletzungen ihnen widerfahren sein müssen, dass sie ihnen anscheinend das Urvertrauen geraubt haben…so dass sie sich genötigt sehen, sich solcher Selbstbeschränkungen aufzuerlegen und nur noch Hass empfinden können.

Und als wenn das nicht schon genug wäre für ich und meinen so gar nicht arischen PC, stolpere ich dann immer wieder über Seiten, die Partnervermittlung mit garantiert nordischen Partnern für einen Spottpreis anbieten, oder aber Gentests und Ahnenforschung zum Zwecke des [Zitat]„Nachweises der germanischen Abstammung“[Zitat Ende] angepriesen werden.

Da ich mir sicher bin, dass man heutzutage keinen „Ariernachweis“ mehr benötigt, gehe ich mal davon aus, dass sich solche Angebote auf die Herren und Damen Artgermanen beziehen, denn [Zitat]“Das Sittengesetz in uns gebietet gleichgeartete Gattenwahl, die Gewähr für gleichgeartete Kinder“[Zitat Ende].

Während ich also auf diese Seite schaue, nach denen ich nun nicht wirklich gesucht habe und eigentlich auch gar nicht finden wollte, und nicht weiß, ob ich lieber lachen, weinen oder kotzen soll, fällt mir etwas ein und ich entscheide mich spontan für ersteres.

In meinem oben erwähnten Beitrag sagte ich ja bereits, dass ich Rheinländer bin und das ehrlich gesagt, mit Leib und Seele.

Tja, und da gibt es doch in Carl Zuckmayers Theaterstück Des Teufels General die Szene, als bei einer Feier ein zerknirschter Fliegerleutnant Hartmann dem General Harras sein Leid klagt, weil seine Verlobte, Fräulein von Mohrungen die Verlobung mit ihm gelöst hat.

Hartmann, stockend, aber immer im Ton eines militärischen Rapports: Wegen einer Unklarheit in meinem Stammbaum, Herr General. Meine Familie kommt nämlich vom Rhein. Mein Vater und Großvater waren Linienoffiziere - es besteht kein Verdacht einer jüdischen Blutmischung. Aber - eine meiner Urgroßmütter scheint vom Ausland gekommen zu sein. Man hat das öfters in rheinischen Familien. Sie ist unbestimmbar. Die Papiere sind einfach nicht aufzufinden.

Harras hat sich auf die Lippen gebissen, brummt vor sich hin. So so. Daran liegt's. Da läuft so ein armer Junge mit einer unbestimmbaren Urgroßmutter herum. In aufsteigender Wut Na, und was wissen Sie denn über die Seitensprünge der Frau Urgroßmutter? Die hat doch sicher keinen Ariernachweis verlangt. Oder - sind Sie womöglich gar ein Abkömmling von jenem Kreuzritter Hartmann, der in Jerusalem in eine Weinfirma eingeheiratet hat?

Hartmann, sachlich So weit greift die Rassenforschung nicht zurück, Herr General.

Harras Muß sie aber! Muß sie! Wenn schon - denn schon! Denken Sie doch - was kann da nicht alles vorgekommen sein in einer alten Familie:

Vom Rhein - noch dazu. Vom Rhein. Von der großen Völkermühle. Von der Kelter Europas! Ruhiger Und jetzt stellen Sie sich doch mal Ihre Ahnenreihe vor - seit Christi Geburt. Da war ein römischer Feldhauptmann, ein schwarzer Kerl, braun wie ne reife Olive, der hat einem blonden Mädchen Latein beigebracht. Und dann kam ein jüdischer Gewürzhändler in die Familie, das war ein ernster Mensch, der ist noch vor der Heirat Christ geworden und hat die katholische Haustradition begründet. Und dann kam ein griechischer Arzt dazu, oder ein keltischer Legionär, ein Graubündner Landsknecht, ein schwedischer Reiter, ein Soldat Napoleons, ein desertierter Kosak, ein Schwarzwälder Flözer, ein wandernder Müllerbursch vom Elsaß, ein dicker Schiffer aus Holland, ein Magyar, ein Pandur, ein Offizier aus Wien, ein französischer Schauspieler, ein böhmischer Musikant - das hat alles am Rhein gelebt, gerauft, gesoffen und gesungen und Kinder gezeugt - und - und der der Goethe, der kam aus demselben Topf, und der Beethoven und der Gutenberg, und der Matthias Grünewald und - ach was, schau im Lexikon nach. Es waren die Besten, mein Lieber! Die Besten der Welt! Und warum? Weil sich die Völker dort vermischt haben. Vermischt - wie die Wasser aus Quellen und Bächen und Flüssen, damit sie zu einem großen, lebendigen Strom zusammenrinnen. Vom Rhein - das heißt: vom Abendland. Das ist natürlicher Adel. Das ist Rasse. Seien Sie stolz darauf, Hartmann - und hängen Sie die Papiere Ihrer Großmutter in den Abtritt. Prost.




Schlagt mich tot, aber erstens hat Harras völlig Recht, mit seiner Einschätzung der Bedeutung des Arienachweises, und zweitens ist das eine der schönsten Liebeserklärungen an das Rheinland und seine Menschen, die ich je gelesen habe!

Tja, und last but not least, was Zuckmayer da seinem Harras über Vermischung der Völker in den Mund legt, ist nicht nur wahr, sondern auch eine Ohrfeige an den Rassenwahn der ewig Gestrigen.

Sollen sie sich also ruhig reinzüchten…und der Degeneration in die Hände spielen, mir soll das recht sein.

Allerdings hält sich meine Erheiterung auch in Grenzen, denn eigentlich war ich ja „dem Deutschen“ auf der Spur und wenn ich dann so einen Dreck finde, dann könnte man denken, dass „der Deutsche“ eben doch „hässlich“ und ein „Hunne“ ist.

Aber dann fällt mir ein, was mein Vater zu meinem Sohn gesagt hat, als wir uns über den Nationalsozialismus und besonders die heutige „Neo-Nazi-Szene“ diskutierten, einschließlich all der Riegers, Voigt, Pasteurs und wie sie alle heißen:

"Das sind keine Deutschen, die dürften das Wort gar nicht in den Mund nehmen, denn sie wissen gar nicht, was es bedeutet!"

Der Ton meines Vaters war dabei weder ruhig, noch gelassen. Ganz im Gegenteil!

Und er muß es wissen, er ist einer der, von Hitler und seinen Schergen, missbrauchten Jugend, deren Ideale sie in den Dreck gezogen und ihre Unschuld geraubt haben, erst durch die Frühprägung in der HJ und dann dadurch, dass sie ihn '44 mit 17 in eine Uniform steckten und in einen sinnlosen und schon verlorenen Krieg schickten.

Mein Vater darf sich also ein Urteil erlauben!