"Bildung ist wichtig, vor allem wenn es gilt, Vorurteile abzubauen.
Wenn man schon ein Gefangener seines eigenen Geistes ist, kann man wenigstens dafür sorgen, daß die Zelle anständig möbliert ist.
"
Peter Ustinov
„Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.“

Benjamin Franklin


Montag, 2. Mai 2011

Irgendjemand ist in Abbottabad irgendwie ums Leben gekommen...

Ich checke ja meist als erstes, wenn ich meinen PC anmache, die aktuellen Nachrichten und da springt mir heute eine Meldung ins Auge:

Osama bin Laden ist tot!

Erster Gedanke überhaupt, noch bevor ich den Link anklicke um den Text dahinter auf ZDF.de zu lesen:"Oh, haben die Amis ihn endlich sterben lassen?"

Für mich ist auch der Titel, welcher den Artikel krönt keine große Überraschung:

Osama bin Laden getötet und angeblich schon bestattet
Bericht: Leiche bin Ladens auf See bestattet

Hm, soso...dieses zum "Antichrist", "Super-Bösewicht" und personifizierte "Böse" stilisiertes Symbol und Gesicht "al-Qaidas", das in den letzten Jahren immer dann auf nicht datierten, verwackelten Videos und Fotos erschien, wenn die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit bezüglich der islamistisch-terroristischen Gefahr und der daraus resultierende Notwendigkeit militärischer wie innenpolitischer Maßnahmen nachzulassen schien, soll also bei einer Militäraktion des "United States Joint Special Operations Command" in Abbottabad in den frühen Morgenstunden  durch einen Kopfschuss ums Leben gekommen sein.

Der Tod wurde dann auch gleich von US-Präsident Barack Obama in den Medien bestätigt.
Zwar heißt es, ein DNA-Vergleich hätte die Identität des Toten zweifelsfrei bewiesen, allein, ich sehe keine Leiche.
Die wurde bereits verbrannt und die Überreste auf See bestattet. Kaum verwunderlich also, dass mir bei der Frage nach verifizierten Beweisen für den Tod Bin Ladens auch sofort eine Zeile aus einem alten Bob Dylan-Songs in den Sinn kommt:
"The answer my friend is blowin' in the wind
The answer is blowin' in the wind."

Was bleibt, ist das Wort der amerikanischen Regierung und deren Warnung vor Racheakten von al-Qaida, die immerhin ihre Ikone (ich bezweifele stark, dass Osamas Rolle in den letzten Jahren über diesen Status hinaus ging) verloren haben.

Und natürlich bedingt das eine "erhöhte Alarmbereitschaft und Wachsamkeit" der Amis und der restlichen, westlichen Welt.

Fakten?

Nichts genaues weiß man nicht!
Der Tod des "meist gehassten und gejagten" Mannes der letzten 20 Jahre ist im Grunde genauso nebulös, wie seine Existenz und Medienpräsenz in dieser Zeit gewesen ist.

Was ändert sich also?

Nichts!

Außer, dass es jetzt wieder mehr Rechtfertigungen für Militär- und Überwachungs-Aktionen zu geben scheint.
Man nehme mir also bitte nicht übel, dass ich jetzt nicht vor Freude ganz aus dem Häuschen bin.



Da höre ich dann doch lieber etwas Musik:


Freitag, 29. April 2011

Der "Sack Reis" und die Geheimwaffe "AG"

Viele kennen das wohl nur zu gut:
Es gibt Themen, die kommen immer wieder, auch wenn man denkt, sie wären längst ausdiskutiert, durchgesprochen, schlicht überholt oder einfach nur so trivial, dass sich eine Diskussion ohnehin erübrigt. Kurz, sie sind so nützlich und interessant wie der sprichwörtliche  Sack Reis.
Gerade letztere beweisen aber meist eine erhebliche Halbwertszeit, die sogar die von Plutonium oder Uran locker in den Schatten stellt.

