Watchmen...kennt der eine oder andere vielleicht. Weniger den Comic, als wohl eher den Kinofilm. Mein Tip: Wenn ihr die Möglichkeit habt, dann schaut euch den Ultimate Cut an, obwohl ich jetzt gar nicht weiß, ob er überhaupt in Deutsch erhältlich ist!
Was viele nicht wissen, Alan Moore, der Schöpfer der "Watchmen", aber auch so bemerkenswerten Werke wie "V for Vendetta", "From Hell" und "The League of Extraordinary Gentlemen" - wer die Comics kennt, kann über die Filme nur noch müde lächeln! - oder auch "Hellblazer" und "Promethea", ist "einer von uns", einer von - Vorsicht! Ironie!- der dunklen Seite der Macht. Was ja lediglich bedeutet, dass man keinem anderen Stern folgt, als nur seiner eigenen tiefen Erkenntnis.
Man glaubt ja gar nicht, was diese Tatsache für Angst und Schrecken verbreiten kann, nicht nur unter Abrahamiten... dazu aber vielleicht in einem späteren Beitrag mehr...
Zurück zu den "Watchmen", die mich neben "V for Vendetta" am meisten angesprochen und zum Nachdenken angeregt haben und die schon auch einen Teil meiner privaten Schatten- und somit Pfadarbeiten ausmachen.
Dazu gehört eben auch, zu erkennen, wie unsinnig sich für mich mittlerweile eine dualistische Ordnung, nicht nur unterteilt in gut und böse, sondern auch in richtig oder falsch, darstellt.
Kommt das nicht auf die Situation an?
Oder den Preis, den man bereit ist, für seine Entscheidung zu zahlen? Und solche Entscheidungen trifft man jeden Tag, ach was, jede Sekunde unsere Daseins.
Natürlich hat jeder von uns ein Ideal im Kopf, und verfügt über eine innere Ethik und Moral - im Gegensatz zu der, die man von außen, durch kulturelle oder soziale Einflüsse aufgepfropft bekommt und von denen manche tatsächlich denken, es wäre ihre höchst eigene - gegen die man eigentlich nicht verstoßen möchte, aber manchmal steht man leider vor der Entscheidung, auch diese zu opfern, um - auch wenn es paradox klingt - genau dieser, und sich selbst treu zu bleiben.
"Manchmal muss ein Freund zu einem Feind werden, um ein Freund zu bleiben!" Ein Zitat aus den "Schwarzen Juwelen" von dem ich weiß, dass zumindest einer derer, die meinen Blog lesen, es verstehen wird.
Es gibt keinen einfachen Weg, kein "So und nicht anders". Mich verwirrt es mittlerweile, wenn ich auf jemanden treffe, der so etwas auch nur in Erwägung ziehen kann.
Und so geht es mir:
Ich fühle mich ständig zwischen Rorschach, Dr. Manhattan und Ozymandias , aber auch dem Night Owl, der zweiten Generation hin und her gerissen. Alle sind ein Teil meiner Persönlichkeit, mal überwiegt der eine, mal der andere. (Wenn ich ehrlich bin, selbst ein kleiner "The Comedian" ist latent vorhanden, auch wenn mir dieser Charakter zu tiefst zu wider ist.)
Mal überwiegt der eine, mal der andere.
Darum weiß ich, warum am Ende der Tod durch Dr. Manhattan für Rorschach eine Erlösung und keinen Verrat darstellt.
Gerechtigkeit mag ein hehres Ziel sein, aber es ist im Grunde nur ein Abstraktum, ein überkommenes Prinzip, das nur zeitweilig Bestand haben kann.
Wie sagt Dr Manhattan zuletzt so treffend:
"I can change almost anything... but I can't change human nature."
Ich weiß genau, was er meint!
Am Ende bleibt, wie immer die ultimative Erkenntnis: "Alles hat seinen Preis!"
Meinereiner
"Bildung ist wichtig, vor allem wenn es gilt, Vorurteile abzubauen.
Wenn man schon ein Gefangener seines eigenen Geistes ist, kann man wenigstens dafür sorgen, daß die Zelle anständig möbliert ist."
Peter Ustinov
„Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.“
Benjamin Franklin
Posts mit dem Label Thelema werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Thelema werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Samstag, 10. September 2011
Sonntag, 8. Mai 2011
Von Glauben und Torten
Ich muss noch mal auf das, was ich in meinem Beitrag über "Mein Thelema" geschrieben habe, zurückkommen.
Was Thelema betrifft, wird man, wie dargelegt, oft mit der Gleichsetzung "Thelema-Liber al vel Legis - Aleister Crowley" konfrontiert.
Dazu schrieb ich ja bereits in obigen Beitrag:
Genau das ist der Punkt, wo ich noch einmal ansetzen möchte.
Obwohl es sich also, wenn man denn davon ausgeht, dass Thelema auch eine religiöses Konzept darstellen kann, dabei um eine sogenannte Offenbarungs-Religion handelt, und damit, wenn man mal den Terminus "Gott" gegen "Höheres Wesen" austauscht, durchaus in diesem einen Gesichtspunkt mit den abrahamitischen Religionen, aber auch dem Hinduismus in einer Reihe genannt werden könnte, so ist es eben auch ein von der persönlichen Interpretation eines höchst kryptischen Textes, der persönlichen Parallelen, die man dazu ziehen möchte und, was am wichtigsten ist, wie ich finde, durch ureigenes Erfahren und Erleben geprägtes Konzept.
Und damit bewege ich mich mal weg von speziellen Religionen, Weltanschauungen und Philosophien, hin zum Kern meines Problems.
Nur, weil es da nun ein Buch gibt, heißt das noch lange nicht, dass jemand, der es liest auch weiß, wie die einzelnen Menschen, für die es wichtig ist, dieses als Individuen für sich interpretieren, wie und in weit es ihren Glauben beeinflusst oder wie sie handeln und leben.
Es ist eben dieses Festnageln auf Schrifttum, egal welcher Art, ob nun Liber Al, Bibel, Tanach und Talmud, Koran, Veden, Avesta oder auch eben Edda und weiß der Himmel was noch. Selbst reine Erfahrungs-Religionen wie beispielsweise der Buddhismus sind davor nicht sicher.
Verfügt ein religiöses Konzept oder eine Weltanschauung über schriftlich fixierte Offenbarungen, aber auch Geschichts-, Sprüche- oder Legendensammlungen, also schriftliche Aufzeichnungen jedweder Art, dann liegt es nahe, sie als feste Definition des Glaubens zu nutzen.
Es sind aber eben keine "Gebrauchsanleitungen", die einem wortwörtlich eine Schritt-für-Schritt-Anweisung geben, so und nicht anders solle es gemacht (geglaubt, gedacht, gefühlt) werden. Und ganz sicher kein spiritueller Arbeitsvertrag.
Nun weiß man ja gemeinhin, wohin das Wortwörtlich-Nehmen religiöser Aufzeichnungen seitens Gläubiger führt. Fundamentalismus. Und der ist nun leider nicht nur in den abrahamitischen Religionen zu finden. Häufig zu recht kritisiert, führt er doch weg vom lebendigen Glauben, hin zu einem meist starren, einengenden Korsett überkommener Zeiten.
Aber mir geht es hier weniger um die Nutzung von Überlieferungen zur Selbstdefinition, sondern eben um die Definition von Außen...obwohl...eigentlich um beides.
Hat sich jemand schon einmal Gedanken gemacht, warum selbst für den Begriff "Religion" keinerlei wissenschaftliche allumfassende Festlegung existiert? Die Bandbreite der Komplexität der verschiedensten Erscheinungsformen, nicht zu vergessen das Zusammenspiel von sozialen und kulturellen Aspekten, die da hineinspielen, die eine solche abdecken müsste, um ein wenigstens annähernd gültiges Einvernehmen zu erzielen, wäre einfach zu groß.
Auch das weite Feld der Philosophie steht vor demselben Problem. Es gibt nicht die Philosophie, sondern eine Vielzahl von Erklärungsversuchen zur Existenz und dem Sinn des Daseins über tausende von Jahren, die teilweise aufeinander aufbauen, sich aber eben auch teilweise eklatant widersprechen. Es geht um Wahrheitssuche durch den Logos, der Vernunft, im Gegensatz zum Ansatz der Religion, die ihre "Wahrheit", ihre Weisheit, meist aus einem Mythos bezieht, obwohl es da eben auch Überschneidungen gibt.
Hinzu kommt, dass man ja nicht einmal genau sagen kann, was "Glauben" eigentlich ist. Eine Annahme, eine Vermutung, im Gegensatz zur Gewissheit?
Aber ich weiß, weil ich es er-lebe...! Für mich ist es keine Wahrscheinlichkeitsvermutung, sondern Teil meiner Wirklichkeit, da ich es empfinde...
Und nun?
Selbst der oft in diesem Zusammenhang benutzte Begriff der Spiritualität ist nicht wirklich fest definiert, abgesehen davon, dass er oft zu einem reinen Kampfbegriff verkommt, der vom rein geistigen bis hin zu eben der Hilfsvokabel für "Glauben, aber mehr als glauben" alles abdecken soll.
Denn Religiosität, Spiritualität, Glauben, ist eben etwas was weit über den bewussten Vorgang des Denkens hinaus geht.
Es ist, wenn man sich dafür öffnet, auch ein Rausch der Sinne, vergleichbar mit dem ersten Biss in ein Stück köstlicher, sahnige Torte.
Wow, himmlisch!
Erst nach diesem ersten rein gefühlsmäßigen Erfahren setzt dann das Reflektieren, das Denken ein:
Das Herausschmecken der einzelnen Zutaten, das Trennen von Zucker, Sahne, Boden, und waren da nicht Erdbeeren und eine Spur von Vanille und vielleicht ein Hauch von Mandeln und Marzipan?
Dann wird man höchst wahrscheinlich nach dem Rezept fragen oder es suchen, um sich zu vergewissern, ob seine Empfindungen richtig waren. Möglicherweise wird man dabei dann feststellen, dass man eine oder mehrere der Zutaten eigentlich gar nicht mag. Trotzdem wird man die Torte möglicherweise nach backen. Vielleicht ersetzt man dabei einfach die ungeliebte Zutat gegen etwas, was man mehr mag. Das Ergebnis wird sich zwar von der ersten Torte unterscheiden, aber doch sehr nahe am Ausgangsgeschmack liegen, vielleicht besser oder vielleicht auch nicht ganz so gut schmecken, aber das Erfahren des ersten Bissen dieser eigenen Kreation wird wieder eine Sinneserfahrung. Vielleicht komme ich dann sogar auf den Geschmack und experimentiere weiter mit den unterschiedlichsten Zutaten, um immer neue Kreation zu schaffen und meine Sinne immer wieder aufs Neue anzuregen.
Dann gibt es noch die Möglichkeit, dass man sich genau ans Rezept hält, obwohl man eine Zutat ablehnt, sie vielleicht auch gar nicht verträgt. Das kann auch gut klappen, auch wenn man dafür Nebenwirkungen in Kauf nehmen muss. Es kann aber auch dazu führen, dass man entweder den Sinnesrausch vom ersten Tortengenuss vermisst - weil man ja weiß, was jetzt so alles in dem Kuchen drin steckt - oder aber sich irgendwann an den Geschmack so sehr gewöhnt, dass man gar nicht mehr nachvollziehen kann, was das denn gewesen sein könnte, dass beim "ersten Mal" so berauschend gewesen ist.
Und dann kann es noch passieren, dass einem, wie man es auch für sich nun handhabt, jemand daher kommt und einem anhand des Grundrezepts erklären möchte, warum die Zutaten genau diesen Effekt auslösen oder er der Meinung ist, dass man mit diesen Zutaten überhaupt gar nicht zu diesem Ergebnis kommen kann.
Möglicherweise gerät man auch an einen Ernährungsberater, der darüber doziert, wie schädlich die Torte doch ist: Zuviel Fett, zuviel Zucker, zuviel weißes Mehl und diese oder jene Ingredenz steht in dem Verdacht Allergien oder gar Krebs zu verursachen.
Ein Vegetarier oder Veganer wird sich auch darüber auslassen, was er alles an dem Rezept ändern würde, damit die Torte seiner Einstellung entspricht.
Oder aber, jemand wedelt mit dem Ausgangsrezept und regt sich tierisch darüber auf, dass man sich daran nicht gehalten hat und es abgewandelt hat, so dass es sich dabei gar nicht mehr um eine, meinetwegen, "Erdbeer - Marzipantorte" handelt.
Meine Auffassung dazu ist, wenn jemand die Torte denn anders oder besser hinzukriegen meint, er dies doch bitte tun möchte und wenn ihm meine nicht behagt, er sie ja nicht zu essen braucht. Er soll nur mir bitte meinen "Sinnesrausch" lassen, wie ich ihm wünsche, dass er für sich etwas ähnlich köstliches findet. Geschmäcker sind halt verschieden!
Aber wenn er mich bei jedem Happen meiner, meine Sinne betörenden, fluffigen, sahnig-cremigen Tortenkreation permanent mit seinem Gesabbel mein kosmische Erlebnis versaut, dann muss er sich nicht wundern, wenn ich ihn irgendwann anschreie:
"Halt's Maul und schau aus dem Fenster!"
Wem jetzt bei dem ganzen Tortengerede das Wasser im Munde zusammen gelaufen ist und nun so schnell wie möglich in die Küche gehen möchte, um selbst eine zu machen, dem wünsche ich dabei viel Spass und einen guten Apetitt.
Aber nicht vergessen, mein ganzes Geschwätz von Torten war metaphorisch gemeint. Es ging hier immer noch um Glauben, Religion und Spiritualität!
Und nun wünsche ich euch viel Spaß beim selber Backen!
Was Thelema betrifft, wird man, wie dargelegt, oft mit der Gleichsetzung "Thelema-Liber al vel Legis - Aleister Crowley" konfrontiert.
Dazu schrieb ich ja bereits in obigen Beitrag:
"Sowieso, die Gleichsetzung der Person Aleister Crowley mit Thelema ist so ein Punkt, der immer wieder falsch interpretiert wird. Er war zwar der Prophet des Neuen Aeons und somit von Thelema, schon allein durch die Niederschrift des Liber Al vel Legis, aber weder hat er jemals behauptet, dass er genau wüßte, was er da "verbrochen" hat, noch hat er jemals verlangt, dass man ihm folgen sollte. Thelemiten akzeptieren lediglich das Liber Al als Das Gesetz des Neuen Aeons!Es ist nun mal so, dass ein jeder, der sich Thelemit nennt, die Offenbarungsschrift, Das Gesetz, wie wir es nennen, akzeptieren muss. Wie er sie nun für sich deutet ist allerdings jedem selbst überlassen, also höchst eigene Privatsache. Und damit eben auch geprägt von seiner höchsteigenen Spiritualität.
Sie sind eben keineswegs samt- und sonders Crowley-Jünger, die in ihm ihren Guru sehen. Es gibt da welche, und die haben meiner Meinung nach einen Sprung in der Schüssel, und Uncle Al würde mir da beipflichten, es gibt auch Crowleyaner, die was der Mann geschrieben und gesagt hat, klasse finden, aber genauso viele Thelemiten lehnen die Privatperson als solche rund heraus ab.
Der Privatmensch Edward Alexander Crowley ist nicht zu verwechseln mit demjenigen, der zum Teil Werke geschrieben hat, die, meiner Meinung nach, seiner Zeit weit voraus waren. Er lebte sein Thelema, wie ich das meine, und -zig tausend andere Thelemiten eben das ihre. Alles Wahre Willen, die ihr großes Werk vollbringen. Ihres, nicht das eines anderen. "
Genau das ist der Punkt, wo ich noch einmal ansetzen möchte.
Obwohl es sich also, wenn man denn davon ausgeht, dass Thelema auch eine religiöses Konzept darstellen kann, dabei um eine sogenannte Offenbarungs-Religion handelt, und damit, wenn man mal den Terminus "Gott" gegen "Höheres Wesen" austauscht, durchaus in diesem einen Gesichtspunkt mit den abrahamitischen Religionen, aber auch dem Hinduismus in einer Reihe genannt werden könnte, so ist es eben auch ein von der persönlichen Interpretation eines höchst kryptischen Textes, der persönlichen Parallelen, die man dazu ziehen möchte und, was am wichtigsten ist, wie ich finde, durch ureigenes Erfahren und Erleben geprägtes Konzept.
Und damit bewege ich mich mal weg von speziellen Religionen, Weltanschauungen und Philosophien, hin zum Kern meines Problems.
Nur, weil es da nun ein Buch gibt, heißt das noch lange nicht, dass jemand, der es liest auch weiß, wie die einzelnen Menschen, für die es wichtig ist, dieses als Individuen für sich interpretieren, wie und in weit es ihren Glauben beeinflusst oder wie sie handeln und leben.
Es ist eben dieses Festnageln auf Schrifttum, egal welcher Art, ob nun Liber Al, Bibel, Tanach und Talmud, Koran, Veden, Avesta oder auch eben Edda und weiß der Himmel was noch. Selbst reine Erfahrungs-Religionen wie beispielsweise der Buddhismus sind davor nicht sicher.
Verfügt ein religiöses Konzept oder eine Weltanschauung über schriftlich fixierte Offenbarungen, aber auch Geschichts-, Sprüche- oder Legendensammlungen, also schriftliche Aufzeichnungen jedweder Art, dann liegt es nahe, sie als feste Definition des Glaubens zu nutzen.
Es sind aber eben keine "Gebrauchsanleitungen", die einem wortwörtlich eine Schritt-für-Schritt-Anweisung geben, so und nicht anders solle es gemacht (geglaubt, gedacht, gefühlt) werden. Und ganz sicher kein spiritueller Arbeitsvertrag.
Nun weiß man ja gemeinhin, wohin das Wortwörtlich-Nehmen religiöser Aufzeichnungen seitens Gläubiger führt. Fundamentalismus. Und der ist nun leider nicht nur in den abrahamitischen Religionen zu finden. Häufig zu recht kritisiert, führt er doch weg vom lebendigen Glauben, hin zu einem meist starren, einengenden Korsett überkommener Zeiten.
Aber mir geht es hier weniger um die Nutzung von Überlieferungen zur Selbstdefinition, sondern eben um die Definition von Außen...obwohl...eigentlich um beides.
Hat sich jemand schon einmal Gedanken gemacht, warum selbst für den Begriff "Religion" keinerlei wissenschaftliche allumfassende Festlegung existiert? Die Bandbreite der Komplexität der verschiedensten Erscheinungsformen, nicht zu vergessen das Zusammenspiel von sozialen und kulturellen Aspekten, die da hineinspielen, die eine solche abdecken müsste, um ein wenigstens annähernd gültiges Einvernehmen zu erzielen, wäre einfach zu groß.
Auch das weite Feld der Philosophie steht vor demselben Problem. Es gibt nicht die Philosophie, sondern eine Vielzahl von Erklärungsversuchen zur Existenz und dem Sinn des Daseins über tausende von Jahren, die teilweise aufeinander aufbauen, sich aber eben auch teilweise eklatant widersprechen. Es geht um Wahrheitssuche durch den Logos, der Vernunft, im Gegensatz zum Ansatz der Religion, die ihre "Wahrheit", ihre Weisheit, meist aus einem Mythos bezieht, obwohl es da eben auch Überschneidungen gibt.
Hinzu kommt, dass man ja nicht einmal genau sagen kann, was "Glauben" eigentlich ist. Eine Annahme, eine Vermutung, im Gegensatz zur Gewissheit?
Aber ich weiß, weil ich es er-lebe...! Für mich ist es keine Wahrscheinlichkeitsvermutung, sondern Teil meiner Wirklichkeit, da ich es empfinde...
Und nun?
Selbst der oft in diesem Zusammenhang benutzte Begriff der Spiritualität ist nicht wirklich fest definiert, abgesehen davon, dass er oft zu einem reinen Kampfbegriff verkommt, der vom rein geistigen bis hin zu eben der Hilfsvokabel für "Glauben, aber mehr als glauben" alles abdecken soll.
Denn Religiosität, Spiritualität, Glauben, ist eben etwas was weit über den bewussten Vorgang des Denkens hinaus geht.
Es ist, wenn man sich dafür öffnet, auch ein Rausch der Sinne, vergleichbar mit dem ersten Biss in ein Stück köstlicher, sahnige Torte.
Wow, himmlisch!
Erst nach diesem ersten rein gefühlsmäßigen Erfahren setzt dann das Reflektieren, das Denken ein:
Das Herausschmecken der einzelnen Zutaten, das Trennen von Zucker, Sahne, Boden, und waren da nicht Erdbeeren und eine Spur von Vanille und vielleicht ein Hauch von Mandeln und Marzipan?
Dann wird man höchst wahrscheinlich nach dem Rezept fragen oder es suchen, um sich zu vergewissern, ob seine Empfindungen richtig waren. Möglicherweise wird man dabei dann feststellen, dass man eine oder mehrere der Zutaten eigentlich gar nicht mag. Trotzdem wird man die Torte möglicherweise nach backen. Vielleicht ersetzt man dabei einfach die ungeliebte Zutat gegen etwas, was man mehr mag. Das Ergebnis wird sich zwar von der ersten Torte unterscheiden, aber doch sehr nahe am Ausgangsgeschmack liegen, vielleicht besser oder vielleicht auch nicht ganz so gut schmecken, aber das Erfahren des ersten Bissen dieser eigenen Kreation wird wieder eine Sinneserfahrung. Vielleicht komme ich dann sogar auf den Geschmack und experimentiere weiter mit den unterschiedlichsten Zutaten, um immer neue Kreation zu schaffen und meine Sinne immer wieder aufs Neue anzuregen.
