Wohl unter dem Einfluss von zu viel Kardarka und einem intensivem Gespräch über Magick im Allgemeinen und Initiationen, Ritualen und Disziplin im Besonderen in der letzten Nacht, sowie wohl auch einer foreninternen Diskussion sowohl über die Beliebigkeit im Heidentum™, als auch des vielfach dort vorzufindenden Konsens des kuschelig-flauschigen "Nicht-Kritik-Übens" an noch so großem Unsinns - nach dem Motto "Wir sind ja soo tolerant, wir finden jetzt einfach mal alles toll, egal was andere so an Dummfug erzählen" hatte ich in den paar Stunden Schlaf danach einen Albtraum, der sich in der Schilderung eigentlich recht lustig anhört.
Kurze Zusammfassung:
Ich war Mitglied eines freien Magick-Workshops zum Thema "Eleusinische Rituale", wobei die Aufgabenstellung dahingehend lautete, dass je eine Arbeitsgruppe eins der Rituale interpretieren und aufführen sollte.
Eine Gruppe, so eine Friede-Freude-Hippie-Kuschel-Eso-Baumknutscher-Gemeinschaft, bekam das Mars-Ritual zugeteilt. (Anm.: was ja schon mal ansich ein Paradoxon darstellen dürfte)
Der Vorhang ging also auf, die "Show"ging los und in Form eines sehr surreal-psychedelischen Mixes aus belebtem Gemäldes/Film/Aufführung startete mein persönlicher Horrortrip.
Nicht nur, dass das Ganze mit lauter wonneproppig umherflatternden Putten überfrachtet war, das ganze "Bühnenbild" war auch noch hauptsächlich blau (Anm. Blau ist der Venus zugeordnet, Mars ist rot!) und spielte sich vor dem Hintergrund eines Kaufhauses ab, dessen Symbol eine Große Acht zierte (Anm. sowohl das Kaufhaus, als auch der Zahlenwert 8 deuten sehr stark auf Merkur, wie übrigens, wie mir gerade auffällt, auch das "Überangebot" von geflügelten Statisten...wohingegen Mars in Bezug zur 5 steht )
Ich möchte da nicht zu sehr ins Detail gehen, aber ich stand nur da und war...fassungslos!
Der Horror ging aber jetzt erst richtig los. Nach Beendigung des Spektakels kriegten sich die restlichen Kursteilnehmer gar nicht mehr ein vor überschwänglichen Standing Ovations und lobten die AG-Mars ob ihrer innovativen Interpretation des Stoffes.
Dabei wußte ich, dass sie alle sich durchaus im Klaren waren, dass da Null Mars geboten worden war. Aber die fanden das einfach aus Prinzip mal TOLL, was für mich eindeutig "Thema verfehlt - setzen - sechs!" war.
Es folgte daraufhin folgender Dialog, wobei man sich die Antworten bitte in beschwichtig-säuselndem Tonfall vorstellen muss:
Ich, noch recht ruhig:"Schön, aber das war nicht Mars! Das hatte nicht mal eine Hauch marsianisches! Das war eindeutig Merkur! Wie könnt ihr das so toll finden!"
Antwort: "Aber sie haben sich doch solche Mühe gegeben! Ist halt nicht ihre Materie."
Ich:"Trotzdem war alles falsch, was man falsch machen konnte!", dabei wedelte ich mit dem Marsritual in der einen Hand und dem Liber 777 in der anderen Hand, "Wenn man schon keine Ahnung hat, dann kann man sich doch wenigstens mit dem Stoff vertraut machen..."
Antwort: "Sieh das doch nicht so eng! Du bist ja sooo fanatisch, um nicht zu sagen faschistisch!"
In dem Moment sah ich nur noch rot und brüllte: "Es gibt GESETZE!!!" (Anm. Zitat aus dem neuen Programm von M.Mittermeier - ich sag' nur "Dörte!" Man sollte sich solche Shows nicht dreimal hintereinander reinziehen...)
Antwort: "Aber, wenn das nun ihre Interpretation von Mars war...lass doch der Phantasie ihren Spielraum."
Ich: "ICH HABE NICHTS GEGEN INTERPRETATIONSSPIELRAUM ODER SELBSTGEBAUTE RITUALE, ABER MAN SPIELT NICHT MIT ENERGIEN HERUM! WENN MAN MARS MEINT, MUSS AUCH MARS-ENERGIE ERZEUGT WERDEN UND NICHT WAS GANZ ANDERES! UND WENN MENSCHEN DA FEHLER BEGEHEN, MUSS MAN SIE WENIGSTENS DARAUF AUFMERKSAM MACHEN, DAMIT SIE WAS DARAUS LERNEN UND NICHT NOCH DAFÜR LOBEN! ECHT LEUTE, WENN IHR HIER DEN WELTUNTERGANG ZELEBRIEREN WOLLT, DANN SAGT'S MIR, DAMIT ICH MICH DARAUF EINSTELLEN KANN!"
Antwort: "Jetzt beruhig' dich doch erst einmal!"
Plötzlich wurde ich ganz ruhig und haute nur noch einen einzigen Satz raus:
"Unter diesen Umständen kann ich die Verantwortung für dieses Projekt nicht mehr mittragen!", drehte mich um und ging...und wachte im selben Moment auf (weswegen ich mich noch so genau an den Traum erinnern kann).
Bin dann erst einmal aufgestanden, hab' mir eine Paracetalmol reingeworfen und eine im Bett geraucht (was in den mittlerweile über 25 Jahren, in denen ich jetzt hier wohne, vielleicht fünfmal vorgekommen ist) und mich danach noch eine Stunde auf's Ohr gehauen. An Schlaf war zwar nicht mehr zu denken - ich lag eher mit aufgerissenen Augen da, aber so hatte ich Gelegenheit mir über den Traum so meine Gedanken zu machen.
Abgesehen von den Punkten, die ich schon in der Einführung erwähnte und als Anmerkungen in die Schilderung habe einfließen lassen, wurde mir plötzlich für mich klar, dass das ganze Szenario rund um Workgroup und die Eleusynischen nur Staffage gewesen ist für eine ganz andere Botschaft.
Kern des Traums, sowie der eigentliche Grund, weswegen ich mich ja so aufgeregt hatte, war, neben Tatsache, das mir eben dieses "Alles-Gut-Finden" und "Bloß-Nicht-Kritisieren" ebenso tierisch auf die Nerven geht, wie wenn man mir bei Themen, welche mir wirklich wichtig sind, mit dieser bescheuerten zuckersüßen Beschwichtigungstour kommt, waren ja fehlgeleitete Energien.
Für mich heißt das Alles also ganz pragmatisch:
"Nickel, du steckst gerade Energien in die falschen Dinge!"
Und tatsächlich gibt es da das eine oder andere Projekt, die aber allesamt überhaupt nichts mit Magick zu tun haben, von denen ich mich tatsächlich zurückziehen sollte, weil es eben zu viel Aufmerksamkeit von anderen, fruchtbareren, ergiebigeren oder wichtigeren Dingen im Leben abzieht.
So gesehen war das "kleine bisschen Horrorshow" doch im Endeffekt sehr produktiv.
Trotzdem...*grusel*
Meinereiner
"Bildung ist wichtig, vor allem wenn es gilt, Vorurteile abzubauen.
Wenn man schon ein Gefangener seines eigenen Geistes ist, kann man wenigstens dafür sorgen, daß die Zelle anständig möbliert ist."
Peter Ustinov
„Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.“
Benjamin Franklin
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Freitag, 2. Dezember 2011
Sonntag, 8. Mai 2011
Von Glauben und Torten
Ich muss noch mal auf das, was ich in meinem Beitrag über "Mein Thelema" geschrieben habe, zurückkommen.
Was Thelema betrifft, wird man, wie dargelegt, oft mit der Gleichsetzung "Thelema-Liber al vel Legis - Aleister Crowley" konfrontiert.
Dazu schrieb ich ja bereits in obigen Beitrag:
Genau das ist der Punkt, wo ich noch einmal ansetzen möchte.
Obwohl es sich also, wenn man denn davon ausgeht, dass Thelema auch eine religiöses Konzept darstellen kann, dabei um eine sogenannte Offenbarungs-Religion handelt, und damit, wenn man mal den Terminus "Gott" gegen "Höheres Wesen" austauscht, durchaus in diesem einen Gesichtspunkt mit den abrahamitischen Religionen, aber auch dem Hinduismus in einer Reihe genannt werden könnte, so ist es eben auch ein von der persönlichen Interpretation eines höchst kryptischen Textes, der persönlichen Parallelen, die man dazu ziehen möchte und, was am wichtigsten ist, wie ich finde, durch ureigenes Erfahren und Erleben geprägtes Konzept.
Und damit bewege ich mich mal weg von speziellen Religionen, Weltanschauungen und Philosophien, hin zum Kern meines Problems.
Nur, weil es da nun ein Buch gibt, heißt das noch lange nicht, dass jemand, der es liest auch weiß, wie die einzelnen Menschen, für die es wichtig ist, dieses als Individuen für sich interpretieren, wie und in weit es ihren Glauben beeinflusst oder wie sie handeln und leben.
Es ist eben dieses Festnageln auf Schrifttum, egal welcher Art, ob nun Liber Al, Bibel, Tanach und Talmud, Koran, Veden, Avesta oder auch eben Edda und weiß der Himmel was noch. Selbst reine Erfahrungs-Religionen wie beispielsweise der Buddhismus sind davor nicht sicher.
Verfügt ein religiöses Konzept oder eine Weltanschauung über schriftlich fixierte Offenbarungen, aber auch Geschichts-, Sprüche- oder Legendensammlungen, also schriftliche Aufzeichnungen jedweder Art, dann liegt es nahe, sie als feste Definition des Glaubens zu nutzen.
Es sind aber eben keine "Gebrauchsanleitungen", die einem wortwörtlich eine Schritt-für-Schritt-Anweisung geben, so und nicht anders solle es gemacht (geglaubt, gedacht, gefühlt) werden. Und ganz sicher kein spiritueller Arbeitsvertrag.
Nun weiß man ja gemeinhin, wohin das Wortwörtlich-Nehmen religiöser Aufzeichnungen seitens Gläubiger führt. Fundamentalismus. Und der ist nun leider nicht nur in den abrahamitischen Religionen zu finden. Häufig zu recht kritisiert, führt er doch weg vom lebendigen Glauben, hin zu einem meist starren, einengenden Korsett überkommener Zeiten.
Aber mir geht es hier weniger um die Nutzung von Überlieferungen zur Selbstdefinition, sondern eben um die Definition von Außen...obwohl...eigentlich um beides.
Hat sich jemand schon einmal Gedanken gemacht, warum selbst für den Begriff "Religion" keinerlei wissenschaftliche allumfassende Festlegung existiert? Die Bandbreite der Komplexität der verschiedensten Erscheinungsformen, nicht zu vergessen das Zusammenspiel von sozialen und kulturellen Aspekten, die da hineinspielen, die eine solche abdecken müsste, um ein wenigstens annähernd gültiges Einvernehmen zu erzielen, wäre einfach zu groß.
Auch das weite Feld der Philosophie steht vor demselben Problem. Es gibt nicht die Philosophie, sondern eine Vielzahl von Erklärungsversuchen zur Existenz und dem Sinn des Daseins über tausende von Jahren, die teilweise aufeinander aufbauen, sich aber eben auch teilweise eklatant widersprechen. Es geht um Wahrheitssuche durch den Logos, der Vernunft, im Gegensatz zum Ansatz der Religion, die ihre "Wahrheit", ihre Weisheit, meist aus einem Mythos bezieht, obwohl es da eben auch Überschneidungen gibt.
Hinzu kommt, dass man ja nicht einmal genau sagen kann, was "Glauben" eigentlich ist. Eine Annahme, eine Vermutung, im Gegensatz zur Gewissheit?
Aber ich weiß, weil ich es er-lebe...! Für mich ist es keine Wahrscheinlichkeitsvermutung, sondern Teil meiner Wirklichkeit, da ich es empfinde...
Und nun?
Selbst der oft in diesem Zusammenhang benutzte Begriff der Spiritualität ist nicht wirklich fest definiert, abgesehen davon, dass er oft zu einem reinen Kampfbegriff verkommt, der vom rein geistigen bis hin zu eben der Hilfsvokabel für "Glauben, aber mehr als glauben" alles abdecken soll.
Denn Religiosität, Spiritualität, Glauben, ist eben etwas was weit über den bewussten Vorgang des Denkens hinaus geht.
Es ist, wenn man sich dafür öffnet, auch ein Rausch der Sinne, vergleichbar mit dem ersten Biss in ein Stück köstlicher, sahnige Torte.
Wow, himmlisch!
Erst nach diesem ersten rein gefühlsmäßigen Erfahren setzt dann das Reflektieren, das Denken ein:
Das Herausschmecken der einzelnen Zutaten, das Trennen von Zucker, Sahne, Boden, und waren da nicht Erdbeeren und eine Spur von Vanille und vielleicht ein Hauch von Mandeln und Marzipan?
Dann wird man höchst wahrscheinlich nach dem Rezept fragen oder es suchen, um sich zu vergewissern, ob seine Empfindungen richtig waren. Möglicherweise wird man dabei dann feststellen, dass man eine oder mehrere der Zutaten eigentlich gar nicht mag. Trotzdem wird man die Torte möglicherweise nach backen. Vielleicht ersetzt man dabei einfach die ungeliebte Zutat gegen etwas, was man mehr mag. Das Ergebnis wird sich zwar von der ersten Torte unterscheiden, aber doch sehr nahe am Ausgangsgeschmack liegen, vielleicht besser oder vielleicht auch nicht ganz so gut schmecken, aber das Erfahren des ersten Bissen dieser eigenen Kreation wird wieder eine Sinneserfahrung. Vielleicht komme ich dann sogar auf den Geschmack und experimentiere weiter mit den unterschiedlichsten Zutaten, um immer neue Kreation zu schaffen und meine Sinne immer wieder aufs Neue anzuregen.
Dann gibt es noch die Möglichkeit, dass man sich genau ans Rezept hält, obwohl man eine Zutat ablehnt, sie vielleicht auch gar nicht verträgt. Das kann auch gut klappen, auch wenn man dafür Nebenwirkungen in Kauf nehmen muss. Es kann aber auch dazu führen, dass man entweder den Sinnesrausch vom ersten Tortengenuss vermisst - weil man ja weiß, was jetzt so alles in dem Kuchen drin steckt - oder aber sich irgendwann an den Geschmack so sehr gewöhnt, dass man gar nicht mehr nachvollziehen kann, was das denn gewesen sein könnte, dass beim "ersten Mal" so berauschend gewesen ist.
Und dann kann es noch passieren, dass einem, wie man es auch für sich nun handhabt, jemand daher kommt und einem anhand des Grundrezepts erklären möchte, warum die Zutaten genau diesen Effekt auslösen oder er der Meinung ist, dass man mit diesen Zutaten überhaupt gar nicht zu diesem Ergebnis kommen kann.
Möglicherweise gerät man auch an einen Ernährungsberater, der darüber doziert, wie schädlich die Torte doch ist: Zuviel Fett, zuviel Zucker, zuviel weißes Mehl und diese oder jene Ingredenz steht in dem Verdacht Allergien oder gar Krebs zu verursachen.
Ein Vegetarier oder Veganer wird sich auch darüber auslassen, was er alles an dem Rezept ändern würde, damit die Torte seiner Einstellung entspricht.
Oder aber, jemand wedelt mit dem Ausgangsrezept und regt sich tierisch darüber auf, dass man sich daran nicht gehalten hat und es abgewandelt hat, so dass es sich dabei gar nicht mehr um eine, meinetwegen, "Erdbeer - Marzipantorte" handelt.
Meine Auffassung dazu ist, wenn jemand die Torte denn anders oder besser hinzukriegen meint, er dies doch bitte tun möchte und wenn ihm meine nicht behagt, er sie ja nicht zu essen braucht. Er soll nur mir bitte meinen "Sinnesrausch" lassen, wie ich ihm wünsche, dass er für sich etwas ähnlich köstliches findet. Geschmäcker sind halt verschieden!
Aber wenn er mich bei jedem Happen meiner, meine Sinne betörenden, fluffigen, sahnig-cremigen Tortenkreation permanent mit seinem Gesabbel mein kosmische Erlebnis versaut, dann muss er sich nicht wundern, wenn ich ihn irgendwann anschreie:
"Halt's Maul und schau aus dem Fenster!"
Wem jetzt bei dem ganzen Tortengerede das Wasser im Munde zusammen gelaufen ist und nun so schnell wie möglich in die Küche gehen möchte, um selbst eine zu machen, dem wünsche ich dabei viel Spass und einen guten Apetitt.
Aber nicht vergessen, mein ganzes Geschwätz von Torten war metaphorisch gemeint. Es ging hier immer noch um Glauben, Religion und Spiritualität!
Und nun wünsche ich euch viel Spaß beim selber Backen!
Was Thelema betrifft, wird man, wie dargelegt, oft mit der Gleichsetzung "Thelema-Liber al vel Legis - Aleister Crowley" konfrontiert.
Dazu schrieb ich ja bereits in obigen Beitrag:
"Sowieso, die Gleichsetzung der Person Aleister Crowley mit Thelema ist so ein Punkt, der immer wieder falsch interpretiert wird. Er war zwar der Prophet des Neuen Aeons und somit von Thelema, schon allein durch die Niederschrift des Liber Al vel Legis, aber weder hat er jemals behauptet, dass er genau wüßte, was er da "verbrochen" hat, noch hat er jemals verlangt, dass man ihm folgen sollte. Thelemiten akzeptieren lediglich das Liber Al als Das Gesetz des Neuen Aeons!Es ist nun mal so, dass ein jeder, der sich Thelemit nennt, die Offenbarungsschrift, Das Gesetz, wie wir es nennen, akzeptieren muss. Wie er sie nun für sich deutet ist allerdings jedem selbst überlassen, also höchst eigene Privatsache. Und damit eben auch geprägt von seiner höchsteigenen Spiritualität.
Sie sind eben keineswegs samt- und sonders Crowley-Jünger, die in ihm ihren Guru sehen. Es gibt da welche, und die haben meiner Meinung nach einen Sprung in der Schüssel, und Uncle Al würde mir da beipflichten, es gibt auch Crowleyaner, die was der Mann geschrieben und gesagt hat, klasse finden, aber genauso viele Thelemiten lehnen die Privatperson als solche rund heraus ab.
Der Privatmensch Edward Alexander Crowley ist nicht zu verwechseln mit demjenigen, der zum Teil Werke geschrieben hat, die, meiner Meinung nach, seiner Zeit weit voraus waren. Er lebte sein Thelema, wie ich das meine, und -zig tausend andere Thelemiten eben das ihre. Alles Wahre Willen, die ihr großes Werk vollbringen. Ihres, nicht das eines anderen. "
Genau das ist der Punkt, wo ich noch einmal ansetzen möchte.
Obwohl es sich also, wenn man denn davon ausgeht, dass Thelema auch eine religiöses Konzept darstellen kann, dabei um eine sogenannte Offenbarungs-Religion handelt, und damit, wenn man mal den Terminus "Gott" gegen "Höheres Wesen" austauscht, durchaus in diesem einen Gesichtspunkt mit den abrahamitischen Religionen, aber auch dem Hinduismus in einer Reihe genannt werden könnte, so ist es eben auch ein von der persönlichen Interpretation eines höchst kryptischen Textes, der persönlichen Parallelen, die man dazu ziehen möchte und, was am wichtigsten ist, wie ich finde, durch ureigenes Erfahren und Erleben geprägtes Konzept.
Und damit bewege ich mich mal weg von speziellen Religionen, Weltanschauungen und Philosophien, hin zum Kern meines Problems.
Nur, weil es da nun ein Buch gibt, heißt das noch lange nicht, dass jemand, der es liest auch weiß, wie die einzelnen Menschen, für die es wichtig ist, dieses als Individuen für sich interpretieren, wie und in weit es ihren Glauben beeinflusst oder wie sie handeln und leben.
Es ist eben dieses Festnageln auf Schrifttum, egal welcher Art, ob nun Liber Al, Bibel, Tanach und Talmud, Koran, Veden, Avesta oder auch eben Edda und weiß der Himmel was noch. Selbst reine Erfahrungs-Religionen wie beispielsweise der Buddhismus sind davor nicht sicher.
Verfügt ein religiöses Konzept oder eine Weltanschauung über schriftlich fixierte Offenbarungen, aber auch Geschichts-, Sprüche- oder Legendensammlungen, also schriftliche Aufzeichnungen jedweder Art, dann liegt es nahe, sie als feste Definition des Glaubens zu nutzen.
Es sind aber eben keine "Gebrauchsanleitungen", die einem wortwörtlich eine Schritt-für-Schritt-Anweisung geben, so und nicht anders solle es gemacht (geglaubt, gedacht, gefühlt) werden. Und ganz sicher kein spiritueller Arbeitsvertrag.
Nun weiß man ja gemeinhin, wohin das Wortwörtlich-Nehmen religiöser Aufzeichnungen seitens Gläubiger führt. Fundamentalismus. Und der ist nun leider nicht nur in den abrahamitischen Religionen zu finden. Häufig zu recht kritisiert, führt er doch weg vom lebendigen Glauben, hin zu einem meist starren, einengenden Korsett überkommener Zeiten.
Aber mir geht es hier weniger um die Nutzung von Überlieferungen zur Selbstdefinition, sondern eben um die Definition von Außen...obwohl...eigentlich um beides.
Hat sich jemand schon einmal Gedanken gemacht, warum selbst für den Begriff "Religion" keinerlei wissenschaftliche allumfassende Festlegung existiert? Die Bandbreite der Komplexität der verschiedensten Erscheinungsformen, nicht zu vergessen das Zusammenspiel von sozialen und kulturellen Aspekten, die da hineinspielen, die eine solche abdecken müsste, um ein wenigstens annähernd gültiges Einvernehmen zu erzielen, wäre einfach zu groß.
Auch das weite Feld der Philosophie steht vor demselben Problem. Es gibt nicht die Philosophie, sondern eine Vielzahl von Erklärungsversuchen zur Existenz und dem Sinn des Daseins über tausende von Jahren, die teilweise aufeinander aufbauen, sich aber eben auch teilweise eklatant widersprechen. Es geht um Wahrheitssuche durch den Logos, der Vernunft, im Gegensatz zum Ansatz der Religion, die ihre "Wahrheit", ihre Weisheit, meist aus einem Mythos bezieht, obwohl es da eben auch Überschneidungen gibt.
Hinzu kommt, dass man ja nicht einmal genau sagen kann, was "Glauben" eigentlich ist. Eine Annahme, eine Vermutung, im Gegensatz zur Gewissheit?
Aber ich weiß, weil ich es er-lebe...! Für mich ist es keine Wahrscheinlichkeitsvermutung, sondern Teil meiner Wirklichkeit, da ich es empfinde...
Und nun?
Selbst der oft in diesem Zusammenhang benutzte Begriff der Spiritualität ist nicht wirklich fest definiert, abgesehen davon, dass er oft zu einem reinen Kampfbegriff verkommt, der vom rein geistigen bis hin zu eben der Hilfsvokabel für "Glauben, aber mehr als glauben" alles abdecken soll.
Denn Religiosität, Spiritualität, Glauben, ist eben etwas was weit über den bewussten Vorgang des Denkens hinaus geht.
Es ist, wenn man sich dafür öffnet, auch ein Rausch der Sinne, vergleichbar mit dem ersten Biss in ein Stück köstlicher, sahnige Torte.
Wow, himmlisch!
Erst nach diesem ersten rein gefühlsmäßigen Erfahren setzt dann das Reflektieren, das Denken ein:
Das Herausschmecken der einzelnen Zutaten, das Trennen von Zucker, Sahne, Boden, und waren da nicht Erdbeeren und eine Spur von Vanille und vielleicht ein Hauch von Mandeln und Marzipan?
Dann wird man höchst wahrscheinlich nach dem Rezept fragen oder es suchen, um sich zu vergewissern, ob seine Empfindungen richtig waren. Möglicherweise wird man dabei dann feststellen, dass man eine oder mehrere der Zutaten eigentlich gar nicht mag. Trotzdem wird man die Torte möglicherweise nach backen. Vielleicht ersetzt man dabei einfach die ungeliebte Zutat gegen etwas, was man mehr mag. Das Ergebnis wird sich zwar von der ersten Torte unterscheiden, aber doch sehr nahe am Ausgangsgeschmack liegen, vielleicht besser oder vielleicht auch nicht ganz so gut schmecken, aber das Erfahren des ersten Bissen dieser eigenen Kreation wird wieder eine Sinneserfahrung. Vielleicht komme ich dann sogar auf den Geschmack und experimentiere weiter mit den unterschiedlichsten Zutaten, um immer neue Kreation zu schaffen und meine Sinne immer wieder aufs Neue anzuregen.
Dann gibt es noch die Möglichkeit, dass man sich genau ans Rezept hält, obwohl man eine Zutat ablehnt, sie vielleicht auch gar nicht verträgt. Das kann auch gut klappen, auch wenn man dafür Nebenwirkungen in Kauf nehmen muss. Es kann aber auch dazu führen, dass man entweder den Sinnesrausch vom ersten Tortengenuss vermisst - weil man ja weiß, was jetzt so alles in dem Kuchen drin steckt - oder aber sich irgendwann an den Geschmack so sehr gewöhnt, dass man gar nicht mehr nachvollziehen kann, was das denn gewesen sein könnte, dass beim "ersten Mal" so berauschend gewesen ist.
Und dann kann es noch passieren, dass einem, wie man es auch für sich nun handhabt, jemand daher kommt und einem anhand des Grundrezepts erklären möchte, warum die Zutaten genau diesen Effekt auslösen oder er der Meinung ist, dass man mit diesen Zutaten überhaupt gar nicht zu diesem Ergebnis kommen kann.
Möglicherweise gerät man auch an einen Ernährungsberater, der darüber doziert, wie schädlich die Torte doch ist: Zuviel Fett, zuviel Zucker, zuviel weißes Mehl und diese oder jene Ingredenz steht in dem Verdacht Allergien oder gar Krebs zu verursachen.
Ein Vegetarier oder Veganer wird sich auch darüber auslassen, was er alles an dem Rezept ändern würde, damit die Torte seiner Einstellung entspricht.
Oder aber, jemand wedelt mit dem Ausgangsrezept und regt sich tierisch darüber auf, dass man sich daran nicht gehalten hat und es abgewandelt hat, so dass es sich dabei gar nicht mehr um eine, meinetwegen, "Erdbeer - Marzipantorte" handelt.
Meine Auffassung dazu ist, wenn jemand die Torte denn anders oder besser hinzukriegen meint, er dies doch bitte tun möchte und wenn ihm meine nicht behagt, er sie ja nicht zu essen braucht. Er soll nur mir bitte meinen "Sinnesrausch" lassen, wie ich ihm wünsche, dass er für sich etwas ähnlich köstliches findet. Geschmäcker sind halt verschieden!
