"Bildung ist wichtig, vor allem wenn es gilt, Vorurteile abzubauen.
Wenn man schon ein Gefangener seines eigenen Geistes ist, kann man wenigstens dafür sorgen, daß die Zelle anständig möbliert ist.
"
Peter Ustinov
„Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.“

Benjamin Franklin


Mittwoch, 13. Januar 2010

Individualismus ade?

Bei meiner Blogrunde stieß ich vor längerer Zeit (Anfang Dezember) zuerst auf ein sehr treffendes Youtube-Video auf esoterikwatch.org, in dem Georg Schramm sehr treffende Worte findet zur Brenner-Koch-Affaire, dem Westentaschen-Berlusconi Roland Koch und einigen anderen Schmankerl.
Ich habe wirklich lange gebraucht, bis ich dieses sardonische Lächeln wieder los wurde...

Danach fand ich bei Follow the white Rabbit einen Beitrag, der sich ebenfalls mit dem Rauswurf von Nikolaus Brenner befasst, allerdings in einem etwas anderen Zusammenhang.

Und nun können alle Leser, die in Erwartung eines weiteren meiner "politischen" Beiträge schon wieder entnervt das Weite suchen wollten, sich entspannt zurücklehnen.
Denn um Politik soll es hier nicht gehen.

Vielmehr stelle ich mir in Hinblick auf die Gegenüberstellung der zwei Fälle von Misfit, die scheinbar keinen Zusammenhang haben, die Frage, in wie weit wir heute schon auf dem Weg hin zu einer albtraumhaften Welt sind, in der Individualität und Selbstbestimmung zu Gunsten einer konformistischen Einstellung und bloßem Kollektivismus einfach abgeschafft wurde?

Denn da werden wir landen, wenn weiterhin Menschen, die sich nicht in eine Schablone pressen lassen wollen, die ihrer Linie treu bleiben, die sich nicht dem Verhalten, der Meinung und Lebensgewohnheit der Mehrheit unterwerfen, die sich nicht den sogenannten Autoritäten beugen, einfach ins Aus geschossen werden, sei es, dass man böse Vermutungen über ihren Seelenzustand oder ihre Lebensgewohnheiten anstellt, oder wie im Fall Brenners, sie einfach aus exponierten Stellen entfernt.

Wer bestimmt denn, was die Norm ist, was als normal gelten darf, was angemessenen Verhalten betrifft?
Doch wohl immer eine irgendwie definierte Mehrheit.
Dabei kann die Norm, also das, was als normal angesehen wird, sehr starken Schwankungen unterworfen sein, je nachdem, wie die Mehrheit des kulturellen und sozialen Umfeldes, in dem man sich gerade bewegt, beschaffen ist.
Im sozial definierten Kleinbürgertums mag es als normal gelten, mindestens einmal im Jahr in Urlaub zu fahren, mindestens ein Auto und ein nicht abbezahltes Eigenheim zu besitzen, verheiratet zu sein und durchschnittlich 2,5 Kinder zu haben, sich abends mit einem Bierchen und Salzstangen vor den Fernseher zu parken und nicht weiter aufzufallen.

Wenn ich Freitagsabends bei uns zum Kaufland (oder wie es meine Tochter immer lakonisch nennt, in die "Twightlightzone") gehe, dann ist es so, dass sich dort hauptsächlich, die Haute volet des Präkariats bei ihrem Äquivalent der kleinbürgerlichen Phantasialandausflugs mit ihrem gesamten Anhang (Papa, unrasiert im ballonseidenen Jogginganzug oder in Schnellfickerhose, Oma, Mutter, Kinder und Kindeskinder, wobei die Altersdifferenz der Generationen bei durchschnittlich 14 Jahre liegt), viele, grölende und sich in archaischen Lauten artikulierenden Teenies (in der einen Hand 'ne Pulle Wodka und Cola in der anderen Hand zwei Pullen Palmero ,Wochenend-Event-Must-have anscheinend), und andere, merkwürdige Gestalten (einschließlich Mama Krähe nebst Tochter, soviel Selbsterkenntnis sollte schon sein!) eingefunden haben.
Also dürfte diese Masse dort eben als Norm gelten. Sie nehmen einander auch ganz bestimmt als völlig normal wahr, wenn überhaupt. Für mich hingegen sind solche Erfahrungen, rein subjektiv, vergleichbar mit einem Zoobesuch und ich bin ehrlich immer froh, wenn ich da wieder raus bin.

Für mich sind eben ganz andere Verhaltensweisen und ein ganz anderer anderer Habitus "normal".
Wobei, und das meine ich ganz ehrlich, ich es vorziehe, wenn jemand authentisch rüberkommt. Ich habe nämlich über die Jahre und die Erfahrungen, die ich gemacht habe, gelernt, dass nicht wirklich zählt, was ich persönlich als Normalität betrachte. Klar, es erleichtert den "Erstkontakt" und das soziale Miteinander für mich und eigentlich für jedermann, wenn der Gegenüber derselben Norm zu folgen scheint.

Aber, gerade was Äußerlichkeiten betrifft, und, da kann man noch so beteuern, das die eben nicht wichtig sind, wenn ich jemanden sehe, dann nehme ich ihn eben erst einmal visuell wahr und "innere Werte" kann man nun eben nicht von außen erkennen, kann man sich ziemlich schnell täuschen lassen.
Nur, weil jemand meinem persönlichen Klamottengeschmack trifft, heißt das nicht, dass er auch so tickt wie ich, und wenn jemand sich in meinen Augen total bescheuert kleidet, heißt das ebenso wenig, dass er auch bescheuert ist.
Erstens kann man ja über Geschmack bekanntlich streiten, zweitens, kann gerade die Wahl der Kleidung vielerlei Gründe haben. Wer bin ich also, wenn ich von der äußerlichen Erscheinung einfach so Rückschlüsse auf die Person selbst ziehen würde? Tu' ich natürlich schon, wie alle, binnen einem Bruchteil einer Minute fälle ich ein Urteil. Aber glücklicherweise ist der Mensch ja zum Denken fähig. Also landet mein Urteil auch gleich dort, wohin es gehört, Ablage Rundordner.

Bedenklich wird es in meinen Augen, wenn Verhaltensweisen, Lebensstil und Aussagen von Personen ausschließlich an der eigenen Norm gemessen werden. Wie man an dem Beispiel des Jungen in Misfits Beitrag sehr schön sehen kann, kann das Anlegen des eigenen Maßes, hier von Seiten des Lehrers, sogar eine Existenz gefährden, sogar zerstören. Was spontane Fehlurteile anrichten können, wenn sie nicht durch nähere Betrachtung und objektiver Beurteilung relativiert werden, kann sich jeder denken.
Eine alleinerziehende Frau, welche mehrere Kinder von unterschiedlichen Partnern hat, wird sehr schnell als Schlampe abgestempelt, erst recht, wenn sie zudem auf die Norm "monogame Beziehung" verzichtet. Keiner fragt da noch lange nach ihren Beweggründen.
Ein alleinstehender Mann, der, statt Kinder ständig vom Rasen zu jagen, und wegen jedem Mist anzumaulen, sich lieber mit ihnen unterhält oder vielleicht sogar mitspielt, kriegt schnell das Etikett "Kinderschänder" angehängt. Die Gefahr läuft allerdings auch ein Vater, der, völlig ohne Hintergedanken, mit seinen Kindern zusammen badet. Ich will nicht wissen, wie viele Kindergärtnerinnen bei Erzählungen ihrer "Schützlinge" über solche Verhaltensweisen in Familien schon misstrauisch geworden sind und das Jugendamt informiert haben.