Dann gibt es noch die Möglichkeit, dass man sich genau ans Rezept hält, obwohl man eine Zutat ablehnt, sie vielleicht auch gar nicht verträgt. Das kann auch gut klappen, auch wenn man dafür Nebenwirkungen in Kauf nehmen muss. Es kann aber auch dazu führen, dass man entweder den Sinnesrausch vom ersten Tortengenuss vermisst - weil man ja weiß, was jetzt so alles in dem Kuchen drin steckt - oder aber sich irgendwann an den Geschmack so sehr gewöhnt, dass man gar nicht mehr nachvollziehen kann, was das denn gewesen sein könnte, dass beim "ersten Mal" so berauschend gewesen ist.
Und dann kann es noch passieren, dass einem, wie man es auch für sich nun handhabt, jemand daher kommt und einem anhand des Grundrezepts erklären möchte, warum die Zutaten genau diesen Effekt auslösen oder er der Meinung ist, dass man mit diesen Zutaten überhaupt gar nicht zu diesem Ergebnis kommen kann.
Möglicherweise gerät man auch an einen Ernährungsberater, der darüber doziert, wie schädlich die Torte doch ist: Zuviel Fett, zuviel Zucker, zuviel weißes Mehl und diese oder jene Ingredenz steht in dem Verdacht Allergien oder gar Krebs zu verursachen.
Ein Vegetarier oder Veganer wird sich auch darüber auslassen, was er alles an dem Rezept ändern würde, damit die Torte seiner Einstellung entspricht.
Oder aber, jemand wedelt mit dem Ausgangsrezept und regt sich tierisch darüber auf, dass man sich daran nicht gehalten hat und es abgewandelt hat, so dass es sich dabei gar nicht mehr um eine, meinetwegen, "Erdbeer - Marzipantorte" handelt.
Meine Auffassung dazu ist, wenn jemand die Torte denn anders oder besser hinzukriegen meint, er dies doch bitte tun möchte und wenn ihm meine nicht behagt, er sie ja nicht zu essen braucht. Er soll nur mir bitte meinen "Sinnesrausch" lassen, wie ich ihm wünsche, dass er für sich etwas ähnlich köstliches findet. Geschmäcker sind halt verschieden!
Aber wenn er mich bei jedem Happen meiner, meine Sinne betörenden, fluffigen, sahnig-cremigen Tortenkreation permanent mit seinem Gesabbel mein kosmische Erlebnis versaut, dann muss er sich nicht wundern, wenn ich ihn irgendwann anschreie:
"Halt's Maul und schau aus dem Fenster!"
Wem jetzt bei dem ganzen Tortengerede das Wasser im Munde zusammen gelaufen ist und nun so schnell wie möglich in die Küche gehen möchte, um selbst eine zu machen, dem wünsche ich dabei viel Spass und einen guten Apetitt.
Aber nicht vergessen, mein ganzes Geschwätz von Torten war metaphorisch gemeint. Es ging hier immer noch um Glauben, Religion und Spiritualität!
Und nun wünsche ich euch viel Spaß beim selber Backen!
Labels:
Gedankensschnipsel,
Heidentum,
Meine Gedanken,
Quintessenzen,
Thelema
Sonntag, 24. April 2011
Alles auf Null!
"'Sage uns, wie unser Ende sein wird.'
'Habt ihr den schon den Anfang entdeckt, dass ihr nach dem Ende fragt? Denn dort, wo der Anfang ist, dort wird auch das Ende sein.Selig ist, wer am Anfang stehen wird, und er wird das Ende erkennen und den Tod nicht kosten.'"
(Thomas 18)
Nicht der Magier erringt den Höchsten Preis, nicht der Hohepriester oder der Herrscher, weder der Ritter in strahlender Rüstung, noch die mächtigste Königin, noch der sich von der Welt abgewandte Eremit mit seinen Büchern, nicht der sich alles versagt, noch, welcher sich allen irdischen Genüssen hingibt und selbst die, welche sich für das hehre Ziel bis auf's Blut kasteien und selbst zu opfern bereit sind, werden leer ausgehen.
Alles was sie von ganzem Herzen begehren, fällt am Ende dem reinen Tor, dem Narren, in den Schoß, der selbst nie danach trachtete.
Er ist der Ahnungslose, das arglose Kind, das leere Gefäß, das unbeschriebene Blatt, in eine Welt geworfen, deren Spielregeln im völlig fremd sind. Hintergedanken, Doppeldeutigkeiten oder Täuschung sind ihm fremd. Er kennt weder Lüge, noch Reue, noch Scham, noch Moral, noch Zwänge.
Da er nichts erwartet, nach nichts strebt, ist er es, dem zuletzt die Höchste Ehre zuteil wird.
"Wenn ihr eure Scham abgelegt und eure Kleider nehmt, sie unter eure Füße legt und wie die kleinen Kinder sie zertretet, dann werdet ihr den Sohn des Lebendigen sehen und ihr werdet euch nicht fürchten."
(Thomas 37)
Dienstag, 29. März 2011
Mein Thelema
"Wer uns Thelemiten nennt, geht nicht fehl darin, so er sich das Wort nur genau betrachtet."
Tu was du willst, soll sein das Ganze des Gesetzes.
Eine kleine FB-Diskussion, die sich um Sinn und Qualität des Trash-Films "Crowley (My Chemical Wedding)" von Bruce Dickinson (der in Deutschland unter dem Titel "Crowley - Back out Hell" vertrieben wird) und die Wirkung, die dieser "Spass-Film" auf das Bild vom Current93 für den von der Thematik völlig Unbedarfte haben könnte, entspann, brachte mich dazu, einmal über mein Thelema nachzudenken.
Nur noch kurz zu dem Film: Ich persönlich finde den schreiend komisch und bin überzeugt, Uncle Al hätte sich königlich darüber amüsiert. Gerade, weil er so ziemlich jedes dämliche Klischee aufgreift, was so im Allgemeinen über To Mega Therion oder "The Wickedest Man in the World" und das, was er durch die Niederschrift des Liber Al vel Legis initiierte, in Umlauf ist. Daneben ist dieses Movie auch noch gespickt mit versteckten Andeutungen und Insidern.
Und da liegt auch eben das Problem und wohl die Hauptursache dafür, dass Dickinsons "Machwerk" auch unter Thelemiten sehr kontrovers aufgenommen wurde. Die einen finden ihn eben klasse, wohingegen die anderen entsetzt und verärgert reagieren.
Und dies kann ich durchaus verstehen. Wer sich nie eingehender mit der Philosophie von Thelema und der daraus resultierenden Verantwortungsethik auseinandergesetzt hat, mag beim Anschauen seine Vorurteile und ärgsten Befürchtungen bestätigt sehen. Kaum anzunehmen, dass er sich dadurch annimiert fühlt, sich tiefergehend mit Crowley und Thelema auseinander zu setzen. Er wird sich vielmehr angewidert abwenden.
Und das ist eben der Punkt, der kritisiert wird.
Man kann eben durch diesen Film auch die Vorurteile, die Person Aleister Crowleys betreffend, welche in der breiten Öffentlichkeit vorhanden sind und sich immer auf die Schlagworte "Schwarzmagier", "Drogenabhängiger" und "Pervers" reduzieren, bestätigt sehen.
Lässt sich ersteres noch leicht entkräften, da er selbst mehrfach Schwarze Magie als absoluten Bullshit bezeichnete, so ist es mit den beiden anderen Punkten ohne Kenntnis des Historischen Kontextes etwas schwieriger.
Ich weiß ja nicht, was Crowley so in seinem Leben konsumierte und es interessiert mich ehrlich gesagt auch nicht, aber betreffs der Heroinsucht sollte man schon wissen, dass diese Droge bis in die vierziger Jahre des letzten Jahrhunderts eine anerkannte Schmerz- und Hustenarznei der Firma Bayer war und ähnliche synthetische analgetische Opioide - mit der gleichen abhängig machenden Wirkung! - bis heute Verwendung in der Medizin finden.
Tja und die Perversion des Edward Alexander Crowleys bestand schlicht in seiner offen gelebten Bisexualität (mit einem gewissen Hang zu Sado-Masochistischen Praktiken) zu einer Zeit, da man für "Sodomie", einem alten Begriff für männliche Homosexualität, welcher durch Übersetzung und Bedeutungswandel leicht misszuverstehen ist, noch mit Zuchthaus bestraft wurde und dem Konzept der Freien Liebe, offenen Beziehungen oder wechselnden Geschlechtspartnern, die erst Jahrzehnte nach seinem Tod halbwegs salonfähig wurde. Noch heute soll es ja Leute geben, die jede Variation von Sex und Liebe außerhalb ihrer persönlichen Norm als "pervers" empfinden.
Aus dem gleichen Betrachtungswinkel ist übrigens auch der "Vorwurf" der Kindopferung zu verstehen. Es ist ein Synonym für Masturbation. Zu der Zeit und in dem Umfeld in dem Crowley aufwuchs und lebte, war es noch gang und gäbe, Jugendlichen mit Horrorgeschichten über Rückenmarksschwund und Hirnerweichung Angst vor solch "verwerflichen Handlungen" zu machen oder ihnen bei Uneinsichtigkeit, des Nachts die Hände ans Bett zu fesseln oder Keuschheitsgürtel anzulegen.
Das ist abartig, nicht aber die so verurteilten Handlungen!
Man kann aber auch auf vielfältige andere Art ein "Kind" opfern.
Das also zum Thema "Wickedest Man"...
Mittlerweile denke sogar, der Film funktioniert gerade eben in Deutschland nicht so, wie beispielsweise in Großbritannien - Dickinson ist ja Brite - weil die Mentalität und auch die Art Humor hier bei uns in Deutschland eine ganz andere ist, als eben "drüben".
Aber um einmal weg zu kommen von "Chemical Wedding" und hin zu dem was ich eigentlich sagen will:
Ich mache auch gern meine "Witzchen" über mein Thelema - also meine Lebensphilosophie und meinen Glauben, der sich, nach eingehender Selbstanalyse, am ehesten mit "Animistisch-Gnostischer-Mono-Poly-Pantheistisch-Atheistischer-Thelemit-in-Anlehnung-an-Zen-und-Tao" beschreiben ließe - besonders, wenn ich an "guten Tagen" mal wieder mit dem Stumpfsinn und der Ignoranz einiger Mitmenschen konfrontiert werde. Das heißt, ich spiele dann auch gern mal mit den gängigen Klischees, um sie ad absurdum zu führen. Pöse sexsüchtige Satanistin, die ständig auf der Suche nach Jungfrauen und Haustieren zwecks Opferung ist.
"Ironie ist die Rache des menschlichen Geistes an der uneinsichtigen Gesellschaft."Ein Satz, den Aleister Crowley wohl aus tiefstem Herzen zugestimmt hätte.
Helmar Nahr
Labels:
Heidentum,
Magick,
Meine Gedanken,
Thelema
Dienstag, 22. März 2011
The Pentagram - a poem
The Pentagram
In the years of the primal course,In the dawn of terrestrial birth,Man mastered the mammoth and horse,and Man was the Lord of the Earth.
He made him an hollow skinFrom the heart of an holy tree,He compassed the earth therein,And Man was the Lord of the Sea.
He controlled the vigour of steam,He harnessed the lightning for hire;He drove the celestial team,And man was the Lord of the Fire.
Deep-mouthed from their thrones deep-seated,The choirs of the aeons declareThe last of the demons defeated,For Man is the Lord of the Air.
Arise, O Man, in thy strength!The kingdom is thine to inherit,'Til the high Gods witness at lengththat Man is the Lord of his Spirit.
by Aleister Crowley
Labels:
Gedichte und Zitate,
Momentaufnahme,
Musik,
Thelema,
Zeitgeschehen
Samstag, 13. November 2010
"Tell me, do you like music?"
Ich habe echt überlegt, was ich zu den Ereignissen,allein in den letzten Wochen, in der Welt und insbesondere hier bei uns in Deutschland schreiben soll.
Wer nicht weiß wovon ich rede, werfe einen Blick in die Tagespresse, sehe und höre mit offenen Augen und Ohren die Nachrichten oder schaue mal bei Fefe rein oder führe sich Efkas Blog zu Gemüte, insbesondere in letzter Zeit über Ereignisse S21 und Gorleben betreffend.
Von Afghanistan, Irak, Freiherren und ihren, obschon tief dekolletierten, nichtsdestotrotz aber doch streng auf Moral und Anstand wachenden Gattinnen ganz zu schweigen.
Aber auch bei NPD-BLOG.Info wird man in letzter Zeit immer öfters fündig, seit die Bundesregierung auch dem "Linksextremismus" den Kampf angesagt hat, wobei, mangels vernünftiger Definition, auch schon einmal renommierte Vorzeigeprojekte unter Generalverdacht gestellt werden. Besonders die neue Bundesfamilienministerin Kristina Schröder tut sich dabei, ganz in der Tradition ihrer Vorgängerin von der Leyen, dadurch hervor, durch blinden blinden Aktionismus ihre schreiende Inkompetz zu kaschieren.
Tja, was macht es auch schon, wenn sie mal eben zur Finanzierung ihrer Prävention gegen Extremismus so unsinnigen Projekten, wie eben für die Integration benachteiligter Jugendlicher die Mittel kürzt oder ganz streicht.
Und das, obwohl die Gefahr für die Demokratie nachweislich ganz woanders zu suchen wäre. Wenn die Politik versagt, passiert es eben leicht, dass der Bürger die Schuld beim System, in dem Fall der Demokratie, sucht...oder aber zumindest meint, dieses System wäre dadurch in Gefahr und sich auf den Artikel 20 Abs. 4 GG besinnt.
Da würde dann auch die Sache mit dem Generalverdacht wieder Sinn machen...
Nun, und da mir zu all dem zwar eine Menge einfallen würde, was ich schreiben könnte, aber Worte bisweilen nur einen Teil dessen enthüllen, was man eigentlich sagen will, Musik:
Noch ein Zitat aus dem Film, auch wenn ich bei dem Finale von Tchaikovsky Overture 1812 eigentlich eher an das Comic von Alan Moore denken muss (zu dem der Film eigentlich nur eine unbefriedigende Umsetzung darstellt):
Und noch ein Zitat zum Abschluss:
Denkt mal darüber nach...
Wer nicht weiß wovon ich rede, werfe einen Blick in die Tagespresse, sehe und höre mit offenen Augen und Ohren die Nachrichten oder schaue mal bei Fefe rein oder führe sich Efkas Blog zu Gemüte, insbesondere in letzter Zeit über Ereignisse S21 und Gorleben betreffend.
Von Afghanistan, Irak, Freiherren und ihren, obschon tief dekolletierten, nichtsdestotrotz aber doch streng auf Moral und Anstand wachenden Gattinnen ganz zu schweigen.
Aber auch bei NPD-BLOG.Info wird man in letzter Zeit immer öfters fündig, seit die Bundesregierung auch dem "Linksextremismus" den Kampf angesagt hat, wobei, mangels vernünftiger Definition, auch schon einmal renommierte Vorzeigeprojekte unter Generalverdacht gestellt werden. Besonders die neue Bundesfamilienministerin Kristina Schröder tut sich dabei, ganz in der Tradition ihrer Vorgängerin von der Leyen, dadurch hervor, durch blinden blinden Aktionismus ihre schreiende Inkompetz zu kaschieren.
Tja, was macht es auch schon, wenn sie mal eben zur Finanzierung ihrer Prävention gegen Extremismus so unsinnigen Projekten, wie eben für die Integration benachteiligter Jugendlicher die Mittel kürzt oder ganz streicht.
Und das, obwohl die Gefahr für die Demokratie nachweislich ganz woanders zu suchen wäre. Wenn die Politik versagt, passiert es eben leicht, dass der Bürger die Schuld beim System, in dem Fall der Demokratie, sucht...oder aber zumindest meint, dieses System wäre dadurch in Gefahr und sich auf den Artikel 20 Abs. 4 GG besinnt.
Da würde dann auch die Sache mit dem Generalverdacht wieder Sinn machen...
Nun, und da mir zu all dem zwar eine Menge einfallen würde, was ich schreiben könnte, aber Worte bisweilen nur einen Teil dessen enthüllen, was man eigentlich sagen will, Musik:
Noch ein Zitat aus dem Film, auch wenn ich bei dem Finale von Tchaikovsky Overture 1812 eigentlich eher an das Comic von Alan Moore denken muss (zu dem der Film eigentlich nur eine unbefriedigende Umsetzung darstellt):
"Who was he?"
"He was Edmond Dantès, and he was my father, and my mother, my brother, my friend. He was you, and me. He was all of us."
Und noch ein Zitat zum Abschluss:
"Where the people fear the government you have tyranny. Where the government fears the people you have liberty."
John Basil Barnhill
Denkt mal darüber nach...
Montag, 8. November 2010
Das Morden geht fröhlich weiter! - Töte den Willen
Nachdem ich in dem vorherigen Beitrag der Mord-Serie "Tod dem Buddha" über die Notwendigkeit geschrieben habe, sich von Lehren und Lehrern frei zu machen, um sich eigenen spirituelle Erfahrungen öffnen zu können, geht es heute dem Willen an den Kragen.
Dafür muss ich allerdings etwas ausholen, also habt Geduld mit mir:
Karma, gerade im spirituellen Bereich ein oft gebrauchter, oft auch missdeuteter oder gar missbräuchlich genutzter Begriff, hat nichts mit Schicksal oder äußere Beurteilung eines Menschen und seiner Taten (wie z.B. durch das Jüngste Gericht) zu tun. Es ist also nicht mit (gerechtfertigter) Vergeltung von "Sünden" zu verwechseln.
Die Vorstellung beruht vielmehr auf dem Verständnis von Ursache und Wirkung, sowohl von Handlungen, als auch, und das wird häufig vergessen, von Gedanke und Gefühlen einer Person. Bei der Auswirkung spielt die Absicht eine sehr große Rolle, jedoch nicht, wie man vielleicht fälschlich annehmen könnte, dass gedankenlose, unabsichtliche, Taten ohne Auswirkung blieben - jede Handlung, jeder Gedanke, jedes Gefühl ordnet augenblicklich die Welt neu, weil ich, wie ich bereits in dem Tiphareth-Beitrag andeutete, die Meinung vertrete, alles stehe miteinander in Verbindung , da es sich um einen einzigen Organismus handelt - sondern vielmehr in dem Sinne, dass die dahinter stehende Grundhaltung des Einzelnen ausschlaggebend ist. Karma ist lediglich die logische Konsequenz unserer Handlungen und der Absicht, die ihnen zu Grunde liegt.
In der Ethik des Buddhismus kennt man dazu die Drei Geistesgifte, treffender als "Leid verursachenden Emotionen" bezeichnet:
Daraus ergibt sich dann eben auch die Wirkung des Karma auf das Leiden durch Samsara oder die Reinkarnation
Genauso wenig wie der ständige Wandel von Werden und Vergehen, das damit verbundene Leiden, etwas mit Strafe für ein verfehlte Heilsziel, in dem Fall die Erlösung vom Leiden durch das "Erwachen"(Bodhi) zu tun hat, kann man durch äußere Einflüsse daraus befreit werden. Auch hier gilt, der Kreislauf ist keine Hölle aus der man durch ein "gottgefälliges" frommes Leben erlöst oder befreit wird.
Es gibt schlicht keine höhere Instanz, die straft oder belohnt.
Allein die Erlangung von eigener Erkenntnis über die Zusammenhänge (Dharma) des Seins führt zu einem Abstellen des Leidens.
Das heißt auch, dass man nicht durch willentliche "Anhäufung" postitivem Karmas seine Chancen verbessert, aus dem "Teufelskreis" auszubrechen.
Dabei ist es wichtig zu wissen, dass man nicht nur zwischen "Unheilsam" und der jeweiligen "Heilsamen" Ensprechung, beispielsweise Hass und Güte, unterscheidet, sondern auch versteht, dass es dort dann wiederum noch eine Trennung zwischen "Weltlich" und "Überweltlich" existiert. So befreit weltliche, also lediglich auf die Wirkung auf die (Um-)Welt bedachte, Güte nicht vom Leiden, erzeugt aber Karma, wohingegen Güte um ihrer Selbst Willen, über die Weltliche Wirkung hinaus, welches kein Karma erzeugt, das Leiden beendet.
Hinzuzufügen ist ebenfalls, dass das "Leiden" bzw. das Leben als "leidvoll" zu betrachten, im Buddhismus keinesfalls mit einer pessimistischen Grundhaltung zu verwechseln ist. Mit Weltschmerz, elendem Dasein oder Kummer hat dies wenig bis gar nichts zu tun. Leiden, Dukkha, bezeichnet lediglich den Kreislauf von Werden und Vergehen durch eine weltliche, sprich auf das Ego reduzierte Existenz.
Abstellen von Leiden durch das Erwachen (Bodhi) beendet diesen Kreislauf, nicht aber das Dasein.
Nirvana, das Verlöschen, ist ja auch kein jenseitiges Erleben, flutsch und weg, immerhin lebte und lehrte Buddha Gautama nach der Erlangung dieses Zustandes durch das Erwachen noch gut 40 Jahre. Danach verschwand er nach buddhistischem Selbstverständnis auch nicht im Nichts, sondern ging ein in eine höhere Existenzebene. (Von der Möglichkeit, Bodhi zu erlangen und trotzdem weiter freiwillig Samsara zu "erleiden", um aus reiner Liebe erst anderen auf dem Weg der Erleuchtung zu helfen, dem Bodhisattva, rede ich besser gar nicht...^^)
Wie bereits im vorangegangenen Artikel "Tod dem Buddha", auf den dieser hier die unmittelbare Fortsetzung darstellt, angesprochen, steht einem hier bisweilen die westliche geprägte Denkweise im Weg.
