"Bildung ist wichtig, vor allem wenn es gilt, Vorurteile abzubauen.
Wenn man schon ein Gefangener seines eigenen Geistes ist, kann man wenigstens dafür sorgen, daß die Zelle anständig möbliert ist.
"
Peter Ustinov
„Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.“

Benjamin Franklin


Montag, 13. Oktober 2008

Volksdefinition??? (Nachtrag zum "Kümmeltürken")

Weil ich gerade irgendwo gelesen habe, man könne angeblich die Volkszugehörigkeit instinktiv beim Gegenüber anhand von Äußerlichkeiten (Haltung, Auftreten, Gehabe etc.) feststellen:

Meinem Vater ist es schon des öfteren passiert, dass ihn Südländer, speziell aus dem moslemischen Ländern, Türken, Marokkaner, Tunesiern zum Beispiel, als einer der ihren identifizierten und ihn dann in ihrer Muttersprache anredeten.

Und das nicht nur hier in Deutschland, sondern auch in den entsprechenden Heimatländern!

Und auch was das Wesen betrifft, also die Mentalität, kann man sich nicht sicher sein.
Mein Vater jedenfalls hatte nie irgendwelche Anpassungsschwierigkeiten in Ländern des Nahen Ostens oder Nordafrikas, weder mental noch kulturell. (Eigentlich hat er nirgends ein Anpassungsproblem!!!)

Er genoss zum Beispiel die Souks, das Treiben dort, die klaustrophobische Enge und besonders das Feilschen, wobei dabei eher das Problem ist, dass er dies auch in Deutschland nicht unterlassen kann.
Auch hatte er keinerlei Berührungsängste sich von Einheimischen nach Hause zum Tee einladen zu lassen.
(Er spricht so eine Art internationales Kauderwelsch, mit dem er es schafft, überall auf der Welt erfolgreich zu kommunizieren. Ich weiß auch nicht wie das funktioniert, aber während unsereiner noch dabei ist einen grammatikalisch korrekten Satz auf englisch zu formulieren, hat er das Gespräch bereits in seinem, ihm eigenen Pidgin in Gang gebracht, inklusive Verbrüderung und Austausch von Familienfotos, und man steht nur daneben und guckt blöd in die Gegend...
Man sollte ihn also eigentlich immer dabei haben, wenn man sich irgendwo am Ende der Welt, in einem Land dessen Sprache man nicht beherrscht, total verfranzt hat und weit und breit keiner auch nur ein Wörtchen englisch spricht!)


So einfach scheint es also nicht zu sein, jemanden als Angehörigen einer bestimmten Volksgruppe zu identifizieren.

Ich denke, es ist gut zu wissen, wo man seine Wurzeln hat und es spricht auch nichts dagegen sich einem Volk zugehörig zu fühlen. Das gehört meiner Meinung nach zur Selbstfindung entscheidend dazu!

Allerdings sollte man es tunlichst vermeiden, dieser Idee von "Volk" zuviel Bedeutung beizumessen!
Damit pisst man sich nur selbst ans Bein, denn wie man sieht, sagt die Abstammung und räumliche Herkunft nur sehr wenig über den Charakter, die Mentalität und die kulturelle Anpassungsfähigkeit aus.

Mein Vater bei einem beruflichbedingten Aufenthalt in Istanbul
(Der Fez sollte eigentlich nur ein Gag sein, aber er hat ihn dann doch tatsächlich gekauft und hätte ihn auch weiter getragen, wenn das Tragen dieser Kopfbedeckunng nicht seit 1925 in der Türkei bei Strafe verboten wäre.)

Kommentare:

  1. Also was soll ich sagen... Also da bin ich platt...Das was dein alter Herr da hat ist eine Gabe, die man eigentlich der ganzen Menschheit wünscht.

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  2. Hallo, sehr guter Artikel! Ich finde auch, dass die Grenzen doch von der Menschheit selber erschaffen worden sind, um ein "Volk" zu einen. So ein Gedanke ist immer sehr gefährlich. Wir sind doch alles Menschen, wir alle haben dieselben Ängste und Vorstellungen von Glück.

    Liebe Grüsse
    Nimue

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  3. Ich weiß, darum bewundere ich ihn auch. Allein schon um die Chuzpe, alle Sprachfetzen, die er so aufgeschnappt hat, zu vermischen und um seine Art auf Menschen zu zugehen. Ich bin wirklich kein schüchtern-introvertierter Mensch, aber sooo nu auch wieder nicht.... ;-)


    Nur damit kein Irrtum aufkommt, mein Vater ist kein Multikulti-Spinner. Er ist tief verwurzelt in seinem Geburtsort und dem Rheinland. Er hat in seinem Leben mehrere tolle Jobangebote nach Südamerika und eins sogar in die Schweiz inklusive Auswanderung und allem drum- und dran bekommen, aber er wollte nie wirklich von hier weg.

    Er nimmt bloß "das Fremde" eben nicht als fremd oder bedrohlich war...sondern offen und mit Neugier.

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  4. Hallo,

    Dein Vater ist mir so, wie Du ihn beschreibst sehr sympathisch.
    Wenn es mehr Menschen gäbe, die zwar einerseits in ihrer Heimat verwurzelt sind, andererseits aber offen gegenüber Menschen anderer Herkunft sind, sähe hier manches besser aus.


    Liebe Grüße,
    Astraryllis.

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