Ich kenne z.B. eine Familie, welche geschlossen Anhänger des Nudismus sind. Da kann es schon einmal passieren, dass der Herr des Hauses völlig unbekleidet die Haustür öffnet. Nicht, weil er Exibitionist wäre, sondern weil die ganze Familie zu Hause, sofern es die Temperaturen zulassen, nackt herumläuft und somit die Nacktheit völlig als normal empfunden wird. Da passiert es schon mal, dass man vergisst, sich ein Handtuch über zu verwerfen, wenn es klingelt.
Das mag für den einen oder anderen zwar ziemlich strange sein, aber "unnormal"?

Besonders dramatisch können für Betroffene solche pauschal getroffene Bewertungen eben werden, wenn sie aus berufenem Munde, "professionellem" Quellen, stammen, wie sie ja nach Ansicht der breiten Öffentlichkeit eben Lehrer, Psychologen, Sozialpädagogen, Ärzten usw. darstellen.

Diese unterliegen aber trotz ihrer Ausbildung auch noch gewissen Einflüssen ihres Umfeldes und sind somit genauso wenig frei von persönlichen Ressentiments.

Ein Sozialpädagoge, beispielsweise, der Tag täglich nur mit rudimäntardeutsch sprechenden Gangstas aus sozialen Brennpunkten zu tun hat, wird da schon einmal, wenn er dann auf einen sich verbal korrekt ausdrückenden Jugendlichen trifft, der zu allem Überfluss auch noch Aussagen wie "Ich bin anders, und das ist auch gut so!" und "Ich habe festgestellt, dass ich auf eine andere Weise denke, als meine Altersgenosse!" und dann noch bekundet, dass er sich statt der Störungen im Unterricht eben von Seiten der Gangsta-Fraktion lieber Ruhe wünsche, weil er sich andernfalls nur schwer konzentrieren könne, nicht, wie eigentlich zu erwarten, vor Freude in die Luft springen, sondern vermuten, dass der Junge an einer tiefgreifende Entwicklungsstörung, wie Autismus leiden könnte.

Jemand, der sich gegenüber einem Psychologen zu dem Bekenntnis verleiten lässt, dass er mit unsichtbaren Wesenheiten oder gar Göttern kommuniziert, gar in andere Welten reist und dort interagiert und Botschaften erhält, darf sich nicht wundern, wenn er mit der Diagnose "Paranoide Schizophrenie" und einem Rezept für Neuroleptika nach Hause geht (wenn er nicht gleich in die Geschlossene eingeliefert wird), wenn diesem ein solches Denken völlig fremd ist.

Die Liste der Beispiel ließe sich beliebig erweitern.

Wer nicht mit den Wölfen heult, wer sein Ding durchzieht, wird auf die eine oder andere Art immer mit der sogenannten Norm konfrontiert und an ihr gemessen werden. Fakt ist, dass jeder Verhaltensweisen aufweist, die für einen anderen im besten Fall skurril, im schlimmsten jedoch inakzeptabel sind.

Im Grunde ist jeder Mensch, der sein Leben lebt und nicht das eines anderen, ein Individualist.
Wobei, das ist mir bei dem Verfassen eines Artikels unter MSWord aufgefallen, das Wort "Individualist" an sich wohl im "normalen" Sprachgebrauch auch schon ein negatives Image genießt. Wenn man da nämlich den Thesaurus anwendet, bekommt man als Synonyme Begriffe wie "Exzentriker", "Spielverderber", "Störenfried", "Querkopf", "Trotzkopf", "Krakeeler" geliefert.
Alles keine besonders positiv belegte Begriffe.
In einem Wörterbuch fand ich zum Beispiel betreffs "Exzentriker" folgende Definition:
"Exzentriker

Ein Exzentriker (aus dem Lateinischen ex centro, außerhalb des Mittelpunktes) ist eine Person, die überspannt oder verschroben ist, bzw. auf andere Art deutlich von der sozialen Norm abweicht."

Das erweckt bei mir den Eindruck, ein Individualist, ein Nonkonformist, wäre gleich sozial inkompetent.
Was natürlich Quatsch ist.
Ich kenne eine Menge "Individualisten", die sogar sehr gut in und mit der Gesellschaft interagieren und dabei sehr glücklich und zufrieden wirken. Eine Einstellung, welche ich, nach rein subjektivem Empfinden, natürlich, bei jenen, die nach Konformität, im Sinne der Norm der Mehrheit der Gesellschaft, streben, immer etwas vermissse.

Das Streben nach Individualismus bedeutet ja nicht zwangsläufig, dass man nicht mit der einen oder anderen Meinung oder Lebenseinstellung konform geht. Wie ich eingangs schon sagte, alles eine Sache des sozialen oder situationsbedingten Konsens.
Wer für sich allerdings die Selbstdiagnose "Individualist" immer als Alibi benutzt, seine mangelnde Teamfähigkeit zu kaschieren, überall und immer gegen Mehrheitsbeschlüsse zu sein und dem es generell an der Bereitschaft mangelt, sich mal etwas zurück zu nehmen, ist in meinen Augen eher ein Egoist oder Egomane, ohne das jetzt werten zu wollen. Aber ich denke, in diesem fehlerhaften Bezug liegt ein Gutteil der negativ belasteten Interpretation des "Individualismus" begründet.
Auch Konformität ist ja nicht gleich etwas negatives. Die Frage, die man sich jedoch stellen sollte, ist immer, die Höhe des Preises, die man zum Zwecke dieser Anpassung zu zahlen bereit ist. Das kann nur jeder für sich entscheiden.

Bedenklich finde ich es aber auf jeden Fall, dass Menschen, die für sich dort eine Grenze ziehen, wo aus freiwilliger und adäquater Anpassung an eine Gruppennorm ein regelrechter Konformitätdruck erwächst, also man sich selbst verleugnen und seinen eigenen ethischen, moralischen und ideellen Wertvorstellungen zuwider handeln müsste, wenn man sich der gängigen Norm oder der Meinung der Masse beugen würde, mittlerweile doch ziemlich locker und leicht einfach rausgekantet werden können. Sei es, dass da jemand an der richtigen Schraube dreht oder einfach dadurch, dass man denjenigen diskreditiert oder durch falsche Verdächtigungen oder vorschnelle Urteile unmöglich macht.

Was in den Köpfen beginnt, schleicht sich, meiner Meinung nach, viel zu schnell auch in den tagtäglich Umgang miteinander ein.
Wenn man soweit ist, Behauptungen über Personen, auch und gerade, wenn man diesen Menschen gut kennt, hin nimmt und nur denkt "Oh, das hätte ich von dem aber nicht erwartet!" anstatt nach Beweisen und Begründungen zu fragen, ist auf dem besten Wege dem Kollegtivismus Tür und Tor zu öffnen.

Irgendwann ist man dann wieder so weit, wenn jemand einfach "weg ist", nur noch gleichgültig mit den Achsel zu zucken. "Ja, der wird schon was getan haben, wenn sie ihn abgeholt haben!"

Hellhörig sollte man auf jeden Fall dann werden, wenn von irgendwo neue Begriffe, oder besser Schlagworte, für Verhaltensweisen aufkommen, die es so, oder in dem Zusammenhang, vorher nicht gegeben hat. Mir kam schon bei dem bescheuerten "pädokriminell" von unser Ex-Uschi das kalte Kotzen und ich assoziierte es spontan mit dem "Sinnestäter" aus Equilibrium.
Aber schon bei dem gedankenlosen Gebrauch des Wortes "Amoklauf" für von langer Hand geplante Abrechnungsfeldzüge, per Definition schon Schwachsinn, kann man, meines Erachtens diese schleichende Entwicklung beobachten.

Allerdings, die in den letzten Jahren zunehmend zu beobachtenden Häufungen solcher, weitaus treffender als School-Shootings bezeichneten, Gewaltausbrüche, lässt mich vermuten, dass, neben dem nicht zu unterschätzenden Werther-Effekt, auch eben besagter Zwang zu Konformität und der Erwartungsdruck einer Norm entsprechen zu müssen, eine große Rolle spielen dürfte.