Mehr noch, es ist auch teilweise schwierig, die buddhistische Auffassung von der des Hinduismus zu unterscheiden, der zum Teil dieselben Begriffe in einem komplett anderen Kontext verwenden.
Das wird auch dadurch klar erkennbar, dass man im Hinduismus an eine unvergängliche Seele glaubt, die man "mitnimmt" in die nächste Reinkarnation, im Buddhismus jedoch gar keine Seele existiert (Stichwort: Anātman)!
Hinzu kommt, dass Buddha Gautama bei der Weitergabe seiner Erkenntnisse immer auf verschiedenste, an die geistigen und spirituellen Voraussetzungen seiner Zuhörer angepasste, Art und Weise lehrte. Das ist auch der Grund, warum es nicht den Buddhismus gibt, sondern eine Vielzahl von Schulen und Richtungen, die sich zum Teil erheblich in der Auslegung der Lehre unterscheiden.
(Ich beziehe mich in meinen Ausführungen bezüglich des Buddhismus hier fast immer auf die im Mahayana bzw. Zen praktizierten Interpretationen, denn nur damit habe ich mich beschäftigt und nur darin habe ich Praxis!)
Beides also, Karma wie auch das Abstellen des Leidens, das Ausbrechen aus dem Kreislauf der Wiedergeburt (besser spräche man in Hinblick auf die unterschiedliche Konzepte, um Missverständnissen vorzubeugen, von Punabbhava, Wieder-Existenz), liegt in der Selbstverantwortung jedes einzelnen Menschen durch Erlangung tieferer Erkenntnis und steht somit vollkommen kontär zur Prädestinationslehre.
Das Leiden kommt nicht von außen, sondern ist, wenn man so will, selbstzugefügt. Aufgabe des Menschen ist es, dies durch absichtslose, also nicht auf das Ego ausgerichteter Selbstbeobachtung zu erkennen und daraus die Konsequenzen für das persönliche Handeln zu ziehen und so die Ursache des Leidens zu beseitigen. Zuerst für sich selbst - Veränderung sollte immer von Innen nach Außen erfolgen! - und erst dann auch durch die veränderte Verhaltensweise für seine gesamte Umwelt, jedes Lebewesen.
Was ist aber diese Absichtslosigkeit, dieses Absichtsloses Handeln?
Wie bereits gesagt, hat das nichts mit Fatalismus oder Gedankenlosigkeit zu tun. Vielmehr handelt es sich dabei um das Handeln ohne die, oben angeführten, "Drei Geistesgifte".
In unsere, westliche, Auffassung übertragen könnte man es mit Selbstlosigkeit übersetzen, jedoch auch hier lauert die Gefahr, den Begriff unterbewusst durch unseren kulturellen Kontext zu missdeuten. Mit Altruismus in seiner negativ behafteten Deutung, nämlich der völligen Aufopferung des Selbst, gemeinhin als "Selbstaufgabe" bekannt, hat Absichtsloses Handeln meiner bescheidenen Meinung absolut nichts zu tun.
Zwar trifft der Begriff "Opferung" den Kern der Sache ziemlich genau, in dem Sinne, dass man sein Ego beseite schiebt, und die Motivation für seine Handeln ständig daraufhin überprüfen sollte, ob sich dahinter nicht doch eigennützige Interessen verbergen, jedoch kann auch schon diese Art der Selbstopferung eben durch die Harangehensweise mit "leidverursachenden Emotionen" behaftet sein, wenn sie aus den falschen Gründen erfolgt oder man, wie häufig zu beobachten, Ego und Selbst nicht zu unterscheiden mag. Besser wäre es daher von Ich-Opferung zu sprechen.
(wobei beides nach buddhistischem Verständnis sowieso eine Täuschung ist bzw. eine temporäre Erscheinungsform der Skandhas. Aber belassen wir es einstweilen bei den Begriffen - Mehr dazu in der Fortsetzung...)
Wie ich bereits mehrfach in unterschiedlichsten Kontexten erklärt habe, ist die Psyche eines Menschen sehr vielschichtig und gerade das Unterbewusstsein neigt dazu, uns an der Nase herum zu führen, so lange wir es nicht "zu packen kriegen". Viele Menschen, und da nehme ich mich bestimmt nicht aus, neigen dazu, sich selbst etwas über ihre Absichten und Motivationen in die Tasche zu lügen.
Das liegt eben auch daran, dass sich eben im Unterbewußtsein sehr viele alte Verletzungen, Vorurteile, schlechte Erfahrungen manifestieren, ohne dass man sich dessen bewußt sein mag. Man gibt vor, etwas aus Uneigenützigkeit zu tun, ist davon möglicherweise sogar fest überzeugt, allerdings verbergen sich dahinter eben dann doch höchst egoistische Beweggründe, die "Geistesgifte", resultierend eben aus diesen unterbewußten "Schatten".
Das kann soweit gehen, dass einem das Unterbewusstsein sogar vorgaukelt, beim Ego handele es sich um das Selbst.
Aber allein schon, mit seinem Handeln ein bestimmtes Ziel verfolgen zu wollen, also etwas bestimmtes zu begehren, führt weg vom absichtslosen Handeln.
Sich dessen bewußt zu werden, wäre also der erste Schritt zum absichtlosen Handeln.
Um zu verstehen, was dieses Handeln ohne Absicht nun wirklich ist, hilft es, sich etwas mit Daoismus zu beschäftigen, der bei der Entstehung des Zen maßgeblichen Einfluss hatte. Dort gibt es den Begriff des WuWei, des Handelns durch Nicht-Handeln.
Um das zu verstehen, muss man Begreifen, dass das Dao Alles und Nichts ist, Existenz und Nicht-Existens, im Grunde unser gesamter Kosmos. Die ein wenig abgedroschne Phrase "Der Weg ist das Ziel!" ist Dao, denn es ist eben von der Bedeutung her beides in einem, Weg und Ziel zugleich. (Tipp: Einfach mal bei dem vielzitierten Satz die Artikel weglassen!)
Handeln durch Nicht-Handeln bedeutet also nicht, sich in etwas fügen, die Hände in die Taschen schieben und warten, dass "ES" vorübergeht, sondern nicht gegen das Dao zu arbeiten, sondern mit ihm.
Um zu verdeutlichen, was damit gemeint ist, versuche ich es mit einem Beispiel:
Man steht in einer Großstadt an einer stark befahrenen, vielleicht vierspurigen Straße und möchte auf die andere Seite.
Nun hat man mehrere Möglichkeiten:
Man kann warten, bis die Straße völlig frei ist. (Optimist!^^)
Man kann sich die nächste Fussgängerampel suchen, was durchaus vernünfig wäre.
Man kann aber auch erst einmal schauen, nach welchen Gesätzmäßigkeiten der Verkehr fließt (und diese Gesätzmäßigkeiten gibt es!) und dann losgehen.
Wenn ein Auto kommt bleibt man kurz stehen oder passt seine Schrittgeschwindigkeit an, bis es vorüber ist und geht weiter, Stück um Stück, den fließenden Verkehr immer im Auge behaltend.
Man darf nur nicht den Fehler machen, sich dem Kopf, dem Verstand, auszuliefern, der einem vielleicht sagt: "He, das ist bekloppt! Kein vernünftiger Mensch macht, was du da machst. - Wenn du dich in der Geschwindigkeit verschätzt, dann erwischen sie dich! - Nicht jetzt gehen, stopp! - Da kommt einer, da, da ist wieder einer! - Boah, guck dir mal an, was auf der anderen Spur los ist, da kommst du nie rüber, selbst, wenn du es bis dahin schaffst....!", oder einfach nur das Ziel im Augen haben und blindlings losgehen, sondern schlicht intuitiv auf das reagieren, was gerade passiert. Man wird dabei merken, dass durch dieses Handeln weder der Verkehr stockt, noch man selbst ins Stocken gerät.
Das funktioniert!
(Liebe Kinder, ich muss jetzt nicht sagen, dass die olle Krähe schon ein paar Jahre Erfahrung auf dem Buckel hat und man die auch braucht, um zu wissen, wann man sich im "Flow" befindet und wann man solcherlei Handlungen besser verkneift, oder?)
Das ist Wuwei, das ist leben im Dao, das ist Zen!
Wenn ich mir ein Ziel setze, dann setze ich nicht alles daran, dieses gegen alle Widerstände durchzuboxen, sondern ich beginne einfach mit einem Schritt, und dieser erste Schritt ist das Ziel, dann kommt die nächste Etappe und so fort und ich nutze jeweils das, was auf den einen Schritt an Reaktion, Resonanz erfolgt, orientiere mich daran, nutze es, um weiter zu machen. Das muss mich nicht auf geradem Weg zum Ergebnis führen, subjektiv gesehen, mag es mich auch aufhalten oder mich Zeit kosten, aber im großen Ganzen betrachtet, komme ich damit wesentlich erfolgreicher, schneller, weil mit weniger Rückschlägen und verlustfreier für mich und alles andere (Mitmenschen, Umwelt, Kosmos) voran, als dass ich versuche, durchzubrechen und dabei vielleicht mehr Schaden verursache, als Nutzen. Ich arbeite nicht gegen etwas (das Prinzip), sondern mit dem, was ich vorfinde. Ich biete keinen Widerstand! Kein "Das muss aber jetzt klappen!" Ich mache einfach, und sehe was dabei herauskommt.
Ein besseres Beispiel, welches mir zur Veranschaulichung einfiele wäre noch, wenn man sich den Weg durch einen Dschungel bahnen müsste, weil man auf die andere Seite gelangen möchte. Man kann sich dann natürlich eine Machete schnappen und sich den Weg frei schlagen. Man kann aber auch erst einmal schauen, ob sich nicht auch natürliche Schneisen finden lassen, wie zum Beispiel ein Bach oder Fluss, der sich durch den Urwald schlängelt, und dann an dessen Ufer entlang gehen. Das bedarf zwar etwas Zeit, mag auch nicht auf geradem Weg zum Ziel führen, aber ich nutze damit natürliche Pfade, die bereits vorhanden sind ohne etwas willentlich zu zerstören.
Auch beim Aikidō finde ich, mehr noch als beim oft angeführten, weil systeminhärenten, Tàijíquán, Wuwei. Der Verteidiger nutzt die vorhandene Energie des Angreifers um ihn angriffsunfähig zu machen. Dabei ist er nicht der Aktive, sondern reagiert lediglich intuitiv auf das, was ihm der Angreifende zur Verfügung stellt.
Aikidō ist meiner Meinung nach nicht nur wegen seines Defensiv-Charakters eine sehr schönes Beispiel, sondern auch, weil es weder Gewichtsklassen noch eine Trennung nach Geschlechtern und auch, traditionell, keine Wettkämpfe kennt. Zwar wurde von verschiedenen Schulen immer wieder versucht, solche Wettkämpfe zu initieren, um die Umsetzung unter realen Situationen zu üben und zu gewährleisten, allerdings genügte bisher keines der dafür herangezogenen System der eigentlichen Philosophie, welche dem Aikidō zu Grunde liegt. Allein schon, dass es dabei um Sieger und Verlierer(Besiegten) gehen müsste, widerspricht dem nicht-dualistischen Denken.
Einen sehr schönen Text, der sich mit dieser Problematik auseinandersetzt, findet man hier.
Was hat das alles aber mit der Überschrift "Töte den Willen" zu tun?
Und wieso rede ich als Thelemit hier davon, den Willen zu töten, wo Thelema doch nichts anderes heißt als "Willen"?
Weil es sich dabei eben um zwei Arten Willen handelt, weshalb dieses Thema hier ( und für mich persönlich) auch so viel Raum einnimmt. Das ist auch der Grund, weshalb ich bei dieser Thematik, wie bei allen "Tötungsdelikten" so großen Bezug auf Buddhismus bzw. Daoismus nehme.
Ich denke, viele Probleme, viele Missstimmungen und Niederlagen beruhen eben darauf, dass Menschen mit falschen Vorstellungen an ihre Pläne, Vorhaben, um nicht zu sagen, ihr Leben herangehen.
Sie wollen glücklich sein, sie wollen geliebt werden, sie wollen anerkannt werden.
Die Aufzählung könnte beliebig erweitert werden.
Meiner Meinung nach erliegt man dabei aber dann dem fatalen Fehler, sich gegen die Welt zu stellen, eben in dem Sinne, dass man nicht das Vorhandene nutzt, sondern etwas aus dem Nichts heraus erzwingen will. Sie sehen sich dabei als "Einzelne" in der Menge anderer "Einzelner".
Individualismus ist zwar existenziell wichtig, was ich ja bereits hier einmal beschrieben habe, aber auch ein Individuum ist allein kaum lebensfähig.
Willen im oben beschriebenen weltlich ausgerichteten Kontext, also die Begierde allein, mag das Ego befriedigen, aber er stößt dort auf seine Grenzen, wo es gilt, sich mit der Außenwelt, anderen Individuen, zu vereinen. Das Ego will nicht teilen, es will herrschen. Es ist in erster Linie auf die Befriedigung der eigenen Gelüste ausgelegt. Diese Gelüste jedoch erzeugen eben ein Ungleichgewicht im Makrokosmos (Umwelt), das wiederum seinen Niederschlag im Mikrokosmos(Mensch) findet, sei es Enttäuschung, Verbitterung, Hass oder Aufgabe.
Dieser egobezogene, weltlich ausgerichtete, Wille erwünscht sich eine Reaktion, z.B. eine Liebesbezeugung oder Anerkennung, vielleicht sogar den Weltfrieden (siehe Geistesgift Nummero Uno), dies ist das begehrte Ergebnis, allein dies steht der Umsetzung aufgrund falscher Vorraussetzungen oder Annahmen (Geistesgift 3) im Weg und so wird seine Realisierung erschwert oder unmöglich gemacht, weshalb man dabei auf Widerstände trifft (und deshalb Geistesgift Nr. 2 hervorruft).
Jeder, der schon mal einen Gegenstand verlegt hat, dürfte es kennen:
Man sucht und sucht, will dieses Ding unter allen Umständen finden, aber die Suche bleibt erfolglos. Zum Haareraufen! Wenn man dann endlich die Suche irgendwann wütend oder entnervt aufgibt und sich möglicherweise zähneknirschend ein neues "Ding" kauft, dann fällt einem das Gesuchte plötzlich vor die Füße!
Was wie ein Scherz des Universums anmutet, ist lediglich, so bescheuert sich auch anhört, die praktische Auswirkung auf ein Handeln gegen das gesetzmäßige Prinzip (Dao).
Das ist das im Buddhismus als "Weltlich" definierte Wirken. Die absichtliche Handlung.
Anders sieht es mit dem im Thelema oft benutzten Terminus des "Wahren Willen" aus.
Dabei handelt es sich eben, so denke ich, um diese, nach buddhistischer Definition "Überweltliche" Art des Wirkens, die sich durch absichtslose Handlung manifestiert. Dies ist auch für mich der Kern hinter der Aussage dieses Satzes aus dem Liber Al vel Legis:
Nicht das Ego, sondern das Selbst ist hier die treibende Kraft. Dieses aber kennt keine Eitelkeit, keine Begierde, keinen Hass, keine Beschränkung. Es ist und damit ist es Dao.
Ich weiß, es nervt langsam, aber anders kann ich es eben nicht in Worte fassen. Alles-Nichts wäre dem Verständnis noch weniger hilfreich. Einzig Ensō könnte versinnbildlichen, was ich meine.
Aber ich könnte jetzt nicht sagen, was man da erkennen sollte oder gar müsste. Entweder es macht *klick* oder eben nicht.
Dafür ist es übrigens vollkommen unwichtig, ob man nun dem Gesetz Thelemas, dem Daoismus, Buddhismus oder ähnlichen Philosophien folgt oder noch nie etwas von alldem gehört hat...
Jedenfalls ist hier eben wieder der Punkt erreicht, wo die Sprache an die Grenzen ihrer Ausdrucksmöglichkeiten für das Erlebbare, Fühlbare, für die Erkenntnis, stößt.
Intellektuell kann man das nicht erklären, sowie es, meiner Erfahrung nach, auch mit dem Verstand (allein) nicht erfassbar ist. Gleiches gilt für mich eben auch aufgrund eigener Erfahrung für die hier erwähnten östlichen Philosophien, Buddhismus, in meinem Fall Zen, und Daoismus. Wer sich ihnen nur auf Basis des Verstandes nähert, wird meiner Meinung nach niemals erfahren, was die Lehren wirklich beinhalten. (Gilt im Übrigen m.E. für jede spirituelle Erfahrung).
Jedenfalls kann es auf der Suche nach dem Wahren Willen wichtig sein, den "Willen" zu töten, wenn man es aus diesem von mir beschriebenen Aspekt heraus angeht bzw. betrachtet.
Auch, wenn man nicht nach höherer Erkenntnis strebt, kann das Wissen um die hier beschriebenen Prinzipien durchaus nützlich sein.
Und wenn es sich eben nur darum dreht, zu begreifen, warum man das, was man gerade händeringend sucht, eben ums Verrecken nicht finden kann...^^
Apropos absichtsloses Handeln, Wahrer Wille und Scherz des Universums, erinnert sich noch jemand, der den vorherigen Beitrag oder den als Initialzündung dienenden Tipharet-Artikel gelesen hat, an meine Schilderung über meine bewußte Abkehr vom Pfad des Zen und dem Buddhismus generell, weil ich damals nicht die Absicht hatte mein schönes Ego zu Gunsten Höherer Erkenntnis aufzugeben?
Tja, wer den Gag jetzt schon verstanden hat, darf nun ruhig lachen...
Mindestens ein Mord steht übrigens noch aus...
To be continue
Dafür muss ich allerdings etwas ausholen, also habt Geduld mit mir:
Karma, gerade im spirituellen Bereich ein oft gebrauchter, oft auch missdeuteter oder gar missbräuchlich genutzter Begriff, hat nichts mit Schicksal oder äußere Beurteilung eines Menschen und seiner Taten (wie z.B. durch das Jüngste Gericht) zu tun. Es ist also nicht mit (gerechtfertigter) Vergeltung von "Sünden" zu verwechseln.
Die Vorstellung beruht vielmehr auf dem Verständnis von Ursache und Wirkung, sowohl von Handlungen, als auch, und das wird häufig vergessen, von Gedanke und Gefühlen einer Person. Bei der Auswirkung spielt die Absicht eine sehr große Rolle, jedoch nicht, wie man vielleicht fälschlich annehmen könnte, dass gedankenlose, unabsichtliche, Taten ohne Auswirkung blieben - jede Handlung, jeder Gedanke, jedes Gefühl ordnet augenblicklich die Welt neu, weil ich, wie ich bereits in dem Tiphareth-Beitrag andeutete, die Meinung vertrete, alles stehe miteinander in Verbindung , da es sich um einen einzigen Organismus handelt - sondern vielmehr in dem Sinne, dass die dahinter stehende Grundhaltung des Einzelnen ausschlaggebend ist. Karma ist lediglich die logische Konsequenz unserer Handlungen und der Absicht, die ihnen zu Grunde liegt.
In der Ethik des Buddhismus kennt man dazu die Drei Geistesgifte, treffender als "Leid verursachenden Emotionen" bezeichnet:
- Gier (pali lobha, tib. 'dod chags), auch als Sucht oder Begierde übersetzt, ist das Haben- und Besitzenwollen, das Bestreben, auf jeden Fall und um jeden Preis zu existieren. Mit Gier verwandt sind die Leidenschaften, heftiges Begehren (raga) und "Durst" nach Werden (tanha). Erscheinungformen: Begierde, Machtgier, Sucht, Ruhmsucht, Habsucht, Trunksucht, Begierde nach den fünf Sinnesobjekten, Verlangen, Sehnsucht, Neigung, Zuneigung, Anhänglichkeit, Vorliebe, Verliebtheit.
- Heilsam (kosala) wirken Großzügigkeit und Mildtätigkeit (dāna).
- Hass (pali dosa, skt. dvesa), auch als Zorn übersetzt, ist die Selbstbehauptung eines illusionären Selbst den Mitwesen gegenüber. Erscheinungformen: Wut, Zorn, Rachsucht, Abscheu, Ärger, Übelwollen, Unwillen, Widersetzlichkeit, Abneigung, schlechte Laune, Widerwillen, Verdruß, Ressentiment.
- Heilsam wirkt Güte (metta).
- Verblendung (moha) und Unwissenheit (skt. avidya) sind weitestgehend deckungsgleiche Begriffe. Erscheinungsformen: Unwissenheit (von wesentlichen Dingen, z. B. den vier edlen Wahrheiten), falsche Ansichten, Fanatismus, Dünkel, Verwirrung, Stumpfsinn, Dummheit, Vorurteil, Dogmatismus.
- Heilsam und erstrebenswert ist dagegen Weisheit (pañña)
Daraus ergibt sich dann eben auch die Wirkung des Karma auf das Leiden durch Samsara oder die Reinkarnation
Genauso wenig wie der ständige Wandel von Werden und Vergehen, das damit verbundene Leiden, etwas mit Strafe für ein verfehlte Heilsziel, in dem Fall die Erlösung vom Leiden durch das "Erwachen"(Bodhi) zu tun hat, kann man durch äußere Einflüsse daraus befreit werden. Auch hier gilt, der Kreislauf ist keine Hölle aus der man durch ein "gottgefälliges" frommes Leben erlöst oder befreit wird.
Es gibt schlicht keine höhere Instanz, die straft oder belohnt.
