"Bildung ist wichtig, vor allem wenn es gilt, Vorurteile abzubauen.
Wenn man schon ein Gefangener seines eigenen Geistes ist, kann man wenigstens dafür sorgen, daß die Zelle anständig möbliert ist.
"
Peter Ustinov
„Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.“

Benjamin Franklin


Sonntag, 22. März 2009

Warum sind wir so? - Immer noch dem Deutschen auf der Spur...



Das Lied macht mich nachdenklich.

Wo wir so viel überlebt haben, wo wir mit dem Grundgesetz und unserer freiheitlich demokratischen Bundesrepublik doch das nötige Rüstzeug in die Hand gelegt bekommen haben, warum machen wir daraus nicht wirklich etwas?

Warum ergehen wir uns lieber in Jammerorgien, wenn mal wieder etwas nicht so läuft, wie wir es wollen, greifen höchstens zum denkbar schlechtesten Mittel um es "Denen da oben" zu zeigen und wählen aus Protest die falschen Parteien oder gehen gar nicht zur Wahl (und spielen damit den gleichen, falschen, Parteien in die Hand!), anstatt die demokratischen Grundrechte konstruktiv zu nutzen?

Warum lernen wir nicht endlich, dass Demokratie auch Verantwortung, und das von jedem einzelnen, bedeutet?

Warum träumen wir noch den Traum des Wirtschaftswunders ohne daran zu denken, dass heute die Zeche für die gedankenlose Wegwerfgesellschaft der Nachkriegszeit zahlen, in der wir taten, als gäbe es kein morgen?

Warum werden wir nicht satt, konsumieren nur und lassen machen, anstatt selber etwas zu tun?

Warum schreien wir und von uns eben gerade die noch unmittelbar in die Folgen des kollektiven Wahnsinns Hineingeborenen angesichts des schleichenden Zuwachses rechtsfaschistischer Gruppen nicht laut auf?

Warum schimpfen wir im Westen 20 Jahre nach dem Fall der Mauer immer noch über die faulen Ossis, obwohl sie es waren, die zum zweiten Mal, nach der Novemberrevolution 1918/19 eine Revolution auf Deutschem Boden erfolgreich durchgezogen haben? ( letztere ja auch nur mit Abstrichen! Hätte die SPD damals nicht auf halber Strecke der Mut verlassen, wäre es möglicherweise nie zur Dolchstoß-Legende gekommen und die Geschichte hätte vielleicht einen, wenn nicht besseren, aber anderen Verlauf genommen. Warum erinnert sich scheinbar keiner dieser Zusammenhänge? )
Obwohl sie es sind, die immer noch für die gleiche Arbeit weniger Lohn bekommen?

Warum gehen wir nie auf die Strasse, wenn uns der Kurs der Regierung, die wir ja immerhin gewählt haben, nicht passt, wie beispielsweise unsere französischen Nachbarn?

Warum lassen wir uns regieren, anstatt in unserem Sinne regieren zu lassen?

Warum lassen wir uns aber von monopolistischen Gewerkschaftsverbänden zu Streiks verleiten, die zwar kurzfristig gesehen mehr Geld in die Tasche bringt, längerfristig aber zwangsläufig zu Stellenabbau und Arbeitsplatzverlust führen?

Warum denken wir nicht, bevor wir Leitwölfen hinterher hecheln?

Und warum überlassen wir es immer noch den antidemokratischen Strömungen und romantisch-verklärten Spinnern im Land zu definieren, was nun deutsch ist und was nicht?

Warum schreien wir nicht laut auf: "Wir sind wir! Wir sind hier!"?

Kommentare:

  1. Ich glaube irgendwie, dass eure demokratische Tradition die Eigenverantwortung des Bürgers viel zu wenig gefördert hat. Vielleicht ist das nun die Phase wo man sich endlich vom autoritären Muff der Vergangenheit lösen könnte, wenn man die Chance ergreift.

    Niemand kann deine Probleme besser lösen als du selber.

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  2. >Niemand kann deine Probleme besser lösen als du selber.
    Du sprichst ein großes Wort gelassen aus!


    Vielleicht aber sind 60 Jahre wirklich einfach zu wenig (76, wenn man großzügig die Zeit der Weimarer Republik hinzuzählt. Obwohl...eigentlich kann man das nicht wirklich. Alle Beteiligten, Bürger, Politiker, Parteien wurden eher ins kalte Wasser geworfen. Außerdem gab es nur fünf wirklich stabile Jahre, in denen sich die junge Republik hätte etablieren können...) das demokratische Prinzip zu verinnerlichen...