Auch das ist für mich ein Argument dafür, dass man den Hang zum Individualismus in der Gesellschaft stärken sollte. Wenn man allen zu gesteht, sie selbst sein zu dürfen und sie so akzeptiert, wie sie sind, ließe auch der Druck nach, irgendeinem Ideal entsprechen zu müssen.
Wer in sich selbst ruht, zu seinen Eigenheiten und Skurrilitäten stehen darf, kann auch sehr flexibel und gelassen auf die Eigentümlichkeiten anderer reagieren.

“Being different is what makes us all the same.”

Montag, 11. Januar 2010

Weshalb - Wieso - Warum

Jeder, der Kinder hat, kennt die "Warum-Phase" bei seinem Nachwuchs.
Da wird dann alles hinterfragt, warum der Löffel Löffel heißt, warum man nachts schlafen muss, warum man was auch immer gerade tun muss, wieso man atmet, sieht, fühlt, denkt, wieso man überhaupt lebt.
Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass einem als Elternteil dabei manchmal nicht nur die Antworten und der Atem ausgehen, sondern auch die Geduld. Auch, wenn ich mir immer die größte Mühe gegeben habe, die Fragen meiner Kinder nach bestem Wissen und Gewissen zu beantworten, rutschte mir dann auch bisweilen irgendwann ein "Weil das so ist!" heraus.
Ja, auch jemandem, der ohne Punkt und Komma reden kann, wie mir, geht irgendwann der Wortschatz aus. Bringt aber auch nicht viel, wenn denn auf den wirklich dummen Spruch dann ein erneutes "Warum?" folgt. (spätestens da zieht man dann als Mutter ernsthaft in Erwägung, weiteren potenziellen Nachkommen schon mal rein profilaktisch das Sprechen gar nicht erst bei zu bringen....)

Auch meine Eltern haben sich mit einer Engelsgeduld immer die Mühe gemacht, meine Frage zu beantworten. Was sie selbst nicht wußten, haben sie zusammen mit mir in Büchern nachgelesen. Der Griff zum Knaur  gehörte bei uns zum täglichen Ritus und als ich dann endlich selbst lesen konnte, bekam ich mein erstes mehrbändiges Lexikon (und meine Eltern hatten wahrscheinlich die Tränen der Erleichterung in den Augen.) Später folgten dann diverse Fachbücher über die Wissensgebiete, die mich jeweils in dem Augenblick gerade am meisten beschäftigten.
Nicht, dass sie mich damit ruhig gestellt hätten, aber die Diskussionen, vorwiegend beim Abendessen oder abends beim Fernsehen, wurden wesentlich interessanter. Manchmal entbrannten hitzige Debatten darüber, wer denn nun Recht habe, dann sprang man auf und rannte los und holte Stapelweise Bücher zu dem Zweck, die These des anderen zu widerlegen oder schneller als der andere auf die Antwort zu stoßen.
Natürlich fand ich es als Kind dann natürlich als triumpfalen Sieg, wenn sich herausstellte, dass sich zum Beispiel mein Vater mit seiner Erklärung auf dem Holzweg befand. Allerdings war das dann auch immer ein kolektiver Sieg, weil wir uns gemeinsam freuten, dass wir die Lösung der augenblicklichen Frage gefunden hatten.

Einige Dinge habe ich so gelernt:
  • Wenn man etwas nicht weiß, fragt man nach. Unwissenheit ist keine Schande, nur das "Nicht-wissen-wollen", weil man sich damit selbst beschränkt.
  • Man kann nicht alles wissen, aber man sollte wissen, wo man sich schlau machen kann.
  • Auch Autoritäten, wie Eltern bzw. Erwachsene, aber auch Vorgesetzte, sind nicht allwissend.
  • Respekt verdienen nicht die, die sich auf ihrem Status ausruhen, nach dem Motto "Ich habe Recht, weil ich der Ältere (Schönere, Klügere, etc.) bin.", sondern jene, die ihre Unkenntnis oder ihren Irrtum einräumen und die Größe beweisen, dies zuzugeben und bereit sind, dazu zu lernen.
  • Man lernt nie aus.

Einen Nachteil hatte diese Art der Erziehung dann schon:

Ich bin nie der "Warum-Phase" entwachsen. Noch heute will ich immer noch den Kern einer Sache auf den Grund gehen, wissen wieso etwas so ist, wie es ist und dem Ursprung und gewissen Zusammenhängen auf die Spur kommen und noch heute brauche ich bloß ein Stichwort, um fast manisch in Büchern oder, dem Internet (wie gut, dass es das heutzutage gibt, erspart mir manch schlaflose Nacht, bis ich, wie in meiner Jugend, endlich in die Bücherei komme um da dann ganze Regalreihen auszuleihen!) nach der Antworten auf plötzlich auftauchende Fragen zu recherchieren. Das kann im besten Fall einige Minuten dauern, im schlimmsten Fall aber auch Stunden, Tage und Wochen. Und sie (moi) wardt nie mehr gesehen....

Und dazu kommt noch etwas.
Ich kann es einfach nicht sein lassen, ständig Motivationen von Personen zu hinterfragen. Welche Ziele verfolgt er, was will er erreichen, warum tut er genau das, was er gerade macht. Nicht das ich deshalb übertrieben misstrauisch oder gar paranoid gegenüber meinen Mitmenschhen wäre.
Nur, bisweilen fallen mir dabei Dinge auf, oder, besser gesagt, es werden gewisse Schlüsselreize aktiviert, die weitere Fragen aufwerfen und mich nachdenklich werden lassen.
(Darum sind mir wohl gerade die Gradlinigen am liebsten, die sagen was sie denken, auch, wenn es weh tut. Damit kann ich umgehen, wesentlich besser, als wenn mich das Gefühl beschleicht, dass da irgendeine Absicht, ein Ziel, verfolgt wird. Böse Falle! Während ich mich nämlich dann zurücknehme und quasi auf höfliches Stand by schalte, macht sich die "Rote Bestie" in mir dann schon einmal zum Sprung bereit. Manch einer, der mich zu manipulieren versuchte oder hinters Licht führen wollte, durfte mit "ihr" schon Bekanntschaft machen. *fg*)

Blöd auch, dass ich diese Einstellung auch an meine Kinder weitergegeben habe. Nicht dass ich mich nicht freue, dass sie immer wieder auf's neue nach Wissen und Erkenntnis streben, aber leider gehört dazu ja auch, alles zu hinterfragen, jedwede Aussagen meiner Person, bedauerlicherweise, eingeschlossen.

Das ist nervig und anstrengend, aber irgendwie für mich auch ein gutes Gefühl.
Wenn sie schon mich, die sie kennen und der sie vertrauen, immer wieder auf den Prüfstein bringen, dann werden sie auch nicht irgendwelchen Bauernfängern, Meinungsmachern und Populisten auf den Leim gehen.

Aus dem Blickwinkel betrachtet, verzichte ich dann natürlich gern auf meinen Gott-Status bei meinen Blagen...

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Werrr hat's errrfunden?

Einen hab' ich noch, einen hab' ich noch....
Gerade gefunden und ich's find einfach nur zum Piepen.



Sorry, liebe Schweizer, ich wollte jetzt nicht noch Salz in die Wunde streuen, aber....*pruuuuuust*

Nochmal Minarette - Definitiv letztes Statement!

Ich muss doch nochmal auf die Minarett-Affäre zurückkommen. Ist ja auch schwer daran im Moment vorbeizukommen, so wie das mittlerweile zum Thema Nummer Eins avanciert.

Auch, wenn ich die Angelegenheit als Chance sehe, einfach einmal speziell die Ängste bezüglich des Islams interreligiös zu diskutieren und generell der Frage nach zu gehen, wie weit die Freiheit der religiösen Entfaltung denn gehen sollte, entlockt das Feedback der Schweizer Entscheidung , das von "Hurra, jetzt haben die Islamisten eins auf den Deckel bekommen! Europa den Ureinwohnern!" bis hin zu "Ja, aber so geht das nicht. Das verstößt gegen die Menschenrechte!" eigentlich alle Meinungen verkörpert, die man zu dem Thema einmal haben kann, bei mir eigentlich nur ein Schulterzucken.