Allein die Erlangung von eigener Erkenntnis über die Zusammenhänge (Dharma) des Seins führt zu einem Abstellen des Leidens.
Das heißt auch, dass man nicht durch willentliche "Anhäufung" postitivem Karmas seine Chancen verbessert, aus dem "Teufelskreis" auszubrechen.
Dabei ist es wichtig zu wissen, dass man nicht nur zwischen "Unheilsam" und der jeweiligen "Heilsamen" Ensprechung, beispielsweise Hass und Güte, unterscheidet, sondern auch versteht, dass es dort dann wiederum noch eine Trennung zwischen "Weltlich" und "Überweltlich" existiert. So befreit weltliche, also lediglich auf die Wirkung auf die (Um-)Welt bedachte, Güte nicht vom Leiden, erzeugt aber Karma, wohingegen Güte um ihrer Selbst Willen, über die Weltliche Wirkung hinaus, welches kein Karma erzeugt, das Leiden beendet.
Hinzuzufügen ist ebenfalls, dass das "Leiden" bzw. das Leben als "leidvoll" zu betrachten, im Buddhismus keinesfalls mit einer pessimistischen Grundhaltung zu verwechseln ist. Mit Weltschmerz, elendem Dasein oder Kummer hat dies wenig bis gar nichts zu tun. Leiden, Dukkha, bezeichnet lediglich den Kreislauf von Werden und Vergehen durch eine weltliche, sprich auf das Ego reduzierte Existenz.
Abstellen von Leiden durch das Erwachen (Bodhi) beendet diesen Kreislauf, nicht aber das Dasein.
Nirvana, das Verlöschen, ist ja auch kein jenseitiges Erleben, flutsch und weg, immerhin lebte und lehrte Buddha Gautama nach der Erlangung dieses Zustandes durch das Erwachen noch gut 40 Jahre. Danach verschwand er nach buddhistischem Selbstverständnis auch nicht im Nichts, sondern ging ein in eine höhere Existenzebene. (Von der Möglichkeit, Bodhi zu erlangen und trotzdem weiter freiwillig Samsara zu "erleiden", um aus reiner Liebe erst anderen auf dem Weg der Erleuchtung zu helfen, dem Bodhisattva, rede ich besser gar nicht...^^)
Wie bereits im vorangegangenen Artikel "Tod dem Buddha", auf den dieser hier die unmittelbare Fortsetzung darstellt, angesprochen, steht einem hier bisweilen die westliche geprägte Denkweise im Weg.
Mehr noch, es ist auch teilweise schwierig, die buddhistische Auffassung von der des Hinduismus zu unterscheiden, der zum Teil dieselben Begriffe in einem komplett anderen Kontext verwenden.
Das wird auch dadurch klar erkennbar, dass man im Hinduismus an eine unvergängliche Seele glaubt, die man "mitnimmt" in die nächste Reinkarnation, im Buddhismus jedoch gar keine Seele existiert (Stichwort: Anātman)!
Hinzu kommt, dass Buddha Gautama bei der Weitergabe seiner Erkenntnisse immer auf verschiedenste, an die geistigen und spirituellen Voraussetzungen seiner Zuhörer angepasste, Art und Weise lehrte. Das ist auch der Grund, warum es nicht den Buddhismus gibt, sondern eine Vielzahl von Schulen und Richtungen, die sich zum Teil erheblich in der Auslegung der Lehre unterscheiden.
(Ich beziehe mich in meinen Ausführungen bezüglich des Buddhismus hier fast immer auf die im Mahayana bzw. Zen praktizierten Interpretationen, denn nur damit habe ich mich beschäftigt und nur darin habe ich Praxis!)
Beides also, Karma wie auch das Abstellen des Leidens, das Ausbrechen aus dem Kreislauf der Wiedergeburt (besser spräche man in Hinblick auf die unterschiedliche Konzepte, um Missverständnissen vorzubeugen, von Punabbhava, Wieder-Existenz), liegt in der Selbstverantwortung jedes einzelnen Menschen durch Erlangung tieferer Erkenntnis und steht somit vollkommen kontär zur Prädestinationslehre.
Das Leiden kommt nicht von außen, sondern ist, wenn man so will, selbstzugefügt. Aufgabe des Menschen ist es, dies durch absichtslose, also nicht auf das Ego ausgerichteter Selbstbeobachtung zu erkennen und daraus die Konsequenzen für das persönliche Handeln zu ziehen und so die Ursache des Leidens zu beseitigen. Zuerst für sich selbst - Veränderung sollte immer von Innen nach Außen erfolgen! - und erst dann auch durch die veränderte Verhaltensweise für seine gesamte Umwelt, jedes Lebewesen.
Was ist aber diese Absichtslosigkeit, dieses Absichtsloses Handeln?
Wie bereits gesagt, hat das nichts mit Fatalismus oder Gedankenlosigkeit zu tun. Vielmehr handelt es sich dabei um das Handeln ohne die, oben angeführten, "Drei Geistesgifte".
In unsere, westliche, Auffassung übertragen könnte man es mit Selbstlosigkeit übersetzen, jedoch auch hier lauert die Gefahr, den Begriff unterbewusst durch unseren kulturellen Kontext zu missdeuten. Mit Altruismus in seiner negativ behafteten Deutung, nämlich der völligen Aufopferung des Selbst, gemeinhin als "Selbstaufgabe" bekannt, hat Absichtsloses Handeln meiner bescheidenen Meinung absolut nichts zu tun.
Zwar trifft der Begriff "Opferung" den Kern der Sache ziemlich genau, in dem Sinne, dass man sein Ego beseite schiebt, und die Motivation für seine Handeln ständig daraufhin überprüfen sollte, ob sich dahinter nicht doch eigennützige Interessen verbergen, jedoch kann auch schon diese Art der Selbstopferung eben durch die Harangehensweise mit "leidverursachenden Emotionen" behaftet sein, wenn sie aus den falschen Gründen erfolgt oder man, wie häufig zu beobachten, Ego und Selbst nicht zu unterscheiden mag. Besser wäre es daher von Ich-Opferung zu sprechen.
(wobei beides nach buddhistischem Verständnis sowieso eine Täuschung ist bzw. eine temporäre Erscheinungsform der Skandhas. Aber belassen wir es einstweilen bei den Begriffen - Mehr dazu in der Fortsetzung...)
Wie ich bereits mehrfach in unterschiedlichsten Kontexten erklärt habe, ist die Psyche eines Menschen sehr vielschichtig und gerade das Unterbewusstsein neigt dazu, uns an der Nase herum zu führen, so lange wir es nicht "zu packen kriegen". Viele Menschen, und da nehme ich mich bestimmt nicht aus, neigen dazu, sich selbst etwas über ihre Absichten und Motivationen in die Tasche zu lügen.
Das liegt eben auch daran, dass sich eben im Unterbewußtsein sehr viele alte Verletzungen, Vorurteile, schlechte Erfahrungen manifestieren, ohne dass man sich dessen bewußt sein mag. Man gibt vor, etwas aus Uneigenützigkeit zu tun, ist davon möglicherweise sogar fest überzeugt, allerdings verbergen sich dahinter eben dann doch höchst egoistische Beweggründe, die "Geistesgifte", resultierend eben aus diesen unterbewußten "Schatten".
Das kann soweit gehen, dass einem das Unterbewusstsein sogar vorgaukelt, beim Ego handele es sich um das Selbst.
Aber allein schon, mit seinem Handeln ein bestimmtes Ziel verfolgen zu wollen, also etwas bestimmtes zu begehren, führt weg vom absichtslosen Handeln.
Sich dessen bewußt zu werden, wäre also der erste Schritt zum absichtlosen Handeln.
Um zu verstehen, was dieses Handeln ohne Absicht nun wirklich ist, hilft es, sich etwas mit Daoismus zu beschäftigen, der bei der Entstehung des Zen maßgeblichen Einfluss hatte. Dort gibt es den Begriff des WuWei, des Handelns durch Nicht-Handeln.
Um das zu verstehen, muss man Begreifen, dass das Dao Alles und Nichts ist, Existenz und Nicht-Existens, im Grunde unser gesamter Kosmos. Die ein wenig abgedroschne Phrase "Der Weg ist das Ziel!" ist Dao, denn es ist eben von der Bedeutung her beides in einem, Weg und Ziel zugleich. (Tipp: Einfach mal bei dem vielzitierten Satz die Artikel weglassen!)
Handeln durch Nicht-Handeln bedeutet also nicht, sich in etwas fügen, die Hände in die Taschen schieben und warten, dass "ES" vorübergeht, sondern nicht gegen das Dao zu arbeiten, sondern mit ihm.
Um zu verdeutlichen, was damit gemeint ist, versuche ich es mit einem Beispiel:
Man steht in einer Großstadt an einer stark befahrenen, vielleicht vierspurigen Straße und möchte auf die andere Seite.
Nun hat man mehrere Möglichkeiten:
Man kann warten, bis die Straße völlig frei ist. (Optimist!^^)
Man kann sich die nächste Fussgängerampel suchen, was durchaus vernünfig wäre.
Man kann aber auch erst einmal schauen, nach welchen Gesätzmäßigkeiten der Verkehr fließt (und diese Gesätzmäßigkeiten gibt es!) und dann losgehen.
Wenn ein Auto kommt bleibt man kurz stehen oder passt seine Schrittgeschwindigkeit an, bis es vorüber ist und geht weiter, Stück um Stück, den fließenden Verkehr immer im Auge behaltend.
Man darf nur nicht den Fehler machen, sich dem Kopf, dem Verstand, auszuliefern, der einem vielleicht sagt: "He, das ist bekloppt! Kein vernünftiger Mensch macht, was du da machst. - Wenn du dich in der Geschwindigkeit verschätzt, dann erwischen sie dich! - Nicht jetzt gehen, stopp! - Da kommt einer, da, da ist wieder einer! - Boah, guck dir mal an, was auf der anderen Spur los ist, da kommst du nie rüber, selbst, wenn du es bis dahin schaffst....!", oder einfach nur das Ziel im Augen haben und blindlings losgehen, sondern schlicht intuitiv auf das reagieren, was gerade passiert. Man wird dabei merken, dass durch dieses Handeln weder der Verkehr stockt, noch man selbst ins Stocken gerät.
Das funktioniert!
(Liebe Kinder, ich muss jetzt nicht sagen, dass die olle Krähe schon ein paar Jahre Erfahrung auf dem Buckel hat und man die auch braucht, um zu wissen, wann man sich im "Flow" befindet und wann man solcherlei Handlungen besser verkneift, oder?)
Das ist Wuwei, das ist leben im Dao, das ist Zen!
Wenn ich mir ein Ziel setze, dann setze ich nicht alles daran, dieses gegen alle Widerstände durchzuboxen, sondern ich beginne einfach mit einem Schritt, und dieser erste Schritt ist das Ziel, dann kommt die nächste Etappe und so fort und ich nutze jeweils das, was auf den einen Schritt an Reaktion, Resonanz erfolgt, orientiere mich daran, nutze es, um weiter zu machen. Das muss mich nicht auf geradem Weg zum Ergebnis führen, subjektiv gesehen, mag es mich auch aufhalten oder mich Zeit kosten, aber im großen Ganzen betrachtet, komme ich damit wesentlich erfolgreicher, schneller, weil mit weniger Rückschlägen und verlustfreier für mich und alles andere (Mitmenschen, Umwelt, Kosmos) voran, als dass ich versuche, durchzubrechen und dabei vielleicht mehr Schaden verursache, als Nutzen. Ich arbeite nicht gegen etwas (das Prinzip), sondern mit dem, was ich vorfinde. Ich biete keinen Widerstand! Kein "Das muss aber jetzt klappen!" Ich mache einfach, und sehe was dabei herauskommt.
Ein besseres Beispiel, welches mir zur Veranschaulichung einfiele wäre noch, wenn man sich den Weg durch einen Dschungel bahnen müsste, weil man auf die andere Seite gelangen möchte. Man kann sich dann natürlich eine Machete schnappen und sich den Weg frei schlagen. Man kann aber auch erst einmal schauen, ob sich nicht auch natürliche Schneisen finden lassen, wie zum Beispiel ein Bach oder Fluss, der sich durch den Urwald schlängelt, und dann an dessen Ufer entlang gehen. Das bedarf zwar etwas Zeit, mag auch nicht auf geradem Weg zum Ziel führen, aber ich nutze damit natürliche Pfade, die bereits vorhanden sind ohne etwas willentlich zu zerstören.
Auch beim Aikidō finde ich, mehr noch als beim oft angeführten, weil systeminhärenten, Tàijíquán, Wuwei. Der Verteidiger nutzt die vorhandene Energie des Angreifers um ihn angriffsunfähig zu machen. Dabei ist er nicht der Aktive, sondern reagiert lediglich intuitiv auf das, was ihm der Angreifende zur Verfügung stellt.
Aikidō ist meiner Meinung nach nicht nur wegen seines Defensiv-Charakters eine sehr schönes Beispiel, sondern auch, weil es weder Gewichtsklassen noch eine Trennung nach Geschlechtern und auch, traditionell, keine Wettkämpfe kennt. Zwar wurde von verschiedenen Schulen immer wieder versucht, solche Wettkämpfe zu initieren, um die Umsetzung unter realen Situationen zu üben und zu gewährleisten, allerdings genügte bisher keines der dafür herangezogenen System der eigentlichen Philosophie, welche dem Aikidō zu Grunde liegt. Allein schon, dass es dabei um Sieger und Verlierer(Besiegten) gehen müsste, widerspricht dem nicht-dualistischen Denken.
Einen sehr schönen Text, der sich mit dieser Problematik auseinandersetzt, findet man hier.
Was hat das alles aber mit der Überschrift "Töte den Willen" zu tun?
Und wieso rede ich als Thelemit hier davon, den Willen zu töten, wo Thelema doch nichts anderes heißt als "Willen"?
Weil es sich dabei eben um zwei Arten Willen handelt, weshalb dieses Thema hier ( und für mich persönlich) auch so viel Raum einnimmt. Das ist auch der Grund, weshalb ich bei dieser Thematik, wie bei allen "Tötungsdelikten" so großen Bezug auf Buddhismus bzw. Daoismus nehme.
Ich denke, viele Probleme, viele Missstimmungen und Niederlagen beruhen eben darauf, dass Menschen mit falschen Vorstellungen an ihre Pläne, Vorhaben, um nicht zu sagen, ihr Leben herangehen.
Sie wollen glücklich sein, sie wollen geliebt werden, sie wollen anerkannt werden.
Die Aufzählung könnte beliebig erweitert werden.
Meiner Meinung nach erliegt man dabei aber dann dem fatalen Fehler, sich gegen die Welt zu stellen, eben in dem Sinne, dass man nicht das Vorhandene nutzt, sondern etwas aus dem Nichts heraus erzwingen will. Sie sehen sich dabei als "Einzelne" in der Menge anderer "Einzelner".
Individualismus ist zwar existenziell wichtig, was ich ja bereits hier einmal beschrieben habe, aber auch ein Individuum ist allein kaum lebensfähig.
Willen im oben beschriebenen weltlich ausgerichteten Kontext, also die Begierde allein, mag das Ego befriedigen, aber er stößt dort auf seine Grenzen, wo es gilt, sich mit der Außenwelt, anderen Individuen, zu vereinen. Das Ego will nicht teilen, es will herrschen. Es ist in erster Linie auf die Befriedigung der eigenen Gelüste ausgelegt. Diese Gelüste jedoch erzeugen eben ein Ungleichgewicht im Makrokosmos (Umwelt), das wiederum seinen Niederschlag im Mikrokosmos(Mensch) findet, sei es Enttäuschung, Verbitterung, Hass oder Aufgabe.
Dieser egobezogene, weltlich ausgerichtete, Wille erwünscht sich eine Reaktion, z.B. eine Liebesbezeugung oder Anerkennung, vielleicht sogar den Weltfrieden (siehe Geistesgift Nummero Uno), dies ist das begehrte Ergebnis, allein dies steht der Umsetzung aufgrund falscher Vorraussetzungen oder Annahmen (Geistesgift 3) im Weg und so wird seine Realisierung erschwert oder unmöglich gemacht, weshalb man dabei auf Widerstände trifft (und deshalb Geistesgift Nr. 2 hervorruft).
Jeder, der schon mal einen Gegenstand verlegt hat, dürfte es kennen:
Man sucht und sucht, will dieses Ding unter allen Umständen finden, aber die Suche bleibt erfolglos. Zum Haareraufen! Wenn man dann endlich die Suche irgendwann wütend oder entnervt aufgibt und sich möglicherweise zähneknirschend ein neues "Ding" kauft, dann fällt einem das Gesuchte plötzlich vor die Füße!
Was wie ein Scherz des Universums anmutet, ist lediglich, so bescheuert sich auch anhört, die praktische Auswirkung auf ein Handeln gegen das gesetzmäßige Prinzip (Dao).
Das ist das im Buddhismus als "Weltlich" definierte Wirken. Die absichtliche Handlung.
Anders sieht es mit dem im Thelema oft benutzten Terminus des "Wahren Willen" aus.
Dabei handelt es sich eben, so denke ich, um diese, nach buddhistischer Definition "Überweltliche" Art des Wirkens, die sich durch absichtslose Handlung manifestiert. Dies ist auch für mich der Kern hinter der Aussage dieses Satzes aus dem Liber Al vel Legis:
"For pure will, unassuaged of purpose, delivered from the lust of result, is every way perfect." AL I, 44
Übersetzt etwa "Denn reiner Wille, unbefleckt von Zweck, erlöst vom Gelüst nach Ergebnis, ist in jeder Weise vollkommen. "
Nicht das Ego, sondern das Selbst ist hier die treibende Kraft. Dieses aber kennt keine Eitelkeit, keine Begierde, keinen Hass, keine Beschränkung. Es ist und damit ist es Dao.
Ich weiß, es nervt langsam, aber anders kann ich es eben nicht in Worte fassen. Alles-Nichts wäre dem Verständnis noch weniger hilfreich. Einzig Ensō könnte versinnbildlichen, was ich meine.
"Enso - Calligraphy by Kanjuro Shibata XX"
Aber ich könnte jetzt nicht sagen, was man da erkennen sollte oder gar müsste. Entweder es macht *klick* oder eben nicht.
Dafür ist es übrigens vollkommen unwichtig, ob man nun dem Gesetz Thelemas, dem Daoismus, Buddhismus oder ähnlichen Philosophien folgt oder noch nie etwas von alldem gehört hat...
Jedenfalls ist hier eben wieder der Punkt erreicht, wo die Sprache an die Grenzen ihrer Ausdrucksmöglichkeiten für das Erlebbare, Fühlbare, für die Erkenntnis, stößt.
Intellektuell kann man das nicht erklären, sowie es, meiner Erfahrung nach, auch mit dem Verstand (allein) nicht erfassbar ist. Gleiches gilt für mich eben auch aufgrund eigener Erfahrung für die hier erwähnten östlichen Philosophien, Buddhismus, in meinem Fall Zen, und Daoismus. Wer sich ihnen nur auf Basis des Verstandes nähert, wird meiner Meinung nach niemals erfahren, was die Lehren wirklich beinhalten. (Gilt im Übrigen m.E. für jede spirituelle Erfahrung).
Jedenfalls kann es auf der Suche nach dem Wahren Willen wichtig sein, den "Willen" zu töten, wenn man es aus diesem von mir beschriebenen Aspekt heraus angeht bzw. betrachtet.
Auch, wenn man nicht nach höherer Erkenntnis strebt, kann das Wissen um die hier beschriebenen Prinzipien durchaus nützlich sein.
Und wenn es sich eben nur darum dreht, zu begreifen, warum man das, was man gerade händeringend sucht, eben ums Verrecken nicht finden kann...^^
Apropos absichtsloses Handeln, Wahrer Wille und Scherz des Universums, erinnert sich noch jemand, der den vorherigen Beitrag oder den als Initialzündung dienenden Tipharet-Artikel gelesen hat, an meine Schilderung über meine bewußte Abkehr vom Pfad des Zen und dem Buddhismus generell, weil ich damals nicht die Absicht hatte mein schönes Ego zu Gunsten Höherer Erkenntnis aufzugeben?
Tja, wer den Gag jetzt schon verstanden hat, darf nun ruhig lachen...
Mindestens ein Mord steht übrigens noch aus...
To be continue
Labels:
Heidentum,
Meine Gedanken,
Thelema,
Tötungsdelikte
Montag, 27. September 2010
Licht und Liebe, Leute!
Ich muss dringend mal was loswerden.
Mich nervt dieses Licht-und-Liebe-Gesülze in der Neopaganen Szene gewaltig und damit bin ich, wie ich weiß, wirklich nicht allein. Und nicht nur, weil ich es mit konfliktunwilligen oder soll man besser sagen -unfähigen Menschen, die auf Teufel komm heraus jeder Kontroverse aus dem Weg gehen und immer nur heile Welt spielen wollen, nicht so habe.
Ernsthaft, Kontroverse ist für mich, Leben, ist Bewegung, ist Inspiration und Nahrung für den Geist.
Dazu kommt, dass ich es schon erheblich komisch finde, wenn jemand innerhalb eines Gespräches ständig seine Meinung wechselt, ständig zurückrudert und relativiert. Schon klar, manchmal schießt der Mund schneller als das Gehirn, passiert mir auch mal, aber Übung macht den Meister und irgendwie möchte man ja auch verstanden werden und drückt sich dementsprechend überlegt aus.
Hinzu kommt, dass bisweilen auch der Begriff Toleranz erheblich überstrapaziert wird. Dazu hatte ich mich ja hier schon einmal sehr ausführlich geäußert.