Aber wenn er mich bei jedem Happen meiner, meine Sinne betörenden, fluffigen, sahnig-cremigen Tortenkreation permanent mit seinem Gesabbel mein kosmische Erlebnis versaut, dann muss er sich nicht wundern, wenn ich ihn irgendwann anschreie:
"Halt's Maul und schau aus dem Fenster!"
Wem jetzt bei dem ganzen Tortengerede das Wasser im Munde zusammen gelaufen ist und nun so schnell wie möglich in die Küche gehen möchte, um selbst eine zu machen, dem wünsche ich dabei viel Spass und einen guten Apetitt.
Aber nicht vergessen, mein ganzes Geschwätz von Torten war metaphorisch gemeint. Es ging hier immer noch um Glauben, Religion und Spiritualität!
Und nun wünsche ich euch viel Spaß beim selber Backen!
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Thelema
Dienstag, 29. März 2011
Mein Thelema
"Wer uns Thelemiten nennt, geht nicht fehl darin, so er sich das Wort nur genau betrachtet."
Tu was du willst, soll sein das Ganze des Gesetzes.
Eine kleine FB-Diskussion, die sich um Sinn und Qualität des Trash-Films "Crowley (My Chemical Wedding)" von Bruce Dickinson (der in Deutschland unter dem Titel "Crowley - Back out Hell" vertrieben wird) und die Wirkung, die dieser "Spass-Film" auf das Bild vom Current93 für den von der Thematik völlig Unbedarfte haben könnte, entspann, brachte mich dazu, einmal über mein Thelema nachzudenken.
Nur noch kurz zu dem Film: Ich persönlich finde den schreiend komisch und bin überzeugt, Uncle Al hätte sich königlich darüber amüsiert. Gerade, weil er so ziemlich jedes dämliche Klischee aufgreift, was so im Allgemeinen über To Mega Therion oder "The Wickedest Man in the World" und das, was er durch die Niederschrift des Liber Al vel Legis initiierte, in Umlauf ist. Daneben ist dieses Movie auch noch gespickt mit versteckten Andeutungen und Insidern.
Und da liegt auch eben das Problem und wohl die Hauptursache dafür, dass Dickinsons "Machwerk" auch unter Thelemiten sehr kontrovers aufgenommen wurde. Die einen finden ihn eben klasse, wohingegen die anderen entsetzt und verärgert reagieren.
Und dies kann ich durchaus verstehen. Wer sich nie eingehender mit der Philosophie von Thelema und der daraus resultierenden Verantwortungsethik auseinandergesetzt hat, mag beim Anschauen seine Vorurteile und ärgsten Befürchtungen bestätigt sehen. Kaum anzunehmen, dass er sich dadurch annimiert fühlt, sich tiefergehend mit Crowley und Thelema auseinander zu setzen. Er wird sich vielmehr angewidert abwenden.
Und das ist eben der Punkt, der kritisiert wird.
Man kann eben durch diesen Film auch die Vorurteile, die Person Aleister Crowleys betreffend, welche in der breiten Öffentlichkeit vorhanden sind und sich immer auf die Schlagworte "Schwarzmagier", "Drogenabhängiger" und "Pervers" reduzieren, bestätigt sehen.
Lässt sich ersteres noch leicht entkräften, da er selbst mehrfach Schwarze Magie als absoluten Bullshit bezeichnete, so ist es mit den beiden anderen Punkten ohne Kenntnis des Historischen Kontextes etwas schwieriger.
Ich weiß ja nicht, was Crowley so in seinem Leben konsumierte und es interessiert mich ehrlich gesagt auch nicht, aber betreffs der Heroinsucht sollte man schon wissen, dass diese Droge bis in die vierziger Jahre des letzten Jahrhunderts eine anerkannte Schmerz- und Hustenarznei der Firma Bayer war und ähnliche synthetische analgetische Opioide - mit der gleichen abhängig machenden Wirkung! - bis heute Verwendung in der Medizin finden.
Tja und die Perversion des Edward Alexander Crowleys bestand schlicht in seiner offen gelebten Bisexualität (mit einem gewissen Hang zu Sado-Masochistischen Praktiken) zu einer Zeit, da man für "Sodomie", einem alten Begriff für männliche Homosexualität, welcher durch Übersetzung und Bedeutungswandel leicht misszuverstehen ist, noch mit Zuchthaus bestraft wurde und dem Konzept der Freien Liebe, offenen Beziehungen oder wechselnden Geschlechtspartnern, die erst Jahrzehnte nach seinem Tod halbwegs salonfähig wurde. Noch heute soll es ja Leute geben, die jede Variation von Sex und Liebe außerhalb ihrer persönlichen Norm als "pervers" empfinden.
Aus dem gleichen Betrachtungswinkel ist übrigens auch der "Vorwurf" der Kindopferung zu verstehen. Es ist ein Synonym für Masturbation. Zu der Zeit und in dem Umfeld in dem Crowley aufwuchs und lebte, war es noch gang und gäbe, Jugendlichen mit Horrorgeschichten über Rückenmarksschwund und Hirnerweichung Angst vor solch "verwerflichen Handlungen" zu machen oder ihnen bei Uneinsichtigkeit, des Nachts die Hände ans Bett zu fesseln oder Keuschheitsgürtel anzulegen.
Das ist abartig, nicht aber die so verurteilten Handlungen!
Man kann aber auch auf vielfältige andere Art ein "Kind" opfern.
Das also zum Thema "Wickedest Man"...
Mittlerweile denke sogar, der Film funktioniert gerade eben in Deutschland nicht so, wie beispielsweise in Großbritannien - Dickinson ist ja Brite - weil die Mentalität und auch die Art Humor hier bei uns in Deutschland eine ganz andere ist, als eben "drüben".
Aber um einmal weg zu kommen von "Chemical Wedding" und hin zu dem was ich eigentlich sagen will:
Ich mache auch gern meine "Witzchen" über mein Thelema - also meine Lebensphilosophie und meinen Glauben, der sich, nach eingehender Selbstanalyse, am ehesten mit "Animistisch-Gnostischer-Mono-Poly-Pantheistisch-Atheistischer-Thelemit-in-Anlehnung-an-Zen-und-Tao" beschreiben ließe - besonders, wenn ich an "guten Tagen" mal wieder mit dem Stumpfsinn und der Ignoranz einiger Mitmenschen konfrontiert werde. Das heißt, ich spiele dann auch gern mal mit den gängigen Klischees, um sie ad absurdum zu führen. Pöse sexsüchtige Satanistin, die ständig auf der Suche nach Jungfrauen und Haustieren zwecks Opferung ist.
"Ironie ist die Rache des menschlichen Geistes an der uneinsichtigen Gesellschaft."Ein Satz, den Aleister Crowley wohl aus tiefstem Herzen zugestimmt hätte.
Helmar Nahr
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Dienstag, 15. Februar 2011
Von Schülern und Meistern
Seit ein paar Monaten erarbeiten eine befreundete Psychologin und ich eine Artikel-Serie, die sich mit dem fast unüberschaubaren und sehr einträglichen Markt der Lebensberatungs-Angebote befasst. Sobald wir veröffentlicht haben (vorausgesetzt wir überleben die umfangreiche Recherche-Arbeit), werde ich eine gekürzte Zusammenfassung auch hier in meinem Blog posten.
Quasi ein Nebenprodukt davon, stellt für mich die Analyse der, in vielen spirituellen Bereichen oft anzutreffenden, Lehrer-Schüler-Konstellation dar.
Zunächst einmal vorab:
Generell ist ein spiritueller Lehrer nichts Negatives, obwohl gerade in der westlichen Welt allein schon die Konnotation des Wortes "Guru" häufig einen sehr abfälligen Beigeschmack hat. Dies mag daran liegen, dass traditionsgemäß im Hinduismus das Lehrer-Schüler-Verhältnis eine für Mitteleuropäer befremdliche Hierachie beinhaltet. Der Schüler wird dort gleichsam Diener seines Gurus und muss sich nach und nach "hocharbeiten", erhält aber im Gegenzug eben die Möglichkkeit von seinem Meister zu lernen. Diese Denkweise ist uns fremd, obwohl es im Berufsleben vielen Auszubildenden mit ihren Meistern und Gesellen heute noch ähnlich ergeht.
Andererseits, wenn man bedenkt, wie wenig Respekt Schüler ihren Lehrern - und nichts anderes sind im Kern eben Gurus und Lamas - an unseren Schulen noch entgegenbringen, und sei es auch nur, zu honorieren, dass jene sich noch die Mühe machen, trotz ostentativ geäußertem Desinteresse, Lernstoff zu vermitteln, verwundert mich diese Einstellung eben nicht allzu sehr.
Es kann ohne Frage sehr nützlich sein, von einem auf seinem Gebiet Geübteren Hilfestellung und Anleitung zu erfahren oder einfach auch nur jemand zu haben, an den man sich mit auftauchenden Fragen wenden kann. So kann eine Konstellation zwischen Ratsuchedem und Ratgebenden von großem Nutzen sein.
Im Vajrayana, dem bei uns profan als Tibetanischen Buddhismus bezeichneten, Diamantenen Fahrzeug (nicht zu verwechseln mit dem von Ole Nydahl für die westliche Welt begründeten und propagierten Diamantwegs-Buddhismus. Das ist eine ganz andere Baustelle!) ist der Lama zentraler Dreh und Angelpunkt.
Auch viele andere östliche Richtungen, wie dem im Vedanta verbreiteten System des Satsang, bevorzugen das Modell zwischen Lehrer (Meister, Guru) und Schüler.
Aber egal in welchem System, der Sinn dieser Modelle ist es, den Schüler durch das Reflektieren der Unterweisungen und der Vermittlung eventuell notwendiger Lehren durch den Lehrer zu eigenen tiefgehenden Erkenntnissen und zur persönlichen Erleuchtung, sprich des Erwachens des höchst eigenen Potentials zu führen. Hinzu kommt häufig die Vermittlung bestimmter Techniken und Kenntnisse durch den Meister, die dem Schüler auf diesem Wege dienlich sein können. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Keinesfalls sollte eine solche Beziehung jedoch dazu dienen, dass sich der Schüler quasi an die Energie des Meisters "andockt", wie, zum Beispiel, ein Säugling an sein Muttertier oder meinetwegen ein Client an einen Server.
Für die Beantwortung der Frage, ob dieses Modell für beide Seite von Vorteil ist, kommt es einerseits auf die Qualität und den Charakter des Meisters an, in besonderem Maße in Bezug auf seine Motivation, andererseits auch auf den Charakter und die Bedürfnisse des Schülers. Ein guter Lehrer ist da für seinen Schüler, bietet ihm Hilfestellung, lässt ihm aber auch so viel Freiheit, damit er zu eigener Erkenntnis gelangt und nicht Gefahr läuft, die seines Lehrers schlicht zu übernehmen. Sollte dies der Fall sein, oder bemerkt er, dass es eben zu einem oben beschreibenden Andocken seitens des Schülers kommt, wird sich ein guter Meister sofort distanzieren und das zu enge Verhältnis wieder auflösen.
Immerhin gibt es Menschen, die sich nur zu gern ihrer Eigenverantwortung entledigen und in Abhängigkeit begeben und dazu neigen, Erklärungen unreflektiert zu übernehmen, nur weil sie eben von einem Meister stammen. Diese sind es dann auch, welche doch recht verblüfft reagieren, wenn der Lehrer ihnen nicht jeden Schritt vorgibt. Oft fühlen sie sich dann allein gelassen, zurückgestoßen oder vernachlässigt und wenden sich häufig enttäuscht von ihrem Lama, spirituellen Mentor oder Guru ab und werden sich eben einen Lehrer suchen, dem diese bedingungslose Abhängigkeit genehm ist. Dies hat jedoch den fatalen Effekt, dass solche Schüler unreife Meister "erschaffen", also Lehrer, die eigentlich aufgrund des Grades ihres eigenen Erkenntnisweges gar nicht in der Lage sind, Schüler zu unterweisen und somit auch den Ehrentitel Meister, Guru oder Lama zu Unrecht tragen.
Und auch diese Art von Lehrern, Gurus, Meister gibt es. Ihnen geht es weniger darum, den Schüler auf den eigenen Weg zu bringen, als vielmehr ihren Weg als allein richtig zu vermitteln und den Schüler dazu zu bewegen, diesen zu übernehmen. Und das kann auch innerhalb eines bestimmten Systems zu nicht unerheblichen Problemen für den Schüler führen.
Der Schüler darf nämlich nie dazu dienen, das Ego des Meisters zu befriedigen. Ein Meister der auf diese Art handelt, offenbart lediglich, dass es ihm an der nötigen Reife und somit an der Befähigung zum Lehren mangelt. Hinzu kommt, dass diese Lehrer auch selten bereit sind, den Schüler aus dem Verhältnis der Abhängigkeit wieder zu entlassen. Dies jedoch ist unerlässlich, wenn man bedenkt, dass Sinn und Zweck sein sollte, den Schüler ebenfalls zur "Meisterschaft" zu verhelfen.
Aber noch eine andere Gefahr lauert. Selbst wahre Meister bleiben ja Menschen und durch eine zu große Nähe zu einem Schüler, insbesondere, wenn dieser dazu neigt, den Lehrer "anzubeten" besteht die Möglichkeit, dass dieser dann die Bodenhaftung verliert und im wahrsten Sinne des Wortes einen Höhenrausch bekommt.
Etwas skeptisch stehe ich auch dem Umstand gegenüber, wenn ein Lehrer, Lama oder Guru sehr viele Schüler um sich sammelt.
Natürlich gibt es hervorragende Meister ihres Faches, bei denen es, wenn sich die Möglichkeit eröffnet, sie einmal live und in Farbe erleben und vor allem hören zu dürfen, lohnt, einen längeren Weg in Kauf zu nehmen und dann ist es auch kaum verwunderlich, wenn sich dort dann sehr viele Menschen einfinden um dieses Erlebnis zu teilen.
Jedoch, mit einem wesentlich intimeren Lehrer-Schüler-Verhältnis ist das nicht zu verwechseln. Wie soll das auch bewerkstelligt werden, wenn der Meister nach einer solchen Veranstaltung gerade mal einen kurzen Augenblick Zeit für seine Schüler erübrigen kann, wenn überhaupt?
So darf die bloße Quantität der Schülerschaft nicht als Maßstab für die Qualität eines Lehrers gelten. Ein spiritueller Ratgeber ist kein Popstar, der danach bewertet wird, ob er Hallen zu füllen vermag und Schüler können sich nicht ernsthaft damit zufrieden geben, wenn er sich nachher kurz Zeit nimmt, „Autogramme“ zu geben oder Hände zu schütteln.
Ehrlich gesagt, verstehe ich die Leute nicht, die in einem solchen Fall ernsthaft von „ihrem“ Lehrer, Lama, Guru oder sonst etwas sprechen.
Es kann doch nicht befriedigend sein, wenn man seinen Lehrer nur mit Hilfe eines Opernglases auf einer, vom eigenen Sitzplatz, weit eintfernten Bühne ausmachen zu können und ansonsten lediglich auf die von "ihrem" Lehrer verfasste Literatur zurückgreifen können.
Ich selbst besitze auch eine nicht unerhebliche Menge an Büchern von auf ihrem Gebiet durchaus überragenden Persönlichkeiten und nutze sie gern als Impulsgeber und Inspiration, aber ich käme nie auf die Idee, die Autoren als meine Lehrer zu bezeichnen, eben weil der persönliche Aspekt dabei völlig fehlt.
Aber um noch einmal auf den Aspekt der sich in Abhängigkeit zu einem Meister begebende Schüler zurück zu kommen, die dann dazu führt, dass der Lehrer das Verhältnis notgedrungen wieder normalisieren oder gar beenden muss.
Wenn man bedenkt, wie traumatisch dies teilweise für den Hilfesuchenden, der über die Disposition verfügt, sich eben an jemanden so sehr zu klammern, dass er dafür bereit ist, sich selbst völlig aufzugeben, erklärt das auch zum Teil so manches böses Nachspiel für den jeweiligen Lehrer, Meister, Guru oder sogar für die gesamte Gruppierung oder Richtung, der er angehört.
Für einen unreifen Schüler, unreif in dem Sinne, dass er dem kindlichen Bedürfnis nach einer führenden Hand noch nicht ent-wachsen ist, kann so eine "Zurückweisung" derart verletzend sein, dass sich dies in regelrechtem Hass auf den früher so verehrten "Vater" manifestiert.
Mir persönlich fallen eine Reihe von bekannten Beispielen ein, wo Schüler zum Teil namhafter spiritueller Lehrer in einen Rausch fast inzestiöser Hörigkeit zu ihrem Meister gerieten, aus dem sie nur mit größter Anstrengung wieder "entkamen" und sie hernach die Schuld lediglich beim Gegenüber suchten.
Gut möglich, dass sie auf besagte unreife Lehrer, oder gar Scharlatane, hereinfielen, deren Ziel eben die bedingungslose Abhängigmachung des Schülers war, aber eben so wahrscheinlich ist es, dass sie eben Opfer ihrer falschen Erwartungen in den Lehrer wurden und nicht verstanden, dass dieser lediglich das spiegelte, was sie seiner Meinung nach ihrerseits ausstrahlten, in der Hoffnung, sie würden daraus für sich wichtige Lehren ziehen.
In keinem noch so harmonischen Lehrverhältnis geht es eben ohne eine gewisse kritische Distanz zum Lehrer, Lama, Guru, seinen Aussagen und Lehren.
Bei aller Reife und Grad auf dem Weg zur Erleuchtung oder meinetwegen Wahrheit, sie bleiben Menschen und diese sind nicht nur individuell äußerst verschieden, sondern eben auch fehlbar. Das kann man nicht genug betonen!
Vorsicht ist meines Erachtens geboten, wenn jemand nur noch zu jedem Thema die Aussagen seines Lamas oder Meisters zum besten gibt und ihm nach dem Munde redet, zum Teil ohne sich dessen bewusst zu sein und teilweise sogar darüber die eigene Erfahrung und Erkenntnis vernachlässigt oder - viel schlimmer - sie für seine eigene Meinung hält.
"Mein Lehrer sagt dazu...." - "Mein Lama hat das so und so formuliert..." - "Mein Meister macht das aber ganz anders."
Bei solchen und ähnlichen Formulierungen in jedem zweiten Satz, muss ich mich immer stark bezähmen um den Gegenüber nicht durch zu schütteln und zu schreien: "Und was sagst DU dazu?"
Ganz zu schweigen davon, wie ermüdend es werden kann, wenn der Gesprächspartner ständig davon berichtet, was für eine tolle Nummer sein Meister doch ist, von wem er gelernt hat, was er alles so kann - levitieren, mit Toten reden, sterben und nach drei Tagen wieder auferstehen, mit Buddha Gautama persönlich Tee trinken, etc. pp.
Mag ja alles sein, aber deshalb wird aus dem Schüler nicht automatisch auch ein Superheld.
So wenig ein Schüler dazu dienen darf, das Ego des Meisters zu befriedigen, so wenig ist es Aufgabe eines Meister durch seine bloße Reputation das Ego des Schülers zu stärken.
Ähnlich sieht es aus, wenn ein Lehrer oder Guru zu viel redet und sich in weitschweifigen Monologen über seine Erfahrungen und Fähigkeiten ergeht und sich dadurch, meines Erachtens, Gehör zu verschaffen sucht.
Möglicherweise bin ich ja auf dem Holzweg, aber nach meiner persönlichen Erfahrung werden Menschen, im gleichen Maß, in dem sie auf ihrem (spirituellen) Weg bereits fortgeschritten sind, immer ruhiger, zurückhaltender und gelassener. Erstaunlicherweise scheinen sie sich selbst auch wesentlich weniger wichtig und ernst zu nehmen, als es ihnen, nach Meinung einiger Mitmenschen, eigentlich gebürt.
Tritt man dann mit einer Frage an sie heran, texten sie einen nicht zu, sondern antworten entweder sehr knapp und präzise oder aber, mit einer Gegenfrage, deren Beantwortung meist schon die Antwort auf die gestellte Frage beinhaltet.
Das mag auf Menschen, die auf eine möglichst einfache Antwort drängen, frustrierend wirken, aber es dient auch dazu, dass man, auch und gerade innerhalb eines engen Lehrer-Schüler-Verhältnisses, nicht verlernt, selbstständig und eigenverantwortlich zu denken.
Quasi ein Nebenprodukt davon, stellt für mich die Analyse der, in vielen spirituellen Bereichen oft anzutreffenden, Lehrer-Schüler-Konstellation dar.
Zunächst einmal vorab:
Generell ist ein spiritueller Lehrer nichts Negatives, obwohl gerade in der westlichen Welt allein schon die Konnotation des Wortes "Guru" häufig einen sehr abfälligen Beigeschmack hat. Dies mag daran liegen, dass traditionsgemäß im Hinduismus das Lehrer-Schüler-Verhältnis eine für Mitteleuropäer befremdliche Hierachie beinhaltet. Der Schüler wird dort gleichsam Diener seines Gurus und muss sich nach und nach "hocharbeiten", erhält aber im Gegenzug eben die Möglichkkeit von seinem Meister zu lernen. Diese Denkweise ist uns fremd, obwohl es im Berufsleben vielen Auszubildenden mit ihren Meistern und Gesellen heute noch ähnlich ergeht.
Andererseits, wenn man bedenkt, wie wenig Respekt Schüler ihren Lehrern - und nichts anderes sind im Kern eben Gurus und Lamas - an unseren Schulen noch entgegenbringen, und sei es auch nur, zu honorieren, dass jene sich noch die Mühe machen, trotz ostentativ geäußertem Desinteresse, Lernstoff zu vermitteln, verwundert mich diese Einstellung eben nicht allzu sehr.
Es kann ohne Frage sehr nützlich sein, von einem auf seinem Gebiet Geübteren Hilfestellung und Anleitung zu erfahren oder einfach auch nur jemand zu haben, an den man sich mit auftauchenden Fragen wenden kann. So kann eine Konstellation zwischen Ratsuchedem und Ratgebenden von großem Nutzen sein.
Im Vajrayana, dem bei uns profan als Tibetanischen Buddhismus bezeichneten, Diamantenen Fahrzeug (nicht zu verwechseln mit dem von Ole Nydahl für die westliche Welt begründeten und propagierten Diamantwegs-Buddhismus. Das ist eine ganz andere Baustelle!) ist der Lama zentraler Dreh und Angelpunkt.
Auch viele andere östliche Richtungen, wie dem im Vedanta verbreiteten System des Satsang, bevorzugen das Modell zwischen Lehrer (Meister, Guru) und Schüler.
Aber egal in welchem System, der Sinn dieser Modelle ist es, den Schüler durch das Reflektieren der Unterweisungen und der Vermittlung eventuell notwendiger Lehren durch den Lehrer zu eigenen tiefgehenden Erkenntnissen und zur persönlichen Erleuchtung, sprich des Erwachens des höchst eigenen Potentials zu führen. Hinzu kommt häufig die Vermittlung bestimmter Techniken und Kenntnisse durch den Meister, die dem Schüler auf diesem Wege dienlich sein können. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Keinesfalls sollte eine solche Beziehung jedoch dazu dienen, dass sich der Schüler quasi an die Energie des Meisters "andockt", wie, zum Beispiel, ein Säugling an sein Muttertier oder meinetwegen ein Client an einen Server.
Für die Beantwortung der Frage, ob dieses Modell für beide Seite von Vorteil ist, kommt es einerseits auf die Qualität und den Charakter des Meisters an, in besonderem Maße in Bezug auf seine Motivation, andererseits auch auf den Charakter und die Bedürfnisse des Schülers. Ein guter Lehrer ist da für seinen Schüler, bietet ihm Hilfestellung, lässt ihm aber auch so viel Freiheit, damit er zu eigener Erkenntnis gelangt und nicht Gefahr läuft, die seines Lehrers schlicht zu übernehmen. Sollte dies der Fall sein, oder bemerkt er, dass es eben zu einem oben beschreibenden Andocken seitens des Schülers kommt, wird sich ein guter Meister sofort distanzieren und das zu enge Verhältnis wieder auflösen.
Immerhin gibt es Menschen, die sich nur zu gern ihrer Eigenverantwortung entledigen und in Abhängigkeit begeben und dazu neigen, Erklärungen unreflektiert zu übernehmen, nur weil sie eben von einem Meister stammen. Diese sind es dann auch, welche doch recht verblüfft reagieren, wenn der Lehrer ihnen nicht jeden Schritt vorgibt. Oft fühlen sie sich dann allein gelassen, zurückgestoßen oder vernachlässigt und wenden sich häufig enttäuscht von ihrem Lama, spirituellen Mentor oder Guru ab und werden sich eben einen Lehrer suchen, dem diese bedingungslose Abhängigkeit genehm ist. Dies hat jedoch den fatalen Effekt, dass solche Schüler unreife Meister "erschaffen", also Lehrer, die eigentlich aufgrund des Grades ihres eigenen Erkenntnisweges gar nicht in der Lage sind, Schüler zu unterweisen und somit auch den Ehrentitel Meister, Guru oder Lama zu Unrecht tragen.
Und auch diese Art von Lehrern, Gurus, Meister gibt es. Ihnen geht es weniger darum, den Schüler auf den eigenen Weg zu bringen, als vielmehr ihren Weg als allein richtig zu vermitteln und den Schüler dazu zu bewegen, diesen zu übernehmen. Und das kann auch innerhalb eines bestimmten Systems zu nicht unerheblichen Problemen für den Schüler führen.
Der Schüler darf nämlich nie dazu dienen, das Ego des Meisters zu befriedigen. Ein Meister der auf diese Art handelt, offenbart lediglich, dass es ihm an der nötigen Reife und somit an der Befähigung zum Lehren mangelt. Hinzu kommt, dass diese Lehrer auch selten bereit sind, den Schüler aus dem Verhältnis der Abhängigkeit wieder zu entlassen. Dies jedoch ist unerlässlich, wenn man bedenkt, dass Sinn und Zweck sein sollte, den Schüler ebenfalls zur "Meisterschaft" zu verhelfen.
Aber noch eine andere Gefahr lauert. Selbst wahre Meister bleiben ja Menschen und durch eine zu große Nähe zu einem Schüler, insbesondere, wenn dieser dazu neigt, den Lehrer "anzubeten" besteht die Möglichkeit, dass dieser dann die Bodenhaftung verliert und im wahrsten Sinne des Wortes einen Höhenrausch bekommt.
Etwas skeptisch stehe ich auch dem Umstand gegenüber, wenn ein Lehrer, Lama oder Guru sehr viele Schüler um sich sammelt.
Natürlich gibt es hervorragende Meister ihres Faches, bei denen es, wenn sich die Möglichkeit eröffnet, sie einmal live und in Farbe erleben und vor allem hören zu dürfen, lohnt, einen längeren Weg in Kauf zu nehmen und dann ist es auch kaum verwunderlich, wenn sich dort dann sehr viele Menschen einfinden um dieses Erlebnis zu teilen.