Man hat den Muslimen in der Schweiz ja nicht verboten, weitere Moscheen zu bauen und schon gar nicht ihren Glauben auszuüben.
Ich meine, es gibt genug Leute, die ihre Gottesdienste und Messen in irgendwelchen Gemeindehäusern, Hinterhofbaracken, teilweise sogar im Wohnzimmer oder sogar auf dem Dachboden abhalten, von denen die dies bei Wind und Wetter unter freiem Himmel zelebrieren mal ganz abgesehen. Das tut dem Glauben doch eigentlich keinen Abbruch.
Klar, ich hätte auch gerne einen festen Tempel. Aber brauche ich den persönlich? Eigentlich ist da der Tempel, wo der Altar aufgebaut ist und die Kerzen brennen.

Der Volksentscheid bestimmt also lediglich, dass an einer neu erbauten Moschee kein Minarett dran sein darf. Das kann man nun kritisieren oder auch nicht, allerdings befremdet mich, dass nun die Direkte Demokratie generell ins Kreuzfeuer geraten ist.
Das Problem dürfte allerdings weniger dort zu suchen sein, als in der Tatsache, dass man, egal um was es geht, merkwürdigerweise immer eher die Gegner mobilisieren kann als die Befürworter. Da sollt man also zuerst einmal ansetzen.

Jetzt weiß ich nicht, in wie weit das Vorhandensein eines Minaretts auf einer Moschee dem Durchschnittsmoslem wichtig ist. Unsere hier sieht wie jedes x-beliebige Gemeindehaus aus. In Hilden jedoch steht eine, die zwar klein aber fein, moderne und orientalische Baukunst wirklich sehr ansprechend vereint (einfach nur schön!) und die hat ein Minarett.
Für mich persönlich gehört an eine Moschee auch ein Minarett, schon wegen der Optik.
Okay, ich bin auch ein großer Fan des orientalischen Stils, alles so licht und hell.
Ich mag aber auch romanische Kirchen, karg und erdig. Den Kölner Dom, Meisterwerk des gotischen Stils finde ich hingegen potthässlich und beängstigend in seinen Ausmaßen, wenn man davor steht. Ich mag es nicht, wenn mich ein Gebäude erschlägt. Wenn es jedoch um die gotische Detailverliebtheit geht ist er natürlich wieder wunderschön.
Von der Gotik weiß ich jedoch, dass man da eben solche Bauwerke bevorzugte um sich dem Herren und dem Himmel näher zu fühlen. Keine Ahnung, ob das bei einem Minarett ähnlich aussieht.

Soll aber auch nicht Thema sein.
Ich weiß aber immer noch nicht, wo generell an Moscheen, und Minaretts im besonderen, im Stadtbild das Problem liegen soll. Kirchen, nebst dazugehöriger Türme, stören mich ja auch nicht. Warum in Teufels Namen, soll denn nicht zwischen all den Türmen romanischen, gotischen und postmodernen Stils (die ich nun echt nicht immer besonders ästhetisch finde) Platz sein für Minarette.
Weil die nicht in unsere europäische Kultur gehören?
Bitte, also wenn es danach geht, dann bin ich aber schwer dafür, dass diese doofen Mäckes nebst von weitem sichtbarer, weil hoch hinauf ragenden, Leuchtreklamenturm aus dem Stadtbild verschwinden.
Das kann man nicht vergleichen, weil der Islam ja eine Ideologie verkörpert? Tut der McDonalds auch, merkt bloß keiner, weil da der Kopf abgeschaltet und dem Magen das Denken überlassen wird.

Was mir an der, auf das Minarett-Verbot folgenden, Diskussion am meisten auf den Wecker geht, ist, dass es eben längst nicht mehr um Minarett oder nicht Minarett geht. Es geht um die Verurteilung einer ganzen Religion. Da  wird munter über einem Kamm geschoren, was man so unter Islam zu verstehen glaubt. Kopftücher (deren Tragen unter Moslems ebenfalls nicht unumstritten ist und zum Teil heiß diskutiert wird), Zwangsehe (oder was der Mitteleuropäer dafür hält) Genitalverstümmlung (welche keine muslimische, sondern eine kulturelle Problematik darstellt, der Islam in der Tat sogar verbietet!) oder Ehrenmorde (jaja, wenn ein Moslem seine Familie auslöscht, ist es ein Ehrenmord, wenn das ein Nicht-Moslem macht, eine Familientragödie...)

Denn wenn es um angedrohten Mord und Totschlag gegenüber Andersgläubiger geht, um Gewalt und Krieg, steht die Bibel und somit auch der Tanach dem Koran in nichts nach. Auch was die Rolle der Frau angeht. Und auch in nicht abrahamitischen Religionen findet man so einiges an Menschenverachtenden Lehren.
Hinduismus, zum Beispiel, mag ja für einige eine sehr kuschelige Religion sein, da dort ja viele Götter Platz finden und man an Samsara glaubt ud alles so schön transzendent ist, aber was ist mit dem Kastensystem und den damit verbundenen Reinheitsregeln? Möchte man sich wirklich als Mitteleuropäer vorstellen, dort in die 4.Kaste geboren worden zu sein? Möchte man als Paria leben?  Und streng genommen, und von Extremfällen reden wir ja auch bezüglich des Islams, auch, sind alle nicht Hindus Kastenlose, und stehen damit sogar noch unter diesen Paria.
Theoretisch heißt das, das ein streng gläubiger Hindu noch nicht einmal mit euch an einem Tisch, geschweige denn zusammen essen würde. Toll, super Religion! Sehr tolerant.
Und dass die Frauenfeindlichkeit in Indien ebenfalls in der Auslegung der Veden zu suchen ist, vergisst man dabei wohl ebenfalls gern.

Man sollte also immer zwischen den einzelnen Schulen eines Systems unterscheiden lernen. Man wird dabei häufig eine große Diskrepanz zwischen reiner Lehre einerseits, der Auslegung der jeweiligen Glaubensrichtung und der persönlichen Interpretation andererseits feststellen.
Beim Islam, wie im übrigen bei allen abrahamitischen Religionen, ist dies besonders wichtig.
Mir fallen da die Aleviten ein. Für den normalen Europäer scheinen das Muslime, wie Schiiten und Sunniten. In der Tat aber ist das eben nicht so. Es gibt zum "normalen" Islam sogar teilweise so große Unterschiede, dass sich einige Aleviten selbst nicht als Moslems verstehen und da sie sich gegen jede dogmatische Auslegung wehren und die Entscheidungs-- und Glaubensfreiheit jedes Menschen sehr hoch bewerten, sehen das auch die meisten anderen muslimischen Glaubensrichtungen so.
Wenn man die Aleviten jedoch zum Islam hinzuzählt, so befinden sie sich an dem einen Ende einer gedachten Linie und an dem anderen Ende die Wahabiten, welche ja, weil Staatsreligion in Saudi Arabien immer gerne als "Der Islam" gehandelt werden,  und zwischen diesen beiden Gruppen wäre mehr Entfernung als zwischen Sonne und Mond und somit sehr viel Raum für viele andere Richtungen.

Ich frage mich, wie kann man also einerseits von "dem Islam" reden, gerade wenn man doch für sich sonst immer bekundet, es gäbe kein generalisiertes "Heidentum", "Christentum" oder sonst wie geartetes "-tum". Da kann man differenzieren, aber beim Islam versagt diese Einstellung plötzlich kläglich. Da blättert dann plötzlich der Lack des zivilisierten, humanistischen Homo sapiens ab.