Und weil der "Heide an sich" ja so viel besser ist, als Otto-Normal-Mensch (was für eine elitäreKacke Wahrnehmung!), hängt er sich selbst einen Orden um und deklariert sein Wolkenkuckucksheimkonstrukt von (Zwangs-)Licht-und-Liebe-Mentalität als Maß aller Dinge und Lösung für alle bestehenden Probleme der Menschheit.
Tja, und wer das nicht so sieht, ist eben kein rechter Heide, sondern ein Egozentriker, oder Selbstdarsteller, oder aber, der Oberhammer, er gibt seine Heidnischen Ideale zu Gunsten einer Gesellschaftskonformen Lebenstrategie eben auf.
Ja, schon klar...
Okay, kann mir natürlich vollkommen egal sein, was andere Leute sich für Traumblasen basteln - tu was du willst, soll sein das ganze des Gesetzes.
Und genau darin liegt auch das einzige Problem, welches ich mit den LuL-Heinis habe.
Licht und Liebe kommt nämlich von uns!
Wir haben da quasi das Copyright drauf!
Licht, Liebe, Leben und Freiheit sind die Vier Säulen auf denen Thelema ruht, oder, wie To Mega Therion es selbst ausdrückt, die vier Strahlen oder Emanationen, die dem Gesetzt entspringen
Aber eben nicht in dieser klebrigsüßen, rosa Zuckerwatte Art und Weise, wie das hier einige gründlich missverstanden zu haben scheinen. Guckt ihr Liber CL - De lege Libellum, werdet ihr verstehen.
Die Idee, die er hier beschreibt ist natürlich auch nicht neu und entspricht im Prinzip dem, was man in vielen östlichen Philosophien wie z.B. dem Buddhismus und Daoismus, aber auch der Antiken Gnosis findet.
Es geht schlicht nicht darum, alle Leute wahnsinnig lieb zu haben und jeden mit 'ner Flutlichtanlage ins Gesicht zu strahlen, sondern sein eigenes Licht, sprich zu tieferer Erkenntnis und dadurch zu innerem Frieden, Liebe, zu finden, um so zu begreifen, dass in einem unendlichen, ständig in Bewegung befindlichem Universum, in besonderem Maße bezogen auf die geistige Ebene, genug Raum für alle Daseinsformen ist und das im Leben umzusetzen.
Mal platt ausgedrückt, so lange der eigene "Keller" nicht entrümpelt ist, kann man schlecht den anderen erklären, dass ihrer ein Saustall ist. Hat man aber die Ärmel aufgekrempelt und bei sich aufgeräumt, dann ist einem der Nachbarkeller völlig egal.
Mit krankhafter Harmoniesucht, Toleranzgefasel, und Wattebausch-Mentalität hat das überhaupt nichts zu tun.
Ganz im Gegenteil!
Wer meiner Meinung nach anderen die Wattebäusche so tief in den Hals schiebt, dass sie daran ersticken, der drückt allenfalls damit unterdrückte Frustration aus. Der liebt nicht, der will seine Ohnmacht der Realität gegenüber überspielen.
Überhaupt, Visionen von einem Leben in absoluter Harmonie, wo alle Menschen Freunde sind und es keinerlei gesellschaftliche Ungerechtigkeiten mehr gibt, erinnern mich immer ein wenig an die Eloi in H.G. Wells "The Time Machine". Völlig sorgenfrei und fröhlich, aber im Grunde absolut naiv, lebensunfähig und degeneriert hüpfen die durch den Tag. Aber wehe wenn die Nacht heraufzieht...
In diesem Sinne
Licht und Liebe, Leute!
Mich nervt dieses Licht-und-Liebe-Gesülze in der Neopaganen Szene gewaltig und damit bin ich, wie ich weiß, wirklich nicht allein. Und nicht nur, weil ich es mit konfliktunwilligen oder soll man besser sagen -unfähigen Menschen, die auf Teufel komm heraus jeder Kontroverse aus dem Weg gehen und immer nur heile Welt spielen wollen, nicht so habe.
Ernsthaft, Kontroverse ist für mich, Leben, ist Bewegung, ist Inspiration und Nahrung für den Geist.
Dazu kommt, dass ich es schon erheblich komisch finde, wenn jemand innerhalb eines Gespräches ständig seine Meinung wechselt, ständig zurückrudert und relativiert. Schon klar, manchmal schießt der Mund schneller als das Gehirn, passiert mir auch mal, aber Übung macht den Meister und irgendwie möchte man ja auch verstanden werden und drückt sich dementsprechend überlegt aus.
Hinzu kommt, dass bisweilen auch der Begriff Toleranz erheblich überstrapaziert wird. Dazu hatte ich mich ja hier schon einmal sehr ausführlich geäußert.
Und weil der "Heide an sich" ja so viel besser ist, als Otto-Normal-Mensch (was für eine elitäre
Tja, und wer das nicht so sieht, ist eben kein rechter Heide, sondern ein Egozentriker, oder Selbstdarsteller, oder aber, der Oberhammer, er gibt seine Heidnischen Ideale zu Gunsten einer Gesellschaftskonformen Lebenstrategie eben auf.
Ja, schon klar...
Okay, kann mir natürlich vollkommen egal sein, was andere Leute sich für Traumblasen basteln - tu was du willst, soll sein das ganze des Gesetzes.
Und genau darin liegt auch das einzige Problem, welches ich mit den LuL-Heinis habe.
Licht und Liebe kommt nämlich von uns!
Wir haben da quasi das Copyright drauf!
Licht, Liebe, Leben und Freiheit sind die Vier Säulen auf denen Thelema ruht, oder, wie To Mega Therion es selbst ausdrückt, die vier Strahlen oder Emanationen, die dem Gesetzt entspringen
Aber eben nicht in dieser klebrigsüßen, rosa Zuckerwatte Art und Weise, wie das hier einige gründlich missverstanden zu haben scheinen. Guckt ihr Liber CL - De lege Libellum, werdet ihr verstehen.
"Durch das Licht sollt ihr auf euch selbst blicken und alle Dinge
gewähren, die in Wahrheit nur ein Ding sind, dessen Name Kein Ding
genannt worden ist, aus einem Grunde, welcher euch später erklärt
werden wird. Aber die Substanz des Lichtes ist Leben, da es ohne
Dasein und Kraft nichts wäre. Durch das Leben seid ihr daher zu euch
selbst gemacht, ewig und unzerstörbar, strahlend wie Sonnen, selbst-
erschaffen und selbst-erhalten, jeder das einzige Zentrum des
Universums.
Wie ihr nun durch das Licht wahrnehmt, so fühlt ihr durch die Liebe. Es
gibt eine Ekstase reinen Wissens, und eine andere reiner Liebe, und
diese Liebe ist die Kraft, welche verschiedene Dinge vereinigt, damit
man sie im Lichte ihrer Einheit betrachte. Wisse, daß das Universum
nicht in Ruhe ist, sondern in äußerster Bewegung, deren Summe Ruhe
ist. Und diese Erkenntnis, daß Stabilität Wechsel und Wechsel Stabilität
ist, daß Sein Werden und Werden Sein ist, ist der Schlüssel zum
goldenen Palaste dieses Gesetzes.
Aus der Freiheit schließlich kommt die Kraft, deine Bahn deinem Willen
gemäß zu lenken. Denn der Umfang des Universums ist ohne Grenzen,
und ihr seid frei, euch nach eurem Willen Freude zu machen, da doch
die Mannigfaltigkeit des Daseins auch unendlich ist. Denn darin liegt
ebenfalls die Freude des Gesetzes, daß nicht zwei Sterne gleich sind,
und ihr müsset auch begreifen, daß diese Vielfältigkeit selbst Einheit ist,
und ohne sie könnte Einheit nicht sein. Und dies ist ein harter Spruch für
den Verstand: ihr sollt begreifen, daß, wenn ihr euch über den Verstand
erhebt, welcher nur eine Tätigkeit des Gemütes darstellt, ihr zum reinen
Wissen durch unmittelbare Wahrnehmung der Wahrheit gelangt.
Wisset auch, daß diese vier Emanationen des Gesetzes auf allen
Pfaden leuchten: ihr sollt sie nicht nur auf den Hauptstraßen des
Universums anwenden, von denen ich geschrieben habe, sondern auch
auf jedem Nebenpfade eures täglichen Lebens. "
Die Idee, die er hier beschreibt ist natürlich auch nicht neu und entspricht im Prinzip dem, was man in vielen östlichen Philosophien wie z.B. dem Buddhismus und Daoismus, aber auch der Antiken Gnosis findet.
Es geht schlicht nicht darum, alle Leute wahnsinnig lieb zu haben und jeden mit 'ner Flutlichtanlage ins Gesicht zu strahlen, sondern sein eigenes Licht, sprich zu tieferer Erkenntnis und dadurch zu innerem Frieden, Liebe, zu finden, um so zu begreifen, dass in einem unendlichen, ständig in Bewegung befindlichem Universum, in besonderem Maße bezogen auf die geistige Ebene, genug Raum für alle Daseinsformen ist und das im Leben umzusetzen.
Mal platt ausgedrückt, so lange der eigene "Keller" nicht entrümpelt ist, kann man schlecht den anderen erklären, dass ihrer ein Saustall ist. Hat man aber die Ärmel aufgekrempelt und bei sich aufgeräumt, dann ist einem der Nachbarkeller völlig egal.
Mit krankhafter Harmoniesucht, Toleranzgefasel, und Wattebausch-Mentalität hat das überhaupt nichts zu tun.
Ganz im Gegenteil!
Wer meiner Meinung nach anderen die Wattebäusche so tief in den Hals schiebt, dass sie daran ersticken, der drückt allenfalls damit unterdrückte Frustration aus. Der liebt nicht, der will seine Ohnmacht der Realität gegenüber überspielen.
Überhaupt, Visionen von einem Leben in absoluter Harmonie, wo alle Menschen Freunde sind und es keinerlei gesellschaftliche Ungerechtigkeiten mehr gibt, erinnern mich immer ein wenig an die Eloi in H.G. Wells "The Time Machine". Völlig sorgenfrei und fröhlich, aber im Grunde absolut naiv, lebensunfähig und degeneriert hüpfen die durch den Tag. Aber wehe wenn die Nacht heraufzieht...
In diesem Sinne
Licht und Liebe, Leute!
Labels:
Community,
Heidentum,
Ich wieder,
Thelema
Donnerstag, 23. September 2010
Krieger - Reminiszenz an ein Wochenende
Nach einem wirklich tollen Wochenende mit vielen netten Menschen, bekannten und , vormals, fremden oder teilweise nur dem Namen nach schon gekannten, und damit verbunden eben auch vielen neuen Eindrücken und Erkenntnissen für mich persönlich, in einer unglaublich harmonischen Atmosphäre, drängt es mich irgendwie das "Gefühl danach" in die Welt hinaus zu schreien (oder eben zu schreiben ^^).
Vieles davon wird sich, in Worte gefasst, besonders für Außenstehende sehr merkwürdig anhören. Ich könnte es jetzt auch bei weitem besser singen, tanzen oder sonst wie nonverbal vermitteln, aber leider sind wir nun mal auf diesem Medium auf das Wort reduziert.
Aber immerhin gibt es ja noch "Krieger". *g*
Dass ich diesen Song dem Beitrag vorangestellt habe hat nämlich seinen Grund. Nicht nur, dass es Sonntag morgen noch gespielt wurde, sondern auch, weil es, unter anderem, die beiden Sätze enthält:
"...der Schläfer erwacht und ist bereitund etwas später
und befreit vom Raum lebt er in der Vision
durchschreitet Deinen Traum in geheimer Mission
und er kämpft um die anderen aus ihrem Traum zu wecken
weil er weiß dass in ihnen viele kleine Krieger stecken
und dennoch sagt er nicht komm mit mir
er fragt nach Deinem Traum fragt warum bist Du hier?..."
"...er wacht auf aus dem Traum den das Kollektiv träumt
hat mit seinen alten Vorstellungen endlich aufgeräumt
ersetzt die Isolation und setzt an ihre Stelle
die Vision dass wir eins sind auf einer Welle..."
Diese beiden Sätze sagen mehr über das Gefühl aus, dass ich gerade als Nachwehen ganz besonders stark empfinde, über die Stimmung dieses Wochenendes , was mir in dieses an Gemeinschaftsgefühl vermittelt und somit wieder ganz deutlich vor Augen geführt hat, als tausend erklärende Worte.
Harmonie ohne Gleichschaltung
Konform gehen im Individualismus
Disziplin ohne Reglementierung
Natürliche Ordnung im Chaos
Selbst-Verantwortlichkeit
Klar, wir alle kommen "aus einem Stall", aber und dies wurde ganz deutlich, dieser Stall hat viele "Boxen", viele Frei-Laufflächen und genug Raum, dass man gar nicht nötig hat, dem anderen "auf die Füße" zu treten.
So herrschte eine Atmosphäre des Austausches unterschiedlichster Meinungen und persönlicher Erkenntnisse ohne die des Gegenübers ändern oder gar abwerten zu wollen.
Dies allein hat schon den Vorteil, dass man anderen innerhalb einer Diskussion sehr genau zuhören kann, weil man eben nicht schon einmal innerlich in Angriffsposition gehen muss, um seine eigene Position zu verteidigen.
Das führt dann jedenfalls bei mir zu einem "He, ich teile deine Meinung zwar nicht und sehe das anders, aber deine Sicht ist auch interessant und für mich überdenkenswert! Danke für den neuen Blickwinkel!"
Dabei spielt meiner Meinung nach aber, weit weniger die Tatsache eine Rolle, dass wir alle eine gemeinsame Grundlage hatten, nämlich eben Thelema, sondern eben die aus dieser Philosophie resultierende Grundhaltung "Tu was du willst, soll sein das ganze des Gesetzes - Liebe ist das Gesetz, Liebe unter Willen" und in besonderem Maße die Arbeit an sich selbst, das Streben nach persönlicher Erkenntnis und Vervollkommnung.
Wenn man dies nämlich berücksichtigt, dürfte auch dem Letzten klar werden, dass es eben keine Gleichschaltung geben kann, und somit keine von außen aufgesetzte, quasi erzwungene Harmonie, weil, wenn es überhaupt einen "Kampf" gegeben hat oder gibt, dieser von jeden Selbst mit dem berühmten inneren Schweinehund ausgetragen wird, was zur Folge haben dürfte, dass man weiß, wer man ist, nämlich ein Stern - "Jeder Mann und jede Frau ist ein Stern" - wie alle anderen auch - "ein Stern in der Schar der Sterne"- völlig einerlei, ob nun Thelemit oder nicht. Denn "das Gesetz ist für alle".
Diese Erkenntnis führte, zumindest bei mir, und wie ich an diesem Wochenende erfreut zur Kenntnis nehmen konnte, auch bei vielen anderen Menschen dazu, dass man sich nicht mehr selbst-behaupten muss und man somit auch in einer natürlichen Harmonie mit seiner Umwelt interagieren kann.
Man ist frei, sich zu öffnen, weil man das "Außen" nicht mehr als Bedrohung betrachtet, das es zu beobachten und zu bekämpfen gilt, sondern als Teil des Ganzen.
Veränderungen muss man nicht mehr erzwingen, sondern in dem man der "Außenwelt" mit Respekt, Ruhe, Gelassenheit, aber auch Entschlossenheit gegenüber tritt, passt diese sich automatisch an. - "Das Khabs ist in dem Khu, nicht das Khu in dem Khabs. "
Dies heißt nichts anderes als, dass man, wenn man die Welt, aber auch Kleinigkeiten verändern will, zuerst einmal bei sich selbst beginnen muss und findet man im übrigen auch als Kategorischen Imperativ als grundlegendes Prinzip in den Lehren Immanuell Kants, sowie in den sieben hermetischen Gesetzen.
Ich denke, dies ist ein ganz entscheidender Punkt, den man berücksichtigen sollte. Auch wenn diese Weisheit teilweise wie eine Platitüde klingt, ist sie doch eine der wichtigsten Erkenntnisse, die man als Mensch machen kann.
Mir fällt immer wieder auf, dass sich viele Menschen in einer Art "Warteschleife" befinden. Sie warten darauf, das sich etwas an ihrer augenblicklichen oder der globalen Situation ändert, aber da sie diese Veränderung von außen erwarten, tritt sie natürlich nicht ein. Das lässt sie zunehmend zweifeln und verbittern, da, je länger sie warten, auch der Erwartungs- und Leidensdruck immer mehr wächst.
Viele Menschen fühlen sich auch isoliert oder isolieren sich aus Enttäuschung selbst von der Welt da draußen und sehen nicht, dass sie ja auch ein Teil dieser Welt sind. Es gibt kein da draußen!
Dabei sehnen sie sich nach Veränderung, Gemeinschaft, nach Austausch mit "Gleichgesinnten", finden diese aber nicht, weil sie eben diese Haltung der Isolation und des Abwartens nach außen tragen und somit jede Annäherung von "Außen" blockieren.
Wenn man im übertragenen Sinn die Tür vor seiner Umwelt verschließt, wird vielleicht mal jemand oder etwas vorbeikommen und klopfen, aber wenn man dann noch lange durch den Türspion schaut, und sich überlegt, ob das da draußen auch den persönlichen Vorlieben 100 Prozentig entspricht, dann wird der/die/das bald wieder gehen. Niemand ist bereit eine geschlossene Tür einzutreten. Und man sitzt dann immer noch allein in seinem "Haus" und fühlt sich in der Auffassung bestätigt, dass niemand einen will.
Auch bei uns gibt es zwar ein Gesetz, nieder geschrieben im Liber AL vel Legis (Buchreligion, höhö!), aber wenn man sich den Kommentar durchliest, wird klar, dass es das Thelema™ und somit den Thelemiten nicht gibt, nicht geben kann, weil die Auslegung der Schrift bei jedem einzelnen von uns liegt.
Tu was du willst, soll sein das Ganze des Gesetzes.
Das Studium dieses Buches ist verboten. Es ist weise, dieses Exemplar nach dem ersten Lesen zu vernichten.
Wer immer dies nicht beachtet, tut dies auf eigenes Risiko und eigene Gefahr. Diese sind außerordentlich schrecklich.
Jene, welche die Inhalte dieses Buches diskutieren, sollen von allen gemieden werden, wie Zentren der Pestilenz.
Alle Fragen hinsichtlich des Gesetzes sind nur durch Konsultieren meiner Schriften zu lösen, jedermann einzeln für sich selbst.
Es gibt kein Gesetz außer Tu was du willst.
Liebe ist das Gesetz, Liebe unter Willen.
Der Priester der Prinzen
ANKH-F-N-KHONSU
Nun könnte ich ja warten, bis ich "Gleichgesinnten" begegne, die mit meiner Interpretation absolut konform gehen, aber da dürfte ich wohl alt und grau werden bevor das geschieht. ^^
Ich könnte natürlich hingehen und versuchen, die anderen von meiner Interpretation als absolut wahr zu überzeugen. Allerdings müsste ich damit in deren Wahren Willen eingreifen und das geht gar nicht und ist absolut indiskutables Verhalten.
Oder mir eben nur die herauspicken, die mit meiner Auffassung übereinstimmen. Wo bleibt da denn dann der Austausch, die Anregung, die anregende Kontroverse?
Und was würde das bringen?
Ein viel geschätzer Bruder hat einmal gesagt, bei 6,9 Milliarden Menschen auf dieser Erde, also 6,9 Milliarden Sternen, gibt es auch 6,9 Milliarden wahre Glauben.
Das sind aber auch 6,9 Milliarden mehr oder weniger bereits entdeckte Wahre Willen, 6,9 Milliarden Persönlichkeiten, die alle viele Gemeinsamkeiten, aber auch viele Unterschiede haben mögen.
Reduziere ich sie aber nur auf eben jene Unterschiede, dann kann ich mir genauso gut eine einsame Insel suche (und hoffen, dass niemand verbeigeschippert kommt) oder mir gleich die Kugel geben.
"Der Schlafende muss erwachen!", um wieder auf den Song von den Fanta 4 zurückzukommen, es wird ihn niemand wecken.
Auch "Der Krieger" ist im Grunde niemand, der von außen an einen herantritt.
Zu guter letzt noch ein Zitat aus dem Lied:
""tritt in den Kreis und mach wahr was Du weißt
und die Erkenntnis bringt die Kraft mit der Du Dich befreist
und dabei frei von Angst ganz gelöst
erlöst was in Dir döst
denn dann wachst Du auf und Dein Traum geht weiter weil Dein Zauber wirkt""
Botschaft des Liedes, und was ich mit diesem etwas wirren Text sagen will?
Hört auf zu warten, handelt, jetzt!
Labels:
Gedankensschnipsel,
Meine Gedanken,
Thelema
Donnerstag, 8. Juli 2010
I have something great to reveal!
Hero of the world.
We have this man to thank.
But he's not the only hero.
We are all heroes of the new aeon. Also you!
93 93/93!
We have this man to thank.
But he's not the only hero.
We are all heroes of the new aeon. Also you!
93 93/93!
Labels:
Kino und Filme,
Kurz gesagt,
Thelema
Mittwoch, 9. Juni 2010
Shout this!
"and to each man and woman that thou meetest, were it but to dine or to drink at them, it is the Law to give. Then they shall chance to abide in this bliss or no; it is no odds." AL. III 39
catchy tune by Frater OZ
Montag, 24. Mai 2010
Gedanken zu Tiphareth und warum ich nicht erleuchtet werden will
Das Buch, das ich augenblicklich, also in der Tat seit dem 13.03. lese, "Die Nachtseite von Eden" von Kenneth Grant, ein sehr komplexes Werk über die Nachtseite des Kabbalistischen Lebensbaums, gibt mir in vielerlei Hinsicht Stoff zum Nachdenken, Innehalten, in mich hinein hören und auch zur praktischen Überprüfung.