Jedoch, mit einem wesentlich intimeren Lehrer-Schüler-Verhältnis ist das nicht zu verwechseln. Wie soll das auch bewerkstelligt werden, wenn der Meister nach einer solchen Veranstaltung gerade mal einen kurzen Augenblick Zeit für seine Schüler erübrigen kann, wenn überhaupt?
So darf die bloße Quantität der Schülerschaft nicht als Maßstab für die Qualität eines Lehrers gelten. Ein spiritueller Ratgeber ist kein Popstar, der danach bewertet wird, ob er Hallen zu füllen vermag und Schüler können sich nicht ernsthaft damit zufrieden geben, wenn er sich nachher kurz Zeit nimmt, „Autogramme“ zu geben oder Hände zu schütteln.
Ehrlich gesagt, verstehe ich die Leute nicht, die in einem solchen Fall ernsthaft von „ihrem“ Lehrer, Lama, Guru oder sonst etwas sprechen.
Es kann doch nicht befriedigend sein, wenn man seinen Lehrer nur mit Hilfe eines Opernglases auf einer, vom eigenen Sitzplatz, weit eintfernten Bühne ausmachen zu können und ansonsten lediglich auf die von "ihrem" Lehrer verfasste Literatur zurückgreifen können.
Ich selbst besitze auch eine nicht unerhebliche Menge an Büchern von auf ihrem Gebiet durchaus überragenden Persönlichkeiten und nutze sie gern als Impulsgeber und Inspiration, aber ich käme nie auf die Idee, die Autoren als meine Lehrer zu bezeichnen, eben weil der persönliche Aspekt dabei völlig fehlt.
Aber um noch einmal auf den Aspekt der sich in Abhängigkeit zu einem Meister begebende Schüler zurück zu kommen, die dann dazu führt, dass der Lehrer das Verhältnis notgedrungen wieder normalisieren oder gar beenden muss.
Wenn man bedenkt, wie traumatisch dies teilweise für den Hilfesuchenden, der über die Disposition verfügt, sich eben an jemanden so sehr zu klammern, dass er dafür bereit ist, sich selbst völlig aufzugeben, erklärt das auch zum Teil so manches böses Nachspiel für den jeweiligen Lehrer, Meister, Guru oder sogar für die gesamte Gruppierung oder Richtung, der er angehört.
Für einen unreifen Schüler, unreif in dem Sinne, dass er dem kindlichen Bedürfnis nach einer führenden Hand noch nicht ent-wachsen ist, kann so eine "Zurückweisung" derart verletzend sein, dass sich dies in regelrechtem Hass auf den früher so verehrten "Vater" manifestiert.
Mir persönlich fallen eine Reihe von bekannten Beispielen ein, wo Schüler zum Teil namhafter spiritueller Lehrer in einen Rausch fast inzestiöser Hörigkeit zu ihrem Meister gerieten, aus dem sie nur mit größter Anstrengung wieder "entkamen" und sie hernach die Schuld lediglich beim Gegenüber suchten.
Gut möglich, dass sie auf besagte unreife Lehrer, oder gar Scharlatane, hereinfielen, deren Ziel eben die bedingungslose Abhängigmachung des Schülers war, aber eben so wahrscheinlich ist es, dass sie eben Opfer ihrer falschen Erwartungen in den Lehrer wurden und nicht verstanden, dass dieser lediglich das spiegelte, was sie seiner Meinung nach ihrerseits ausstrahlten, in der Hoffnung, sie würden daraus für sich wichtige Lehren ziehen.
In keinem noch so harmonischen Lehrverhältnis geht es eben ohne eine gewisse kritische Distanz zum Lehrer, Lama, Guru, seinen Aussagen und Lehren.
Bei aller Reife und Grad auf dem Weg zur Erleuchtung oder meinetwegen Wahrheit, sie bleiben Menschen und diese sind nicht nur individuell äußerst verschieden, sondern eben auch fehlbar. Das kann man nicht genug betonen!
Vorsicht ist meines Erachtens geboten, wenn jemand nur noch zu jedem Thema die Aussagen seines Lamas oder Meisters zum besten gibt und ihm nach dem Munde redet, zum Teil ohne sich dessen bewusst zu sein und teilweise sogar darüber die eigene Erfahrung und Erkenntnis vernachlässigt oder - viel schlimmer - sie für seine eigene Meinung hält.
"Mein Lehrer sagt dazu...." - "Mein Lama hat das so und so formuliert..." - "Mein Meister macht das aber ganz anders."
Bei solchen und ähnlichen Formulierungen in jedem zweiten Satz, muss ich mich immer stark bezähmen um den Gegenüber nicht durch zu schütteln und zu schreien: "Und was sagst DU dazu?"
Ganz zu schweigen davon, wie ermüdend es werden kann, wenn der Gesprächspartner ständig davon berichtet, was für eine tolle Nummer sein Meister doch ist, von wem er gelernt hat, was er alles so kann - levitieren, mit Toten reden, sterben und nach drei Tagen wieder auferstehen, mit Buddha Gautama persönlich Tee trinken, etc. pp.
Mag ja alles sein, aber deshalb wird aus dem Schüler nicht automatisch auch ein Superheld.
So wenig ein Schüler dazu dienen darf, das Ego des Meisters zu befriedigen, so wenig ist es Aufgabe eines Meister durch seine bloße Reputation das Ego des Schülers zu stärken.
Ähnlich sieht es aus, wenn ein Lehrer oder Guru zu viel redet und sich in weitschweifigen Monologen über seine Erfahrungen und Fähigkeiten ergeht und sich dadurch, meines Erachtens, Gehör zu verschaffen sucht.
Möglicherweise bin ich ja auf dem Holzweg, aber nach meiner persönlichen Erfahrung werden Menschen, im gleichen Maß, in dem sie auf ihrem (spirituellen) Weg bereits fortgeschritten sind, immer ruhiger, zurückhaltender und gelassener. Erstaunlicherweise scheinen sie sich selbst auch wesentlich weniger wichtig und ernst zu nehmen, als es ihnen, nach Meinung einiger Mitmenschen, eigentlich gebürt.
Tritt man dann mit einer Frage an sie heran, texten sie einen nicht zu, sondern antworten entweder sehr knapp und präzise oder aber, mit einer Gegenfrage, deren Beantwortung meist schon die Antwort auf die gestellte Frage beinhaltet.
Das mag auf Menschen, die auf eine möglichst einfache Antwort drängen, frustrierend wirken, aber es dient auch dazu, dass man, auch und gerade innerhalb eines engen Lehrer-Schüler-Verhältnisses, nicht verlernt, selbstständig und eigenverantwortlich zu denken.
Dienstag, 1. Februar 2011
Suse, liebe Suse, was raschelt im Stroh?
Ich frage mich immer, warum die Leute aus allem ein riesen Problem machen müssen?
Im Allgemeinen und im Heidentum im Besonderen. Wenn ich das so manchmal höre oder lese, dann denke ich, man sollte mal wieder auf den Teppich kommen.
Generell:
Wenn mich etwas stört, dann meckere ich nicht bis zum Exodus, sondern versuche das für mich zu ändern. Ich warte dann auch nicht, bis jemand vorbei kommt und das für mich erledigt, sondern mache das selbst. Mit den Konsequenzen muss ich dann leben und kann sie eben nicht auf andere abwälzen.
Wenn ich das nicht will oder den Aufwand scheue, ist das ja auch in Ordnung, nur kann ich mich dann auch nicht beklagen.
So einfach ist das!
Speziell zum Heidentum™:
Einerseits wettert man gegen die Abrahamitischen Religionen der zweiten und dritten Generation (sprich Christentum und Islam), weil die ja allerorten missionieren und ihr Ding als Wahrheit™ sehen, andererseits machen die lieben Heiden das gleiche in grün.
Nicht nur, dass sie sich scheinbar mehr um die Angelegenheiten der Christen und Moslems kümmern, als um ihren eigenen Glauben, nein, sie müssen auch noch an dem Glaubensverständnis ihrer "Artgenossen" rum kritteln.
Was hat man eigentlich davon, anderen Leuten erklären zu wollen, was nun wahres Heidentum ist und was nicht?
Langsam kann ich das wirklich nicht mehr hören. Wenn interessiert das?
Mal abgesehen, dass die meisten dabei ein immer noch tief verwurzeltes dualistisches Denken offenbaren, wahr-falsch, gut-böse. Und, nein, dabei handelt es sich bei allem guten Willen, es so auszulegen nicht um eine Polarisierung, also Dualismus einer Einheit, wie zwei Seiten einer Münze, sondern eben um die gleiche Art von beinharter Schwarzweißmalerei, den man bei der monoheistischen Konkurenz immer kritisiert.
Dazu macht man sich Gedanken, wie man die breite Masse auf sich aufmerksam macht, "die Jugend" für den eigenen Glauben begeistern könnte, wie man sie mit ins Boot holt, etc.
Ja, toll, machen wir doch Jugendgruppen auf, Asatru-Sommercamps mit Wikingerboot fahren, und Trinkhorn schnitzen mit Eddalesungen und Celtoi-Filmabende mit Vertingetorix und Cuchulain oder etwas vergleichbares für andere Glaubensrichtungen.
Bin ich froh, dass mein "Verein" erst ab 18 ist, wie der der Wicca übrigens auch...
Dann immer das Gewese um den Kirchenaustritt.
Leute, wenn ich in einem Verein bin, den ich nicht unterstützen möchte, dann trete ich da aus. Und wenn mich das Geld kostet, einerlei ob nun moralisch vertretbar oder nicht, dann zahle ich und fertig ist. Beschweren würde ich mich höchstens bei den Leuten, die mir die Mitgliedschaft eingebrockt haben, also im Normalfall den Eltern. Was kann denn die Kirche dafür, dass die einfach mal so beschlossen haben, dass ihre Kinder da gut aufgehoben wären?
Und natürlich wendet sich die zuständige Gemeinde dann noch einmal an den Ausgetretenen, ob er sich das noch mal überlegen will, die müssen sich ja von Amtswegen wenigstens ansatzweise um das Seelenheil der (Ex-)Schäflein kümmern und natürlich gehen den Krichen dadurch Einnahmen flöten, aber was soll's?
Bei mir kam genau noch ein Brief von meinen zuständigen Pfarrer, den ich im Übrigen gar nicht mal kannte, der landete auch gleich im Rundordner und danach war die Sache für mich gegessen. Das mag in sehr kleinen Gemeinden oder bei bestimmten Sektionen anders aussehen, aber das sind nun mal die Konsequenzen, die zu erwarten sind. Irgendwann geben die auch auf, wenn sie merken, dass da nichts mehr zu reißen ist. So what?
Apropos Konsequenzen:
Wenn ich denn aus der Kirche ausgetreten bin oder nie drin war und dann verlange, eine Stelle bei einer Institution unter kirchlichen Trägerschaft zu bekommen, hallo, das muss ich jetzt nicht weiter ausführen, oder? Subventionen aus Steuergeldern hin oder her, aber ...öhm..
Aber auch, wenn man noch "drin" ist, und aus welchen Gründen auch immer nicht austreten will, ist doch auch okay. Einmal ganz davon abgesehen, dass es sich bei einem Austritt um einen rein rechtlich-formalen Akt handelt, die Taufe als solche aber rein theologisch, bestand hat.
Mit den Worten meines Sohnes gesprochen "Das Taufsiegel kriegt man sowieso nie wieder weg!"
Die Frage ist da ja bloß, ob man dem dann Kraft seiner eigenen Interpretation (oder seinem Willen!) noch irgendeine Bedeutung zu kommen lässt. Was bitte interessiert es die Göttter, das All-Eins, das Universum, was in irgendeinem Taufregister steht? Rituale sind für die Menschen da, nicht die Menschen für die Rituale.
Genauso wenig kann ich meine Kinder in einen kirchlichen Kindergarten oder Schule, aber auch unter staatlichen Trägerschaft laufenden Einrichtungen dieser Art, schicken, und mich dann beschweren, dass sie mit dem Christentum konfrontiert werden.
Wenn ich das nicht will, dann gibt es ja jede Menge Alternativen, Waldorf und Co. machen es möglich. Aber, dazu müsste man ja vielleicht nach so etwas suchen oder noch schlimmer ein paar Kilometer fahren.
Nebenbei, das beste Rezept, seine Kinder vor Indoktrinationen egal aus welcher Richtung zu schützen, ist, sie zu frei denkenden Menschen werden zu lassen. (ich vermeide hier bewußt die Vokabel "erziehen"!) Und dazu gehört meiner Meinung nach nicht, ihnen ständig damit zu kommen, wie Kacke doch die anderen sind und wie toll man selbst.
Dazu kommt, dass sich einige Heiden geradezu von Christen und Moslems verfolgt fühlen. Tja, Überraschung, die sind halt mehr, da beisst die Maus keinen Faden ab, und abgesehen davon, dass die meisten dieser pösen Monos ungefähr so gläubig sind, wie mein Hund, hat mir in den 44 Jahren, in denen ich nun mehr lebe, noch nie einer davon die Bude eingerannt, um mich zu missionieren. Okay, es gab da mal eine kleine Episode, als ich noch in Düsseldorf gewohnt habe, mit zwei Zeugen Jehova, die die Meinung vertraten, ich als Frau hätte eh nicht zu bestimmen, ob ich nun ihres Heils bedarf oder nicht, aber ein "netter" Anruf hat das dann auch geklärt.
Aber sonst?
wenn man das jedoch so hört, sind wir ja geradezu umzingelt von Abrahamiten, die nichts lieber wollen, als entweder unsere Seele oder unseren Tod.
Da stellle ich mir dann wirklich die Frage, ob ich möglicherweise in einem komplett anderen Universum lebe?
Jedenfalls könnte man bisweilen fast annehmen, Unzufriedenheit an der eigenen Situation und damit verbundene destruktive Verhaltensweisen wäre im Heidentum™ systeminharänt, wenn es nicht erstens genug Gegenbeispiele gäbe und zweitens dieses Gebaren nicht auch in der übrigen Bevölkerung weite Verbreitung finden würde.
Aber gerade in letzter Zeit ist etwas im Heidentum im Gange, dass ich noch nicht recht einzuordenen verstehe. Allerdings ist das auch schon einigen Bekannten aufgefallen, also habe ich wohl doch noch alle Latten am Zaun.
Immer öfters hört man von "Mobilmachung" und "Bereitsein für den Ernstfall".
Bitte?
Ich bin ja der Letzte, der sich nicht gelegentlich Gedanken über den zunehmenden Fundamentalismus machen würde, wobei mein Hauptaugenmerk da auf den im Christentum liegt, weil der so gern bei aller forcierten Islamistenparanioa übersehen wird, aber ich habe jetzt nicht das Gefühl, dass ich nachts mit einer geladenen Waffe neben dem Kopfkissen schlafen müsste, weil meine Nachbarn schon mal einen Überfall planen.
Okay, wenn das jetzt von irgendwelchen 14- oder 15- Jährigen kommen würde, dann dächte ich, die haben zuviel Pagan-Metal gehört, aber ein paar Bekannte aus der Forn Siðr hier aus NRW erzählten mir, dass da in letzter Zeit ein paar durchaus erwachsene Gestalten aufgeschlagen wären, die so was verzapfen. Kann man das vielleicht noch getrost ignorieren und als nicht abgehandelte unterbewusste Traumata abhaken und den Leuten eine Psychotherapie empfehlen (kommt nicht von mir!) ist da wohl noch etwas anderes im Busch.
Vereinzelt tauchen neuerdings nämlich Leute auf, reden von kulturellem und religiösen Erhalt und Identität, einem Besinnen auf gemeinsame Wurzeln innerhalb Europas. Für sie ist dann auch nur das Heidentum, was sie innerhalb dieser engen Grenzen als indigen definieren. Also germanisch, keltisch, im besten Fall noch slawisch und in Ausnahmen römisch-griechisch, wobei dies meistens durch das Unterschlagen der synkretistischen Neigungen romantisiert wird.
Das erinnert mich dann schon wieder etwas an die Leitkultur-Idee unser Bundesregierung, eben nur ohne C.
Wurzeln sind wichtig, keine Frage. Wenn ich weiß, woher ich komme, dann trägt das ungemein zum Selbstfindungsprozess bei und kann sich durchaus positiv auswirken. Nur, wo wir schon bei dem schönen Bild sind, ein Baum besteht ja nicht nur aus Wurzeln, er wächst ja nach oben zum Licht, breitet seine Äste zu allen Seiten aus.
Von Zeit zur Zeit fällt dann der Begriff Pan-Bewegung und wenngleich ich da lustigerweise erst einmal an Bacchanalien und fröhliche Flötenmusik denken musste (ja, blöde Verknüpfung!), beschleicht mich dabei ein undefiniertes, so doch recht mieses Gefühl in der Bauchgegend.
Kurze Recherche ergab, wie im obigen Wiki-Link ersehbar, dass es sich dabei, um, durchaus nicht auf das Heidentum beschränkte, Bestrebungen handelt, die heutigen Staatsformen zu Gunsten von ethnische-definierten "Kultur-Nationen" abzuschaffen.
Also, im Klartext, jede Ethnie bekommt ein Stück vom Kuchen, wo sie sich frei und autonom entfalten kann.
Voraussetzung wäre da aber eines Erachtens, dass man die Leute erst einmal ethnisch sortiert. Wohl dem, der seinen Stammbaum reinerhalten hat oder noch den Ahnenpass von Opa in der Schublade liegen hat. Den müsste man dann auch gleich wieder einführen, denn dank Völkerwanderung, Hunnen- und Mongolensturm und sonstigen Heeresaktivitäten und Besatzungszeiten und den dadurch bedingten Produkten notgeiler Krieger und Soldaten, und in Friedenszeiten, Händler oder Matrosen, dürfte das zweifelsfreie Einordnen nach Ethnie doch schon etwas schwer fallen, auch ohne all die anderen Möglichkeiten, wie man zu "fremden" Genen kommen kann.
Aber so eng sehen die Beführworter dieser Bewegung es sicher nicht, denn Ethnie bezieht sich ja nicht nur auf die Abstammung, sondern eben auch auf eine gemeinsame Kultur, Sprache, Kleidung und Religion. Ich sagte ja, es erinnert mich ein wenig an das, was Merkel, Seehofer und Co. allein in letzter Zeit rausgehauen haben.
Und da liegt eben für mich der Hase im Pfeffer.
Es klingt ja für dennaiven oberflächlichen Betrachter doch recht unverfänglich, um nicht zu sagen (vordergründig) tolerant, wenn jemand davon spricht, man wolle jeder kulturell definierten Volksgruppe einen eigenen Lebensraum verschaffen.
Hurra, Freiheit für die Basken, Kurden und all die anderen ethnische Minderheiten!
Nach erfolgter, für dieses Konzept unbedingt erforderliche EthnischenSäuberung Umsiedlung könnten sie endlich ihre Identität frei ausleben, ohne etwaige Repressalien durch vorherrschende Völker befürchten zu müssen, sie würden sicher auch noch neue Bekanntschaften schließen mit ihnen abstammungstechnisch verwandten Völkern, denn, seien wir ehrlich, für jedes kleinste Volk einen eigenen Staat, das dürfte allein schon aus Gründen der Notwendigkeit autonomer Funktionalität schwierig werden.
Aber soweit denkt derjenige, der mit der Idee dieses Konzeptes zum ersten Mal konfrontiert wird wahrscheinlich gar nicht, besonders dann nicht, wenn er sich sowieso im eigenen Land aufgrund seines trve-authentisch-indigenen Glaubens und der Hinwendung auf seine Ahnen deplaziert oder diskriminiert fühlt, erstickt von der Übermacht der christlichen Mehrheit, deren Glauben man als fremdes Kulturgut betrachtet, und so mal eben sowohl schlappe 1500 Jahre Prägung unserer Kultur und Geschichte durch diesen Fremdglauben als auch die winzige Tatsache, dass die eigenen, hoch verehrten Ahnen eben auch Christen waren, ignoriert, und sich angesichts der "Islamischen Gefahr" in seinem Lebensraum bedroht fühlt, eben selten.
Er übersieht dann auch möglicherweise, dass es sich dabei neben einer rein religiös motivierten, vielmehr um eine im Kern politischen Bewegung handelt.
Und da haben die Anhänger des Pan-Nationalismus ihn dann auch an den Eiern.
Deshalb die weitschweifige Einleitung!
Denn im Gegensatz zu den braunen Spacken mit ihrer Holzhammer-Taktik, greifen sie diese in der Bevölkerung weit verbreiteten Ängste nämlich latent und mit wesentlich defizileren intellektuellen Mittel auf. Man gibt sich schöngeistig bis philosophisch, schmückt das alles mit Zitaten von Sokrates, Aristotheles, der nordischen Mythologie, über Goethe und Levi, bis hin zu Nitzsche. Man preist einerseits den Freigeist, verteufelt jedoch den Individualismus als Egoismus, den man schlicht mit Hedonismus gleichsetzt und die Gemeinschaft gefährdet.
Und, man glaubt es kaum, sogar Zen zieht man heran, als Zitat:
Überhaupt, man wird gerade auf dieser speziellen Webpresenz erschlagen von Text, teilweise in sehr schöner, gehobener Sprache, nicht wirklich offensichtlich zweifelhafter Inhalte, sondern Theorien und Axiomen, die durchaus ihre Gültigkeit haben, dazwischen jedoch immer wieder eine Wendung, Formulierungen oder einige Sätze eingestreut, ganz abgesehen von zum Teil eklatanten Widersprüchen, die beim flüchtigen Lesen nicht sofort auffallen, aber doch ins Bewusstsein gehen.
Legt man das Augemerk jedoch eben darauf, dann streuben sich jedenfalls mir die Nackenhaare, weil mir da unterschwellig Botschaften und ein dezentes Drängen in eine bestimmte Richtung des Denkens ins Auge springen, die mir nicht behagen, gerade weil es so unterschwellig und wie süßes Gift in kleinen Dosen verabreicht wird.
Das alles ausgeschmückt durch ästhetisch schöne Bilder zwischen Antike und Neoklassizismus, irgendwie so klinisch rein, dass mir unwillkürlich der Spruch "Mens sana in corpore sano" in den Sinn kommt. Und genauso, wie dieser Satz sinnentfremdet wird, da er aus dem Zusammenhang gerissen ist, so deuchen mich dort die Bezüge zu den Philosophen sinnentfremdet und instrumentalisiert zu werden.
Hier geht es nicht um plumpen Rassismus, sondern meines Erachtens, neben besagter Etablierung von ethnischen Kulturnationen, um die Installation einer Elite und durch die vehemente Ablehnung von Materialismus und Individualität duldsam gemachte Volksgemeinschaft.
Kraft durch Freude...
Meiner Meinung nach eine sehr gefährliche Strömung. Nicht zuletzt weil sie den Interessierten suggeriert, ebenfalls zu dieser Elite zu gehören.
Und wer will sich das nicht gerne einreden lassen?
Mal ehrlich?
Bis sie aus dem schönen Traum erwachen, und einsehen müssen, dass eine Elite immer einer durchschnittlichen Gefolgschaft, der Masse, bedarf, von der sie sich abheben und welche sie beherrschen kann, dürfte es dann für eine mögliche Umkehr zu spät sein.
Aber da sollte sich jeder selbst ein Urteil bilden.
Interessant dürfte auch in diesem Bezug der Begriff des Pangermanismus sein, den man, wie ich denke, nicht ohne Grund auf Seiten, wie der als Beispiel von mir herangezogenen, vermeidet.
Im Allgemeinen und im Heidentum im Besonderen. Wenn ich das so manchmal höre oder lese, dann denke ich, man sollte mal wieder auf den Teppich kommen.
Generell:
Wenn mich etwas stört, dann meckere ich nicht bis zum Exodus, sondern versuche das für mich zu ändern. Ich warte dann auch nicht, bis jemand vorbei kommt und das für mich erledigt, sondern mache das selbst. Mit den Konsequenzen muss ich dann leben und kann sie eben nicht auf andere abwälzen.
Wenn ich das nicht will oder den Aufwand scheue, ist das ja auch in Ordnung, nur kann ich mich dann auch nicht beklagen.
So einfach ist das!
Speziell zum Heidentum™:
Einerseits wettert man gegen die Abrahamitischen Religionen der zweiten und dritten Generation (sprich Christentum und Islam), weil die ja allerorten missionieren und ihr Ding als Wahrheit™ sehen, andererseits machen die lieben Heiden das gleiche in grün.
Nicht nur, dass sie sich scheinbar mehr um die Angelegenheiten der Christen und Moslems kümmern, als um ihren eigenen Glauben, nein, sie müssen auch noch an dem Glaubensverständnis ihrer "Artgenossen" rum kritteln.
Was hat man eigentlich davon, anderen Leuten erklären zu wollen, was nun wahres Heidentum ist und was nicht?
Langsam kann ich das wirklich nicht mehr hören. Wenn interessiert das?
Mal abgesehen, dass die meisten dabei ein immer noch tief verwurzeltes dualistisches Denken offenbaren, wahr-falsch, gut-böse. Und, nein, dabei handelt es sich bei allem guten Willen, es so auszulegen nicht um eine Polarisierung, also Dualismus einer Einheit, wie zwei Seiten einer Münze, sondern eben um die gleiche Art von beinharter Schwarzweißmalerei, den man bei der monoheistischen Konkurenz immer kritisiert.
Dazu macht man sich Gedanken, wie man die breite Masse auf sich aufmerksam macht, "die Jugend" für den eigenen Glauben begeistern könnte, wie man sie mit ins Boot holt, etc.
Ja, toll, machen wir doch Jugendgruppen auf, Asatru-Sommercamps mit Wikingerboot fahren, und Trinkhorn schnitzen mit Eddalesungen und Celtoi-Filmabende mit Vertingetorix und Cuchulain oder etwas vergleichbares für andere Glaubensrichtungen.
Bin ich froh, dass mein "Verein" erst ab 18 ist, wie der der Wicca übrigens auch...
Dann immer das Gewese um den Kirchenaustritt.
Leute, wenn ich in einem Verein bin, den ich nicht unterstützen möchte, dann trete ich da aus. Und wenn mich das Geld kostet, einerlei ob nun moralisch vertretbar oder nicht, dann zahle ich und fertig ist. Beschweren würde ich mich höchstens bei den Leuten, die mir die Mitgliedschaft eingebrockt haben, also im Normalfall den Eltern. Was kann denn die Kirche dafür, dass die einfach mal so beschlossen haben, dass ihre Kinder da gut aufgehoben wären?
Und natürlich wendet sich die zuständige Gemeinde dann noch einmal an den Ausgetretenen, ob er sich das noch mal überlegen will, die müssen sich ja von Amtswegen wenigstens ansatzweise um das Seelenheil der (Ex-)Schäflein kümmern und natürlich gehen den Krichen dadurch Einnahmen flöten, aber was soll's?