Besonders betroffen macht mich, wenn genau jene jetzt laut gegen den Islam wettern, die selbst auf ihrer Religionsfreiheit beharren, sich ständig irgendwie religiös diskriminiert fühlen, Kultplätze für sich einfordern und um Anerkennung als Religionsgemeinschaft streiten,  eben jene, die sich gegen Vorverurteilung und Verallgemeinerung durch Außenstehende auf's Schärfste verwehren, in dasselbe Horn stoßen.
Da frage ich mich in der Argumentation bisweilen, warum jemand z.B. ein generelles Kopftuchverbot fordert, derweil er selber nicht den Arsch in der Hose hat, öffentlich die Zeichen seines religiösen Glaubens zu tragen, weil ein paar Deppen sie missverstehen könnten?
 
Man hört dann auch gerne die Rechtfertigung, diese Religion (Islam) wäre eben kulturfremd, was die eigene Religion natürlich nicht ist. Leute, bei mir spielen eine Reihe von ägyptischen Gottheiten eine entscheidende Rolle, muss ich dann auch in den Untergrund? Oder soll ich lieber das Land auf dem direkten Weg verlassen? Gehe nicht über Los, ziehe nicht 2000 € ein...

Aber vielleicht sehe ich die Problematik auch deshalb anders, weil mein Glauben sich aus vielen Systemen zusammensetzt, eine sogenannte Meta-Philosophie darstellt.
Ich bin auch nicht halb so ein toleranter Mensch, wie das hier erscheinen mag. In der Tat halte ich von Toleranz eigentlich recht wenig, weil das bedeutet, dass ich etwas "erdulden" müsste, was eine Art Leiden für mich impliziert. Doch im Kern bin ich eben ein sehr unduldsamer Mensch und Masochismus liegt mir so gar nicht.

Aber ich stehe eben hinter dem Liber OZ  und das beinhaltet für mich, dass jeder Mann und jede Frau dieselben Rechte und Freiheiten in Anspruch nehmen dürfen.
Dazu gehört auch das Recht, darauf, seine Religion auszuüben. Und wenn er dazu ein Türmchen auf seinem Tempel benötigt, darf er das auch haben. Genauso haben Leute die sich daran stören, das Recht, dies zu sagen. Aber bitte dann in der Diskussion miteinander und nicht irgendwo aus sicherer Entfernung.
Ich hätte noch nicht einmal was dagegen, wenn da zu festgesetzter Stunde ein Muezzin runterbrüllen würde, was man ja auch oft als Argument gegen Moscheen und Minarette zu hören bekommt, obwohl mir bisher keine Moschee bekannt ist, wo solches praktiziert wird. Selbst wenn, bei uns in Deutschland werden Moscheen ja gerne in irgendwelche Industrieviertel und nur höchst selten in reinen Wohngebieten angesiedelt. Da dürfte sich die Belästigung der Bevölkerung ja wohl in Grenzen halten.
Aber so die Kritiker, ist da erst ein Turm, schreit auch bald einer runter. Dabei hört man, neben der möglichen Lärmbelästigung, oft die Befürchtung, da man nicht verstünde, was da gerufen wird, könne man ja auch nie wissen, ob da nicht gerade zu Völkermord aufgerufen wird. Erstens, ist der Adlan festgelegt und somit bekannt, zweitens verstehen die meisten Moslems die Sprache selbst nicht, obwohl sie die Bedeutung der Rufe kennen. Die erfolgen nämlich in Arabisch. Und, nein, nicht jeder Moslem ist dieser Sprache mächtig. Nebenbei, der Ruf erfolgt auch oft, bei kleinen Moscheen von der Tür aus. Kein Minarett bedeutet also nicht zwangsläufig keine "Lärmbelästigung".

Kirchenglocken stören mich im Übrigen ja auch nicht. Ich bin da allerdings auch recht schmerzfrei, da ich genau gegenüber einer Feuerwache, nebst auf dem Turm installierter Sirene auf Ohrenhöhe, wohne. Die höre ich mittlerweile genauso wenig, wie die mit Martinshorn abfahrenden Feuerwehrfahrzeuge und Rettungswagen. Und die halten sich nicht mal an festgesetzte Uhrzeiten!

Aber wie bereits gesagt, all diese Argumente sind scheinbar nur vorgeschoben.
So, wie vor dem Zusammenbruch des Ostblockes "jeder Russe ein Gewehr hatte", so ist nun eben jeder Moslem ein Islamist und somit ein Terrorist.

Wenn es aber um die Angst vor Islamisten geht, vor Einführung der Schari'a und Fiqh, der Furcht davor, dass wir alle irgendwann einmal unter der Dhimma bewertet werden könnten, oder ein Opfer des Dschihad werden, liebe Leute, meint ihr echt, Hassprediger und fundamentalistische Fanatiker brauchen dafür ein Minarett oder überhaupt eine Moschee?
Verbietet die Minarette, verbietet die Moscheen, verbietet meinetwegen, gegen geltendes nationales und internationales Recht die Religion. Das wird Irre nicht abhalten.
Genauso könnte ich jetzt fordern, dass keine Kirchen mehr gebaut werden (schon gar keine mit Glockenturm).

Natürlich sind auch im Islam seit einigen Jahren Fundamentalisten und Erzkonservative Kreise auf dem Vormarsch und das stellt das eigentliche und nicht zu unterschätzende Problem da. Man vergisst dabei aber gerne, dass unter diesen Fanatikern und ewig Gestrigen eben auch Moslems selbst leiden, so wie in Europa und Amerika eben Menschen unter den entsprechenden, christlichen Fundamentalisten.
Ich empfinde beides als gleichermaßen beunruhigend.
Nur, so scheint es mir, unterschätzt man die Gefahr aus den "eigenen Reihen" immer gern ein wenig. Wer käme denn auch auf die Idee, in der heimischen Freikirchlichen Gemeinde könnte jemand Hasspredigten gegen Schwule, Andersgläubige (was auch gemäßigte christliche Richtungen einschließt) und generell allem was mit der eigenen wörtlichen Auslegung der Bibel nicht konform geht, abgehalten?
Die Leute, die da ein- und ausgehen, sehen doch aus wie wir. Nette, anständige Familien mit, zum Teil überdurchschnittlich vielen, Kindern, die sich augenscheinlich so wenig von uns unterscheiden. Kaufen in denselben Geschäften, essen die gleichen Speisen.
Dagegen die Moslems, die sehen schon fremd aus, sprechen, wenn sie unter sich sind, nicht einmal unsere Sprache und haben komische Sitten, die wir nicht kennen. Sie fallen auf...passen für viele nicht ins (kleinbürgerliche) Weltbild, wohingegen die christliche Fundamentalisten ja systeminhärent sind.

Apropos, Islamisten und Bibelnazis: Ratet mal aus welcher Ecke der bescheuerte Pierre Vogel aka Abu Hamza, also der Konvertiten-Spinner, der gern gerade die jungen Moslems hauptsächlich via Internet und Videobotschaften aufhetzt, und der immer als Paradebeispiel für "Die Gefahr aus dem Islam" präsentiert wird kommt...^^

Ein weiteres Argument, welches man gerne anbringt, ist, es gäbe mittlerweile zu viele Moslems in Deutschland.
Wir haben hier eine Bevölkerung von knapp 82 Millionen Menschen. Laut REMID lebten 2008 3.5 Millionen Moslems in Deutschland, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) kommt bei seiner Hochrechnung auf 3,8 und 4,3 Millionen Muslime. Das würde gerade einmal etwas über 5% der Gesamtbevölkerung ausmachen. Hinzu kämen dann noch einmal geschätzte 100000 deutsche Konvertiten, welche allerdings aufgerechnet werden müssten, da zum Beispiel eben die BAMF-Hochrechnung auch jene Menschen einbezieht, die sich von ihrem Glauben abgewandt haben ( Papiermuslime) oder solche, die man als "Teilzeitmoslems" bezeichnen könnte. Kann man da schon von einer Übermacht, einer "Überfremdung" sprechen?
Nun könnte man ja den ollen Churchill zitieren, in dem man anführt, man solle nie einer Statistik glauben, die man nicht selbst gefälscht hat.
Allerdings muss das dann auch in jeder Richtung gelten. Verblüffender Weise habe ich nämlich schon von Zahlen um die oder sogar über 10 Millionen gelesen. Hauptsächlich in Quellen, denen man eine gewisse Zielsetzung, auch bei noch so objektiver Beurteilung, nicht wirklich absprechen kann. Hellhörig sollte man werden, wenn die hohen Zahlen einfach so in den Raum geworfen werden, ohne zu erklären, woher man sie bezieht.
Aber ja, klar, die "Islamisten" vermehren sich ja wie die Karnickel und wollen uns Deutsche so durch Überpopulation "erledigen". Hm, tun die christlichen Fundis auch, aber, wie bereits gesagt, das fällt nicht auf...