Das fing schon im Vorwort von Jan Fries an.
Dort schreibt er an einer Stelle über den Weg des Menschen im Tree of Life:
Vorausgegangen sind in der Entwicklung natürlich Malkuth (Erde, Reich, im Grunde alles, was mit physischen Manifestationen zu tun hat.), Yesod (Das Fundament, die Intuition, das Untebewußte, aber auch Visionen, Träume), Hod (Der Verstand, Ratio) und Netzach (Der Instinkt, die emotionalen Geschichten). Alles zusammen macht das Ich des Menschen aus. Die Person.
Ich will hier auch jetzt weder den ganzen Baum des Lebens erklären, noch die einzelnen Sephiroth.
Wer sich damit beschäftigt, wird wissen was gemeint ist und wer nicht, der wird durch meine persönliche Interpretation möglicherweise auf die falsche Fährte gelockt.
Nur eins:
Es gibt jede Menge hervorragende Bücher über das Thema, teilweise in der Jüdisch-Kabbalistischen Tradition, teilweise von der Hermetischen Sichtweise aus, aber auch eben synkretische Neuschöpfungen, teils auch in Verbindung mit den Chakren (was echt etwas für sich hat!), auch sehr gute Seiten im Netz, aber eben auch sehr viel Mist. Erhellend oder nützlich sind aber alle irgendwie, wenn man berücksichtigt, und das ist meine höchst persönliche Meinung, beruhend auf der eigenen Erfahrung, man sich nicht an den einzelnen Definitionen festhält, sondern den Lebensbaum erlebt!
Wie das geht, kann ich nicht sagen, ich mache es einfach und dabei ist eben meine linke Gehirnhälfte im Tiefschlaf. Weil aber meine Rechte Analphabet ist und die Linke eben das Erleben nur aus "zweiter Hand" hat...ihr versteht das Problem, hoffe ich. Ich habe das Prinzip des Ez Chajim erst wirklich verstanden, nachdem ich mich eben von der Gefühlsbasis näherte.
Na, jedenfalls klebte ich an der oben zitierten Textstelle über Tiphareth lange fest und knabberte daran.
Die Sepher steht für die Schönheit, Harmonie,die Sonne, das Herz, das göttliche Selbst. "Ich bin, der ich bin!" (wem dieser Satz bekannt vor kommt, das ist kein Zufall!)
Jeder kommt im Laufe seines Lebens (nichts anders spiegelt der kabbalistischen Lebensbaum) einmal an diese Entwicklungsstufe, wenn alles glatt läuft. Irgendwann denkt man, das ist es jetzt, ich habe mich gefunden. Ich bin fertig. Das ganze Positionieren und die ganze Selbstfindung hat endlich ein Ende. Hurra! (Das das ein Trugschluss ist, muss ich ja wohl niemandem erzählen. Oder eben doch, darum schreibe ich es ja hier in aller epischen Breite.)
Bei mir war das so mit Ende Zwanzig, Anfang Dreißig der Fall. Ich fand mich toll und war mit mir und der Welt im Reinen. Ich hatte, so dachte ich, meine Mitte gefunden.
Das war dann aber auch der Punkt, wo ich mich endgültig von der Idee, den buddhistischen Weg (konkret den Mahayana/Zen) einzuschlagen verabschiedete. Und genau daran musste ich bei der Textstelle denken und über mich selbst lachen, weil ich mich wiedererkannte.
Denn die Motivation meiner Abkehr war eben die, dass ich so ganz und gar keine Lust hatte, mein schönes, rundes Ego plus super toller Selbsterkenntnis wieder aufgeben zu müssen, was zwingend erforderlich wäre, um irgendwann einmal Bhodi zu erreichen, also die Erleuchtung.
Ego aufgeben? War ich bekloppt, ich hatte es ja gerade so schön hin bekommen.
Dass ich eben heute in Erinnerung daran lachen kann, weil ich mein damaliges "Ich" bei Fries' Zeilen wiedererkenne, und auch sehr heftig nicken musste, bei den Stellen wo er darüber spricht, dass dieses "Ich" oder der "HGA" fluktuiert, ist für mich einerseits der Beweis für seine These, andererseits für mich ein Glücksfall, weil ich mich eben weiterentwickelt habe.
Da ist eben die Kehrseite von Tiphareth, nämlich der Stolz. Wenn man nämlich mal diesen Punkt erreicht zu haben glaubt, wenn auch nur temporär, dann ist man zurecht stolz auf seine Leistung. Man sagt eben:"Seht her! Ich bin der ich bin!" und wirft sich dabei in die Brust, frönt seiner Eitelkeit und sieht meist keinerlei Veranlassung mehr etwas an dem Status quo zu ändern. Tja, wenn man Glück hat, dann geht die Entwicklung trotzdem weiter. Schönes Gesamtkunstwerk hin, bequeme Lobeeren, auf denen man sich ausruhen kann, her. Ist dem Leben, doch egal.
Hier muss ich nochmal auf meine Behauptung, der Lebensbaum spiegele die geistigen Entwicklungsstufen des Menschen wider, zurück kommen. Ich versuche das auch wirklich nur anzureißen.
Der Baum ruht auf drei Säulen:
Links die Stärke, rechts die Liebe/Barmherzigkeit in der Mitte der Ausgleich. Die darüber liegenden Sephirot sind jeweils den darunterliegenden Säulen zugeordnet.
Wenn ich nun die Säule auf die Hirnfunktion übertrage, verblüfft mich die Übereinstimmungen.
Linke Gehirnhälfte, rationales, analythischen Denken, Logik, rechte Gehirnhälfte, Intuition und Emotion, Phantasie. Verbunden werden diese beiden Hälften durch den Corpus Callosum, der für die Koordination beider Hemisphären und für den Informationaustausch verantwortlich ist. Hier finde ich die mittlere Säule wieder.
(Überträgt man dies widerum auf den Aspekt, dass der Lebensbaum in hermetischer Tradition eben sowohl den Makrokosmos (Universum), als auch den Mikrokosmos (Mensch) symbolisiert, also mache ich die Gegenrechnung auf, so komme ich zu dem Ergebnis: Links Ordnung, rechts Chaos, in der Mitte eben was beides im Gleichgewicht hält. )
Was will ich damit sagen?
Hm, schwierig in Worte zu fassen.
Der Kabbalist Isaak Luria ersann im 16. Jh. den Begriff des „ursprünglicher Menschen“, des Adam Qadmon, der sowie ich es verstanden habe, sowohl die Schöpfung (Mensch), als auch der Schöpfungsgott war. Er stellt in diesem Zustand den Baum des Lebens in seiner Gesamtheit dar. Absolute Vollkommenheit. Wenn man so will, erschuf sich Gott, YHWH, aus dem Nichts heraus selbst. Allerdings konnte die menschliche Hülle die konzentrierte Kraft nicht halten, und zerbrach. Unter anderem verlor er dadurch auch seine Unsterblichkeit und seine umfassende Weisheit.
So und nun komme ich vom belegten Pfaden und Theorien ab, denn ich denke, daraus entstand nicht die Dualität aus gut und böse, sondern etwas was eben die einzelnen Sephirot des Lebensbaumes (und eben auch die seiner Rückseite) versinnbildlichen.
Und wenn man es mal von der profanen Seite betrachtet, könnte man eben dieses Auseinanderbrechen mit dem Urknall, also der Entstehung des bekannten Universums, gleichsetzen. Zumindest sehe ich die Paralele. Wobei diese Theorie eben ein Paradoxon darstellt, weil zum Urknall eben physikalische Gesetzmäßigkeiten vorhanden gewesen sein müssten, die aber ohne Urknall gar nicht existierten. (willkommen in der fabelhaften Welt der ollen Krähe. Der Blick in meine Gedankenwelt geschieht, wie immer, auf eigene Gefahr!)
So, da haben wir also all die Planeten, die Sonnen, die Tiere, die Pflanzen, die einzelnen Emanationen, physikalisch wie philosophisch, und eben den Menschen, alles eben Teile einer ehemals sehr komplexen, absolut vollkommenen Entität, die sich aus unklarer Motivation heraus so sehr auf einen Punkt oder einen Körper konzentrierte, das sie auseinanderflog.
Schöner Mist!
Warum?
Na, weil, so denke ich jedenfalls, der Mensch im Kern weiß, dass er nur ein Bruchstück ist und deshalb sein Leben lang auf der Suche nach seinen verbliebenen Teilen herumwandert, um wieder vollkommen zu werden. Selbstfindung, Ontologie, Wissenschaft, religiöse Konzepte existieren nur aus diesem Grund.
Einem Tier oder Baum ist diese Sinnsuche völlig wurscht, weil, sie meiner Meinung nach, intuitiv wissen, dass, obwohl abgespalten immer noch ein Ganzes darstellen. Einige Menschen verfügen ebenfalls über dieses Wissen und betrachten sich eben nicht partiell vom Rest ihrer Umwelt getrennt, sondern kennen noch dieses All-Gefühl, können es aber nicht wirklich benennen.
Am nächsten dran sind, meiner Meinung noch Kinder in der Frühphase, in ihrem natürlichen Egozentrismus ("ich bin die Welt und die Welt ist ich!") bis sie eben durch Erfahrung und Prägung davon wieder abgebracht werden und lernen zu differenzieren und sich von der Welt abzugrenzen.
Von daher, gehe ich mit der Nummerierung der Sepher in so weit konform, dass wir bei der Geburt von Kether (1), oder auch darüber aus Ayn Soph (0), dem Urlicht, heraus entstehen. Aber dann sausen wir geradewegs zu Malkuth herab (wegen des Verlustes des Wissen über die eigene Göttlichkeit?) und müssen uns dann im Laufe eines Lebens wieder mühsam die Pfade empor arbeiten. Zumindest eben bis Tipharet, dem "Ich bin!"
Übrigens steht diese Sepher auch für den (selbst-)geopferten Gott und den Menschen, also in der Jüdischen Tradition Adam.
Und wenn man es also eben bis zur Selbstfindung geschafft hat, und man den Zusammenhang Mensch - geopferter Gott, berücksichtigt, dann verwundert es, glaube ich, kaum, wenn man da so schnell nicht mehr weg möchte.
Einerseits eben, wegen dem oben schon erwähnten Gesamtkunstwerk "Ego", andererseits, und diese Parallele kam mir gerade erst, als ich die letzten Zeilen in eine Form bringen wollte, eben auch, weil man da dem Ursprung doch schon recht nahe ist, wenn man davon ausgeht, dass eben der konzentrierte Gottmensch auch ein Opfer wurde, oder sich selbst opferte, je nach dem ob man nun bei dem Zerbrechen des Gefäßes von Unfall/Zufall oder Absicht ausgeht. Gut möglich, dass diese Nicht-Existenz genau wußte, dass das Gefäß nicht halten würde, und dies auch sein Plan war (wir sind getrennt um der Liebe willen), genauso gut möglich, dass er ein Opfer seiner eigenen Überheblichkeit wurde.
So, also, wir sind wieder bei der vertrackten Selbstfindung, nach dem Kreieren eines möglichst runden Egos und dem Problem, dass man dann nicht weiter will.
Darüber liegen dann noch, allerdings hinter dem Schleier Paroketh, Geburah, Willen (rechts) und Gebulah/Chesed, Liebe (links) und zumindest als Thelemit sollte man soweit dann doch kommen, denn ohne Thelema und Agape kein Thelemit. Streng genommen liegt Tiphareth übrigens auch schon hinter dem Schleier, weil es eben der erste Schritt hin zur (Wieder-)Vervollkommnung und der Übergang zur Mentalen Ebene, was eben auch ein Abschied vom nur-körperlichen Basis-Ich darstellt (soviel zum Thema "geopferter Gott")
Dazu muss ich aber einräumen, dass, meiner Meinung nach, es eben im Baum des Lebens nicht immer nur in eine Richtung, vornehmlich nach Oben, geht. Jedenfalls nicht nach meinem Verständnis und Empfinden. Manchmal muss man einfach auch mal einen Schritt zurück gehen, meist auf einem anderen Pfad, als vorwärts. Wie gesagt, ich meine das sowohl auf den Baum bezogen, wie auch im übertragenen Sinne auf das Leben ansich.
Manchmal ist es doch so, dass man gewisse Entwicklungen nur marginal vollzogen oder gar übersprungen hat. Bisweilen kann es aber auch nützlich erscheinen, zu einer Sepher, oder eben einer Entwicklungstufe, zurückzukehren, um sie erneut zu überprüfen oder im Lichte neu gemachter Erkenntnisse noch einmal zu erfahren. Das setzt aber die Bereitschaft voraus, gegebenenfalls auf seine schöne Selbsterkenntnis wieder verzichten zu müssen, sie erneut einer kritischen Prüfung zu unterziehen und gegebenenfalls zu überdenken.
Außerdem ist es auch mal ganz angenehm, nach etwaigen "Höhenflügen" zu Malkuth zurück zu kehren, oder sich einfach Yesod oder Netzach hinzugeben.
Und da hapert es bei den meisten Leuten. Wenn sie erst einmal denken, ihr Selbst gefunden zu haben, dann stagnieren sie.
Jede weiter Erkenntnis, jedes Wissen, jede Erfahrung, welche sie erwerben, ist für sie nur in soweit von Interesse, wie es ihr Ego, oder ihre Selbsterkenntnis, bestätigt. Alles andere wird als irrelevant oder Blödsinn abgehakt, oder aber einfach an ihr Selbst angepasst, nur um ja nicht Gefahr zu laufen, sich noch einmal neu positionieren zu müssen.
Um dies zu vermeiden, sollte man sich eben auch vor Augen führen, dass eben das Ego veränderlich ist, ständig flukturiert und das selbst, wenn man eben an dem Punkt der Selbstfindung (oder eben Tiphareth) verharrt. Das ist völlig normal, nichts ist von Dauer.
Stülpt man aber eine Glocke über das momentane Selbst um es zu konservieren und an Schwankungen zu hindert, betreibt man im Grunde Totenkult an sich selbst. Die schöne Selbsterkenntnis von noch vor einem Jahr, kann heute schon nur noch ein nekrotischer Haufen stinkendes Fleisch sein. Möglicherweise, und da hänge ich mich sehr weit aus dem Fenster, haben jene den Schleier gar nicht durchschritten und sich in der Illussion verfangen. Sie sind nie bei Tiphareth angekommen, also profan ausgedrückt nie zur tieferen Selbsterkenntnis gelangt, sondern hängen irgendwo im Vorhang auf der Ebene Yetzirah, dem Ich-Erleben fest.
Es gibt aber, meiner Meinung nach, noch noch eine weitere Gefahr beim Erreichen Tiphareths, des "Höheren Selbst". Es scheint mir durchaus möglich, dass man diesen Punkt seiner Entwicklung eben mit "Erleuchtet sein" verwechselt. Man empfindet sich eins mit sich und dem Universum, allerdings nicht, weil dieser Punkt tatsächlich erreicht wäre, der liegt oben über dem Abyss bei Kether, sondern eben, weil man das Finden des Egos und der Selbsterkenntnis gleichsetzt mit dem All-Eins, der allerdings im wahrsten Sinne, nicht von dieser Welt ist. So lange man also noch riechen, schmecken, fühlen kann und auch noch über körperliche Bedürfnisse verfügt, kann man sicher sein, dass man noch nicht den Sprung gemacht hat.
Die Tatsache, dass sie jedermann auf die Nase binden müssen, dass sie das Licht gesehen haben, spricht auch eher dagegen. Wer das tatsächlich getan hat, kann oder will das bestimmt nicht mehr rumquatschen. Und wem sollte man das auch erzählen, man ist Nichts umgeben von Nichts. Nur Gedanke!
Selbst das Erleben Tiphareths ist höchst persönlich und sehr intim. Wer also lang und breit über seinen HGA erzählt, der will sich vielleicht nur großtun, vielleicht hat er sogar einen unsichtbaren Freund, oder sonst eine begleitende Wesenheit, oder auch nur jemanden neben sich herlaufen, aber ist bestimmt nicht the Silent Self begegnet.
Wie auch immer, es ist ja niemand gezwungen, sich weiter nach oben zu bewegen, obwohl, hm, wie gesagt, da warten ja noch Wille (Verantwortung) und die Hingabe (Motivation und Vision, die Sepher der Weltverbesserer ^^), aber das muss jeder für sich selbst entscheiden, ob das etwas für ihn ist.
Nach dem Abgrund (darüber eben Daath) beginnt die rein Geistige Ebene, wir verlassen unsere Welt und finden nur noch Jenseitiges/Überirdisches.
Dort liegt eben der Bereich, den man im Buddhismus Bodhi oder Buddha-Natur nennt. Alles und Nichts. All-Sein und Nichtexistenz. Nirwana und nein, nicht der Himmel, jedenfalls nicht in der landläufigen Bedeutung. Nur noch reiner Geist und keine Materie.
Ehrlich, ich bin ein viel zu diesseitiger, sinnesfroher Mensch, als das ich auf die Vorzüge der Körperlichkeit gänzlich verzichten möchte. Mir reicht wirklich eine kurze Ahnung von Atziluth, die ich ganz selten während einer Medition erhaschen kann(wie Lichtblitze, als wenn man in einem völlig dunklen Raum befindet und kurz das Blitzgerät eines Fotoapparates betätigt), völlig.
Da halte ich es zur Zeit lieber mit Milton: "Better reign in hell than serve in heaven." Im übertragene Sinne, lieber bin ich hier, wo ich weiß, was ich habe und was ich ausrichten kann, als dass ich nach der Erleuchtung strebe, nach dem dauerhaften (Wieder-)Auflösen im Nichts, und dann feststellen muß, dass ich mich so weit von allem entfernt habe, das mich nichts mehr tangiert.
Noch besser trifft es Mayor Tom in David Bowies "Space Oddity":
“Here am I sitting in a tin can
Far above the world
Planet earth is blue
And there's nothing I can do.”
Wie gesagt, wer will kann, aber keiner muss.
Und meist passiert es irgendwann einfach, weil die Zeit reif ist und man sich dann doch aufrafft. Denn ohne Fleiß kein Preis.
Vielleicht treffen wir uns ja mal auf einem der Pfade.
Das fing schon im Vorwort von Jan Fries an.
Dort schreibt er an einer Stelle über den Weg des Menschen im Tree of Life:
"Bei Tiphareth kommen wir in die Mitte des magischen Selbstuniversums an. Hier erscheint das Zukunftsselbst in der Gestalt des "Holy Guardian Angels". Wobei der "Engel" keineswegs als Engel erscheinen muss, sie/er/es was-auch-immer nimmt nur eine Form an, die Dir in Deinem derzeitigen Zustand genau entspricht. Diese Form ist zum Glück veränderlich, genau wie Du.
Wenn die Fusion geglückt ist wird das Leben zum Kunstwerk. Das erste Kunstwerk jedes guten Künsterlers ist die eigene Persönlichkeit. Wir haben eine recht überzeugende magische Persönlichkeit hergestellt und unser Ego tiptop in Form gebracht. Das Ergebnis ist überzeugend, ein Grund warum so viele Magier hier stechen bleiben."
Vorausgegangen sind in der Entwicklung natürlich Malkuth (Erde, Reich, im Grunde alles, was mit physischen Manifestationen zu tun hat.), Yesod (Das Fundament, die Intuition, das Untebewußte, aber auch Visionen, Träume), Hod (Der Verstand, Ratio) und Netzach (Der Instinkt, die emotionalen Geschichten). Alles zusammen macht das Ich des Menschen aus. Die Person.
Ich will hier auch jetzt weder den ganzen Baum des Lebens erklären, noch die einzelnen Sephiroth.
Wer sich damit beschäftigt, wird wissen was gemeint ist und wer nicht, der wird durch meine persönliche Interpretation möglicherweise auf die falsche Fährte gelockt.
Nur eins:
Es gibt jede Menge hervorragende Bücher über das Thema, teilweise in der Jüdisch-Kabbalistischen Tradition, teilweise von der Hermetischen Sichtweise aus, aber auch eben synkretische Neuschöpfungen, teils auch in Verbindung mit den Chakren (was echt etwas für sich hat!), auch sehr gute Seiten im Netz, aber eben auch sehr viel Mist. Erhellend oder nützlich sind aber alle irgendwie, wenn man berücksichtigt, und das ist meine höchst persönliche Meinung, beruhend auf der eigenen Erfahrung, man sich nicht an den einzelnen Definitionen festhält, sondern den Lebensbaum erlebt!
Wie das geht, kann ich nicht sagen, ich mache es einfach und dabei ist eben meine linke Gehirnhälfte im Tiefschlaf. Weil aber meine Rechte Analphabet ist und die Linke eben das Erleben nur aus "zweiter Hand" hat...ihr versteht das Problem, hoffe ich. Ich habe das Prinzip des Ez Chajim erst wirklich verstanden, nachdem ich mich eben von der Gefühlsbasis näherte.
Na, jedenfalls klebte ich an der oben zitierten Textstelle über Tiphareth lange fest und knabberte daran.
Die Sepher steht für die Schönheit, Harmonie,die Sonne, das Herz, das göttliche Selbst. "Ich bin, der ich bin!" (wem dieser Satz bekannt vor kommt, das ist kein Zufall!)