Bei mir kam genau noch ein Brief von meinen zuständigen Pfarrer, den ich im Übrigen gar nicht mal kannte, der landete auch gleich im Rundordner und danach war die Sache für mich gegessen. Das mag in sehr kleinen Gemeinden oder bei bestimmten Sektionen anders aussehen, aber das sind nun mal die Konsequenzen, die zu erwarten sind. Irgendwann geben die auch auf, wenn sie merken, dass da nichts mehr zu reißen ist. So what?
Apropos Konsequenzen:
Wenn ich denn aus der Kirche ausgetreten bin oder nie drin war und dann verlange, eine Stelle bei einer Institution unter kirchlichen Trägerschaft zu bekommen, hallo, das muss ich jetzt nicht weiter ausführen, oder? Subventionen aus Steuergeldern hin oder her, aber ...öhm..
Aber auch, wenn man noch "drin" ist, und aus welchen Gründen auch immer nicht austreten will, ist doch auch okay. Einmal ganz davon abgesehen, dass es sich bei einem Austritt um einen rein rechtlich-formalen Akt handelt, die Taufe als solche aber rein theologisch, bestand hat.
Mit den Worten meines Sohnes gesprochen "Das Taufsiegel kriegt man sowieso nie wieder weg!"
Die Frage ist da ja bloß, ob man dem dann Kraft seiner eigenen Interpretation (oder seinem Willen!) noch irgendeine Bedeutung zu kommen lässt. Was bitte interessiert es die Göttter, das All-Eins, das Universum, was in irgendeinem Taufregister steht? Rituale sind für die Menschen da, nicht die Menschen für die Rituale.
Genauso wenig kann ich meine Kinder in einen kirchlichen Kindergarten oder Schule, aber auch unter staatlichen Trägerschaft laufenden Einrichtungen dieser Art, schicken, und mich dann beschweren, dass sie mit dem Christentum konfrontiert werden.
Wenn ich das nicht will, dann gibt es ja jede Menge Alternativen, Waldorf und Co. machen es möglich. Aber, dazu müsste man ja vielleicht nach so etwas suchen oder noch schlimmer ein paar Kilometer fahren.
Nebenbei, das beste Rezept, seine Kinder vor Indoktrinationen egal aus welcher Richtung zu schützen, ist, sie zu frei denkenden Menschen werden zu lassen. (ich vermeide hier bewußt die Vokabel "erziehen"!) Und dazu gehört meiner Meinung nach nicht, ihnen ständig damit zu kommen, wie Kacke doch die anderen sind und wie toll man selbst.
Dazu kommt, dass sich einige Heiden geradezu von Christen und Moslems verfolgt fühlen. Tja, Überraschung, die sind halt mehr, da beisst die Maus keinen Faden ab, und abgesehen davon, dass die meisten dieser pösen Monos ungefähr so gläubig sind, wie mein Hund, hat mir in den 44 Jahren, in denen ich nun mehr lebe, noch nie einer davon die Bude eingerannt, um mich zu missionieren. Okay, es gab da mal eine kleine Episode, als ich noch in Düsseldorf gewohnt habe, mit zwei Zeugen Jehova, die die Meinung vertraten, ich als Frau hätte eh nicht zu bestimmen, ob ich nun ihres Heils bedarf oder nicht, aber ein "netter" Anruf hat das dann auch geklärt.
Aber sonst?
wenn man das jedoch so hört, sind wir ja geradezu umzingelt von Abrahamiten, die nichts lieber wollen, als entweder unsere Seele oder unseren Tod.
Da stellle ich mir dann wirklich die Frage, ob ich möglicherweise in einem komplett anderen Universum lebe?
Jedenfalls könnte man bisweilen fast annehmen, Unzufriedenheit an der eigenen Situation und damit verbundene destruktive Verhaltensweisen wäre im Heidentum™ systeminharänt, wenn es nicht erstens genug Gegenbeispiele gäbe und zweitens dieses Gebaren nicht auch in der übrigen Bevölkerung weite Verbreitung finden würde.
Aber gerade in letzter Zeit ist etwas im Heidentum im Gange, dass ich noch nicht recht einzuordenen verstehe. Allerdings ist das auch schon einigen Bekannten aufgefallen, also habe ich wohl doch noch alle Latten am Zaun.
Immer öfters hört man von "Mobilmachung" und "Bereitsein für den Ernstfall".
Bitte?
Ich bin ja der Letzte, der sich nicht gelegentlich Gedanken über den zunehmenden Fundamentalismus machen würde, wobei mein Hauptaugenmerk da auf den im Christentum liegt, weil der so gern bei aller forcierten Islamistenparanioa übersehen wird, aber ich habe jetzt nicht das Gefühl, dass ich nachts mit einer geladenen Waffe neben dem Kopfkissen schlafen müsste, weil meine Nachbarn schon mal einen Überfall planen.
Okay, wenn das jetzt von irgendwelchen 14- oder 15- Jährigen kommen würde, dann dächte ich, die haben zuviel Pagan-Metal gehört, aber ein paar Bekannte aus der Forn Siðr hier aus NRW erzählten mir, dass da in letzter Zeit ein paar durchaus erwachsene Gestalten aufgeschlagen wären, die so was verzapfen. Kann man das vielleicht noch getrost ignorieren und als nicht abgehandelte unterbewusste Traumata abhaken und den Leuten eine Psychotherapie empfehlen (kommt nicht von mir!) ist da wohl noch etwas anderes im Busch.
Vereinzelt tauchen neuerdings nämlich Leute auf, reden von kulturellem und religiösen Erhalt und Identität, einem Besinnen auf gemeinsame Wurzeln innerhalb Europas. Für sie ist dann auch nur das Heidentum, was sie innerhalb dieser engen Grenzen als indigen definieren. Also germanisch, keltisch, im besten Fall noch slawisch und in Ausnahmen römisch-griechisch, wobei dies meistens durch das Unterschlagen der synkretistischen Neigungen romantisiert wird.
Das erinnert mich dann schon wieder etwas an die Leitkultur-Idee unser Bundesregierung, eben nur ohne C.
Wurzeln sind wichtig, keine Frage. Wenn ich weiß, woher ich komme, dann trägt das ungemein zum Selbstfindungsprozess bei und kann sich durchaus positiv auswirken. Nur, wo wir schon bei dem schönen Bild sind, ein Baum besteht ja nicht nur aus Wurzeln, er wächst ja nach oben zum Licht, breitet seine Äste zu allen Seiten aus.
Von Zeit zur Zeit fällt dann der Begriff Pan-Bewegung und wenngleich ich da lustigerweise erst einmal an Bacchanalien und fröhliche Flötenmusik denken musste (ja, blöde Verknüpfung!), beschleicht mich dabei ein undefiniertes, so doch recht mieses Gefühl in der Bauchgegend.
Kurze Recherche ergab, wie im obigen Wiki-Link ersehbar, dass es sich dabei, um, durchaus nicht auf das Heidentum beschränkte, Bestrebungen handelt, die heutigen Staatsformen zu Gunsten von ethnische-definierten "Kultur-Nationen" abzuschaffen.
Also, im Klartext, jede Ethnie bekommt ein Stück vom Kuchen, wo sie sich frei und autonom entfalten kann.
Voraussetzung wäre da aber eines Erachtens, dass man die Leute erst einmal ethnisch sortiert. Wohl dem, der seinen Stammbaum reinerhalten hat oder noch den Ahnenpass von Opa in der Schublade liegen hat. Den müsste man dann auch gleich wieder einführen, denn dank Völkerwanderung, Hunnen- und Mongolensturm und sonstigen Heeresaktivitäten und Besatzungszeiten und den dadurch bedingten Produkten notgeiler Krieger und Soldaten, und in Friedenszeiten, Händler oder Matrosen, dürfte das zweifelsfreie Einordnen nach Ethnie doch schon etwas schwer fallen, auch ohne all die anderen Möglichkeiten, wie man zu "fremden" Genen kommen kann.
Aber so eng sehen die Beführworter dieser Bewegung es sicher nicht, denn Ethnie bezieht sich ja nicht nur auf die Abstammung, sondern eben auch auf eine gemeinsame Kultur, Sprache, Kleidung und Religion. Ich sagte ja, es erinnert mich ein wenig an das, was Merkel, Seehofer und Co. allein in letzter Zeit rausgehauen haben.
Und da liegt eben für mich der Hase im Pfeffer.
Es klingt ja für den
Hurra, Freiheit für die Basken, Kurden und all die anderen ethnische Minderheiten!
Nach erfolgter, für dieses Konzept unbedingt erforderliche Ethnischen
Aber soweit denkt derjenige, der mit der Idee dieses Konzeptes zum ersten Mal konfrontiert wird wahrscheinlich gar nicht, besonders dann nicht, wenn er sich sowieso im eigenen Land aufgrund seines trve-authentisch-indigenen Glaubens und der Hinwendung auf seine Ahnen deplaziert oder diskriminiert fühlt, erstickt von der Übermacht der christlichen Mehrheit, deren Glauben man als fremdes Kulturgut betrachtet, und so mal eben sowohl schlappe 1500 Jahre Prägung unserer Kultur und Geschichte durch diesen Fremdglauben als auch die winzige Tatsache, dass die eigenen, hoch verehrten Ahnen eben auch Christen waren, ignoriert, und sich angesichts der "Islamischen Gefahr" in seinem Lebensraum bedroht fühlt, eben selten.
Er übersieht dann auch möglicherweise, dass es sich dabei neben einer rein religiös motivierten, vielmehr um eine im Kern politischen Bewegung handelt.
Und da haben die Anhänger des Pan-Nationalismus ihn dann auch an den Eiern.
Deshalb die weitschweifige Einleitung!
Denn im Gegensatz zu den braunen Spacken mit ihrer Holzhammer-Taktik, greifen sie diese in der Bevölkerung weit verbreiteten Ängste nämlich latent und mit wesentlich defizileren intellektuellen Mittel auf. Man gibt sich schöngeistig bis philosophisch, schmückt das alles mit Zitaten von Sokrates, Aristotheles, der nordischen Mythologie, über Goethe und Levi, bis hin zu Nitzsche. Man preist einerseits den Freigeist, verteufelt jedoch den Individualismus als Egoismus, den man schlicht mit Hedonismus gleichsetzt und die Gemeinschaft gefährdet.
Und, man glaubt es kaum, sogar Zen zieht man heran, als Zitat:
[...] "eine äußerst attraktive Doktrin, da er das endlose Studieren alter Schriften, das Sich Zurückziehen von der Welt und heuchlerische Moralismen und Humanismen strikt ablehnt, um sich stattdessen völlig auf klare, im alltäglichen Leben realisierbare Techniken zu beschränken."Wie war das noch mal mit ethnisch-kulturellen Grenzen?
Überhaupt, man wird gerade auf dieser speziellen Webpresenz erschlagen von Text, teilweise in sehr schöner, gehobener Sprache, nicht wirklich offensichtlich zweifelhafter Inhalte, sondern Theorien und Axiomen, die durchaus ihre Gültigkeit haben, dazwischen jedoch immer wieder eine Wendung, Formulierungen oder einige Sätze eingestreut, ganz abgesehen von zum Teil eklatanten Widersprüchen, die beim flüchtigen Lesen nicht sofort auffallen, aber doch ins Bewusstsein gehen.
Legt man das Augemerk jedoch eben darauf, dann streuben sich jedenfalls mir die Nackenhaare, weil mir da unterschwellig Botschaften und ein dezentes Drängen in eine bestimmte Richtung des Denkens ins Auge springen, die mir nicht behagen, gerade weil es so unterschwellig und wie süßes Gift in kleinen Dosen verabreicht wird.
Das alles ausgeschmückt durch ästhetisch schöne Bilder zwischen Antike und Neoklassizismus, irgendwie so klinisch rein, dass mir unwillkürlich der Spruch "Mens sana in corpore sano" in den Sinn kommt. Und genauso, wie dieser Satz sinnentfremdet wird, da er aus dem Zusammenhang gerissen ist, so deuchen mich dort die Bezüge zu den Philosophen sinnentfremdet und instrumentalisiert zu werden.
Hier geht es nicht um plumpen Rassismus, sondern meines Erachtens, neben besagter Etablierung von ethnischen Kulturnationen, um die Installation einer Elite und durch die vehemente Ablehnung von Materialismus und Individualität duldsam gemachte Volksgemeinschaft.
Kraft durch Freude...
Meiner Meinung nach eine sehr gefährliche Strömung. Nicht zuletzt weil sie den Interessierten suggeriert, ebenfalls zu dieser Elite zu gehören.
Und wer will sich das nicht gerne einreden lassen?
Mal ehrlich?
Bis sie aus dem schönen Traum erwachen, und einsehen müssen, dass eine Elite immer einer durchschnittlichen Gefolgschaft, der Masse, bedarf, von der sie sich abheben und welche sie beherrschen kann, dürfte es dann für eine mögliche Umkehr zu spät sein.
Aber da sollte sich jeder selbst ein Urteil bilden.
Interessant dürfte auch in diesem Bezug der Begriff des Pangermanismus sein, den man, wie ich denke, nicht ohne Grund auf Seiten, wie der als Beispiel von mir herangezogenen, vermeidet.
Samstag, 29. Januar 2011
Von Weltenrettern, Märtyrer-Syndrom und (Online-) Aktionismus
Es ist ja nichts neues, dass mir meine Mitmenschen gelegentlich auf den Wecker gehen. Ich denke, das geht jedem mal so.
Bisweilen nervt mich einfach die Ignoranz und Gleichgültigkeit, mit der sie so durch die Welt marschieren. Aber damit kann ich zumindest umgehen. Ich denke mir, jeder ist für sein Handeln selbst verantwortlich, wer wäre ich also, wenn ich jeden der nicht ständig die Gesamtzusammenhänge im Kopf hat, der sich in dieser unserer Welt benimmt, wie ein Elefant im Porzellanladen, belehren würde?
Ich denke mir immer, da ja jeder Mensch ein Stern ist, lebt auch jeder in seinem eigenen (Micro-)Kosmos und solange er mir nicht ins Gehege kommt, ist alles relativ kuschelig. Eine Gefahr für das große Ganze sehe ich nicht, so lange es den Ausgleich gibt. Und den gibt es ja, glücklicherweise.
Auf Arte - oder war es Phoenix? - kam vor längerer Zeit mal eine Doku-Fiktion, in der es darum ging, was passieren würde, wenn durch irgendeinen Vorfall, die Menschen von hier auf gleich von der Erde verschwinden würden. Wie lange es noch Energie gäbe, wie lange unsere Haustiere ohne uns überleben könnten und wie sie sich behelfen und entwickeln würden (ratet mal, wessen große Stunde in den menschenleeren Städten dann gekommen wäre? Kleiner Tipp, die Hunde wären es nicht, bis auf die echten Hardliner unter ihnen würden die elend verrecken, spätestens, wenn es ans Jagen ginge...)
Irgendwann wären auch die größten Städte und die riesigsten Wolkenkratzer nur noch Gerippe aus der die Vegetation munter hervorspriest und in die einst vertriebene Wildtiere zurückgekehrt wären.
War alles unter Berücksichtigung wissenschaftlicher Erkenntnissen ziemlich fundiert und das Fazit, wen wundert es, die Natur braucht uns, den Menschen, nicht.
Beruhigender Gedanke, jedenfalls für mich.
Nun bin ich aber auch nicht so impertinent und von mir eingenommen, dass ich der Nachwelt, also der Welt, die nach uns folgt, irgendwas hinterlassen wollte, das besagt "Nickel was here!"
In dem Sinne versuche ich, in meiner Zeit - eine andere gibt es nicht - das zu tun, was ich für angemessen und richtig erachte und gewisse Veränderungen zu bewirken, so es in meiner Macht liegt, um nicht noch mehr "Unruhe" in den Macrokosmos zu bringen, als unbedingt notwendig, ohne mir zu große Opfer aufzuerlegen.
Diesbezügliche selbst auferlegte Askese und Selbstaufopferung sehe ich nämlich als ebenso großen Egoismus wie rücksichtsloses, weil gedankenloses Ausbeutertum oder grenzenlosen Hedonismus.
Wenn ich also mit den oben erwähnten gleichgültigen Mitmenschen noch leben kann, geht mir eine andere Spezi Mensch gewaltig auf den Geist.
Eben die, welche es sich zur Aufgabe gemacht haben, sich zum Besten von uns allen und der Welt zu opfern. In meinem Beitrag "Hoch lebe der Übermensch" bin ich ja schon auf die "Hasselhofs" unter den Menschen eingegangen. Diejenigen also, die es als ihre Pflicht ansehen, jeden und alles zu retten, was sich nicht schnell genug in Sicherheit bringen kann.
Auch ich kämpfe für Dinge, die sich zu kämpfen lohnen, so ist das ja nicht, aber, wie gesagt, ich fühle mich weder berufen, die ganze Welt zu retten, noch latsche ich herum und reibe meinen Mitmenschen ihre angeblichen Fehler unter die Nase. Ich sag' was es aus meiner Sicht zu sagen gibt und was andere daraus machen, ist ihr Bier.
Nicht so die Weltenretter. Nicht nur, dass sie sich für alles und jeden ein Bein ausreißen, was ja erst einmal ihre Privatsache wäre, nein, wenn man nicht willens ist,"mitzureißen", sind sie verärgert und jammern einem die Ohren voll, dass niemand ihr Engagement zu schätzen wisse, wobei sie dafür immerhin ihre Freizeit oder gar ihre Gesundheit opfern, aus diesem Planeten wieder einen Garten Eden zu machen.
Da frage ich mich immer, wer, außer sie selbst zwing sie denn dazu? Ich bestimmt nicht.
Mehr noch:
Da werden Petitionen und Aktionen ins Leben gerufen bzw. unterstützt, was das Zeug hält, teilweise ohne sich groß Gedanken drüber zu machen, wie sinnvoll oder umsetzbar sie sind.
Hauptsache, man setzt sich für etwas ein.
Es gab da letztes Jahr zum Beispiel eine Petition gegen das (angebliche) Verbot von Heilpflanzen, das wie ein Lauffeuer gerade auch durch die heidnische Forenlandschaft lief.
Die Empörung war groß.
Von Kriminalsierung von Kräutersammlern, -anbauern und - nutzern war die Rede, es wurden sogar Vergleiche gezogen mit der angeblichen Hexenjagd auf weise Kräuterfrauen im MA. Und ein Schuldiger war auch schnell ausgemacht: Natürlich die EU und die "Pharmalobby".
Eingedenk der völlig logischen Tatsache, dass wohl niemand Pfefferminztee und Co. verbieten könnte und beim Kräutersammeln nicht plötzlich ein Ordnungshüter aus dem Busch auftauchten oder man sich die Mühe machen würde, Küchenkräuter per Hausdurchsuchung zu beschlagnahmen, gönnte ich mir ein paar Minuten (!) Recherche und 'ne Portion Popkorn, lehnte mich zurück und harrte der Dinge, die da kommen würden.
Tja und dann kam der Tag der Wahrheit. Die ganze Sache war ein Hoax oder bestenfalls ein Missverständnis oder eher Schnellschuss.
Aber weit über 100.000 Menschen fielen darauf herein und sind bestimmt bis heute davon überzeugt, das sie richtig lagen. Oder hüllen sich in peinliches Schweigen über ihre eigene Dämlichkeit.
Mir ist jedenfalls kein Fall bekannt, wo in den vielen, oft seitenlangen Threads zu dem Thema sich auch nur einer dazu bekannte, dass die ganze Petition nur viel Lärm um nichts war und man sich einfach von der Panik anstecken ließ.
Was ich persönlich dabei jedoch wirklich bezeichend finde, ist eben die hohe Beteiligung an dieser und anderen ähnlich peinlichen Petitionen, wohingegen andere, wichtige und unterstützungswürdige, eben weil sie einerseits uns alle in unseren Grundrechten betreffen und andererseits auch umsetzbar wären, weit unter der für die Berücksichtigung erforderlichen Stimmen zurück bleiben.
Nebenbei hat die Heiden- und Esoszene die Gelegeneit genutzt, sich mal wieder zum Affen zu machen. Auch eine Art Öffentlichkeitsarbeit!
Aber das ist eben auch ein gutes Beispiel für weit verbreiteten blinden Aktionismus fern jeder Realität.
Sehr beliebt sind dabei auch Unterschriftenaktionen zu irgendwelchen Missständen in fernen Ländern und Kulturen. Nicht das da nicht einiges im Argen liegen würde, aber mal Butter bei de Fische, ob es nun um Vergewaltigungen, Steinigungen, Beschneidungen oder aber der Konsum von, bei uns, hoch geschätzten Haus- und Knuddeltieren zum Zwecke des Verzehrs dreht, für alles und jedes gibt es mindesten eine Sammelaktion.
Nicht, dass ich die Art und Weise wie Menschen mit anderen Menschen umgehen, sei es unter dem Vorwand der Religion oder des Brauchtums nicht auch grausam finden würde, ich bin generell gegen Todes- und Körperstrafen, dagegen aber sehr für die Selbstbestimmung des Menschen, aber ich kann mich zwar empören, könnte Unterschriften oder Spenden sammeln, aber ändern würde das alles vor Ort wenig bis gar nichts.
Stichwort Tierschutz:
Ich konnte es kaum glauben, aber ein bestimmtes Video, was nachweislich schon seit mindestens sieben Jahren im Netz kursiert und nach den äußeren Merkmalen irgendwo in der sibirischen oder mongolischen Steppe aufgenommen wurde, taucht immer noch mit schönster Regelmäßigkeit aus der Versenkung wieder auf und animiert so manchen zu einer erneuten Unterschriftenaktion, als wenn das den asiatischen Bauern, der da einen Hund totprügelt auch nur einen Dreck interessieren würde.
Und so verhält es sich mit fast allen diesen Aktionen. Sie sollen angeblich Druck machen, aber bitte schön, auf wen denn?
Auf Regierungen, die mit irgendwelchen fundamentalistischen Idioten besetzt sind? Die sich nicht einmal um die Menschenrechte scheren und sie zum Teil nicht einmal unterzeichnet haben?
Auf Leute in irgendeinem Dorf in Asien oder Afrika, die so fernab jeder Infrastruktur leben, dass, selbst wenn da das Staatsorgan intervenieren wollte, sie einfach nicht (an-)greifbar wären?
Ich lach' mich tot!
Der Denkfehler bei manchen solcher Unterschriften-Aktionen liegt eben auch darin begründet, dass viele westliche Menschen einfach davon ausgehen, die hiesigen Verhältnisse wären auf die restliche Welt übertragbar.
Ich werde das Gefühl nicht los, Initiativen dieser Art dienen größten Teils nur dem Zwecke, sich als im Wohlstand und relativer Freiheit lebenden Mitteleuropäer ein gutes Gewissen zu verschaffen. So ein bisschen wie moderner Ablasshandel.
Das klingt hart, ich weiß, aber ich kann auch noch einen drauflegen.
Diese Aktionen erinnern mich immer zu sehr an die alte Kolonialherrenmentalität. Wir sind so fortschrittlich, so modern, dann zeigen wir den Zurückgebliebenen jetzt mal, was richtig und was falsch ist.
Ich vertrete nämlich die Meinung, dass, ohne Zweifel bitter nötige, Veränderungen in anderen Ländern und Kulturkreisen nur von innen heraus erfolgen können, um dann langsfristig auch von Erfolg zu sein.
Ich sage nicht, dass es alle Leute, die sich an solchen Aktionen beteiligen, nicht aufrichtig gut meinen. Aber es waren eben in der Geschichte immer diejenigen, die sich aufgrund irgendeines vermeintlichen "Vorteils" berufen fühlten, tief in fremde, vermeintlich weniger fortschrittliche Kulturen anderer Völker einzugreifen und damit die normale kulturelle Entwicklung nachhaltig störten und zum Teil bis heute durcheinanderbrachten. Auch die meinten es nur gut!
Wenn man schon jemand unterstützen möchte, dann doch diejenigen, die aus der Kultur stammen und dort noch leben und ihrerseits ihre eigenen Verhältnisse ändern möchten. Aber denen helfen keine Unterschriften oder guten Ratschläge aus der Ferne.
Eine andere Möglichkeit wäre, zu helfen, Schulen zu errichten und dadurch das Bildungsniveau zu erhöhen, weil höhere Bildung auch gleichzeitig einen erweiterten Horizont nach sich zieht und damit andere Perspektiven eröffnet. Aber bitte nicht mit westlichen Lehrpersonal und unter westlicher Weltsicht, sondern durch Leute, die in der Situation drin stecken.
Vine Deloria jun. hat einmal geschrieben, dass es ein Irrtum sei, anzunehmen, die Native Americans wären heute immer noch auf dem Stand von vor 200 Jahren, wenn man sie nicht in Reservate gepackt, zwangskolonialisiert und -assimiliert hätte. Sie hätten sich mit der Zeit sehr wohl der veränderten Situation angepasst, weil es ihrer Mentalität und Natur ansprach, aber eben langsamer, dafür aber ohne den schmerzhaften Verlust ihrer eigenen Kulturen und Wurzeln.
Und auch dort meinten es einige Menschen, Idealisten und Missionare, nur gut ...
Es ist auch immer sehr einfach, gegen etwas seine Stimme zu erheben, als sich Gedanken darüber zu machen, wie sinnvoll und weitreichend die eigene Handlungsweise denn in Bezug auf den bemängelten Missstand ist oder sich um konstruktiven Lösungen zu bemühen.
Lieber unterschreibt man irgendeine Petition, als selber "laut" zu werden und selbst "Hand" anzulegen.
Davon, zum Beispiel, den Jahresurlaub dazu zu nutzen, mal in die jeweiligen Gebiete zu fahren, sich vor Ort zu informieren und dort selbst etwas sinnvolles in die Richtung zu machen, oder aber vom Unrecht Verfolgten auf Zeit Gastrecht zu gewähren, ganz zu schweigen.
Mehr noch, anstatt sich zum Beispiel für eine von Steinigung bedrohte Frau im Iran eine schnelle und schmerzlose Unterschrift abzuringen, wäre es meiner Meinung nach angebrachter, sich hier einer multikulturellen Frauengruppe anzuschließen.
Zu fast jeder Unterschriften-Sammelaktion gibt es hier vor Ort auch Vereinigungen und Initiativen, die sich in Zusammenarbeit mit meist vor dem Missstand geflohener, zumindest aber aus der jeweilig betroffenen Region stammenden und selbst in der Materie auf irgendeine Art involvierten Personen für Verbesserungen einsetzen und das eben auch in Kooperation mit dort vor Ort aktiven Gruppen. Man muss sie nur finden wollen.
Davon abgesehen, man kann sein diesbezügliches Engagement auch hierzulande ausleben. Der Nachbarfamilie, die vor dem despotischen Familienoberhaupt buchstäblich zittert, Unterstützung gewähren und sei es auch nur, zu signalisieren "Ich bin da, wenn ihr Hilfe braucht!" oder aber nicht wegzusehen, wenn wieder mal irgendein "Freak" aufgrund seines Andersseins von seinen Mitmenschen drangsaliert, gemobbt oder zusammen geschlagen wird.