Diesem Phänomen begegnet man allerorten, egal ob in der Firma, dem Verein, dem Parteitreffen, einer beliebigen Initiative oder Infoveranstaltung, dem Elternabend in Schule oder Kindergarten, überall da, wo Menschen sich zusammenfinden um gemeinsam etwas zu bereden, zu beschließen oder sonst wie auf die Beine zu stellen.
Selbst eine verbindliche Agenda mit sehr stringent gehaltenen Tagesordnungspunkten bietet hier keine absolute Sicherheit vor besagten Endlos- oder Bumerang-Sachverhalten oder zum Grundsatzproblem aufgebauschten Banalitäten.
Mehr noch, je enger der zeitliche Rahmen oder der Themenkomplex, je dringender das Bedürfnis das Treffen so kurz und knapp wie möglich zu halten, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass irgendjemand so einen Alten Hut oder Plattitüde, deren Relevanz gegen null geht, auf den Tisch bringt. Sowohl Mordgier in den Augen, als auch mehr oder eher weniger vorgetäuschte Nervenzusammenbrüche seitens der gebeutelten Mitdiskutianten, werden dabei ebenso  ignoriert, wie Gähnen, Hinweise auf die vorgerückte Stunde oder sonstige Zeichen ostentativ geäußerten Desinteresses.
Frau "Kleinigkeitskrämer" oder Herr "Prinzipienreiter" - es ist nämlich, meiner Erfahrung nach, immer der gleiche Menschentyp - sind gegen solcherlei unterschwellige Botschaften schlicht immun.

Nun könnte man sagen, das einfachste wäre, von vornherein bekannte Triggerthemen sofort im Keim zu ersticken.
Guter Plan!
Funktioniert aber nicht!
Denn dann wird eben eine beliebige, gedankenlos hingeworfene Randbemerkung zu einer Staatsaffäre von geradezu globaler Wichtigkeit hoch stilisiert.

Neben vielen anderen solcher Vorfälle, denen ich im Laufe meines Lebens ausgeliefert war, ist mir "Die Wasserkasten-Affäre" am besten im Gedächtnis haften geblieben. Sie bietet auch ein hervorragendes Beispiel für oben beschriebene (Un-)Themen:

Ich war damals noch "junge" Mutter und als solche eine von eben dem einen unermüdlichen Drittel Elternschaft, welche die Teilnahme an  Elternabenden quasi als Pflicht ansahen. 
Als meine Große so im zweiten Schuljahr war, stand wieder so ein Elternabend an und die Klassenlehrerin wagte zu Beginn zu bemerken, dass der zeitliche Rahmen an diesem Abend sehr eng gesteckt wäre, da der Raum nur zwei Stunden zur Verfügung stünde und wir ja noch das Hauptthema "Erster mehrtägiger Jugendherbergsausflug" durch zusprechen hätten.
Alle nickten. Ja natürlich, also frisch ans Werk und die einzelnen Themenpunkte so schnell und effizient wie möglich abarbeiten.
Kein Problem!
Zuerst lief der Abend auch ganz gut an und wir lagen in der Zeit. Wir waren auch fast durch, als Frau Z., die Lehrerin, so nebenbei fragte, ob es für einen der Anwesenden Elternteile ein Problem darstellte, dass die Kinder aufgrund der großen Hitze - es war ja knapp nach den Sommerferien - ihren Durst am Wasserhahn des Klassenraumes löschten?
Große Stille - die Ruhe vor dem Sturm, wie sich herausstellte - dann allgemeines Abwinken, schließlich haben wir hier eine sehr gute Wasserqualität und es macht ja keinen Unterschied, ob der Nachwuchs nun zu Hause oder in der Schule am Wasserkran hängt.
So wollte sich Frau Z. endlich dem anstehenden Ausflug im Herbst, immerhin Hauptthema des Abends, zuwenden, als Frau und Herr S., ihres Zeichens  hoch ambitionierte Eltern einer "Einzelkind-Prinzessin", gewählte Repräsentanten der Klasse in der Elternpflegschaft, erklärten, in der Klasse von XY in Pusemuckel wäre es üblich den Kindern jeden Woche von den Eltern reihum einen Wasserkasten zu sponsern.
...und das Verhängnis nahm seinen Lauf.
Frau Z. entgleisten die Gesichtszüge, war sie doch schon ein paar Jährchen im Job und wusste wohl nun nur zu gut, was da jetzt käme.
Was soll ich groß erzählen, man diskutierte dann fast eine geschlagene Stunde Wasser-Marken, still, medium oder classic, Vorgehensweise und Rotationsintervalle beim Austausch, Kunststoff- oder Glasflasche, ob es nun besser sei, wenn jedes Kind einen eigenen Becher mitbrächte, oder man auch an Plastikbecher denken müsse, blasülzsabbel.
Ich saß da und dachte ich wäre im falschen Film, derweil Frau Z. immer öfter auf die Uhr schielte.
Als es mir dann zu viel wurde - ich wollte ja mal irgendwann wieder nach Hause, außerdem interessierte mich die Klassenfahrt auch viel mehr, als Geschmacksrichtungen der unterschiedlichen Mineralwassermarken - unterbrach ich die Runde mit dem Vorschlag, bevor man weiter diskutierte, sollten doch einfach einmal alle Anwesenden, die überhaupt Mineralwasser für den Nachwuchs dem Leitungswasser vorzögen, die Hand heben.
Zuerst sahen mich alle entgeistert an. Als sich dann niemand meldete, wandte ich ein, damit wäre die Diskussion ja hinfällig und wir könnten weiter machen. Auch wären wir ja sowieso nicht "beschlussfähig", da ja immerhin zwei Drittel der Eltern durch Abwesenheit glänzten und man so eine Entscheidung, die ja auch für die Abwesenden immerhin von finanzieller und organisatorischer  Tragweite sei, nicht einfach mal über ihren Kopf treffen könnte.
Den giftigen Blick von Frau und Herrn "Wichtig" werde ich im Leben nicht vergessen, genauso wenig wie den dankbaren von Frau Z.