    Aber langsam wird's Zeit: Erkenne die Möglichkeiten!


    Es nervt nämlich, wenn man z.B. den Erklärbär gibt, dass man bei Wahlverweigerung gerade den Parteien hilft, die man nu so überhaupt nicht an der Macht haben will (weil deren potenzielle Wähler gehen ja auf jeden Fall zur Urne, und wenn denen einer vorher genau aufzeichnen muss, wo sie das Kreuz zu machen haben!) und man kann durch die Augen der Zuhörer fast die Schädelrückwand sehen, nach dem Motto: "Wieso denn das, ich geb' doch gar keine Stimme ab?"

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  3. Warum sind wir so, dass wir immer nur unsere negativen seiten sehen?
    Auch das ist ein großer Unterschied zu anderen Völkern.
    LG
    Elsbeth

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  4. Dieser Beitrag erinnert mich an das Buch von Erich Fromm "Haben oder Sein". Er schreibt darin, dass unsere heutige Gesellschaft sehr auf das haben bzw. besitzen fixiert ist. Nach dem Motto: Wir haben ja eine Regierung, wieso muss ich mich da denn noch um etwas kümmern?!
    Wenn uns das Sein wichtiger wäre, dann würden wir uns betroffen fühlen und würden darauf reagieren und aktiv werden.
    Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir zwar über die Regierung und ihre Fehler schimpfen, aber damit ist es dann auch genug. Soll doch die Opposition sich den Kopf über bessere Wege zerbrechen. Aber auch die machen bloß Politik, die Wählerstimmen bringen soll.
    Die Stimmung im Land ist so lethargisch. Und aus unserer eigenen Geschichte wissen wir, dass wir uns diese Lethargie nicht wirklich leisten können.
    Ich haben keine Ahnung, was wir dagegen tun könnten.

    Ich hoffe, es geht Dir gesundheitlich inzwischen etwas besser. Liebe Grüße,
    Astraryllis.

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  5. @ Elsbeth

    Naja, das gehört wohl zum deutschen Attribut "meckern und beklagen"! ;-)
    Ich bin nun schon seit September 2008 hier im Blog (de facto aber schon viel länger) auf der Suche nach "Dem Deutschen", will heißen, ich gehe diesem Begriff auf den Grund, und kann nur sagen, dass es dieses "Wir" als Stereotyp nicht gibt. Allerdings, dieses Stillhalten, aber sich beklagen, im Bereich der Politik geht mir wirklich extremst auf den Senkel...

    @ Astraryllis

    Stimmt, das meine ich mit der immer noch vorherrschenden "Wirtschaftswundermentalität". Da ist dann wichtiger, dass man sich den Urlaub oder das neue Auto leisten kann, als ideelle Werte. Und wenn das Anhäufen von Statusobjekten nicht mehr möglich ist oder wenn eben Werte in Vergessenheit geraten, dann ist eben die Regierung schuld. Damit hat es sich.

    >Die Stimmung im Land ist so lethargisch. Und aus unserer eigenen Geschichte wissen wir, dass wir uns diese Lethargie nicht wirklich leisten können.

    Ja, genau das macht mir auch Sorgen! Zuviel Parallelen, zu viele böse Erinnerungen...

    >Ich haben keine Ahnung, was wir dagegen tun könnten.
    Ich habe da auch kein Patentrezept. Zumindest zur Wahl gehen und nach bestem Wissen und Gewissen seine Stimme abgeben. Aber da, so denke ich, darf es nicht enden. Selber machen? Wäre eine Möglichkeit.

    Mir ist heute eingefallen, dass dieses Jahr bei uns in Monheim eine ganz besondere Partei ihr zehnjähriges Bestehen feiert. Peto wurde damals von vier Oberstufen-Schülern ins Leben gerufen, bekam bei der ersten Wahl auf Anhieb zwei Sitze im Rat und schon bei der zweiten sieben, die sie bis heute hält und setzt sich für die Belange der Jugend erfolgreich ein.

    Auf ihrer Homepage habe ich den ersten Beitrag damals (1999) überhaupt über Peto gefunden.

    Schüler machen Politik!
    Chapeau für soviel Eigeninitiative und Engagement!

    >Ich hoffe, es geht Dir gesundheitlich inzwischen etwas besser.
    Danke! Sagen wir so: Ich gewöhn mich langsam an den Zustand! ;-)



    Liebe Grüße an euch beide und dass ihr von der "Seuche" verschont bleibt
    Crow

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