Und, für den Anfang, einfach nur etwas auf seine Einstellung und seine Wortwahl achten. Befremdlich finde ich es zum Beispiel, wenn Leute sich zwar für Glaubensfreiheit und Selbstbestimmung, gegen Diskriminierung jedweder Art einsetzen, aber dann im normalen Gespräch Sprüche raushauen, die ihren Mitmenschen genau diese Rechte streitig machen. So kann man sich nicht dafür stark machen, dass der eigene Glaube hierzulande akzeptiert wird oder gegen religiös intolerante Regime wettern, sich aber gleichzeitig, in zum Teil sehr abfälliger Weise, zumindest aber wenig konstruktiv, über den Glauben anderer äußern.
Man kann sich auch nicht für die sexuelle Selbstbestimmung irgendwo auf dieser Welt engagieren, aber sich hier über in der Öffentlichkeit knutschende Schwule und Lesben aufregen und bekunden, dass einen dieses "offensive" Verhalten stört.
Auch kann man sich, meiner Meinung nach, nicht um Flüchtlinge aus irgendwelchen von Kriegswirren zerrütteten Gebieten sorgen, aber gleichzeitig zum Beispiel den Bundeswehreinsatz in Afganistan gutheißen, weil die Leute dort angeblich ohne diesen nicht in Frieden vor den Taliban leben könnten. Das heißt nicht nur, den Teufel mit dem Belzebub austreiben, sondern spricht auch für absolute Unkenntnis der dortigen historischen, kulturellen und sozialen Verhältnisse. Die Taliban konnten dort nur deshalb an die Macht kommen, weil seit fast 150 Jahren irgendwelche westlichen Mächte dort "Krieg gespielt" haben, schwache Stammesführer zur Macht verhalfen und die starken bekämpften.
Also erst denken, dann reden und dann handeln.
Es ist aber auch immer leichter, sich per Unterschriftenaktion für, beispielsweise, die Freiheit in irgendeinem Unrechtsstaat irgendwo auf der Welt einzusetzen, als eben diese am eigenen Leib zu erfahren, indem man sie eben dem unmittelbren Mitmenschen gewährt.
Die hohen ethischen Werte, die ja laut eigenen Bekunden dazu veranlassen, eben überall seine Unterschrift hinzusetzen, geraten nur zu leicht ins Wanken, wenn es heißt, selbst einmal dafür Abstriche in der eigenen "Bequemlichkeit" zu machen.
Aber das alles darf man gerade in diesen Kreisen in diversen Diskussionen und Threats, die sich immer wieder um solchen Petitionen, Unterschriften-Aktionen und Initiativen drehen, bloß nicht thematisieren. Die Mehrheit wird dann sehr schnell sehr aggressiv. Da werden aus Philanthropen, die sich sonst vehement für die Rechte von Mensch und Tier einsetzen plötzlich sehr engstirnige Zeitgenossen. Der Enthusiasmus mit dem sie sonst jede noch so sinnfreie Aktion mit ihrem "Wilhelm" Nachdruck verleihen, schlägt dann bisweilen um in einen fast schon bösartigen Fanatismus, der andere Auffassungen einfach nicht zulassen kann.
Frei nach dem Motto: "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns!"
Die Krone setzen eben dann meist die sich immer aufopfernden Weltenretter auf, die auch bei dieser Thematik meist ganz vorn dabei sind, welche sogleich ziemlich polemisch von ihrem Hohen Ross herunter den Kritikern jedwedes Mitgefühl oder ethische Kompetenz absprechen.
Es gibt da dieses Zitat von Karlheinz Böhm:
"Ich kann die Welt nicht verändern, aber einen einzelnen Menschen: mich selbst"
(Respekt übrigens für sein Engagement. Er hat es damals voll durchgezogen, nicht als der große weiße Heilsbringer aus der Ferne, sondern vor Ort und jenseits aller Kolonialherrenmentalität. Seine Stiftung bietet die finanziellen Mittel für Hilfe zur Selbsthilfe und ist bis heute über jede Kritik erhaben.)
Also, wenn man die Welt schon ändern möchte, dann sollte man damit nicht irgendwo in "Hinterturkistan" beginnen, sondern eben im eigenen Microkosmos, bei sich selbst, und sei es nur, mal zu hinterfragen, warum man denn wirklich der Meinung ist, das Heil in die entferntesten Gebiete der Welt tragen zu müssen.
In letzter Zeit stelle ich mir immer wieder die Frage, was diese Menschen in die Ferne fliehen lässt, wo es "zu Hause" doch anscheinend jede Menge zu tun gäbe?
Übrigens, ich zeichne auch Petitionen mit, ich beteilige mich auch gerne an Briefaktionen, aber nur dann wenn ich mir sicher sein kann, dass dieser Weg auch etwas bringt. Nur, weder halte ich mich deshalb für einen untadeligen Menschen, tue ich dies für mein Karma (an die buddhistisch angehauchten Menschen unter uns "Esos": nicht gutes Karma, sondern gar kein Karma erzeugen führt aus dem Ewigen Kreislauf! ^^) oder erwarte dafür ein irgendwie geartetes Lob, noch ist es mein Wille, dass es mir alle Menschen gleich tun.
Ich finde es im Gegenteil nicht nur als gegebenes Recht, dass jeder nur seiner Sichtweise folgt, sondern es auch durchaus positiv, wenn jeder sich für seinen eigenen Brennpunkt einsetzt.
Das gehört nämlich auch zum Ausgleich.
Und, last but noch least, habe ich es nicht nötig, die Moralkeule zu schwingen oder Psychotricks anzuwenden, um anderen Menschen zu irgendwas zu zwingen.
Für mich gilt in der Hinsicht eben auch gerade die von Timothy Leary definierten Gebote für das Molekulare Zeitalter:
Entgegen anders lautenden und leider immer wieder durch Negativbeispiele bestätigte Gerüchten, halte ich die Menscheit nämlich nicht generell für eine Schafherde, die immer einem Leithammel folgt, sondern bin fest davon überzeugt, das jeder das Potential in sich trägt, individuell für sich richtige Entscheidungen zu treffen. Manche haben dies nur noch nicht entdeckt, oder sind aus der Übung.
Die Weltenretter aus egoistisch motivierter Überzeugung nutzen diesen Umstand dann auch gerne gnadenlos aus, in dem sie, meiner Meinung nach, die Chance sehen, sich der "Herde" als Leittier zu präsentieren, um sie zum Werkzeug für ihre höchst eigene Vision von "besserer Welt" zu machen und reagieren dann jedoch ziemlich angepisst, wenn die Herde irgendwann mal nicht mehr mitläuft, sondern sich eben dann doch an ihre Entscheidungsfreiheit erinnert.
Ja, und dann geht die Litanei wieder los:"Ich reiß mir hier ein Bein aus, aber die anderen ziehen eben nicht mit, weil sie *bequem, dumm, amoralisch, gleichgültig (beliebiges Wort bitte einfügen)* sind, also muss ich ja scheitern, ich armer Mensch. Wo ich es doch nur gut meine...!"
Liebe Weltenverbesserer, Gutmenschen und Moralapostel!
Gewöhnt euch dran. Rückschläge gehören zum Leben.
C'est la vie!
Dann steht man wieder auf, lernt aus den Fehlern und fängt eben unter Berücksichtigung der gemachten Erfahrungen noch mal neu an.
Wenn ihr etwas für euer Karma oder Seelenheil tun wollt (und ihr tut das hauptsächlich für euch, wenn es euch ernsthaft um die Welt ginge, würdet ihr auf eure Mitmenschen, die eben dieser Terminus auch mit einschließt, nicht so einen Druck ausüben), dann macht es doch allein.
Überhaupt, fechtet eure eigenen Kämpfe aus und lasst die anderen ihre Kämpfe ausfechten und benutzt sie nicht als Bauern in euren Feldzügen.
Aber so ohne Publikum, das einen hofiert, lobt und das eigene Ego streichelt, macht das ja keinen Spass, nicht wahr?
PS. : Bonuspunkte für jeden zur "guten Seite" Bekehrten verteilt in diesem Universum auch keiner!
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Ganz toll fand ich auch den Kommentar eines Bekannten zur aktuell promoteten Petition gegen Massentierhaltung, die ich unbedingt mitzeichen müsse, als ich lediglich zu bedenken gab, woher denn seiner Meinung nach, die Nahrung für die mittlerweile fast 7 Milliarden Menschen kommen sollte und er daraufhin ernsthaft meinte, jeder könne doch für den Eigenbedarf wenigstens Kaninchen oder Hühner halten...jau, in der Stadt, in einer Drei-Zimmer-Wohnung, auf dem möglicherweise vorhandenen Balkon...und geschlachtet wird dann in der Badewanne...und im Blumenkasten wächst dann Getreide und Gemüse - weil gegen die großen Monokulturen ist er ja auch.
Bisweilen nervt mich einfach die Ignoranz und Gleichgültigkeit, mit der sie so durch die Welt marschieren. Aber damit kann ich zumindest umgehen. Ich denke mir, jeder ist für sein Handeln selbst verantwortlich, wer wäre ich also, wenn ich jeden der nicht ständig die Gesamtzusammenhänge im Kopf hat, der sich in dieser unserer Welt benimmt, wie ein Elefant im Porzellanladen, belehren würde?
Ich denke mir immer, da ja jeder Mensch ein Stern ist, lebt auch jeder in seinem eigenen (Micro-)Kosmos und solange er mir nicht ins Gehege kommt, ist alles relativ kuschelig. Eine Gefahr für das große Ganze sehe ich nicht, so lange es den Ausgleich gibt. Und den gibt es ja, glücklicherweise.
Auf Arte - oder war es Phoenix? - kam vor längerer Zeit mal eine Doku-Fiktion, in der es darum ging, was passieren würde, wenn durch irgendeinen Vorfall, die Menschen von hier auf gleich von der Erde verschwinden würden. Wie lange es noch Energie gäbe, wie lange unsere Haustiere ohne uns überleben könnten und wie sie sich behelfen und entwickeln würden (ratet mal, wessen große Stunde in den menschenleeren Städten dann gekommen wäre? Kleiner Tipp, die Hunde wären es nicht, bis auf die echten Hardliner unter ihnen würden die elend verrecken, spätestens, wenn es ans Jagen ginge...)
Irgendwann wären auch die größten Städte und die riesigsten Wolkenkratzer nur noch Gerippe aus der die Vegetation munter hervorspriest und in die einst vertriebene Wildtiere zurückgekehrt wären.
War alles unter Berücksichtigung wissenschaftlicher Erkenntnissen ziemlich fundiert und das Fazit, wen wundert es, die Natur braucht uns, den Menschen, nicht.
Beruhigender Gedanke, jedenfalls für mich.
Nun bin ich aber auch nicht so impertinent und von mir eingenommen, dass ich der Nachwelt, also der Welt, die nach uns folgt, irgendwas hinterlassen wollte, das besagt "Nickel was here!"
In dem Sinne versuche ich, in meiner Zeit - eine andere gibt es nicht - das zu tun, was ich für angemessen und richtig erachte und gewisse Veränderungen zu bewirken, so es in meiner Macht liegt, um nicht noch mehr "Unruhe" in den Macrokosmos zu bringen, als unbedingt notwendig, ohne mir zu große Opfer aufzuerlegen.
Diesbezügliche selbst auferlegte Askese und Selbstaufopferung sehe ich nämlich als ebenso großen Egoismus wie rücksichtsloses, weil gedankenloses Ausbeutertum oder grenzenlosen Hedonismus.
Wenn ich also mit den oben erwähnten gleichgültigen Mitmenschen noch leben kann, geht mir eine andere Spezi Mensch gewaltig auf den Geist.
Eben die, welche es sich zur Aufgabe gemacht haben, sich zum Besten von uns allen und der Welt zu opfern. In meinem Beitrag "Hoch lebe der Übermensch" bin ich ja schon auf die "Hasselhofs" unter den Menschen eingegangen. Diejenigen also, die es als ihre Pflicht ansehen, jeden und alles zu retten, was sich nicht schnell genug in Sicherheit bringen kann.
Auch ich kämpfe für Dinge, die sich zu kämpfen lohnen, so ist das ja nicht, aber, wie gesagt, ich fühle mich weder berufen, die ganze Welt zu retten, noch latsche ich herum und reibe meinen Mitmenschen ihre angeblichen Fehler unter die Nase. Ich sag' was es aus meiner Sicht zu sagen gibt und was andere daraus machen, ist ihr Bier.
Nicht so die Weltenretter. Nicht nur, dass sie sich für alles und jeden ein Bein ausreißen, was ja erst einmal ihre Privatsache wäre, nein, wenn man nicht willens ist,"mitzureißen", sind sie verärgert und jammern einem die Ohren voll, dass niemand ihr Engagement zu schätzen wisse, wobei sie dafür immerhin ihre Freizeit oder gar ihre Gesundheit opfern, aus diesem Planeten wieder einen Garten Eden zu machen.
Da frage ich mich immer, wer, außer sie selbst zwing sie denn dazu? Ich bestimmt nicht.
Mehr noch:
Da werden Petitionen und Aktionen ins Leben gerufen bzw. unterstützt, was das Zeug hält, teilweise ohne sich groß Gedanken drüber zu machen, wie sinnvoll oder umsetzbar sie sind.
Hauptsache, man setzt sich für etwas ein.
Es gab da letztes Jahr zum Beispiel eine Petition gegen das (angebliche) Verbot von Heilpflanzen, das wie ein Lauffeuer gerade auch durch die heidnische Forenlandschaft lief.
Die Empörung war groß.
Von Kriminalsierung von Kräutersammlern, -anbauern und - nutzern war die Rede, es wurden sogar Vergleiche gezogen mit der angeblichen Hexenjagd auf weise Kräuterfrauen im MA. Und ein Schuldiger war auch schnell ausgemacht: Natürlich die EU und die "Pharmalobby".
Eingedenk der völlig logischen Tatsache, dass wohl niemand Pfefferminztee und Co. verbieten könnte und beim Kräutersammeln nicht plötzlich ein Ordnungshüter aus dem Busch auftauchten oder man sich die Mühe machen würde, Küchenkräuter per Hausdurchsuchung zu beschlagnahmen, gönnte ich mir ein paar Minuten (!) Recherche und 'ne Portion Popkorn, lehnte mich zurück und harrte der Dinge, die da kommen würden.
Tja und dann kam der Tag der Wahrheit. Die ganze Sache war ein Hoax oder bestenfalls ein Missverständnis oder eher Schnellschuss.
Aber weit über 100.000 Menschen fielen darauf herein und sind bestimmt bis heute davon überzeugt, das sie richtig lagen. Oder hüllen sich in peinliches Schweigen über ihre eigene Dämlichkeit.
Mir ist jedenfalls kein Fall bekannt, wo in den vielen, oft seitenlangen Threads zu dem Thema sich auch nur einer dazu bekannte, dass die ganze Petition nur viel Lärm um nichts war und man sich einfach von der Panik anstecken ließ.
Was ich persönlich dabei jedoch wirklich bezeichend finde, ist eben die hohe Beteiligung an dieser und anderen ähnlich peinlichen Petitionen, wohingegen andere, wichtige und unterstützungswürdige, eben weil sie einerseits uns alle in unseren Grundrechten betreffen und andererseits auch umsetzbar wären, weit unter der für die Berücksichtigung erforderlichen Stimmen zurück bleiben.
Nebenbei hat die Heiden- und Esoszene die Gelegeneit genutzt, sich mal wieder zum Affen zu machen. Auch eine Art Öffentlichkeitsarbeit!
Aber das ist eben auch ein gutes Beispiel für weit verbreiteten blinden Aktionismus fern jeder Realität.
Sehr beliebt sind dabei auch Unterschriftenaktionen zu irgendwelchen Missständen in fernen Ländern und Kulturen. Nicht das da nicht einiges im Argen liegen würde, aber mal Butter bei de Fische, ob es nun um Vergewaltigungen, Steinigungen, Beschneidungen oder aber der Konsum von, bei uns, hoch geschätzten Haus- und Knuddeltieren zum Zwecke des Verzehrs dreht, für alles und jedes gibt es mindesten eine Sammelaktion.
Nicht, dass ich die Art und Weise wie Menschen mit anderen Menschen umgehen, sei es unter dem Vorwand der Religion oder des Brauchtums nicht auch grausam finden würde, ich bin generell gegen Todes- und Körperstrafen, dagegen aber sehr für die Selbstbestimmung des Menschen, aber ich kann mich zwar empören, könnte Unterschriften oder Spenden sammeln, aber ändern würde das alles vor Ort wenig bis gar nichts.
Stichwort Tierschutz:
Ich konnte es kaum glauben, aber ein bestimmtes Video, was nachweislich schon seit mindestens sieben Jahren im Netz kursiert und nach den äußeren Merkmalen irgendwo in der sibirischen oder mongolischen Steppe aufgenommen wurde, taucht immer noch mit schönster Regelmäßigkeit aus der Versenkung wieder auf und animiert so manchen zu einer erneuten Unterschriftenaktion, als wenn das den asiatischen Bauern, der da einen Hund totprügelt auch nur einen Dreck interessieren würde.
Und so verhält es sich mit fast allen diesen Aktionen. Sie sollen angeblich Druck machen, aber bitte schön, auf wen denn?
Auf Regierungen, die mit irgendwelchen fundamentalistischen Idioten besetzt sind? Die sich nicht einmal um die Menschenrechte scheren und sie zum Teil nicht einmal unterzeichnet haben?
Auf Leute in irgendeinem Dorf in Asien oder Afrika, die so fernab jeder Infrastruktur leben, dass, selbst wenn da das Staatsorgan intervenieren wollte, sie einfach nicht (an-)greifbar wären?
Ich lach' mich tot!
Der Denkfehler bei manchen solcher Unterschriften-Aktionen liegt eben auch darin begründet, dass viele westliche Menschen einfach davon ausgehen, die hiesigen Verhältnisse wären auf die restliche Welt übertragbar.
Ich werde das Gefühl nicht los, Initiativen dieser Art dienen größten Teils nur dem Zwecke, sich als im Wohlstand und relativer Freiheit lebenden Mitteleuropäer ein gutes Gewissen zu verschaffen. So ein bisschen wie moderner Ablasshandel.
Das klingt hart, ich weiß, aber ich kann auch noch einen drauflegen.
Diese Aktionen erinnern mich immer zu sehr an die alte Kolonialherrenmentalität. Wir sind so fortschrittlich, so modern, dann zeigen wir den Zurückgebliebenen jetzt mal, was richtig und was falsch ist.
Ich vertrete nämlich die Meinung, dass, ohne Zweifel bitter nötige, Veränderungen in anderen Ländern und Kulturkreisen nur von innen heraus erfolgen können, um dann langsfristig auch von Erfolg zu sein.
Ich sage nicht, dass es alle Leute, die sich an solchen Aktionen beteiligen, nicht aufrichtig gut meinen. Aber es waren eben in der Geschichte immer diejenigen, die sich aufgrund irgendeines vermeintlichen "Vorteils" berufen fühlten, tief in fremde, vermeintlich weniger fortschrittliche Kulturen anderer Völker einzugreifen und damit die normale kulturelle Entwicklung nachhaltig störten und zum Teil bis heute durcheinanderbrachten. Auch die meinten es nur gut!
Wenn man schon jemand unterstützen möchte, dann doch diejenigen, die aus der Kultur stammen und dort noch leben und ihrerseits ihre eigenen Verhältnisse ändern möchten. Aber denen helfen keine Unterschriften oder guten Ratschläge aus der Ferne.
Eine andere Möglichkeit wäre, zu helfen, Schulen zu errichten und dadurch das Bildungsniveau zu erhöhen, weil höhere Bildung auch gleichzeitig einen erweiterten Horizont nach sich zieht und damit andere Perspektiven eröffnet. Aber bitte nicht mit westlichen Lehrpersonal und unter westlicher Weltsicht, sondern durch Leute, die in der Situation drin stecken.
Vine Deloria jun. hat einmal geschrieben, dass es ein Irrtum sei, anzunehmen, die Native Americans wären heute immer noch auf dem Stand von vor 200 Jahren, wenn man sie nicht in Reservate gepackt, zwangskolonialisiert und -assimiliert hätte. Sie hätten sich mit der Zeit sehr wohl der veränderten Situation angepasst, weil es ihrer Mentalität und Natur ansprach, aber eben langsamer, dafür aber ohne den schmerzhaften Verlust ihrer eigenen Kulturen und Wurzeln.
Und auch dort meinten es einige Menschen, Idealisten und Missionare, nur gut ...
Es ist auch immer sehr einfach, gegen etwas seine Stimme zu erheben, als sich Gedanken darüber zu machen, wie sinnvoll und weitreichend die eigene Handlungsweise denn in Bezug auf den bemängelten Missstand ist oder sich um konstruktiven Lösungen zu bemühen.
Lieber unterschreibt man irgendeine Petition, als selber "laut" zu werden und selbst "Hand" anzulegen.
Davon, zum Beispiel, den Jahresurlaub dazu zu nutzen, mal in die jeweiligen Gebiete zu fahren, sich vor Ort zu informieren und dort selbst etwas sinnvolles in die Richtung zu machen, oder aber vom Unrecht Verfolgten auf Zeit Gastrecht zu gewähren, ganz zu schweigen.
Mehr noch, anstatt sich zum Beispiel für eine von Steinigung bedrohte Frau im Iran eine schnelle und schmerzlose Unterschrift abzuringen, wäre es meiner Meinung nach angebrachter, sich hier einer multikulturellen Frauengruppe anzuschließen.
Zu fast jeder Unterschriften-Sammelaktion gibt es hier vor Ort auch Vereinigungen und Initiativen, die sich in Zusammenarbeit mit meist vor dem Missstand geflohener, zumindest aber aus der jeweilig betroffenen Region stammenden und selbst in der Materie auf irgendeine Art involvierten Personen für Verbesserungen einsetzen und das eben auch in Kooperation mit dort vor Ort aktiven Gruppen. Man muss sie nur finden wollen.
Davon abgesehen, man kann sein diesbezügliches Engagement auch hierzulande ausleben. Der Nachbarfamilie, die vor dem despotischen Familienoberhaupt buchstäblich zittert, Unterstützung gewähren und sei es auch nur, zu signalisieren "Ich bin da, wenn ihr Hilfe braucht!" oder aber nicht wegzusehen, wenn wieder mal irgendein "Freak" aufgrund seines Andersseins von seinen Mitmenschen drangsaliert, gemobbt oder zusammen geschlagen wird.
Und, für den Anfang, einfach nur etwas auf seine Einstellung und seine Wortwahl achten. Befremdlich finde ich es zum Beispiel, wenn Leute sich zwar für Glaubensfreiheit und Selbstbestimmung, gegen Diskriminierung jedweder Art einsetzen, aber dann im normalen Gespräch Sprüche raushauen, die ihren Mitmenschen genau diese Rechte streitig machen. So kann man sich nicht dafür stark machen, dass der eigene Glaube hierzulande akzeptiert wird oder gegen religiös intolerante Regime wettern, sich aber gleichzeitig, in zum Teil sehr abfälliger Weise, zumindest aber wenig konstruktiv, über den Glauben anderer äußern.
Man kann sich auch nicht für die sexuelle Selbstbestimmung irgendwo auf dieser Welt engagieren, aber sich hier über in der Öffentlichkeit knutschende Schwule und Lesben aufregen und bekunden, dass einen dieses "offensive" Verhalten stört.
Auch kann man sich, meiner Meinung nach, nicht um Flüchtlinge aus irgendwelchen von Kriegswirren zerrütteten Gebieten sorgen, aber gleichzeitig zum Beispiel den Bundeswehreinsatz in Afganistan gutheißen, weil die Leute dort angeblich ohne diesen nicht in Frieden vor den Taliban leben könnten. Das heißt nicht nur, den Teufel mit dem Belzebub austreiben, sondern spricht auch für absolute Unkenntnis der dortigen historischen, kulturellen und sozialen Verhältnisse. Die Taliban konnten dort nur deshalb an die Macht kommen, weil seit fast 150 Jahren irgendwelche westlichen Mächte dort "Krieg gespielt" haben, schwache Stammesführer zur Macht verhalfen und die starken bekämpften.
Also erst denken, dann reden und dann handeln.
Es ist aber auch immer leichter, sich per Unterschriftenaktion für, beispielsweise, die Freiheit in irgendeinem Unrechtsstaat irgendwo auf der Welt einzusetzen, als eben diese am eigenen Leib zu erfahren, indem man sie eben dem unmittelbren Mitmenschen gewährt.
Die hohen ethischen Werte, die ja laut eigenen Bekunden dazu veranlassen, eben überall seine Unterschrift hinzusetzen, geraten nur zu leicht ins Wanken, wenn es heißt, selbst einmal dafür Abstriche in der eigenen "Bequemlichkeit" zu machen.
Aber das alles darf man gerade in diesen Kreisen in diversen Diskussionen und Threats, die sich immer wieder um solchen Petitionen, Unterschriften-Aktionen und Initiativen drehen, bloß nicht thematisieren. Die Mehrheit wird dann sehr schnell sehr aggressiv. Da werden aus Philanthropen, die sich sonst vehement für die Rechte von Mensch und Tier einsetzen plötzlich sehr engstirnige Zeitgenossen. Der Enthusiasmus mit dem sie sonst jede noch so sinnfreie Aktion mit ihrem "Wilhelm" Nachdruck verleihen, schlägt dann bisweilen um in einen fast schon bösartigen Fanatismus, der andere Auffassungen einfach nicht zulassen kann.
Frei nach dem Motto: "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns!"
Die Krone setzen eben dann meist die sich immer aufopfernden Weltenretter auf, die auch bei dieser Thematik meist ganz vorn dabei sind, welche sogleich ziemlich polemisch von ihrem Hohen Ross herunter den Kritikern jedwedes Mitgefühl oder ethische Kompetenz absprechen.
Es gibt da dieses Zitat von Karlheinz Böhm:
"Ich kann die Welt nicht verändern, aber einen einzelnen Menschen: mich selbst"
(Respekt übrigens für sein Engagement. Er hat es damals voll durchgezogen, nicht als der große weiße Heilsbringer aus der Ferne, sondern vor Ort und jenseits aller Kolonialherrenmentalität. Seine Stiftung bietet die finanziellen Mittel für Hilfe zur Selbsthilfe und ist bis heute über jede Kritik erhaben.)
Also, wenn man die Welt schon ändern möchte, dann sollte man damit nicht irgendwo in "Hinterturkistan" beginnen, sondern eben im eigenen Microkosmos, bei sich selbst, und sei es nur, mal zu hinterfragen, warum man denn wirklich der Meinung ist, das Heil in die entferntesten Gebiete der Welt tragen zu müssen.
In letzter Zeit stelle ich mir immer wieder die Frage, was diese Menschen in die Ferne fliehen lässt, wo es "zu Hause" doch anscheinend jede Menge zu tun gäbe?