Der Fall "Wasserkasten" ist mir deshalb so im Gedächtnis geblieben, weil er mir das erste Mal bewusst die Funktionsweise und fatale Eigendynamik solcher im Prinzip so irrelevanter wie gegenstandsloser, dafür aber Zeit fressenden Problemstellungen vor Augen geführt hat.

Heute weiß ich jedoch, dass ich die Sache völlig falsch angegangen bin. Es gibt nämlich in solche Fällen ein Generalrezept, dass einen auch davor bewahrt, sich die lebenslange Feindschaft von Seiten der "Aufbausch-Fraktion" zu zuziehen.

Heute, gestärkt durch unendlich viele ähnliche Vorfälle, weiß ich, dass der einfachste Weg, solchen Themen und deren Urheber das Wasser abzugraben und somit die Diskussion zu retten, darin besteht, sofort (!), beim ersten Aufflammen solcher Pseudo-Inhalte, den Vorschlag zu unterbreiten, dazu gleich eine Arbeitsgemeinschaft zu gründen. Und wer böte sich für die Leitung einer solchen AG eher an, als der- oder diejenige, welche(r) das Thema angesprochen hätte?

Der Vorteil liegt auf der Hand:
Man gewinnt Zeit und Energie für die wirklich relevanten Aufgaben, wer sich tatsächlich mit solchen Marginalien beschäftigen möchte, kann das, im kleinen Kreis, zu einem anderen Zeitpunkt und einem anderen Ort, gerne tun und dann "Bericht erstatten" und zu guter Letzt, dem Menschentypus, der sich gerne über das Anzetteln solcher Angelegenheiten profilieren und in den Fokus der Aufmerksamkeit spielen will, gibt man, wonach er so sehnlich trachtet und lässt ihn doch geschickt ins Leere laufen!

Erfahrungsgemäß sterben solche AG dann auch so plötzlich, wie sie ins Leben gerufen wurden.
Denn, und das ist fast allen dieser Debatten um Pseudo-Probleme gemein, außer den Initiatoren interessiert sich im Grunde niemand wahrhaftig für deren Inhalt. Viele werden einfach nur mitgerissen und geraten dann in eine Art "Trance", in der sie dann fast willenlos agieren und reagieren bis jemand im übertragenen Sinne mit dem Finger schnippt und so den Bann bricht.
Da aber eben diese Leute, wenn sie erst einmal wieder bei klarem Verstand sind,  kaum ernsthaft in Erwägung ziehen, für solch einen Bullshit ihre Freizeit zu opfern, trifft die "Geheimwaffe Arbeitsgemeinschaft" auch nur diejenigen, die es treffen soll und die es wirklich verdient haben... *muharharhar*

Sonntag, 24. April 2011

Alles auf Null!

