"Bildung ist wichtig, vor allem wenn es gilt, Vorurteile abzubauen.
Wenn man schon ein Gefangener seines eigenen Geistes ist, kann man wenigstens dafür sorgen, daß die Zelle anständig möbliert ist.
"
Peter Ustinov
„Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.“

Benjamin Franklin


Sonntag, 2. Oktober 2011

Was ist eigentlich Anarchie?

„Wer sagt: hier herrscht Freiheit, der lügt, denn Freiheit herrscht nicht.“
Erich Fried


Da es mich bisweilen verärgert, mit welcher negativen Konnotation der Begriff "Anarchie" in der heutigen Gesellschaft Anwendung findet und wie uneflektiert diese Definition von der breiten, meist nicht mal besonders ungebildeten Masse übernommen wird, nehme ich mal ein kleines Aufklärungs-Video zu dem Thema zum Anlass, um mit einigen Missverständnissen aufzuräumen.

Und weil der Mensch eben eher auf visuelle Reize anspricht, zuerst einmal das besagte Video:


Merke:
Anarchie kann nicht herrschen, denn sie definiert sich gerade über die Abwesenheit jeder Art von Herrschaft und Hierachie.
Mögen diejenigen, die brennende Autos und verwüstete Straßenzüge auch noch so oft als Erscheinugsformen von Anarchie werten - und das tun sowohl die Täter als auch die, ob dieser Gewaltakte entsetzte Massen - so hat das mit Anarchie nicht mal ansatzweise etwas zu tun.
Es sind meines Erachtens vielmehr bestenfalls Symptome einer in sich nicht mehr funktionierenden Gesellschaftsform und daraus resultierenden Hilflosigkeit der Täter. Meist sind solche Auswüchse aber nur als Spaß an der Zerstörung selbst zu werten.

 Wer sich nun etwas mehr mit der Materie "Anarchie" befassen möchte, dem kann ich das Buch "Anarchie!" von Horst Stowasser ans Herz legen.
Es bietet dem interessierten Leser einen ziemlich guten Einstieg in die Materie, ohne ihn gleich zu überfordern.
Auf YouTube habe ich dazu drei Kapitel - Einleitung + zwei Kapitel - gefunden, die als "Hörprobe" einen kleinen Vorgeschmack bieten:




Wie man sieht gibt es den Anarchismus als allgemeingültige Ideologie nicht. Das würde der Idee selbst schon wieder zu wider laufen. Vielmehr gibt es viele anarche Erscheinungsformen.


Die Angst vor der Anarchie und damit auch den schlechten Ruf, den sie genießt, lässt sich übrigens sehr leicht erklären, wenn man bedenkt, dass eine herrschaftlose Gesellschaftsform nicht im Interesse der Herrschenden liegen dürfte. Egal ob nun Monarchen, Diktatoren oder auch gewählte Regierungsvertreter, sie alle werden kaum bereit sein,, auf ihre Macht zu verzichten.
Und die meisten "Untertanen" und "Untergebenen" wird der Verzicht auf festgefügte Hierachien, in denen sie zwar von oben beherrscht werden, aber auch die Möglichkeit haben, ihrerseits nach unten zu herrschen auch nicht gerade begeistern.
„Anarchie ist Ordnung ohne Herrschaft.“
Pierre Joseph Proudhon
Wer sich weiter über Anarchie, ihre Definition und vielfältigen Erscheinungsformen informieren möchte, dem empfehle ich - besonders auch in Hinblick auf die umfangreichen Quellenangaben und weiterführenden Links - folgende Wiki-Beiträge:
Anarchie (Wikipedia)

Anarchie (Anarchopedia)

Und wer immer noch Gewalt und Anarchie in einen Topf werfen möchte, dem kann ich nur den bildgewaltigen Filmepos (von wegen Mensch als visuell orientiertes Wesen ;) ) über das Leben und Wirken des, meines Erachtens, bekanntesten und vielzitiertesten Vertreter des gewaltfreien Anarchismus des 20. Jh. ans Herz legen...


Ich schließe meine kleine Exkursion deshalb auch mit zwei Zitaten von ihm.

„If India copies England, it is my firm conviction that she will be ruined. Parliaments are merely emblems of slavery“

„In such a state (of affairs), everyone is his own rulers. He rules himself in such a manner that he is never a hindrance to his neighbor“

Kommentare:

  1. Schön, dass es noch mehr Menschen gibt, die es verstanden haben :)

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  2. prima artikel :) vielen dank dafür.
    das matriarchat, welchem ich sehr nah stehe, begreift sich auch als regulierte anarchie btw.

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  3. Ich empfehle da immer gerne einfach Bakunin. Denn der Vater des kollektivistischen Anarchismus war "esomäßiger" als mensch glaubt :D

    @Amala: Ein Matriarchat kann, auch gemäßigt, kein dem Anarchismus wesensverwandtes System darstellen. Da Herrschaft dort sogar durch Geburt vergeben wird ist es sogar eine Diktatur eines Geschlechts, eine Art biologisches 2-Kastensystem. Nur wenn statt Mann und Frau als Etikett das Etikett Mensch genommen wird, und wenn dadurch auch Transsexuelle, Homosexuelle etc nicht mehr ausgegrenzt werden (wie von den invertierten Sexistinnen hier http://www.digitalnoblesavages.org/?p=736 ), wenn sexuelle Identität nicht mehr wichtig ist, dann sind wir auf dem Weg zu einer klassenlosen (auch Geschlecht ist eine Klasse), herrschaftsfreien (auch durch eine vom Geschlecht legitimierten Herrschaft) Gesellschaft.

    Unisex statt Sexismen jedweder Art, seien sie Machismo, Femi-Extremismus, Heterosexismus etc. Wir sind Menschen, und keine von der Gesellschaft aufgedrückten Rollenmodelle.

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