Übrigens, ich zeichne auch Petitionen mit, ich beteilige mich auch gerne an Briefaktionen, aber nur dann wenn ich mir sicher sein kann, dass dieser Weg auch etwas bringt. Nur, weder halte ich mich deshalb für einen untadeligen Menschen, tue ich dies für mein Karma (an die buddhistisch angehauchten Menschen unter uns "Esos": nicht gutes Karma, sondern gar kein Karma erzeugen führt aus dem Ewigen Kreislauf! ^^) oder erwarte dafür ein irgendwie geartetes Lob, noch ist es mein Wille, dass es mir alle Menschen gleich tun.
Ich finde es im Gegenteil nicht nur als gegebenes Recht, dass jeder nur seiner Sichtweise folgt, sondern es auch durchaus positiv, wenn jeder sich für seinen eigenen Brennpunkt einsetzt.
Das gehört nämlich auch zum Ausgleich.
Und, last but noch least, habe ich es nicht nötig, die Moralkeule zu schwingen oder Psychotricks anzuwenden, um anderen Menschen zu irgendwas zu zwingen.
Für mich gilt in der Hinsicht eben auch gerade die von Timothy Leary definierten Gebote für das Molekulare Zeitalter:
- Thou shalt not alter the consciousness of thy fellow men.
(Deutsch: Du sollst das Bewusstsein deines Nächsten nicht verändern.) - Thou shalt not prevent thy fellow man from altering his or her own consciousness.
(Deutsch: Du sollst deinen Nächsten nicht daran hindern, sein oder ihr Bewusstsein zu verändern.)
Entgegen anders lautenden und leider immer wieder durch Negativbeispiele bestätigte Gerüchten, halte ich die Menscheit nämlich nicht generell für eine Schafherde, die immer einem Leithammel folgt, sondern bin fest davon überzeugt, das jeder das Potential in sich trägt, individuell für sich richtige Entscheidungen zu treffen. Manche haben dies nur noch nicht entdeckt, oder sind aus der Übung.
Die Weltenretter aus egoistisch motivierter Überzeugung nutzen diesen Umstand dann auch gerne gnadenlos aus, in dem sie, meiner Meinung nach, die Chance sehen, sich der "Herde" als Leittier zu präsentieren, um sie zum Werkzeug für ihre höchst eigene Vision von "besserer Welt" zu machen und reagieren dann jedoch ziemlich angepisst, wenn die Herde irgendwann mal nicht mehr mitläuft, sondern sich eben dann doch an ihre Entscheidungsfreiheit erinnert.
Ja, und dann geht die Litanei wieder los:"Ich reiß mir hier ein Bein aus, aber die anderen ziehen eben nicht mit, weil sie *bequem, dumm, amoralisch, gleichgültig (beliebiges Wort bitte einfügen)* sind, also muss ich ja scheitern, ich armer Mensch. Wo ich es doch nur gut meine...!"
Liebe Weltenverbesserer, Gutmenschen und Moralapostel!
Gewöhnt euch dran. Rückschläge gehören zum Leben.
C'est la vie!
Dann steht man wieder auf, lernt aus den Fehlern und fängt eben unter Berücksichtigung der gemachten Erfahrungen noch mal neu an.
Wenn ihr etwas für euer Karma oder Seelenheil tun wollt (und ihr tut das hauptsächlich für euch, wenn es euch ernsthaft um die Welt ginge, würdet ihr auf eure Mitmenschen, die eben dieser Terminus auch mit einschließt, nicht so einen Druck ausüben), dann macht es doch allein.
Überhaupt, fechtet eure eigenen Kämpfe aus und lasst die anderen ihre Kämpfe ausfechten und benutzt sie nicht als Bauern in euren Feldzügen.
Aber so ohne Publikum, das einen hofiert, lobt und das eigene Ego streichelt, macht das ja keinen Spass, nicht wahr?
PS. : Bonuspunkte für jeden zur "guten Seite" Bekehrten verteilt in diesem Universum auch keiner!
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Ganz toll fand ich auch den Kommentar eines Bekannten zur aktuell promoteten Petition gegen Massentierhaltung, die ich unbedingt mitzeichen müsse, als ich lediglich zu bedenken gab, woher denn seiner Meinung nach, die Nahrung für die mittlerweile fast 7 Milliarden Menschen kommen sollte und er daraufhin ernsthaft meinte, jeder könne doch für den Eigenbedarf wenigstens Kaninchen oder Hühner halten...jau, in der Stadt, in einer Drei-Zimmer-Wohnung, auf dem möglicherweise vorhandenen Balkon...und geschlachtet wird dann in der Badewanne...und im Blumenkasten wächst dann Getreide und Gemüse - weil gegen die großen Monokulturen ist er ja auch.
Dienstag, 28. Dezember 2010
Der Mythos "unpolitisch" - Der K(r)ampf mit der Distanzierung
Inspiriert von dem gleichnamigen Beitrag auch NPD-BLOG.INFO, in dem es darum geht, dass "Kamerad" Marcus Winter mal wieder einen Event geplant hat, möchte ich einmal kurz meine Gedanken zu dem Thema "Distanzierung" in Worte fassen.
Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber wenn mir jemand im Verlauf einer Konversation mit dem Spruch vom "unpolitisch" kommt, dann werde ich immer hellhörig. Klar, Ausssagen, Ansichten, Religionen, Musik, Kunst im allgemeinen, können durchaus unpolitisch sein, in dem Sinne, dass man bewusst keine politische Botschaft damit transportieren möchte.
(Natürlich spielt auch immer die politische Einstellung des Urhebers mit hinein, auch wenn er sich dessen nicht bewusst ist, weil es eben Teil seines Wertekanons darstellt, bzw. gilt dasselbe für den Konsumenten, der eben als subjektiver Betrachter, Zuhörer etc., die Deutungshoheit inne hat. Auch Menschen, die sich überhaupt nicht für Politik interessieren (soll es ja geben) verfügen trotzdem über eine durchaus politisch zu interpretierende Meinung. )
Dann bedarf es aber meiner Meinung nach nicht noch dieses expliziten Hinweises.
Ich habe durchaus auch Ansichten, die nicht der gängigen Auffassung von Political Correctness entsprechen. Ich lasse mir eben nicht gerne vorschreiben, was ich sagen oder gar denken darf und unterwerfe mich nicht irgendeiner, wie auch immer gearteten, Öffentlichen Meinung.
Auch ich sortiere nicht wirklich streng Musik nach "mit gutem Gewissen hörbar" und "uh,uh, böse Nazimucke". Es gibt da Stücke, die gefallen mir aufgrund des Arrangements oder auch der Texte, obwohl deren Urheber durchaus rechts eingestuft werden können. Gute Musik bleibt trotzdem für mich gute Musik.
Ich habe z.B. auch die Schriften Evolas gelesen und kann über seine Theorie sachlich diskutieren. Einige seiner Aussage finde ich zumindest nicht verkehrt. Trotzdem trennen mich und ihn, was Wertvorstellungen und politische Einstellung betrifft, Welten!
Theosophie finde ich interessant, auch wenn ich weiß, dass sie sehr schnell in Ariosophie umschlagen kann.
Was Nietzsche in seinem "Ecce Homo" über die Emanzipation schreibt, kann ich, als Frau, nur aus vollstem Herzen bejahen, auch wenn ich damit riskiere, von "emanzipierten" Frauen geteert, gefedert und nachher gesteinigt und verbrannt zu werden. Ganz besonders von einigen "Heidinnen"...
Ich hasse das Binnen-I...
Zu alldem bedarf es von mir keinerlei Distanzierung. Das ist einfach so. Wie gesagt, die Interpretation der Inhalte liegt ja bei mir und wer sich die Mühe macht, meine Ansichten und mein Handeln in ihrer Gesamtheit zu betrachten, wird schnell merken, wie ich ticke.
Ich vertrete mittlerweile die Meinung, je mehr man sich distanziert, desto verdächtiger macht man sich.
Die Frage, die man sich stellen sollte, muss doch lauten: Wie "unverfänglich" ist die dargestellte Auffassung denn wirklich gemeint, wenn direkt im nächsten Augenblick gleich eine Abgrenzung zu ähnlichen, jedoch "fragwürdigem" Inhalten getätigt wird?
Welche Leiche im Keller soll denn da verborgen bleiben?
Ich kann ja nichts für das Kopfkino meiner Mitmenschen, allerdings sagen mir gewisse gedanklichen Verknüpfungen meist mehr über deren Innenleben, als mir lieb ist.
Wer in einen "heidnischen" Menschen einen "Satanisten" sehen will, der wird einen sehen.
Wer jeden Christen oder Muslim als Feind der Freiheit einstufen will, wird fündig werden.
Wer in seinem Gegenüber einen Spinner sehen will, wird ihn vor sich haben und wer einen Asatru oder auch Okkultisten als einen "ewig gestrigen Nazi" abtuen möchte, wird so lange wühlen, bis er die Beweise gefunden hat.
Das darf aber nicht dazu führen, dass man sich rechtfertigt, bevor man überhaupt angeklagt wird.
Und selbst dann finde ich es noch besser, ruhigen Gewissens (soweit vorhanden) auf den Vorwurf mit einem Achselzucken und einem "Du hast Recht und ich hab' meine Ruhe!" zu antworten, als stunden- oder seitenlang an einer Plädoyer zu seiner Verteidigung zu feilen, und auf Absolution zu hoffen, obwohl offensichtlich ist, dass die Beschuldigung an den Haaren herbeigezogen wurde oder einfach auf pure Ignoranz zurückzuführen ist ...wie arm ist das denn?
Und zu guter Letzt auch ein paar Worte an die politisch korrekte Gegenseite:
Wer ständig, wegen jedem Mist "Wölfe, Wölfe!" schreit, der muss sich nicht mehr wundern, wenn niemand mehr auf ihn hört, wenn dann tatsächlich einmal Wölfe auftauchen.
Ganz davon zu schweigen, dass diese "Wölfe" dann gerne übersehen werden, weil man zu sehr damit beschäftigt ist, jedem zahmem "Haushund" bösartige Absichten zu unterstellen
Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber wenn mir jemand im Verlauf einer Konversation mit dem Spruch vom "unpolitisch" kommt, dann werde ich immer hellhörig. Klar, Ausssagen, Ansichten, Religionen, Musik, Kunst im allgemeinen, können durchaus unpolitisch sein, in dem Sinne, dass man bewusst keine politische Botschaft damit transportieren möchte.
(Natürlich spielt auch immer die politische Einstellung des Urhebers mit hinein, auch wenn er sich dessen nicht bewusst ist, weil es eben Teil seines Wertekanons darstellt, bzw. gilt dasselbe für den Konsumenten, der eben als subjektiver Betrachter, Zuhörer etc., die Deutungshoheit inne hat. Auch Menschen, die sich überhaupt nicht für Politik interessieren (soll es ja geben) verfügen trotzdem über eine durchaus politisch zu interpretierende Meinung. )
Dann bedarf es aber meiner Meinung nach nicht noch dieses expliziten Hinweises.
Ich habe durchaus auch Ansichten, die nicht der gängigen Auffassung von Political Correctness entsprechen. Ich lasse mir eben nicht gerne vorschreiben, was ich sagen oder gar denken darf und unterwerfe mich nicht irgendeiner, wie auch immer gearteten, Öffentlichen Meinung.
Auch ich sortiere nicht wirklich streng Musik nach "mit gutem Gewissen hörbar" und "uh,uh, böse Nazimucke". Es gibt da Stücke, die gefallen mir aufgrund des Arrangements oder auch der Texte, obwohl deren Urheber durchaus rechts eingestuft werden können. Gute Musik bleibt trotzdem für mich gute Musik.
Ich habe z.B. auch die Schriften Evolas gelesen und kann über seine Theorie sachlich diskutieren. Einige seiner Aussage finde ich zumindest nicht verkehrt. Trotzdem trennen mich und ihn, was Wertvorstellungen und politische Einstellung betrifft, Welten!
Theosophie finde ich interessant, auch wenn ich weiß, dass sie sehr schnell in Ariosophie umschlagen kann.
Was Nietzsche in seinem "Ecce Homo" über die Emanzipation schreibt, kann ich, als Frau, nur aus vollstem Herzen bejahen, auch wenn ich damit riskiere, von "emanzipierten" Frauen geteert, gefedert und nachher gesteinigt und verbrannt zu werden. Ganz besonders von einigen "Heidinnen"...
Ich hasse das Binnen-I...
Zu alldem bedarf es von mir keinerlei Distanzierung. Das ist einfach so. Wie gesagt, die Interpretation der Inhalte liegt ja bei mir und wer sich die Mühe macht, meine Ansichten und mein Handeln in ihrer Gesamtheit zu betrachten, wird schnell merken, wie ich ticke.
Ich vertrete mittlerweile die Meinung, je mehr man sich distanziert, desto verdächtiger macht man sich.
Die Frage, die man sich stellen sollte, muss doch lauten: Wie "unverfänglich" ist die dargestellte Auffassung denn wirklich gemeint, wenn direkt im nächsten Augenblick gleich eine Abgrenzung zu ähnlichen, jedoch "fragwürdigem" Inhalten getätigt wird?
Welche Leiche im Keller soll denn da verborgen bleiben?
Ich kann ja nichts für das Kopfkino meiner Mitmenschen, allerdings sagen mir gewisse gedanklichen Verknüpfungen meist mehr über deren Innenleben, als mir lieb ist.
Wer in einen "heidnischen" Menschen einen "Satanisten" sehen will, der wird einen sehen.
Wer jeden Christen oder Muslim als Feind der Freiheit einstufen will, wird fündig werden.
Wer in seinem Gegenüber einen Spinner sehen will, wird ihn vor sich haben und wer einen Asatru oder auch Okkultisten als einen "ewig gestrigen Nazi" abtuen möchte, wird so lange wühlen, bis er die Beweise gefunden hat.
Das darf aber nicht dazu führen, dass man sich rechtfertigt, bevor man überhaupt angeklagt wird.
Und selbst dann finde ich es noch besser, ruhigen Gewissens (soweit vorhanden) auf den Vorwurf mit einem Achselzucken und einem "Du hast Recht und ich hab' meine Ruhe!" zu antworten, als stunden- oder seitenlang an einer Plädoyer zu seiner Verteidigung zu feilen, und auf Absolution zu hoffen, obwohl offensichtlich ist, dass die Beschuldigung an den Haaren herbeigezogen wurde oder einfach auf pure Ignoranz zurückzuführen ist ...wie arm ist das denn?
Und zu guter Letzt auch ein paar Worte an die politisch korrekte Gegenseite:
Wer ständig, wegen jedem Mist "Wölfe, Wölfe!" schreit, der muss sich nicht mehr wundern, wenn niemand mehr auf ihn hört, wenn dann tatsächlich einmal Wölfe auftauchen.
Ganz davon zu schweigen, dass diese "Wölfe" dann gerne übersehen werden, weil man zu sehr damit beschäftigt ist, jedem zahmem "Haushund" bösartige Absichten zu unterstellen
Samstag, 27. November 2010
Hoch lebe der Übermensch!
Bisweilen bin ich versucht, mir einen ordentlichen Minderwertigkeitskomplex zu zu legen.
Wenn man manchen Leuten so zuhört, wenn sie darüber berichten, was sie alles schon können, was sie erlebt und erreicht haben, über welche Fähigkeiten sie verfügen, was sie sind, dann könnte man sich in der Tat teilweise sehr klein und unbedeutend vorkommen.
Ich für meinen Teil, werde bei solchen Aufzählungen anderer immer sehr still und zurückhaltend.
Was soll man denn schon entgegnen, wenn einem so nonchalant klar gemacht wird, dass man selbst so absolut unbedarft ist, sei es dass es um beruflichen Erfolg, geistige Reife oder Lebenserfahrung dreht?
Da erhoffe ich quasi Hände ringend die nächste Evolutionsstufe des Menschen, den Übermenschen, ähnlich dessen was Nietzsche in "Also sprach Zarathustra" beschreibt und muss verblüfft feststellen, dass sie schon lange unter uns weilen. *
Nicht nur, dass sie über die vielfältigsten Fähigkeiten und Talente verfügen, bisweilen ergänzt durch eine lange fundierte Ausbildung, teilweise autodidaktisch, teilweise durch Kurse, sie sind auch so großmütig, weniger Begabte daran teilhaben und davon profitieren zu lassen. Und da aufgrund unserer Minderbegabung wir weniger gesegneten Geschöpfe teilweise gar nicht um unseren Mangel wissen, somit also auch nicht um die dringend benötigte Hilfe bitten können, sind die Höheren Menschen stets schnell bei der Hand um hilfreich eingreifen zu können.
So wird im alltäglichen und beruflichen Bereich von ihnen, wenn sie denn über ein besonders Talent im Bereich der Organisation, der Betriebswirtschaftslehre oder des Managements verfügen, möglicherweise in diesen Disziplinen ein Studium oder auch nur ein paar Kurse absolviert haben, ein "Ich habe keine Zeit!" oder "Nicht jetzt, ich bin im Stress!" gleich richtig als einen ebenso verzweifelten wie latenten Hilferuf erkannt und sogleich erhört.
Man nimmt den subalternen Mitmenschen zur Seite, mahnt ihn zur Ruhe, unterweist ihn vielleicht sogar gleich in ein paar Entspannungstechniken und erarbeitet dann vor seinen erstaunten Augen innerhalb weniger Stunden einen effizenten Zeitplan, um ihn fürderhin vor solch misslichen Situationen zu bewahren. Der Übermensch erwartet dafür natürlich keinen Dank, die vor Ehrfurcht und Begeisterung weit aufgerissenen Augen des Unterwiesenen und die Geschwindigkeit mit welcher er danach von dannen zieht, um das Gelernte sogleich in die Tat umzusetzen, sind ihm genug.
Auch sonst sind die höheren Menschen immer gerne bereit, mit Rat und Tat zur Stelle zu sein. Singles geben sie z.B. Tipps wie man sich dahingehend verhält, dass es auch für sie wieder Hoffnung auf einen Partner gibt, so wie sie auch in Beziehungen Lebenden mit Vergnügen den ein oder anderen Ratschlag erteilen, wie diese ihr Zusammenleben noch erfolgreicher gestalten können.
So ist das Leben der Homo superior von früh bis spät geprägt durch die notwendige Aufopferung für ihre simpleren Mitmenschen.
Ihr Leben ist vergleichbar einer Großbaustelle, denn auch ein augenscheinlich in seinem Ressort gut ausgebildeter, bewanderter Homo sapiens simplex, muss in seinen Fähigkeiten Zwangsläufig weit hinter den ihren zurückbleiben, selbst wenn sie sich nicht einmal ausdrücklich mit den jeweiligen Fachbereichen beschäftigte haben. Sowieso ist reines Wissen und umfassende Allgemeinbildung für den Höheren Menschen überflüssiger Ballast. Wo bei ihm aufgrund seiner evolutionären Vormachtstellung einfach der reine Intellekt ausreicht, um die Wahrheit zu erkennen, da nutzt selbst jahrelange Erfahrung und fundierte Studien bei den unterlegenen Vettern kaum etwas.
Was schon in den eher bodenständigen Gebieten, wie Naturwissensschaften oder Ökonomie, und dem ganz pragmatischen Lebensbereichen die herausragende Stellung des Hyperanthropos unterstreicht, findet seinen Höhepunkt bei den Geisteswissenschaften und dem weiten Feld der Religiosität und Spiritualität.
Dem Adler gleich, der aus seiner luftigen Höhe das Beutetier erspäht, erkenne sie auch dort sofort aus wenigen Worten oder auch nur Gesten eines Homo sapiens simplex, wo bei ihm die psychologischen, soziologischen und spirituellen Defizite am größten sind, und leisten gerne selbstlos Entwicklungshilfe.
Glücklicherweise, muss ich aus eigener Erfahrung zugeben, denn ohne sie wüsste man ja nicht einmal, dass man überhaupt ein Defizit hat.
Sei es, dass man sich einfach mangelndem Mitgefühls, unterschwelliger Aggressionen, Willensschwäche oder sonstiger sozio-psychologischer Schwächen schuldig macht, oder einfach nur, dass man sich über den eigenen geistig-spirituellen Entwicklungsstand Illusionen macht, der Übermensch wird nicht nur aufklären und beraten, er wird auch anhand der eigenen Vita aufzeigen, warum er erstens zweifelsfrei dazu befähigt ist, dies zu erkennen und zweitens nur er in dieser Angelegenheit Recht haben kann.
Gerne schlägt er nach der oft harschen Belehrung dann doch noch einen versöhnlichen Tonfall an, da er ja weiß, dass der einfache Mensch keine wirkliche Schuld an seinem Defizit trägt. Er ist eben nicht so weit, und wird es auch nie sein. Damit er sich deshalb nicht so grämt, wird ihm von dem Übermenschen dann auch noch kurz verbal oder sonst wie der Kopf getätschelt. Aus dem gleichen Grund geht der Homo superior auch meist gar nicht so sehr auf die meisten Einwürfe und Pseudo-Argumente des Homo sapiens simplex ein, sondern ignoriert sie stattdessen, um ihn nicht noch mehr zu demotivieren.
Eine besondere Stellung nimmt gerade im Bereich der Spiritualität übrigens diejenigen Höheren Menschen ein, die nicht nur ein Leben als solche hinter sich haben, sondern gar mehrere.
So hatte ich die besondere Ehre und das Vergnügen einen, auf den ersten Blick, eher bescheidenen Angehörigen dieser Gruppe kennenzulernen, der nach einigem beschämten Herumdrucksen zugab, er wäre zu allem Überfluss die unmittelbare und vollständige Reinkarnation von Louis XVI.
Als er jedoch feststellte, dass ich mich ob dieser Eröffnung in ehrfürchtiges Schweigen hüllte, kam er mehr und mehr aus sich heraus und klärte mich mit immer häufiger eingestreuten französischen Phrasen, nicht nur darüber auf, warum er immer noch einen unterschwelligen Hass auf die Bourgeoisie und den Plebs hege, sondern führte diesen Umstand auch gleich als Grund für sein zuweilen dominantes Verhalten an, welches sich in der Tat nach dieser Offenbarung zeigte und sogar noch verstärkte.
Natürlich war ich überrascht und geehrt, dass sich nicht nur ein Hyperanthropos, sondern sogar ein ehemaliger Herrscher mit mir Simplicissima abgab, ganz davon zu schweigen, dass ich erfahren durfte, dass alles was ich über den Charakter und das Leben des letzten französischen Königs vor der Revolution gelesen hatte, doch so stark verfremdet war, dass er sich wohl kaum selbst wiedererkannt hätte, wenn er sich denn herabgelassen hätte, sich solcherlei profanem Zeitvertreib, wie Geschichte hinzugeben.
Aber wie gesagt, für solche Dinge haben Übermenschen jedoch einfach keine Zeit und auch keinen Bedarf.
Ich muss auch sagen, dass es mir zunehmend unangenehm war, die Zeit und Aufmerksamkeit einer solch doppelt höher gestellten Person zu missbrauchen, so dass ich auch aus diesem Grunde den Kontakt zu ihm nach einiger Zeit von mir aus abbrach.
Seien wir ehrlich, als Übermensch hat man wirklich kein leichtes Leben, denn ständig muss man sich um die niederen Homo sapiens simplex sorgen, ihnen helfen und sie belehren, damit sie überhaupt in diesem komplexen Universum existieren können, ohne sich selbst und ihrer Umwelt Schaden zu zufügen. Und das nicht nur im eigenen Umfeld, sondern weltweit, in anderen Kulturkreisen und Ländern. Überall liegt so vieles im Argen, weil es uns Einfachgestrickten schlicht an Hirnkapazität, Auffassungsgabe und Intellekt mangelt, die höheren Zusammenhänge zu erkennen. Wir selbst wissen ja gar nicht, was für uns gut ist.
Hinzu kommt die Einsamkeit!
Denn aus irgendeinem Grund vertragen sich Übermenschen nicht besonders gut untereinander. Ob das gewollt ist, damit sie effektiver in der Welt wirken können, oder eine Art Selbstopferung in dem sie sich genötigt sehen, sich mit Angehörigen der niederen Spezies überhaupt abgeben und gegebenenfalls sogar vermehren zu müssen, oder aber ein negativer Nebeneffekt ihrer Vormachtstellung, kann ich schon allein aufgrund meines niederen Intellekts nicht sagen.
Seien wir einfach nur dankbar, das es ihn überhaupt gibt: Den Homo Superior, den Übermenschen!
* Anmerkung:
Natürlich hat die hier dargestellte Art des Übermenschen nichts mit dem von Friedrich Nietzsche dargestellten Ideal zu tun. Dieser entsteht ja weniger durch Evolution, als aus sich heraus, in dem der Mensch das Mensch-sein überwindet. Mit einem wie auch gearteten Darwinismus oder Herrenmenschentum hat das übrigens nichts zu tun.
Wenn man manchen Leuten so zuhört, wenn sie darüber berichten, was sie alles schon können, was sie erlebt und erreicht haben, über welche Fähigkeiten sie verfügen, was sie sind, dann könnte man sich in der Tat teilweise sehr klein und unbedeutend vorkommen.
Ich für meinen Teil, werde bei solchen Aufzählungen anderer immer sehr still und zurückhaltend.
Was soll man denn schon entgegnen, wenn einem so nonchalant klar gemacht wird, dass man selbst so absolut unbedarft ist, sei es dass es um beruflichen Erfolg, geistige Reife oder Lebenserfahrung dreht?
Da erhoffe ich quasi Hände ringend die nächste Evolutionsstufe des Menschen, den Übermenschen, ähnlich dessen was Nietzsche in "Also sprach Zarathustra" beschreibt und muss verblüfft feststellen, dass sie schon lange unter uns weilen. *
Nicht nur, dass sie über die vielfältigsten Fähigkeiten und Talente verfügen, bisweilen ergänzt durch eine lange fundierte Ausbildung, teilweise autodidaktisch, teilweise durch Kurse, sie sind auch so großmütig, weniger Begabte daran teilhaben und davon profitieren zu lassen. Und da aufgrund unserer Minderbegabung wir weniger gesegneten Geschöpfe teilweise gar nicht um unseren Mangel wissen, somit also auch nicht um die dringend benötigte Hilfe bitten können, sind die Höheren Menschen stets schnell bei der Hand um hilfreich eingreifen zu können.
So wird im alltäglichen und beruflichen Bereich von ihnen, wenn sie denn über ein besonders Talent im Bereich der Organisation, der Betriebswirtschaftslehre oder des Managements verfügen, möglicherweise in diesen Disziplinen ein Studium oder auch nur ein paar Kurse absolviert haben, ein "Ich habe keine Zeit!" oder "Nicht jetzt, ich bin im Stress!" gleich richtig als einen ebenso verzweifelten wie latenten Hilferuf erkannt und sogleich erhört.
Man nimmt den subalternen Mitmenschen zur Seite, mahnt ihn zur Ruhe, unterweist ihn vielleicht sogar gleich in ein paar Entspannungstechniken und erarbeitet dann vor seinen erstaunten Augen innerhalb weniger Stunden einen effizenten Zeitplan, um ihn fürderhin vor solch misslichen Situationen zu bewahren. Der Übermensch erwartet dafür natürlich keinen Dank, die vor Ehrfurcht und Begeisterung weit aufgerissenen Augen des Unterwiesenen und die Geschwindigkeit mit welcher er danach von dannen zieht, um das Gelernte sogleich in die Tat umzusetzen, sind ihm genug.