Natürlich wird sich in dieser unüberschaubaren Masse der Muslime auch ein nicht geringer Anteil an Fundamentalisten finden lassen. Man kann den Menschen eben nur vor den Kopf gucken.
Aber alle Moslems?

Hinzu kommt, dass kaum eine Schrift, auf die sich die unterschiedlichsten Religionen und Glaubensrichtungen beziehen,  frei ist von der einen oder anderen als gewalttätig einzustufenden Formulierung und da nehme ich meine eigenen wahrlich nicht aus. Wer da das Liber al vel Legis und im Liber Oz, speziell die letzte Zeile, ohne Vorkenntnisse liest, muss auch den Eindruck bekommen, Thelemiten laufen alle mordend durch die Gegend. Tun aber die wenigsten. *g*

Laut einigen Berichten staatlicher oder aber kirchlicher Sektenbeauftragten sind nicht nur wir, sondern der größte Teil der heidnischen Szene ja sowieso die meiste Zeit des Jahres damit beschäftigt, Jungfrauen und Erstgeborenen als Opfer für irgendwelche Rituale auf Friedhöfen oder abgelegenen Plätzen zu besorgen, wenn man nicht gerade eine Orgie abhält oder zeigt, wie hoch das Gras wächst...
Nähme diesen Generalverdacht einer wirklich Ernst, wäre es um das Neuheidentum geschehen.

Fanatiker und Fundamentalisten, die aus ihren religiösen Schriften oder auch verbaler Lehren die Rechtfertigung für Gewalt, Krieg und Völkermord ableiten, gibt es, solange es Glauben gibt. Was ist zum Beispiel eben mit jenen christlichen Fundis, die Bombenanschläge auf Abtreibungskliniken begehen? Das Christentum abschaffen?

Messe man also alle mit dem gleichen Maß, wie den Islam, müsste man Religionen grundsätzlich verbieten.
Darum soll man sich ja mit den Menschen direkt auseinandersetzen. Dann kriegt man ziemlich schnell mit, wie weit es um dessen religiös motivierter Gewaltbereitschaft wirklich bestellt ist.

Wie man jedoch den Vormarsch des religiösen Fundamantalismus aufhalten und somit der Gefahr, die daraus resultiert, entgegenwirken kann, braucht konstruktive Lösungsansätze. Verbote oder generalisierte Verdächtigungen bringen rein gar nichts.

Es hülfe nur ein Schulterschluss mit allen Menschen, die sich gegen solch einen Fanatismus einsetzen wollen. Aber dazu muss man erst einmal ins Gespräch kommen und das geht nicht, so lange im Kopf noch diese Mauer ist, dass die eigene Religion oder die eigene Kultur doch um so vieles freiheitlicher, besser, wahrer ist, als die des Anderen, den ich noch nicht einmal kenne. Klar, kann ich mir z.B. den Koran schnappen und zu lesen beginnen. Aber dann muss ich hingehen und die Leute fragen: "Sag' mal wie stehst du zu dem Vers, jenem Absatz oder der Sure? Und wie meinst du das jetzt? Wie wendest du das im Alltag an?" Und meinetwegen auch die alles entscheide Frage stellen: "Du, willst du mich killen, weil das steht doch in deinem Buch?"

Da dürfte jedoch das größte Problem liegen. Man hängt ja an seinen Vorurteilen.

Da wird schon einmal ein, nicht einmal von allen Muslimen unterstützten, Vorschlag, einen muslimischen Feiertag, zum Zwecke der Interkulturellen und Interreligiösen Verständigung, für alle in Deutschland einzuführen oder das gerichtliche Erkämpfen eines Schülers für sein Recht, einmal am Tag in der Schule beten zu dürfen, bis zur Unkenntlichkeit verzerrt, bis man den Beweis für eine schleichende Infiltrierung der deutschen Kultur durch "den Islam" führen kann.
Man darf natürlich über solche Dinge geteilter Meinung sein, nur, und das ist der Knackpunkt, man sollte bei der Sache bleiben und nicht rumpolemisieren.
Erstaunlicherweise plädiert auch der Zentralrat der Juden für die Einführung eines jüdischen Feiertages (und eines muslimische!) "für alle", nur, von dem Thema lassen "wir" und die Medien tunlichst die Finger, weil man keine Lust hat, sich selbige zu verbrennen.
(Meine Meinung hierzu: Prinzipiell könnte man ruhig alle gesetzlichen Feiertage abschaffen. Andererseits, och, mir würde es nichts ausmachen, wenn Jom Kippur oder Beiram als Feiertag im Kalender vermerkt wäre. Ich würde dabei nicht in Flammen aufgehen und es würde mich auch nicht, auf Grund meiner "ur-deutschen" Wurzeln zerreißen.)

Genauso wenig empfinde ich es besonders ehrverletztend, wenn strenggläubige Moslems mir, dem Schweinefleischfresser, nicht die Hand geben und schon gar nicht bei mir essen wollen. Oder sich vor mich und meinem Hund fast in die Büsche werfen, weil Hund ist ja unrein ist. Oder die an einer Kette um den Hals hängende Fatimas Hand umklammern, wenn sie meinen religiösen Schmuck erblicken. Öhm, ist doch ihr Problem, oder?
Falls die mir deshalb ans Leben wollen, werde ich schon reagieren. Bis dahin...

Und hier komme ich zu einem anderen Punkt, der Ursache für die (gar nicht mal so) latenten Islamphobie sein dürfte.
Einerseits will man ja, als moderner, humanistisch gebildeter Mensch, so tolerant und politisch korrekt erscheinen, es jedem Recht zu machen, bis zur Selbstverleugnung, dass man teilweise in öffentlichen Einrichtungen, wie Kindergärten und Schulen ernsthaft halal und haram für alle Kinder diskutiert, weil sich einige Eltern eben deswegen aufregen
(Der Mensch hat das Recht, zu essen was er will. Niemand braucht sich den Essensvorschriften eines anderen zu beugen. Fertig. Diskussion in weniger als einer Minute erledigt.).
Andererseits aber, geht ihr eigener Anspruch von Toleranz auch den PC-Leuten irgendwann dermaßen auf den Nerv, das sie eben dann, bei passender Gelegenheit, an anderer Stelle "zubeißen".
Ich sagte ja, Toleranz hat etwas mit "Erdulden" und somit mit Leiden zu tun...und der Mensch hat eben nur eine beschränkte Leidensfähigkeit.
Schuld sind da aber nicht die Muslime, sondern diejenigen, die sich eben diese, oft falsch verstandene,  angeblich ja zwingend erwartete, Toleranz auferlegen.

Wobei mir bei dieser Halal-Problematik immer die Moslems in Auge springen, die munter Gummibärchen kauen, Bratwürste aus der deutschen Pommesbude essen oder mit 'ner Schnapsfahne durch die Gegend ziehen. (Im Koran wird der Weinbau übrigens als edler Beruf bezeichnet *g*)

Im Prinzip könnte die Welt recht einfach sein:
Jedes Recht, welches ich für mich in Anspruch nehme, muss ich auch zwangsläufig meinem Gegenüber gewähren.
Und sie lebten glücklich bis an ihr Ende....