"'Sage uns, wie unser Ende sein wird.'
'Habt ihr den schon den Anfang entdeckt, dass ihr nach dem Ende fragt? Denn dort, wo der Anfang ist, dort wird auch das Ende sein.Selig ist, wer am Anfang stehen wird, und er wird das Ende erkennen und den Tod nicht kosten.'"

(Thomas 18)

Nicht der Magier erringt den Höchsten Preis, nicht der Hohepriester oder der Herrscher, weder der Ritter in strahlender Rüstung, noch die mächtigste Königin, noch der sich von der Welt abgewandte Eremit mit seinen Büchern, nicht der sich alles versagt, noch, welcher sich allen irdischen Genüssen hingibt und selbst die, welche sich  für das hehre Ziel bis auf's Blut kasteien und selbst zu opfern bereit sind, werden leer ausgehen.

Alles was sie von ganzem Herzen begehren, fällt am Ende dem reinen Tor, dem Narren, in den Schoß, der selbst nie danach trachtete.

Er ist der Ahnungslose, das arglose Kind, das leere Gefäß, das unbeschriebene Blatt, in eine Welt geworfen, deren Spielregeln im völlig fremd sind. Hintergedanken, Doppeldeutigkeiten oder Täuschung sind ihm fremd.  Er kennt weder Lüge, noch Reue, noch Scham, noch Moral, noch Zwänge. 
Da er nichts erwartet, nach nichts strebt, ist er es, dem zuletzt die Höchste Ehre zuteil wird.

"Wenn ihr eure Scham abgelegt und eure Kleider nehmt, sie unter eure Füße legt und wie die kleinen Kinder sie zertretet, dann werdet ihr den Sohn des Lebendigen sehen und ihr werdet euch nicht fürchten."
(Thomas 37)

Donnerstag, 31. März 2011

Spendenaufruf – Helft!

Heute wende ich mit einem wirklich wichtigen Anliegen an euch. Es geht um einen Spendenaufruf. In der Hoffnung, damit ein Leben zu retten und möglichst viele Menschen zu erreichen, übernehme ich, wie zuvor schon Efka, den dazu gehörigen Text der Initiatorin und Tochter der unmittelbar Betroffenen aus der dazugehörigen Facebook-Gruppe: 


 ===================== Jennys Aufruf =====================


Wir benötigen dringend EURE Hilfe!!!

Wie die Meisten von euch wissen, leidet Andrea schon seit 2006 an einer sehr seltenen Krebsart. Die Ärzte wissen selbst nicht genau was sie machen sollen, denn die Krebsart ist kaum erforscht und äußerst selten.

Wir haben in den letzten Jahren all unsere Rücklagen aus Bausparverträgen etc. in erfolglose Therapien gesteckt. Wir stehen quasi vor dem Nichts und wissen nicht mehr weiter, denn wir können die Behandlungen nicht mehr bezahlen.

Wenn meine Mum JETZT nicht die lebensrettenden und zugleich unbezahlbaren Therapien in Form von Hyperthermie und hochkonzentrierter Chemo in die Leber erhält, wird sie daran sterben, denn die Leber ist stark von Metastasen befallen.

Die Krankenkassen übernehmen bis heute keine Kosten, es laufen Zivilklagen und wir versuchen eine einstweilige Verfügung zu erlangen aber Andrea kann nicht mehr bis zur Urteilsverkündung warten.

----Ihr rennt buchstäblich die Zeit davon----

Weil ich nicht mehr weiter weiß, meiner Mama unbedingt helfen möchte und nichts unversucht lassen möchte, habe ich ein SPENDENKONTO eingerichtet, in der Hoffnung, dass Ihr uns helfen könnt und möchtet.

-Dies ist mein Hilfeschrei und ein APPELL an eure Freundschaft-

!BITTE! Jeder Betrag gibt meiner Mama eine Chance!