Jeder kommt im Laufe seines Lebens (nichts anders spiegelt der kabbalistischen Lebensbaum) einmal an diese Entwicklungsstufe, wenn alles glatt läuft. Irgendwann denkt man, das ist es jetzt, ich habe mich gefunden. Ich bin fertig. Das ganze Positionieren und die ganze Selbstfindung hat endlich ein Ende. Hurra! (Das das ein Trugschluss ist, muss ich ja wohl niemandem erzählen. Oder eben doch, darum schreibe ich es ja hier in aller epischen Breite.)
Bei mir war das so mit Ende Zwanzig, Anfang Dreißig der Fall. Ich fand mich toll und war mit mir und der Welt im Reinen. Ich hatte, so dachte ich, meine Mitte gefunden.
Das war dann aber auch der Punkt, wo ich mich endgültig von der Idee, den buddhistischen Weg (konkret den Mahayana/Zen) einzuschlagen verabschiedete. Und genau daran musste ich bei der Textstelle denken und über mich selbst lachen, weil ich mich wiedererkannte.
Denn die Motivation meiner Abkehr war eben die, dass ich so ganz und gar keine Lust hatte, mein schönes, rundes Ego plus super toller Selbsterkenntnis wieder aufgeben zu müssen, was zwingend erforderlich wäre, um irgendwann einmal Bhodi zu erreichen, also die Erleuchtung.
Ego aufgeben? War ich bekloppt, ich hatte es ja gerade so schön hin bekommen.
Dass ich eben heute in Erinnerung daran lachen kann, weil ich mein damaliges "Ich" bei Fries' Zeilen wiedererkenne, und auch sehr heftig nicken musste, bei den Stellen wo er darüber spricht, dass dieses "Ich" oder der "HGA" fluktuiert, ist für mich einerseits der Beweis für seine These, andererseits für mich ein Glücksfall, weil ich mich eben weiterentwickelt habe.
Da ist eben die Kehrseite von Tiphareth, nämlich der Stolz. Wenn man nämlich mal diesen Punkt erreicht zu haben glaubt, wenn auch nur temporär, dann ist man zurecht stolz auf seine Leistung. Man sagt eben:"Seht her! Ich bin der ich bin!" und wirft sich dabei in die Brust, frönt seiner Eitelkeit und sieht meist keinerlei Veranlassung mehr etwas an dem Status quo zu ändern. Tja, wenn man Glück hat, dann geht die Entwicklung trotzdem weiter. Schönes Gesamtkunstwerk hin, bequeme Lobeeren, auf denen man sich ausruhen kann, her. Ist dem Leben, doch egal.
Hier muss ich nochmal auf meine Behauptung, der Lebensbaum spiegele die geistigen Entwicklungsstufen des Menschen wider, zurück kommen. Ich versuche das auch wirklich nur anzureißen.
Der Baum ruht auf drei Säulen:
Links die Stärke, rechts die Liebe/Barmherzigkeit in der Mitte der Ausgleich. Die darüber liegenden Sephirot sind jeweils den darunterliegenden Säulen zugeordnet.
Wenn ich nun die Säule auf die Hirnfunktion übertrage, verblüfft mich die Übereinstimmungen.
Linke Gehirnhälfte, rationales, analythischen Denken, Logik, rechte Gehirnhälfte, Intuition und Emotion, Phantasie. Verbunden werden diese beiden Hälften durch den Corpus Callosum, der für die Koordination beider Hemisphären und für den Informationaustausch verantwortlich ist. Hier finde ich die mittlere Säule wieder.
(Überträgt man dies widerum auf den Aspekt, dass der Lebensbaum in hermetischer Tradition eben sowohl den Makrokosmos (Universum), als auch den Mikrokosmos (Mensch) symbolisiert, also mache ich die Gegenrechnung auf, so komme ich zu dem Ergebnis: Links Ordnung, rechts Chaos, in der Mitte eben was beides im Gleichgewicht hält. )
Was will ich damit sagen?
Hm, schwierig in Worte zu fassen.
Der Kabbalist Isaak Luria ersann im 16. Jh. den Begriff des „ursprünglicher Menschen“, des Adam Qadmon, der sowie ich es verstanden habe, sowohl die Schöpfung (Mensch), als auch der Schöpfungsgott war. Er stellt in diesem Zustand den Baum des Lebens in seiner Gesamtheit dar. Absolute Vollkommenheit. Wenn man so will, erschuf sich Gott, YHWH, aus dem Nichts heraus selbst. Allerdings konnte die menschliche Hülle die konzentrierte Kraft nicht halten, und zerbrach. Unter anderem verlor er dadurch auch seine Unsterblichkeit und seine umfassende Weisheit.
So und nun komme ich vom belegten Pfaden und Theorien ab, denn ich denke, daraus entstand nicht die Dualität aus gut und böse, sondern etwas was eben die einzelnen Sephirot des Lebensbaumes (und eben auch die seiner Rückseite) versinnbildlichen.
Und wenn man es mal von der profanen Seite betrachtet, könnte man eben dieses Auseinanderbrechen mit dem Urknall, also der Entstehung des bekannten Universums, gleichsetzen. Zumindest sehe ich die Paralele. Wobei diese Theorie eben ein Paradoxon darstellt, weil zum Urknall eben physikalische Gesetzmäßigkeiten vorhanden gewesen sein müssten, die aber ohne Urknall gar nicht existierten. (willkommen in der fabelhaften Welt der ollen Krähe. Der Blick in meine Gedankenwelt geschieht, wie immer, auf eigene Gefahr!)
So, da haben wir also all die Planeten, die Sonnen, die Tiere, die Pflanzen, die einzelnen Emanationen, physikalisch wie philosophisch, und eben den Menschen, alles eben Teile einer ehemals sehr komplexen, absolut vollkommenen Entität, die sich aus unklarer Motivation heraus so sehr auf einen Punkt oder einen Körper konzentrierte, das sie auseinanderflog.
Schöner Mist!
Warum?
Na, weil, so denke ich jedenfalls, der Mensch im Kern weiß, dass er nur ein Bruchstück ist und deshalb sein Leben lang auf der Suche nach seinen verbliebenen Teilen herumwandert, um wieder vollkommen zu werden. Selbstfindung, Ontologie, Wissenschaft, religiöse Konzepte existieren nur aus diesem Grund.
Einem Tier oder Baum ist diese Sinnsuche völlig wurscht, weil, sie meiner Meinung nach, intuitiv wissen, dass, obwohl abgespalten immer noch ein Ganzes darstellen. Einige Menschen verfügen ebenfalls über dieses Wissen und betrachten sich eben nicht partiell vom Rest ihrer Umwelt getrennt, sondern kennen noch dieses All-Gefühl, können es aber nicht wirklich benennen.
Am nächsten dran sind, meiner Meinung noch Kinder in der Frühphase, in ihrem natürlichen Egozentrismus ("ich bin die Welt und die Welt ist ich!") bis sie eben durch Erfahrung und Prägung davon wieder abgebracht werden und lernen zu differenzieren und sich von der Welt abzugrenzen.
Von daher, gehe ich mit der Nummerierung der Sepher in so weit konform, dass wir bei der Geburt von Kether (1), oder auch darüber aus Ayn Soph (0), dem Urlicht, heraus entstehen. Aber dann sausen wir geradewegs zu Malkuth herab (wegen des Verlustes des Wissen über die eigene Göttlichkeit?) und müssen uns dann im Laufe eines Lebens wieder mühsam die Pfade empor arbeiten. Zumindest eben bis Tipharet, dem "Ich bin!"
Übrigens steht diese Sepher auch für den (selbst-)geopferten Gott und den Menschen, also in der Jüdischen Tradition Adam.
Und wenn man es also eben bis zur Selbstfindung geschafft hat, und man den Zusammenhang Mensch - geopferter Gott, berücksichtigt, dann verwundert es, glaube ich, kaum, wenn man da so schnell nicht mehr weg möchte.
Einerseits eben, wegen dem oben schon erwähnten Gesamtkunstwerk "Ego", andererseits, und diese Parallele kam mir gerade erst, als ich die letzten Zeilen in eine Form bringen wollte, eben auch, weil man da dem Ursprung doch schon recht nahe ist, wenn man davon ausgeht, dass eben der konzentrierte Gottmensch auch ein Opfer wurde, oder sich selbst opferte, je nach dem ob man nun bei dem Zerbrechen des Gefäßes von Unfall/Zufall oder Absicht ausgeht. Gut möglich, dass diese Nicht-Existenz genau wußte, dass das Gefäß nicht halten würde, und dies auch sein Plan war (wir sind getrennt um der Liebe willen), genauso gut möglich, dass er ein Opfer seiner eigenen Überheblichkeit wurde.
So, also, wir sind wieder bei der vertrackten Selbstfindung, nach dem Kreieren eines möglichst runden Egos und dem Problem, dass man dann nicht weiter will.
Darüber liegen dann noch, allerdings hinter dem Schleier Paroketh, Geburah, Willen (rechts) und Gebulah/Chesed, Liebe (links) und zumindest als Thelemit sollte man soweit dann doch kommen, denn ohne Thelema und Agape kein Thelemit. Streng genommen liegt Tiphareth übrigens auch schon hinter dem Schleier, weil es eben der erste Schritt hin zur (Wieder-)Vervollkommnung und der Übergang zur Mentalen Ebene, was eben auch ein Abschied vom nur-körperlichen Basis-Ich darstellt (soviel zum Thema "geopferter Gott")
Dazu muss ich aber einräumen, dass, meiner Meinung nach, es eben im Baum des Lebens nicht immer nur in eine Richtung, vornehmlich nach Oben, geht. Jedenfalls nicht nach meinem Verständnis und Empfinden. Manchmal muss man einfach auch mal einen Schritt zurück gehen, meist auf einem anderen Pfad, als vorwärts. Wie gesagt, ich meine das sowohl auf den Baum bezogen, wie auch im übertragenen Sinne auf das Leben ansich.
Manchmal ist es doch so, dass man gewisse Entwicklungen nur marginal vollzogen oder gar übersprungen hat. Bisweilen kann es aber auch nützlich erscheinen, zu einer Sepher, oder eben einer Entwicklungstufe, zurückzukehren, um sie erneut zu überprüfen oder im Lichte neu gemachter Erkenntnisse noch einmal zu erfahren. Das setzt aber die Bereitschaft voraus, gegebenenfalls auf seine schöne Selbsterkenntnis wieder verzichten zu müssen, sie erneut einer kritischen Prüfung zu unterziehen und gegebenenfalls zu überdenken.
Außerdem ist es auch mal ganz angenehm, nach etwaigen "Höhenflügen" zu Malkuth zurück zu kehren, oder sich einfach Yesod oder Netzach hinzugeben.
Und da hapert es bei den meisten Leuten. Wenn sie erst einmal denken, ihr Selbst gefunden zu haben, dann stagnieren sie.
Jede weiter Erkenntnis, jedes Wissen, jede Erfahrung, welche sie erwerben, ist für sie nur in soweit von Interesse, wie es ihr Ego, oder ihre Selbsterkenntnis, bestätigt. Alles andere wird als irrelevant oder Blödsinn abgehakt, oder aber einfach an ihr Selbst angepasst, nur um ja nicht Gefahr zu laufen, sich noch einmal neu positionieren zu müssen.
Um dies zu vermeiden, sollte man sich eben auch vor Augen führen, dass eben das Ego veränderlich ist, ständig flukturiert und das selbst, wenn man eben an dem Punkt der Selbstfindung (oder eben Tiphareth) verharrt. Das ist völlig normal, nichts ist von Dauer.
Stülpt man aber eine Glocke über das momentane Selbst um es zu konservieren und an Schwankungen zu hindert, betreibt man im Grunde Totenkult an sich selbst. Die schöne Selbsterkenntnis von noch vor einem Jahr, kann heute schon nur noch ein nekrotischer Haufen stinkendes Fleisch sein. Möglicherweise, und da hänge ich mich sehr weit aus dem Fenster, haben jene den Schleier gar nicht durchschritten und sich in der Illussion verfangen. Sie sind nie bei Tiphareth angekommen, also profan ausgedrückt nie zur tieferen Selbsterkenntnis gelangt, sondern hängen irgendwo im Vorhang auf der Ebene Yetzirah, dem Ich-Erleben fest.
Es gibt aber, meiner Meinung nach, noch noch eine weitere Gefahr beim Erreichen Tiphareths, des "Höheren Selbst". Es scheint mir durchaus möglich, dass man diesen Punkt seiner Entwicklung eben mit "Erleuchtet sein" verwechselt. Man empfindet sich eins mit sich und dem Universum, allerdings nicht, weil dieser Punkt tatsächlich erreicht wäre, der liegt oben über dem Abyss bei Kether, sondern eben, weil man das Finden des Egos und der Selbsterkenntnis gleichsetzt mit dem All-Eins, der allerdings im wahrsten Sinne, nicht von dieser Welt ist. So lange man also noch riechen, schmecken, fühlen kann und auch noch über körperliche Bedürfnisse verfügt, kann man sicher sein, dass man noch nicht den Sprung gemacht hat.
Die Tatsache, dass sie jedermann auf die Nase binden müssen, dass sie das Licht gesehen haben, spricht auch eher dagegen. Wer das tatsächlich getan hat, kann oder will das bestimmt nicht mehr rumquatschen. Und wem sollte man das auch erzählen, man ist Nichts umgeben von Nichts. Nur Gedanke!
Selbst das Erleben Tiphareths ist höchst persönlich und sehr intim. Wer also lang und breit über seinen HGA erzählt, der will sich vielleicht nur großtun, vielleicht hat er sogar einen unsichtbaren Freund, oder sonst eine begleitende Wesenheit, oder auch nur jemanden neben sich herlaufen, aber ist bestimmt nicht the Silent Self begegnet.
Wie auch immer, es ist ja niemand gezwungen, sich weiter nach oben zu bewegen, obwohl, hm, wie gesagt, da warten ja noch Wille (Verantwortung) und die Hingabe (Motivation und Vision, die Sepher der Weltverbesserer ^^), aber das muss jeder für sich selbst entscheiden, ob das etwas für ihn ist.
Nach dem Abgrund (darüber eben Daath) beginnt die rein Geistige Ebene, wir verlassen unsere Welt und finden nur noch Jenseitiges/Überirdisches.
Dort liegt eben der Bereich, den man im Buddhismus Bodhi oder Buddha-Natur nennt. Alles und Nichts. All-Sein und Nichtexistenz. Nirwana und nein, nicht der Himmel, jedenfalls nicht in der landläufigen Bedeutung. Nur noch reiner Geist und keine Materie.
Ehrlich, ich bin ein viel zu diesseitiger, sinnesfroher Mensch, als das ich auf die Vorzüge der Körperlichkeit gänzlich verzichten möchte. Mir reicht wirklich eine kurze Ahnung von Atziluth, die ich ganz selten während einer Medition erhaschen kann(wie Lichtblitze, als wenn man in einem völlig dunklen Raum befindet und kurz das Blitzgerät eines Fotoapparates betätigt), völlig.
Da halte ich es zur Zeit lieber mit Milton: "Better reign in hell than serve in heaven." Im übertragene Sinne, lieber bin ich hier, wo ich weiß, was ich habe und was ich ausrichten kann, als dass ich nach der Erleuchtung strebe, nach dem dauerhaften (Wieder-)Auflösen im Nichts, und dann feststellen muß, dass ich mich so weit von allem entfernt habe, das mich nichts mehr tangiert.
Noch besser trifft es Mayor Tom in David Bowies "Space Oddity":
“Here am I sitting in a tin can
Far above the world
Planet earth is blue
And there's nothing I can do.”
Wie gesagt, wer will kann, aber keiner muss.
Und meist passiert es irgendwann einfach, weil die Zeit reif ist und man sich dann doch aufrafft. Denn ohne Fleiß kein Preis.
Vielleicht treffen wir uns ja mal auf einem der Pfade.
Labels:
Heidentum,
Magick,
Meine Gedanken,
Thelema
Freitag, 9. April 2010
Fest der Niederschrift - Tag 2 - Hadit
93!
"Kommt! ihr alle, und vernehmt das Geheimnis, das bislang
noch nicht offenbart worden. Ich, Hadit, bin die Ergänzung
von Nu, meiner Braut. Ich bin nicht ausgedehnt, und Khabs
ist der Name meines Hauses." AL. II. 2
"Ich bin das Feuer, das in einem jeden Menschenherzen
brennt, und im Kern eines jeden Sterns. Ich bin das Leben
und der Geber des Lebens, doch darum ist das Wissen um
mich das Wissen um den Tod." AL. II. 6
Frater Oz liest Kapitel 2 des Book of Law
Happy Hadit!
93 93/93!
Labels:
Thelema
Donnerstag, 8. April 2010
Fest der Niederschrift - Tag 1 - Nuit
93!
Heute beginnt das Fest zur Niederschrift des Liber AL vel Legis.
Am 8., 9. und 10. April jährt sich die Niederschrift des Liber Al vel Legis, der zentralen Schrift Thelemas.
Im Jahre 1904, nach dem ihn seine Frau Rose im Ägyptischen Museum zu der Stele des Ankh-af-na-khonsu geführt hatte, die wir Thelemiten somit als Stele der Offenbarung verehren, channelte Aleister Crowley dieses Buch in Kairo von einer Wesenheit namens Aiwass, innerhalb dieser drei Tage, und begründete damit den Current 93 und leitete so ein neues Äon der Menschheitsgeschichte, das Zeitalter des Horus, ein.
Frater Oz liest Kapitel 1 des Book of Law
Hiermit wünsche ich euch allen ein frohes Fest!
93 93/93
Labels:
Thelema
Montag, 8. März 2010
Das Gesetz und das große Missverständnis
Bei uns Thelemiten gibt es ein zentrales Gesetz, das da lautet:
Gemeint ist nicht, "Tu' was dir gerade in den Sinn kommt" oder "Tu nach was dir gelüstet", sondern eben, dass man seinem (wahren) Willen folgen darf/kann/soll/muss, aber eben nur, und das ist das entscheidende, bis zu dem Punkt an dem man den Willen einer anderen Person beeinträchtigt, einschränkt oder sogar verletzt. (Wir gehen davon aus, dass zwei Wahre Willen sich nie gegenseitig berühren werden, da sich das Konzept eben im Einklang mit den Gesetzen des Universums befindet. Allerdings dauert es Jahre und harte Arbeit an sich selbst, den Wahren Willen bei sich zu entdecken, hat viel auch mit Ablegen des Egos an sich zu tun und die meisten werden ihren wahren Willen wohl nie wirklich finden, allenfalls nah ran kommen. Dies aber nur der Vollständigkeit halber.)
Das alles eben unter dem Aspekt der Agape, Liebe, Hingabe, in erster Linie einmal zu sich selbst gegenüber, denn, so meine Auffassung, nur wer gelernt hat, sich selber zu lieben, sich selbst anzunehmen, ist auch fähig, anderen mit Liebe entgegenzutreten.
Soweit so klar.
Bei den Wicca lautet es entsprechend:
Das Gesetz ist, was Thelema betrifft,das einzige wirkliche Dogma die Kernaussage ( es kann eben kein Dogma sein, weil es keine allgemeingültige Wahrheit darstellt, sondern eine Möglichkeit bzw. ein Angebot darstellt. Jeder ist frei zu entscheiden, zu interpretieren, zu finden. Irgendwie verhält es sich damit so ein wenig wie die Suche nach der Frage auf die Antwort "42!" beim The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy).
Bei Wicca bin ich mir dessen nicht hundert prozentig sicher, aber eben das viel zitierten "Und schadet es niemand, tu was du willst!" ist immer hin der Kernsatz, der die gesamte Rede "erfüllt" im Sinne von "bedingen", "vollziehen" (gefühlsmäßig, für mich, eben so wie eine Unterschrift einen Vertrag rechtsgültig macht).
Beide Kernaussagen bedingen aber ein hohes Maß an Eigenverantwortung für das eigene Handeln, eben in Hinblick auf dessen Folgen für seine Umwelt und Mitmenschen. Und zwar für alle, nicht nur für jene, die dem gleichen Glauben anhängen!
Und da wird es problematisch.
Denn, "Tu was du willst, soll sein das ganze Gesetz", oder eben "Schadet es niemandem, tu was du willst", muss man dann auch konsequenter Weise diesen zugestehen, auch wenn sie eben nach anderen Regeln leben. Wenigsten bis zu dem Punkt, an dem sie mir ernsthaft und bedrohlich ins Gehege kommen.
Wie man sieht, ist das Leben nach dem Gesetz ein ziemlicher Balanceakt. Es ist wirklich sehr schwierig und wahrhaft harte Arbeit an sich selbst, dem niederen Instinkt nicht zu frönen und eben denjenigen nicht auf die Füße zu treten, die einfach einfach "im Weg stehen" oder so in altaeonischer Manier durchs Leben stolpern. Gebe ich offen zu. Aber, jedem Sternchen sein Laternchen. Solange er mich nicht in meinem Leben einschränkt, kann er tun, was er will.
Wie ich es häufig in einem Satz formuliere: "Wir sind göttlich, und von Göttlichem umgeben. Also muss man in dem Bewusstsein auch seiner Umwelt begegnen."
(Natürlich beeinträchtige ich meine Umwelt, durch meine bloße Existenz! Allein schon dadurch, dass dort, wo der Nickel-Stern parkt, kein Platz mehr für einen anderen Stern ist, um es mal salopp auszudrücken. Aber es ist an mir, diese Beeinträchtigung so gering wie möglich zu gestalten, indem ich eben nicht unnötig in die Existenz anderer eingreife.)
