"Bildung ist wichtig, vor allem wenn es gilt, Vorurteile abzubauen.
Wenn man schon ein Gefangener seines eigenen Geistes ist, kann man wenigstens dafür sorgen, daß die Zelle anständig möbliert ist.
"
Peter Ustinov
„Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.“

Benjamin Franklin


Montag, 10. November 2008

Wahrnehmung und Wahrheit

Wahrnehmung ist relativ und subjektiv.

Nur vergesse ich das bisweilen und stehe dann fassungslos vor Aussagen einiger Zeitgenossen.

Wie zum Beispiel, wenn da jemand vollmundig bekundet, er möge keine Lügen, er hasse sie sogar, und dabei nach meiner persönlichen Erfahrung (und nicht nur meiner!) selber einen Haufen Lügen in die Welt gesetzt hat, um sich Menschen gewogen zu machen oder sie in seinem Sinne zu manipulieren.
Wenn man es genau nimmt, enttarnen die Taten die hohen Ideale schon wieder dreist als Lüge.

Andere geben sich sozial oder politisch engagiert, obwohl man die Motivation vielleicht eher in purem egoistischem Ringen um Lob und Anerkennung suchen müsste.

Oder wenn da jemand ständig aus sehr klaren, für mich eigentlich unmissverständlichen Worten, Aussagen an den Haaren herbeizieht, die überhaupt nichts mit dem Gesagten zu tun haben, ja, nicht einmal mehr mit „zwischen den Zeilen lesen“ zu erklären sind.

Und wenn ich leise knurrend den Restmüll aus dem Eimer zerre, um ihn runter zu bringen, dann hat das wenig mit Subtext zu tun, sondern eher mit der Notwendigkeit zur regelmäßigen Müllentsorgung und dem Umstand, dass ich jemandem schon drei Mal erfolglos gesagt habe, er möge sich bitte darum kümmern.

Und dann gibt es noch Menschen, die einfach klare Ansagen völlig ausblenden, wenn sie nicht in die eigene Realität passen wollen.

Wie gesagt, so was macht mich immer etwas sprachlos, bis ich mich wieder daran erinnere, dass Wahrnehmung eben ihrem Sinn nach „was man als wahr für sich annimmt“ bedeutet.

Da kann dann schon ein eklatanter Unterschied zwischen wirklichem Sachverhalt und der Wahrnehmung desselben bestehen.

Da kann sich dann durchaus ein Lügner für einen Kämpfer für die Wahrheit halten, ein Egoist für einen selbstlosen Menschen, ein „An-den-Haaren-Herbeizieher“ für einen brillanten Analytiker und ein Realitätsautist wird, denke ich, nie wirklich darauf kommen, warum alle anderen von ihm nur noch angenervt sind und jeden Kontakt meiden, wie der Teufel das Weihwasser.

Was mich bei solchen Extrembeispielen nur ankotzt ist, dass ich mir immer Mühe gebe, einen Sachverhalt aus allen möglichen Perspektiven zu betrachten, um mir dann irgendwann ein Urteil zu erlauben.
Aber ich darf eben nicht davon ausgehen, dass dies auch alle anderen Menschen tun.
Denn dies ist eher die Ausnahmen als die Regel. Eben meine Art, etwas für wahr anzunehmen.

Wahrnehmung ist und bleibt eben zutiefst subjektiv und Wahrheit kann nur jeder für sich bestimmen oder gar finden. Und letztere ist eben niemals übertragbar.

Damit muss ich leben und ehrlich gesagt, so langsam ist mir das Verhalten meiner Mitmenschen auch egal.
Es tangiert mich kaum noch und wenn, dann nur noch peripher.
Die Alternative wäre auf eine einsame Insel zu ziehen, allerdings werden die in der heutigen Zeit auch langsam knapp.

Kommentare:

  1. Wenn ich das so lese, dann wirkt es auf mich, als hättest Du an meiner Uni studiert.
    Es wirkt aber auch so auf mich, als würdest Du glauben, dass Du nicht eine Hohepriesterin (II) bist, sondern eine I, also der Magier. Zumindest hast Du meiner Ansicht nach diesen Anspruch an Dich.
    Die Rolle einer Hohepriesterin sehe ich eher in einer beobachtenden und dokumentierenden Rolle und im Weitermelden an Die (jeweilige) höchste Stelle. Nenn' es meinetwegen Gebet. Du verlangst von Dir Dinge, die Du auch gar nicht musst.

    Das waren so meine Gedanken beim Lesen dieses Eintrags.
    Astraryllis.

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  2. Erwischt!
    Einer meiner wunden Punkte ist, dass ich immer einen sehr hohen Anspruch an mich selbst stelle. ;-)

    Meine Lebenskarte ist übrigens eigentlich die Gerechtigkeit (VIII). (wenn ich mir das vor Augen halte, erklärt mir das manche meiner Probleme mit der Welt)

    Um noch mal auf "What Tarot Card Are You?" zurück zu kommen, hat mich dies dazu gebracht, seit Monaten das erste Mal wieder mein Tarot zur Hand zu nehmen.
    Der Spiegel (die Karte, die man ständig zieht, die eine, die sich auch immer ständig aus dem Stapel mogelt, war früher immer die "Königin der Stäbe" jetzt war es erstaunlicher Weise "der Gehängte" (eigentlich läuft mir die Karte schon länger hinterher)...und meine Karte für die Zeit jetzt "Der Eremit"

    Manchmal bekommt man Antworten, ohne eine Frage definiert zu haben...

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  3. Ich WUSSTE früher, dass meine Karte die II ("Hohepriesterin") war und auch die XXI ("Die Welt").
    Im Moment nehme ich einfach mal den "Tod".

    Ich habe einen Bilderrahmen in meinem Zimmer stehen. Da kommt immer eine Tarotkarte rein ( - ich besitze zwei vollständige Kartensätze - ). Diese Karte soll mir möglichst oft vor Augen kommen, damit ich nicht vergesse, was für mich gerade besonders wichtig ist. Das ist so eine Art "Selbstprogrammierung".
    Im Moment habe ich die "II der Stäbe" drin. Ich mag nicht nur die große Arkana, sondern ARBEITE (!) auch gerne mit der Kleinen.

    Liebe Grüße,
    Astraryllis

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