Eure Jenny

Nassauische Sparkasse
Kontoinhaber: Jennifer Dames
Hinweis: Spendenkonto
Bankleitzahl:51050015
Kontonummer: 0803253517



=====================Ende Jennys Aufruf =====================
 
 
Hier geht es nicht um irgendetwas Abstraktes, weit Entferntes, nicht um blinden Aktionismus oder darum, irgendetwas zu unterzeichnen, sondern um direkte, unmittelbare Hilfe. 
Hier und jetzt! 
Vor der eigenen Haustür!

Unser Gesundheitssystem ist in den letzten Jahren immer mehr beschnitten geworden, dass dürfte niemandem unbekannt sein. Immer weniger wird übernommen.Nun bedroht es schon Existenzen und Menschenleben.
Das ist kein Versuch auf die Tränendrüse zu drücken, sondern Realität!
Beweisen wir also hier Solidarität, Sozialkompetenz und Nächstenliebe, indem wir diesen Aufruf weiterverbreiten und den einen oder anderen Euro erübrigen, um einem Menschen sein Leben und einer jungen Frau ihre Mutter zu erhalten. 
 
Bedenkt dabei, bitte, dass jeder von uns irgendwann in die gleichen Situation kommen kann und setzt damit auch ein Zeichen, dass Menschen eben nicht Opfer dieses menschenverachtenden, kapitalistischen Systems sein müssen, sondern fähig sind, sich in gegenseitiger Hingabe unbürokratisch Hilfe leisten können!
Direkte Hilfe ist Direkte Aktion.

Dienstag, 29. März 2011

Mein Thelema

"Wer uns Thelemiten nennt, geht nicht fehl darin, so er sich das Wort nur genau betrachtet."

Tu was du willst, soll sein das Ganze des Gesetzes.

Eine kleine FB-Diskussion, die sich um Sinn und Qualität des Trash-Films "Crowley (My Chemical Wedding)" von Bruce Dickinson (der in Deutschland unter dem Titel "Crowley - Back out Hell" vertrieben wird) und die Wirkung, die dieser "Spass-Film" auf das Bild vom Current93  für den von der Thematik völlig Unbedarfte haben könnte, entspann, brachte mich dazu, einmal über mein Thelema nachzudenken.

Nur noch kurz zu dem Film: Ich persönlich finde den schreiend komisch und bin überzeugt, Uncle Al hätte sich königlich darüber amüsiert. Gerade, weil er so ziemlich jedes dämliche Klischee aufgreift, was so im Allgemeinen über To Mega Therion oder "The Wickedest Man in the World" und das, was er durch die Niederschrift des Liber Al vel Legis initiierte, in Umlauf ist. Daneben ist dieses Movie auch noch gespickt mit versteckten Andeutungen und Insidern.

Und da liegt auch eben das Problem und wohl die Hauptursache dafür, dass Dickinsons "Machwerk" auch unter Thelemiten sehr kontrovers aufgenommen wurde. Die einen finden ihn eben klasse, wohingegen die anderen entsetzt und verärgert reagieren.

Und dies kann ich durchaus verstehen. Wer sich nie eingehender mit der Philosophie von Thelema und der daraus resultierenden Verantwortungsethik auseinandergesetzt  hat, mag beim Anschauen seine Vorurteile und ärgsten Befürchtungen bestätigt sehen. Kaum anzunehmen, dass er sich dadurch annimiert fühlt, sich tiefergehend mit Crowley und Thelema auseinander zu setzen. Er wird sich vielmehr angewidert abwenden.

Und das ist eben der Punkt, der kritisiert wird.