Soweit sind wir aber leider noch nicht.
Aber man könnte dort einmal ansetzen. Sich langsam dem eigenen Tellerrand nähern und, wenn man genug Mut gesammelt und seine "Höhenangst" überwunden hat,  einfach mit beiden Händen zugreifen, sich über den Rand ziehen und einen Blick riskieren.


"Wir müssen Brücken zueinander bauen,
wenn wir in dieser wahnsinnigen Welt
Aussicht auf Rettung haben wollen..."
"Die Akzeptanz der Unterschiede
ist Voraussetzung für
die Überraschung von Gemeinsamkeiten..."
Sir Peter Ustinov


Freitag, 11. Dezember 2009

Die Petition gegen Online-Petitionen

Ich wollte hier eigentlich die ganze Zeit auf eine, in meinen Augen, sehr wichtige Petition hinweisen und die Mitzeichnung empfehlen. Es geht dabei um den Kostenlosen Zugang von wissenschaftlichen Publikationen, welche durch öffentlichen Gelder gefördert wurden :
Open Access

Die Begründung der Petition dürfte jedem Menschen einleuchten.

Aber heute morgen stolperte ich bei Thomas Nesges über eine andere Petition, die ich noch unterstützendwerter empfinde:

Petitionsrecht - Öffentliche Petition

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass 1.) die Website epetionen.bundestag.de vorerst deaktiviert wird, damit verbunden 2.) der Online- Petitions- Service des Bundestages vorerst ausgesetzt wird und 3.) die dafür aufgewendeten finanziellen Mittel zur Evaluierung wirksamerer direkter demokratischer Partizipationsmöglichkeiten der BürgerInnen der Bundesrepublik in Zeiten der "Digitalen Revolution" in einem offenem Forum mit allen im dt. Bundestag vertretenen Parteien eingesetzt wird.
 Begründung:
Dies geschehe aus folgenden Gründen:

Online- Petitionen an den Deutschen Bundestag sind sinnvoll, aber in ihrer jetzigen Form wertlos, da
1.) sie nicht mit der ihnen gebührenden Ernsthaftigkeit von den Mitgliedern des Deutschen Bundestages behandelt werden und demnach der politische Willensbildungsprozess der Petenten meist nicht honoriert wird
2.) sie nicht in einer Sitzung des Deutschen Bundestages behandelt werden, sondern von einem Petitionsausschuss, auf dem selten bis nie öffentliche Aufmerksamkeit liegt, wodurch die im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien in der Lage sind, ihnen unangenehme Themen leicht zu übergehen
3.) die Einflussnahme der BürgerInnen der Bundesrepublik Deutschland durch Petitionen auf legislative Entscheidungen des Deutschen Bundestags gegen Null tendiert. Dies wäre z.B. durch verpflichtende Anhörungen im Sitzungen des Bundestag, bzw. spezifischer Fachausschüsse u./o. durch ein Vetorecht für legislative Beschlüsse des Deutschen Bundestags ab einer zu evaluierenden Anzahl an Stimmen zu ändern
4.) der Deutsche Bundestag nicht die ausreichenden Mittel zur Verfügung stellt, um eine reibungslose Funktionstüchtigkeit des Petitionsservers bei ständig steigenden Petentenzahlen auf Dauer zu gewährleisten
5.) die im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien eklatante Defizite im Umgang mit den "Neuen Medien" aufweisen, was direkte Auswirkungen auf die Wirksamkeit des Online- Petitionsangebots des Deutschen Bundestags hat
6.) aus der Erfahrung der vergangenen Jahre bekannt ist, dass es momentan mehr Sinn hat beim Bundesverfassungsgericht eine Klage gegen ein Gesetzesvorhaben einzuleiten, als sich an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages zu wenden
7.) der Deutsche Bundestag u.U. still und heimlich den Online- Petionsdienst abschalten lässt OHNE über sinnvoller organisierte direkte Partizipationsmöglichkeiten für die BürgerInnen zu diskutieren
8.) die Möglichkeit zur Partizipation über mobile Endgeräte wie Handys und Smartphones nicht möglich ist. Vgl: 82,8 Millionen Handys in Deutschland nach BITKOM, August 2006 (also wahrscheinlich 80%-90% der Bevölkerung) zu 60% Internetanschlüssen in deutschen Haushalten nach Wikipedia - eine signifikante Steigerung der Petentenzahlen in Deutschland wäre dadurch möglich
9.) sie keine wirklich positive Entwicklung, weg von der momentanen Politikverdrossenheit in Teilen der Bevölkerung, erreichen kann
10.) der Deutsche Bundestag diese Petition, selbst wenn sie 50.000 Petenten erreicht um im Petitionsauschuss angehört wird, nicht ernsthaft behandeln wird


Warum ich für die Mitzeichnung genau dieser Petition votiere, dürfte jedem klar sein, der sich noch an die Petition von Franziska Heine bezüglich der Internetsperren erinnert. Binnen der Frist hatten 134015 Bürger die Petition mitgezeichnet.
Trotz dieses überragenden Ergebnis blieb eine Konsequenz seitens Petitionsausschuss und besonders der Politik weitgehend aus.
Mehr noch, die Kritiker und somit auch die Mitzeichner dieser Petition wurden von Seiten der Befürworter, allen voran dem damaligen Wirtschafts- und heutigen Verteidigungsminister Guttenberg, unterstellt ebenfalls potentiell "pädokriminelle" Ambitionen zu haben, oder aber sexuellen Missbrauch von Kindern wenigstens billigend in Kauf zu nehmen.

Auch die ebenso wichtige Petition zur Überprüfung der GEMA-Abrechnungspraktiken, mit immerhin 106575 Mitzeichner immerhin, schien weitesgehend ungehört untergegangen zu sein.

So machen gerade die Möglichkeit der Online-Petitionen, „ePetitionen“, die ja erst seit Oktober 2008 als Werkzeug in Hinblick auf Artikel 17 GG,  fester Bestandteil des Petitionsausschusses ist und für dessen Einführung eben dieser mit dem Politik-Award ausgezeichnet wurde, keinen Sinn.

Immerhin wurde ja gerade die hohe Anzahl der Mitzeichner gegen die Internetsperren von Ursula von der Leyen, dahingehend bagatellisiert, dass man ja bloß etwas anklicken brauche.

Was bringt also eine, den Möglichkeiten der neuen Medien angepasste Form des Einreichens und Mitzeichnen von Petitionen an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages, wenn sie einfach von jenen, an die es sich wendet, nicht ernst genommen wird?

Darum, denke ich, ist es an der Zeit, ein Zeichen zu setzen!

Deshalb bitte ich euch, neben eben der Open-Access-Petition, auch diese mit zu zeichnen, damit eben die oben geschilderte Problematik einmal eingehend thematisiert wird.

Eine ebenfalls wichtige Petition ist übrigens auch die  
Gegen ein Verbot von Spielen z.B. Paintball

Sonntag, 6. Dezember 2009

Die wahre Mission des "Allsherjargoden"™ * - Einer langen Nacht wilde Verschwörungs-Theorie

Es gibt ja diesen, allseits bekannten, wohl von den Göttern selbst in den Stand eines Allsherjargode erhobenen, obersten Heiden. Kenner werden wissen, wen ich meine.

Schön, so lange er diesen Anspruch nur für sich innerhalb seiner Gruppierung der Germanischen Glaubens-Gemeinschaft e.V., die sich schärfstens von allen Neu-Heiden-Systemen abtrennen, inne hält, also in seinem eigenen System bleibt, darf er das ja gerne.
Diese Abtrennung finde ich übrigens in soweit schon sinnvoll, weil die GGG sich als unmittelbarer Nachfolger der gleichnamigen, von Ludwig Fahrenkrog 1913 gegründeten Gruppe  betrachtet und obwohl sie sich von deren völkischer Ausrichtung distanzieren, tun sie den modernen Asatru und Anhängern der Nordischen Götterwelt damit einen Gefallen.