Weil eben jede Handlung Folgen hat, ist das mit dem "Schade niemanden" (to harm entspricht aber auch, jemandem verletzen oder beeinträchtigen) aber auch eine schwierige Angelegenheit
Im Prinzip ist gerade auch das Wicca-Gesetz für mich eine selbstauferlegte Beschränkung, nämlich eben auch einmal auf etwas zu verzichten, wenn die Durchsetzung etwa bedeuten würde, dass man mit seiner Handlung jemandem absichtlich oder versehentlich Schaden zu fügt.
Ganz sicher ist weder das Gesetz Thelemas noch das Wicca-Gesetz ein Freifahrtschein dafür, einfach die Persönlichkeitsrechte anderer Menschen zu ignorieren und dann, wenn diese sich wehren, rumzujammern, dass man sich doch an das Gesetz halten würde und der andere wäre ja selbst Schuld, wenn er das nicht respektiert und schon gar nicht die Auffassung teilt.
Wie gesagt, man weiß ja, dass nicht alle den gleichen Spielregeln folgen.
Das mag man bedauern, aber man kann es ja nicht ändern und muss das einfach akzeptieren.
Und etwas, dass einem persönlich nicht als Schaden zufügen erscheint, kann durchaus für den anderen ein tiefgreifender Angriff auf die Intimsphäre und eine Missachtung der eigenen Person bedeuten. Ich kann z.B. nicht mit eben der Argumentation daher gehen und dem anderen etwas wegnehmen (materiell oder auf Gefühlsebenen), was er nach meinem subjektiven Empfinden nicht braucht, weil er da ganz anderer Auffassung sein darf.
Deshalb ist er ja kein böser Mensch.
Im Prinzip ist es doch so einfach:
Die Freiheit, die ich für mich beanspruche, muss ich jedem anderen auch zugestehen und dort, wo Freiheiten aufeinander stoßen, sich beeinträchtigen, sich behindern, ist Schluss. Ignoriere ich dies, und übertrete die Grenze, dann muss ich auch mit den Konsequenzen leben.
Bei uns heißt es "Jeder Mann und jede Frau ist ein Stern". Dringe ich selbst in den ureigenen Raum eines anderen Sterns ein, dann bin ich mit hoher Wahrscheinlichkeit derjenige, der aus der eigenen Bahn geworfen wurde, dann bin ich der Störenfried und darf mich nicht wundern, wenn ich als solcher behandelt werde.
Allerdings gibt es auch immer wieder Menschen, die zwar vorgeben, nach dem Gesetz, einerlei ob nun dem Gesetz von Thelema oder dem Wicca-Gesetz, zu leben, aber dabei eben nur die eigene Sphäre als maßgeblich betrachten, frei nach dem Motto "Ich tue was mir gefällt! Entweder fresst es oder verreckt!"
So funktioniert das aber nicht.
Der Mensch ist eben keine Insel. Sterne existieren ja auch nicht nur für sich allein, sondern ziehen sich gegenseitig an oder stoßen sich ab.
Man betrachte sich nur einmal den Himmel in einer sternenklaren Nacht, so wie gestern bei uns: Aus offensichtlichem Durcheinander all der Lichtpunkte wird bei näherer Betrachtung eine diffizile Ordnung erkennbar, aus Gruppen von allein existierenden Sterne bilden sich Sternbilder und alles zusammen ergibt einen Hauch von Ahnung von der universellen Perfektion. Jeder Stern für sich allein wäre bloß ein Lichtpunkt, aber zusammen ergeben sie ein Bild absoluter Schönheit. Lauter "Wahre Willen" ! *g*
Und so ist es auch mit den Menschen. Allein sind wir nur ein Pickel am Hintern der Schöpfung, verloren in der Unendlichkeit des Raums. Erst durch das Miteinander werden wir zu etwas größerem, erringen wir Kraft und eine wahrhafte Existenz. Darum brauchen wir einander. Um wirklich zu sein. Nehmen wir teil am wunderbaren Tanz des Lebens. Wir sind eins, getrennt um der Liebe willen!
(Nein, ich bin gestern Abend nicht beim Nach-oben-Gucken mit dem Kopf irgendwo gegen geknallt. Und habe auch nichts "geraucht" oder einen meiner "lustigen" Tees getrunken... ;-) )
Betrachtet man sich jedoch als allein maßgeblich, und das täte man, wenn man das Gesetz so wie oben beschrieben (Friss oder stirbt) auslegt, dann brächte man sich auch um die Erfahrung, Teil des Ganzen zu sein.
Man verschlösse sich gegen all das, was draußen, außerhalb des eigenen Orbits, des eigenen solaren Systems, des eigenen Horizonts, an Inspiration, neuen Ideen und Erkenntnissen darauf wartet, entdeckt zu werden. Das Leben ist ja nicht Stagnation, sondern immer währender Wandel. Es gibt für einen Menschen nicht den Punkt, an dem er sagen kann: "So, das ist es jetzt! Ich bin fertig!", sondern er entwickelt sich doch immer weiter und was gestern noch seine Gültigkeit hatte, kann morgen schon, auf Grund neuer Erkenntnisse und Erfahrungen, seine Berechtigung verloren haben.
Auch ein Stern verändert sich ja im Laufe seiner Existenz.
Genau das tun aber einige Zeitgenossen.
Wobei, man könnte es noch entschuldigen, wenn sie keinerlei Ahnung von den Zusammenhängen haben (Könnte! Nicht muss! Es gibt auch Menschen, die noch nie etwas von Wicca oder Thelema gehört haben und trotzdem instinktiv danach leben. Habe ich auch, lange bevor ich überhaupt erfahren habe, dass dazu ein System existiert.).
Für mich jedoch absolut indiskutabel ist es, wenn eben jemand sich genau auf diese Gesetze beruft, sie als unumstößliche Basis seines Lebens betrachtet, damit auch noch hausieren geht, und sie dann gleich wieder im Klo runterspült, weil er überhaupt nicht kapiert hat, was sie eigentlich bedeuten. Es kommt nämlich gerade bei dem Schädigen weniger auf die Absicht an, sondern eben auf das Resultat. Das ist doch keine Einbahnstraße, frei nach dem Motto: "Ich wollte dir nicht bewußt schaden, also kann ich das auch gar nicht getan haben. Wenn du das trotzdem so siehst, ist das dein Problem!"
Da verkommt, meiner Meinung nach, ein wirklich guter Ansatz für das Zusammenleben zu einer puren Phrase.
Dann sollte man sich doch bitte gleich offen zur eigenen Selbstsucht oder meinetwegen auch, wenn man es philosophisch sehen möchte, zum hedonistischer Egoismus bekennen. Das wäre wenigsten ehrlich. Aber nein, man hegt dann immer noch den Anspruch, etwas Besonderes zu sein, weil man denkt, man hätte die Aussage verstanden, nur eben die anderen nicht.Und weil man eben so besonders ist, wird man nicht verstanden, oder, schlimmer noch, würde man den Neid der anderen auf sich ziehen und denkt, dies wäre der Grund, warum man ständig Probleme bekommt.
(Das ist kein philosophischer oder spiritueller Weg, das ist schon eher verdammt nah an einer Persönlichkeitsstörung!)
Klar, man kann nicht immer alle Aspekte seiner Handlungen berücksichtigen, dafür müsse man ja Hellseher sein. Also passiert es immer mal, dass man jemandem auf die Füße tritt. Dann sagt man eben "Pardon!" (und meint es auch so!) und steigt da wieder runter. Das sollte aber die Ausnahme und nicht die Regel werden. Immerhin wird man ja aus Erfahrung klug, und spätestens nach dem zweiten mal sollte man in etwa wissen, wie es zu dem Zwischenfall kommen konnte.
Wenn also ein Mensch ständig mit seinem Verhalten aneckt, wenn er durch sein Verhalten andauernd Probleme mit seiner Umwelt hat, sollte er die Ursache vielleicht einmal bei sich suchen, anstatt bei seinen "bösen" Mitmenschen.
Bei der Fehlersuche nach dem Ausschlussverfahren sucht man ja auch nach der einzig stetigen Konstanten. Und die ist man bei andauernden zwischenmenschlichen Problemen meistens selbst.
Ein immer wieder vorgebrachtes "Ich bin eben wie ich bin, und das ist ganz toll!" verliert auf die Dauer auch seinen charmenten Reiz.
Jeder ist seines Glückes Schmied. Und bei allem Verständnis für Individualismus und selbstbestimmende Lebensweise, ab und zu sollte man sich auch vor Augen führen, dass es immer so aus dem Wald herausschreit, wie man hineinruft.
Hermetisch ausgedrückt: "Jeder Wirkung hat ihre Ursache!"
Oder, wie es bei den Wicca heißt: "Denk immer ans Gesetz der Drei: Du kriegst stets, was du gibst, ob's dir gefällt, ist einerlei"
"Tu was du willst, sei das ganze Gesetz""Do what thou wilt shall be the whole of the Law." —AL. I. 40
"Liebe ist das Gesetz, Liebe unter Willen.""Love is the law, love under will." —AL. I. 57
Gemeint ist nicht, "Tu' was dir gerade in den Sinn kommt" oder "Tu nach was dir gelüstet", sondern eben, dass man seinem (wahren) Willen folgen darf/kann/soll/muss, aber eben nur, und das ist das entscheidende, bis zu dem Punkt an dem man den Willen einer anderen Person beeinträchtigt, einschränkt oder sogar verletzt. (Wir gehen davon aus, dass zwei Wahre Willen sich nie gegenseitig berühren werden, da sich das Konzept eben im Einklang mit den Gesetzen des Universums befindet. Allerdings dauert es Jahre und harte Arbeit an sich selbst, den Wahren Willen bei sich zu entdecken, hat viel auch mit Ablegen des Egos an sich zu tun und die meisten werden ihren wahren Willen wohl nie wirklich finden, allenfalls nah ran kommen. Dies aber nur der Vollständigkeit halber.)
Das alles eben unter dem Aspekt der Agape, Liebe, Hingabe, in erster Linie einmal zu sich selbst gegenüber, denn, so meine Auffassung, nur wer gelernt hat, sich selber zu lieben, sich selbst anzunehmen, ist auch fähig, anderen mit Liebe entgegenzutreten.
Soweit so klar.
Bei den Wicca lautet es entsprechend:
Den vollständigen Text findet man z.B. hier auf englisch und hier auf deutsch."Folge dem Wiccagesetz, in vollkommener Liebe und vollkommenem Vertrauen.Lebe und lasse leben, ehrlich nimm und ehrlich gib.""Bide within the Law you must, in perfect Love and perfect Trust.Live you must and let to live, fairly take and fairly give."[...]
"Acht Worte erfüllen die Wiccan Rede - und schadet es niemand, tu was du willst!""These Eight words the Rede fulfill - An Ye Harm None, Do What Ye Will"
Das Gesetz ist, was Thelema betrifft,
Bei Wicca bin ich mir dessen nicht hundert prozentig sicher, aber eben das viel zitierten "Und schadet es niemand, tu was du willst!" ist immer hin der Kernsatz, der die gesamte Rede "erfüllt" im Sinne von "bedingen", "vollziehen" (gefühlsmäßig, für mich, eben so wie eine Unterschrift einen Vertrag rechtsgültig macht).
Beide Kernaussagen bedingen aber ein hohes Maß an Eigenverantwortung für das eigene Handeln, eben in Hinblick auf dessen Folgen für seine Umwelt und Mitmenschen. Und zwar für alle, nicht nur für jene, die dem gleichen Glauben anhängen!
Und da wird es problematisch.
Denn, "Tu was du willst, soll sein das ganze Gesetz", oder eben "Schadet es niemandem, tu was du willst", muss man dann auch konsequenter Weise diesen zugestehen, auch wenn sie eben nach anderen Regeln leben. Wenigsten bis zu dem Punkt, an dem sie mir ernsthaft und bedrohlich ins Gehege kommen.
Wie man sieht, ist das Leben nach dem Gesetz ein ziemlicher Balanceakt. Es ist wirklich sehr schwierig und wahrhaft harte Arbeit an sich selbst, dem niederen Instinkt nicht zu frönen und eben denjenigen nicht auf die Füße zu treten, die einfach einfach "im Weg stehen" oder so in altaeonischer Manier durchs Leben stolpern. Gebe ich offen zu. Aber, jedem Sternchen sein Laternchen. Solange er mich nicht in meinem Leben einschränkt, kann er tun, was er will.
Wie ich es häufig in einem Satz formuliere: "Wir sind göttlich, und von Göttlichem umgeben. Also muss man in dem Bewusstsein auch seiner Umwelt begegnen."
(Natürlich beeinträchtige ich meine Umwelt, durch meine bloße Existenz! Allein schon dadurch, dass dort, wo der Nickel-Stern parkt, kein Platz mehr für einen anderen Stern ist, um es mal salopp auszudrücken. Aber es ist an mir, diese Beeinträchtigung so gering wie möglich zu gestalten, indem ich eben nicht unnötig in die Existenz anderer eingreife.)
Weil eben jede Handlung Folgen hat, ist das mit dem "Schade niemanden" (to harm entspricht aber auch, jemandem verletzen oder beeinträchtigen) aber auch eine schwierige Angelegenheit
Im Prinzip ist gerade auch das Wicca-Gesetz für mich eine selbstauferlegte Beschränkung, nämlich eben auch einmal auf etwas zu verzichten, wenn die Durchsetzung etwa bedeuten würde, dass man mit seiner Handlung jemandem absichtlich oder versehentlich Schaden zu fügt.
Ganz sicher ist weder das Gesetz Thelemas noch das Wicca-Gesetz ein Freifahrtschein dafür, einfach die Persönlichkeitsrechte anderer Menschen zu ignorieren und dann, wenn diese sich wehren, rumzujammern, dass man sich doch an das Gesetz halten würde und der andere wäre ja selbst Schuld, wenn er das nicht respektiert und schon gar nicht die Auffassung teilt.
Wie gesagt, man weiß ja, dass nicht alle den gleichen Spielregeln folgen.
Das mag man bedauern, aber man kann es ja nicht ändern und muss das einfach akzeptieren.
Und etwas, dass einem persönlich nicht als Schaden zufügen erscheint, kann durchaus für den anderen ein tiefgreifender Angriff auf die Intimsphäre und eine Missachtung der eigenen Person bedeuten. Ich kann z.B. nicht mit eben der Argumentation daher gehen und dem anderen etwas wegnehmen (materiell oder auf Gefühlsebenen), was er nach meinem subjektiven Empfinden nicht braucht, weil er da ganz anderer Auffassung sein darf.
Deshalb ist er ja kein böser Mensch.
Im Prinzip ist es doch so einfach:
Die Freiheit, die ich für mich beanspruche, muss ich jedem anderen auch zugestehen und dort, wo Freiheiten aufeinander stoßen, sich beeinträchtigen, sich behindern, ist Schluss. Ignoriere ich dies, und übertrete die Grenze, dann muss ich auch mit den Konsequenzen leben.
Bei uns heißt es "Jeder Mann und jede Frau ist ein Stern". Dringe ich selbst in den ureigenen Raum eines anderen Sterns ein, dann bin ich mit hoher Wahrscheinlichkeit derjenige, der aus der eigenen Bahn geworfen wurde, dann bin ich der Störenfried und darf mich nicht wundern, wenn ich als solcher behandelt werde.
Allerdings gibt es auch immer wieder Menschen, die zwar vorgeben, nach dem Gesetz, einerlei ob nun dem Gesetz von Thelema oder dem Wicca-Gesetz, zu leben, aber dabei eben nur die eigene Sphäre als maßgeblich betrachten, frei nach dem Motto "Ich tue was mir gefällt! Entweder fresst es oder verreckt!"
So funktioniert das aber nicht.
Der Mensch ist eben keine Insel. Sterne existieren ja auch nicht nur für sich allein, sondern ziehen sich gegenseitig an oder stoßen sich ab.
Man betrachte sich nur einmal den Himmel in einer sternenklaren Nacht, so wie gestern bei uns: Aus offensichtlichem Durcheinander all der Lichtpunkte wird bei näherer Betrachtung eine diffizile Ordnung erkennbar, aus Gruppen von allein existierenden Sterne bilden sich Sternbilder und alles zusammen ergibt einen Hauch von Ahnung von der universellen Perfektion. Jeder Stern für sich allein wäre bloß ein Lichtpunkt, aber zusammen ergeben sie ein Bild absoluter Schönheit. Lauter "Wahre Willen" ! *g*
Und so ist es auch mit den Menschen. Allein sind wir nur ein Pickel am Hintern der Schöpfung, verloren in der Unendlichkeit des Raums. Erst durch das Miteinander werden wir zu etwas größerem, erringen wir Kraft und eine wahrhafte Existenz. Darum brauchen wir einander. Um wirklich zu sein. Nehmen wir teil am wunderbaren Tanz des Lebens. Wir sind eins, getrennt um der Liebe willen!
(Nein, ich bin gestern Abend nicht beim Nach-oben-Gucken mit dem Kopf irgendwo gegen geknallt. Und habe auch nichts "geraucht" oder einen meiner "lustigen" Tees getrunken... ;-) )
Betrachtet man sich jedoch als allein maßgeblich, und das täte man, wenn man das Gesetz so wie oben beschrieben (Friss oder stirbt) auslegt, dann brächte man sich auch um die Erfahrung, Teil des Ganzen zu sein.
Man verschlösse sich gegen all das, was draußen, außerhalb des eigenen Orbits, des eigenen solaren Systems, des eigenen Horizonts, an Inspiration, neuen Ideen und Erkenntnissen darauf wartet, entdeckt zu werden. Das Leben ist ja nicht Stagnation, sondern immer währender Wandel. Es gibt für einen Menschen nicht den Punkt, an dem er sagen kann: "So, das ist es jetzt! Ich bin fertig!", sondern er entwickelt sich doch immer weiter und was gestern noch seine Gültigkeit hatte, kann morgen schon, auf Grund neuer Erkenntnisse und Erfahrungen, seine Berechtigung verloren haben.
Auch ein Stern verändert sich ja im Laufe seiner Existenz.
Genau das tun aber einige Zeitgenossen.
Wobei, man könnte es noch entschuldigen, wenn sie keinerlei Ahnung von den Zusammenhängen haben (Könnte! Nicht muss! Es gibt auch Menschen, die noch nie etwas von Wicca oder Thelema gehört haben und trotzdem instinktiv danach leben. Habe ich auch, lange bevor ich überhaupt erfahren habe, dass dazu ein System existiert.).
Für mich jedoch absolut indiskutabel ist es, wenn eben jemand sich genau auf diese Gesetze beruft, sie als unumstößliche Basis seines Lebens betrachtet, damit auch noch hausieren geht, und sie dann gleich wieder im Klo runterspült, weil er überhaupt nicht kapiert hat, was sie eigentlich bedeuten. Es kommt nämlich gerade bei dem Schädigen weniger auf die Absicht an, sondern eben auf das Resultat. Das ist doch keine Einbahnstraße, frei nach dem Motto: "Ich wollte dir nicht bewußt schaden, also kann ich das auch gar nicht getan haben. Wenn du das trotzdem so siehst, ist das dein Problem!"
Da verkommt, meiner Meinung nach, ein wirklich guter Ansatz für das Zusammenleben zu einer puren Phrase.
Dann sollte man sich doch bitte gleich offen zur eigenen Selbstsucht oder meinetwegen auch, wenn man es philosophisch sehen möchte, zum hedonistischer Egoismus bekennen. Das wäre wenigsten ehrlich. Aber nein, man hegt dann immer noch den Anspruch, etwas Besonderes zu sein, weil man denkt, man hätte die Aussage verstanden, nur eben die anderen nicht.Und weil man eben so besonders ist, wird man nicht verstanden, oder, schlimmer noch, würde man den Neid der anderen auf sich ziehen und denkt, dies wäre der Grund, warum man ständig Probleme bekommt.
(Das ist kein philosophischer oder spiritueller Weg, das ist schon eher verdammt nah an einer Persönlichkeitsstörung!)
Klar, man kann nicht immer alle Aspekte seiner Handlungen berücksichtigen, dafür müsse man ja Hellseher sein. Also passiert es immer mal, dass man jemandem auf die Füße tritt. Dann sagt man eben "Pardon!" (und meint es auch so!) und steigt da wieder runter. Das sollte aber die Ausnahme und nicht die Regel werden. Immerhin wird man ja aus Erfahrung klug, und spätestens nach dem zweiten mal sollte man in etwa wissen, wie es zu dem Zwischenfall kommen konnte.
Wenn also ein Mensch ständig mit seinem Verhalten aneckt, wenn er durch sein Verhalten andauernd Probleme mit seiner Umwelt hat, sollte er die Ursache vielleicht einmal bei sich suchen, anstatt bei seinen "bösen" Mitmenschen.
Bei der Fehlersuche nach dem Ausschlussverfahren sucht man ja auch nach der einzig stetigen Konstanten. Und die ist man bei andauernden zwischenmenschlichen Problemen meistens selbst.
Ein immer wieder vorgebrachtes "Ich bin eben wie ich bin, und das ist ganz toll!" verliert auf die Dauer auch seinen charmenten Reiz.
Jeder ist seines Glückes Schmied. Und bei allem Verständnis für Individualismus und selbstbestimmende Lebensweise, ab und zu sollte man sich auch vor Augen führen, dass es immer so aus dem Wald herausschreit, wie man hineinruft.
Hermetisch ausgedrückt: "Jeder Wirkung hat ihre Ursache!"
Oder, wie es bei den Wicca heißt: "Denk immer ans Gesetz der Drei: Du kriegst stets, was du gibst, ob's dir gefällt, ist einerlei"
Labels:
Meine Gedanken,
Menschliche Wirrungen,
Thelema
Abonnieren
Posts (Atom)