Man kann eben durch diesen Film auch die Vorurteile, die Person Aleister Crowleys betreffend, welche in der breiten Öffentlichkeit vorhanden sind und sich immer auf die Schlagworte "Schwarzmagier", "Drogenabhängiger" und "Pervers" reduzieren, bestätigt sehen.
Lässt sich ersteres noch leicht entkräften, da er selbst mehrfach Schwarze Magie als absoluten Bullshit bezeichnete, so ist es mit den beiden anderen Punkten ohne Kenntnis des Historischen Kontextes etwas schwieriger.
Ich weiß ja nicht, was Crowley so in seinem Leben konsumierte und es interessiert mich ehrlich gesagt auch nicht, aber betreffs der Heroinsucht sollte man schon wissen, dass diese Droge bis in die vierziger Jahre des letzten Jahrhunderts eine anerkannte Schmerz- und Hustenarznei der Firma Bayer war und ähnliche synthetische analgetische Opioide - mit der gleichen abhängig machenden Wirkung! - bis heute Verwendung in der Medizin finden.
Tja und die Perversion des Edward Alexander Crowleys bestand schlicht in seiner offen gelebten Bisexualität (mit einem gewissen Hang zu Sado-Masochistischen Praktiken) zu einer Zeit, da man für "Sodomie", einem alten Begriff für männliche Homosexualität, welcher durch Übersetzung und Bedeutungswandel leicht misszuverstehen ist, noch mit Zuchthaus bestraft wurde und dem Konzept der Freien Liebe, offenen Beziehungen oder wechselnden Geschlechtspartnern, die erst Jahrzehnte nach seinem Tod halbwegs salonfähig wurde. Noch heute soll es ja Leute geben, die jede Variation von Sex und Liebe außerhalb ihrer persönlichen Norm als "pervers" empfinden. 
Aus dem gleichen Betrachtungswinkel ist übrigens auch der "Vorwurf" der Kindopferung zu verstehen. Es ist ein Synonym für Masturbation. Zu der Zeit und in dem Umfeld in dem Crowley aufwuchs und lebte, war es noch gang und gäbe, Jugendlichen mit Horrorgeschichten über Rückenmarksschwund und Hirnerweichung Angst vor solch "verwerflichen Handlungen" zu machen oder ihnen bei Uneinsichtigkeit, des Nachts die Hände ans Bett zu fesseln oder Keuschheitsgürtel anzulegen.
Das ist abartig, nicht aber die so verurteilten Handlungen!
Man kann aber auch auf vielfältige andere Art ein "Kind" opfern.
Das also zum Thema "Wickedest Man"...

Mittlerweile denke sogar, der Film funktioniert gerade eben in Deutschland nicht so, wie beispielsweise in Großbritannien - Dickinson ist ja Brite - weil die Mentalität und auch die Art Humor hier bei uns in Deutschland eine ganz andere ist, als eben "drüben".

Aber um einmal weg zu kommen von "Chemical Wedding" und hin zu dem was ich eigentlich sagen will:

Ich mache auch gern meine "Witzchen" über mein Thelema - also meine Lebensphilosophie und meinen Glauben, der sich, nach eingehender Selbstanalyse, am ehesten mit "Animistisch-Gnostischer-Mono-Poly-Pantheistisch-Atheistischer-Thelemit-in-Anlehnung-an-Zen-und-Tao" beschreiben ließe - besonders, wenn ich an "guten Tagen" mal wieder mit dem Stumpfsinn und der Ignoranz einiger Mitmenschen konfrontiert werde. Das heißt, ich spiele dann auch gern mal mit den gängigen Klischees, um sie ad absurdum zu führen. Pöse sexsüchtige Satanistin, die ständig auf der Suche nach Jungfrauen und Haustieren zwecks Opferung ist.
"Ironie ist die Rache des menschlichen Geistes an der uneinsichtigen Gesellschaft."
Helmar Nahr
Ein Satz, den Aleister Crowley wohl aus tiefstem Herzen zugestimmt hätte.

Dienstag, 22. März 2011

The Pentagram - a poem



The Pentagram

In the years of the primal course,
In the dawn of terrestrial birth,
Man mastered the mammoth and horse,
and Man was the Lord of the Earth.

He made him an hollow skin
From the heart of an holy tree,
He compassed the earth therein,
And Man was the Lord of the Sea.

He controlled the vigour of steam,
He harnessed the lightning for hire;
He drove the celestial team,
And man was the Lord of the Fire.

Deep-mouthed from their thrones deep-seated,
The choirs of the aeons declare
The last of the demons defeated,
For Man is the Lord of the Air.

Arise, O Man, in thy strength!
The kingdom is thine to inherit,
'Til the high Gods witness at length
that Man is the Lord of his Spirit.
by Aleister Crowley