Den Angehörigen dieser Glaubensrichtung geht er aber bisweilen gewaltig auf den Pinsel, weil er nämlich gerne den Eindruck erweckt, er allein hätte das Wissen, bestimmen zu können, was nun wirklich germanisches Heidentum ist und was nicht. Dabei spricht er gerne anderen ihre Kompetenz und ihre Auffassung des Glaubens ab. Wäre, meiner Meinung nach auch noch in Ordnung, bliebe er, wie bereits erwähnt, innerhalb seines eigenen Systems. Tut er aber nicht.

So spricht er gerne schon einmal all jenen, die nicht-germanische Wurzeln haben, die Berechtigung ab, germanische Götter verehren zu dürfen, verkündet gerne, Homosexualität wäre den Göttern ein Greuel und hat so seine genauen Vorstellungen, wie die Rolle der Frau im germanischen (Alt-)Heidentum zu bewerten ist.

Das Problem ist dabei aber, dass der Obergode, oder wie er scherzhaft genannt wird, der *Al*******fy*, und/oder einer bzw. mehrere seiner Anhänger, dazu gerne überall da aufschlägt, wo Asatru, Germanisch, oder sonst etwas drauf steht, für das er eine Kompetenz zu glauben hat. Problematisch deshalb, weil der GGG und somit der Herr Obergode die Eddas und Sagas, sämtlich als niedergeschriebenes Wort der Götter ansehen, im Gegensatz zu der, dagegen sehr realistischen, Einstellung, die andere Anhänger des germanischen Pantheon den überlieferten Schriften aus bereits christianisierter Zeit entgegenbringen. Wo bei diesen eben sehr stark persönliches Empfinden und eine in die Neuzeit übertragene Auslegung dominiert, überwiegt bei der GGG eben eine streng an alten Quellen orientierte Rekonstruktion der alten Sitten und des alten Glaubens.
Nicht gegen Rekons, aber wenn da eine Einzelperson bestimmt, was wa(h)r (ist), dann wird es, meiner bescheidenen Meinung nach, grenzwertig.

So erweckt der Herr Obergode bisweilen den Eindruck, er stünde immer mit der aufgeschlagener Edda da (wahrscheinlich der original Snorri-Edda, wenn nicht sogar mit der, die Wotan selbst geschrieben hat), würde darin blättern unnd dann bestimmen: "Schwule? Gab es nicht!" *blätter* "Emanzipierte Frauen? Gibbet nicht!"*blätterblätter* "Schwarze Asatru? Neeeiiin, davon steht da nichts!"
Wenn er sich bei seinen Begründungen wirklich so knapp ausdrücken würde, wäre dem modernen, von ihm genervten germanischen Heiden ja schon einmal geholfen. Tut er aber auch nicht. Er fabuliert dabei oft seitenlang, bis der Diskussionspartner Tränen in den Augen hat und darüber hinaus....kein Erbarmen mit den "Ungläubigen"! Das Potenzial dazu hat er, er schreibt ja auch themenrelevante Bücher. Was ein weiteres Problem darstellt, wenn so ein Neuling in Sachen Germanentum genau mit diesen Büchern seinen Weg beginnt. Dabei ist es eben nicht das Fachwissen des Herren, denn darüber verfügt er zweifelsohne. Es ist eben vielmehr seine Auslegung (die ja seiner Meinung nach keine Auslegung ist, sondern Tatsache) und eben der Alleinanspruch.

So, nachdem ich hier auch denjenigen, denen der Obergode bisher (glücklicherweise) noch unbekannt war, eine kurze Einführung in das Thema gegeben habe, komme ich zum eigentlichen Kern dieses Beitrags:


In einer sehr langen Skypenacht entstand nämlich (bevor einer Vermutungen anstellt, bei 0,0 ‰) folgende Verschwörungstheorie:


Da der "Allsherjargode"™ * ja gerne die Eddas wörtlich auslegt, ziehen wahrscheinlich nicht wenige von ihm Gebeutelten gewisse Paralelen zwischen ihm und seinen Kohorten und fundamentalistischen Bibelnazis, wie sie sich gerne auf Kreuz.net, Jesus.de oder ähnlichen Plattformen herumtreiben (Wobei, bei Jesus.de findet man viele Christen, mit denen man klasse interreligiös diskutieren kann, wenn man eben die BN ignoriert) und denen man auch offline nicht immer aus dem Weg gehen kann.
Nicht nur, dass er ständig mit der aufgeschlagenen Edda, äquivalent zur Bibel, dazustehen scheint, nein, seine Heimsuchungen erinnern teilweise auch sehr an gewisse Missionsversuche.

Könnte also sein, dass der Obergode in Wahrheit ein Agent eben der christlichen Kirche ist, der die Gemenschaft der Neuheiden, speziell der Neo-germanen und Asatru in deren Auftrag unterminieren und durch sein argumentatives Rumgenerve dermaßen mürbe machen soll, dass sie, mit dem Rücken an der Wand, keine andere Alternative mehr sehen, als (zurück) in den Schoß der Kirche zu flüchten.

Man stelle sich das bildlich vor:
Ein Asatru, in mehreren Communities angemedet, wird ständig überall mit den Weisheiten eines "Allsherjargoden" von Götter Gnaden konfrontiert. Schon ziemlich durch, geht er dann z.B. noch in eine Buchhandlung, esoterische Abteilung (ich kann da nichts für, in der Meierschen, im Grauert und anderen großen Buchhandlungen sind Neu-heidliche Fachbücher eben dort einsortiert, direkt neben Arjurveda, Feng Shui für Gelangweilte, dem "Geheimen Buch für Jung-Hexen" in ansprechendem schwarz-pink und anderen sogenannten, eher für die Zielgruppe "Brigitte-Leserin" gedachten Fachbüchern. Genau da habe ich mal Crowleys Liber CDXVIII, "Die Vision und die Stimme" gefunden. War glücklicherweise niemand in der Nähe, niemand sah meine Tränen und niemand hörte meine lästerlichen Flüche...) auf der Suche nach fachspezifischen Büchern und findet, oh Graus, meterweise Literatur von... eben... dem "Allsherjargode"™ *!

Das ist der berühmte Tropfen, der das Fass zum überlaufen bringt.
Der, bisher, so tapfere, wie standhafte und fest in seinem Glauben verankerte Neu-Germane bricht zusammen, läuft zur nächsten Kirche, öffent das Portal, schließt es hinter sich, lehnt noch panisch hyperventilierend dagegen, als der Pfarrer durch den Mittelgang auf ihn zu kommt.
"Kann ich etwas für dich tun, mein Sohn?"
Da bricht es aus dem Geschundenen hervor, derweil er sich vor dem Gottesmann auf die Knie wirft, einen Zipfel der Soultane fasst und flehend mit brüchiger Stimme hervorbringt: "Tauf' mich, tauf' mich! Bitte sofort! Ich kann nicht mehr, er verfolgt mich! Rette mich vor IHM!!!!!"

Und wieder hat Special-Agent "Allsherjargode"™ * seine Mission erfolgreich abgeschlossen und ein weiters Schaf der Herde zu geführt, macht eine weitere Kerbe in seinen Colt Godenstab und reitet in den Sonnenuntergang...auf zu weiteren Taten im Namen des Herren.




Übrigens ist mir aus gut unterrichteten Kreisen zu Ohren gekommen, dass besagter Obergode wieder einmal plant einen Heidnisch-Germanischen Dachverband zu gründen und deshalb nebst Anhang wieder durch die Asatrugemeinden pilgert....Smilie by GreenSmilies.com



* auf besonderen Wunsch des "Allsherjargoden" Géza von Neményi wurde sein bekannter und allseits geläufiger Spitznamen gegen den Titel eines "Allsherjargoden"™ ersetzt. 
Siehe hierzu bitte auch den Beitrag "Post vom "Allsherjargoden"!"