Auch sonst sind die höheren Menschen immer gerne bereit, mit Rat und Tat zur Stelle zu sein. Singles geben sie z.B. Tipps wie man sich dahingehend verhält, dass es auch für sie wieder Hoffnung auf einen Partner gibt, so wie sie auch in Beziehungen Lebenden mit Vergnügen den ein oder anderen Ratschlag erteilen, wie diese ihr Zusammenleben noch erfolgreicher gestalten können.
So ist das Leben der Homo superior von früh bis spät geprägt durch die notwendige Aufopferung für ihre simpleren Mitmenschen.
Ihr Leben ist vergleichbar einer Großbaustelle, denn auch ein augenscheinlich in seinem Ressort gut ausgebildeter, bewanderter Homo sapiens simplex, muss in seinen Fähigkeiten Zwangsläufig weit hinter den ihren zurückbleiben, selbst wenn sie sich nicht einmal ausdrücklich mit den jeweiligen Fachbereichen beschäftigte haben. Sowieso ist reines Wissen und umfassende Allgemeinbildung für den Höheren Menschen überflüssiger Ballast. Wo bei ihm aufgrund seiner evolutionären Vormachtstellung einfach der reine Intellekt ausreicht, um die Wahrheit zu erkennen, da nutzt selbst jahrelange Erfahrung und fundierte Studien bei den unterlegenen Vettern kaum etwas.
Was schon in den eher bodenständigen Gebieten, wie Naturwissensschaften oder Ökonomie, und dem ganz pragmatischen Lebensbereichen die herausragende Stellung des Hyperanthropos unterstreicht, findet seinen Höhepunkt bei den Geisteswissenschaften und dem weiten Feld der Religiosität und Spiritualität.
Dem Adler gleich, der aus seiner luftigen Höhe das Beutetier erspäht, erkenne sie auch dort sofort aus wenigen Worten oder auch nur Gesten eines Homo sapiens simplex, wo bei ihm die psychologischen, soziologischen und spirituellen Defizite am größten sind, und leisten gerne selbstlos Entwicklungshilfe.
Glücklicherweise, muss ich aus eigener Erfahrung zugeben, denn ohne sie wüsste man ja nicht einmal, dass man überhaupt ein Defizit hat.
Sei es, dass man sich einfach mangelndem Mitgefühls, unterschwelliger Aggressionen, Willensschwäche oder sonstiger sozio-psychologischer Schwächen schuldig macht, oder einfach nur, dass man sich über den eigenen geistig-spirituellen Entwicklungsstand Illusionen macht, der Übermensch wird nicht nur aufklären und beraten, er wird auch anhand der eigenen Vita aufzeigen, warum er erstens zweifelsfrei dazu befähigt ist, dies zu erkennen und zweitens nur er in dieser Angelegenheit Recht haben kann.
Gerne schlägt er nach der oft harschen Belehrung dann doch noch einen versöhnlichen Tonfall an, da er ja weiß, dass der einfache Mensch keine wirkliche Schuld an seinem Defizit trägt. Er ist eben nicht so weit, und wird es auch nie sein. Damit er sich deshalb nicht so grämt, wird ihm von dem Übermenschen dann auch noch kurz verbal oder sonst wie der Kopf getätschelt. Aus dem gleichen Grund geht der Homo superior auch meist gar nicht so sehr auf die meisten Einwürfe und Pseudo-Argumente des Homo sapiens simplex ein, sondern ignoriert sie stattdessen, um ihn nicht noch mehr zu demotivieren.
Eine besondere Stellung nimmt gerade im Bereich der Spiritualität übrigens diejenigen Höheren Menschen ein, die nicht nur ein Leben als solche hinter sich haben, sondern gar mehrere.
So hatte ich die besondere Ehre und das Vergnügen einen, auf den ersten Blick, eher bescheidenen Angehörigen dieser Gruppe kennenzulernen, der nach einigem beschämten Herumdrucksen zugab, er wäre zu allem Überfluss die unmittelbare und vollständige Reinkarnation von Louis XVI.
Als er jedoch feststellte, dass ich mich ob dieser Eröffnung in ehrfürchtiges Schweigen hüllte, kam er mehr und mehr aus sich heraus und klärte mich mit immer häufiger eingestreuten französischen Phrasen, nicht nur darüber auf, warum er immer noch einen unterschwelligen Hass auf die Bourgeoisie und den Plebs hege, sondern führte diesen Umstand auch gleich als Grund für sein zuweilen dominantes Verhalten an, welches sich in der Tat nach dieser Offenbarung zeigte und sogar noch verstärkte.
Natürlich war ich überrascht und geehrt, dass sich nicht nur ein Hyperanthropos, sondern sogar ein ehemaliger Herrscher mit mir Simplicissima abgab, ganz davon zu schweigen, dass ich erfahren durfte, dass alles was ich über den Charakter und das Leben des letzten französischen Königs vor der Revolution gelesen hatte, doch so stark verfremdet war, dass er sich wohl kaum selbst wiedererkannt hätte, wenn er sich denn herabgelassen hätte, sich solcherlei profanem Zeitvertreib, wie Geschichte hinzugeben.
Aber wie gesagt, für solche Dinge haben Übermenschen jedoch einfach keine Zeit und auch keinen Bedarf.
Ich muss auch sagen, dass es mir zunehmend unangenehm war, die Zeit und Aufmerksamkeit einer solch doppelt höher gestellten Person zu missbrauchen, so dass ich auch aus diesem Grunde den Kontakt zu ihm nach einiger Zeit von mir aus abbrach.
Seien wir ehrlich, als Übermensch hat man wirklich kein leichtes Leben, denn ständig muss man sich um die niederen Homo sapiens simplex sorgen, ihnen helfen und sie belehren, damit sie überhaupt in diesem komplexen Universum existieren können, ohne sich selbst und ihrer Umwelt Schaden zu zufügen. Und das nicht nur im eigenen Umfeld, sondern weltweit, in anderen Kulturkreisen und Ländern. Überall liegt so vieles im Argen, weil es uns Einfachgestrickten schlicht an Hirnkapazität, Auffassungsgabe und Intellekt mangelt, die höheren Zusammenhänge zu erkennen. Wir selbst wissen ja gar nicht, was für uns gut ist.
Hinzu kommt die Einsamkeit!
Denn aus irgendeinem Grund vertragen sich Übermenschen nicht besonders gut untereinander. Ob das gewollt ist, damit sie effektiver in der Welt wirken können, oder eine Art Selbstopferung in dem sie sich genötigt sehen, sich mit Angehörigen der niederen Spezies überhaupt abgeben und gegebenenfalls sogar vermehren zu müssen, oder aber ein negativer Nebeneffekt ihrer Vormachtstellung, kann ich schon allein aufgrund meines niederen Intellekts nicht sagen.
Seien wir einfach nur dankbar, das es ihn überhaupt gibt: Den Homo Superior, den Übermenschen!
* Anmerkung:
Natürlich hat die hier dargestellte Art des Übermenschen nichts mit dem von Friedrich Nietzsche dargestellten Ideal zu tun. Dieser entsteht ja weniger durch Evolution, als aus sich heraus, in dem der Mensch das Mensch-sein überwindet. Mit einem wie auch gearteten Darwinismus oder Herrenmenschentum hat das übrigens nichts zu tun.
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Montag, 8. November 2010
Das Morden geht fröhlich weiter! - Töte den Willen
Nachdem ich in dem vorherigen Beitrag der Mord-Serie "Tod dem Buddha" über die Notwendigkeit geschrieben habe, sich von Lehren und Lehrern frei zu machen, um sich eigenen spirituelle Erfahrungen öffnen zu können, geht es heute dem Willen an den Kragen.
Dafür muss ich allerdings etwas ausholen, also habt Geduld mit mir:
Karma, gerade im spirituellen Bereich ein oft gebrauchter, oft auch missdeuteter oder gar missbräuchlich genutzter Begriff, hat nichts mit Schicksal oder äußere Beurteilung eines Menschen und seiner Taten (wie z.B. durch das Jüngste Gericht) zu tun. Es ist also nicht mit (gerechtfertigter) Vergeltung von "Sünden" zu verwechseln.
Die Vorstellung beruht vielmehr auf dem Verständnis von Ursache und Wirkung, sowohl von Handlungen, als auch, und das wird häufig vergessen, von Gedanke und Gefühlen einer Person. Bei der Auswirkung spielt die Absicht eine sehr große Rolle, jedoch nicht, wie man vielleicht fälschlich annehmen könnte, dass gedankenlose, unabsichtliche, Taten ohne Auswirkung blieben - jede Handlung, jeder Gedanke, jedes Gefühl ordnet augenblicklich die Welt neu, weil ich, wie ich bereits in dem Tiphareth-Beitrag andeutete, die Meinung vertrete, alles stehe miteinander in Verbindung , da es sich um einen einzigen Organismus handelt - sondern vielmehr in dem Sinne, dass die dahinter stehende Grundhaltung des Einzelnen ausschlaggebend ist. Karma ist lediglich die logische Konsequenz unserer Handlungen und der Absicht, die ihnen zu Grunde liegt.
In der Ethik des Buddhismus kennt man dazu die Drei Geistesgifte, treffender als "Leid verursachenden Emotionen" bezeichnet:
Daraus ergibt sich dann eben auch die Wirkung des Karma auf das Leiden durch Samsara oder die Reinkarnation
Genauso wenig wie der ständige Wandel von Werden und Vergehen, das damit verbundene Leiden, etwas mit Strafe für ein verfehlte Heilsziel, in dem Fall die Erlösung vom Leiden durch das "Erwachen"(Bodhi) zu tun hat, kann man durch äußere Einflüsse daraus befreit werden. Auch hier gilt, der Kreislauf ist keine Hölle aus der man durch ein "gottgefälliges" frommes Leben erlöst oder befreit wird.
Es gibt schlicht keine höhere Instanz, die straft oder belohnt.
Allein die Erlangung von eigener Erkenntnis über die Zusammenhänge (Dharma) des Seins führt zu einem Abstellen des Leidens.
Das heißt auch, dass man nicht durch willentliche "Anhäufung" postitivem Karmas seine Chancen verbessert, aus dem "Teufelskreis" auszubrechen.
Dabei ist es wichtig zu wissen, dass man nicht nur zwischen "Unheilsam" und der jeweiligen "Heilsamen" Ensprechung, beispielsweise Hass und Güte, unterscheidet, sondern auch versteht, dass es dort dann wiederum noch eine Trennung zwischen "Weltlich" und "Überweltlich" existiert. So befreit weltliche, also lediglich auf die Wirkung auf die (Um-)Welt bedachte, Güte nicht vom Leiden, erzeugt aber Karma, wohingegen Güte um ihrer Selbst Willen, über die Weltliche Wirkung hinaus, welches kein Karma erzeugt, das Leiden beendet.
Hinzuzufügen ist ebenfalls, dass das "Leiden" bzw. das Leben als "leidvoll" zu betrachten, im Buddhismus keinesfalls mit einer pessimistischen Grundhaltung zu verwechseln ist. Mit Weltschmerz, elendem Dasein oder Kummer hat dies wenig bis gar nichts zu tun. Leiden, Dukkha, bezeichnet lediglich den Kreislauf von Werden und Vergehen durch eine weltliche, sprich auf das Ego reduzierte Existenz.
Abstellen von Leiden durch das Erwachen (Bodhi) beendet diesen Kreislauf, nicht aber das Dasein.
Nirvana, das Verlöschen, ist ja auch kein jenseitiges Erleben, flutsch und weg, immerhin lebte und lehrte Buddha Gautama nach der Erlangung dieses Zustandes durch das Erwachen noch gut 40 Jahre. Danach verschwand er nach buddhistischem Selbstverständnis auch nicht im Nichts, sondern ging ein in eine höhere Existenzebene. (Von der Möglichkeit, Bodhi zu erlangen und trotzdem weiter freiwillig Samsara zu "erleiden", um aus reiner Liebe erst anderen auf dem Weg der Erleuchtung zu helfen, dem Bodhisattva, rede ich besser gar nicht...^^)
Wie bereits im vorangegangenen Artikel "Tod dem Buddha", auf den dieser hier die unmittelbare Fortsetzung darstellt, angesprochen, steht einem hier bisweilen die westliche geprägte Denkweise im Weg.
Mehr noch, es ist auch teilweise schwierig, die buddhistische Auffassung von der des Hinduismus zu unterscheiden, der zum Teil dieselben Begriffe in einem komplett anderen Kontext verwenden.
Das wird auch dadurch klar erkennbar, dass man im Hinduismus an eine unvergängliche Seele glaubt, die man "mitnimmt" in die nächste Reinkarnation, im Buddhismus jedoch gar keine Seele existiert (Stichwort: Anātman)!
Hinzu kommt, dass Buddha Gautama bei der Weitergabe seiner Erkenntnisse immer auf verschiedenste, an die geistigen und spirituellen Voraussetzungen seiner Zuhörer angepasste, Art und Weise lehrte. Das ist auch der Grund, warum es nicht den Buddhismus gibt, sondern eine Vielzahl von Schulen und Richtungen, die sich zum Teil erheblich in der Auslegung der Lehre unterscheiden.
(Ich beziehe mich in meinen Ausführungen bezüglich des Buddhismus hier fast immer auf die im Mahayana bzw. Zen praktizierten Interpretationen, denn nur damit habe ich mich beschäftigt und nur darin habe ich Praxis!)
Beides also, Karma wie auch das Abstellen des Leidens, das Ausbrechen aus dem Kreislauf der Wiedergeburt (besser spräche man in Hinblick auf die unterschiedliche Konzepte, um Missverständnissen vorzubeugen, von Punabbhava, Wieder-Existenz), liegt in der Selbstverantwortung jedes einzelnen Menschen durch Erlangung tieferer Erkenntnis und steht somit vollkommen kontär zur Prädestinationslehre.
Das Leiden kommt nicht von außen, sondern ist, wenn man so will, selbstzugefügt. Aufgabe des Menschen ist es, dies durch absichtslose, also nicht auf das Ego ausgerichteter Selbstbeobachtung zu erkennen und daraus die Konsequenzen für das persönliche Handeln zu ziehen und so die Ursache des Leidens zu beseitigen. Zuerst für sich selbst - Veränderung sollte immer von Innen nach Außen erfolgen! - und erst dann auch durch die veränderte Verhaltensweise für seine gesamte Umwelt, jedes Lebewesen.
Was ist aber diese Absichtslosigkeit, dieses Absichtsloses Handeln?
Wie bereits gesagt, hat das nichts mit Fatalismus oder Gedankenlosigkeit zu tun. Vielmehr handelt es sich dabei um das Handeln ohne die, oben angeführten, "Drei Geistesgifte".
In unsere, westliche, Auffassung übertragen könnte man es mit Selbstlosigkeit übersetzen, jedoch auch hier lauert die Gefahr, den Begriff unterbewusst durch unseren kulturellen Kontext zu missdeuten. Mit Altruismus in seiner negativ behafteten Deutung, nämlich der völligen Aufopferung des Selbst, gemeinhin als "Selbstaufgabe" bekannt, hat Absichtsloses Handeln meiner bescheidenen Meinung absolut nichts zu tun.
Zwar trifft der Begriff "Opferung" den Kern der Sache ziemlich genau, in dem Sinne, dass man sein Ego beseite schiebt, und die Motivation für seine Handeln ständig daraufhin überprüfen sollte, ob sich dahinter nicht doch eigennützige Interessen verbergen, jedoch kann auch schon diese Art der Selbstopferung eben durch die Harangehensweise mit "leidverursachenden Emotionen" behaftet sein, wenn sie aus den falschen Gründen erfolgt oder man, wie häufig zu beobachten, Ego und Selbst nicht zu unterscheiden mag. Besser wäre es daher von Ich-Opferung zu sprechen.
(wobei beides nach buddhistischem Verständnis sowieso eine Täuschung ist bzw. eine temporäre Erscheinungsform der Skandhas. Aber belassen wir es einstweilen bei den Begriffen - Mehr dazu in der Fortsetzung...)
Wie ich bereits mehrfach in unterschiedlichsten Kontexten erklärt habe, ist die Psyche eines Menschen sehr vielschichtig und gerade das Unterbewusstsein neigt dazu, uns an der Nase herum zu führen, so lange wir es nicht "zu packen kriegen". Viele Menschen, und da nehme ich mich bestimmt nicht aus, neigen dazu, sich selbst etwas über ihre Absichten und Motivationen in die Tasche zu lügen.
Das liegt eben auch daran, dass sich eben im Unterbewußtsein sehr viele alte Verletzungen, Vorurteile, schlechte Erfahrungen manifestieren, ohne dass man sich dessen bewußt sein mag. Man gibt vor, etwas aus Uneigenützigkeit zu tun, ist davon möglicherweise sogar fest überzeugt, allerdings verbergen sich dahinter eben dann doch höchst egoistische Beweggründe, die "Geistesgifte", resultierend eben aus diesen unterbewußten "Schatten".
Das kann soweit gehen, dass einem das Unterbewusstsein sogar vorgaukelt, beim Ego handele es sich um das Selbst.
Aber allein schon, mit seinem Handeln ein bestimmtes Ziel verfolgen zu wollen, also etwas bestimmtes zu begehren, führt weg vom absichtslosen Handeln.
Sich dessen bewußt zu werden, wäre also der erste Schritt zum absichtlosen Handeln.
Um zu verstehen, was dieses Handeln ohne Absicht nun wirklich ist, hilft es, sich etwas mit Daoismus zu beschäftigen, der bei der Entstehung des Zen maßgeblichen Einfluss hatte. Dort gibt es den Begriff des WuWei, des Handelns durch Nicht-Handeln.
Um das zu verstehen, muss man Begreifen, dass das Dao Alles und Nichts ist, Existenz und Nicht-Existens, im Grunde unser gesamter Kosmos. Die ein wenig abgedroschne Phrase "Der Weg ist das Ziel!" ist Dao, denn es ist eben von der Bedeutung her beides in einem, Weg und Ziel zugleich. (Tipp: Einfach mal bei dem vielzitierten Satz die Artikel weglassen!)
Handeln durch Nicht-Handeln bedeutet also nicht, sich in etwas fügen, die Hände in die Taschen schieben und warten, dass "ES" vorübergeht, sondern nicht gegen das Dao zu arbeiten, sondern mit ihm.
Um zu verdeutlichen, was damit gemeint ist, versuche ich es mit einem Beispiel:
Man steht in einer Großstadt an einer stark befahrenen, vielleicht vierspurigen Straße und möchte auf die andere Seite.
Nun hat man mehrere Möglichkeiten:
Man kann warten, bis die Straße völlig frei ist. (Optimist!^^)
Man kann sich die nächste Fussgängerampel suchen, was durchaus vernünfig wäre.
Man kann aber auch erst einmal schauen, nach welchen Gesätzmäßigkeiten der Verkehr fließt (und diese Gesätzmäßigkeiten gibt es!) und dann losgehen.
Wenn ein Auto kommt bleibt man kurz stehen oder passt seine Schrittgeschwindigkeit an, bis es vorüber ist und geht weiter, Stück um Stück, den fließenden Verkehr immer im Auge behaltend.
Man darf nur nicht den Fehler machen, sich dem Kopf, dem Verstand, auszuliefern, der einem vielleicht sagt: "He, das ist bekloppt! Kein vernünftiger Mensch macht, was du da machst. - Wenn du dich in der Geschwindigkeit verschätzt, dann erwischen sie dich! - Nicht jetzt gehen, stopp! - Da kommt einer, da, da ist wieder einer! - Boah, guck dir mal an, was auf der anderen Spur los ist, da kommst du nie rüber, selbst, wenn du es bis dahin schaffst....!", oder einfach nur das Ziel im Augen haben und blindlings losgehen, sondern schlicht intuitiv auf das reagieren, was gerade passiert. Man wird dabei merken, dass durch dieses Handeln weder der Verkehr stockt, noch man selbst ins Stocken gerät.
Das funktioniert!
(Liebe Kinder, ich muss jetzt nicht sagen, dass die olle Krähe schon ein paar Jahre Erfahrung auf dem Buckel hat und man die auch braucht, um zu wissen, wann man sich im "Flow" befindet und wann man solcherlei Handlungen besser verkneift, oder?)
Das ist Wuwei, das ist leben im Dao, das ist Zen!
Wenn ich mir ein Ziel setze, dann setze ich nicht alles daran, dieses gegen alle Widerstände durchzuboxen, sondern ich beginne einfach mit einem Schritt, und dieser erste Schritt ist das Ziel, dann kommt die nächste Etappe und so fort und ich nutze jeweils das, was auf den einen Schritt an Reaktion, Resonanz erfolgt, orientiere mich daran, nutze es, um weiter zu machen. Das muss mich nicht auf geradem Weg zum Ergebnis führen, subjektiv gesehen, mag es mich auch aufhalten oder mich Zeit kosten, aber im großen Ganzen betrachtet, komme ich damit wesentlich erfolgreicher, schneller, weil mit weniger Rückschlägen und verlustfreier für mich und alles andere (Mitmenschen, Umwelt, Kosmos) voran, als dass ich versuche, durchzubrechen und dabei vielleicht mehr Schaden verursache, als Nutzen. Ich arbeite nicht gegen etwas (das Prinzip), sondern mit dem, was ich vorfinde. Ich biete keinen Widerstand! Kein "Das muss aber jetzt klappen!" Ich mache einfach, und sehe was dabei herauskommt.
Ein besseres Beispiel, welches mir zur Veranschaulichung einfiele wäre noch, wenn man sich den Weg durch einen Dschungel bahnen müsste, weil man auf die andere Seite gelangen möchte. Man kann sich dann natürlich eine Machete schnappen und sich den Weg frei schlagen. Man kann aber auch erst einmal schauen, ob sich nicht auch natürliche Schneisen finden lassen, wie zum Beispiel ein Bach oder Fluss, der sich durch den Urwald schlängelt, und dann an dessen Ufer entlang gehen. Das bedarf zwar etwas Zeit, mag auch nicht auf geradem Weg zum Ziel führen, aber ich nutze damit natürliche Pfade, die bereits vorhanden sind ohne etwas willentlich zu zerstören.
Auch beim Aikidō finde ich, mehr noch als beim oft angeführten, weil systeminhärenten, Tàijíquán, Wuwei. Der Verteidiger nutzt die vorhandene Energie des Angreifers um ihn angriffsunfähig zu machen. Dabei ist er nicht der Aktive, sondern reagiert lediglich intuitiv auf das, was ihm der Angreifende zur Verfügung stellt.
Aikidō ist meiner Meinung nach nicht nur wegen seines Defensiv-Charakters eine sehr schönes Beispiel, sondern auch, weil es weder Gewichtsklassen noch eine Trennung nach Geschlechtern und auch, traditionell, keine Wettkämpfe kennt. Zwar wurde von verschiedenen Schulen immer wieder versucht, solche Wettkämpfe zu initieren, um die Umsetzung unter realen Situationen zu üben und zu gewährleisten, allerdings genügte bisher keines der dafür herangezogenen System der eigentlichen Philosophie, welche dem Aikidō zu Grunde liegt. Allein schon, dass es dabei um Sieger und Verlierer(Besiegten) gehen müsste, widerspricht dem nicht-dualistischen Denken.
Einen sehr schönen Text, der sich mit dieser Problematik auseinandersetzt, findet man hier.
Was hat das alles aber mit der Überschrift "Töte den Willen" zu tun?
Und wieso rede ich als Thelemit hier davon, den Willen zu töten, wo Thelema doch nichts anderes heißt als "Willen"?
Weil es sich dabei eben um zwei Arten Willen handelt, weshalb dieses Thema hier ( und für mich persönlich) auch so viel Raum einnimmt. Das ist auch der Grund, weshalb ich bei dieser Thematik, wie bei allen "Tötungsdelikten" so großen Bezug auf Buddhismus bzw. Daoismus nehme.
Ich denke, viele Probleme, viele Missstimmungen und Niederlagen beruhen eben darauf, dass Menschen mit falschen Vorstellungen an ihre Pläne, Vorhaben, um nicht zu sagen, ihr Leben herangehen.
Sie wollen glücklich sein, sie wollen geliebt werden, sie wollen anerkannt werden.
Die Aufzählung könnte beliebig erweitert werden.
Meiner Meinung nach erliegt man dabei aber dann dem fatalen Fehler, sich gegen die Welt zu stellen, eben in dem Sinne, dass man nicht das Vorhandene nutzt, sondern etwas aus dem Nichts heraus erzwingen will. Sie sehen sich dabei als "Einzelne" in der Menge anderer "Einzelner".
Individualismus ist zwar existenziell wichtig, was ich ja bereits hier einmal beschrieben habe, aber auch ein Individuum ist allein kaum lebensfähig.
Willen im oben beschriebenen weltlich ausgerichteten Kontext, also die Begierde allein, mag das Ego befriedigen, aber er stößt dort auf seine Grenzen, wo es gilt, sich mit der Außenwelt, anderen Individuen, zu vereinen. Das Ego will nicht teilen, es will herrschen. Es ist in erster Linie auf die Befriedigung der eigenen Gelüste ausgelegt. Diese Gelüste jedoch erzeugen eben ein Ungleichgewicht im Makrokosmos (Umwelt), das wiederum seinen Niederschlag im Mikrokosmos(Mensch) findet, sei es Enttäuschung, Verbitterung, Hass oder Aufgabe.
Dieser egobezogene, weltlich ausgerichtete, Wille erwünscht sich eine Reaktion, z.B. eine Liebesbezeugung oder Anerkennung, vielleicht sogar den Weltfrieden (siehe Geistesgift Nummero Uno), dies ist das begehrte Ergebnis, allein dies steht der Umsetzung aufgrund falscher Vorraussetzungen oder Annahmen (Geistesgift 3) im Weg und so wird seine Realisierung erschwert oder unmöglich gemacht, weshalb man dabei auf Widerstände trifft (und deshalb Geistesgift Nr. 2 hervorruft).
Jeder, der schon mal einen Gegenstand verlegt hat, dürfte es kennen:
Man sucht und sucht, will dieses Ding unter allen Umständen finden, aber die Suche bleibt erfolglos. Zum Haareraufen! Wenn man dann endlich die Suche irgendwann wütend oder entnervt aufgibt und sich möglicherweise zähneknirschend ein neues "Ding" kauft, dann fällt einem das Gesuchte plötzlich vor die Füße!
Was wie ein Scherz des Universums anmutet, ist lediglich, so bescheuert sich auch anhört, die praktische Auswirkung auf ein Handeln gegen das gesetzmäßige Prinzip (Dao).
Das ist das im Buddhismus als "Weltlich" definierte Wirken. Die absichtliche Handlung.
Anders sieht es mit dem im Thelema oft benutzten Terminus des "Wahren Willen" aus.
Dabei handelt es sich eben, so denke ich, um diese, nach buddhistischer Definition "Überweltliche" Art des Wirkens, die sich durch absichtslose Handlung manifestiert. Dies ist auch für mich der Kern hinter der Aussage dieses Satzes aus dem Liber Al vel Legis:
Nicht das Ego, sondern das Selbst ist hier die treibende Kraft. Dieses aber kennt keine Eitelkeit, keine Begierde, keinen Hass, keine Beschränkung. Es ist und damit ist es Dao.
Ich weiß, es nervt langsam, aber anders kann ich es eben nicht in Worte fassen. Alles-Nichts wäre dem Verständnis noch weniger hilfreich. Einzig Ensō könnte versinnbildlichen, was ich meine.
Aber ich könnte jetzt nicht sagen, was man da erkennen sollte oder gar müsste. Entweder es macht *klick* oder eben nicht.
Dafür ist es übrigens vollkommen unwichtig, ob man nun dem Gesetz Thelemas, dem Daoismus, Buddhismus oder ähnlichen Philosophien folgt oder noch nie etwas von alldem gehört hat...
Jedenfalls ist hier eben wieder der Punkt erreicht, wo die Sprache an die Grenzen ihrer Ausdrucksmöglichkeiten für das Erlebbare, Fühlbare, für die Erkenntnis, stößt.
Intellektuell kann man das nicht erklären, sowie es, meiner Erfahrung nach, auch mit dem Verstand (allein) nicht erfassbar ist. Gleiches gilt für mich eben auch aufgrund eigener Erfahrung für die hier erwähnten östlichen Philosophien, Buddhismus, in meinem Fall Zen, und Daoismus. Wer sich ihnen nur auf Basis des Verstandes nähert, wird meiner Meinung nach niemals erfahren, was die Lehren wirklich beinhalten. (Gilt im Übrigen m.E. für jede spirituelle Erfahrung).
Jedenfalls kann es auf der Suche nach dem Wahren Willen wichtig sein, den "Willen" zu töten, wenn man es aus diesem von mir beschriebenen Aspekt heraus angeht bzw. betrachtet.
Auch, wenn man nicht nach höherer Erkenntnis strebt, kann das Wissen um die hier beschriebenen Prinzipien durchaus nützlich sein.
Und wenn es sich eben nur darum dreht, zu begreifen, warum man das, was man gerade händeringend sucht, eben ums Verrecken nicht finden kann...^^
Apropos absichtsloses Handeln, Wahrer Wille und Scherz des Universums, erinnert sich noch jemand, der den vorherigen Beitrag oder den als Initialzündung dienenden Tipharet-Artikel gelesen hat, an meine Schilderung über meine bewußte Abkehr vom Pfad des Zen und dem Buddhismus generell, weil ich damals nicht die Absicht hatte mein schönes Ego zu Gunsten Höherer Erkenntnis aufzugeben?
Tja, wer den Gag jetzt schon verstanden hat, darf nun ruhig lachen...
Mindestens ein Mord steht übrigens noch aus...
To be continue
Dafür muss ich allerdings etwas ausholen, also habt Geduld mit mir:
Karma, gerade im spirituellen Bereich ein oft gebrauchter, oft auch missdeuteter oder gar missbräuchlich genutzter Begriff, hat nichts mit Schicksal oder äußere Beurteilung eines Menschen und seiner Taten (wie z.B. durch das Jüngste Gericht) zu tun. Es ist also nicht mit (gerechtfertigter) Vergeltung von "Sünden" zu verwechseln.
Die Vorstellung beruht vielmehr auf dem Verständnis von Ursache und Wirkung, sowohl von Handlungen, als auch, und das wird häufig vergessen, von Gedanke und Gefühlen einer Person. Bei der Auswirkung spielt die Absicht eine sehr große Rolle, jedoch nicht, wie man vielleicht fälschlich annehmen könnte, dass gedankenlose, unabsichtliche, Taten ohne Auswirkung blieben - jede Handlung, jeder Gedanke, jedes Gefühl ordnet augenblicklich die Welt neu, weil ich, wie ich bereits in dem Tiphareth-Beitrag andeutete, die Meinung vertrete, alles stehe miteinander in Verbindung , da es sich um einen einzigen Organismus handelt - sondern vielmehr in dem Sinne, dass die dahinter stehende Grundhaltung des Einzelnen ausschlaggebend ist. Karma ist lediglich die logische Konsequenz unserer Handlungen und der Absicht, die ihnen zu Grunde liegt.
In der Ethik des Buddhismus kennt man dazu die Drei Geistesgifte, treffender als "Leid verursachenden Emotionen" bezeichnet:
- Gier (pali lobha, tib. 'dod chags), auch als Sucht oder Begierde übersetzt, ist das Haben- und Besitzenwollen, das Bestreben, auf jeden Fall und um jeden Preis zu existieren. Mit Gier verwandt sind die Leidenschaften, heftiges Begehren (raga) und "Durst" nach Werden (tanha). Erscheinungformen: Begierde, Machtgier, Sucht, Ruhmsucht, Habsucht, Trunksucht, Begierde nach den fünf Sinnesobjekten, Verlangen, Sehnsucht, Neigung, Zuneigung, Anhänglichkeit, Vorliebe, Verliebtheit.
- Heilsam (kosala) wirken Großzügigkeit und Mildtätigkeit (dāna).
- Hass (pali dosa, skt. dvesa), auch als Zorn übersetzt, ist die Selbstbehauptung eines illusionären Selbst den Mitwesen gegenüber. Erscheinungformen: Wut, Zorn, Rachsucht, Abscheu, Ärger, Übelwollen, Unwillen, Widersetzlichkeit, Abneigung, schlechte Laune, Widerwillen, Verdruß, Ressentiment.
- Heilsam wirkt Güte (metta).
- Verblendung (moha) und Unwissenheit (skt. avidya) sind weitestgehend deckungsgleiche Begriffe. Erscheinungsformen: Unwissenheit (von wesentlichen Dingen, z. B. den vier edlen Wahrheiten), falsche Ansichten, Fanatismus, Dünkel, Verwirrung, Stumpfsinn, Dummheit, Vorurteil, Dogmatismus.
- Heilsam und erstrebenswert ist dagegen Weisheit (pañña)
Daraus ergibt sich dann eben auch die Wirkung des Karma auf das Leiden durch Samsara oder die Reinkarnation
Genauso wenig wie der ständige Wandel von Werden und Vergehen, das damit verbundene Leiden, etwas mit Strafe für ein verfehlte Heilsziel, in dem Fall die Erlösung vom Leiden durch das "Erwachen"(Bodhi) zu tun hat, kann man durch äußere Einflüsse daraus befreit werden. Auch hier gilt, der Kreislauf ist keine Hölle aus der man durch ein "gottgefälliges" frommes Leben erlöst oder befreit wird.
Es gibt schlicht keine höhere Instanz, die straft oder belohnt.
Allein die Erlangung von eigener Erkenntnis über die Zusammenhänge (Dharma) des Seins führt zu einem Abstellen des Leidens.
Das heißt auch, dass man nicht durch willentliche "Anhäufung" postitivem Karmas seine Chancen verbessert, aus dem "Teufelskreis" auszubrechen.
Dabei ist es wichtig zu wissen, dass man nicht nur zwischen "Unheilsam" und der jeweiligen "Heilsamen" Ensprechung, beispielsweise Hass und Güte, unterscheidet, sondern auch versteht, dass es dort dann wiederum noch eine Trennung zwischen "Weltlich" und "Überweltlich" existiert. So befreit weltliche, also lediglich auf die Wirkung auf die (Um-)Welt bedachte, Güte nicht vom Leiden, erzeugt aber Karma, wohingegen Güte um ihrer Selbst Willen, über die Weltliche Wirkung hinaus, welches kein Karma erzeugt, das Leiden beendet.
Hinzuzufügen ist ebenfalls, dass das "Leiden" bzw. das Leben als "leidvoll" zu betrachten, im Buddhismus keinesfalls mit einer pessimistischen Grundhaltung zu verwechseln ist. Mit Weltschmerz, elendem Dasein oder Kummer hat dies wenig bis gar nichts zu tun. Leiden, Dukkha, bezeichnet lediglich den Kreislauf von Werden und Vergehen durch eine weltliche, sprich auf das Ego reduzierte Existenz.
Abstellen von Leiden durch das Erwachen (Bodhi) beendet diesen Kreislauf, nicht aber das Dasein.
Nirvana, das Verlöschen, ist ja auch kein jenseitiges Erleben, flutsch und weg, immerhin lebte und lehrte Buddha Gautama nach der Erlangung dieses Zustandes durch das Erwachen noch gut 40 Jahre. Danach verschwand er nach buddhistischem Selbstverständnis auch nicht im Nichts, sondern ging ein in eine höhere Existenzebene. (Von der Möglichkeit, Bodhi zu erlangen und trotzdem weiter freiwillig Samsara zu "erleiden", um aus reiner Liebe erst anderen auf dem Weg der Erleuchtung zu helfen, dem Bodhisattva, rede ich besser gar nicht...^^)
Wie bereits im vorangegangenen Artikel "Tod dem Buddha", auf den dieser hier die unmittelbare Fortsetzung darstellt, angesprochen, steht einem hier bisweilen die westliche geprägte Denkweise im Weg.
Mehr noch, es ist auch teilweise schwierig, die buddhistische Auffassung von der des Hinduismus zu unterscheiden, der zum Teil dieselben Begriffe in einem komplett anderen Kontext verwenden.
Das wird auch dadurch klar erkennbar, dass man im Hinduismus an eine unvergängliche Seele glaubt, die man "mitnimmt" in die nächste Reinkarnation, im Buddhismus jedoch gar keine Seele existiert (Stichwort: Anātman)!
Hinzu kommt, dass Buddha Gautama bei der Weitergabe seiner Erkenntnisse immer auf verschiedenste, an die geistigen und spirituellen Voraussetzungen seiner Zuhörer angepasste, Art und Weise lehrte. Das ist auch der Grund, warum es nicht den Buddhismus gibt, sondern eine Vielzahl von Schulen und Richtungen, die sich zum Teil erheblich in der Auslegung der Lehre unterscheiden.
(Ich beziehe mich in meinen Ausführungen bezüglich des Buddhismus hier fast immer auf die im Mahayana bzw. Zen praktizierten Interpretationen, denn nur damit habe ich mich beschäftigt und nur darin habe ich Praxis!)
Beides also, Karma wie auch das Abstellen des Leidens, das Ausbrechen aus dem Kreislauf der Wiedergeburt (besser spräche man in Hinblick auf die unterschiedliche Konzepte, um Missverständnissen vorzubeugen, von Punabbhava, Wieder-Existenz), liegt in der Selbstverantwortung jedes einzelnen Menschen durch Erlangung tieferer Erkenntnis und steht somit vollkommen kontär zur Prädestinationslehre.
Das Leiden kommt nicht von außen, sondern ist, wenn man so will, selbstzugefügt. Aufgabe des Menschen ist es, dies durch absichtslose, also nicht auf das Ego ausgerichteter Selbstbeobachtung zu erkennen und daraus die Konsequenzen für das persönliche Handeln zu ziehen und so die Ursache des Leidens zu beseitigen. Zuerst für sich selbst - Veränderung sollte immer von Innen nach Außen erfolgen! - und erst dann auch durch die veränderte Verhaltensweise für seine gesamte Umwelt, jedes Lebewesen.
Was ist aber diese Absichtslosigkeit, dieses Absichtsloses Handeln?
Wie bereits gesagt, hat das nichts mit Fatalismus oder Gedankenlosigkeit zu tun. Vielmehr handelt es sich dabei um das Handeln ohne die, oben angeführten, "Drei Geistesgifte".
In unsere, westliche, Auffassung übertragen könnte man es mit Selbstlosigkeit übersetzen, jedoch auch hier lauert die Gefahr, den Begriff unterbewusst durch unseren kulturellen Kontext zu missdeuten. Mit Altruismus in seiner negativ behafteten Deutung, nämlich der völligen Aufopferung des Selbst, gemeinhin als "Selbstaufgabe" bekannt, hat Absichtsloses Handeln meiner bescheidenen Meinung absolut nichts zu tun.
Zwar trifft der Begriff "Opferung" den Kern der Sache ziemlich genau, in dem Sinne, dass man sein Ego beseite schiebt, und die Motivation für seine Handeln ständig daraufhin überprüfen sollte, ob sich dahinter nicht doch eigennützige Interessen verbergen, jedoch kann auch schon diese Art der Selbstopferung eben durch die Harangehensweise mit "leidverursachenden Emotionen" behaftet sein, wenn sie aus den falschen Gründen erfolgt oder man, wie häufig zu beobachten, Ego und Selbst nicht zu unterscheiden mag. Besser wäre es daher von Ich-Opferung zu sprechen.
(wobei beides nach buddhistischem Verständnis sowieso eine Täuschung ist bzw. eine temporäre Erscheinungsform der Skandhas. Aber belassen wir es einstweilen bei den Begriffen - Mehr dazu in der Fortsetzung...)
Wie ich bereits mehrfach in unterschiedlichsten Kontexten erklärt habe, ist die Psyche eines Menschen sehr vielschichtig und gerade das Unterbewusstsein neigt dazu, uns an der Nase herum zu führen, so lange wir es nicht "zu packen kriegen". Viele Menschen, und da nehme ich mich bestimmt nicht aus, neigen dazu, sich selbst etwas über ihre Absichten und Motivationen in die Tasche zu lügen.
Das liegt eben auch daran, dass sich eben im Unterbewußtsein sehr viele alte Verletzungen, Vorurteile, schlechte Erfahrungen manifestieren, ohne dass man sich dessen bewußt sein mag. Man gibt vor, etwas aus Uneigenützigkeit zu tun, ist davon möglicherweise sogar fest überzeugt, allerdings verbergen sich dahinter eben dann doch höchst egoistische Beweggründe, die "Geistesgifte", resultierend eben aus diesen unterbewußten "Schatten".
Das kann soweit gehen, dass einem das Unterbewusstsein sogar vorgaukelt, beim Ego handele es sich um das Selbst.
Aber allein schon, mit seinem Handeln ein bestimmtes Ziel verfolgen zu wollen, also etwas bestimmtes zu begehren, führt weg vom absichtslosen Handeln.
Sich dessen bewußt zu werden, wäre also der erste Schritt zum absichtlosen Handeln.
Um zu verstehen, was dieses Handeln ohne Absicht nun wirklich ist, hilft es, sich etwas mit Daoismus zu beschäftigen, der bei der Entstehung des Zen maßgeblichen Einfluss hatte. Dort gibt es den Begriff des WuWei, des Handelns durch Nicht-Handeln.
Um das zu verstehen, muss man Begreifen, dass das Dao Alles und Nichts ist, Existenz und Nicht-Existens, im Grunde unser gesamter Kosmos. Die ein wenig abgedroschne Phrase "Der Weg ist das Ziel!" ist Dao, denn es ist eben von der Bedeutung her beides in einem, Weg und Ziel zugleich. (Tipp: Einfach mal bei dem vielzitierten Satz die Artikel weglassen!)
Handeln durch Nicht-Handeln bedeutet also nicht, sich in etwas fügen, die Hände in die Taschen schieben und warten, dass "ES" vorübergeht, sondern nicht gegen das Dao zu arbeiten, sondern mit ihm.
Um zu verdeutlichen, was damit gemeint ist, versuche ich es mit einem Beispiel:
Man steht in einer Großstadt an einer stark befahrenen, vielleicht vierspurigen Straße und möchte auf die andere Seite.
Nun hat man mehrere Möglichkeiten:
Man kann warten, bis die Straße völlig frei ist. (Optimist!^^)
Man kann sich die nächste Fussgängerampel suchen, was durchaus vernünfig wäre.
Man kann aber auch erst einmal schauen, nach welchen Gesätzmäßigkeiten der Verkehr fließt (und diese Gesätzmäßigkeiten gibt es!) und dann losgehen.
Wenn ein Auto kommt bleibt man kurz stehen oder passt seine Schrittgeschwindigkeit an, bis es vorüber ist und geht weiter, Stück um Stück, den fließenden Verkehr immer im Auge behaltend.
Man darf nur nicht den Fehler machen, sich dem Kopf, dem Verstand, auszuliefern, der einem vielleicht sagt: "He, das ist bekloppt! Kein vernünftiger Mensch macht, was du da machst. - Wenn du dich in der Geschwindigkeit verschätzt, dann erwischen sie dich! - Nicht jetzt gehen, stopp! - Da kommt einer, da, da ist wieder einer! - Boah, guck dir mal an, was auf der anderen Spur los ist, da kommst du nie rüber, selbst, wenn du es bis dahin schaffst....!", oder einfach nur das Ziel im Augen haben und blindlings losgehen, sondern schlicht intuitiv auf das reagieren, was gerade passiert. Man wird dabei merken, dass durch dieses Handeln weder der Verkehr stockt, noch man selbst ins Stocken gerät.
Das funktioniert!
(Liebe Kinder, ich muss jetzt nicht sagen, dass die olle Krähe schon ein paar Jahre Erfahrung auf dem Buckel hat und man die auch braucht, um zu wissen, wann man sich im "Flow" befindet und wann man solcherlei Handlungen besser verkneift, oder?)
Das ist Wuwei, das ist leben im Dao, das ist Zen!
Wenn ich mir ein Ziel setze, dann setze ich nicht alles daran, dieses gegen alle Widerstände durchzuboxen, sondern ich beginne einfach mit einem Schritt, und dieser erste Schritt ist das Ziel, dann kommt die nächste Etappe und so fort und ich nutze jeweils das, was auf den einen Schritt an Reaktion, Resonanz erfolgt, orientiere mich daran, nutze es, um weiter zu machen. Das muss mich nicht auf geradem Weg zum Ergebnis führen, subjektiv gesehen, mag es mich auch aufhalten oder mich Zeit kosten, aber im großen Ganzen betrachtet, komme ich damit wesentlich erfolgreicher, schneller, weil mit weniger Rückschlägen und verlustfreier für mich und alles andere (Mitmenschen, Umwelt, Kosmos) voran, als dass ich versuche, durchzubrechen und dabei vielleicht mehr Schaden verursache, als Nutzen. Ich arbeite nicht gegen etwas (das Prinzip), sondern mit dem, was ich vorfinde. Ich biete keinen Widerstand! Kein "Das muss aber jetzt klappen!" Ich mache einfach, und sehe was dabei herauskommt.
Ein besseres Beispiel, welches mir zur Veranschaulichung einfiele wäre noch, wenn man sich den Weg durch einen Dschungel bahnen müsste, weil man auf die andere Seite gelangen möchte. Man kann sich dann natürlich eine Machete schnappen und sich den Weg frei schlagen. Man kann aber auch erst einmal schauen, ob sich nicht auch natürliche Schneisen finden lassen, wie zum Beispiel ein Bach oder Fluss, der sich durch den Urwald schlängelt, und dann an dessen Ufer entlang gehen. Das bedarf zwar etwas Zeit, mag auch nicht auf geradem Weg zum Ziel führen, aber ich nutze damit natürliche Pfade, die bereits vorhanden sind ohne etwas willentlich zu zerstören.
Auch beim Aikidō finde ich, mehr noch als beim oft angeführten, weil systeminhärenten, Tàijíquán, Wuwei. Der Verteidiger nutzt die vorhandene Energie des Angreifers um ihn angriffsunfähig zu machen. Dabei ist er nicht der Aktive, sondern reagiert lediglich intuitiv auf das, was ihm der Angreifende zur Verfügung stellt.
Aikidō ist meiner Meinung nach nicht nur wegen seines Defensiv-Charakters eine sehr schönes Beispiel, sondern auch, weil es weder Gewichtsklassen noch eine Trennung nach Geschlechtern und auch, traditionell, keine Wettkämpfe kennt. Zwar wurde von verschiedenen Schulen immer wieder versucht, solche Wettkämpfe zu initieren, um die Umsetzung unter realen Situationen zu üben und zu gewährleisten, allerdings genügte bisher keines der dafür herangezogenen System der eigentlichen Philosophie, welche dem Aikidō zu Grunde liegt. Allein schon, dass es dabei um Sieger und Verlierer(Besiegten) gehen müsste, widerspricht dem nicht-dualistischen Denken.
Einen sehr schönen Text, der sich mit dieser Problematik auseinandersetzt, findet man hier.
Was hat das alles aber mit der Überschrift "Töte den Willen" zu tun?
Und wieso rede ich als Thelemit hier davon, den Willen zu töten, wo Thelema doch nichts anderes heißt als "Willen"?
Weil es sich dabei eben um zwei Arten Willen handelt, weshalb dieses Thema hier ( und für mich persönlich) auch so viel Raum einnimmt. Das ist auch der Grund, weshalb ich bei dieser Thematik, wie bei allen "Tötungsdelikten" so großen Bezug auf Buddhismus bzw. Daoismus nehme.
Ich denke, viele Probleme, viele Missstimmungen und Niederlagen beruhen eben darauf, dass Menschen mit falschen Vorstellungen an ihre Pläne, Vorhaben, um nicht zu sagen, ihr Leben herangehen.
Sie wollen glücklich sein, sie wollen geliebt werden, sie wollen anerkannt werden.
Die Aufzählung könnte beliebig erweitert werden.
Meiner Meinung nach erliegt man dabei aber dann dem fatalen Fehler, sich gegen die Welt zu stellen, eben in dem Sinne, dass man nicht das Vorhandene nutzt, sondern etwas aus dem Nichts heraus erzwingen will. Sie sehen sich dabei als "Einzelne" in der Menge anderer "Einzelner".
Individualismus ist zwar existenziell wichtig, was ich ja bereits hier einmal beschrieben habe, aber auch ein Individuum ist allein kaum lebensfähig.
Willen im oben beschriebenen weltlich ausgerichteten Kontext, also die Begierde allein, mag das Ego befriedigen, aber er stößt dort auf seine Grenzen, wo es gilt, sich mit der Außenwelt, anderen Individuen, zu vereinen. Das Ego will nicht teilen, es will herrschen. Es ist in erster Linie auf die Befriedigung der eigenen Gelüste ausgelegt. Diese Gelüste jedoch erzeugen eben ein Ungleichgewicht im Makrokosmos (Umwelt), das wiederum seinen Niederschlag im Mikrokosmos(Mensch) findet, sei es Enttäuschung, Verbitterung, Hass oder Aufgabe.
Dieser egobezogene, weltlich ausgerichtete, Wille erwünscht sich eine Reaktion, z.B. eine Liebesbezeugung oder Anerkennung, vielleicht sogar den Weltfrieden (siehe Geistesgift Nummero Uno), dies ist das begehrte Ergebnis, allein dies steht der Umsetzung aufgrund falscher Vorraussetzungen oder Annahmen (Geistesgift 3) im Weg und so wird seine Realisierung erschwert oder unmöglich gemacht, weshalb man dabei auf Widerstände trifft (und deshalb Geistesgift Nr. 2 hervorruft).
Jeder, der schon mal einen Gegenstand verlegt hat, dürfte es kennen:
Man sucht und sucht, will dieses Ding unter allen Umständen finden, aber die Suche bleibt erfolglos. Zum Haareraufen! Wenn man dann endlich die Suche irgendwann wütend oder entnervt aufgibt und sich möglicherweise zähneknirschend ein neues "Ding" kauft, dann fällt einem das Gesuchte plötzlich vor die Füße!
Was wie ein Scherz des Universums anmutet, ist lediglich, so bescheuert sich auch anhört, die praktische Auswirkung auf ein Handeln gegen das gesetzmäßige Prinzip (Dao).
Das ist das im Buddhismus als "Weltlich" definierte Wirken. Die absichtliche Handlung.
Anders sieht es mit dem im Thelema oft benutzten Terminus des "Wahren Willen" aus.
Dabei handelt es sich eben, so denke ich, um diese, nach buddhistischer Definition "Überweltliche" Art des Wirkens, die sich durch absichtslose Handlung manifestiert. Dies ist auch für mich der Kern hinter der Aussage dieses Satzes aus dem Liber Al vel Legis:
"For pure will, unassuaged of purpose, delivered from the lust of result, is every way perfect." AL I, 44
Übersetzt etwa "Denn reiner Wille, unbefleckt von Zweck, erlöst vom Gelüst nach Ergebnis, ist in jeder Weise vollkommen. "
Nicht das Ego, sondern das Selbst ist hier die treibende Kraft. Dieses aber kennt keine Eitelkeit, keine Begierde, keinen Hass, keine Beschränkung. Es ist und damit ist es Dao.
Ich weiß, es nervt langsam, aber anders kann ich es eben nicht in Worte fassen. Alles-Nichts wäre dem Verständnis noch weniger hilfreich. Einzig Ensō könnte versinnbildlichen, was ich meine.
"Enso - Calligraphy by Kanjuro Shibata XX"
Aber ich könnte jetzt nicht sagen, was man da erkennen sollte oder gar müsste. Entweder es macht *klick* oder eben nicht.
Dafür ist es übrigens vollkommen unwichtig, ob man nun dem Gesetz Thelemas, dem Daoismus, Buddhismus oder ähnlichen Philosophien folgt oder noch nie etwas von alldem gehört hat...
Jedenfalls ist hier eben wieder der Punkt erreicht, wo die Sprache an die Grenzen ihrer Ausdrucksmöglichkeiten für das Erlebbare, Fühlbare, für die Erkenntnis, stößt.
Intellektuell kann man das nicht erklären, sowie es, meiner Erfahrung nach, auch mit dem Verstand (allein) nicht erfassbar ist. Gleiches gilt für mich eben auch aufgrund eigener Erfahrung für die hier erwähnten östlichen Philosophien, Buddhismus, in meinem Fall Zen, und Daoismus. Wer sich ihnen nur auf Basis des Verstandes nähert, wird meiner Meinung nach niemals erfahren, was die Lehren wirklich beinhalten. (Gilt im Übrigen m.E. für jede spirituelle Erfahrung).
Jedenfalls kann es auf der Suche nach dem Wahren Willen wichtig sein, den "Willen" zu töten, wenn man es aus diesem von mir beschriebenen Aspekt heraus angeht bzw. betrachtet.
Auch, wenn man nicht nach höherer Erkenntnis strebt, kann das Wissen um die hier beschriebenen Prinzipien durchaus nützlich sein.
Und wenn es sich eben nur darum dreht, zu begreifen, warum man das, was man gerade händeringend sucht, eben ums Verrecken nicht finden kann...^^
Apropos absichtsloses Handeln, Wahrer Wille und Scherz des Universums, erinnert sich noch jemand, der den vorherigen Beitrag oder den als Initialzündung dienenden Tipharet-Artikel gelesen hat, an meine Schilderung über meine bewußte Abkehr vom Pfad des Zen und dem Buddhismus generell, weil ich damals nicht die Absicht hatte mein schönes Ego zu Gunsten Höherer Erkenntnis aufzugeben?
Tja, wer den Gag jetzt schon verstanden hat, darf nun ruhig lachen...
Mindestens ein Mord steht übrigens noch aus...
To be continue
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